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Sabrina Delius, eine äußerst attraktive Frau in den mittleren Jahren, kommt wieder in ihre alte thüringische Heimatstadt zurück, der sie vor 21 Jahren den Rücken gekehrt hatte. Nachdem sie einen interessanten Beruf erlernt hat, verschiedentlich in der Welt herumgekommen ist, bekommt sie plötzlich die Möglichkeit selbstständig von zu Hause aus zu arbeiten. Sie bezieht ihr ehemaliges Elternhaus, nachdem auch ihre Mutter verstorben ist und richtet sich hier ein Büro ein. Obwohl in der glücklichen Lage, ihre Arbeit und Freizeit nach eigenem Ermessen einteilen zu können, ist sie mit ihrem bisherigen intimen Privatleben völlig unzufrieden. Erst durch einen ehemaligen Freund ihrer Eltern wendet sich ihr Leben. Durch ihn lernt sie Gefühle kennen, die bisher wahrscheinlich im Verborgenen geschlummert hatten und die sie so nicht kannte. Auf eine ganz einfühlsame Art bringt er sie auf einen Weg, wieder Freude an sexueller Zufriedenheit kennenzulernen, die sie bislang in ihrem Leben trotz ihrer außergewöhnlich anmutigen Figur, oder vielleicht gerade deswegen, vermisste. Ihre erotischen Abenteuer, die zwischen gefühlsbetont und hemmungslos wechseln, zeigen ihr schließlich ihre ganz persönliche sexuelle Vorliebe und steigern somit auch in dieser Hinsicht ihr Selbstwertgefühl.
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Seitenzahl: 579
Veröffentlichungsjahr: 2022
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Dunkle, schwere Regenwolken hingen am Himmel und hüllten den Tag in ein trübes Licht. Obwohl es schon Mitte April war, hatte sich der Frühling bisher noch nicht gezeigt. Einzige Merkmale, dass er doch nicht mehr fern sein konnte, waren die starken Knospen der Blätter an den Obstbäumen und ein blühender Kirschbaum in dem kleinen Garten hinter dem Haus. Die junge Frau, die aus ihrem Fenster sah, nahm das alles aber nur beiläufig wahr. Ihre Gedanken waren anderweitig unterwegs. Sie bemerkte auch nicht die zahlreichen Regentropfen auf der Scheibe, die der Wind dagegen prasseln ließ. Gedankenverloren schaute sie aus dem Fenster und sah dabei ihre Vergangenheit an sich vorüberziehen.
Jetzt war sie also wieder zu Hause angekommen. Doch zu Hause, was bedeutete das für sie? Einundzwanzig Jahre lang hatte Sabrina Delius sich in verschiedenen Städten auf der Welt aufgehalten. Sie war zwei Jahre in London, zwei Jahre in San Francisco, sie hatte in Hamburg, in Heidelberg und zuletzt, die längste Zeit, in München gelebt. Sie hatte einen großartigen Beruf erlernt, konnte perfekt Englisch und Spanisch und sie hatte überall gute Freunde. Hier, zurück in ihrer alten thüringischen Heimatstadt, hatte sie niemanden. All ihre Freunde von früher waren nach der Wende irgendwohin in den Westen gezogen, so wie sie selbst auch. Hier gab es wahrscheinlich nicht einen Menschen mehr, den sie kannte.
Der Grund ihrer Rückkehr war, dass sie selbstständig in ihrem Beruf als Logistikerin arbeiten konnte. Sie hatte zu Hause ihr eigenes Büro, ihren Firmenwagen und jede Menge Zeit, die sie sich nach eigenem Ermessen einteilen konnte. Vor zwei Jahren war ihre Mutter hier gestorben. Damals hätte sie schon zurückkommen können. Aber damals hatte sie sich dafür entschieden, in München zu bleiben. Dann aber, eines Tages kam das Angebot, das sie hierher, zurück in ihren Geburtsort wechseln ließ. Ihr Elternhaus stand leer und hier konnte sie sich privat und geschäftlich einrichten. Das Haus gehörte nun ihr. Etwas Besseres hätte ihr gar nicht passieren können. Allerdings fehlten ihr ihre Freunde und Arbeitskollegen. Das Alleinsein bereitete ihr gewaltiges Kopfzerbrechen. Aber sie musste sich in ihrem Leben schon des Öfteren umstellen. Sicher wird es auch hier irgendwie gehen.
Tief in Gedanken versunken schaute sie in den kleinen Garten an ihrem Elternhaus. Er sah fast genau noch so aus wie früher, als sie ein Kind war und hier spielte. Nur die Bäume und Sträucher waren größer geworden und verliehen dem Garten etwas Parkähnliches. Damals hatte ihre Mutter all die Büsche und Koniferen gepflanzt. Sie liebte es im Garten zu arbeiten. Eine himmlische Kindheit hatte Sabrina hier verbracht, mit ihren Schulfreundinnen herumgetollt, so manch herrliche Feste mit den Eltern und mit Freunden und Nachbarn gefeiert. Das alles lag jetzt unendlich lange zurück. Wer weiß, wo all ihre Freundinnen waren, und auch von den Nachbarn gab es niemanden mehr.
Die junge Frau, die verträumt am Fenster saß, ist vor über einem halben Monat 39 Jahre alt geworden. Bereits mit 18 Jahren hatte sie ihr Elternhaus und ihre Heimatstadt verlassen und war zunächst nach Hamburg gegangen. Ihrer Mutter gegenüber waren in letzter Zeit die Beziehungen immer kälter geworden. Warum, das konnte sie heute gar nicht mehr sagen. Es gab viele unnütze Diskussionen um Sachen, die aus heutiger Sicht eigentlich nur Lappalien gewesen sind. Aber Sabrina zog es damals fort von hier. Ihrer beruflichen Karriere brachte es Vorteile, aber ihre Wurzeln wurden abgetrennt. Heute lebt sie alleine in ihrem Elternhaus, ihre Mutter, mit der sie sich jetzt hätte aussprechen können, gab es nicht mehr. Nur ein paar alte Bilder blieben ihr als Erinnerung.
Tränen liefen über ihre Wangen, als Sabrina in ihrer Vergangenheit wühlte. Sie musste auch an ihren Vater denken. Er hatte in der damaligen Sowjetunion als Bauleiter bei einem hier allseits bekannten Projekt mit dem Namen „Trasse der Freundschaft“ gearbeitet und war dort bei einem Unfall tödlich verunglückt. Man hatte nie etwas Genaueres zu erfahren bekommen. Nicht einmal sein Leichnam konnte überführt werden. Sabrina war damals noch klein, vielleicht elf Jahre. Für sie war die Sache völlig unbegreiflich, dass ihr Vater, den sie über alle Maßen geliebt hatte, nicht mehr wiederkam. Sie konnte sich noch genau daran erinnern, was für ein fröhlicher Mensch er war und was für vergnügliche Feste einstmals hier im Haus oder im Sommer im Garten gefeiert wurden, als er noch am Leben war.
Wenn sie an diese Feste dachte, tauchte, zunächst nur schemenhaft, aber bald schon immer deutlicher ein Mann in ihren Gedanken auf. Ein Mann, der, solange sie denken kann, eng mit ihrer Familie verbunden war. Es war der Haus- und Vertrauensarzt der Familie Delius, ein gewisser Dr. Wendt. Aber er war nicht nur das, sondern auch ein ganz besonderer Freund ihrer Eltern. Wenn es mal ein Problem gab, egal welcher Art, hörte sie ihren Vater sagen: ‚Das wird Dr. Wendt für uns erledigen.‘ Dieser Dr. Wendt war überall im Ort sehr bekannt und beliebt. Er besaß selbst einen riesigen Freundeskreis. Bis heute konnte sich Sabrina keinen Reim darauf machen, wie diese Freundschaft jemals zustande gekommen war. So gut ihre Familie auch mit diesem Dr. Wendt vertraut war, sie blieben immer per Sie. Niemals hatte sie gehört, dass sie sich jemals mit dem Vornamen angesprochen hätten.
Auf ihre Mutter musste er einen besonders starken Eindruck gemacht haben. Sie schwärmte oftmals von seinem Aussehen. Sabrina konnte sich noch vage daran erinnern, dass sie ihn von seinem Aussehen her sogar manchmal mit dem Hollywood-Schauspieler Omar Sharif verglich. Dr. Wendt war ein freundlicher, zuvorkommender und immer sehr leise in Erscheinung tretender Mensch. Er mochte damals so Mitte vierzig gewesen sein. Sabrina konnte sich an einen schwarzen Oberlippenbart und an schwarzes gelocktes Haar, das mit zahlreichen grauen Strähnen durchsetzt war, erinnern. Wenn er lachte, blitzte eine Reihe ebenmäßiger weißer Zähne auf, und er lachte häufig. Selbst wenn er nicht lachte, lag in seinen dunklen Augen ein ständig lächelnder Ausdruck. Dieser Vergleich ihrer Mutter war vielleicht gar nicht so absurd. Zu Sabrina sagte er immer: ‚Mädchen, du bist so dünn, dass Du keinen Schatten wirfst‘. Darüber ärgerte sie sich meistens sehr und schmollte dann ihm gegenüber. Aber auch sie erkannte damals schon, dass er von Grund her ein guter Mensch war.
