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Nach dem großen Erfolg der "Sekem Symphonie", der Gründungsgeschichte des bekannten ägyptischen Leuchtturm-Modells durch Ibrahim Abouleish, blickt nun der Sohn Helmy Abouleish in die Zukunft: In den "Sekem Inspirationen" beschreibt er Visionsziele, mit denen sich Ägypten bis 2057 in ein nachhaltiges Vorzeigeland entwickeln soll. Die meisten dieser Visionsziele vom Ökolandbau über erneuerbare Energien bis zur innovativen Bildung sind in den Sekem-eigenen Betrieben bereits in Sichtweite. In dem reich bebilderten Band werden wir Zeuge, wie Sekem zum Modell des Wandels in der Region Nordafrika und darüber hinaus wird. Neben der profunden Erfahrung in allen Bereichen von Nachhaltigkeit beeindruckt Helmy Abouleish damit, moderne ökologische und soziale Maßstäbe auch aus dem Koran zu entwickeln und damit in der Kultur Ägyptens zu verankern. Eine Synthese von Ost und West, von Tradition und Moderne.
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Seitenzahl: 178
Veröffentlichungsjahr: 2022
Impressum
Helmy Abouleish / Christine Arlt
Sekem Inspirationen
ISBN E-Book 978-3-95779-172-6
ISBN gedruckte Version 978-3-95779-165-8
Diesem E-Book liegt die erste Auflage 2022 der gedruckten Ausgabe zugrunde.
E-Book-Erstellung: CPI books GmbH, Leck
© Info3 Verlagsgesellschaft Brüll & Heisterkamp KG
Lektorat: Jens Heisterkamp, Frankfurt am Main
Gestaltung: Frank Schubert, Frankfurt am Main
Alle Aufnahmen, wenn nicht anders angegeben: Samuel Knaus und Justus Harm
„Mit unserer Vision von Ägypten 2057 und unseren Visions-Zielen für Sekem bis zum Jahr 2027 wollen wir eine weitläufige Relevanz erreichen, die einen Systemwandel unterstützt.“
Helmy Abouleish
Das Buch Sekem-Inspirationen ist die ganzheitliche Darstellung einer utopisch anmutenden Vision. Helmy Abouleish von der ägyptischen Sekem-Initiative beschreibt deren Inspirationsquellen sowie die daraus bereits entstandenen und praktisch erprobten Modelle, die großes Potenzial für eine ganzheitliche Transformation in Ägypten und der Welt bergen.
Mit seiner Vision für die Zeit bis zum Jahr 2057 traut er dem Land zugleich eine weitgehende Realisierung aller 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung zu, die von den Vereinten Nationen global angestrebt werden. Denn die Sekem-Ansätze können seit nunmehr 45 Jahren als Inspirationen und Wegbereiter für diese Ziele betrachtet werden. Sie finden weltweit als positives Beispiel für einen nachhaltigen Umgang mit der Natur, für eine neue Wirtschaft sowie im sozialen Umgang und kulturellen Leben Beachtung.
Das Buch skizziert nicht nur hochmoderne Innovationen in diesen Bereichen, es begründet diese zudem mit tieferen Quellen, die aus Ägypten und Europa, Islam und Christentum, Spiritualität und Wissenschaft stammen. So zeigen die Sekem-Inspirationen auch, wie Orient und Okzident sich gegenseitig inspirieren und eine fruchtbare Symbiose entsteht.
Helmy Abouleish, geboren 1961 in Graz, gründete 1977 gemeinsam mit seinem Vater Ibrahim Abouleish die ägyptische Sekem-Initiative und ist heute als ihr Geschäftsführer tätig. Sekem wurde unter seiner Leitung mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Helmy Abouleish ist außerdem Mitglied in verschiedenen internationalen Organisationen und Gremien und wurde von den Vereinten Nationen zum Champion für den nationalen Anpassungsplan an den Klimawandel ernannt.
Christine Arlt, geboren 1986, hat Islamwissenschaften studiert und war als Autorin tätig. Seit 2015 arbeitet sie eng mit Sekem zusammen, ist unter anderem Geschäftsführerin des Fördervereins Sekem Freunde Deutschland und lebt in Köln.
Zur Entstehung und Gestaltung dieses Buches haben Konstanze Abouleish, Martina Dinkel und Regina Hanel maßgeblich beigetragen.
