Selbstbewusst zum Vorsprechen - Mieke Schymura - E-Book

Selbstbewusst zum Vorsprechen E-Book

Mieke Schymura

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Beschreibung

MIT SPIELFREUDE, NEUGIERDE UND OFFENHEIT ZUM VORSPRECHEN Möchtest du Schauspieler:in werden? Bereitest du dich schon auf Aufnahmeprüfungen an den Schauspielschulen vor? Oder denkst du darüber nach, ob der Beruf richtig für dich sein könnte? Dieses E-Book gibt eine praktische sowie einfühlsame Anleitung dazu, wie der Weg vom langgehegten Traum zur realen Vorbereitung eingeschlagen werden kann. Gleichzeitig räumt es mit einigen Missverständnissen auf und gibt konkrete Hilfestellung. Zum Beispiel: Schauspielerei ist ein Handwerk, das erst im Studium erlernt wird. Die Ausbildungsstätte erwartet nicht, dass es bereits beim Vorsprechen beherrscht wird. Es gilt, sich mit Spielfreude, Neugierde und Offenheit der Aufnahmeprüfung zu nähern. Wie funktioniert die Vorbereitung auf die Prüfung? Wie können passende Texte für das Vorsprechen recherchiert und erarbeitet werden? Wie kommt man ins Spiel? Wie kann mit Blockaden und Ängsten umgegangen werden? Was leistet eine staatliche Schauspielschule, was eine private Schule? Was unterscheidet Bühnenspiel von dem Spiel vor der Kamera? Diesen und mehr Fragen wird mit Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen auf den Grund gegangen. - Wichtige Infos und Einschätzungen zur Berufswahl Schauspieler:in und zum Ausbildungsweg auf der Bühne und vor der Kamera - Praktische Anleitung für die Vorbereitung einzelner Szenen, die kreative Text- und Probenarbeit und den Ablauf der Prüfungssituation - Wertvolle Tipps für den Umgang mit Blockaden, Ängsten sowie (negativem) Feedback - Viele persönliche Erfahrungen, Literaturempfehlungen und praktische Hilfestellungen - Mieke Schymura ist erfolgreiche und langjährige Coachin für angehende Schauspieler:innen TIPPS VON DER ERFAHRENEN COACHIN MIEKE SCHYMURA Mieke Schymuras Buch zeichnet sich durch einen persönlichen und nahbaren Stil aus. Durch ihre langjährige Erfahrung als erfolgreiche Schauspielerin und Coachin hat sie einen direkten Zugang zu den Fragen und Bedürfnissen der angehenden Schauspieler:innen. Sie liefert konkrete Anleitungen und intensive Hilfestellungen auf dem herausfordernden Weg zum Ausbildungsplatz und Traumberuf. EIN GANZES SCHAUSPIELLEBEN LANG: VORSPRECHEN UND CASTINGS Angespannte Situationen bei Vorsprechen und Castings sind auch nach der Ausbildung essentieller Teil des Schauspielberufs. Das Buch hilft früh, das Vorsprechen als einen produktiven Bestandteil des künstlerischen Alltags zu verstehen und diese Prüfungssituationen konstruktiv zu meistern. Der Ratgeber ist eine anregende Lektüre und absolutes Muss für junge Schauspieler:innen! Auch als Printausgabe erhältlich.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 242

Veröffentlichungsjahr: 2024

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Mieke Schymura

Selbstbewusst zum Vorsprechen

Dein Coach für die Aufnahmeprüfung an Schauspielschulen und den Weg in den Schauspielberuf

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Bibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

Die Verwertung der Texte und Bilder, auch auszugsweise, ist ohne Zustimmung des Verlags urheberrechtswidrig und strafbar. Dies gilt auch für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und für die Verarbeitung in elektronischen Systemen.

eISBN 978-3-89487-847-4

© 2024 by Henschel Verlag

in der E. A. Seemann Henschel GmbH & Co. KG, Leipzig

Covergestaltung: Ingo Scheffler, Berlin

Titelbild: Student:innen der Universität der Künste Berlin, von links nach rechts: Jonas Holupirek, Ludwig Michael, Nina Stehlin, Flin Deckert, Zazie Cayla, Philipp Lehfeldt, Nihan Kirmanoglu. © Daniel Nartschick, Berlin Lektorat: Dr. Julia M. Nauhaus

www.henschel-verlag.de

Inhalt

Prolog – warum ich dieses Buch geschrieben habe

1. Berufswahl und Ausbildungswege

Woran erkenne ich, ob dieser Beruf der richtige für mich ist und: Warum Talent nicht der entscheidende Faktor ist

Was ist überhaupt schauspielerisches Talent?

Wie findest du heraus, ob du diesen Beruf wirklich willst?

Was dich in den Aufnahmeprüfungen erwartet

Staatliche Schauspielschulen

Privatschulen

Studieren im Ausland?

Die Berufsrealität – das Theaterleben ist kein Ponyhof

2. Vorbereitung fürs Vorsprechen

Warum eine Aufnahmeprüfung keine Prüfung ist

Woran du gute Schauspiellehrer:innen erkennst

Lehrer-Hopping ist auch keine Lösung

Schauspieltechnik – was nicht nützlich ist, kann weg!