In der Vergangenheit wurde Sabrina über eine lange Zeit hinweg das Gefühl nicht los, dass ihre Mutter und dieser Dr. Wendt ein heimliches Verhältnis hatten. Sie war immer besonders um ihn bemüht. Obwohl auch sie beide sich immer nur mit ,Sie’ anredeten, fiel Sabrina immer wieder eine Situation ein, die sie in ihrer Kindheit erlebt hatte und an die sie später öfters denken musste. Wenn in der Familie jemand erkrankt war, so konnte man zu jeder Tages- und Nachtzeit den Dr. Wendt rufen, der auch sofort ins Haus kam. Er wohnte gar nicht allzu weit vom Elternhaus der Familie Delius entfernt. An so eine Situation erinnerte sich Sabrina noch gut. Sie mochte damals etwa elf Jahre alt gewesen sein. Es war der letzte Urlaub ihres Vaters, bevor er seinen tödlichen Unfall hatte. Die Mutter lag mit Fieber und einer starken Erkältung schon seit zwei Tagen im Bett. Um eine Lungenentzündung auszuschließen, ließ Sabrinas Vater Dr. Wendt rufen. Der kam auch prompt mit seiner Arzttasche und begab sich in das Schlafzimmer, wo die kranke Mutter lag. Er setzte sich auf die Bettkante und sprach zunächst eine Weile mit ihr. Als Sabrinas Vater wieder aus dem Schlafzimmer gegangen war, blieb die Tür einen kleinen Spalt offen stehen. Sabrina kam in diesem Moment an die Tür und sah, wie ihre Mutter das Nachthemd auszog und Dr. Wendt ihren nackten Oberkörper mit dem Stethoskop abhörte. Sie konnte von dem Gespräch kein Wort erhaschen, aber ungewollt blieb sie vor der Tür stehen. Keiner der beiden achtete auf sie. Plötzlich sah sie, wie der Arzt, bevor er sein Instrument wieder einpackte, mit der Hand die nackte Brust ihrer Mutter tätschelte. Damals maß sie dem Gesehenen noch keine weitere Bedeutung zu. Sie war schließlich noch ein Kind. Jedoch hatte sich diese Situation in ihrem Kopf festgesetzt. Je öfter sie später daran zurück dachte, umso mehr beschlich sie die Vermutung, dass zwischen den beiden eine Affäre bestünde, von der ihr Vater wahrscheinlich nichts wusste. Allerdings ist ihr später, als ihr Vater tot war, niemals etwas aufgefallen, was diese Vermutung weiter bekräftigt hätte. Falls Sabrinas Mutter jemals eine Beziehung mit diesem Dr. Wendt hatte, dann fand diese sehr im Verborgenen statt.
Durch eine plötzliche Windbö, die durch die Koniferen direkt vor dem Fenster strich und einen Schwall Regentropfen gegen die Scheibe drückte, wurde Sabrina kurz aus ihrem Nachdenken gerissen. Sie wischte sich die Tränen von der Wange. Bald starrte sie wieder in den Garten vor ihrem Fenster, doch ihre Gedanken, in die sie versunken war, ließen sie nicht zur Ruhe kommen.
Auch am nächsten Morgen hatte der Regen noch nicht nachgelassen. Nur zögernd löste sich die Nacht und machte einem grauen und kühlen Morgen Platz. Sabrina hatte, wie so oft in der letzten Zeit wieder unruhig geschlafen. Viele Sorgen beschäftigten sie. Wieder musste sie an ihre Freunde denken, vor allem an die, die sie in München zurückgelassen hatte. Fast zehn Jahre war sie mit ihnen zusammen, als sie dort für ein großes Touristikmagazin arbeitete. Viele schöne Stunden hatte sie mit ihnen und ihren Partnern verbracht. Nicht nur während der Arbeit, ganz besonders in den vielen freien Stunden. Doch gerade diese Gedanken brachen bei ihr eine spezielle Wunde auf, deren Ursache sie eigentlich nicht so richtig verstehen konnte. Je öfter sie darüber nachdachte, desto mehr bedrückte sie jedoch der Gedanke. An alle Partner, mit denen sie während der gesamten Zeit zusammen war, hatte sie nur schlechte Erinnerungen. Bei zwei Männern stellte sie sehr bald fest, dass sie bereits verheiratet waren, einer wollte sich bei ihr nur in ein gemachtes Nest setzen und alle anderen waren nur sehr kurze Bekanntschaften, über die es sich nicht nachzudenken lohnte. Als sie damals erfahren musste, dass sie niemals wird Kinder bekommen können, war sie anfänglich noch ziemlich geschockt. Doch im Laufe der Zeit war sie darüber hinweggekommen, und im Nachhinein, vor allem aus heutiger Sicht stellte sich das für sie ganz und gar nicht mehr als ein Nachteil dar. Jetzt würde sie keine Kinder mehr wollen, und außerdem war sie eigentlich auch gar kein Familienmensch. Karriere und Freizeitvergnügen gaben ihrem Leben bisher immer einen viel größeren Inhalt. Nur ein richtiges Glück in der Liebe blieb aus.
Unausgeschlafen und ziemlich zerknirscht stand Sabrina schließlich auf und ging ins Bad. Obwohl es schon nach acht Uhr war, musste sie das Licht anschalten, da es ein so trüber Morgen war. Schlaftrunken erledigte sie ihre Morgentoilette. Erst nach längerem Duschen fühlte sie sich endlich in einigermaßen guter körperlicher Verfassung, um den Tag anzugehen. Beim Abtrocknen schaute sie aufmerksam in den Spiegel an der Wand und betrachtete dabei selbstbewusst ihre Figur. Sie musste wieder daran denken, was früher dieser Dr. Wendt oft zu ihr gesagt hatte, als sie noch ein zartes und dünnes kleines Mädchen war. Heute würde er das bestimmt anders sehen. Sie lächelte bei dem Gedanken und drehte sich vor dem Spiegel nach allen Seiten. Sie sah äußerst attraktiv aus, obwohl sie selber mit ihrer Figur nie völlig zufrieden war. Ihre dunklen, fast schwarzen Haare, die glatt bis über ihre runden Schultern hingen, bildeten einen starken Kontrast zu ihrer sehr hellen Haut. Ihr hervorstechendes Merkmal war ihre große Oberweite. Ihre ausgesprochen großen und schönen Brüste, deren natürliche Üppigkeit ihr einen sehr aufreizenden Ausdruck verliehen, ließen sie aber auch bedeutend fülliger erscheinen, als sie es tatsächlich war. Auf keinen Fall war sie aber dick. Ihr Bauch war fest, glatt und wohlgeformt. Ihre Haut war zart und samtig weich, auch im Gesicht waren noch keine Falten zu sehen und sie wirkte wesentlich jünger als 39 Jahre. Ihr gut gebautes frauliches Becken, die straffen Schenkel und ein wohlgeformter Po sowie ebensolche Beine rundeten ihren anziehenden Körper ab und bekundeten weithin sichtbar eine stattliche, erotische Weiblichkeit. Dass sie auf Männer eine besondere Wirkung hatte, wusste sie. Oft genug musste sie sich dümmliche Sprüche oder manchmal auch Pfiffe von Männern gefallen lassen. Doch all das bekräftigte in ihr nur ihre verärgerte Meinung, die sie lange schon gegenüber Männern hegte.
Auch jetzt, indem sie sich intensiv im Spiegel betrachtete, fragte sie sich, was sie nur falsch mache, um immer an solche Männer zu geraten, die nur schnell zur Sache kommen wollen. Keiner konnte ihr bisher das geben, was sie eigentlich erwartet hätte. Alle sexuellen Begegnungen, an die sie sich in der Vergangenheit erinnern konnte, verliefen für sie gefühllos ab und endeten ohne jegliche Befriedigung.
Als Sabrina wieder aus dem Badezimmer kam, kochte sie sich Kaffee und setzte sich danach mit einem Marmeladenbrot träumerisch an den Frühstückstisch. Vorher hatte sie sich noch die Zeitung vom Briefkasten geholt und blätterte eher desinteressiert darin herum. Sie müsste ja mal anfangen, etwas zu arbeiten. Von ihrem Auftraggeber hatte sie ein Projekt zu entwerfen, das in ihrer Region die Zusammenhänge von Ökologie und Tourismus kritisch beleuchten sollten. Das war schließlich auch der Grund ihrer Rückkehr in die Heimat. Sie hatte zwar jede Menge Zeit, aber ihre Lustlosigkeit machte ihr doch etwas Angst.
Während die junge Frau wieder ihren Gedanken nachhing, kam ihr plötzlich eine Idee. Dieser Dr. Wendt, der ihr seit gestern im Kopf herumgeisterte, könnte doch eventuell noch am Leben sein. Er müsste zwar schon ziemlich alt sein, aber sie wusste, dass sein Haus nicht allzu weit von ihrem Elternhaus entfernt war. Wie würde er wohl reagieren, wenn sie ihn einfach mal aufsuchte. Schließlich war er ja lange Zeit mit ihrer Familie sehr gut befreundet gewesen. Natürlich wäre es ebenso möglich, dass es ihn gar nicht mehr gibt oder dass er in der Vergangenheit auch von hier weggezogen ist. Der Gedanke festigte sich bei Sabrina je mehr sie darüber nachdachte. Ein Versuch wäre es wert.
Ein kühler Wind strich durch die Straße und raschelte in den Zweigen der Koniferen im Garten, als Sabrina aus ihrer Haustür trat. Trotzdem es aufgehört hatte zu regnen, hingen noch bleischwere Wolken am Himmel, die dem Vormittag einen Ausdruck von Dämmerung gaben. Ein paar Stunden Sonnenschein würden die Knospen an den Laubbäumen sofort aufspringen lassen. Aber von Sonne war bisher weit und breit nichts zu sehen. Ein bisschen Wärme hätte sicher allen gut getan. Auch die junge Frau musste sich noch in wärmere Sachen hüllen. Sie hatte eng anliegende Jeans und einen hellbeigen dreiviertellangen Mantel an. Sie ging die wenigen Meter die Straße bergan, bis diese sich in einer weiten Kurve nach rechts zog. Dann musste sie zwei weitere Straßen überqueren und kam schließlich in die Straße, die ihrer Erinnerung nach diese sein musste, in der Dr. Wendt gewohnt hatte.