Außerdem gilt unser besonderer Dank Dr. Bruno Sandkühler und Daniel Baumgartner für die inhaltliche Unterstützung sowie Samuel Knaus und Justus Harm für die Fotos.
Grußworte
Persönliche Vorbemerkung
Einleitung
DIE INSPIRATIONSQUELLEN DER SEKEM-VISION
Entwicklungsimpuls aus Orient und Okzident
Die vier Dimensionen des Lebens
DIE SEKEM-SYMPHONIE
Was bisher geschah (1977 bis 2017)
Eine Vision entsteht
Die Vision wird Wirklichkeit
Das Schicksalsjahr 2017
DIE SEKEM-ZUKUNFTSVISION VON ÄGYPTEN 2057
Unsere Visionen von Ägypten 2057 im Überblick
KULTUR
Inspirationen für Potenzialentfaltung und lebenslanges Lernen
40 Jahre Kultur in der Wüste
Herausforderungen und Chancen
Vision (SVG 1): Lebenslanges Lernen
Inspiration: Lernen von der Gemeinschaft
Vision (SVG 2): Forschung
Inspiration: Vitalität sichtbar machen
Vision (SVG 3): Gesundheit
Inspiration: Programm zur Förderung von Gesundheit
Vision (SVG 4): Kultur
Inspiration: Space of Culture
ÖKOLOGIE
Inspirationen für eine enkeltaugliche Erde
40 Jahre Wüste kultivieren
Herausforderungen und Chancen
Visionsziele: Ökologie
Vision (SVG 5): Agrikultur
Inspiration: Biodynamische Landwirtschaft für 2500 Kleinbauern
Vision (SVG 6): Wasser
Inspiration: Dezentrale Abwasseraufbereitung
Vision (SVG 7): Energie
Inspiration: Regenerative Energiegewinnung rundum
Vision (SVG 8): Biologische Vielfalt
Inspiration: Monitoring der Biodiversität in der Wüste
Vision (SVG 9): Klimaneutralität
Inspiration: Positive CO2-Bilanz in der Wüste
WIRTSCHAFT
Inspirationen für eine Wirtschaft der Liebe
40 Jahre Wirtschaft in der Wüste
Herausforderungen und Chancen
Visionsziele: Wirtschaft
Vision (SVG 10): Kreislaufwirtschaft
Inspiration: Kompost
Vision (SVG 11): Wirtschaft der Liebe
Inspiration: Wirtschaft der Liebe ist effizient und kostengünstig
Vision (SVG 12): Geld
Inspiration: Sekem-Währung
Vision (SVG 13): Produkte und Dienstleistungen
Inspiration: Nachhaltiger Gebäudebau
SOZIALES LEBEN
Inspirationen für eine zukunftsfähige Gesellschaft
40 Jahre Gemeinschaftsentwicklung in der Wüste
Herausforderungen und Chancen für Ägypten
Visionsziele: Soziales Leben
Vision (SVG 14): Organisationsentwicklung
Inspiration: Besprechungen effektiver gestalten
Vision (SVG 15): Vielfalt und Chancengleichheit
Inspiration: Frauenförderung
Vision (SVG 16): Soziale Transformation
Inspiration: Soziale Transformation in den 13 Dörfern
DIE VISION 2057 IM KONTEXT UND ZEITGESCHEHEN
Zukunft aus Initiative und Erwartung
Was bedeutet Bewusstseinsentwicklung?
Schlusswort
Die Mitglieder des Sekem-Zukunftsrats
Partner von Sekem
Adressen
Quellenverzeichnis
Zwei Generationen: Dr. Ibrahim Abouleish und Helmy Abouleish
Sekem, ein Impuls für die Welt. Keine Blaupause, jedoch Quelle der Inspiration für Menschen, die etwas verändern wollen, für die Kultur, Bildung und Arbeitswelt, also soziales Leben, eine Einheit bilden. Die sich mit Empathie, Respekt, Liebe und Neugier auf einen neuen Weg begeben. Für Ägypten bietet Sekem die Chance, schrittweise den Stolz und die kulturelle Bedeutung zurückzuerlangen, die das Land bereits einmal erlebt hat, jedoch im Sinne einer zukunftsorientierten, menschengemäßen, nachhaltigen Entwicklung. Die Pflanze aus dem Samen, den unser Freund Dr. Ibrahim Abouleish in den Wüstenboden gelegt hat, wächst und gedeiht. Sie braucht Menschen, die die Pracht dieser Pflanze, die sie einmal erlangen wird, erahnen können und bereit sind, auch einen solchen Samen in ihre Erde zu legen.