Schauspielerei ist nicht kompliziert – aber manchmal schwer

3. Die Auswahl der Szenen fürs Vorsprechen

Wie du eine gute Szene findest

In der Kürze liegt die Würze

Welche Art Szene eignet sich?

4. Kopfarbeit – Szenenanalyse

Die Arbeit »am Tisch«

Die Beziehung der Figuren zueinander

Muss ich die andere Figur sehen?

Das Bedürfnis der Figur

Der Ort – Atmosphäre, Requisiten und Bühnenbild

Wer ist die Figur?

Kann ich ein Kostüm benutzen?

Wie ist die Körperlichkeit der Figur?

Spielst du dich selbst oder die Figur?

Die Mechanik der Szene freilegen

5. Proben – die Form finden

Warum Fehler und Unsicherheiten dazugehören

Der Probenraum

Den Startpunkt finden

Wo ist dein Gegenüber?

Proben heißt Handlungen finden

Handlungen statt Zustände

Was ist Realismus oder – was ist erlaubt?

Wie genau soll ich festlegen?

Aber was ist mit den Gefühlen?

Abschweifung – Spiegelneuronen

Improvisation und Partnerarbeit

Gut singen ist schön, aber nicht notwendig

Gedichte

Selbsterfundene Szenen – was heißt das überhaupt?

Was tun bei Online-Vorsprechen? In die Tiefe spielen!

6. Einige grundsätzliche Hinweise

Warum Gefühle völlig überschätzt sind

Abschweifung – das Gehirn und die Emotion

Energie und Durchlässigkeit

Impulse – was ist das eigentlich?

Von innen nach außen oder umgekehrt?

Vom Wert des Nicht-Wissens – warum das Aushalten unbeantworteter Fragen dazugehört

7. Wenn dir etwas im Weg steht

Perfektionismus

Dem eigenen künstlerischen Instinkt vertrauen lernen

Die Angst, Regieanweisungen misszuverstehen

Vom Umgang mit Lampenfieber und Aufregung

Wenn die Angst tiefer geht – Theater und Therapie

Selbstwert – »Bin ich interessant genug?«

»Ich bin nicht extrovertiert genug!«

Du bist interessanter, wenn du dich nicht auf dich selbst konzentrierst!

Wenn in der Prüfung mit dir gearbeitet wird

Wenn sie dich abbrechen

Männer- und Frauenbilder – wenn Gender-Klischees dich irritieren

Trans sein und die Vorsprechzeit

»Deutsch als Fremdsprache«

Ein Wort zu übergriffigem Verhalten

Wenn du die Spielfreude verlierst

8. Der Weg vor die Kamera

Ausbildung für Film und Fernsehen

Was du schon in der Prüfungszeit tun kannst

Warum es sinnvoll ist, frühzeitig anzufangen

Fotos – warum sie so wichtig sind

Wie du ein Showreel aufbaust

Wie du dich bei den Caster:innen vorstellst

Was ist der Unterschied zwischen Caster:innen und Agenturen?

Die Welt der Kurz- und Studentenfilme

Epilog – und was, wenn es doch nicht klappt?

Wenn du die Lust am Vorsprechen verlierst

Alternative Film- und Theaterberufe

Was nimmst du mit? Schauspielerfahrung und das normale Leben

Theater als Hobby?

Abschied

Anhang

Improvisationsübung

Beispiele für mögliche Vorsprechszenen

Hilfreiche Bücher für die Vorsprechzeit

Filmische Einblicke in den Ablauf der Aufnahmeprüfungen

Hilfreiche Internetadressen

Danke! Danke! Danke!

Über die Autorin

Prolog – warum ich dieses Buch geschrieben habe

Du möchtest Schauspieler oder Schauspielerin werden? Du bereitest dich schon auf Aufnahmeprüfungen an Schauspielschulen vor? Oder denkst noch darüber nach, ob das etwas für dich sein könnte?

Schön, dass du da bist!

Bevor ich dich Schritt für Schritt durch die Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfungen begleite, möchte ich dir von meinen Erfahrungen erzählen. Ich bin selbst Schauspielerin. Von 2000 bis 2004 habe ich an der Universität der Künste (UdK) in Berlin Schauspiel studiert und unterrichte seit fünfzehn Jahren junge Menschen, die Schauspieler:innen werden wollen. Eine ganze Reihe von Aufnahmeprüfungen lag hinter mir, bevor es an der UdK geklappt hat. Die Frage, wie Vorsprechen funktionieren, hat mich seitdem besonders interessiert. Damals habe ich mich zuerst allein vorbereitet, danach mit einer Schauspielerin an meinen Szenen gearbeitet. Anschließend habe ich wieder allein geprobt und immer mal wieder jemandem meine Szenen gezeigt: Freundinnen, die auch Prüfungen gemacht haben, und Schauspieler:innen, die ich kannte. Viele Rückmeldungen waren hilfreich, aber ein bestimmtes Problem habe ich nicht in den Griff bekommen: Die Szenen funktionierten nicht jedes Mal gleich gut. So bin ich zwar manchmal in eine sogenannte zweite Runde gekommen, konnte aber nicht noch einmal genauso gut spielen wie in der ersten. An anderen Tagen bin ich gleich in der ersten Runde rausgeflogen. Ich war unsicher mit meinen Szenen und wusste nicht, wie ich das ändern sollte.

