Selbstbehauptung - Bruno Flierl - E-Book

Selbstbehauptung E-Book

Bruno Flierl

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Beschreibung

"Eine Wiederkehr an Orte der Vergangenheit ist nur sinnvoll, wenn sie die Erinnerung an das Leben an ihnen befördert, wieder auffrischt oder neu entdecken lässt." Bruno Flierl, geboren zur Zeit der Weimarer Republik in Schlesien, aufgewachsen in Nazi-Deutschland, am Ende des Zweiten Weltkriegs in französische Kriegsgefangenschaft geraten, kam Ende 1947 in den Westteil Berlins. Wie sein Vater und sein Bruder wurde er Architekt und wählte nach der Gründung der DDR deren Hauptstadt Berlin-Ost zu seiner Heimat. Hier setzte er sich für eine moderne sozialistische Architektur ein. Zeitlebens beschäftigte er sich theoretisch mit den Wechselwirkungen von Gesellschaft und gebauter Umwelt. Nach dem Ende der DDR bringt er sich in die gesamtdeutsche, europäische und globale Architekturdebatte ein und nimmt immer wieder auch zur Stadtplanung Berlins konstruktiv-kritisch Stellung. Bruno Flierl reflektiert in diesem Buch sein persönliches und sein Arbeitsleben in drei Gesellschaften und erzählt im Zusammenhang damit auch seine Familiengeschichte im ungeteilten, im geteilten und seit 1990 neu vereinten Deutschland. Ein außerordentliches Leben in außerordentlichen Zeiten.

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Seitenzahl: 693

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Bruno FlierlSelbstbehauptungLeben in drei Gesellschaften

Bruno Flierl

Selbstbehauptung

Leben in drei Gesellschaften

Die Publikation entstand mit freundlicher Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

© Theater der Zeit, 2015Texte und Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung, die nicht ausdrücklich im Urheberrechts-Gesetz zugelassen ist, bedarf der vorherigen Zustimmung des Verlages. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Bearbeitungen, Übersetzungen, Mikroverfilmung und die Einspeisung und Verarbeitung in elektronischen Medien.

Verlag Theater der ZeitVerlagsleitung Harald MüllerWinsstraße 72 | 10405 Berlin | Germanywww.theaterderzeit.de

Lektorat: Jana FröbelGestaltung: Kerstin BigalkeUmschlag: Kerstin Bigalke unter Verwendungeines Fotos von Thomas FlierlBildbearbeitung: bild1druck

ISBN 978-3-95749-024-7 (print)ISBN 978-3-95749-057-5 (eBook)

Inhalt

Vorsatz

1927 – In die Gesellschaft hineingeboren

Kindheit zwischen den Kriegen

Jugend im Zweiten Weltkrieg

Kriegsende

Kriegsgefangenschaft

Kalter Krieg in West-Berlin

Übergang in die DDR – Vision ohne Illusion

1952 – In die Gesellschaft eingetreten

Schwieriger Anfang – Leben und Tod

Produktive Jahre und politische Konflikte

Leben geteilt und allein

Deutsch-deutsche Familienkontakte

Begrenzung im eigenen Land – und offene Welt

Ende von Gesellschaft und Staat DDR

Realer Sozialismus – Vision und Illusion

1990 – In die Gesellschaft übernommen worden

Vom DDR-Bürger zum Bundesbürger

Arbeit für das vereinte Berlin

Vier Generationen im Gesellschaftsumbruch

Wiederkehr an Orte der Vergangenheit

Allein leben und älter werden

Zukunft denken – frei von Vision und Illusion

Nachsatz

Anmerkungen

Abkürzungen

Bildnachweis

Personenregister

Vorsatz

Mein ganzes Leben lang war ich bestrebt, mir die Welt zu erklären und gestaltend in sie einzugreifen, um dadurch mich selbst in ihr zu begreifen und zu entwickeln: in ihren und in meinen Möglichkeiten – ideell und praktisch. Das ist ein hoher Anspruch, behaftet mit Widersprüchen, inneren und äußeren.