Ulrich Walter, Gründer und langjähriger Geschäftsführer von Lebensbaum, Deutschland
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Wir leben in einer Zeit des Umbruchs, die durch eine Polykrise mit drei großen gesellschaftlichen Problemen gekennzeichnet ist: ökologisch (Klima), sozial (Gewalt) und spirituell (Depression). Wir können diese Herausforderungen nicht mit denselben Denkweisen und institutionellen Routinen angehen, die sie verursacht haben. Es gibt nur wenige Orte, an denen neue Denkweisen erprobt, neue Wege der Organisation beschritten und prototypisch vorgelebt werden, wie es in Sekem stattfindet. Die Geschichte von Sekem, wie eine Wüste in einen Ort des menschlichen und planetarischen Gedeihens verwandelt wurde, ist heute relevanter denn je. Sie verkörpert im Kern die Transformation, die für unsere größeren Systeme etwa über die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Developement Goals) oder das Pariser Klimaabkommen gefordert werden.
Otto Scharmer, Professor und Aktionsforscher am Massachusetts Institute of Technology und Gründer des Presencing Institute, USA
Meinen ersten Kontakt mit Sekem hatte ich 1977, zu Beginn meiner Lehre bei der GLS Bank. Es ging um die Finanzierung eines Transportes von Allgäuer Kühen nach Ägypten. Diese sollten in der Wüste Mist produzieren, um damit Sand in fruchtbaren Boden zu verwandeln und mit biologisch-dynamischen Anbaumethoden einen gesunden Lebensraum zu erschaffen und Lebensmittel zu produzieren. Das klang nach einer Utopie, aus der aufgrund der Visionskraft von Ibrahim Abouleish eine global beispielhafte Realität geworden ist. Eine Vision, welche die natürlichen Lebensgrundlagen, das soziale Miteinander sowie die geistige, kulturelle und wissenschaftliche Arbeit umfasst.
Eine Vision muss auch immer in die Zukunft hinein weiterentwickelt werden. Wilhelm Ernst Barkhoff, der Gründer der GLS Bank, hat den Satz geprägt: „Die Angst vor einer Zukunft, die wir fürchten, können wir nur überwinden durch Bilder einer Zukunft, die wir wollen.“ In diesem Sinne ist die Weiterentwicklung der Sekem-Vision von großer Relevanz, für Sekem, für Ägypten und die ganze Welt.
Thomas Jorberg, Geschäftsführer der GLS Gemeinschaftsbank, Deutschland
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Sekem ist für mich ein Vorbild für ganzheitliches Leben: Biologisch-dynamische Landwirtschaft im Einklang mit Boden, Wasserverhältnissen und Tierwohl; die Versorgung der Menschen mit hochwertigen und gesunden Lebensmitteln; ein gerechtes Einkommen, sowie Bildung und Kultur vom Kleinkindalter an. Wichtig sind auch die stetig neu aufkommenden Initiativen und Ansätze zum Beispiel zur Verbesserung der Frauenrechte und Gleichstellung. Mitten in der Wüste schafft es Sekem, in all diesen Bereichen aufzuzeigen, wie ein fröhliches Miteinander und ein lebenswertes Dasein für jeden Menschen gestaltet werden kann. Hierfür wurde Gründer Ibrahim Abouleish von uns mit dem Right Livelihood Award (Alternativer Nobelpreis) ausgezeichnet.
Monika Griefahn, deutsche Politikerin und Mitbegründerin von Greenpeace Deutschland
Wenn es um visionäre Ideen geht, ist die Stimmung in Deutschland oft entmutigend. Dabei brauchen wir in Anbetracht der zahllosen Krisen, mit denen wir kämpfen oder auf die wir zusteuern, Visionen und Ermutigungen dringender denn je. Sekem hat eine solche Vision. In einem ziemlich herausfordernden Umfeld zeigt Sekem, wie Geld verdient werden kann, ohne die Natur zu schädigen oder Menschen auszubeuten. Sekem beweist, dass eine erfolgreiche und nachhaltige Wirtschaft immer auch Kultur braucht und Bildung fördern muss. Wenn es unter den Umständen, wie sie in Ägypten herrschen, möglich ist, nachhaltig und sozial zu agieren und zu produzieren, dann sollten wir das in Europa eigentlich auch hinkriegen, oder?
