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Das Essay "Selbstbestimmt, Gedanken über unser Selbstverständnis" versucht eine Vielzahl einzelner Thesen aus Einzelwissenschaften wie Biologie, Psychologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Kognitionswissenschaft, Neurowissenschaft, sowie aus der Philosophie zu einer Synthese zusammenzufassen. Diese Synthese will einen Beitrag zum Selbstverständnis des Menschen liefern. Dabei ist sich der Autor bewusst, dass ein solcher Versuch mit vielen Unsicherheiten behaftet ist und nur vorläufig bleiben kann.
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Seitenzahl: 66
Veröffentlichungsjahr: 2021
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In den Einzelwissenschaften scheint über den Menschen bereits fast alles bekannt zu sein, aber ist all dieses Wissen auch miteinander vereinbar? Insbesondere zwischen Natur- und Geisteswissenschaften treten häufig Widersprüche auf. In diesem Essay wird der gewagte Versuch unternommen, dieses gesammelte Wissen in einer Synthese zusammen zu führen. Dabei ist sich der Autor bewusst, dass ein solcher Versuch mit vielen Unsicherheiten behaftet ist und nur vorläufig bleiben kann.
Rudolf Pirnbacher, geb. 1955, ist ausgebildeter Hochfrequenz- u. Nachrichtentechniker und hat an den Universitäten Wien und LMU München während fünf Semestern Lehrveranstaltungen in den Fächern Soziologie, Psychologie, Völkerkunde, Anthropologie, Biologie und Philosophie besucht. Für ein knappes Jahr hat der Autor eine Studienreise nach Südostasien unternommen und dabei im Zusammenleben mit Einheimischen in Mindanao auf den Philippinen und in Thailand Einblicke in fremde Kulturen erhalten.
„Einer neuen Wahrheit ist nichts schädlicher als ein alter Irrtum.“
Johann Wolfgang von Goethe, Aphorismen und Aufzeichnungen des Goethe Archivs.
„Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangt ist.“
Albert Einstein, (2005, 131)
EINLEITUNG
GEDANKEN ZUR SELBSTBESTIMMTHEIT
GEDANKEN ÜBER UNSERE IDENTITÄT
3.1 ELYSE UND PAULA - EIN EINEIIGES ZWILLINGSPAAR
3.2 EXKURS ZUM PHÄNOMEN BEWUSSTSEIN
3.3 GEDANKENSPIELE BEZÜGLICH UNSERER IDENTITÄT
3.4 DIE MYSTIK DES EINSSEINS
GEDANKEN ZUR BRÜDERLICHKEIT
EPILOG: GEDANKEN ZUM FRÜHLING (ein Gleichnis)
ZUSAMMENFASSUNG
LITERATURVERZEICHNIS
GRUNDLEGENDE BEGRIFFSKLÄRUNGEN
POSITIONIERUNG DES TEXTES
„Die Experten scheinen in der Summe alles zu wissen, was heutzutage zu tun ist und was man wissen muss, aber jeder weiß eben nur in einem Ausschnitt Bescheid und verlässt sich auf die Kompetenz der anderen Experten im allergrößten Rest.“ (Abels, 2017). Dabei fehlt zunehmend eine Instanz, die ohne Bevorzugung bestimmter Teilbereiche eine Synthese über das gesammelte Wissen bildet.
Der Text „SELBSTBESTIMMT - Gedanken über unser Selbstverständnis“ versucht eine Vielzahl einzelner Thesen aus Einzelwissenschaften wie Biologie, Psychologie, Soziologie, Kommunikationswissenschaft, Kognitionswissenschaft, Neurowissenschaft, sowie aus der Philosophie zu einer Synthese zusammenzufassen.
Drei Schwerpunkte in dieser Synthese sind:
Selbstbestimmtheit, menschliche Freiheit und freier Wille sind uns nicht einfach gegeben, sondern wir müssen sie uns mühsam erarbeiten. Ein günstiges soziales Umfeld, sowie geeignete kulturelle Rahmenbedingungen spielen dabei eine wichtige Rolle.