Langsamen Schritts ging sie wieder bergab. Die Häuser in dieser Straße waren ebenso hinter Bäumen, Büschen und Koniferen versteckt wie dort, wo sie wohnte. Lediglich standen sie hier auf meist größeren, weiträumigeren Grundstücken. Aufmerksam suchte sie jeden Eingang ab, bis sie an ein großes, gepflegtes gelb verputztes Haus kam, das nur etwa zur Hälfte hinter riesigen Silbertannen und dunkelgrünen Föhren hervorschaute. Von einem kleinen schmiedeeisernen Eingangstor führte eine steinerne, etwas ausgetretene Treppe an einem sauber angelegten kleinen Steingarten zum Haus empor. Eine weitere, breitere Treppe führte zu einer großen schweren Eichentür in einem kleinen Vorbau, neben dem ein weißes Schild prangte. Sabrina ging die Treppe hinauf und las:Dr. Konrad Wendt, Facharzt für Allgemeinmedizin. Darunter standen die Öffnungszeiten, aus denen hervorging, dass die Praxis nur noch wenige Stunden in der Woche geöffnet war. Also gibt es ihn doch noch, ging es ihr durch den Sinn. Sie blieb stehen, überlegte kurz und wollte schon wieder umdrehen und gehen, da sie der Mut verließ. Doch dann sagte sie sich: Eigentlich habe ich Glück, dass jetzt gerade geöffnet ist. Sie fasste sich ein Herz und schob die schwere Tür auf. Im Innenraum führte eine Treppe in einen kurzen Flur mit einer großen Glastür, die offen stand. Dahinter befand sich ein Tresen mit einem Sessel, auf dem eigentlich eine Schwester für den Empfang hätte sitzen müssen. Er stand jedoch vereinsamt da. Sabrina schaute sich um und sah eine offene Tür zu einem Wartezimmer, das aber ebenso leer war. Sie wartete eine Weile in dem Vorzimmer. Gerade als sie wieder gehen wollte, öffnete sich im hinteren Teil des Raumes eine Tür mit einem Milchglasfenster und eine etwas ältere Schwester kam heraus.
„Entschuldigung sind Sie bestellt?“, fragte sie höflich aber gleichzeitig auch erstaunt.
„Nein“, Sabrina war etwas verunsichert. Dann sagte sie: „Ich würde gern den Dr. Wendt in einer privaten Angelegenheit sprechen, wenn das möglich ist.“
Die Schwester schaute weiterhin die junge Frau recht erstaunt an und nach einem kurzen Zögern sagte sie: „Natürlich ist das möglich. Sie haben Glück, denn die heutige Sprechstunde für die Patienten ist vorbei. Ich werde den Doktor fragen, ob er für Sie Zeit hat.“ Sie fügte dann noch hinzu: „Wie ist Ihr Name bitte?“
„Delius, sagen Sie ihm bitte Sabrina Delius möchte ihn sprechen.“
Die Schwester verschwand hinter der Tür mit dem Milchglasfenster. Sabrina spürte, wie ihr das Herz bis zum Halse klopfte. Vielleicht war die Idee doch nicht so gut, dachte sie. Wer weiß, wie der Doktor reagieren wird, wenn er nach so langer Zeit plötzlich mit jemandem aus der Familie Delius konfrontiert wird. Aber jetzt musste sie da hindurch.
Die Tür öffnete sich wieder und die Schwester erschien. Gleich hinter ihr kam ein älterer Mann mit weißem, offenem Kittel. Er trat ein paar Schritte aus der Tür heraus und schaute Sabrina mit einem ungläubigen Ausdruck an. Sie erkannte sofort die freundlich lächelnden Augen wieder, die heute hinter einer rahmenlosen Brille steckten. Ja, das war Dr. Wendt. Sein welliges Haar war etwas schütterer geworden und schneeweiß, aber er sah sich noch immer sehr ähnlich. Auch seinen Oberlippenbart, der inzwischen ebenso weiß geworden war, trug er noch. Dieser bildete einen starken Kontrast zu seinem sonnengebräunten Gesicht, das allerdings zahlreiche Altersfalten aufwies. Ansonsten sah er jedoch topfit aus und hatte, soviel sie sehen konnte, eine den Verhältnissen entsprechende gute Figur.
„Sie sind Sabrina Delius, die Tochter von Klaus und Heidemarie Delius?“ Er schaute immer noch etwas überrascht drein.
„Ja, die bin ich.“ Sabrina wurde leicht verlegen. Eine zarte Röte legte sich auf ihre Wangen. Dann sagte sie: „Ich bin diejenige, die so dünn ist, dass sie keinen Schatten wirft.“
Nach einigem noch zweifelnden Kopfschütteln, lachte er jedoch zaghaft und zeigte seine strahlenden Zähne. Er kam auf sie zu, schaute ihr lange in die Augen und reichte ihr dann beide Hände mit den Worten: „Das kann doch nicht wahr sein. Nach so langer Zeit gibt es wieder ein Lebenszeichen von der Familie Delius.“
Er fasste Sabrina an die Schulter und drückte sie sanft in Richtung der Tür mit dem Milchglasfenster und dann in das Zimmer hinein. Dann drehte er sich um und rief: „Schwester Annemarie, Sie können für heute Feierabend machen, es kommt sowieso niemand mehr.“
Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, nahm er noch einmal Sabrinas Arme und sagte: „Komm lass dich anschauen.“ Er erschrak bei seinen Worten und fügte dann vorsichtig hinzu: „Oh, Entschuldigung, aber darf ich überhaupt noch du sagen?“
„Aber selbstverständlich, Herr Doktor Wendt, schließlich kennen Sie mich ja schon seit meiner Kindheit.“
„Ja, aber was in all dieser Zeit aus dir geworden ist, ich bin sprachlos. Dein sympathisches Gesicht und deine immer ein wenig traurig schauenden Augen sind dir geblieben. Ich muss sagen, du siehst deiner Mutter sehr ähnlich, obwohl ich zufügen muss, wenn du das einem alten Mann wie mir verzeihst, dass du noch reizvoller aussiehst.“ Mit einem verschmitzt wirkenden Lächeln machte er eine kleine Pause, bevor er sagte: „Setze dich bitte hierhin und erzähle mir, wie es dir ergangen ist in den vielen Jahren.“
Sabrina nahm auf einem Stuhl neben dem Schreibtisch in der Praxis des Doktors Platz. Sie begann langsam und ausführlich zu schildern, wie sie nach der Wende in den Westen gegangen ist, wie ihre Berufslaufbahn begonnen hat, ihre Aufenthalte in England, den USA und in den verschiedensten Städten im Westen Deutschlands und zum Schluss ihre Wiederkehr in ihre Heimatstadt. Sie erzählte von den Erinnerungen an früher und über ihre Traurigkeit darüber, dass sie keine Freunde mehr in der Stadt hat.
Mit großem Interesse hörte Doktor Wendt ihr die ganze Zeit zu, ohne sie auch nur einmal zu unterbrechen. Nachdem sie zum Schluss gekommen war, und nach längerem Schweigen sagte er mit einfühlsamer Stimme: „Ich habe davon gehört, dass deine Mutter vor zwei Jahren gestorben ist. Ich habe sie nach der Wende nie wieder gesehen. Auch ich bin zunächst nach dem Westen, habe in Westberlin eine Gemeinschaftspraxis zusammen mit einem guten Freund geführt, und bin nach einigen Jahren wieder hierher zurückgekommen. Mit deiner Mutter hatte ich danach keinen Kontakt mehr. Erst längere Zeit, nachdem sie gestorben war, habe ich ihren Namen zufällig wieder gehört und erfahren, dass sie all die Zeit ganz in meiner Nähe, in eurem Haus gelebt hat. Ich war sehr traurig darüber, denn schließlich gehörten deine Eltern zu meinen besten Freunden.“
Er machte eine Pause, bevor er nachdenklich weitersprach: „Du siehst hier einen alten Mann vor dir, der noch immer nicht genug hat von seiner Praxis, obwohl diese schon mächtig in die Jahre gekommen ist. Aber so passen wir eben zusammen. Noch habe ich eine Handvoll Patienten, die mir treu geblieben sind, und so praktiziere ich eben ein paar Stunden in der Woche. Es gibt in meinem Alter normalerweise keinen Arzt mehr.“
„Darf ich Sie fragen, wie alt Sie eigentlich sind?“
Doktor Wendt zeigte sein schönstes Lächeln, bevor er sagte: „Kannst ja mal schätzen.“
Sabrina überlegte etwas. Sein genaues Alter von früher wusste sie nicht, nur annähernd. Sie wollte auch nicht unhöflich wirken und sagte dann: „Na ich schätze Sie so auf 68 Jahre.“ Sie konnte sich natürlich vorstellen, dass das leicht geschmeichelt war.
Die Situation sofort erkennend, antwortete er mit einem liebevollen Lächeln: „Solche Schmeicheleien gehören eigentlich zu dem Repertoire eines Mannes und nicht dem einer Frau, und schon gar nicht, wenn es eine so anziehend hübsche ist wie du. Aber die Wahrheit ist, ich bin bereits 72 Jahre. Allerdings, und da muss ich dir ein wenig Recht geben, zähle ich mich noch nicht zu den meisten anderen meiner Generation. Ich habe noch einige Hobbys, bin sportlich noch ein bisschen aktiv und halte eben diese Praxis noch aufrecht.“
Sabrina nickte anerkennend, doch bevor sie etwas dazu sagen konnte, fragte sie der Doktor: „Wie geht es dir sonst so? Bist du verheiratet, hast du Kinder? Erzähle noch ein bisschen über dich. Ich bin an allem interessiert.“
Sabrina senkte ihren Blick. Nach einigem Zögern sagte sie, die eigentlich Wahrheit ein klein wenig verdrehend: „Nein, weder noch. Ich bin kein Familienmensch, wenn ich das mal so sagen darf. Ich habe noch nie an Heirat oder an Kinder gedacht. Ich glaube nicht, dass das etwas für mich wäre. Ich habe ja schon Schwierigkeiten ...“ Hier brach sie abrupt ab, zog die Augenbrauen hoch und schaute, als wäre sie bei etwas Verbotenem ertappt worden. Beide schwiegen eine Weile, dann atmete Sabrina tief durch und sprach weiter: „Also der wahre Grund wegen der Kinder ist … ich kann keine Kinder bekommen. Ich bin mehrmals daraufhin untersucht worden. Es ist so und es ist vielleicht auch gut so. Damit habe ich mich vor Jahren schon abgefunden. In meinem jetzigen Alter kämen für mich Kinder sowieso nicht mehr in Frage.“ Damit blockte sie dieses Thema ab.