Hannes Jaenicke, deutscher Umweltaktivist und Schauspieler
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Es ist großartig, in Ägypten ein Unternehmen zu haben, das eine Vision für die Zukunft hat und sich sowohl von der Vergangenheit als auch der Gegenwart inspirieren lässt. Sekem verewigt seine Werte, indem die Gründer:innen und Mitarbeiter:innen darauf aufbauend die Zukunft gestalten. Auf wunderbar kreative Weise wird Sekem damit auf ein besonderes Level nachhaltigen, unternehmerischen Denkens gebracht. So sieht wahre institutionelle Größe aus. Ich bin stolz darauf, Sekem als Beispiel dafür in unserem Land zu haben.
Prof. Hossam Badrawi, Vorsitzender der Nile Badrawi Foundation for Education & Development, Ägypten
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Sekems Vision von Ägypten 2057, die auf der Vision von Dr. Abouleish basiert, kombiniert das Beste aus Ost und West, das Beste aus einer alten Vergangenheit und das Beste aus zeitgenössischem ökologischem Wissen. Sekem hat schon immer das Spirituelle mit Landwirtschaft und Ernährung kombiniert; Sekem zeigt, wie Fülle in einer Wüste geschaffen werden kann und wie Ökologie und Ökonomie in einer Wirtschaft der Liebe und Fürsorge zusammenfinden können.
Dr. Vandana Shiva, indische Wissenschaftlerin und Aktivistin für Umwelt, Soziales und Nachhaltigkeit
Sekem hat seit den 1970er Jahren eine Zukunftsvision entwickelt, die seinem Gründer, Dr. Ibrahim Abouleish, und seiner Strategie recht gibt: Zur Erhaltung dieses Planeten bedarf es des Engagements jedes und jeder Einzelnen in unserer Gesellschaft, eines Menschenbildes, welches Bildung, Zusammenarbeit und die Erhaltung der Umwelt ins Zentrum unseres Denkens und Seins stellt. Seit ich Dr. Abouleish im Jahr 2000 kennenlernen durfte, ist der Beitrag Sekems in den Bereichen ökologische Landwirtschaft und Textilproduktion, Nachhaltigkeit und Regionalentwicklung deutlich sichtbar. Angesichts der Herausforderungen unserer Zeit, ist Sekem ein Zukunftsmodell für nachhaltige Lebensmittelproduktion und -sicherheit, Eindämmung des Klimawandels und eine Kultur des Dialogs.
Georg Stillfried, Österreichischer Botschafter in Ägypten
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In Sekem habe ich einen verwandten Geist gefunden. Mit meiner Arbeit für die Auma Obama Foundation Sauti Kuu versuche ich, in Kenia das zu erreichen, was Sekem bereits geschafft hat. Sauti Kuu (Kiswahili für „Starke Stimmen“) gründete ich, weil ich meiner Gemeinde im Westen Kenias und im Übrigen ländlichen Afrika zeigen will, dass Armut keine Entschuldigung für mangelnde Initiative sein darf. Dass man sein Leben selbst in die Hand nehmen kann. Und dass man es mit lokal verfügbaren Ressourcen und umweltfreundlichen Lösungen verbessern, wachsen und ökonomisch gedeihen lassen kann. Für mich ist die Arbeit, die von Sekem geleistet wird, ein wichtiges Beispiel für die Richtung, die die Welt einschlagen muss, um nachhaltige Ernährungssicherheit und Wirtschaftswachstum für alle zu gewährleisten. Dies geschieht, indem dem Einzelnen und dem Kollektiv beigebracht wird, nicht nur darauf fokussiert zu sein, sich wirtschaftlich selbst zu versorgen, sondern gleichzeitig Rücksicht aufeinander und auf die Umwelt zu nehmen.
