Selbstführung - Marcus Heidbrink - E-Book

Selbstführung E-Book

Marcus Heidbrink

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Beschreibung

Transformationale Führung ist längst in der Unternehmenspraxis angekommen. Sie bietet einen Rahmen, der Selbstführung in unsicheren Zeiten möglich macht und konkrete Hilfestellungen leistet. Dieses Buch wendet die Prinzipien der transformationalen Führung erstmals auf Führungskräfte an. Es fokussiert ihre eigenen Stärken und Ressourcen und zeigt, wie sie ihre Erwartungen und Ziele in Einklang bringen und sich selbst erfolgreich führen. Inhalte: - Orientieren Sie sich an Ihren Stärken und Ressourcen - Wecken Sie Ihre intrinsische Motivation - Selbstführung mit den vier I: Inspiration, Individualität, Integrität, intellektuelle Herausforderung - Mit konkreten Beispielen aus der Coaching-Praxis - Viele Übungen, Fragen zur Selbstreflexion und handlungsorientierte Zusammenfassungen Neu in der 3. Auflage: - Selbstführung in Zeiten von BANI (brittle, anxious, non-linear, in-comprehensible) - Self-Leadership im Rahmen von New Work, - Erweiterung des Übungs- und Selbstreflexionsteils Die digitale und kostenfreie Ergänzung zu Ihrem Buch auf myBook+: - E-Book direkt online lesen im Browser - Persönliche Fachbibliothek mit Ihren Büchern Jetzt nutzen auf mybookplus.de.  

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Seitenzahl: 178

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Inhaltsverzeichnis

InhaltsverzeichnisHinweis zum UrheberrechtmyBook+ImpressumEinleitung zur 3., erweiterten Auflage1 Die Rahmenbedingungen für Selbst‑führung2 Der transaktionale und der transformationale Führungsstil2.1 Die transaktionale Führung2.2 Die transformationale Führung2.3 Führung und Zusammenarbeit im New Work2.4 Der richtige Mix3 Wege zur transformationalen Selbstführung3.1 Die transformationale Haltung3.2 Die 4i der Selbstführung3.2.1 Inspirierende Motivation3.2.2 Individuelle Berücksichtigung3.2.3 Ideelle Klarheit3.2.4 Intellektuelle Herausforderung3.3 Der richtige Mix4 Zwölf Übungen zur transformationalen Selbstführung4.1 Inspirierende Motivation ‒ In welche Richtung will ich gehen?4.2 Individuelle Berücksichtigung ‒ Wie komme ich voran?4.3 Ideelle Klarheit ‒ Wofür will ich stehen?4.4 Intellektuelle Herausforderung ‒ Wie kann ich denken wie ein Forscher?4.5 Mein nächster Schritt der Selbstführung: Integration5 ZusammenfassungDie AutorenLiteraturverzeichnis und -empfehlungenIhre Online-Inhalte zum Buch: Exklusiv für Buchkäuferinnen und Buchkäufer!Stichwortverzeichnis

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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.

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ePub:

ISBN 978-3-648-17376-3

Bestell-Nr. 10169-0102

ePDF:

ISBN 978-3-648-17377-0

Bestell-Nr. 10169-0152

Marcus Heidbrink / Sebastian Debnar-Daumler

Selbstführung

3. Auflage, Dezember 2023

© 2023 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

www.haufe.de

[email protected]

Bildnachweis (Cover): © iStock, MarianVejcik

Produktmanagement: Kerstin Erlich

Lektorat: Gabriele Vogt

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

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Einleitung zur 3., erweiterten Auflage

Wir leben in einer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Gesellschaft. Mit diesem Satz begann auch die letzte Auflage dieses Buches, erschienen im Januar 2019. Damals wussten wir noch nichts von einer Pandemie, einem gesellschaftlichen Lockdown, und konnten uns nicht vorstellen, dass in Europa ein konventioneller Krieg ausbricht. Die gesellschaftlichen Veränderungen der zurückliegenden Monate und Jahre haben unser aller Leben tiefgreifend verändert, im Privaten wie im Beruflichen. Nicht wenige sehen aktuell eine Zuspitzung der volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Zeiten und sprechen von chaotischen Zuständen. Im Chaos sind Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge nicht mehr durchschaubar; wir wissen nicht, was wir tun sollen. Wie im dichten Nebel kann man nur einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzen. Oder?