Nach einer Weile habe ich endlich eine Schauspiellehrerin gefunden, die mir wirklich helfen konnte. Sie hat mich auf einige unsinnige Verhaltensweisen beim Spielen aufmerksam gemacht, so dass ich sie verändern konnte. Mit ihrer Hilfe beim Erarbeiten der Szenen habe ich mich während des Vorsprechens sicherer und zufriedener gefühlt. Danach bin ich meist in die Endrunden gekommen. Ich wusste, dass meine Szenen funktionieren und ich mich auf sie verlassen kann. Und wenn ich doch nicht in eine zweite Runde kam, war das weniger schlimm als vorher, denn ich war mir sicher, dass ich alles gegeben hatte. Meinem Empfinden nach hatte ich bei diesen Prüfungen nichts anders gemacht und nicht schlechter gespielt. Ich konnte es also als Geschmacksfrage abhaken, ohne an mir zu zweifeln und alles in Frage zu stellen.

Es hat noch sechs Endrunden gebraucht, bis ich an der UdK angenommen wurde. Zum Teil war das vermutlich einem Kennenlernen der Endrundensituation geschuldet. Man hat einfach zu wenig Erfahrung am Anfang! Ein wesentlicher Teil ist aber auch, ob es mit den Dozent:innen und der Schule passt. Daran kann man wenig ändern, man muss eben die richtigen Menschen finden. Nicht jede werdende Schauspielerin passt zu jeder Schule, nicht jeder Student harmoniert mit den Dozent:innen jeder Hochschule und umgekehrt.

Meine eigene Studienzeit hat meinen Blick geschärft für das, was ich gerade hinter mir hatte: die Prüfung. An der UdK begleiten die Studierenden aus dem ersten Jahrgang die Prüflinge bei der Aufnahmeprüfung im folgenden Jahr. Es hat mich sehr interessiert, die Vorsprechen aus dieser Perspektive zu sehen. Mir fiel besonders auf, wie oft Prüflinge, die in den Aufwärmtrainings, die wir angeboten haben, wirklich toll und kreativ waren, auf der Bühne vor den Dozent:innen nicht zeigen konnten, was in ihnen steckt.

Im dritten Studienjahr saßen wir selbst mit in der Prüfungskommission. Wir durften unsere Meinung äußern und erleben, wie so ein Vorsprechen aussieht, wenn man auf der anderen Seite sitzt. Das hat mein Verständnis der Aufnahmeprüfungssituation sehr verändert und bereichert.

Auch als ausgebildete Schauspielerin gehören Vorsprechen und Castings immer wieder zu meinem Arbeitsalltag. All diese Erfahrungen bringe ich in den Unterricht mit.

In den Jahren des Unterrichtens habe ich erlebt, dass manche Fragen und Probleme bei vielen Vorsprechenden vorkommen. Es sind immer wieder ähnliche Missverständnisse, Gedanken und Ängste, die unbewusst die Kreativität blockieren.

Mit diesem Buch möchte ich diese sich wiederholenden Themen aufgreifen und meine Ideen und Lösungen anbieten. Vieles, das ich hier aufschreibe, habe ich schon oft im Unterricht erklärt und ausprobiert. Es sind also keine reinen Theorien, sondern praktische Ansätze, die vor allem funktionieren und helfen sollen, besser vorbereitet in Aufnahmeprüfungen und Vorsprechen zu gehen.

Was erwartet dich in diesem Buch? Im 1. Kapitel beschäftigen wir uns mit allem, was du wissen musst, wenn du dich für diesen Weg entscheiden willst. Woran erkennst du, ob es der richtige Beruf für dich ist und was erwartet dich in den Aufnahmeprüfungen? Im 2. Kapitel erkläre ich dir, wie du dich auf die Vorsprechen vorbereiten kannst und welche verbreiteten Missverständnisse deine Arbeit erschweren können. Im 3. Kapitel gebe ich dir Tipps, wie du gute Texte für deine Vorsprechszenen findest. Danach steigen wir im 4. und 5. Kapitel in die konkrete Arbeit ein: die Analyse der Szenen »am Tisch« mit den verschiedensten Fragen zu deiner Figur und die Probenarbeit auf der Bühne mit Tipps für den Umgang mit dem Raum, die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Figuren und das Finden von starken Handlungen für die Szene. Außerdem spreche ich über Unsicherheiten und die Angst, Fehler zu machen, über Realismus und die Frage nach den Gefühlen in der schauspielerischen Arbeit. Ich komme hier auch auf die Arbeit an Gedichten, Liedern, selbstentwickelten Szenen und Improvisationen sowie über den Umgang mit Online-Vorsprechen. Im 6. Kapitel erkläre ich dir ein paar grundlegende Dinge, die für deine schauspielerische Arbeit hilfreich sein können. Und im 7. Kapitel gehe ich auf verschiedene Probleme ein, die dir beim Spielen im Weg stehen können und biete dir Möglichkeiten an, um sie zu lösen. Im 8. Kapitel geht es um den Weg vor die Kamera und warum es sinnvoll sein kann, schon während der Prüfungszeit mit der Zusammenstellung von Material wie Fotos oder »Showreels« und der Kontaktpflege in der Branche anzufangen. Im Epilog spreche ich darüber, wie du damit umgehen kannst, wenn es letztendlich mit dem Studium doch nicht klappen sollte und welche anderen Wege sich für dich anbieten könnten. Im Anhang findest du eine Improvisationsübung, die ich mit meinen Schüler:innen gern mache, eine Auswahl an möglichen Vorsprechszenen, damit du dir einen Eindruck von geeigneten Szenen machen kannst, und viele hilfreiche Bücher und Internetadressen.

