Sei einfach nur schön - Anita Hofmann - E-Book

Sei einfach nur schön E-Book

Anita Hofmann

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Beschreibung

Schlagerstar Anita Hofmann erzählt in ihrer Biografie, wie die Bühne bereits in früher Kindheit zu ihrem Zuhause wurde, wie sie an toxischen Beziehungen fast verzweifelte – und wie sie mit Mitte 40 endlich erwachsen wurde. 35 Jahre war sie mit ihrer Schwester als "Anita und Alexandra Hofmann" (vormals Geschwister Hofmann) sehr erfolgreich. Nun gibt es das Gesangs-Duo nicht mehr. Neben Licht- und Schattenseiten verrät sie im Buch vom Aufbruch in ein neues Kapitel ihrer Karriere. Anita Hofmann fühlte sich lange unfrei. Unter dem Satz "Sei einfach nur schön!" ist sie fast zerbrochen. Von überwundenen Krankheiten, von innerer Zerrissenheit und dem Kampf, selbstbestimmt sein eigenes Leben zu gestalten – davon handelt diese etwas andere Autobiografie. "Mein Lebensfehler war, immer den Erwartungen anderer zu entsprechen. Ich habe es mir bequem gemacht in meiner Fremdbestimmung. Jetzt habe ich die Kraft und den Mut gefunden, meinen eigenen Weg zu gehen", sagt Anita Hofmann.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 210

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.ddb.de abrufbar.

Hofmann, Anita

Sei einfach nur schön

Die etwas andere Autobiografie

ISBN 978-3-948696-65-8

eISBN 978-3-948696-75-7

Redaktionsleitung: Dr. Matthias Slunitschek

Satz und Gestaltung: Molino Verlag GmbH

Fotografien: Andreas Zitt, Waha Press, Jörg Wendel, Renate Judek, Chris Danneffel, Claudia Thoma, privates Archiv

Druck und Bindung: GGP Media GmbH, Pößneck

© 2024 Molino Verlag GmbH, Schwäbisch Hall und Sindelfingen

Alle Rechte vorbehalten.

ANITA HOFMANN

Sei einfach nur schön

Die etwas andere Biografie

Inhalt

Ein anderer Anfang

Ich glaube an ein Happy End

Wenn Schwestern auseinandergehen

Über das Ende und einen neuen Anfang

Schneewittchen

Sei einfach nur schön!

Wie alles begann

Die Geschwister Hofmann machen Karriere

Tun, was man liebt

Musik nahm mir alles und gibt mir doch so viel

Tauch ab und bleib immer kreativ

Die lange Geschichte eines Songtextes

Wie kann ich frei sein?

Von Tanzen, Rausch und Berührungen mit Alibi

Etappenschläferin

Mein Leben auf vier Rädern

S.O.S. – Bitte rette mich!

Wie ich gelernt habe, zu lieben. Mich selbst und andere!

High Heels und Gummistiefel

Die sieben Gesichter einer Frau und Teilzeit-Diva

Vertauschte Welt

Glück allein – das erste Mal solo

Leben XXL

Mut machen für alle

Mein Herzensprojekt

Über die Begegnung von Jung und Alt

Endlich erwachsen

Raus aus dem Kokon!

Ein anderer Anfang

Ich glaube an ein Happy End

Es gibt Momente im Leben, in denen man sich fragt, ob das eigene Buch nicht anders hätte beginnen sollen. Man stellt sich vor, wie die ersten Seiten von Glück und Leichtigkeit erzählen, bevor auf einmal das Schicksal einen neuen Anfang schreibt. Mein Buch wurde am 1. Adventssonntag 2023 umgeschrieben – ein Tag, der normalerweise von warmen Kerzenlichtern und Vorfreude auf Weihnachten durchzogen ist. Doch für mich wurde dieser Tag zu einem schmerzhaften Neuanfang, da mein Vater starb.