„Ja, das kann ich gut verstehen. Wenn du ein paar Jahre jünger wärst, könnten wir darüber etwas diskutieren, aber so …“ Er unterbrach seine Rede kurz und betrachtete Sabrina nachdrücklich. Dann meinte er jedoch etwas spitzfindig: „Nun gut, aber sicherlich wirst du dich vor Anträgen aus der Männerwelt nicht retten können. So wie du aussiehst, würde ich meinen, dass du an jedem Finger mindestens zehn Verehrer hast.“
Es dauerte eine ganze Weile, ehe Sabrina darauf eine Antwort geben konnte. „Sicher, da mögen Sie Recht haben. Aber das ist so ein Thema, was mich … worüber ich nicht gern nachdenke und erst recht nicht gerne sprechen möchte.“
Dr. Wendt zog verblüfft die Augenbrauen hoch. Er nickte etwas nachdenklich und nach einer Weile sagte er: „Also mit mir kannst du eigentlich über alles sprechen. Erstens bin ich Arzt, da ist Schweigen ein Gebot, und zweitens fühle ich mich deiner Familie, die ja jetzt nur noch aus dir besteht, freundschaftlich verpflichtet. Höre ich da missmutige Klänge, die tieferen Ursprungs sind oder geht es hierbei nur um eine vorübergehende kleine Krise?“
Ein tiefer Seufzer entfuhr Sabrinas Brust, bevor sie leise antwortete: „Herr Dr. Wendt, ich bin schon eine ziemlich lange Zeit in so einer Art Krise, wie Sie es bezeichnen.“ Sie erzählte ihm etwas stockend, doch unverblümt ihre Probleme, die sie mit Männern verband und fügte dann etwas deprimiert hinzu: „Ich habe bisher noch keinen Mann getroffen, dem ich mich hätte richtig anvertrauen und hingeben können. Alle wollten bisher nur eins, den schnellen Sex, eine Frau wie mich ins Bett zu kriegen und dann schnell zur Sache zu kommen. Danach war meist Schluss. Solch ein Verhältnis könnte ich an jeder Ecke bekommen, wenn ich es wollte. Aber so etwas suche ich nicht mehr. Der Gedanke daran macht mich schon krank.“ Etwas erregt hielt sie inne.
Dr. Wendt hatte die Arme über die Brust geschlagen und stützte seinen Kopf in die Hand, was einen nachdenklichen Eindruck machte. „Ich glaube dich zu verstehen. Vielleicht gibt es dafür sogar eine Lösung. Ich muss da nur mal richtig darüber nachdenken. Aber mich würde vorher noch etwas anderes interessieren. Fühlst du dich physisch völlig in Ordnung oder wäre es möglich, dass diese Belastung auf ein gesundheitliches Problem zurückzuführen ist?“
„Gesundheitliche Probleme hatte ich bisher keine, jedenfalls keine von weitreichender Bedeutung. Ich weiß ehrlich gesagt selber nicht, was mit mir eigentlich los ist. Ich schlafe seit langem sehr schlecht, mache mir über vieles Sorgen, sogar meine Arbeit leidet zum Teil schon darunter.“
„Nimmst du irgendwelche Medikamente?“
„Nein, ich nehme nichts ein.“
Dr. Wendt war aufgestanden und langsam im Zimmer hin und hergelaufen. Es dauerte eine ganze Weile bis er wieder das Wort ergriff: „Sabrina, ich möchte dir gegenüber dasselbe Verhältnis haben, das ich einstmals deinen Eltern gegenüber hatte. Ich hoffe dabei, dass du das nötige Vertrauen in mich setzt.“ Er machte eine kleine Pause, als wolle er darauf eine Antwort hören, doch Sabrina nickte nur leicht mit dem Kopf. Bevor sie etwas dazu sagen konnte, fuhr er fort: „Ich glaube schon, dass ich dir helfen kann, vorausgesetzt natürlich, du lässt dir von so einem alten Mann wie mir helfen. Die Sache ist nicht ganz so einfach, um dass ich sie dir jetzt und hier gleich erklären könnte. Ich mache dir erst mal einen anderen Vorschlag und du sagst mir, ob du damit einverstanden bist.“
„Ja, gut“ Sabrina schaute etwas verständnislos.
„Ich schlage erst einmal vor, wir klären zunächst ab, ob bei dir irgendein gesundheitliches Problem vorliegt.“ Dabei schaute er ihr nachdrücklich in die Augen. „Dazu würde ich dich bitten, wenn es dir möglich ist und wenn du es möchtest, dich morgen früh um halb acht Uhr draußen bei der Schwester Annemarie zu melden. Sie wird dir Blut abnehmen, das danach ins Labor zur Untersuchung geschickt wird. Das dafür notwendige Prozedere wird dir ja sicher bekannt sein, du musst dazu nüchtern sein. Es wird nicht lange dauern. Ich lege der Schwester Annemarie gleich einen Zettel auf ihren Schreibtisch, damit sie Bescheid weiß. Weiterhin bitte ich dich, am Freitagabend zu mir in die Praxis zu kommen. Am besten erst nach 19 Uhr, da ist mit Sicherheit kein Patient mehr da. Bis dahin sind die Ergebnisse ausgewertet, ich habe sie mir angeschaut und wir können feststellen, ob soweit alles gut ist. Danach nehme ich eine kleine Untersuchung vor, und wenn dann alles in Ordnung ist, plaudern wir zusammen noch ein bisschen. Ich glaube, aus dem, was du mir alles erzählt hast, zu entnehmen, was dir helfen könnte. Vielleicht findest du Gefallen an dieser Idee, wir werden sehen.“
Sabrina hatte sich vom Stuhl erhoben und während sich beide verabschiedeten, sagte sie zu, alles so zu tun, wie es ihr der Doktor vorgeschlagen hatte. Dr. Wendt teilte ihr mit, dass er eine Patientenakte von ihr anlegen würde, wenn sie einverstanden sei, dass er ihr vertrauter Arzt bliebe. Als sie an der Tür war, rief er ihr zu: „Du sollst wissen, wenn du irgendwelche Probleme hast, ganz gleich welcher Art sie auch seien, kannst du immer zu mir kommen. Ich werde genauso für dich da sein, wie ich es auch für deine Eltern einst gewesen bin.“
Mit zunächst etwas gemischten Gefühlen verließ Sabrina an diesem Tag die Praxis des Dr. Wendt. Einerseits war sie froh, dass sie ihn gefunden hatte. Andererseits machte sie sich leise Vorwürfe, ihm ihre privatesten Geheimnisse so vorbehaltlos anvertraut zu haben. Wenn er auch ein guter Freund ihrer Familie war, aber seither sind so viele Jahre vergangen. Man weiß nicht, inwieweit sich ein Mensch da ändern kann. Allerdings machte er auf sie den gleichen seriösen Eindruck, den er schon früher vermittelte. Er war nur älter geworden, so wie sie aber auch. Damals war sie noch ein Kind, heute ist sie als erwachsene Person bei ihm gewesen. Er war nett und freundlich und eigentlich hatte sie, je mehr sie darüber nachdachte, ein gutes Gefühl. An eine Krankheit, wie es Dr. Wendt vermutete, glaubte sie nicht. Er denkt da sicher als Arzt. Sie wusste jedenfalls genau, wo ihre teilweise schlechte Verfassung herrührte. Aber soll er seine Untersuchung nur machen, schaden kann es nicht.
Die Woche verging für die junge Frau wie im Flug. Tagsüber führte sie Telefonate mit ihrem Auftraggeber, mit ihrer ehemaligen Redaktion und natürlich mit ihren einstigen Kollegen. Ihr neues Projekt nahm langsam Gestalt an. Mehr und mehr fühlte sie sich in ihrer alten Heimat wieder zu Hause. Solange sie beschäftigt war, ging es ihr gut. Nur wenn sie abends zu Bett ging, kamen ihr all diese Gedanken, die sie nicht losließen und über die sie auch mit dem Doktor Wendt gesprochen hatte, wieder in den Kopf. Oftmals konnte sie lange nicht einschlafen, wälzte sich stundenlang hin und her und die Gedanken zermarterten ihr Gehirn. Übermannte sie dann irgendwann doch der Schlaf, war es nur ein leichter, unruhiger Schlummer. Wenn sie gegen Morgen erwachte, fühlte sie sich meist erschöpft und antriebslos.
Auch an dem besagten Freitagmorgen ging es Sabrina nicht anders als sonst. Sie quälte sich erschöpft aus dem Bett und erledigte energielos ihre Morgentoilette. Den heutigen Tag konnte sie nach eigenem Ermessen verplanen. Dieser Gedanke erfüllte sie am Frühstückstisch wiederum mit Freude. Die Blutentnahme, zu der sie Dr. Wendt gebeten hatte, war bereits zwei Tage vorüber und im Moment dachte sie gar nicht mehr an den Termin bei ihm. Bei ihrem Grübeln, was sie mit dem heutigen Tag anfangen könnte, fiel ihr ein Zeitungsartikel ein, den sie vor kurzem gelesen hatte und der die in der Stadt neu gestaltete Schwimmhalle betraf. Das wäre es doch. Sollte sie nicht da einmal hingehen und einfach nur den ganzen Tag versuchen zu entspannen? Diesen schnellen Entschluss setzte sie nach dem Frühstück gleich in die Tat um. Ihre dazu benötigten Sachen waren rasch gepackt und danach ging sie hinaus zu ihrem Auto.
Dieser Tag versprach schöner zu werden, als es in der Vergangenheit der Fall war. Es war zumindest nicht mehr so kalt, und wenn auch die Sonne nicht gerade strahlend vom Himmel schien, so war das Wetter doch recht angenehm, und es regnete nicht mehr. Das Grün an den Bäumen hatte zu den vorhergehenden Tagen auch bedeutende Fortschritte gemacht und die meisten Blätter hatten sich in ihrer Vollkommenheit entfaltet. Man konnte den nahenden Frühling direkt riechen. So waren jedenfalls Sabrinas Eindrücke, als sie hinaus zur Garage ging und deren Tür öffnete. Sie stieg in ihren silbergrauen Wagen, ein ziemlich neues Modell, und fuhr langsam auf die Straße. Die Strecke bis zur Schwimmhalle war etwa drei Kilometer entfernt, sodass sie sich für das Auto entscheiden musste.
