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Der Berufsalltag in der Landwirtschaft ist abwechslungsreich und anstrengend. Lernen Sie einen gesunden Umgang mit stressigen Situationen. Wo liegt Ihre Belastungsgrenze? Finden Sie heraus, wie Sie Ihre Ziele hoch aber realistisch stecken. Entwickeln Sie eine Strategie für Ihr persönliches Selbstmanagement.
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Seitenzahl: 123
Veröffentlichungsjahr: 2017
Birgit Arnsmann
Selbstmanagement statt Burnout
Optimale Methoden für Landwirtinnen und Landwirte
Cover
Haupttitel
Inhaltsverzeichnis
Über die Autorin
Vorwort
Einführung: Die Geschichte von Landwirt Hannes
Teil 1: Stress und Burnout verstehen und erkennen
Das Lebensbalance-Modell
1. Arbeit und Leistung
2. Beziehungen und Kontakte
3. Körper und Gesundheit
4. Sinn- und Zukunftsfragen
Stress – Versuch einer Definition
Die „richtige“ Dosis Stress
Anzeichen für Unterforderung
Im Bereich der mittleren Stressdosis
Anzeichen für Überforderung
Generell wird Belastbarkeit geformt durch
Was Stress auslöst
1. Stressoren der Arbeitsumgebung
2. Stressoren in der Kommunikation
3. Körperliche Stressoren
4. Genetische Disposition
5. Psychische Stressoren
Welcher Verhaltenstyp sind Sie?
Innere Landkarten
1. Neurobiologische Wahrnehmungsfilter
2. Kulturell-soziale Wahrnehmungsfilter
3. Individuell-persönliche Wahrnehmungsfilter
4. Fokussiert-zielgerichtete Wahrnehmungsfilter
Diese Gedanken erzeugen Stress
Beispiele für stresserzeugende Gedanken
Beispiele für stressmindernde Gedanken
Wie Sie zu neuen Sichtweisen finden können
Eu-Stress und Dis-Stress
Eu-Stress (von Euphorie)
Dis-Stress (von Disharmonie)
Typische Stressreaktionen
1. Kognitive Ebene
2. Emotionale Ebene
3. Vegetativ-hormonelle Ebene
4. Muskuläre Ebene
Fliehen Sie schon oder kämpfen Sie noch?
Fluchttyp
Kampftyp
Die vier Stresstypen
1. Der Einzelkämpfer
2. Der Ausgeglichene
3. Der Hilfsbereite
4. Der Konservative
Vom Stress zum Burnout
Burnout ist keine Manager-Krankheit
Faktor Persönlichkeit
Faktor privates Umfeld
Phasen des Burnout-Prozesses
1. Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
2. Nachlassende Leistungsfähigkeit
3. Rückzug
4. Innere Leere und Sinnverlust
1. Drang nach Anerkennung und übertriebener Ehrgeiz
2. Übertriebene Leistungsbereitschaft
3. Verdrängung der eigenen Bedürfnisse
4. Ausblenden von Warnsignalen und Überforderung
5. Verzerrte Wahrnehmung der Realität
6. Ausblenden von ersten Beschwerden
7. Rückzugsphase
8. Beratungsresistenz baut sich auf
9. Entfremdung
10. Innere Leere
11. Auftretende Depressionen
12. Totale Erschöpfung
Die Symptome von Burnout
Reduziertes Engagement
Emotionale Reaktionen: Depressionen, Aggressionen, Schuldzuweisungen
Schwindende Leistungsfähigkeit
Emotionale Verflachung und Desinteresse
Psychosomatische Reaktionen
Letzte Stufe: Verzweiflung
Fachliche Ersthilfe zur Entlastung
Persönliche Ersthilfe zur Entlastung
Das Gegenstück zum Burnout: Boreout
1. Positives Denken
2. Soziale Unterstützung
3. Gutes Zeitmanagement
4. Veränderungen im Berufsalltag
5. Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
Teil 2: Achtsamkeit und Selbstmanagement lernen und leben
Die inneren Antreiber suchen
Fünf typische innere Antreiber
SEI STARK! Oder: „Keiner darf mitbekommen, wenn ich schwach bin.“
SEI PERFEKT! Oder: „Ich muss es immer noch besser machen, ich bin nie gut genug!“
MACH ES ALLEN RECHT! Oder: „Ich muss gefällig sein und alle zufrieden stellen“
BEEIL DICH! Oder: „Ich muss Aufgaben schnell erledigen.“
STRENG DICH AN! Oder: „Ich muss mich bemühen, um Aufgaben zu schaffen“
„Erlauber“ für die fünf inneren Antreiber
Glaubenssätze hinterfragen und verwandeln
Raus aus der Erschöpfungsspirale – jetzt!