Während ich nach den Worten für den neuen Anfang suche, muss ich daran denken, dass ein Buch nicht nur aus dem Anfang besteht. Es ist eine fortlaufende Erzählung, die sich entfaltet mit Höhen und Tiefen, mit schmerzhaften Verlusten, aber auch mit überraschenden Wendungen. Die Kunst besteht darin, auch in den dunklen Kapiteln die Hoffnung nicht aus den Augen zu verlieren und zu erkennen, dass die Geschichte weitergeht. Ich glaube an unser aller Happy End.

Anita Hofmann,Dezember 2023

Wenn Schwestern auseinandergehen

Über das Ende und einen neuen Anfang

Wie eine Kündigung

»Was ist passiert? Wie konnte es dazu kommen? Ist das alles nur ein Traum?« So viele Fragen geistern unbeantwortet durch meinen Kopf. Unwirklich. Ich bin wie gelähmt. Wahrscheinlich fühlt es sich so auch an, wenn man urplötzlich eine Kündigung erhält. Von seinem Arbeitgeber. Ich weiß es nicht! Ich hatte noch nie eine solche Kündigung erhalten. Wie sollte ich das auch wissen, bin ich doch schon seit ich denken kann ohne einen Boss, einen Vorgesetzen unterwegs. Wobei: War ich das wirklich? Kann man einer Schwester kündigen?

Das frage ich mich die ganze Zeit. Zumindest fühlt sich dieser Schritt so an. Zuerst ausgesprochene Worte, dann umgesetzte Taten. Von meiner Schwester Alexandra, die neben mir wohnt, mit der ich mir ein Haus teile, eine gemeinsame Geschichte und auch ein gemeinsames Leben – miteinander und füreinander. Alexandras Ankündigung, eigene Wege zu gehen, ohne mich und meine jähe Einwilligung haben letztlich auch dazu geführt, dass unsere gemeinsame Zeit auf der Bühne offiziell beendet wurde. Das Duo Geschwister Hofmann, später Anita und Alexandra Hofmann, das für rund 35 Jahre nicht nur unsere musikalische Heimat, sondern auch unser gemeinsames Unternehmen war, findet damit ein Ende.

Ich bin betroffen, durcheinander, aber doch irgendwie kühl distanziert. »Kann man einer Schwester kündigen?«

Diese Frage war plötzlich in meinem Kopf und in meinem Leben. Natürlich löst sie sich von mir als gleichberechtigte Geschäftspartnerin, nicht als Schwester. Aber unser Leben war schon immer so eng mit der gemeinsamen Musik verbunden, dass es mir schwerfällt, in diesem Moment darin einen Unterschied zu sehen.

Die Auflösung des Duos war schon längere Zeit im Gespräch. Hier und da hatte man auch öffentlich darüber spekuliert, ob wir jetzt getrennte Wege gehen werden. Und jetzt? Jetzt ist es wahr! Vielleicht ist das so wie mit dem Heiraten: Man braucht es nicht, um seine gegenseitige Liebe zu zeigen, aber irgendwie fühlt es sich doch anders an, wenn man es tut. Man hat das Gefühl, eine verbindliche Entscheidung getroffen zu haben und das in aller Öffentlichkeit und mit allen Konsequenzen. Die Entscheidung ist gefallen – das ist es, was mich jetzt so durcheinandergebracht hat, denn Entscheidungen treffen, das habe ich nie gelernt.

Wie soll man das auch, wenn man seit seinem elften Lebensjahr auf der Bühne steht? Unsere Karriere begann so früh, dass wir kaum Zeit hatten, das normale Leben von anderen Kindern und Jugendlichen zu führen. Während andere in der Schule waren oder ihre Freizeit mit Freunden verbrachten, tourten wir von einem Auftritt zum anderen, von einer Stadt zu nächsten, von einem Bierzelt zu einem weiteren. Die Bühne war unser Klassenzimmer und die Musik unser Lehrer. Die Entscheidungen, die wir trafen, drehten sich um Songs und Shows – nicht um den Alltag oder um unsere Zukunft.

Als Schwestern sind wir so verschieden wie Tag und Nacht. Viele Fans denken zurecht, dass wir uns als Duo perfekt ergänzt haben. Aber hinter den Kulissen waren unsere Persönlichkeiten wie zwei Instrumente, die manchmal harmonisch verschmolzen sind, aber oft genug dissonant aufeinanderprallten.