Wenige Minuten später hielt sie auf dem Parkplatz an der Schwimmhalle. Um diese Zeit war sie noch ziemlich leer, was einer Entspannung sicher sehr entgegen zu kommen schien. Sie zog einen Parkschein für vier Stunden und verschwand in dem reichlich mit Glas ausgestatteten Gebäude. Nicht lange danach stand sie in ihrem Badeanzug am Rande des Schwimmbeckens. Außer ihr befanden sich noch zwei weitere Personen in der Halle, eine ältere Frau und ein etwa gleichaltriger Mann, die sie kaum beachteten. Sabrina stieg in das leicht angewärmte Wasser im Becken und schwamm Runde für Runde. Hier konnte sie abschalten und das tat ihr sichtlich gut.
Nach geraumer Zeit stieg sie wieder aus dem Wasser, trocknete sich dürftig ab und begab sich auf einen der an der Seite stehenden Liegestühle, wo sie etwas vor sich hin schlummerte und bald darauf richtig einschlief. Sie hatte nach der schlaflosen Nacht auch einiges nachzuholen.
Irgendein Laut ließ Sabrina nach ungewisser Zeit aufwachen. Wie lange sie so gelegen und geschlafen hatte, war ihr nicht gleich bewusst. Nachdem sie aufgewacht war, kramte sie, noch etwas verträumt, in der neben dem Liegestuhl stehenden Tasche nach ihrer Armbanduhr und stellte fest, dass es kaum länger als eine halbe Stunde gewesen sein muss. Sie erhob sich und war im Begriff noch einmal in das Wasser zu gehen. Zeit war noch genügend vorhanden. In der Zwischenzeit befanden sich einige Menschen mehr in der Halle als zu Beginn. Die junge Frau störte das zwar wenig, doch als sie wieder an den Beckenrand trat, spürte sie in den Augenwinkeln, dass sie aufmerksam beobachtet wurde. Sie wandte den Kopf zur Seite und sah, nicht allzu weit von ihrem Liegestuhl entfernt stand eine Gruppe von drei jüngeren Männern, die sie sehr auffällig musterten. Natürlich zog ihre aufregende Figur die Blicke von Männern an. Dessen war sie sich ständig bewusst. Aber eine gewisse Art, die manche Männer zur Schau stellten, ließ in ihr wieder diese Gefühle hochkommen, die ihrem Selbstbewusstsein zu schaden schienen. Gerade als sie ins Wasser stieg, konnte sie noch ein beifälliges Pfeifen eines der Männer vernehmen.
Allmählich merkte Sabrina den Zorn in ihr hochkommen. Genau das war es, was sie so verabscheute. Ihre Freude am weiteren Schwimmen war augenblicklich dahin und sie stieg verdrossen wieder aus dem Wasser. Die Dreiergruppe hatte sich inzwischen bis an den Beckenrand heranbewegt. Die Männer starrten Sabrina mit lüsternem Grinsen an. Einer der Drei ließ sogar eine etwas unflätige Äußerung fallen, worauf die Männer laut lachten. Als sie schließlich an ihnen vorüberging, rief ihr einer zu: „Wie wär’s schöne Milf, können wir uns in der Dusche verabreden. So etwas bekommt man nicht alle Tage zu sehen.“
Als Antwort auf diese unverschämte Bemerkung warf Sabrina ihnen einen abfälligen Blick zu mit den Worten: „Natürlich, wenn ihr richtige Männer wärt, schon.“ Sie ging missgelaunt zu ihrem Liegestuhl, ergriff ihre Sachen und entschied, die Schwimmhalle zu verlassen.
Nachdem sie wieder zu Hause angekommen war, steckte der Ärger über das eben Erlebte immer noch tief in ihr drin. So war es ihr aber schon so manches Mal ergangen. Jetzt gingen Sabrina wieder diese quälenden Gedanken durch den Kopf. Was hatte doch der eine für einen Ausdruck gebraucht – Milf? Sie kannte diesen Ausdruck, der aus dem Englischen stammt. Es war eine in der Sexszene geläufige und anstößige Abkürzung für Frauen mit attraktiven Körpern und bedeutete so viel wie „Mom I’d like to fuck“.
Äußerst missgestimmt war Sabrina für den Rest dieses Freitags. Nichts wollte ihr so recht mehr gelingen und so langweilte sie sich in ihrem hübschen, wohnlichen Zuhause, wobei ihre Gedanken immer wieder zu demselben Thema führten. Sie musste das jetzt abschütteln und versuchen an etwas anderes zu denken. Was brachte es ihr schon, sich ständig das Gehirn über ihre Erfahrungen, die sie mit Männern gemacht hatte, zu zermartern?
Es war bereits am frühen Abend. Sabrina hatte versucht in ihre geschäftlichen Unterlagen etwas Ordnung zu bringen, als ihr plötzlich einfiel, dass sie ja heute einen Termin mit Dr. Wendt hatte. Er wollte ihr das Ergebnis der Blutuntersuchung mitteilen und er wollte mit ihr über ihre Probleme sprechen. Dazu sollte sie sich nach 19 Uhr bei ihm in der Praxis einfinden. Wer weiß, was er ihr da so vorzuschlagen hatte? Sabrina legte all dem zunächst kein großes Ermessen bei. Es war jedoch schon erheblich spät geworden und Sabrina fürchtete, den vereinbarten Zeitpunkt nicht einhalten zu können. Sie musste sich noch etwas frisch machen und umziehen. Zu spät kommen wollte sie auf keinen Fall. Aber diese abgemachte Zeitangabe war ja andererseits auch ein relativ dehnbarer Begriff.
Es war bereits 19 Uhr, als Sabrina das Haus verließ. Zum Glück war es nicht weit bis zur Praxis des Dr. Wendt. Sie hatte ein hellgraues Kostüm mit einem kurzen, sehr engen Rock und hochhackige Schuhe an. Beides beeinträchtigte sie jetzt beim schnellen Gehen erheblich. Das Wetter war ruhig geworden und gegen Abend war die Sonne hervorgekommen, die um diese Zeit sogar noch recht warm schien. Der eigentlich kurze Weg kam ihr heute viel länger vor, als sonst. Sie erkannte, es könnte wohl daran liegen, dass sie für einen unter etwas in Zeitnot stehenden Gang nicht die richtige Kleidung trug. Vielleicht war sie auch etwas zu aufreizend angezogen für einen Arzttermin. Aber jetzt war es zu spät darüber nachzusinnen. Endlich erreichte sie das gelbe Haus mit den hohen Bäumen davor.
Sabrina eilte die Treppe hinauf, öffnete die schwere eichene Tür und betrat den Flur, in dem kein Licht brannte und der dadurch ziemlich im Dunkeln lag. Das Licht, das durch das eine Fenster hereinfiel, wurde durch die hohen Bäume davor stark gedämpft. Das fensterlose Wartezimmer, dessen Tür wie auch beim letzten Mal offen stand, lag vollkommen vereinsamt. Nur aus der Tür mit der Milchglasscheibe, die zur Praxis des Dr. Wendt führte, schimmerte ein spärliches Licht heraus. Sabrina fühlte sich zunächst etwas unwohl. Die Düsterheit machte sie ein wenig beklommen. Vielleicht aber war es auch die Ungewissheit darüber, was sie hier erwarten sollte. Sie blieb eine Weile unentschlossen stehen, bevor sie allen Mut zusammennahm und an die Tür klopfte. Was sollte schon geschehen? Der Doktor hatte sich schließlich als ein sehr sympathischer und galanter Mensch erwiesen.
Auf ihr erstes Klopfen ereignete sich nichts. Also pochte Sabrina etwas stärker an die Tür. Jetzt hörte sie von drinnen ein: „Ja bitte!“ Leise drückte sie die Klinke herunter und öffnete die Tür. In dem Praxisraum saß Dr. Wendt tief über seinen Schreibtisch gebeugt. Als Sabrina eintrat und hinter sich die Tür schloss, sprang er mit einer Flinkheit auf, die man einem Mann in seinem Alter gar nicht zugetraut hätte, und kam ihr entgegen.
„Es ist schön, dass du gekommen bist. Ich freue mich, dich wiederzusehen. Komm und nimm hier neben meinem Schreibtisch Platz.“
Er wies ihr den Stuhl an und setzte sich wieder hin. „Einen kleinen Moment noch, ich muss hier nur noch etwas einordnen, dann habe ich gleich ganz viel Zeit für dich“, sagte er mit einem freundlichen Lächeln und ließ seine Zähne blitzen.
Während Dr. Wendt in irgendwelchen Krankenakten wühlte und sie ordnete und danach in einem kleinen Regal über seinem Schreibtisch verschwinden ließ, blickte sich Sabrina in dem Praxisraum um. Das Zimmer war ziemlich großräumig und hatte zwei riesige Fenster, durch die man in den hinteren Gartenteil des Anwesens des Doktors blicken konnte. Man hatte den Eindruck, als stünde sein Haus mitten in einem Park. Die großen Bäume, darunter viele Nadelbäume und Zypressen, dämmten hier ebenso das hereinfallende Licht, wie es auch draußen in der Anmeldung der Fall war. An der Wand standen mehrere Schränke, manche sahen wie Arzneischränke aus, in anderen befand sich eine Unzahl von Büchern. Neben den Schränken sowie an der Wand gegenüber der Fensterfront hingen zahlreiche eingerahmte Urkunden. Darunter waren auch einige Bilder. Ebenso fiel ihr Blick auf einiges medizinisches Gerät. An einer Wand befand sich eine weiß gepolsterte Praxisliege, hinter der ein EKG-Gerät stand. In einer Ecke war ein großes Gestell mit einem dunklen verschiebbaren Vorhang, hinter dem sich die Patienten umziehen konnten. Der Vorhang war zurückgezogen und ließ den Blick auf eine weitere Liege und einen Stuhl fallen. Im Großen und Ganzen machte die gesamte Praxiseinrichtung einen schon etwas betagten Eindruck. Aber Sabrina erinnerte sich daran, dass Dr. Wendt bei ihrem ersten Besuch ihr gegenüber so etwas verlauten ließ.
Mit den Worten „So, Sabrina, kommen wir also zu dir“, riss Dr. Wendt die junge Frau aus ihren Betrachtungen. Er hatte alles weggeräumt und hielt nur noch ein Blatt vor sich in der Hand. „Mir liegen hier alle untersuchten Blutwerte vor und alle sind negativ, das heißt in Ordnung. Also können wir eine Erkrankung definitiv erst einmal ausschließen. Das ist doch eine gute Nachricht, oder?“ Er schaute sie fragend an.