Für diese 3., erweiterte Auflage haben wir den Untertitel leicht angepasst. Er lautet nun: Innere Klarheit für chaotische Zeiten. Ein hohes Ziel. Lässt sich das eigene Leben in diesen volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Zeiten planen? Macht es aktuell überhaupt Sinn, sein Leben zu planen, sich Ziele zu setzen und nach etwas zu streben? Kann man sich unter diesen chaotischen Umständen selbst führen? Dieses Buch zeigt Wege auf, wie man sich selbst auf die Schliche kommen kann, was bedeutsam ist und mit welchen Mitteln man diesen bedeutsamen Lebensthemen etwas mehr Platz im eigenen Alltag einräumen kann. Es unterscheidet sich in der Haltung fundamental von herkömmlichen Selbstmanagementratgebern und endet nicht in einer Rezeptsammlung für ein besseres Leben, auch wenn es genau das ist, was am Ende der Reise daraus hervorgehen kann.

Die herkömmliche Literatur zum Selbstmanagement ist geprägt von dem, was wir Ziel-Weg-AnsatzZiel-Weg-Ansatz nennen. »Du musst Dir Ziele setzen im Leben!« oder »Nur wer das Ziel kennt, kann seine Segel richtig setzen« heißt es in zahlreichen Selbsthilfebüchern. Wer abnehmen oder eine sportliche Höchstleistung erzielen will, wer einen Karriereschritt machen möchte oder gleich sein ganzes Leben glücklich gestalten will, der sollte sich Ziele setzen und den Weg zielstrebig und konsequent gehen. Der Ziel-Weg-Ansatz scheint so klar wie einfach, er ist verlockend und nachvollziehbar. Der Ziel-Weg-Ansatz unterliegt allerdings der Annahme, dass die Rahmenbedingungen konstant bleiben und die Zukunft planbar ist. Mag dies auf zeitlich begrenzte und isolierte Einzelprojekte eventuell noch zutreffen, so müssen wir in unserer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Welt davon ausgehen, dass sich die Rahmenbedingungen immer wieder verändern und die Zukunft nicht planbar ist.

Herkömmliche Ziel-Weg-Ansätze des Selbstmanagements werden den Anforderungen einer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Gesellschaft nicht gerecht. Sie versagen in chaotischen Zeiten.

Die herkömmlichen Ziel-Weg-Ansätze sind gefährlich für das SelbstbewusstseinSelbstbewusstsein, weil sie eine EindimensionalitätEindimensionalität vorgaukeln, wo KomplexitätKomplexität vorherrscht, und weil sie die EinflussmöglichkeitenEinflussmöglichkeiten des Einzelnen auf seine Zukunft überschätzen im Vergleich zur Bedeutung der Umwelt- und Kontexteinflüsse. Dem Einzelnen wird die Rolle des Schmiedes des eigenen Glücks zugewiesen und damit die gesamte Verantwortung für das Gelingen des eigenen Lebens. »Siehe, es ist doch so einfach!«, schallt es uns entgegen. Will sich das Glück dann doch nicht einstellen, geht das Selbstvertrauen auf Talfahrt.

Was wäre denn eine Alternative zu den bisherigen Ziel-Weg-Ansätzen in einer volatilen, unsicheren, komplexen und mehrdeutigen Welt, um sich selbst zu führen? In der Führungsforschung hat sich die Haltung der transformationalen Führungtransformationale Führung gegenüber der sogenannten transaktionalen Führung als überlegen erwiesen und etabliert. Die transformationale Führung zeigt ihre Wirkung insbesondere unter schwer planbaren und dynamischen UmweltbedingungenUmweltbedingungen. Was ‒ empirisch eindrücklich belegt ‒ in der Führung von anderen Menschen wirkungsvoll ist, kann auch in der Führung von uns selbst gelingen.