Wenn man so unterschiedlich ist – hat man da überhaupt eine Chance, ganz man selbst zu sein? Wie sollte man für immer und ewig gemeinsam glücklich werden, wenn man so unterschiedlich ist? Ist es deshalb nicht besser, wenn sich beide ihren freien Raum suchen und sich nicht gegenseitig die Luft zum Atmen nehmen?

In meiner Teenie-Zeit hatte ich über 300 Auftritte im Jahr. Zeit, um dabei auf eigenen Beinen zu stehen, gab es nicht. Obwohl ich erwachsen werden wollte. Eigene Entscheidungen treffen, dafür geradestehen und im Leben Erfahrungen machen. Mein Umfeld meinte es gut und traf auch für mich Entscheidungen. Entscheidungen, die aus deren Sicht scheinbar gut für mich waren. Aber was war gut für mich? Woher sollten das andere wirklich wissen, standen sie mir auch noch so nah? Ich habe es zu oft geschehen lassen, habe mich angepasst. Sicher auch aus Bequemlichkeit. Doch Anpassung kann zu einem Leben führen, das nicht zu einem passt. Dieser Satz stammt von Ernst Ferstl, einem österreichischen Schriftsteller, dessen folgendes Zitat mein Leben begleitet: »Die Kunst eines erfüllten Lebens ist die Kunst des Lassens. Zulassen. Weglassen. Loslassen.« Nach langem Zulassen bin ich nun beim Weglassen angekommen. Wie wird dann das Loslassen sein?

Es sind diese Fragen, die mich quälen. Die Entscheidung, die nun meine Schwester getroffen hat und letztlich dann auch ich, zwingt mich dazu, über mein eigenes Leben nachzudenken. Wie fühlt es sich an, alleine auf der Bühne und auch einsamer im Alltag dazustehen? Werde ich in der Lage sein, die richtigen Schritte zu gehen, die jetzt notwendig sind? Wird es mir gelingen, jede Unsicherheit zu vertreiben? Eines weiß ich: Es ist an der Zeit, nicht mehr in die Vergangenheit zu blicken, sondern nach vorne zu schauen. Es ist für jede von uns an der Zeit, herauszufinden, wer wir wirklich sind. Jede von uns ist mehr als die eine Hälfte des Duos. Es wird eine Reise ins Unbekannte sein, eine Reise, bei der jede von uns lernen muss, Entscheidungen für ihr eigenes Glück zu treffen – auch wenn das bedeutet, die Schwester nicht mehr an der Seite zu haben. Jedenfalls nicht mehr in dieser Art wie die letzten 35 Jahre.

Andere würden ihren Frust vielleicht in Alkohol ertränken. Ich mache mir nichts daraus. Deshalb sitze ich in der Nacht nach unserem wegweisenden Gespräch mit einem Glas Cola Zero und einer Tüte Paprika-Chips am Schreibtisch und durchforste Artikel, Kommentare und Interviews, die über die Jahre hinweg entstanden sind. Es ist so etwas wie ein kleiner Abschied von unserem Duo. Ich tauche noch einmal ab in die letzten Jahrzehnte. Ich sehe uns in Trachten, mit unzähligen Frisuren und Moden. Die Geschwister Hofmann waren auch ein Stück Geschichte der volkstümlichen Musik – ein Teil dieser Zeitgeschichte. Wir waren in allen Shows und standen auf allen Bühnen. Überall waren wir bestens gelaunt. Doch kommt es zum Gespräch nach dem Auftritt oder in einer Talkshow, dann sehe ich, wie ich mich zurücknehme und kaum zu Wort komme. Das nehme ich niemandem übel, aber ich kann doch nicht ignorieren, dass ich oft genug nicht die war, die ich sein mochte und tief im Herzen auch schon immer war.