Dr. Auma Obama, Germanistin, Autorin sowie Initiatorin und Vorstandsvorsitzende von Sauti Kuu, Kenia
Sekem ist einzigartig in seinem ganzheitlichen Ansatz. Eine lokale, tief in ihrer Gemeinschaft verwurzelte Initiative, die sich mit globalen Perspektiven vernetzt hat. Es zeigt, dass Klein das neue Groß ist, wenn es um Transformation geht. Von besonderer Bedeutung ist in Sekem die Spiritualität, die nicht aus einem Elfenbeinturm heraus vermittelt wird, sondern greifbar im Kontext der täglichen Arbeit erlebbar ist. Auch wenn das alles in Sekem wunderbar funktioniert, kann es nicht kopiert werden. Denn Sekem ist so einzigartig wie die Menschen, die es gegründet haben und heute führen. Es kann vielmehr eine Quelle der Inspiration dafür sein, wie aus der Verbindung von individueller innerer Spiritualität mit dem äußeren Tun nachhaltiger Aktionismus entstehen kann.
Peter Blom, ehemaliger CEO und Vorstandsvorsitzender der Triodos Bank, Niederlande, Vorstandsmitglied des Club of Rome
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Jedes Jahr, wenn ich Sekem besuche und mit Staunen und Freude die Weiterentwicklung dieser Initiative erlebe, höre ich in mir eine Stimme, die fragt: Könnte Sekem ein Zukunftsmodell sein für ganz Ägypten? Um dies zu sein, müsste Sekem zeigen, wie die großen Herausforderungen angepackt werden können. Und immer wieder bin ich begeistert, wie oft Sekem dies in den unterschiedlichen Bereichen schafft. Sekem zeigt seit über 40 Jahren, wie die Wüste fruchtbar gemacht werden kann, wie viele Menschen zusammenarbeiten können und wie jeder Mensch durch Lernen ein Träger der Zukunft sein kann. Ich glaube, Sekem kann für die Zukunft Ägyptens einen wichtigen Beitrag leisten. Ich hoffe, das große und reiche Land Ägypten findet einen mutvollen Weg in die Zukunft. Inshallah.
Ueli Hurter, Vorstand am Goetheanum, Leiter der Sektion für Landwirtschaft, Schweiz
Als ich Sekem in den frühen 1980er Jahren zum ersten Mal besuchte, hatte ich das Gefühl, eine Welt zu betreten, die zum einen zukunftsweisende, fast futuristisch anmutende Kontexte realisiert hatte, und die zum anderen tief in der ägyptischen Realität verankert war. Für mich ein herausragendes Beispiel dafür, dass wir uns eine bessere Zukunft für die Menschen und ihre Umwelt nicht nur vorstellen, sondern dass wir sie auch verwirklichen können. Sekem zeigt, dass es möglich ist, traditionelles Wissen und lang erprobte Praktiken mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den Bereichen Kultur, Soziales, Wirtschaft und Ökologie zu verbinden. In fortwährender Dankbarkeit für diesen Ansatz gedenke ich Dr. Ibrahim Abouleish.
Laila Iskander, ägyptische Politikerin und soziale Unternehmerin
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Sekem verkörpert, wie nachhaltige Entwicklung aussehen sollte: Ein ganzheitlicher und integraler Ansatz auf allen Ebenen und in allen Dimensionen, wobei die menschliche Entwicklung stets im Mittelpunkt steht und in der praktischen Arbeit stattfinden kann. Die Realisierung dieser Vision hat mich dazu inspiriert, Sinal do Vale in Brasilien zu gründen. Ich werde immer dankbar sein, dass mich Sekems inspirierende Vision begleitet und wünsche mir, dass in diesen turbulenten Zeiten viele andere Pioniere die Chance haben, von Sekem zu lernen. Denn Sekem ist ein Leuchtturm für alle, die bereit sind, einen echten Wandel in ihren Betrieben herbeizuführen.
Thais Corall, Soziale Unternehmerin und Aktivistin sowie Gründerin von Sinal do Vale, Brasilien
Wir haben eine Vision. Eine Vision von der Zukunft Ägyptens. Sie strahlt uns entgegen und erfüllt uns mit Freude und Tatendrang.
Wenn ich „wir“ sage, dann meine ich den Sekem-Zukunftsrat. Dieser Rat besteht im Moment aus 20 Menschen, die sich alle bewusst dazu entschieden haben, sich an der Verantwortung für die Umsetzung der Sekem-Vision zu beteiligen. Mein Vater hat diese Rolle wie folgt beschrieben: „Zu den Bedingungen dieses Rates gehört es, eine lebendige Verbindung zu den geistigen Quellen der Vision zu pflegen. Eine weitere Bedingung sehe ich darin, dass die Führungsmitglieder sozialfähig sind, dass sie die Verbindung mit den jeweils anderen als Bereicherung und Ergänzung erleben und voneinander ein Bewusstsein haben. Gemeinsam können sie Problemen objektiv begegnen, aneinander lernen und in der Auseinandersetzung mit der Welt in die Überzeugung hineinwachsen, dass es nichts gibt, was nicht lösbar wäre.“1 Besser könnte man das tiefe Engagement meiner Zukunftsrat-Kolleg:innen nicht beschreiben. In diesem Buch wollen wir von unseren Inspirationen, Visionen und Taten erzählen.