„Ja, das freut mich natürlich. Und was geschieht jetzt?“ Es machte den Eindruck, als wollte sie ihn etwas zur Eile anspornen, doch Dr. Wendt ließ sich nicht beeinflussen.
„Ich hoffe, du hast ein klein wenig Zeit mitgebracht. Was ich dir zu deinem Problem vorzuschlagen habe, ist nicht mit einem Satz gesagt und ist auch ein bisschen heikel. Ausgehen können wir zunächst einmal davon, dass die Ursache kein gesundheitliches Problem ist. Ich würde gern noch eine kleine Untersuchung vornehmen und vielleicht ein EKG machen, um wirklich alles auszuschließen.“
Sabrina schaute den Doktor lächelnd an und meinte nur: „Ich bin einverstanden. Schließlich bin ich in Zukunft auch Ihre neue Patientin.“
Dr. Wendt lächelte verschmitzt und antwortete: „So ist es. Du bist sogar eine ganz besondere Patientin für mich. Nicht nur, dass ich dich schon seit deiner Kindheit kenne und mit deinen Eltern gut befreundet war, sondern du bist auch in meinem Patientenstamm die weitaus jüngste Patientin.“ Er machte eine Pause, ließ seine Zähne blitzen und fügte hinzu: „Und mit Abstand auch die entzückendste.“
Sabrina errötete leicht und zuckte nur mit den Schultern.
Mit einer nicht zu deutenden Gestikulation stand der Doktor auf und ging an einen seiner Schränke. Er kam nach einer Weile mit einer Flasche und zwei Kognakgläsern wieder. „Jetzt mache ich etwas, was ein Arzt eigentlich nicht tun darf, nämlich seine Patienten zum Alkohol verführen. Aber in diesem Fall sollte es gerechtfertigt sein. Es schafft eine entspannte Atmosphäre und ein kleines Gläschen schadet keinem von uns.“ Nach einer kleinen Pause erzählte er Sabrina recht geheimnisvoll, woher er diese Flasche Kognak hatte und fügte dann noch hinzu: „Die habe ich mir für einen besonderen Anlass aufgehoben. Ich bin der Meinung, dass heute ein besonderer Anlass ist.“
Dr. Wendt schraubte die Flasche auf, goss ein wenig in die beiden Gläser und prostete Sabrina zu. „Trinken wir darauf, dass es für uns beide ein gutes Zeichen war, dass wir uns wiedergetroffen haben und darauf, dass ich dir helfen kann, deine Probleme, von denen du mir erzählt hast, zu beseitigen oder wenigstens zu verringern. Zum Wohl!“
Nachdem sie das Glas gelehrt hatten, nickte Sabrina anerkennend wegen des Kognaks, was aber mehr aus Höflichkeit gegenüber dem Doktor geschah, als dass es die Bekundung des tatsächlich von ihr verspürten Genusses des geistigen Getränkes gewesen wäre. „Was dieses besagte Männerproblem angeht, da kann ich Ihnen ein aktuelles Beispiel erzählen, das ich erst heute wieder erleben musste.“ Danach berichtete sie ihr Erlebnis in der Schwimmhalle.
Dr. Wendt hatte sich in seinem Sessel zurückgelehnt und hörte aufmerksam zu. Ab und zu nickte er beiläufig, aber sagte kein Wort. Erst nach geraumer Zeit, nachdem Sabrina längst geendet hatte, schnaufte er lautstark durch die Nase und begann zunächst etwas stockend, danach aber immer eindringlicher ihr seine Ansichten mitzuteilen. Sabrina merkte, dass es ihm zunächst ziemlich schwerfiel, darüber zu reden, aber ihr Interesse, welches sie mit ihrer Aufmerksamkeit kundtat, beflügelte ihn mehr und mehr.
„Ich glaube, dein Problem hat eine ganz andere Ursache, als du es dir vielleicht vorstellen kannst. Ich möchte es mal ganz salopp sagen, meiner Meinung nach hast du dich bisher nach Männern in den falschen Jahrgängen umgeschaut. Das mag dir zunächst etwas abstrus erscheinen, aber ich beschäftige mich mit solcher Thematik schon seit längerer Zeit und letztendlich bin ich ja selber in einem Alter, indem man über Sex und Sexualpraktiken etwas anders denkt, als es die jüngere Generation tut. Männer im höheren Alter sind nicht mehr die Liebhaber, die einen schnellen Sex bevorzugen, um schnell auf ihren Genuss zu kommen und danach weiterziehen. Ich nenne das bei älteren Männern nicht mehr Sex, ich verwende dazu die Bezeichnung Erotik – einfach nur deswegen, da mir kein besseres Wort dazu einfällt. Ältere Männer haben Gefallen daran, eine Frau voll und ganz zu genießen, und das braucht Zeit. Sie genießen dabei mit ihren Augen, ihren Händen, einfach mit allen Sinnen, und dieses sinnliche Geschehen wird direkt auf die Frau übertragen. Das Ganze verhält sich wie ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Je zärtlicher und genussvoller der Mann die Frau behandelt, desto lustvoller wird sie das empfinden und andererseits, je lustvoller sie das erfährt und sich hingibt, desto mehr gibt sie dem Mann an Erotik zurück, der jeden Teil und jede Bewegung ihres erregten Körpers und ebenso jede Gestik von ihr ausleben kann.“
Er machte eine Pause, da Sabrina die Stirn runzelte und ihn fragend ansah. „Meinen Sie jetzt etwa, dass ich mir in Zukunft alte Männer suchen soll? Aber das kann ich mir so gar nicht vorstellen, denn vor alten Männern habe ich ein außergewöhnliches Schamgefühl. Ich könnte mir nicht vorstellen, mich vor einem älteren Mann auszuziehen.“
Beschwichtigend die Hand heben sprach Dr. Wendt mit gedämpfter Stimme weiter: „Also was das Schamgefühl betrifft, lass mich bitte Folgendes dazu sagen. Ich bin der Meinung, dass eine gewisse Schamhaftigkeit sogar angebracht ist. Das sollte eine Frau zu Beginn erotischer Begebenheiten schon haben und man sollte es ihr auch ansehen. Einen Mann bestärkt das ungemein und hilft ihm, da er es als erotische Ausstrahlung wahrnimmt und dadurch noch angeregter wird, was ja letztendlich der Frau wieder zugutekommt. Die Frau verliert dieses Schamgefühl danach schneller als es gekommen ist. Also wenn ich mir vorstelle, mit einer Frau ohne Schamgefühl in einer gewissen Situation zusammen zu sein, so eine Frau wäre für mich ganz schnell uninteressant. Sie würde kalt auf mich wirken, was der Erotik schaden würde, wenn ich das einmal so sagen darf.“
Sabrina schaute den Doktor etwas entsetzt an. „Also ich weiß nicht.“
Eine kleine Pause herrschte, bevor Dr. Wendt wieder das Wort ergriff: „Dich finde ich sogar prädestiniert dafür, eine Vorliebe für ältere Herren zu haben, da du bereits im jungen Alter deinen Vater verloren hast. Ich weiß, du hast sehr an ihm gehangen, hast ihn sehr geliebt. Solchen Kindern sagt man meist voraus, dass sie sich im späteren Alter mehr zu älteren Männern hingezogen fühlen. Manche Leute sprechen auch von einem sogenannten Vaterkomplex dabei, na ja … über das Wort ließe sich streiten. Das stellt jetzt wie so vieles im Leben nicht unbedingt eine Regel dar, aber oftmals ist es tatsächlich so.“
Als der Doktor auf ihren Vater zu sprechen kam, wurde Sabrina etwas traurig. Obwohl sie so manches Mal etwas traurig dreinblickte, sah Doktor Wendt es ihr sofort an. „Entschuldige, wenn ich jetzt bei dir irgendwelche Emotionen geweckt habe. Das hatte ich natürlich nicht vor. Mein Anliegen ist nur, dir zu verdeutlichen versuchen, dass Du womöglich mit Männern älterer Jahrgänge problemlosere Beziehungen knüpfen könntest.“
Ein wenig verlegen antwortete sie: „So richtig kann ich mich mit dem, was Sie alles gesagt haben noch nicht anfreunden. Aber vielleicht haben Sie ja sogar Recht.“
„Schau, Sabrina, ich will dich doch zu nichts überreden und ich möchte mich auch nicht mit irgendwelchen Ratschlägen in dein Privatleben einmischen. Du hattest mir deine Probleme geschildert und ich hatte dir versprochen darüber nachzudenken, wie ich dir helfen könnte. Ich möchte dir nur eine Anregung geben, über die du nachdenken solltest, weil ich mir ziemlich sicher bin, was dir eigentlich fehlt. Außerdem glaube ich, dich ein bisschen zu kennen. Denke über alles nach, du hast jede Zeit der Welt dazu. Versuche einfach mal, das was ich dir gesagt habe, in Erwägung zu ziehen. Du wirst ganz sicher allerhand Neues dabei entdecken und vielleicht sagst du eines Tages zu mir: Sie hatten Recht.“
Hier machte der Doktor erneut eine Pause, wobei er Sabrina fragte, ob sie noch ein Gläschen trinken wolle. Jedoch sie schüttelte entschieden den Kopf.