Ich klicke weiter und will einfach so und für mich allein verstehen, wie uns die Welt sieht und wie wir uns der Welt präsentiert haben. Entspricht unsere Identität als Duo und als Künstlerinnen den Schlagzeilen? Was ist und war 100 Prozent Anita und was 100 Prozent Alexandra? Ich klicke mich hier durch die Medienwelt, alles voll von Erwartungen und Projektionen, in der die Blätter, Fernsehsender und die Öffentlichkeit uns eine Rolle zuweisen. Sie beschreiben mich als die zurückhaltende Schwester, die sich im Schatten ihrer extrovertierten Gesangspartnerin bewegt. Andere loben meinen Ausdruck, finden mich geheimnisvoll. Ich bekomme viel Gutes gesagt. Da konnte ich mich nie beschweren. Trotzdem fühle ich mich wie eine Figur in einem Theaterstück, das von anderen geschrieben wurde. Wer war das? Meine Eltern, meine Schwester, die Musikbranche? Wie will ich sein? Und warum habe ich erst so spät gemerkt, dass ich anders wahrgenommen werde als ich bin? Warum bin ich nicht schon früher einfach ausgebrochen aus meinen zugeschriebenen Rollen?

Ich klicke weiter und sehe die andere Seite, dass nämlich nicht alles nur Show war! Alexandra und ich waren authentisch auf der Bühne und hinter der Bühne, vor dem Mikrofon und im Gespräch nach der Sendung. Immer wieder stoße ich auf Passagen in Interviews, in denen Alexandra und ich so ehrlich waren, dass ich Gänsehaut bekomme. Darf man über so etwas in der Öffentlichkeit reden? Oder war das sogar unsere Rolle? Lag nicht die Faszination der Anita und Alexandra Hofmann darin, dass hier zwei Schwestern einen hintergründigen Familienzwist, ein ehrkäsiges Konkurrenzverhältnis, wie man es nur von Geschwistern kennt, auf die Bühne getragen haben?

Ich komme mit meinem Geklicke langsam in die Gegenwart der Corona-Pandemie, die uns alle so mitgenommen hat. Persönlich und beruflich. In der Fernseh-Doku des Südwestrundfunks (SWR) »Wilde Zeiten für Schlagerschwestern« sprechen wir über unsere Erlebnisse, die uns zu dem gemacht haben, wer wir heute sind.

Ich erzähle von den vielen Jahren, in denen ich an einer schweren Neurodermitis gelitten hatte. Das wird später im Buch noch ein wichtiges Kapitel für mich werden. Ich freue mich vor der Kamera, den Kampf gegen die Krankheit gewonnen zu haben – und auch über meine neueste Anschaffung, eine Ukulele. Meine Instrumente sind seit meiner Kindheit mein liebster Schatz.

Zwischenrein fallen Worte, an die ich mich nicht mehr erinnern kann. Aber ich höre mir in dieser TV-Doku gerne zu. Höre meine Worte, die aufrichtig sind, auch wenn sie womöglich anecken und missverstanden werden. Über die Jahre meiner Krankheit sage ich: »In dieser Zeit hat Alexandra sehr viel im Büro alleine gearbeitet. Ich war dann, Gott sein Dank, bei den Auftritten immer da. Nur hinter den Kulissen war es durch die Krankheit sehr schwer. Und dadurch ist sie auch sehr dominant geworden.« In meiner Stimme schwingt kein Vorwurf, ich erkläre nur, was geschehen ist: Meine Schwester war da – für uns und für mich. Das würde ich niemals leugnen. Weiter sage ich: »Ja, in der Tat ist sie sehr dominant. Da ist es sehr schwierig nebendran zu bestehen. Ich finde mich jedes Jahr mehr, finde immer mehr auch zu meiner Ruhe.«