Ein wesentliches Merkmal einer Person ist sein zugehöriger Körper, sein Funktionieren als Organismus, sein Eingebettet sein in eine Umwelt, seine erlebte Vergangenheit, sowie seine Bezogenheit auf die Zukunft. Wünsche, Ziele, und damit notwendigerweise auch Gefühle werden erst durch einen Raum-Zeit Bezug, also durch die organisch–funktionale Kontinuität einer Person möglich. Ohne diese Kontinuität, zu der Vergangenes und Zukünftiges gehört, gäbe es keine Zielstrebigkeit, keine Bedürfnisse, kein Befindlichkeiten, kein Selbstbewusstsein, keine personale Identität.
Materie ist in „Raum und Zeit“ beschreibbar, Bewusstsein dagegen nur im gegenwärtigen Augenblick in einem stetigen Fließen des „Hier und Jetzt“ erfahrbar. Als Folge dieser Erkenntnis sowie der tiefen Verbundenheit alles Seins ist es nur konsequent, ein Prinzip der „Einheit des Geistes jenseits von Raum und Zeit“ abzuleiten.
Zielsetzung dieses Essays ist, dass es einen Beitrag zum Selbstverständnis des Menschen liefern kann. Dabei fühlt es sich den Prinzipien der Aufklärung und dem Humanismus verpflichtet. Es wurde mit der Absicht geschrieben, den Kriterien der Wissenschaftlichkeit zu entsprechen. Gerade deshalb gilt, dass es kritisierbar, überprüfbar und erweiterbar sein will. Diesem Ethos folgend lade ich Interessierte herzlich zu einem Feedback ein.
Zur Methode: Es ergibt sich das methodische Problem, dass möglichst viele Erkenntnisse aus diversen Einzelwissenschaften in die Arbeit einbezogen werden sollten, um als Ergebnis eine einigermaßen fundierte, ganzheitliche Fassung zu erhalten. Gleichzeitig sollten die einzelnen Thesen und Hypothesen nur kurz erwähnt werden, um den Überblick über des Ganze zu bewahren, und um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen. Zur Vertiefung des Gelesenen dienen die Fußnoten. Hier finden sich ergänzende Erläuterungen diverser Autoren sowie Quellenangaben für weiterführende Literatur.
Die Fülle der Thesen und Hypothesen, die eine ganzheitliche Sichtweise mit sich bringt, können nur in Bruchstücken erfasst werden, und sie lassen daher ständig Raum für neue wissenschaftliche Erkenntnisse, Erweiterungen und Verbesserungen. Weiters benötigen sie Interpretationsspielraum, denn kommend aus den unterschiedlichsten Wissenschaftszweigen sind sie nicht immer durchgängig miteinander vereinbar, oft fehlt auch eine erforderliche interdisziplinäre Betrachtung. Als Beispiel sei die Diskussion über die Willensfreiheit genannt mit den unterschiedlichen Ansätzen und voneinander abweichenden Schlussfolgerungen von Philosophie und Neurobiologie. Ein ganzheitliches Verständnis des Menschen kann deshalb nur vorläufig bleiben.
Als vorletztes Kapitel im Hauptteil befindet sich ein Epilog, der in sich abgeschlossen ist, und sich literarisch vom übrigen Text unterscheidet, da er in Form eines Gleichnisses die Schlussfolgerungen des Essays wiedergibt. Das letzte Kapitel im Hauptteil liefert eine kurze Zusammenfassung der Arbeit.
Im Anhang befinden sich das Literaturverzeichnis, die „Grundlegenden Begriffserklärungen“, sowie die „Positionierung des Textes“. Hier werden einige für den Text wichtige Begriffe und philosophische Positionen erläutert.