Du kannst dieses Buch von vorn bis hinten durchlesen oder es als Nachschlagewerk benutzen. Dann liest du zuerst die Themen, die dich gerade am meisten beschäftigen und kannst danach schauen, was dich noch interessiert. Während deiner »Vorsprechreise« werden immer wieder andere Themen in den Vordergrund rücken, denn du entwickelst dich weiter. Wenn du dich allein vorbereitest, möchte ich dir auf diesem Weg alles mitgeben, was ich über Aufnahmeprüfungen weiß. Wenn du erst darüber nachdenkst, dich für ein Schauspielstudium zu bewerben, kann ich dir vielleicht helfen herauszufinden, ob der Beruf zu dir passt und dich darauf vorbereiten, was dich bei den Aufnahmeprüfungen erwartet. Und wenn du schon mit jemandem probst, der dich gut unterstützt, kann ich dir vielleicht das eine oder andere erklären, wofür im Unterricht keine Zeit bleibt oder wozu ihr noch nicht gekommen seid. Wenn du schon im Schauspielstudium bist oder im Beruf stehst, wirst du vielleicht einige Stellen überspringen, weil sie dir bereits selbstverständlich sind. Manches kann aber auch dir weiterhelfen, wenn du dich mit Vorsprechszenen beschäftigst.

Bei allem, was ich hier schreibe, gilt: Nimm nur das, was du brauchst! Probiere aus, was dich interessiert! Und schmeiß weg, was dir nicht hilft! Denn nicht jede arbeitet gleich, nicht jeder hat dieselben Probleme, kein Weg ist genau wie der Weg eines anderen Menschen.

Vermutlich gibt es zu all meinen Aussagen auch gegenteilige Überzeugungen. Und das ist völlig in Ordnung. Die Ideen, Gedanken, Tipps und die Antworten, die ich hier gebe, sind meine Schlussfolgerungen, meine Erfahrungen. Es sind die Dinge, die für mich funktionieren und ich habe beim Unterrichten erlebt, dass sie auch anderen helfen können. Deshalb teile ich sie hier. Ohne Anspruch auf »den einen richtigen Weg«. Meiner Meinung nach kann es den einen Weg, der für alle »richtig« ist, in der Kunst sowieso nicht geben.

Mich hat immer interessiert, die Grundlagen der Schauspielerei zu erkunden. Zu untersuchen, was absolut wesentlich für die schauspielerische Arbeit ist. Das heißt, viele meiner Gedanken sind unabhängig von Techniken, Methoden und Stilfragen. Du kannst sie anwenden, ganz egal, mit welchen Vorerfahrungen du beginnst.

Es gibt hier keinen Fahrplan mit Stationen, die du abarbeiten musst. Das Buch ist eher wie eine Landkarte, die dir in einem unübersichtlichen Gebiet Orientierung geben kann. Ich will dir helfen, deinen Weg zu finden.

Wie Yoshi Oida in seinem Buch Der unsichtbare Schauspieler schreibt:

»Dein Lehrer ist den Weg vor dir gegangen, und du siehst seine Spuren im Sand. Aus ihnen gewinnst du vielleicht einen Hinweis, wohin du als nächstes gehen wirst. Doch diese ›Spuren‹ sind die Vergangenheit eines anderen, sie sind nicht deine Zukunft.«1

Also: Sei kritisch. Vertrau dir selbst. Probiere aus, sei offen für neue Ideen, aber überprüfe, ob sie für dich hilfreich sind oder nicht! Such deinen eigenen Weg!

1Yoshi Oida mit Lorna Marshall: Der unsichtbare Schauspieler, Berlin: Alexander Verlag, 2001 (zweite, korrigierte Aufl.), S. 187.

1. Berufswahl und Ausbildungswege

Woran erkenne ich, ob dieser Beruf der richtige für mich ist und: Warum Talent nicht der entscheidende Faktor ist

Am Anfang stehen oft die Fragen »Ist das der richtige Beruf für mich?« und »Habe ich genug Talent, um Schauspieler:in zu werden?«.

Auch im Unterricht werde ich das immer wieder gefragt, aber selbst wenn ich dich spielen sehen könnte, kann ich dir darauf keine Antwort geben. Du wirst für dich selbst herausfinden müssen, ob der Beruf zu dir passt. Eins kann ich dir aber sagen: »Habe ich genug Talent?« ist nicht die entscheidende Frage.