Jetzt ist das Gefühl wieder jenes, das ich während des Interviews hatte. Ich erinnere mich wieder. Wer versichert, dass er mehr und mehr zur Ruhe findet, ist vor allem von einem geplagt: von Unruhe. Und wie! Jedes Jahr und jeden Tag habe ich sie besser unter Kontrolle bekommen. Aber sie war da. Diese Unruhe hat mir nicht geschadet, denn sie hat mich auch wachsam werden lassen. Ich habe gelernt – das weiß ich heute – auf mich selbst zu hören, mir und meinen Gefühlen zuzuhören. Das hat aber Jahre gedauert. Schon in unserem gemeinsamen Buch »Geschwister Hofmann – Bilderbuch einer musikalischen Karriere« aus dem Jahr 2003 beschreibe ich auf Seite 46 Alexandra so: »Sie ist ein richtiger Feldwebel. Ich nenne sie immer Napoleon. Ihre morgendliche Begrüßung heißt: ›Anita hol mir mal …‹, so nach dem Motto: Was du heute kannst besorgen, das lass lieber Anita besorgen.«

Wer den anderen für dominant hält, der hält eigentlich sich selbst für ohnmächtig. Darüber lässt sich nicht streiten. Jeder ist, wie er ist. Leichter als andere zu ändern ist, sich selbst zu ändern. Man muss diese Änderung dann aber auch lückenlos leben. In dieser TV-Doku habe ich es sanft ausgesprochen: Ich finde zu meiner Ruhe. Ich lass mich nicht hetzen von Erwartungen, auch nicht von meinen eigenen. Ich bin nicht ohnmächtig, ich bin voll da im Bewusstsein dessen, was ich kann. Ich habe lange genug auf meine eigenen Mängel geschaut. Wenn ein Gegenüber dominant ist, dann sei nicht dominanter, sei du selbst.

Ich habe es mir so bequem gemacht und mich vielleicht auch zu oft beschwert, statt eine Entscheidung zu treffen. Dann hat halt Alexandra entschieden. Auch für mich. Das kann man als Dominanz ansehen. Auch wenn das nicht so augenscheinlich wirkt, ich kann mich durchsetzen und für meine Meinung, meine Wünsche einstehen. Aber: Ich mache das nicht um jeden Preis. Viel zu oft wird viel zu viel zerstört, nur um seinen Willen zu bekommen. Was ist das dann für ein Erfolg? Ein Pyrrhussieg. Bei mir gibt es Grenzen. Und dann stecke ich lieber zurück. Wie man es dreht und wendet, wir sind verschieden und das war und ist gut so.

Auch Alexandra spricht über unser Verhältnis in der SWR-Doku und führt vor der Kamera ein Gespräch, das wir vielleicht viel früher und unter vier Augen hätten führen sollen. Zitat Alexandra: »Meine Schwester ist auch eine starke Persönlichkeit in ihren Bereichen. Aber ich weiß halt auch, dass ich sehr viel Platz einnehme. Für mich manchmal auch schwer, mich zurückzunehmen. Das gebe ich offen und ehrlich zu. Ja, ich bin …«, dann bricht sie ab und sagt schließlich: »Manchmal habe ich so viel Energie, dass ich vielleicht so ein bisschen auch die Angst habe, dass ich vielleicht manchmal meine Schwester auch überrenne damit und ihr vielleicht nicht den nötigen Platz lasse, den sie in dem Augenblick braucht. Weil ich das Gefühl habe, ich platze jetzt mit meiner Energie. Also, da bin ich nach wie vor einfach noch auf der Suche danach: Wo ist denn mein Hebel, dass ich mich ein bisschen zurücknehme?« Wirklich: Meine Schwester ist ein Energiebündel! Aber ich glaube, dass es weder notwendig ist, bei mir die vermeintliche Zündung zu finden noch bei ihr die Bremse. Wir beide laufen auf Hochtouren – jede auf ihre Weise. Ich bin der Meinung, in unserem Beruf muss man sich nicht nur für die eine Idee entscheiden. Nehmen wir deine oder meine Idee? In unserem Beruf können alle Ideen leben. Man kann eigentlich nie genug davon haben. Wir haben die Freiheit, alles umsetzen zu können. Da braucht es keine Bremse – aber auch keine Dominanz, die Ideen womöglich vernichtet.

Wir können uns nicht aussuchen, wie wir sind und unser Erfolg hat dem, wie wir gelebt und gearbeitet haben, recht gegeben. Ich glaube heute, dass wir einfach rausgewachsen sind aus dem Zwillingslook. Optisch schon lange, jetzt auch von unserer Persönlichkeit her, die wir auf der Bühne zeigen möchten. Hundertprozentig, ohne Abstriche. Das ist unser Leben. Es fragt nicht, was sein sollte, darf oder kann. Es passiert einfach. Ob man will oder nicht.