Gesunde Ernährung: Ein „Quick win“
Loslassen: Ein zweiter „Quick win“
Mit Achtsamkeit Stress vermeiden
Aspekte von Achtsamkeit
Veränderungen meistern
Resilienz im Alltag leben
Drei Ansätze der Resilienzforschung
Drei Arten von Resilienzfaktoren
Die sieben Säulen der Resilienz
Tipps für mehr Resilienz
Schreiben Sie sich alles von der Seele!
Selbstwirksamkeit erleben
Entspannung beginnt im Kopf
Autogenes Training
Progressive Muskelentspannung
Tai-Chi und Qigong
Yoga
Imaginative Methoden
Meditation
Blitzentspannungsübungen ausprobieren
Ganz einfach: atmen und richtig seufzen
Ganz einfach: räkeln, strecken und gähnen
Entspannungsübung „Fünf“
Entspannungsübung „Schütteln“
Entspannungsübung „Den Gedanken loslassen“
Endlich wieder gut schlafen
Acht populäre Irrtümer zum Thema Schlaf
Rituale für jeden Tag
Anti-Stress-Strategien entdecken
Die eigene Einstellung überprüfen
Nichts tun
Den Humor behalten
Neue Motivation und smarte Ziele
Den persönlichen Lieblingsplatz finden
Persönliches Energiemanagement
Service
Seminarreisen
Impressum
Birgit Arnsmann studierte Textilbetriebswirtschaft an der LDT Nagold und war danach im internationalen Textileinkauf als Zentraleinkäuferin in Europa und Fernost tätig. Im elterlichen Betrieb sammelte sie als Interims-Geschäftsführerin unternehmerische Erfahrungen.
2004 suchte sie eine neue berufliche Herausforderung und machte sich im Bereich Training / Coaching / Beratung mit der „Persönlichkeitsschmiede“ selbstständig. Sie arbeitet als Change-Management-Trainerin und systemischer Coach in Unternehmen mit Führungskräften und Mitarbeitern unterschiedlicher Branchen. Einer ihrer Themenschwerpunkte liegt in der Stress- und Burnoutprävention. Hierzu gibt sie unter anderem für die Andreas Hermes Akademie Seminare, hält Vorträge und organisiert Seminarreisen nach Mallorca. Für Fragen, Feedback oder einfach so: info@persönlichkeitsschmiede.de
„Stress ist ein zweischneidiges Schwert. Wir brauchen ihn, um einen einzigen Tag zu überleben. Gleichzeitig kann er Menschen zum Verhängnis werden.“
(Stressforscher Bruce McEwan von der Rockefeller University)
Landwirte leben seit Jahren unter ständig wachsendem Druck. Fallende Erzeugerpreise führen zu schmerzlichen Einkommenseinbußen. Dazu kommt ein erhöhter administrativer Aufwand. Kurze oder gar keine Pausen und notorischer Zeitmangel prägen den Arbeitsalltag. Landwirte finden kaum noch Zeit für sich, für ihre Familie und ihre Freunde – von Hobbys oder Urlaub ganz zu schweigen.
Immer mehr Landwirte nehmen die körperlichen und psychischen Symptome permanenter Überforderung wahr und fangen an, sich dem Thema Stressmanagement zu nähern. Viele Landwirte verspüren einen tiefen inneren Antrieb, immer weiterzumachen, unvermindert Vollgas zu geben. Ihre hohe Arbeitsmoral und das permanente „Funktionieren-Müssen“ bringt sie jedoch an die Grenzen ihrer Belastbarkeit.
Die veränderten Rahmenbedingungen betreffen auch Landwirt Hannes (Name frei erfunden), den wir in diesem Buch ein Stück weit begleiten werden. Hannes berichtet von zunehmender Unlust bei der täglichen Arbeit, von Enttäuschung und Frustration über die schwierige wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre. Er ist frustriert und verspürt oft Gefühle der Resignation und Sinnlosigkeit. Seine Gedanken drehen um Worte wie Machtlosigkeit, Hilflosigkeit und Ohnmacht.
