Selbständigkeit für Kreative - Sandra Mösli - E-Book

Selbständigkeit für Kreative E-Book

Sandra Mösli

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Beschreibung

Dieses Buch ist ein etwas anderer Leitfaden für Menschen wie dich: Kreative Köpfe, die frei sein und die Begrenzung eines geregelten Arbeitsverhältnisses verlassen wollen. Denn du weisst, dass du nur dann deine volle Kreativität ausschöpfen kannst. Nein, in diesem Buch geht es nicht um Businessplan, Akquise, Marketing oder Social Media. In diesem Buch wirst du aufgefordert, dich selbst besser kennenzulernen und dich von gesellschaftlichen Zwängen, wie etwas zu sein hat, zu lösen. Dieses Büchlein führt dich anhand eines praxisnahen Beispielprojektes 1:1 durch die einzelnen Stationen einer Projektabwicklung - von der Kundenanfrage bis zum letzten Teil, dem Schreiben der Rechnung. Dazu gehört auch das Festlegen deines Stundenansatzes und die richtige Kalkulation deiner Produkte. Wie praktisch, dass du auch die entsprechenden Vorlagen zu deiner freien Verwendung in diesem Buch findest. Dieser kleine Leitfaden soll helfen, dir deinen Weg zu ebnen. Ohne teuren Online-Kurs oder kostenintensives Coaching. Die Inhalte eignen sich für alle Branchen im Handwerk und jede andere kreative Tätigkeit.

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Seitenzahl: 75

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Inhaltsverzeichnis

Vorwort: Die Balance zwischen dem kreativen Kopf und dem geschäftlichen Unternehmergeist

1 Die Kalkulation des Stundenansatzes ist wichtig – aber …

2 Der geschäftliche Kopf wälzt trockene Zahlen – Ermittlung des Stundenansatzes

3 Deine innere Welt und die Beeinflussung von aussen

3.1 Lerne dich kennen, indem du Tagebuch führst

3.2 Unabhängig von der Meinung anderer sein

4 Ideenfindung und Termindruck

5 Projektabwicklung

5.1 Die Anfrage des Kunden

5.2 Vorbereitung auf die erste Besprechung

5.3 Die Besprechung

5.4 Konzeptentwicklung und Führen eines Rapports

5.5 Angebot schreiben

5.5.1 Die Zuschlagskalkulation

5.5.2 Der Inhalt des Angebots

5.6 Zweite Besprechung

5.7 Entwicklung / Prototyp

5.8 Dritte Besprechung

5.9 Besprochene Anpassungen vornehmen

5.10 Vierte Besprechung

5.11 Ausführen des Konzepts / Vervielfältigen des Produktes

5.12 Abgabe / Abnahme deiner Arbeit..

5.13 Projektauswertung und Dokumentation

5.14 Rechnung schreiben

6 Zeitmanagement

7 Positionierung, Anpassung, Weiterentwicklung

8 Umgang mit Kritik und Reklamationen

Schlusswort

Anhang

Vorwort: Die Balance zwischen dem kreativen Kopf und dem geschäftlichen Unternehmergeist

Da du dieses Buch liest, bist du ein kreativer Kopf. Und als kreativer Kopf möchtest du frei sein. Ein klassisches Arbeitsverhältnis mit geregelter Arbeitszeit und festgelegten Tätigkeiten ist nichts für dich. In einem solchen Alltag kannst du dich nicht entfalten, deine Kreativität wird unterdrückt und blockiert.

Als kreativer Kopf in Selbständigkeit brauchst du gleichzeitig aber auch einen geschäftlichen Unternehmergeist. Es gilt also, eine gesunde Balance zwischen diesen beiden Ichs zu finden. Die Herausforderung besteht darin, sich in die Ideenfindung, die kreative Gestaltung oder handwerkliche Ausführung von etwas zu vertiefen, ohne die vielen Aspekte, die sonst noch dazugehören, zu vernachlässigen.

Stelle dir folgende Situation vor: Du hast da die Idee für ein Produkt. Auf dem Papier hast du ein paar Skizzen hingeworfen und einige kryptische Worte dazugeschrieben. In deinem Kopf ist das Stück fertig hergestellt. Vielleicht sollst du jetzt jemanden davon überzeugen, damit du das Produkt fertigen kannst. Deine Idee kannst du jedoch nur präsentieren, wenn du dich nochmals hinsetzt und vorzeigbare Dokumente ausarbeitest und die kryptischen Worte in verständliche Sätze verwandelst.