Als ich mit 14 Jahren bei meinem Schulpraktikum am Theater den Schauspieler:innen erzählt habe, dass ich Schauspielerin werden will, haben alle gesagt: »Mach lieber etwas anderes!«

Und ich gebe ihnen recht: Wenn du dir etwas anderes vorstellen kannst, entscheide dich lieber dafür. Für mich war es der richtige Weg und ich bin sehr froh, dass ich ihn gegangen bin, aber der Beruf ist hart und fordernd und wird dich nur erfüllen, wenn dein Wunsch und dein Wille stark genug sind.

Außerdem sagte einer der Schauspieler: »Schauspiel ist 10 Prozent Talent und 90 Prozent Arbeit.« Auch damit hatte er recht. Talent reicht bei Weitem nicht aus. »Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit«, wie Karl Valentin es treffend auf den Punkt bringt.

Was ist überhaupt schauspielerisches Talent?

Schauspielerisches Talent besteht aus mehreren Dingen: Der erste Aspekt ist deine Fantasie. Hast du Ideen, Bilder, Bewegungsimpulse, wenn du einen Text liest oder dich mit einem Thema beschäftigst? Regt Literatur deine Fantasie an? Der zweite Aspekt sind deine körperliche Präsenz und deine »Durchlässigkeit«. Der Fachbegriff Durchlässigkeit meint folgendes: Wenn du dir etwas vorstellst, beispielsweise einen Spaziergang am Meer, deine Füße umspült von den Wellen, verändern sich deine Körperlichkeit, deine Bewegungen? Wenn du dir eine Konfrontation mit einer Freundin vorstellst oder ein Wiedersehen mit einem alten Freund, wenn du einen Text liest, der eine emotionale Situation beschreibt, verändern sich dann deine Körperspannung, deine Atmung, deine Haltung? Der dritte Aspekt ist Kommunikation. Schauspiel ist im Kern immer Kommunikation und kommunizieren kann eigentlich jeder Mensch. Diese Fähigkeit ist uns angeboren. Das ist unsere Biologie, wir sind eine soziale Spezies. Wie frei und offen wir dabei sind, ist unterschiedlich, aber wir alle können kommunizieren. Das heißt, jeder Mensch hat ein gewisses schauspielerisches Talent. Wir arbeiten mit den Grundlagen des Menschseins. Es ist nicht so, dass wir die verschiedenen Aspekte schauspielerischen Talents haben oder nicht haben. Jede:r kann sie ausbauen und entwickeln. Um Schauspieler:in zu werden, solltest du an diesen Dingen arbeiten, denn wenige Anfänger:innen haben Fantasie, Präsenz, Durchlässigkeit und Kommunikationsfähigkeit in dem Maße zur Verfügung, dass sie ausreichen, um sofort an einer Schauspielschule angenommen zu werden.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht: »Habe ich genug Talent?«, sondern: »Will ich diesen Beruf so sehr, dass ich so lange an meinen Fähigkeiten arbeiten werde, bis ich alle Teile meines Talents ausreichend entwickelt habe?« Die Frage ist also: »Will ich es genug?« Das meint keinen abstrakten Willen, keine Charakterstärke, sondern ganz konkret: »Geben mir das Spielen und der Beruf so viel, dass ich bereit bin, so hart und lange an mir zu arbeiten, bis es klappt?«

Wenn die schauspielerische Arbeit dich mehr kostet, als sie dir gibt, wirst du auf Dauer vermutlich nicht durchhalten. Dann ist der Beruf nicht der richtige für dich und du wirst anderswo glücklicher werden.

Wie viel du arbeiten musst, hängt natürlich auch davon ab, wo du beginnst. Wer körperlich sehr frei ist, wer seine Fantasie immer schon benutzen und entwickeln durfte, wer authentisch kommunizieren konnte, hat vielleicht einen Startvorteil und braucht am Anfang möglicherweise weniger Anstrengung, um Erfolg beim Vorsprechen zu haben. Manchmal können schwierige Startbedingungen aber auch für große Intensität der Darstellung sorgen. Doch auf dem Weg in und durch den Beruf kommen zwangsläufig Durststrecken, die du nur durchhalten kannst, wenn du es wirklich willst.

Wie findest du heraus, ob du diesen Beruf wirklich willst?

Ein möglicher Weg ist, »die Aufnahmeprüfungstour« zu machen: Das bedeutet, deine Vorsprechszenen zu proben und vorzuspielen, mit Prüfungsangst und Aufregung umzugehen, vorzusprechen, abgelehnt zu werden, Kritik zu bekommen und trotzdem weiterzumachen, wieder abgelehnt zu werden und dennoch nicht aufzugeben. Wenn du dabei merkst, dass es nicht das Richtige für dich ist, dass du es nicht mehr willst, dann weißt du, woran du bist. Eine andere Möglichkeit, vor allem, wenn du noch Zeit hast, bevor du mit den Prüfungen beginnst, ist, so viel wie möglich zu spielen – in Theatergruppen, Jugendclubs oder in selbstgedrehten Kurzfilmen. Am Theater ein Praktikum zu machen oder eine Hospitanz bei einer Filmproduktion, um zu erleben, wie das Schauspielerleben tatsächlich aussieht und ob es das ist, was du dir erträumst, kann hilfreich sein.