Die empirische Führungsforschung liefert wertvolle Erkenntnisse, die in diesem Buch auf das Führen von uns selbst angewendet werden.

Wir haben unsere Vorlesungen und Seminare zur Selbstführung vor zehn Jahren im Sinne der transformationalen Führung umgestellt und seitdem mit neuen Übungsformen experimentiert. Mit der ersten Auflage dieses Buches im Jahr 2016 stellten wir die Idee und unsere wirkungsvollsten Übungen zur Selbstführung erstmals öffentlich vor. Seitdem hatten wir zahlreiche Gelegenheiten, die Idee der transformationalen Selbstführung mit vielen Menschen weiter zu diskutieren und zusätzliche Experimente und vertiefende Übungen zum Training der eigenen Selbstführung zu erproben.

Zahlreiche Teilnehmende unserer Vorlesungen, Coachings und Workshops zur Selbstführung berichteten uns, dass sie teilweise noch Jahre nach der ersten Auseinandersetzung mit den Kernelementen der transformationalen Selbstführung eine innere Klarheit besitzen, welche ihnen hilft, auch in den Unwägbarkeiten unserer chaotischen Zeiten kraftvoll voranzukommen und sich selbst zu führen. Dank der praktischen Trainingserfahrungen und mit Hilfe von vielen Feedbacks konnten wir den Übungsteil dieses Buches ab Kapitel 4 weiter schärfen. Wir laden ein, die Übungen alleine oder mit Hilfe eines guten Gesprächspartners zu durchlaufen und darüber eine innere Klarheit zu entwickeln, die der Wegweiser für die Selbstführung ist, auch in chaotischen Zeiten.

Dieses Buch wird mit jedem Kapitel konkreter, ohne aber in Vorschriften oder Handlungsanweisungen zu enden. Es ist ein Buch, um sich selbst auf die Schliche zu kommen und Freude an der eigenen Entwicklung zu entdecken.

Dieses Buch nimmt Anleihen aus der empirischen Führungsforschung und wendet diese gesicherten, wissenschaftlichen Erkenntnisse auf das Führen von uns selbst an. Es ist daher ein Buch, das sich an alle Menschen richtet, die Verantwortung und Führung für ihr eigenes Leben übernehmen wollen, und dies sind ausdrücklich nicht nur Führungskräfte. Gerade auch in Zeiten von New Work und einem steigenden Grad an Arbeitsautonomie sehen sich immer mehr Menschen mit der Herausforderung konfrontiert, eigenständig Schwerpunkte und Prioritäten zu setzen und für sich eine sinnvolle Gestaltung der eigenen Arbeitswelt zu erreichen. Zudem werden wir in diesem Buch generelle gesellschaftliche Entwicklungen nachzeichnen, aus welchen einerseits mehr individuelle Freiheiten resultieren, andererseits aber auch viel Verantwortung auf die Selbstführung des Einzelnen verlagert wird. Mit diesem Buch sollen die Freude und Inspiration gestärkt werden, die Gestaltungsmöglichkeiten des eigenen Lebens zu sehen und Lust auf eine gelingende Selbstführung zu bekommen.

Wie genau ist dieses Buch nun aufgebaut? Wir starten im ersten Kapitel dieses Buches mit der Analyse der Umweltbedingungen und der komplexen Anforderungen, vor welche uns der Lebensalltag regelmäßig stellt, und greifen dann im zweiten Kapitel auf die aktuellen Erkenntnisse der Führungsforschung zurück: Über fünf Jahrzehnte hinweg haben Forschungsteams weltweit nach effektiven Formen der Mitarbeiter- und Unternehmensführung gesucht, welche sich auch insbesondere in unsicheren Zeiten des Wandels und der Veränderung bewähren. In zahlreichen empirischen Untersuchungen und entsprechenden Metastudien wurde die Überlegenheit eines sogenannten transformationalen Führungsstils gegenüber herkömmlichen Command-and-Control-Ansätzen gezeigt.