In Anschluss darauf fuhr er mit seinen Ansichten fort: „Sabrina, stelle dir einmal vor, du möchtest im Leben etwas Neues erlernen und du bekommst dazu ein Lehrbuch mit vielen Lektionen darin. Du beginnst mit der ersten Lektion und dein Interesse wird auf Weiteres geweckt. Du möchtest wissen, wie es weitergeht. Dann gehst du zur zweiten und vielleicht auch noch zur dritten Lektion. Spätestens hier wirst du merken, ob der Lehrstoff für dich taugt oder nicht. Brauchst du ihn nicht, legst du nach der zweiten oder dritten Lektion das Buch beiseite und schaust nie wieder rein. Bist du aber der Meinung, das ist das Richtige für dich, wirst du Lektion für Lektion mit großem Interesse durcharbeiten. Ähnlich könntest du das sehen, was ich dir hier unterbreite.“
Dr. Wendt lehnte sich zurück, überkreuzte seine Arme über der Brust und blickte Sabrina aufmerksam an. Er beobachtete, wie sie innerlich mit sich rang. Unzählige Gedanken gingen ihr jetzt durch den Kopf. Doch dann sagte sie plötzlich lächelnd: „Nun gut, sagen Sie mir, was ich tun soll. Ich mache alles, was Sie mir vorschlagen. Zumindest werde ich es probieren.“
Beide Arme hochreißend rief Dr. Wendt: „Moment, Moment, also so wird da nichts draus. Ich werde den Teufel tun, und dir jetzt vorschlagen, was du als Nächstes zu tun hast. Da hättest du viel zu viel Zeit, dir die Sache hin und her zu überlegen und zu zerpflücken. Letztendlich geht alles schief. Nein, das muss ganz anders geschehen. Du musst ganz plötzlich in eine solche Situation geraten und in seiner Abwicklung wirst du dann allmählich fühlen, ob sie für dich gut ist oder nicht. Danach wirst du entweder solchen Situationen aus dem Wege gehen, so wie du das ja jetzt schon zum Teil tust – ich erinnere da nur an dein Schwimmhallenerlebnis – oder du wirst diesen neuen Situationen mit einem eigenen, dafür ausgeprägten Interesse versuchen zu begegnen. Danach können wir feststellen, ob ich mit meiner Vermutung Recht hatte oder mich vielleicht doch getäuscht habe.“
Sabrina lächelte verlegen. Der Doktor hatte sie mit seinen zunächst abwegig erscheinenden Vorschlägen völlig verwirrt. „Ich glaube, jetzt brauche ich doch noch einen Kognak“, sagte sie, und nach einigem Zögern, „Herr Dr. Wendt, was Sie mir da alles erklärt haben, klingt sehr interessant. Sicher haben Sie Erfahrungen in solchen Dingen. Aber noch kann ich mir nicht richtig vorstellen, dass ich diejenige sein soll, von der hier gesprochen wird. Noch kommt mir das alles fremdartig vor. Verzeihen Sie, aber ich muss mir das alles noch einmal in Ruhe durch den Kopf gehen lassen.“
„Natürlich, so soll es auch sein. Ich bin erst einmal froh, dass du den Betrachtungen eines alten Mannes so aufmerksam zugehört hast. Eine solche Situation, von der ich sprach, kann ich nicht herbeizaubern, wäre auch nicht angebracht. Aber vielleicht kommt sie schneller als du denkst, während dem du noch bei deinen Überlegungen bist. Wichtig dabei ist, dass sie unverhofft kommt, sodass du nicht lange Zeit hast, um im Kopf Entscheidungen zu treffen, sondern aus dem Gefühl heraus agieren musst.“ Er beugte sich wieder vor, zwinkerte ihr mit einem seines vertrauten Lächelns zu und griff nach der Kognakflasche. „So, und jetzt genehmigen wir uns noch einen.“
In der Zwischenzeit, als die beiden Personen in der Praxis mit ihrem angeregten Gespräch beschäftigt waren, bemerkten sie nicht, dass es draußen bereits stockdunkel geworden war. Im Zimmer brannte nur die Schreibtischlampe und so lag der Rest des Raumes in einem dämmrigen Licht, das in Sabrina allmählich ein beklemmendes Gefühl aufkommen ließ. Wortlos tranken beide ihre Gläser aus. Während Sabrina noch damit beschäftigt war, all das zu verarbeiten, was sie in der letzten Stunde gehört hatte, spürte sie, wie der Alkohol ihr langsam zu Kopfe stieg. Jetzt durfte sie nichts mehr trinken, sonst könnte sie gar keine klaren Gedanken mehr fassen. Was ihr der Doktor da anriet, kam ihr doch etwas verwunderlich vor.
Aus all diesen Gedanken wurde Sabrina gerissen, als sie Dr. Wendt in diesem Moment sagen hörte: „Eigentlich wollte ich noch eine kurze Untersuchung vornehmen, aber es ist schon spät, und wenn es dir heute nicht mehr recht sein sollte, dann können wir das natürlich auch gern auf einen anderen Tag verschieben.“
Sabrina stellte das Glas auf den Tisch und antwortete noch etwas in Gedanken versunken: „Ach mir ist alles recht. Ich bin einmal da, und wenn es Sie nicht weiter stört, dass es schon so spät ist, dann machen Sie die Untersuchung. Ich befürchte nur, dass der Alkohol das Ergebnis verfälschen könnte.“
Dr. Wendt setzte sein entgegenkommendstes Lächeln auf, erhob sich von seinem Stuhl und meinte beschwichtigend: „Nein, da brauchst du keine Sorge zu haben.“
Als Dr. Wendt aufgestanden war, schaltete er als Erstes die Deckenbeleuchtung ein. Danach brachte er die Flasche mit dem Kognak wieder in den Schrank zurück und die beiden Gläser stellte er auf ein Waschbecken, das in einer kleinen Nische, gleich um die Ecke neben dem Gestell mit dem Vorhang angebracht war. Diesen Vorhang zog er anschließend völlig herum, sodass dahinter ein kleiner abgeschotteter Raum entstand. Auch Sabrina hatte sich erhoben und stand etwas verloren wirkend im Raum, gleich neben dem Schreibtisch. Nachdem der Vorhang zugezogen war, ging Dr. Wendt wieder an das Waschbecken, um sich die Hände zu waschen. Dabei rief er Sabrina zu: „So, du kannst jetzt hinter den Vorhang gehen und mache bitte deinen Oberkörper frei.“ Mit einer peinlichen Sorgfalt wusch er sich die Hände und trocknete sie anschließend ab. Sabrina hatte bereits ihre Jacke und die Bluse ausgezogen, als sie erneut seine Stimme hörte. Ganz beiläufig sagte er, neben dem Vorhang stehend: „Es wäre vielleicht ratsam, wenn du auch deinen Rock ausziehen würdest. Ich möchte ein EKG machen und auf der Liege könnte dich der enge Rock stören oder er könnte zerknittern oder gar reißen.“
Inzwischen begab sich Dr. Wendt wieder zu seinem Schreibtisch. Das Stethoskop vom Tisch aufnehmend wartete er auf die junge Frau. Er blickte zu dem Vorhang hinüber, hinter dem sie sich für die Untersuchung bereit machte. Schließlich kam sie hinter diesem hervor. Der Anblick ihres wenig bekleideten Körpers ließ den Doktor in sichtlichem Erstaunen erstarren. Sie kam mit einem graziösen Gang auf ihn zu und war nur noch mit einem knappen lilafarbenen Slip und einem ebensolchen BH bekleidet, der ihre großen und üppigen Brüste umgab. Ihre Haut war strahlend hell und makellos glatt und sah bei der Beleuchtung in der Praxis fast weiß aus. Dr. Wendt konnte sich nicht erinnern, je eine Frau mit solch einer aufreizenden Figur gesehen zu haben. Er versuchte sich nachdrücklich auf die Untersuchung zu konzentrieren, um Sabrina gegenüber den Eindruck zu erwecken, in seinen Handlungen aufmerksam und in seinem Verhalten locker zu wirken. Schließlich sollte sie nicht spüren, wie er die Reize ihres Körpers studierte. Als Arzt durfte er sich so etwas nicht leisten. Jedoch verbreitete die junge Frau eine Aura, die vor Erotik knisterte und ihn völlig betörte. Er fasste Sabrina an den Armen und bedeutete ihr sich umzudrehen. Sie hatte dieselbe Größe wie er, aber wahrscheinlich lag das daran, dass sie hohe Schuhe trug.
Dr. Wendt setzte das Stethoskop an und ließ es Stück für Stück über ihren Rücken wandern. Sabrina spürte das kalte Metall und zuckte beim ersten Mal sichtlich zusammen. „Bitte tief ein- und wieder ausatmen“, sagte er leise. Eine geraume Weile ging das so, bis er schließlich andeutete: „Ich möchte dich bitten das auch auszuziehen, wegen des EKGs nachher.“ Dabei zog er mit dem Finger etwas an dem Träger ihres BHs.
In diesem Moment herrschte eine Stille im Raum, dass man hätte eine Stecknadel fallen hören können. Ebenso war der Raum von einer Atmosphäre erfüllt, die eine gewaltige Spannung erzeugte, ähnlich wie kurz vor einem plötzlichen Gewitter. Ohne ein Wort griff Sabrina mit ihren Händen auf den Rücken und öffnete flink die beiden Verschlüsse. Sie zog den BH ab und ließ ihn mit einer lässigen Handbewegung auf den Stuhl neben dem Schreibtisch fallen.
Als er anschließend Sabrina an die Arme fasste und sie wieder zum Umdrehen bewegte, spürte Dr. Wendt deutlich sein Blut in Wallungen geraten. Sichtlich gefangen von der Ausstrahlung, die von ihrem hinreißenden Körper ausging, stand sie jetzt nackt vor ihm. Ihre gewaltigen Brüste, in völlig naturbelassenem Zustand prangten in ihrer ganzen lustvollen Fülle direkt vor seinen Augen. Sie schaukelten leicht bei jeder kleinen Bewegung und bei jedem tiefen Atemzug, den Sabrina tat. Seine Blicke wurden angezogen von der zart wirkenden Haut ihrer Brüste, den daran prangenden rosafarbenen Brustwarzen, die von einem gleichfalls blassroten, großen Warzenhof umgeben waren. Je länger er dieses Bild imposanter Anmut in sich aufnahm, umso mehr keimte in ihm der Wunsch auf, sie mit seinen Händen zu berühren. Der Gedanke allein führte ihn fast zur Besessenheit. Zu verlockend war der Anblick dieses weiblichen Übermaßes an Lust erzeugender Sinnlichkeit, die in blühenden Knospen endete. Wieder musste er sich zusammenraffen, um nur an die Untersuchung zu denken und tastete mit dem Stethoskop die junge Frau langsam um ihre Brüste herum ab.