Geboren 1927, habe ich nacheinander in drei Gesellschaften gelebt. In die erste Gesellschaft wurde ich hineingeboren – ohne meinen Willen. Von der Weimarer Republik nur indirekt über meine Eltern geprägt, wuchs ich auf in Nazi-Deutschland: in Schlesien. Ich war da in eine Gesellschaft geraten, deren menschenfeindliche Ansichten und Praktiken ich, unterstützt von meinen Eltern, erst langsam zu durchschauen lernte, stets in der Hoffnung auf eine noch unbekannte bessere Zukunft. Die aber war nicht sichtbar. Zunächst geriet ich als Jugendlicher in den Krieg und musste mit 16 Jahren als Luftwaffenhelfer Kriegsdienst leisten. Mit 18 Jahren wurde ich an die Front kommandiert, überlebte und hatte dann in Frankreich drei Jahre Kriegsgefangenschaft zu absolvieren, bevor ich „heim“ nach Deutschland entlassen wurde, in den Frieden, nach West-Berlin, wo meine Eltern nach ihrer Flucht aus Schlesien 1945 ansässig geworden waren. Berlin aber war zum Brennpunkt des 1947 weltweit ausgebrochenen Kalten Krieges zwischen den Großmächten des Kapitalismus und des Sozialismus geworden. Für mich war das die geradezu provozierende Gelegenheit, beide Seiten kennenzulernen und daraufhin zu prüfen, was sie wert sind für eine gesellschaftliche Erneuerung Deutschlands von Grund auf, wie ich sie erhoffte. Und genau dafür erschien mir das kapitalistische West-Berlin ungeeignet. Deshalb siedelte ich um: von West-Berlin in das auf den Sozialismus orientierte Ost-Berlin, das im Oktober 1949 Hauptstadt der DDR geworden war. Das war die erste freie Wahl in meinem Leben.

Die zweite Gesellschaft in meinem Leben kam also nicht über mich, ich trat in sie ein – aus eigenem Willen. Ich wählte sie, weil ich hoffte, sie könne, indem sie sozialistisch werde, meine eigene werden, wenn ich sie nur tatkräftig genug mitgestalten und sie mir auf diese Weise aneignen und dadurch zu meiner eigenen machen würde. Dieser Traum, eine Utopie, hat sich nicht erfüllt. Das lag, wie ich heute weiß, in erster Linie daran, dass der Sozialismus in seinem Prozess von der Idee zur Realität neben dem Kapitalismus im 20. Jahrhundert historisch über keine Voraussetzungen für seine Verwirklichung verfügte – weder objektiv noch subjektiv, weder in der Sowjetunion noch in den anderen sogenannten realsozialistischen Staaten der Welt, auch nicht in der DDR. Die Implosion der DDR – Gesellschaft und Staat – wie aller anderen realsozialistischen Staaten Ende der 1980er Jahre und damit der Verlust meiner in sie gesetzten sozialistisch-utopischen Hoffnungen auf eine von Grund auf erneuerbare Welt waren eine bittere Enttäuschung für mich. Und dennoch: Die 40 Jahre von 1950 bis 1990, in denen ich in der DDR lebte und mich konfliktreich für ihr Sozialistisch-Werden einsetzte, waren die produktivsten Jahre meines Lebens, die mich formten und mich mit mir selbst identisch machten.

Die dritte Gesellschaft ist die heutige der Bundesrepublik Deutschland, der ich nach dem misslungenen Versuch, in der DDR eine realsozialistische Alternative für Deutschland zu schaffen, „beigetreten wurde“ – gegen meinen Willen, ohne eine andere Wahl zu haben. Sie ist für mich, wenn auch in europäischer und globaler Dimension in manchem gewandelt, die alte kapitalistische Gesellschaft, der ich entflohen war. Sie ist nicht meine, sie ist mir fremd, wie auch ich ihr fremd bleibe. Eine andere Gesellschaft aber ist für mich nicht in Sicht – in der mir noch zur Verfügung stehenden Zeit. Der Traum von ihr bleibt.