Ich glaube, du kannst nur im Tun herausfinden, ob dieser Weg der richtige für dich ist. Denn nur im Tun wirst du konkret spüren, ob du von der Arbeit das bekommst, was du dir wünschst.

Im Unterricht habe ich immer wieder erlebt, dass sich Schüler:innen, bei denen ich am Anfang nur wenig Talent erkennen konnte, unheimlich weiterentwickelt haben und am Ende an einer staatlichen Schauspielschule angenommen wurden. Andere, die anfangs viel weiter waren und bei denen sofort sichtbar war, dass sie die Prüfungen bestehen könnten, haben es sich nach einer Reihe von Ablehnungen anders überlegt und diesen Weg aufgegeben, um etwas anderes zu machen. Als sie erlebt haben, wie dieser Beruf sich in der Realität anfühlt, wurde ihnen klar, dass dies nicht ihr Weg ist. Auch das ist für mich ein Erfolg, denn jede:r, der oder die diesen Berufstraum informiert und klar aufgibt, kann sich mit voller Überzeugung und ohne Reue auf etwas anderes einlassen.

Die Frage, die du dir im Moment stellen solltest, ist also: »Will ich es ausprobieren?« Und im Verlauf der Zeit kannst du dich immer wieder fragen: »Ist es immer noch das, was ich will?« Wenn die Antwort auf diese Frage ja ist, mach weiter mit deiner Arbeit. Und wenn die Antwort irgendwann nein ist, sieh es nicht als Versagen oder Aufgeben, sondern als einen Moment der Klarheit, eine Entscheidung gegen einen Lebensweg, der doch nicht zu dir passt und für einen anderen, der besser für dich ist.

Was dich in den Aufnahmeprüfungen erwartet

Um ihre zukünftigen Studierenden zu finden, führen die staatlichen Schauspielhochschulen jedes Jahr Vorsprechen durch. Diese Vorsprechen unterscheiden sich von Schule zu Schule.

Gemeinsam ist allen Aufnahmeprüfungen, dass du Monologe vorbereiten sollst, die du den Dozent:innen vorspielen kannst. Mindestens ein klassischer und ein moderner Text werden gefordert. Einige Schulen geben zusätzlich Aufgaben wie das Entwickeln einer eigenen Szene oder eine Partnerszene vor. Manche bitten darum, ein Lied und/ oder Gedicht vorzubereiten.

Es gibt bei den Aufnahmeprüfungen mehrere »Runden«. Wenn du die erste Runde bestanden hast, kommen die nächsten Runden auf dich zu. Meist gibt es eine zweite und dritte Runde, manchmal auch mehr. Was dich in der zweiten und dritten Runde erwartet, unterscheidet sich von Schule zu Schule.

In der ersten Runde wirst du deine Monologe vor einer Kommission aus Lehrenden der Hochschule vorspielen. Manchmal sind das nur zwei Dozent:innen, manchmal das gesamte Kollegium. In einigen Schulen schauen sich die Prüflinge gegenseitig beim Spielen zu, in anderen geht jede:r nacheinander in die Prüfung.

An der UdK gibt es ein Aufwärmtraining, das Studierende des ersten Jahrgangs anbieten. In der ersten Runde sprichst du vor zwei Dozent:innen und einem Studierenden des dritten Jahrgangs vor. Du spielst einzeln vor der Prüfungskommission. Die erste Rolle darfst du selbst bestimmen, die weitere Reihenfolge suchen die Prüfer:innen aus. Oft schauen auch Studierende des ersten Jahrgangs zu. Die zweite Runde ist ebenfalls ein Vorspielen der Monologe, nun aber vor dem gesamten Kollegium. Auch wird häufiger mit den Prüflingen an den Szenen gearbeitet. Es kann sein, dass du gebeten wirst, eine Szene noch einmal auf andere Weise oder mit einem Gegenüber zu spielen. Die Endrunde besteht aus drei Tagen, an denen drei Gruppen von zehn Prüflingen eine Art Probeunterricht absolvieren. An jedem der Tage arbeiten einige Dozent:innen etwa vier Stunden lang an verschiedenen Bereichen. Ein Tag beschäftigt sich mit Körper und Stimme, ein Tag mit Theorie und Sprache, also mit dem Übers-Theater-Sprechen und mit der Textgestaltung und ein Tag mit dem Spielen, Improvisieren und der Arbeit an den Szenen.

Die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch hat die kürzeste Prüfung. Die erste Runde findet vor zwei Dozent:innen statt und alle Prüflinge schauen sich gegenseitig zu. Jede:r spielt die erste, nach einer Pause die zweite Szene. Manchmal wird mit jemandem gearbeitet, manchmal noch das Lied angeschaut. Die zweite Runde, die gleichzeitig die Endrunde ist, beginnt mit einem Körpertraining aller Prüflinge, bei dem alle Dozent:innen zuschauen und das auch improvisatorische, darstellerische Elemente beinhaltet. Danach spielen alle ihre Rollen einzeln vor den Lehrenden. Häufig haben die Prüflinge eine zusätzliche Rolle und oft auch ein anderes Lied aufgegeben bekommen.