Die Ideenfindung hat dir Spass gemacht. Das Erstellen der Dokumente jedoch nicht. Noch weniger gefällt dir, dass du eine erste Preisschätzung abgeben musst. Also heisst es nochmals, sich hinzusetzen und zu rechnen. In einem Angestelltenverhältnis hättest du keine Wahl – du müsstest es einfach tun. In der Selbständigkeit könntest du das unter Umständen so lange vor dir herschieben, bis die Ideenskizzen unter anderen, neuen Skizzen verschwinden.

Sich selbst und seinen Kunden gegenüber zuverlässig zu sein, ist allerdings unumgänglich, denn nur so kannst du irgendwann auch eine Rechnung schreiben und dir unter Umständen eine gute Beziehung zu einem treuen Kunden aufbauen.

Selbständigkeit als kreativer Kopf bedeutet, sehr vieles nicht Kreatives erledigen zu müssen.

Werfen wir noch einen Blick auf den aktuellen Zeitgeist, und was dieser für kreative und handwerkliche Köpfe bedeutet.

Mit der Globalisierung und der Produktion in Billiglohnländern ist das heimische Handwerk unter einen grossen Preisdruck geraten. Besonders schwer tun sich jene wie wir, die kreativ arbeiten, Ideenfindung betreiben und Produkte und Werke erschaffen.

Während die Arbeitsqualität eines Buchhalters an der Korrektheit der Zahlen objektiv gemessen werden kann, ist die Wertschätzung der kreativen Arbeit vom jeweiligen Geschmack einer Person abhängig. Ein handgemachtes Werk oder Produkt ist somit ein Stück weit der Willkür unterworfen: die eine Person ist bereit, mehr dafür auszulegen als eine andere.

Hinzu kommt, dass die breite Bevölkerung den effektiven Aufwand für hochstehendes Handwerk und hochstehende kreative Arbeit gar nicht mehr einschätzen kann, weil billige und qualitätsmindere Produktionen den Markt beherrschen. In Grossbetrieben wird die Arbeit mehr und mehr von Robotern übernommen, die keine Pausen und keinen Lohn benötigen und 24 Stunden pro Tag arbeiten.

Vielen Menschen ist es auch gar nicht möglich, mit ihrem Auge den Unterschied zwischen einer Billigproduktion und einer handwerklich soliden Qualität zu erkennen.

In einer Welt, in der eine künstliche Intelligenz Bilder malt und du damit zur «Künstlerin» oder zum «Künstler» werden kannst, droht das Echte und Analoge unterzugehen.

Mit diesem etwas anderen Leitfaden gebe ich dir einen kleinen Ratgeber zur Hand, mit dem du dich besser kennenlernen kannst, dein Selbstbewusstsein stärkst und dich von den Meinungen anderer und dem Zeitgeschehen unabhängig machst.

Zudem findest du hier auch Vorlagen und Berechnungsbeispiele für Betriebswirtschaftliches sowie ein ausführliches Kapitel zur Projektabwicklung.

Themen wie Businessplan, Rechtsformen einer Firma, Marketing und Social Media findest du in diesem Buch hingegen nicht. In diesen Bereichen ist viel Lesenswertes auf dem Markt und auch die entsprechenden Stellen geben dir dazu Auskunft.

Mit diesem kleinen Leitfaden profitierst du von meinen Erfahrungen, denn die Inhalte stammen direkt aus meiner praktischen Tätigkeit.

Er soll dir helfen, deinen eigenen Weg zu finden.

1 Die Kalkulation des Stundenansatzes ist wichtig – aber…

Ich bin Handwerkerin mit Leib und Seele. Meine Arbeitstage damit zu verbringen, etwas zu bauen, aufzubauen, zu bemalen, zu malen, zu dekorieren, zu entwerfen oder zu schneidern erfüllt mich mit tiefster Zufriedenheit.

Ich mag auch den körperlichen Einsatz, den es dafür oft braucht. Zu sehen, was unter meinen beiden Händen entsteht, mithilfe meiner Intuition, meiner Erfahrung und immer wieder mit viel Mut, Neues zu wagen und zu improvisieren, erfüllt mich mit Zufriedenheit und täglich neuer Freude.