Ab dem dritten Kapitel wenden wir die Erkenntnisse aus der Führungsforschung schließlich auf das Führen von uns selbst an und geben Empfehlungen und Hilfestellungen, um sich selbst besser zu erkennen und die eigenen nächsten Schritte in die gewünschte Richtung zu lenken. Und dies ist der eigentliche Grund, warum wir uns als Führungsforscher und Coach von Führungskräften und Trainerteams im Spitzensport dem Thema Selbstführung zugewendet haben. Wir sind beim Thema »Führen von anderen« gestartet und beim Thema »Führen von uns selbst« angekommen. In unseren Führungstrainings waren die wahrhaftigen Momente immer solche, die etwas bei den Führungskräften selbst ausgelöst haben, die sie zum Nachdenken gebracht, sie näher an die ihnen relevanten Themen herangeführt haben. Uns wurde klar, dass der Suchprozess nach den bedeutsamen Themen im eigenen Leben einen Wert an sich hat. Wir glauben nicht, bessere Antworten zu haben, welche nicht bereits an anderer Stelle veröffentlicht worden wären, aber wir sehen, welche Wirkung die richtigen Fragen auslösen können, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Mit diesem Buch teilen wir unsere Erfahrungen über wirksame Vorgehensweisen und Suchprozesse, welche dazu führen können, sich selbst über die relevanten, bedeutsamen Lebensthemen klarzuwerden und diesen Stück für Stück mehr Anteil an der eigenen Lebenszeit einzuräumen.

Wir wünschen Ihnen Freude und Inspiration!

Marcus Heidbrink und Sebastian Debnar-Daumler

Köln und Berlin, im September 2023

1 Die Rahmenbedingungen für Selbst‑führung

In diesem ersten Kapitel analysieren wir die RahmenbedingungenRahmenbedingung unserer modernen Gesellschaft und beschreiben, welche Anforderungen daraus für uns erwachsen. Wir diskutieren die folgenden Fragen: Welche gesellschaftlichen Trends erkennen Soziologen und welche Entwicklungsrichtung nimmt unsere westliche Gesellschaft in den Augen der führenden Soziologen über die letzten Jahrzehnte hinweg? Welche Auswirkungen haben die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für das Gelingen des eigenen Lebens und welche Herausforderungen sind für den Einzelnen damit verbunden? Was bedeutet es, in unsicheren, wenn nicht sogar chaotischen Zeiten zu leben? Ist es vor dem Hintergrund der erschwerten Vorhersagbarkeit und Planbarkeit der Zukunft überhaupt möglich, sich selbst zu führen? Warum greifen bisherige Ziel-Weg-Ansätze des Selbstmanagements zu kurz angesichts der gegenwärtigen gesellschaftlichen Trends? Unter welchen Bedingungen kann Selbstführung dennoch Sinn ergeben und gelingen?

Wir starten dieses Buch über Selbstführung mit einem Blick weg von uns selbst. Wir schauen zunächst auf den Kontext, auf die Umweltbedingungen, in denen jeder von uns gefragt ist, sich selbst zu führen. Dabei wollen wir nicht Verantwortung vom Einzelnen nehmen oder uns als Opfer der Umstände stilisieren. Es geht vielmehr darum, zu vergegenwärtigen, dass Selbstführung in den heutigen Zeiten kein einfaches Unterfangen ist und wir Antworten in der Führung von uns selbst suchen und finden müssen, die den neuen Herausforderungen gerecht werden.

Während auf der einen Seite die Unsicherheiten zunehmen und damit die Planbarkeit der Zukunft abnimmt, liegt andererseits den heute üblichen Methoden des Managements die Annahme zugrunde, dass die Rahmenbedingungen stabil bleiben und die Zukunft planbar ist. Wir nutzen also im Management noch immer die Methoden zur Führung von Menschen und zur Steuerung von Systemen, welche sich immer wieder und zunehmend häufiger als irreführend und unangemessen erwiesen haben. Wir verdichten die Anforderungen und reagieren auf die gesteigerten Erwartungen mit einem Mehr des Bekannten. Wiederholung und höhere Intensität also dort, wo Flexibilität und eine andere Qualität gefragt wären; diese Steigerungshaltung des Mehr-vom-Gleichen führt in eine Sinnentleerung, Erschöpfung und Entmenschlichung der Systeme.