In Ludwigsburg war es in einem Jahr so, dass in der zweiten Runde alle Prüflinge gemeinsam auf der Bühne waren und jede:r seine Szenen gespielt hat, während sich die anderen ebenfalls auf der Bühne befanden. Eine sehr interessante Variante! Die Situation gleicht dann einem Theaterstück, das aus lauter Monologen besteht. So hat man außerdem immer Anspielpartner:innen auf der Bühne zur Verfügung.

Du kannst dich auch an Schulen in Österreich und der Schweiz bewerben sowie umgekehrt aus Österreich und der Schweiz in Deutschland. Am Max-Reinhardt-Seminar in Wien besteht die erste Runde aus dem Vorsprechen der ersten beiden Szenen vor dem gesamten Dozentenkollegium, die zweite aus dem Vorsprechen von zwei weiteren Szenen. Die Endrunde hat viele einzelne Teile, die ebenfalls eine Art Probeunterricht darstellen. Man geht dort teils einzeln, teils in kleinen Gruppen von Raum zu Raum und arbeitet mit verschiedenen Dozent:innen: Gesangsunterricht, Körpertraining, ein Gespräch, eine Probe an den Szenen, Improvisationsaufgaben mit Partner:innen.

Staatliche Schauspielschulen

In den Schauspielberuf gibt es verschiedene Wege. Welcher Weg für dich der richtige ist, hängt damit zusammen, wohin du genau willst. Wenn du an den deutschen Stadt- und Staatstheatern spielen möchtest, solltest du alles daransetzen, an einer der staatlichen Schauspielschulen zu studieren.

Sie sind unterschiedlich groß, haben verschiedene Schwerpunkte und Ausrichtungen, aber sie alle bilden junge Leute so aus, dass sie nach dem Studium in der Lage sind, an den Theatern mitzuhalten. Das ist vor allem eine handwerkliche Frage. Schauspielerei ist ein körperlich und stimmlich sehr anspruchsvoller Beruf – Hochleistungssport für Körper und Stimme. Dafür brauchst du eine intensive und professionelle Ausbildung, sonst wird es schwer, das Arbeitspensum auszuhalten. Wenn du eine leichte Erkältung hast und trotzdem eine Vorstellung spielst, musst du wissen, wie du laut genug sprechen kannst, ohne dabei heiser zu werden und deshalb vielleicht für mehrere Wochen auszufallen. Um sicher zu gehen, dass die Schauspieler:innen das Pensum aushalten, engagieren die meisten größeren Theater nur Absolvent:innen der staatlichen Schulen. Mit »groß« meine ich hier tatsächlich die Raumgröße des Theatersaals, denn danach bemessen sich die Ansprüche an deine Stimme.

Es gibt eine Übersicht der staatlichen Schauspielschulen bei Wikipedia oder auf Casting-Network.2 Schau dich genau auf den Seiten der einzelnen Schulen um: Was wird gefordert? Wann sind die Bewerbungsfristen und wann die Prüfungen? Welche Unterlagen brauchst du für die Bewerbung? Organisiere dich gut, schreib dir alle Termine auf! Die meisten Schulen prüfen nur einmal im Jahr und es ist ärgerlich, ein Jahr auf die nächste Chance warten zu müssen, weil du eine Bewerbungsfrist vergessen hast. Beachte dabei den Unterschied von »staatlichen« und »staatlich anerkannten« Schulen. »Staatlich anerkannt« bedeutet Privatschule.

Privatschulen

Es gibt eine ganze Reihe privater Schauspielschulen mit sehr, sehr unterschiedlicher Qualität. Grundsätzlich musst du wissen, dass Schauspieler:in kein geschützter Beruf ist. Jede:r kann sich so nennen, ob er oder sie nun eine Ausbildung hat und tatsächlich in dem Beruf arbeitet oder nicht. Und wer eine Zeit lang Schauspieler:in war, kann eine Schauspielschule eröffnen. Dafür gibt es nur wenige künstlerische Vorgaben. Ob eine Privatschule »staatlich anerkannt« wird, hängt mehr von der Menge des Unterrichts, der Größe der Räume und ähnlichem ab als von der Qualität der Ausbildung. Die ist für diejenigen, die darüber entscheiden, schwer zu beurteilen.

Ich kann zu den einzelnen Privatschulen wenig sagen, denn die meisten kenne ich nicht gut genug, um ihre Qualität einschätzen zu können. Es ist wesentlich einfacher, an einer privaten Schule angenommen zu werden, denn diese haben viel weniger Bewerber:innen. Aber du musst dich darauf einstellen, dass viele Theater dich später nicht einmal zum Vorsprechen einladen. Oftmals werden alle, die an einer Privatschule studiert haben, sofort aussortiert. Das hat zwei Gründe: Der wichtigste ist, dass die wenigsten privaten Schulen eine auch nur ansatzweise vergleichbare Stimmausbildung bieten können. Dafür braucht es viel Einzelunterricht – und damit wären sie wesentlich teurer. Wir hatten an der UdK in der Woche mindestens vier Einzelstunden bei verschiedenen Stimmdozent:innen, zusätzlich zu zwei bis vier Stunden in der Gruppe. An einigen Privatschulen gibt es eine Gruppenstunde Stimmunterricht und eine halbe Stunde Einzelunterricht in der Woche.