Oft wacht er nachts auf und macht sich Gedanken über die Zukunft. Wo soll das alles hinführen? Der Betrieb besteht bereits in 4. Generation. Wir wollten den Betrieb doch gesund an unseren Sohn Michael abgeben – geht das überhaupt noch?
Dieses Praxisbuch kann die Rahmenbedingungen für Landwirte nicht ändern. Aber es kann Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie mit diesen schwierigen Entwicklungen umgehen können, ohne dabei unterzugehen, ohne vom Stress überwältigt zu werden.
Sie werden in dem Buch viele Impulse, Methoden und Antworten zum Thema Stressmanagement finden. Sie werden sehen, wie Sie sich trotz viel Arbeit und Druck entspannen können. Wo können Sie sich Entlastung schaffen? Wie können Sie kleine Inseln der „Entschleunigung“ in Ihren Alltag einbauen – und wieder etwas mehr Ruhe und Harmonie verspüren?
Das Buch wird für Sie ein sehr praktisches, aber auch ein persönliches Buch werden. Am Ende eines jeden Kapitels finden Sie „Fragen zur Selbstreflexion“, die Sie selbst beantworten können. Schreiben Sie ruhig direkt ins Buch hinein – so können Sie es auch in Zukunft (sollte der Stress wieder einmal überhand nehmen) als persönliches Nachschlagewerk nutzen. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit diesem Praxisbuch dem Stress das Handwerk legen und neue Wege zu mehr Freude und Lebensqualität finden.
Ich möchte das Buch den vielen Landwirten widmen, die über die Andreas Hermes Akademie Seminare im Bereich Persönlichkeitsentwicklung gebucht haben. Ob aus Deutschland, der Schweiz oder Österreich – danke an euch alle, die ich im Laufe der Jahre in Seminaren oder in Coachings begleiten durfte. Mein besonderer Dank gilt Euch, liebe Landwirte, die mit mir auf meine Lieblingsinsel nach Mallorca gekommen sind und sich eine Auszeit vom Alltag gegönnt haben. Wir hatten viele unvergessliche Stunden, teilweise schon „magische Momente“ – danke für Eure Offenheit und Euer Vertrauen
Birgit Arnsmann
Im Spätsommer 2016
Landwirt Hannes ist Mitte 40 und seit 21 Jahren glücklich mit seiner Frau Sabine (Name frei erfunden) verheiratet. Seine Eltern leben mit auf dem Hof. Hannes und Sabine haben drei Kinder: Sabine (Name frei erfunden) arbeitet bei einer Versicherung, Charlotte (Name frei erfunden) ist in der Altenpflege und Michael (Name frei erfunden) hat nach seiner Ausbildung als landwirtschaftlicher Meister schon angedeutet, dass er den Betrieb einmal übernehmen will. Der Ackerbaubetrieb mit zusätzlich 240 Milchkühen läuft gut.
Hannes liebt seine Arbeit und findet Rückhalt in seiner Familie. Er lebt für die Landwirtschaft. Das gemeinsame Arbeiten auf dem Hof ist ihm wichtig. Auch wenn der Druck von außen wächst, sagt er immer: Wir als Familie halten zusammen. Fragt man Landwirt Hannes, warum er in der Landwirtschaft arbeitet, fällt das Wort Herzblut.
Zur Landwirtschaft gehört viel Leidenschaft. Lernen Sie, Ihren Beruf wieder zu genießen!
Er hat es einmal so zusammengefasst:
Landwirtschaft
Acker, Tiere
säen – pflegen – ernten
viel Arbeit, wenig Freizeit
Herzblut
Herzblut – das ist es also, was Landwirt Hannes jeden Morgen die „Bettdecke wegschmeißen lässt“. Herzblut ist seine Motivation.
Und doch beschäftigen ihn seit längerer Zeit mehrere Fragen:
War es das? Nur arbeiten?
Wie gehe ich persönlich mit dem wachsenden Druck von allen Seiten um? Wie reduziere ich meinen Stress?
Was gibt es neben dem beruflichen Erfolg noch?
Wie gewinne ich an Lebensqualität?
Was lässt mich entspannter und gelassener sein?