Um davon leben zu können, reicht die Berechnung des Stundenansatzes an sich nicht aus. Vielmehr (und vor allem) geht es darum, diesen Stundenansatz auch durchzusetzen. Denn das Problem, das viele kreativ und handwerklich tätige Menschen haben, ist, dass sie selbst den Wert ihrer eigenen Arbeit nicht anerkennen. Sie sind unsicher und lassen sich viel zu oft von aussen beeinflussen.

Ich bin da keine Ausnahme. Wenn ich durch die Jahre meiner beruflichen Laufbahn zurückdenke, habe ich viele geniale Arbeiten zu einem zu tiefen Preis abgegeben. Ich war plötzlich in einer Tiefpreis-Spirale gefangen. Riesige Mengen an Projekten und Arbeiten türmten sich vor mir. Wohl habe ich von dieser Arbeit gelebt, aber ich hätte viel mehr verdienen können. Kalkulation und die Festlegung von Produktpreisen waren immer eine meiner Stärken gewesen; ich schaffte es aber nicht, diese Preise dann auch durchzusetzen.

Was ist passiert? Ich brannte aus. Und klappte zusammen. Hinzu kam die fehlende Wertschätzung von aussen.

Bei deinem Weg geht es darum, dies zu vermeiden.

Als Erstes müssen falsche Glaubenssätze und allgemeiner Irrglauben aus dem Weg geräumt werden. Ansichten die ich oft zu hören bekomme:

«Ich kann die Preise später immer noch erhöhen.»

«Einen höheren Preis will man mir nicht bezahlen.»

«Wenn ich anfangs zu teuer bin, kann ich keine Kunden gewinnen.»

«Ich muss mir zuerst einen Ruf erarbeiten.»

«Ich muss zuerst genügend vorweisen können, um dann den richtigen Preis dafür verlangen zu können.»

«Man weiss ja, dass kreativ, künstlerisch oder handwerklich zu sein brotlos ist.»

Alles Quatsch. Fakt ist:

Hast du mit tieferen Preisen erste Kunden gewonnen, wenden sich diese unter Umständen von dir ab, wenn sie dir dann plötzlich höhere zahlen sollen als zu Beginn. Sie halten dich möglicherweise für unglaubwürdig. Ihr Vertrauen in dich und deine Leistungen wird gestört.

Wer dir den höheren Preis nicht zahlen will, dem ist deine Arbeit nicht genug wert – und das sollte es auch dir nicht wert sein. Es nutzt nichts, zu arbeiten ohne die eintrudelnden Rechnungen bezahlen zu können.

Gleich zu Anfang den richtigen Preis zu verlangen, spricht für Professionalität und stellt dich von Beginn weg in eine höhere Kaste – über diejenigen, die ihre Leistungen oder Produkte praktisch verschenken. So erreichst du eine Verhandlungsbasis auf Augenhöhe und definierst deinen Wert deutlich. Du wirst weniger ausgenutzt.

Deinen Ruf erarbeitest du dir, indem du von Anfang an deine Preisspanne durchziehst und so deinen Wert demonstrierst.

Du hast bereits etwas vorzuweisen. Nämlich den Glauben an dich selbst und das Wissen, dass dein Produkt oder deine Tätigkeit gut ist.

Die Idee des brotlosen Künstlers ist ein in der kollektiven Gesellschaft verankerter falscher Glaubenssatz. Indem du das Buch weiterliest, lernst du, dieses Klischee nicht zu bedienen.

Trotz all dieser Fakten: Den Stundenansatz, den du mithilfe meiner Tabelle und dem Berechnungsbeispiel errechnen wirst, kannst du als in Stein gemeisselt ansehen oder eben auch nicht. Und hier ist die Schwierigkeit:

Was am Ende des Monats oder des Jahres zählt, ist, dass du im Durchschnitt auf den ermittelten Stundenansatz kommst. Anders gesagt: Bei einem Produkt oder Projekt verdienst du weniger, beim nächsten jedoch mehr.

Eine weitere Schwierigkeit: Hast du Projekte oder Produkte, die du im Voraus offerieren musst, und du hast den Aufwand zu tief geschätzt (und das ist leider eher die Regel als die Ausnahme), wirst du ebenfalls nicht alle Stunden bezahlt bekommen.

Eine weitere Frage: Wie weit lässt sich Ideenfindung und die kreative Entwicklung in einen Stundenansatz fassen? Mir kommen Ideen unter der Dusche. Bei der Planung eines Projektes denke ich beim Autofahren darüber nach. Auch abends, wenn ich im Bett liege, drehen sich die Gedanken.

Es gilt, deinen eigenen Mittelweg zu finden.