Immer wieder fällt uns auf, wie negativ der Blick in die Zukunft geprägt ist – dabei gibt es bei allen Stolpersteinen so viele großartige Lösungen, die eine positive Zukunft schaffen können. Ein Grund für diese Zuversicht ist, dass wir uns nicht nur eine Zukunft vorstellen, die aus der Vergangenheit geprägt ist, sondern den Blick auch auf das Potential werfen, das uns aus der Zukunft entgegenkommt. Dieser Ansatz ist das Erbe meines Vaters, der die Sekem-Vision 1977 in diesem Bewusstsein formuliert hat.
40 Jahre später ist mein Vater verstorben. Er hat uns seine Vision hinterlassen und mit der Sekem-Initiative ein daraus erwachsenes vielfältiges Gebilde, das die unterschiedlichsten Aktivitäten umfasst. Durch diese Entwicklung sind uns einige Zukunftsfragen deutlich geworden: Wie kann die Vision meines Vaters in die Zukunft wirken? Wie wird sich die Sekem-Gemeinschaft ohne ihre Gründer weiterentwickeln? Oder: Wie kann die Vision in der Sekem-Initiative weiter lebendig bleiben?
Eine besondere Landschaft als Ausgangspunkt einer Vision
Mein Vater ging ohne Sorge, denn er hatte mich in den vergangenen 40 Jahren auf seine Nachfolge vorbereitet. Als wir uns dann in dieser konkreten Situation der Verantwortungsübernahme wiederfanden, wurde deutlich, dass es nun an der Zeit und an uns war, Antworten auf diese Fragen zu finden.
Mein Vater war ein charismatischer Charakter, der als Gründer und Visionär Einblicke und Bewusstsein für die Entwicklung und das Anliegen Sekems hatte wie kein anderer. So geht es für uns nicht wirklich um die Frage der Nachfolge im Sinne eines Ersetzens meines Vaters, sondern vielmehr um eine Weiterentwicklung und Veränderung. Nicht eine Person kann und soll die Gründer ersetzen, sondern Sekem soll aus dem Geiste vieler gestaltet werden. Dafür hatte mein Vater bereits den Zukunftsrat gegründet. Dieser muss sich nun von einer Gruppe aus engagierten Menschen, die Sekem prägend mitgeformt haben, zu einer Instanz entwickeln, die so befähigt und organisiert ist, dass sie die Vision lebendig weitertragen kann. Auf dieser, zuweilen steinigen und holprigen, aber immer spannenden und vielversprechenden Entdeckungsreise befinden wir uns gerade.
Die Sekem-Initiative ist ein vielfältiges Gebilde mit dem Anspruch, ganzheitlich zu arbeiten. Das heißt, in allen Bereichen werden stets die jeweils anderen Dimensionen einbezogen, um sich gegenseitig und miteinander zu ergänzen. Gleichzeitig bleibt aber jeder Bereich frei und ohne Abhängigkeit von einer anderen Dimension. Diese Aufgabe, die über 40 Jahre lang von uns Gründern geleitet wurde, nun in mehrere Hände zu geben, ist ein komplexer Umstrukturierungsprozess, der Zeit benötigt. Jede und jeder einzelne bringt seine eigene Individualität mit, und je mehr Platz diese bekommt, desto effektiver wird das gemeinschaftliche Tun.