Landwirt Hannes hatte vor einem Jahr eine Einladung zu einer Abendveranstaltung der Landwirtschaftskammer zum Thema „Gesund mit Krisen umgehen“ erhalten. Er zögerte, doch seine Frau Sabine wollte unbedingt teilnehmen. Hannes hätte sich zu dem Zeitpunkt lieber einen Vortrag zum Thema „Erfolgreiche Betriebsführung“ angehört, obwohl er schon seit einiger Zeit auch für nicht betriebliche Themen offen ist. Denn auch er spürte die Folgen der Krise mittlerweile am eigenen Körper: Rückenschmerzen, Schlaflosigkeit und Gedankenkreisel waren keine Seltenheit mehr.
Der Tag der Abendveranstaltung war gekommen und der Vortrag erwies sich als sehr informativ. Hannes war in der Veranstaltung zurückhaltend, schrieb sich jedoch das Gehörte stichpunktartig auf, um es zu Hause nochmal nachzulesen. Sabine sagte, an seinem Gesichtsausdruck hätte sie bemerkt, dass das Thema „Gesund mit Krisen umgehen“ auch für ihn wichtig war.
Nach dem Vortrag blieben bei Hannes viele Fragen zu den Themen Entspannung und Lebensqualität offen. Über diese Fragen wollte er bei Gelegenheit mit seinem Berufskollegen und Freund Karl (Name frei erfunden) sprechen. Karls Meinung interessierte ihn. Und vielleicht hatte Karl ja auch ein paar brauchbare Tipps parat.
Eine Woche später nahm Hannes seinen Mut zusammen (Männer reden ja eigentlich nicht so gerne über solche Sachen) und erzählte Karl bei einem gemeinsamen Bier, welche Fragen zum Themen Lebensqualität und Entspannung ihm gerade durch den Kopf gingen. Karl antwortete mit blankem Entsetzen und Sätze wie: „Na, du hast ja Probleme, Hannes! Guck’ dir mal die Milchpreise an – die Schweinepreise sind auch im Keller, wir haben Stress ohne Ende – und da fragst du dich, wie du dich entspannen und mehr Lebensqualität kriegen kannst? Also echt, Hannes…“
Hannes war ob Karls Reaktion erstaunt und verblüfft. Sie kannten sich nun schon seit 20 Jahren und haben betrieblich viel zusammen erreicht. Waren diese Fragen tatsächlich so abwegig? Hannes überlegte kurz und fragte sich, ob Karl wohl noch nie über diese Dinge nachgedacht hatte – oder vielleicht schon, aber nur heimlich? Er fragte sich weiter, wie man denn die eigenen Gedanken so verändern könnte, dass man von Zufriedenheit, einem Leben in Balance oder sogar vom Weg zum Lebensglück sprechen kann.
Vertrauen Sie sich Freunden an, wenn Sie möchten. Sie regen sie garantiert zum Nachdenken an.
Karls Antworten spornten Hannes an – er wollte sich auf diesen Weg machen – auf seinen Weg zum Lebensglück. Nur wie?
Einige Wochen später besuchte Hannes einen weiteren Vortrag der Landwirtschaftskammer zum Thema „Stress vermindern – Lebensqualität erhöhen“. Diesmal sogar alleine. Dort traf er eine Frau, die viel mit Menschen arbeitet, diese berät und begleitet – auf dem Weg zum eigenen Lebensglück. Einen Persönlichkeitscoach. Irene ist ihr Name.
Irene erwies sich als lebenslustige, tatkräftige, neugierige und fröhliche Person. Zudem stellte sie Hannes genau die richtigen Fragen – Fragen, die nach den Ursachen von persönlichem Stress suchen.
Hannes schilderte Irene seine Sorgen und Probleme und erzählte ihr, welche Fragen ihn umtrieben. Irene antwortete Hannes, sie könne ihn beraten bzw. „coachen“, ihn auf seiner persönlichen „Coachingreise“ begleiten und ihm helfen, Antworten auf seine offenen Fragen zu finden.
Ziele dieser persönlichen Coachingreise seien,
einen gesunden Umgang mit chronischem Stress zu finden
mit Achtsamkeit und Gelassenheit Stress zu reduzieren
Kraft und innere Stärke als Grundstein für neue, herausfordernde Situationen zu gewinnen
die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu erkennen und
den Fokus auf das Machbare zu legen
Nebst Informationen zum Thema „Gesunder Umgang mit Stress“ würde sie Hannes, so erläuterte Irene weiter, eine Reihe persönlicher Fragen stellen, die ihm Klarheit und neue Impulse geben würden.