In der Unternehmensführung dominieren Führungs- und Steuerungsmodelle, die von konstanten Rahmenbedingungen und einer Planbarkeit der Zukunft ausgehen. Diese Modelle haben sich in unseren Zeiten des Wandels zunehmend als irreführend erwiesen, werden aber aus Mangel an Alternativen weiterhin angewendet.

In der Selbstführung verhält es sich genauso wie in der herkömmlichen Managerausbildung. Uns wird suggeriert, wie bedeutsam es ist, sich Ziele zu setzen und konsequent danach zu streben. Erfolgsgeschichten von Selfmade-Millionären, von Spitzensportlern oder Topmodeln führen uns regelmäßig vor Augen, was mit Disziplin und ein wenig Opferbereitschaft zu erreichen ist. Es gilt, die Chancen zu nutzen und das Beste aus seinem Leben zu machen.

Diese herkömmlichen Ziel-Weg-Ansätze des Selbstmanagements führen aus mehreren Gründen in die Irre. Erstens gaukeln diese Ansätze eine lineare Einfachheit vor, die in der Praxis nie funktioniert. Im wahrsten Sinne »kommt das Leben dazwischen«, in Wirklichkeit sind Pläne nie 1:1 umsetzbar. Zweitens verlangen die herkömmlichen Ziel-Weg-Ansätze nach einer konsequenten Ausführung, was den beteiligten Menschen als Ausführungselement zu einer fortwährenden Fehlerquelle verkommen lässt; Menschen müssen kontrolliert, mit Sanktionsmechanismen und Drohungen dazu gebracht werden, den Plan umzusetzen, kurzum: Die gesamte Kommunikation dreht sich nur um Sollabweichungen und kippt ins Negative. Mit der Stimmung geht das Selbstvertrauen gleich mit auf Talfahrt. Wir alle kennen diesen Ablauf beispielsweise ab der gutgemeinten Anmeldung im Fitnessstudio oder wann auch immer unsere besten Vorhaben gestartet und nach einigen Wochen dann doch stillschweigend wieder aufgegeben und damit als Scheitern empfunden werden.

Genauso wie sich in der Führungsforschung und der Ausbildung von Führungskräften Ansätze durchgesetzt haben, welche den wechselhaften Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung und Transformation besser Rechnung tragen, so muss auch in der Selbstführung eine Weiterentwicklung jenseits der herkömmlichen Ziel-Weg-Ansätze erfolgen. Genau diesen Schritt gehen wir mit der in diesem Buch vorgeschlagenen transformationalen Selbstführung. Die in diesem Kapitel nun nachfolgend skizzierten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen lassen die Notwendigkeit einer transformationalen Selbstführung noch zwingender erkennen.

Freiheit und Verantwortung

FreiheitDie deutschsprachigen Länder zählen tatsächlich zu den durchlässigsten Gesellschaften der Welt. Mit Bildung, ein wenig Talent und viel Arbeit lässt sich das Leben schon meistern ‒ so die klare Botschaft an die nachwachsenden Generationen. Die Verantwortung, die dabei auf den Schultern des Einzelnen abgeladen wird, ist enorm und für manchen auch beängstigend. Die Chancen und Freiheiten unserer Gesellschaft, die niemand missen möchte, sind die eine Seite. Die alleinige Verantwortung des Einzelnen für das Gelingen des eigenen Lebens ist die andere Seite. Die EigenverantwortungEigenverantwortung wird immer gleich mitgedacht; Freiheit und Verantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille.

Individuelle Freiheit und Eigenverantwortung sind zwei Seiten derselben Medaille; sie sind nur im Tandem zu haben.

Eine freie Gesellschaft zeichnet sich durch Wahlmöglichkeiten aus. Der Schweizer Soziologe Peter Gross hat das in seinem Buch über die MultioptionsgesellschaftMultioptionsgesellschaft anschaulich beschrieben (P. Gross, 1994). Wenn ich als Einzelner an eine Weggabelung komme, besteht jedes Mal die Gefahr, dass ich mich für den falschen Weg entscheide. Manchmal genügen zwei oder drei Fehlentscheidungen, um sich in der Sackgasse des eigenen Lebens wiederzufinden. Was sich als Freiheit für den Einzelnen und Chancenreichtum einer Gesellschaft zunächst gut anhört, quält viele von uns durch einen kontinuierlichen EntscheidungszwangEntscheidungszwang und die fortlaufende Gefahr des Falschabbiegens.