Batik „Werdegang“
© Mag. art Elisabeth Schickmayr
Es mag aufgeworfen werden, dass sich die Frage nach diesem Begriff überhaupt nicht stellt. Sind wir zumindest in unserem Inneren nicht von Natur aus selbstbestimmt? Ist unser eigener Körper bzw. unser eigener Wille nicht der Garant dafür? Es scheint so zu sein, denn wir haben das Gefühl, dass Körper und Wille nur uns selbst gehören. Nur wir selbst verfügen über sie. Können wir uns auf dieses Gefühl verlassen?
Im Duden (www.duden.de, abgefragt 2019 08 19) steht „selbstbestimmt“ für „eigenständig, eigenverantwortlich, nach eigenem Willen“, und „Selbstbestimmung“ für a) „Unabhängigkeit des bzw. der Einzelnen von jeder Art der Fremdbestimmung (z.B. durch gesellschaftliche Zwänge, staatliche Gewalt)“, für b) „Unabhängigkeit des Individuum von eigenen Trieben, Begierden u. Ä.“, sowie für c) „Unabhängigkeit eines Volkes von anderen Staaten und die Unabhängigkeit im innerstaatlichen Bereich“.
Wie bereits durch den Duden nahe gelegt, ist in diesem Essay nicht die instinktgetriebene Freiheit eines Vogels oder der naturgegebene Lebenswille eines Babys gemeint, ebensowenig das selbstbezogene Verhalten eines Egoisten oder die ungezügelte Macht eines Despoten.
Wenn wir Menschen von Selbstbestimmtheit sprechen, so können wir darunter verstehen, dass wir selbst über unser Wollen und Handeln bestimmen. Abhängig von Kultur und persönlichem Umfeld werden jedem Menschen Freiräume eingeräumt, aber auch Grenzen auferlegt. Wir benötigen zu unserer Entfaltung ein soziales Umfeld, bei dem Erziehung und Kultur eine besondere Rolle spielen. Sowohl ein zu autoritärer als auch ein zu antiautoritärer Erziehungsstiel können diese Entfaltung beeinträchtigen. Und diese Einflüsse können zu unserer Selbstfindung beitragen oder uns auch manipulieren oder entfremden.
Wie können wir diesen Einfluss beurteilen? Aus meiner Sicht sollten sie einerseits den „Prinzipien der Vernunft“ entsprechen und andererseits Wahrheit vermitteln.
In diesem Sinn hat Selbstbestimmung sowohl mit einem ausgewogenen Sozialverhalten zu tun als auch mit dem Erkennen von Gründen, mit dem Verstehen von Abhängigkeiten, Vernetztheiten, und Zusammenhängen, mit dem Wissen um einer großen Anzahl von möglichen Handlungsalternativen und deren Auswirkungen oder allgemein gesagt mit dem Erkennen der Prinzipien der Vernunft und einem gut angenäherten Wissen von der Realität. Die Realität sowie die Prinzipien der Vernunft umfassen dabei den gesamten Einflussbereich des Menschen, also neben der Natur alles Lebendige, insbesondere den Menschen und seine Kultur. Vieles kann der Mensch durch eigenes Beobachten erkennen, vieles wird durch Tradition und Erziehung vermittelt, aber nicht alles davon ist richtig oder vernünftig. Zur Überprüfung bzw. zur Vertiefung dieses Wissens können die Wissenschaften beitragen.
Wie noch später im Anhang in den grundlegenden Begriffserklärungen weiter ausgeführt wird, wird angenommen, dass es Wahrheit bzw. Annäherungen an die Wahrheit in wissenschaftlicher Hinsicht gibt, und dass es Prinzipien der Vernunft im Sinne einer universalistischen Ethik geben könnte. Ein Relativismus im Sinne von „alles ist wahr bzw. richtig und nichts ist falsch“ wird abgelehnt.
Bezüglich eines globalen Zusammenlebens wird davon ausgegangen, dass sich das vernunftbegabte Wesen Mensch stetig diesen Prinzipien der Vernunft annähern kann.