Wir sind beide am Wachsen, haben uns aus der Zeit der gemeinsamen »Kostümchen« emanzipiert und wir fühlen uns da wohl, wo wir jetzt stehen: selbstbestimmt, auf eigenen Beinen und ohne vorauseilende Rücksicht auf die andere. Wir haben unsere Rollen, in die wir reingewachsen sind, nicht ausgesucht. Jedenfalls bedeutete unser Leben für mich und vielleicht auch für meine Schwester zu einer gewissen Zeit so etwas wie Komfort: Du musst dich nicht verändern. Das ist ein Trugschluss! Klar heißt es: »Never change a winning team«. Wir haben mit Anita und Alexandra Hofmann, früher als Geschwister Hofmann, viele Fans gewonnen. Was bedeuten Erfolg und Gewinn aber, wenn beides dich nicht hundertprozentig glücklich macht? Alexandra und ich haben uns letztlich beide dafür entschieden, das Team zu wechseln und solo weiterzumachen, jede für sich. Jede mit ihren eigenen Ideen, die nun ungehindert sein und wachsen dürfen. Mit der eigenen Geschwindigkeit. Mit alldem stehen wir wieder Seite an Seite, wenn auch künftig als Kolleginnen in derselben Branche.

In diesem Jahr wird meine Schwester 50 Jahre und ich wünsche ihr von Herzen alles Gute für ihre Musik, für ihre Kunst und für ihre Familie. Sie wird sicher ihren Weg gehen, genauso wie ich. Keiner unserer Fans muss sich zwischen ihr und mir entscheiden. Wir haben verschiedene Geschmäcker, sind verschiedene Typen, gehen musikalisch auch in komplett unterschiedliche Richtungen. Für jeden Fan ist hier etwas dabei.

Jetzt, nachdem ich länger darüber nachgedacht habe, mein Glas Cola Zero leer ist (und auch die Chipstüte), sage ich es mit Gewissheit: Jede für sich ist mehr als die Hälfte des Duos. Das werden wir beide – jede auf ihre einzigartige Art und Weise – der Welt zeigen.

Mein erster Schultag 1983.

Schneewittchen

Sei einfach nur schön!

Als Kind musste ich eigentlich nie Verantwortung übernehmen. Ich wurde von den unbequemen Seiten des Lebens abgeschottet. »Sei einfach nur schön!« war etwas, was ich oft zu hören bekam. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass dies die einzige Aufgabe war, die mir übertragen wurde. Schön sein, nicht stark oder eigenständig, nur schön sein.

Da ich damals noch sehr jung war, als es beruflich mit uns richtig losging, wollte man mich wohl beschützen vor der Welt da draußen. Doch tut man einem Kind keinen Gefallen, wenn man es vor der Realität beschützt, es aber eigentlich davon abschottet und ihm dadurch zunehmende Verantwortung abnimmt. Wie soll man so eigenständig heranwachsen? Kann man nicht schön und eigenständig und dadurch auch stark sein? Heute kann ich sagen: doch, man kann! Viel war es nicht, was ich wollte: selbst entscheiden, in bestimmten Bereichen mitentscheiden und neben meinem Fulltime-Job auch Zeit für mich haben, um auszugehen, gleichaltrige Menschen kennenzulernen und bestenfalls Freundschaften aufzubauen. Ich spüre es heute fast täglich, dass meine individuelle Entwicklung lange Zeit auf der Strecke geblieben ist, dass ich noch so viel zu lernen habe. Aber vielleicht ist das ja auch ganz normal in meinem Fall.