Was ich geworden bin auf der Suche nach dem Eigenen in mir und in der Beziehung zur Gesellschaft, bedingt durch individuelle Veranlagung und gesellschaftliche Anforderungen, war stets das Ergebnis der Verhältnisse, in denen ich lebte, und meines Verhaltens in ihnen. Nichts war vorbestimmt, aber alles doch bestimmt – in der widersprüchlichen Einheit von Zufall und Notwendigkeit, Schicksal und Verantwortung, Kontinuität und Diskontinuität. Das gilt für mein ganzes Leben wie für seine drei großen Etappen: das frühe Leben vor der DDR, die Mitte des Lebens in der DDR und das späte Leben danach. Ich schreibe hier nicht die Geschichte der drei Gesellschaften, in denen ich lebte, sondern die meines Lebens in ihnen auf. Eine wesentliche Konstante in meinem Leben in allen drei Gesellschaften war, dass ich im Grunde stets relativ „allein mit anderen“ blieb. Zwar strebte ich nach Gemeinsamkeit mit anderen, erlebte sie aber immer wieder nur kurze Zeit oder nur partiell. Das Glück der Zweisamkeit war mir nur wenige Jahre beschieden. Unter Einsamkeit litt ich nie. Ich war nie ganz allein – ohne andere. Und außerdem hatte ich ja mich selbst und wusste immer etwas mit mir anzufangen. Was mich prägte, war „Alleinsamkeit“.

Über mein Leben zu schreiben, heißt für mich, den Ereignissen folgend, aber auch den Bedeutungen nach strukturiert zu schreiben, keinen nüchternen Bericht, aber auch keinen Roman, sondern eine Lebensbiografie aus Erinnerungen und heutiger Sicht. Manches wird unerwähnt bleiben, nichts wird erfunden sein. Auskunft über mich und mein Leben habe ich nach dem Ende der DDR schon einige Male gegeben – teils befragt in Interviews, teils aus eigenem Antrieb, so anlässlich meines 70. Geburtstags mit einem später veröffentlichten Text zum Thema „Nachdenken über mich und meine Zeit“1 und ebenso zum 80. Geburtstag mit meiner Arbeitsbiografie Kritisch denken für Architektur und Gesellschaft, ergänzt durch eine Werkdokumentation von 1948 bis 2006, inzwischen fortgesetzt für die Jahre 2007 bis 2014.2 Darin geht es primär um mein Arbeitsleben, in erster Linie um Arbeitsverhältnisse, um Positionen und Funktionen, Inhalte und Ergebnisse meiner Arbeit. Selbstverständlich reflektierte ich meine Arbeit im Zusammenhang mit den gesellschaftlichen und persönlichen Determinanten meines Lebens, aber doch verkürzt auf ein notwendiges Minimum zum Verständnis meines Arbeitslebens. Im Unterschied dazu geht es mir jetzt darum, ausführlich über mein eng miteinander verflochtenes persönliches und gesellschaftliches Leben zu schreiben, natürlich im Zusammenhang mit meiner Arbeit im Brennpunkt, nun aber ausführlich im Kontext mit anderen, vor allem mir nahestehenden Menschen. Wie in meiner Arbeitsbiografie geht es mir auch jetzt nicht darum, meinem Leben etwa nachträglich einen Sinn zugeben, sondern zu reflektieren, was für mich mein Leben lang Sinn gemacht hat – und dies in allen seinen Etappen mit ihren durchgehenden Entwicklungslinien, Widersprüchen und Brüchen. Im Mittelpunkt steht mein Leben in der DDR, woher es kam und wohin es ging.

Ich schreibe in erster Linie für mich selbst, um mich in meiner Zeit besser zu begreifen, aber auch für meine erwachsenen Kinder Anne und Thomas, damit sie ihr eigenes Leben in unserer gemeinsamen Zeit besser verstehen können. Ich schreibe, um zu klären, nicht um zu rechtfertigen, auch nicht um zu verdrängen, sondern um zu entdecken, was ich in meinem Leben erlebte, was ich fühlte, dachte und tat: bonum et malum. Das ist für mich nicht zuletzt ein Akt der Selbstbehauptung und Verteidigung meiner Identität. Für andere kann das womöglich eine Anregung darstellen, ihr Leben in der für sie zutreffenden Individualität und Gesellschaftlichkeit realitätsbezogen zu erkunden. Viele einzelne individuelle Geschichten tragen bei zu unserem Bild von der gesellschaftlichen Geschichte, die wir lebten und erlebten.