In Berufsberatungsgesprächen mit Studierenden haben wir die Erfahrung gemacht, dass nicht das Generieren von Berufseinstiegsoptionen gefragt ist, sondern dass die Studierenden unter der hohen Anzahl an Optionen leiden. Man will sich keine Tür verschließen, jeder Schritt in der Karriere sollte ganz im Gegenteil weitere Türen öffnen. Kaum im Job, wechselt man dann gerne rasch wieder, um nichts zu verpassen. Der Druck, unter dem junge Berufstätige im ersten Drittel ihres Berufslebens stehen, ist enorm. Die Multioptionsgesellschaft fordert ihren Tribut.

Enttraditionalisierung und Individualisierung

IndividualisierungWir sind »Autoren« unserer eigenen Bastelbiographie, aber auch selbst schuld, wenn das Leben nicht so gelingt, wie es sein soll. Die Deutungshoheit der ehemals großen gesellschaftlichen Entitäten wie der Familienverbund, soziale Milieus, Kirchen, Staat oder Parteien hat in den zurückliegenden Jahrzehnten stetig abgenommen, was wiederum dem Einzelnen zur freien Entfaltung verhilft. Gleichzeitig zwingt diese Ent­traditionalisierungEnttraditionalisierungaber auch den Einzelnen, sich kritisch mit sich selbst, den eigenen Werten und Wahrheiten auseinanderzusetzen, was keine leichte Aufgabe ist in dem vielstimmigen Chor der Möglichkeiten.

Während die Bedeutung von herkömmlichen Werten zunehmend angezweifelt wird, wird dem Streben nach einem glücklichen eigenen Leben eine hohe Bedeutung beigemessen. Es geht um Selbstbestimmung und Autonomie, um Glück und Zufriedenheit, um Gesundheit und um Selbstverwirklichung. Stets basteln wir an uns selbst und versuchen, das Beste aus diesem einen Leben zu machen. Wir dürfen dabei keine Zeit verlieren; Lebenszeit zu verschwenden wäre fatal. In diesem Sinn sind wir nicht nur unseres eigenen Glückes Schmied, sondern regelrecht zum Glücklichsein verdammt. Die Selbstzweifel steigen, wenn sich das Glück nicht dauerhaft einstellen will.

Mit der Annahme, dass es nur ein Leben gibt ‒ und dieses vor dem Tod stattfindet ‒, unterwerfen wir uns einem Zeitdruck und dem Zwang, das Beste aus diesem einen Leben herauszuholen.

Die Enttraditionalisierung hat zu mehr SelbstbestimmungSelbstbestimmung des Einzelnen geführt und gibt Freiheit bei der Wahl des Weges. Die Vielfalt der Lebensformen in unserer Gesellschaft ist ein Ausdruck davon. Allerdings darf das Individuum nicht nur das Wie des Lebens selbst bestimmen, sondern ist auch bei der Beantwortung der Frage nach dem Wozu des Lebens auf sich selbst gestellt.

Das Streben nach Sinn und Erfüllung

Der KZ-Überlebende und Begründer der LogotherapieLogotherapie, Viktor Frankl, bezeichnete die SinnentleerungSinnentleerung als die psychische Krankheit der Moderne (z. B. V. E. Frankl, 2013). Er geht davon aus, dass sich früher oder später im Leben jeder Mensch die Frage nach dem Wozu des Lebens stellt und viele darunter leiden, den einen, strahlenden Zweck für sich nicht zu finden. Was kann unserem ganzen hiesigen Streben einen Sinn geben?