Keine Frage: Wohl fühlte ich mich schon hinter meiner schönen Kulisse, in meinem Job und mit allem, was dadurch passierte. Ich kannte es ja auch nicht anders. Doch meine Versuche, parallel dazu erwachsen zu werden, wurden immer wieder abgeblockt. Statt zu streiten, verkroch ich mich in meinem Schneckenhaus. Nach einiger Zeit fasste ich wieder Mut, dort herauszukommen, um schon bald mit Anlauf erneut zu versuchen, Entscheidungen zu treffen und durchzuboxen – für mich. Doch wiederholt wurde ich nicht gehört und ich fand mich schneller wieder in meinem Schneckenhaus, als ich denken konnte. Unterstützung bei meinen Versuchen gab es nicht, von niemandem. Dass so ein Teufelskreis, aus dem man nicht rausfindet, immer wieder enttäuscht, tief frustriert und irgendwann auch krank machen kann, seelisch wie körperlich, scheint wohl unausweichlich.

Schönheit und Fassade

Als ich endlich an dem notwendigen Punkt angelangt war, mich kritisch mit meiner Vergangenheit auseinanderzusetzen, habe ich etwas getan, was sich wahrscheinlich zunächst seltsam anhört: Ich habe mir das alte Buch von Jacob und Wilhelm Grimm geschnappt, das in meinem Regal steht, und das Märchen von Schneewittchen gelesen. Das Schneewittchen ist so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarzhaarig wie Ebenholz. So wunderschön es nach außen hin ist, so ein guter Mensch mit guten Werten ist es auch im Inneren. Schneewittchen ist eine perfekte Frau. Aber sie ist – das ist mir erst jetzt als erwachsene Frau aufgefallen – kein Charakterkopf. Sie ist nicht individuell, eigenwillig, sie eckt nirgends an. Schneewittchen ist das Klischee einer heilen Welt und in die passt sie auch hervorragend: in eine Welt, in der am Ende alles wieder gut ist.

Warum aber hatten mir meine Eltern den Spitznamen »Schneewittchen« gegeben, als ich ein Kind war? Hatte dieser Name überhaupt jemals wirklich zu mir gepasst? Ich hatte als Kind nicht nur dunkelbraune Kulleraugen, sondern wie Schneewittchen lange dunkle Haare, die mir bis zu den Oberschenkeln reichten. Mein Teint war hell, wie der von Schneewittchen, weswegen das Rot meiner Lippen dann besonders ins Auge stach.

Ich war ein zartes Mädchen, das eine vollkommen unbeschwerte Kindheit hatte. Alle Schwierigkeiten, die das Leben so mit sich bringt, wurden mir aus dem Weg geräumt. Mir wurde alles abgenommen, was mich Mühe und Energie gekostet hätte. Das war einerseits sehr angenehm, aber es schottete mich auf gewisse Weise auch vom realen Leben ab. Das kann ich ohne Vorwurf sagen, denn eine schöne Kindheit ist nicht selbstverständlich! Wie die Märchenfigur Schneewittchen war ich nach außen hin geradezu ideal. Innerlich war ich in einer Traumwelt gefangen, in der es nie etwas Böses gab und die mich mit guten Eigenschaften wie Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit ausgestattet hatte. Schneewittchen und ich: War der Name wirklich passend? Nur auf den ersten Blick. Meine Eltern hatten sich bei meinem Spitznamen natürlich nicht so viele Gedanken gemacht. Aber ist es nicht doch so, dass man als Kind allen Erwartungen und den Bildern, die Menschen von außen haben, entsprechen möchte?