Hannes entschied sich schließlich, zu dieser persönlichen Coachingreise aufzubrechen. Er erhoffte sich davon, seine beruflichen Belastungen zu erkennen und zu lernen, besser mit Stress umzugehen.
Und da Sie, liebe Leserin, lieber Leser, dieses Buch in Ihren Händen halten, haben Sie sich vermutlich auch schon ähnliche Fragen wie Hannes gestellt. Lassen Sie uns nun gemeinsam mit Hannes auf Ihre persönliche Coachingreise gehen und dem Stress das Handwerk legen. Willkommen an Bord!
Das Lebensbalance-Modell wurde von dem Arzt und Begründer der Positiven Psychotherapie Nossrath Peseschkian (1933–2010) entwickelt. Es berücksichtigt u. a. Gedankengut der so genannten Salutogenese. Das Wort „Salutogenese“ setzt sich aus dem lateinischen salus für Gesundheit und Wohlbefinden sowie dem griechischen genesis für Geburt, Ursprung und Entstehung zusammen. Salutogenese beschäftigt sich demnach mit der Frage, wie Gesundheit entsteht.
„En balance“ zu sein ist eine Lebensaufgabe. Seien Sie geduldig mit sich selbst!
Der israelisch-amerikanische Medizinsoziologe Aaron Antonovsky (1923–1994) prägte den Begriff der Salutogenese in den 1970er Jahren. Er verstand Salutogenese als komplementär zur Pathogenese, die zum Inhalt hat, warum Menschen krank werden bzw. wie Krankheit verhindert oder in Gesundheit umgewandelt werden kann.
Das Lebensbalance-Modell macht deutlich, dass wir dann zufrieden und langfristig belastbar sind, wenn die folgenden vier Bereiche „gut ausbalanciert“ sind:
ein für uns persönlich stimmiger Beruf
interessante Tätigkeiten und Aufgaben
Erfolg (Ansehen, Anerkennung und Geld, Absicherung, Wohlstand, Vermögen)
eine persönliche Karriere, die uns zufrieden macht
unsere Familie (Herkunftsfamilie/eigene Familie)
Freunde, Bekannte, Nachbarn, Vereinskollegen usw.
alle Menschen, denen wir Freude und Zuwendung schenken – oder von denen wir Freude und Zuwendung erhalten
alle Themen rund um körperliche und geistige Fitness
Ernährung und Lebenserwartung
Entspannung und Erholung
Sport und Fitness
alle Fragen rund um die eigene Perspektive
persönliche Ziele und Werte
Was ist mir wirklich wichtig? Was liegt mir am Herzen?
Fragen nach dem Sinn des Lebens
Fragen nach Selbstverwirklichung, persönlicher Weiterentwicklung, Religion, Philosophie, Erfüllung, Liebe, Beruf als Berufung usw.
Was für Sie „gut ausbalanciert“ heißt, hängt von Ihrer Persönlichkeit, Ihrer individuellen Lebenssituation, Ihren Wertvorstellungen und auch von Ihrem Alter ab. Stehen Sie beispielsweise am Anfang Ihres Arbeitslebens, werden Sie vermutlich dem Bereich Arbeit und Leistung größere Bedeutung zumessen, als dies vielleicht eine junge Mutter oder ein Rentner im Ruhestand tun würde. Ziel des Lebensbalance-Modells ist es also nicht, die persönliche Zeit und Energie exakt zu gleichen Teilen auf die vier Bereiche zu verteilen – sondern die Gewichtung den eigenen langfristigen Zielen und der individuellen Lebensplanung anzupassen.
Viele Menschen sind nicht wirklich zufrieden, obwohl sie beruflich erfolgreich sind. Oder sie sind unzufrieden, weil sie sich noch nicht erfolgreich genug fühlen. Andere Menschen wiederum sind im Großen und Ganzen so weit zufrieden mit ihrem Leben – haben aber das Gefühl, „dass da noch was fehlt …“ Wiederum andere verspüren ganz konkret den Wunsch nach mehr Zeit fürs Privatleben, für Sport oder Freunde und Familie. Aus dieser Disbalance entsteht nicht nur Unzufriedenheit. Langfristig sinken dadurch auch die persönliche Belastbarkeit, Motivation und Effizienz – und der Stresspegel steigt.