Der andere Grund ist, dass Privatschulen sehr unterschiedlich sind und auch die Qualität der Schüler:innen sehr verschieden sein kann. Da man genügend Bewerbungen hat, machen sich die Theaterleitungen oft gar nicht erst die Mühe, die Privatschulabsolvent:innen einzuladen.

Als ich in Stuttgart am Theater gearbeitet habe, standen auf dem Schreibtisch eines Dramaturgen drei Umzugskartons voller – schriftlicher – Bewerbungen. Heute, wo Bewerbungen per E-Mail üblich sind, sind es sicher wesentlich mehr. Ich habe ihn gefragt, was er damit macht und er sagte, er setzt seinen Praktikanten daran, alle auszusortieren, die von Privatschulen kommen oder nicht in dem Alter sind, für das sie in der nächsten Spielzeit Vakanzen haben. Er selbst schaut sich lediglich die übrig gebliebenen an.

Wenn du also trotzdem an einer Privatschule eine Schauspielausbildung machst und ans Theater willst, dann bewirb dich entweder an kleineren Häusern, die weniger Bewerbungen bekommen – und die oft auch keine so extreme Belastung für die Stimme mit sich bringen. Oder versuch, so viele persönliche Kontakte wie möglich herzustellen, während du noch in der Ausbildung bist. Bewirb dich direkt bei Theaterleuten, die du kennst, denn so hast du eine größere Chance, überhaupt vorsprechen zu dürfen und zu zeigen, was du kannst. Es kann auch für die Berufsrealität helfen, wenn du neben der privaten Ausbildung zusätzlichen Sprech- und Gesangsunterricht nimmst. Obwohl das natürlich auch eine finanzielle Frage ist. Ob es dir allerdings bei den Bewerbungen hilft, ist fraglich.

Seit einer Weile muss die ZAV, die Zentrale Künstlervermittlung des Arbeitsamts, alle Absolvent:innen der staatlich anerkannten Privatschulen aufnehmen. Früher gab es dafür eine Extra-Prüfung, bei der immer nur einzelne Absolvent:innen aufgenommen wurden. Die neue Regelung hat zwar den Vorteil, dass alle Studierenden an Privatschulen die Chance haben, über die ZAV von Vakanzen zu erfahren, aber es hat auch dazu geführt, dass viele Theater noch strenger sagen »Wir laden keine Privatschüler:innen zum Vorsprechen ein.«, weil sich sonst insgesamt mehr Leute bewerben und die Bearbeitung und das Vorsprechen wesentlich länger dauern würden. Für diejenigen Privatschüler:innen, die die ZAV-Prüfung bestanden hatten, war es also früher etwas einfacher, Vorsprechen an Theatern zu bekommen. Das heißt nicht, dass du an einer guten Privatschule nicht eine solide Ausbildung erhalten kannst.

Wenn du das Gefühl hast, dir läuft die Zeit davon, du bist Mitte oder Ende 20 und willst nicht länger warten, dann schau dich ruhig bei den Privatschulen um. Such dir eine möglichst gute aus und bewirb dich dort. Selbst wenn du dort eine Ausbildung beginnst, heißt das ja nicht, dass du keine Aufnahmeprüfungen anderswo mehr machen kannst. Oft klappt es bei vielen später an einer staatlichen Schule.

Stell dich aber darauf ein, dass es nach der Ausbildung besonders schwierig wird, in den Beruf zu finden, wenn du an einer Privatschule deinen Abschluss machst. Überleg dir, wie du damit umgehen willst. Wenn du diesen Weg gehst, verschließ nicht die Augen vor den Schwierigkeiten, sondern versuch, frühzeitig Lösungen zu finden, um sie auszugleichen.

Mit all diesen Aussagen meine ich nicht, dass es nicht hervorragende, begabte und extrem professionelle Schauspielerinnen gibt, die von Privatschulen kommen. Ich habe mit einigen wunderbaren Kollegen gearbeitet, die diesen Weg gegangen sind und die ich künstlerisch und persönlich sehr schätze. Doch sei dir bewusst, dass der Weg in die Ausbildung zwar wesentlich einfacher ist, der Weg in den Beruf hinterher aber viel schwerer sein kann.

Studieren im Ausland?

Du kannst dich ohne größere Probleme auch bei anderen europäischen Schauspielschulen beispielsweise in Großbritannien und Frankreich bewerben. Was du dabei allerdings nicht vergessen solltest: Schauspielerei, besonders im Theater, hat extrem viel mit Sprache zu tun. Wenn du deine Sprach- und Stimmausbildung in einer anderen Sprache machst, kann das hinterher eine Schwierigkeit darstellen, wenn du vor allem an deutschen Stadttheatern arbeiten willst. Auch kennen manche Theatermitarbeiter:innen die ausländischen Hochschulen gar nicht und ordnen sie vielleicht als Privatschulen ein. Und