Für Anne und Thomas

1927In die Gesellschafthineingeboren

Kindheit zwischen den Kriegen

Geboren wurde ich am 2. Februar 1927 in Bunzlau. Zwei Jahre später kam mein Bruder Peter zur Welt. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs Anfang September 1939 hatten wir eine frohe und sorgenfreie Kindheit – mit lieben Eltern in einem geborgenen Zuhause in Schlesien. Ab 1929 wohnten wir in Liegnitz, wohin mein Vater aus beruflichen Gründen mit der Familie umgezogen war. 1937 erfolgte – wiederum aus beruflichen Gründen – der Wohnungswechsel nach Brockau bei Breslau. Dieser Weg von einer Kleinstadt in eine Bezirksstadt und dann in die Hauptstadt Schlesiens – immerhin eine Großstadt mit 600 000 Einwohnern – war für meinen Vater Bedingung und Ausdruck seiner beruflichen Entwicklung als Architekt. Für mich bedeutete er die schrittweise Erweiterung meines Gesichtsfeldes für Entdeckungen und Möglichkeiten des Lebens, für etwas Eigenes in ihm, vermittelt durch Bildung, Kultur und urbane Kontakte.

Meine Eltern stammten aus sozial einfachen Verhältnissen. Hineingeboren in die Kaiserzeit, hatten sie den Ersten Weltkrieg überlebt und in den darauffolgenden Jahren unsicherer gesellschaftlicher Verhältnisse – auf sich allein gestellt – dennoch verstanden, ihr Leben lebenswert zu machen. Mein Vater, Johann Flierl, geboren 1898 in Fürth, also in Franken, war das siebte Kind einer neun Kinder zählenden proletarischen Familie: drei Mädchen, sechs Jungen. Seinen Vater, Johann Baptist, hatte er so gut wie nicht gekannt, da der schon 1905 verstarb. Er war ein offenbar musisch sehr begabter Mensch, der in keine normale Anstellung passte, ein „versoffenes Genie“, wie erzählt wurde, der sich als Bänkel- und Straßensänger sein Geld verdiente. Dafür war seine Mutter, Barbara, sein Ein und Alles. Er liebte sie und verehrte sie dafür, wie sie ihn und die ganze Familie durchs Leben brachte, vor allem durch die Jahre des 1914 ausgebrochenen Krieges: mit Arbeit als Waschfrau und mit Heimarbeit, an der sich auch die Kinder beteiligen mussten. Erschöpft von einem solchen Leben – und ohne Trost über den Tod eines ihrer Söhne im Krieg –, verstarb sie, kaum dass der Frieden begonnen hatte.

Mein Vater hat uns das oft erzählt, vor allem aber, wie geradezu wunderbar es für ihn war, dass er 14-jährig als Zimmermann einen Beruf ergreifen und also Geld nach Hause bringen konnte und dass er schließlich auch die Bauschule besuchen durfte. Doch 1917 geriet er als „Pionier“ in den Krieg, noch dazu in den Stellungskrieg vor Verdun, hatte aber das Glück zu überleben und anschließend seine Ausbildung als Bauingenieur fortsetzen und 1920 beenden zu können. Nun brauchte er Arbeit. Die fand er als Bautechniker für kurze Zeit im Stadtbauamt in Fürth. Danach tat er das, was damals üblich und unter den Verhältnissen von Armut und Arbeitslosigkeit nach dem verlorenen Krieg notwendig war: Er ging auf „Wanderschaft“ und arbeitete zuerst in Städten am Main und am Rhein, aber auch in anderen Städten Deutschlands, bis er schließlich – auf ein Angebot hin – in Schlesien landete und in Freiwaldau die Aufgabe übernahm, für eine große Ziegelei einen Ringofen zu bauen.