Rückblickend kann ich feststellen, dass dieser Prozess für mich persönlich bereits 2011 eingeleitet wurde, als ich 100 Tage im Gefängnis verbrachte. Während der Revolution in Ägypten war ich, wie etliche andere Unternehmer und auch Minister und Aktivisten, mit dem Vorwurf der Korruption verhaftet worden. Nach drei Monaten kam ich wieder frei und die Anklage wurde später fallengelassen. Ich habe diese Zeit dazu genutzt, etliche Themen zu reflektieren, wozu ich in meinem überfüllten Arbeitsalltag nie Zeit und Muße gefunden hatte. Zum Beispiel ging es um mein eigenes inneres Vermögen, wieder erkennen zu können, wie wichtig es ist, der Zukunft unvoreingenommen entgegenzutreten und neue Impulse zuzulassen. Ich beschäftigte mich auch mit meinem Verhältnis zum Islam, der mich zu meinen spirituellen Quellen zurückbrachte; und ich reflektierte über meine Rolle in Sekem und meine Ziele für die Zukunft ebenso wie über meine Aufgabe in der ägyptischen Gesellschaft. Damit begann ein Prozess, der mich wegführte von nationalen und internationalen Bühnen, die mich in der Zeit davor beschäftigt hatten, und hinführte zu der Fokussierung auf Sekem. Das Bewusstsein von der Bedeutung der fortwährenden individuellen inneren Schulung für die Weiterentwicklung Sekems wurde wieder klarer. Aus meiner heutigen Sicht können wir mit einer so gelebten Vision viel mehr in der Welt bewirken, als nur über die Politik.
Und genau das ist es, was wir mit unserer Zukunftsvision, um die es in diesem Buch gehen soll, zeigen wollen. Nach der Pionierphase, der Gründungszeit Sekems, wo erst einmal grundsätzlich zu beweisen war, dass so eine Initiative wie Sekem überhaupt lebensfähig ist – denn das wurde in den Anfangsjahren weitgehend bezweifelt – wollen wir nun den nächsten Schritt gehen und anhand vieler pionierhafter Projekte einen systemrelevanten Wandel in Ägypten unterstützen. Ich bin überzeugt davon, dass wir so zu einer erfolgreichen Zukunft des Landes beitragen werden. Denn wir können heute auf die praktische Erfahrung aus 45 Jahren Visions-Umsetzung zurückgreifen, wir sind verwurzelt in geistigen Inspirationsquellen, die uns sicher tragen, und es arbeiten Menschen mit, die dazu fähig sind, sich jeden Tag neu zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Auf dieser Grundlage ist es nun unser Anliegen, praktische Lösungsmodelle zu kreieren und zu teilen.
Aus der Wüste wurde eine blühende Landschaft
In diesem Buch wollen wir Sie an diesem Prozess teilhaben lassen. Wir wollen berichten, welche zukunftsweisenden Projekte wir begonnen haben – wie wir Zukunft mit Initiative gestalten und gleichzeitig Räume offenhalten, in denen sich aus der Zukunft Ankommendes entfalten kann. Damit wollen wir zeigen, warum wir so zuversichtlich und voller Freude an der Gestaltung von Zukunft mitarbeiten!
Als ein „Wunder in der Wüste“ ist die Sekem-Initiative heute bereits vielen Menschen ein Begriff. Die einen sprechen von einer blühenden Farm inmitten der Wüste, die anderen von ganzheitlich agierenden Bildungseinrichtungen für die ländliche Bevölkerung Ägyptens. Wieder andere kennen unsere Firmen für Bio-Produkte oder haben von einer nachhaltig lebendenden Gemeinschaft aus Christen und Muslimen, von Menschen aus aller Welt und Ägypter:innen gehört. Was Sekem tatsächlich in der Realität ist und wie es gelebt wird, ist nicht in wenigen Worten zu beschreiben. Das macht Sekem womöglich aus: die Vielseitigkeit in der Ganzheit und die Beständigkeit trotz stetiger Entwicklung und Veränderung. Selbst wer Sekem einmal besucht hat und dabei das komplexe Gefüge gesehen und erlebt hat, wird, wenn er wiederkommt, mit großer Wahrscheinlichkeit neue Projekte, Menschen, Einrichtungen oder Strukturen vorfinden. 45 Jahre nach der Gründung ist Sekem in der Tat ein Phänomen – die tatsächlich in der Praxis angewandte Vision einer ganzheitlich gelebten Initiative für nachhaltige Entwicklung. Und gleichzeitig ist Sekem doch unendlich weit von Perfektion entfernt. Auch dies scheint entscheidend zu sein: das Neue wird – oft mit vielen Kompromissen und mitunter schwer zu ertragenden Unklarheiten – buchstäblich in Angriff genommen, und kann sich dann im direkten Tun entwickeln, meist ganz anders als zunächst gedacht.