Für Viktor Frankl war klar, dass der Mensch seinen SinnSinn finden muss. Allerdings betonte er auch, dass ein Sinn nicht produziert oder vorsätzlich geschaffen werden kann. Es geht vielmehr darum, die individuell für sich selbst richtige Antwort zu finden. Er grenzte sich in seinem Werk explizit gegen das von Abraham Maslow entwickelte Konzept der Selbstverwirklichung ab, weil er annahm, dass ein Lebensfokus mit dem Ziel der SelbstverwirklichungSelbstverwirklichung den Blick auf uns selbst lenkt. Nach Frankl stellt aber gerade die Zuwendung zu anderen eine bedeutsame Sinnquelle dar. Maslow beendete 1966 den akademischen Streit in einem Artikel mit dem Fazit: »Dr. Frankl is right« (A. H. Maslow, 1966).

Auch Friedrich Nietzsche wusste, dass vieles leichter von der Hand geht, wenn man Sinn findet: »Hat man sein Warum des Lebens, so verträgt man sich fast mit jedem Wie.« In der Tat können sogar schwierige Erlebnisse oder eine länger andauernde Leidenszeit für einen selbst Sinn machen. Doch was ist zu tun, wenn man sein Wozu des Lebens noch immer nicht für sich gefunden hat?

In einer von uns durchgeführten Studie mit Topmanagern zum Erleben und Verarbeiten einer eigenen EntlassungEntlassung berichteten uns die Probanden eindrücklich von ihren intensiven Erfahrungen. Vielfach löste eine ungewollte berufliche Umbruchphase im letzten Berufslebensdrittel einen Suchprozess aus, der tiefgreifend und von dem Wunsch nach einem sinnerfüllten Tun geprägt war (S. Debnar-Daumler et al., 2016). In zahlreichen Fällen orientierten sich die Topmanager nach ihrer Entlassung in eine für sie neue Richtung, die ihnen mehr Erfüllung versprach als die bisherige Karriere. Weitere Informationen zu dieser Studie finden sich unter dem Stichwort der Selbstkomplexität in Kapitel 3.2.3.

Das Streben nach einem sinnvollen und erfüllten Leben geht quer durch die Generationen und ist kein Exklusivrecht der Generationen Y und Z.

Wir betrachten das Streben nach Sinn und Erfüllung als ein charakteristisches Merkmal der vielfach beschriebenen Generation Y, also der Generation, die nach dem »Why«, dem Wozu, fragt. Der sogenannten Generation Y werden vor allem Merkmale wie die Suche nach dem Sinn im privaten und beruflichen Tun, der Wunsch nach Internationalität und das Streben nach Selbstverwirklichung zugeschrieben. Status und finanzielle Anreize rücken in den Hintergrund, der Spaß an der Aufgabe rückt in den Vordergrund.

In Bezug auf die nachfolgende Generation Z, also die nach 1999 Geborenen, wird eine noch stärkere Werteorientierung unterstellt im Sinne eines starken Wunsches, die Welt zu verbessern. Die Generation Z ist die erste Generation, deren Mitglieder sich wirklich als digitale Eingeborene bezeichnen können, sie ist es gewohnt, ihr gesamtes Leben vom Handy aus managen zu können. Die sogenannten Genzies haben den Klimawandel als die zentrale Bedrohung unserer Zeit und die menschliche Ohnmacht, mit dieser Herausforderung umzugehen, quasi mit der Muttermilch aufgesogen. Materielle Hoffnungen auf ein besseres Leben als ihre Eltern- oder sogar Großeltern-Generation hegt diese Generation schon nicht mehr; man weiß um die Endlichkeit von materiellem Erfolg und strebt erst gar nicht danach. In vielen Firmen führt dies zum Clash der Generationen, weil der Eindruck entsteht, die Generation Z wolle gar nicht richtig arbeiten. Für viele Babyboomer und Angehörige der Generation X war es wichtig, materiell abgesichert zu sein, eine eigene Immobilie zu bewohnen und die Altersvorsorge gesichert zu wissen. All das erscheint den Genzies vollkommen irreal, denn wer könnte sich denn überhaupt angesichts der vorherrschenden Immobilienpreise jemals ein Eigenheim leisten – da wird lieber gleich abgewunken und versucht, dem Leben einen Sinn zu entlocken, häufig eben in der Freizeit außerhalb eines regulären Jobs.