Im nahe gelegenen Bunzlau begegnete er dann meiner Mutter, Gertrud Heidrich. Sie war gelernte Verkäuferin in einem Wäscheladen. Ihre Eltern, einfache Leute, deren Vorfahren Bauern auf dem Lande gewesen waren, hatten sich wohl erst um 1900 in der Stadt beheimatet. Ihr Vater Carl betrieb dort ein kleines Fuhrgeschäft mit einem eigenen Pferd, für das er einen Stall im Hinterhof eines städtischen Mietshauses am Klosterplatz zur Verfügung hatte. Meine Mutter – 1905 geboren und als Stadtkind groß geworden – wäre gern auf die Mittelschule gegangen. Die Begabung hatte sie. Sie war Klassenbeste. Aber die Eltern hatten dafür kein Geld. Mein Vater befreite sie von dieser sozialen Fessel, die sie nicht nur als Makel, sondern auch als Schicksal empfand, nicht frei für Bildung und Kultur geboren zu sein. Weihnachten 1925 – nach den Jahren der großen Inflation während der Weimarer Republik – heirateten sie und lebten zusammen in einem kleinen, zu einer Wohnung ausgebauten Häuschen in einer Gartensiedlung, in der „Au“, nahe dem großen Eisenbahnviadukt über den Bober. Das war auch meine erste Wohnung. Ich erinnere mich an sie, weil es ein Glasdach über dem Eingangsbereich gab, durch das hell die Sonne schien. Das ist mein ältestes Erinnerungsbild überhaupt.

Wie sehr meine Eltern – beide aus ähnlichen sozialen Verhältnissen kommend und Ende der zwanziger, Angang der dreißiger Jahre aufgestiegen in den „Mittelstand“ – mich mit ihren Erfahrungen, Sehnsüchten und Wertungen prägten, meine Begabungen förderten, meine Lust an kreativer Gestaltung unterstützten und ihre sozialen und moralischen Normen für das menschliche Zusammenleben auf mich übertrugen – nicht zuletzt, um mich vor den Einflüssen und Anfeindungen des alltäglichen Faschismus in Hitler-Deutschland zu schützen und mich vor allem auch widerstandsfähig gegen sie zu machen –, das kann ich bis heute nicht genug bewundern.

Elternhaus und Schule waren die wesentlichen Bestimmungen in meiner Kindheit. In Liegnitz wohnte ich zuerst in der Roonstraße im Westen der Stadt in einem damals neuen Wohngebiet nahe der Haynauer Straße. Die Wohnung lag im Hochparterre und verfügte über drei Zimmer, Küche und Bad. Das Wohnzimmer – mit Sitzbank am Fenster – war der Hauptaufenthaltsraum der Familie. Hier wurde auch gegessen. Von hier ging es in das sogenannte Herrenzimmer, das mein Vater abends und an den Wochenenden zur Arbeit als Architekt benutzte. Meine Mutter beschwor uns Kinder ständig mit den Worten: „Stört nicht, Vati muss arbeiten!“ Im Schlafzimmer meiner Eltern hatten auch mein Bruder und ich unsere Betten. Zwei Ereignisse aus dieser Zeit – ich muss vier oder fünf Jahre alt gewesen sein – sind mir besonders gut in Erinnerung geblieben: die Verbrennung der Spielkarten und ein ganz und gar verdorbener Sonntagsspaziergang. Eines Winterabends nämlich, als ich beim Kartenspiel wieder einmal verloren hatte und prompt einen nicht zu zügelnden Wutanfall bekam, warf meine Mutter kurz entschlossen die Karten ins Feuer. Das Bild der geöffneten eisernen Tür des Kachelofens und der Spielkarten in den grellen Flammen habe ich bis heute nicht vergessen. Seitdem bin ich Kartenspielen so gut wie immer aus dem Weg gegangen. Ich wollte eben schon damals selbst über mich bestimmen, dafür auch einstehen, aber nicht vom Glück im Kartenspiel – vom Glück als Zufall ohne mein Zutun – abhängig sein.

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