Auch bei Schneewittchen im Märchen läuft nicht alles rund, weil ihm seine Schönheit eines Tages zum Verhängnis wird. Seine Stiefmutter kann es nämlich nicht ertragen, dass Schneewittchen schöner ist als sie selbst. Schneewittchen lebt inzwischen bei den sieben Zwergen, aber seine böse Stiefmutter kommt als Krämerin verkleidet vorbei und schenkt ihm einen vergifteten Apfel. Ich habe keine böse Stiefmutter, mein Leben wurde niemals in irgendeiner Art und Weise wie jenes von Schneewittchen bedroht. Aber ich hatte dennoch einen durchaus realen Feind: meine Krankheit – die Neurodermitis, die mich von der Geburt an begleitete. Es ist doch so wie überall im Leben. Es gibt nicht nur das Schlechte und Bedrängende von außen, sondern auch die Abgründe, Krankheiten und schlechten Gedanken in dir. Bisweilen wäre mir eine böse Stiefmutter lieber gewesen als das undefinierbare Etwas, das mich mit Juckreiz, Ausschlag und Eiterpickeln plagte. Klar, das Schminken vor Auftritten gehörte zu meinem Job. Damit kam ich wunderbar klar. Doch nun musste ich mit den zahlreichen Mitteln, die wir Frauen so nutzen können, eine Fassade der Schönheit aufrechterhalten, die es so durch meine Krankheit auf natürliche Weise nicht mehr gab. In diesen Zeiten konnte ich nicht einfach Schneewittchen sein. Ich musste mich zuerst mit Make-up zukleistern, bevor ich öffentlich in Erscheinung treten konnte. Ich erinnere mich noch an viele private Bilder, die man ungeschminkt von mir machte. Manchmal sah ich dabei ungeschminkt nicht mehr wie die Schöne aus, sondern viel mehr wie das Biest. Das fühlte ich dann auch so!

Mir ist deshalb jetzt nach dem Lesen von Schneewittchen bewusst geworden, dass ich mich in einem ganz bestimmten Punkt immer von ihm unterschieden habe: mein wunderschönes Äußeres und mein Inneres harmonierten nicht so gut miteinander, wie ich es geglaubt hatte. Meine Neurodermitis war ein sicheres Zeichen dafür, dass ich mich nicht wohlfühlte in meinem Körper. In der Pubertät verschwand meine Neurodermitis dann, um einer Lebensmittelallergie Platz zu schaffen. Als ich schließlich erwachsen war, kam die Neurodermitis zurück. Mein Körper zeigte mir immer noch, dass irgendwas nicht stimmte, aber ich hatte damals keine Ahnung, was das sein sollte.

Wir können Krankheiten nicht bis ins Kleinste verstehen und erklären. Ich bin auch keine Ärztin. Doch es gibt natürlich einen Zusammenhang mit dem eigenen Lebensstil. Die Neurodermitis war die Disharmonie in meinem Leben. Dagegen steht die Magersucht, die mich auch lange Zeit plagte, für die unbedingte Suche nach Freiheit und Selbstständigkeit. Wie es zu alldem kam, beschreibe ich in den nächsten Seiten.

Mein Leben wurde in dieser Zeit streng von anderen Menschen organisiert, weil man es gut mit mir meinte und weil man nur mein Bestes wollte. Darin liegt die Tragik dieser Jahre: Alle meinten es ja nur gut und ich litt daran, wie ohnmächtig in Watte eingepackt zu sein. Wer so lebt, dem tut jede Berührung mit der Außenwelt weh, der hat keine Schutzschicht, auf die er sich verlassen kann.

Als Kind war ich brav, gehorchte und vertraute. Ich eckte nicht an. Ich wollte nur, dass man stolz auf mich war. Als Teenager wuchsen in mir ganz normale Wünsche: Klamotten selbst aussuchen, Verantwortung für das eigene Tun übernehmen, die Außenwelt kennenlernen, Freunde treffen. Allein schon beim Thema Klamotten: Wie soll man seinen eigenen Kleidungsstil entwickeln, wenn man sich nicht ausprobieren kann oder darf? Es gehört doch zum Reifeprozess eines Heranwachsenden, dass man bei allem Tun auch mal danebengreift, einen Fehler macht. All das gehört dazu, um herauszufinden, wer man ist, was zu einem passt und was nicht. Wer hatte in so jungen Jahren einen Stylisten um sich? Ich.

Oder sich mit Freunden treffen. Bei 200 Auftritten im Jahr und neben der Schule sehr schwierig zu realisieren. Mit 18 Jahren einfach mal mit einem Auto wegzufahren, gab es für mich nicht. In meinem Leben war alles durchgetaktet. Die normalsten Alltagsprobleme habe ich nicht mitbekommen und somit auch nie kennengelernt. All das hielt man von mir fern. Es hieß immer: Ich sollte mich aufs Wesentliche konzentrieren und