Sabrina hatte längst gespürt, mit welchen Blicken Dr. Wendt sie anschaute. Sie schloss die Augen und konnte spüren, wie ihr die Schamröte heiß ins Gesicht stieg. Ihr Empfinden war, als wolle dieses Abhorchen kein Ende nehmen. Immer wieder ließ der Doktor sein Stethoskop um ihre Brüste kreisen. Er umfasste dabei den metallenen Kopf mit der gesamten Hand und sie spürte, wie er manchmal, als wäre es aus Versehen, leicht mit seinen Fingern über ihre Haut strich. Zum einen war es ihr sichtlich unangenehm, so nackt vor diesem alten, fremden Mann zu stehen, auch wenn er ein Arzt war. Andererseits machte sich aber auch ein ihr bisher unbekanntes Interesse in ihrem Inneren breit, das immer mehr Besitz von ihr einnahm, je länger sie ihre Reize preisgeben musste. Wie mag wohl diese Untersuchung weitergehen?
Ehe Dr. Wendt endlich das Stethoskop beiseitelegte, verging noch eine geraume Zeit. Schließlich erfasste er mit beiden Händen Sabrinas Hals und fühlte dessen Seiten ab, wobei sie seine Stimme wie aus weiter Ferne vernahm, als er sagte: „Ich taste dich jetzt nach Lymphknoten ab. Würdest du bitte deine Arme hinter dem Kopf verschränken.“ Sie tat wie ihr geheißen und ihre stattlichen Brüste streckten sich ihm dabei aufreizend entgegen. Er war wiederum nur einen Hauch davon entfernt, nach ihnen zu greifen und Sabrina spürte deutlich seine gierigen Blicke, die heiß auf ihren Brüsten brannten. Er taste mit penibler Gemächlichkeit ihre Achselhöhlen ab, bevor er zu ihr sagte: „Es ist alles in Ordnung.“ Langsam ließ er die Hände heruntersinken und strich dabei mit den Knöcheln seiner Finger bewusst ganz leicht seitlich an ihren Brüsten entlang.
Auch Sabrina ließ ihre Arme wieder sinken und schaute dem Doktor festen Blicks in die Augen. Dieser lächelte gutmütig, aber sie bemerkte auch ein gewisses Funkeln in seinen Augen, das den Doktor eher in den Hintergrund und dafür den Mann mehr in den Vordergrund treten ließ. Es lag etwas leicht Verschmitztes, aber auch eine gewisse Portion Lüsternheit in seinem Blick. Noch immer stand ihr die Schamesröte auf den Wangen, was der Doktor natürlich bemerkte. Mit einer kleinen Geste wollte er deswegen versuchen, sie etwas zu beruhigen. Mit beiden Handrücken fuhr er über Sabrinas Wangen und streichelte sie zart, wobei er ihr lächelnd zuflüsterte: „Du hast doch gar keinen Grund, dich zu schämen. Mit so einem fantastischen Körper kannst du stolz vor jedem Mann stehen.“ Im Anschluss fügte er noch hinzu: „Vor allem wenn es einer in meinem Alter ist.“
Mit einer eindeutigen Geste bat er nun Sabrina, sich zur Liege zu begeben. „Jetzt mache ich noch ganz schnell ein EKG und das war es dann“. Es lag etwas Beruhigendes in seiner Stimme, jedoch Sabrina hatte leichte Bedenken. Ob das wirklich so schnell gehen wird? Auch der Versuch des Doktors, ihr mit dem Tätscheln der Wangen die Aufregung zu nehmen, schlug völlig ins Gegenteil um. Ihr Gesicht glühte jetzt noch mehr als zuvor, zumal sie ständig spürte, wie Doktor Wendt sie musterte. Er ließ sie keinen Augenblick aus den Augen. Als sie sich auf die Liege legte, verfolgte er aufmerksam jede ihrer Bewegungen. Es entzückte ihn sichtlich, zuzuschauen, wie ihre großen Brüste beim Hinlegen hin und her schaukelten. Auch wenn er versuchte, sich das nicht anmerken zu lassen, so registrierte Sabrina jeden Blick von ihm. Unter einer kleinen Untersuchung, von der der Doktor immer sprach, hatte sie sich eigentlich etwas anderes vorgestellt. Aber unterschwellig breitete sich bei ihr beharrlich dieses andere Gefühl aus, das sie so bisher noch nie erfahren hatte und das sie zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht hätte beschreiben können. Irgendwie wurde sie den Eindruck nicht los, dass dieser alte Doktor völlig auf sie abgefahren war, vor allem, nachdem er ihren nackten Körper gesehen hatte. Diese Gedanken lösten trotz des Schamgefühls ein noch nie da gewesenes lustvolles Gefühl in ihr aus. Eine gewisse Neugier auf etwas noch nicht Absehbares ließ sie diese Untersuchung über sich ergehen zu lassen.
Wieder einmal riss sie die Stimme von Dr. Wendt aus ihren Gedanken, als er ihr andeutete, ihre Arme unter den Kopf zu legen. „Ich werde jetzt die Elektroden für das EKG anlegen“, sagte er. Das Gerät stammte noch aus früheren Zeiten. Die Elektroden baumelten an dünnen Kabeln herum und gaben dem Ganzen ein etwas antiquarisch wirkendes Aussehen. Aber sicher wird es seinen Zweck erfüllen, dachte sich die junge Frau. Der Doktor fummelte eine geraume Zeit damit herum die einzelnen Kabel zu ordnen, ehe er die zehn Elektroden überall an ihrem Körper verteilen konnte. Das Anlegen verrichtete er mit einer akribischen Langsamkeit. Die beiden Letzten befestigte er auf beiden Seiten, direkt unter ihren Brüsten, wobei er diese jeweils etwas anheben musste. Ein sanfter Stich ging dabei durch Sabrinas Körper, als sie spürte, mit welcher Zärtlichkeit er ihre Brüste berührte. Danach musste sie eine ganze Weile so liegen bleiben bis der Drucker das Kardiogramm mit lautem Klappern ausgestoßen hatte.
Während das Gerät lief, stand Dr. Wendt die gesamte Zeit oberhalb der Liege und betrachtete Sabrina. Er konnte sich einfach nicht sattsehen an ihrem aufregend erotisch wirkenden Körper. Als das Gerät zur Ruhe gekommen war, entnahm er die ziemlich lange Papierfahne, faltete sie zusammen und legte sie anschließend Sabrina auf die Beine. Jetzt begann er die Elektroden mit der gleichen langsamen Beflissenheit, wie er sie ihr angelegt hatte, wieder zu entfernen. Auch hierfür hob er sich die beiden unter ihren Brüsten liegenden für den Schluss auf, indem er wieder mit einem sanftmütigen Zartgefühl jede Brust anhob. Als er die Kabel wieder an der Wand neben der Liege verstaute, berührte er wie aus Versehen mit seiner flachen Hand Sabrinas Busen. Es war nur ein kurzer, flüchtiger Griff, aber für den Bruchteil einer Sekunde spürte er dabei in seiner Handfläche, dass ihre Brustwarze wie eine feste Knospe anschwoll. Auch Sabrinas Körper erbebte bei der unerwarteten Berührung ein wenig, was ein sachtes, aber reizvoll anzusehendes Erzittern ihrer üppigen Brüste hervorrief.
Mit einer Genugtuung registrierte es Dr. Wendt, sowie auch, dass die Brustwarze daraufhin einschließlich des rosigen Warzenhofes merklich anschwoll. Er setzte sich neben Sabrina auf die Liege, nahm das Kardiogramm zur Hand, beugte sich leicht über sie und begann ihr ausführlich die darauf erkennbaren Daten zu erklären. Sabrina setzte sich auf, um besser sehen zu können und unwillkürlich berührte dabei eine Brust den Handrücken des Doktors. Beider Blicke trafen sich in diesem Moment, wobei es ihm nicht gelang, vor Sabrina seine Erregung völlig zu verbergen. Ihr wurde es immer offensichtlicher, was eigentlich in ihm vorging und allmählich amüsierte sie dieser Gedanke. Er machte sie sogar neugierig darauf, wie es weitergehen würde. Sie erkannte deutlich die Spannungen, die zwischen dem Arzt und dem Mann herrschten, der neben ihr saß und ihre Scham vor dem Arzt wich zusehends der Erkenntnis, dass dieser Dr. Wendt eben auch nur ein Mann ist, wahrscheinlich aber ein einfühlsamer und sehr gefühlvoller.
Der Doktor war mit seinen Gedanken überhaupt nicht mehr bei der Sache. Es musste jetzt etwas geschehen, dass die entstandene Situation entspannte. Seine Stimme klang zittrig, als er zu Sabrina sagte: „Lege dich bitte noch einmal einen Moment hin.“ Er war sich eigentlich nicht mehr im Klaren, was er jetzt noch tun sollte. All seine Handlungen waren nur die bescheidenen Versuche, die Zeit etwas zu strecken. Nur wie lange würde das gut gehen, bis Sabrina genug von der ganzen Sache hatte. Das durfte auf keinen Fall passieren. Er musste sich jetzt in der Gewalt haben. Wieder stellte er sich neben die Liege und tastete die Beine der jungen Frau ab, die sie leicht auseinandergebreitet hatte. In diesem Moment fiel sein Blick auf ihr lilafarbenes Höschen, das einzige knappe Kleidungsstück, das den letzten Teil des faszinierenden Körpers dieser jungen Frau noch vor den Augen des Arztes verhüllte. Und was für reizvolle Dinge wohl darunter verborgen sein mochten? Dr. Wendt seine Sinne waren kaum noch zu bändigen. Er versuchte sich vorzustellen, was er unter diesem Slip zu sehen bekäme. War sie rasiert oder stark behaart? An den Seiten schaute jedenfalls kein einziges Härchen hervor. Als er abwesend jeder Realität so zwischen ihre Beine starrte, fiel ihm an der unteren Seite des Slips in der Mitte ein Fleck auf. Er mochte vielleicht die Größe eines Daumennagels haben. Ja, es war eindeutig ein nasser Fleck. Zunächst maß er dieser Entdeckung keinerlei Bedeutung bei. Zu sehr war er mit seiner dilettantisch anmutenden Untersuchung beschäftigt, die jederzeit eskalieren konnte. Als er Sabrina wieder ins Gesicht schaute, fühlte er ihren Blick, den er in der gegebenen Situation als äußerst beunruhigend deutete. Vielleicht war das ein Zeichen, schnellstens mit der Untersuchung aufzuhören, bevor er sie damit vollkommen erzürnte. Die Folge wäre gewesen, dass sie ihm kein Vertrauen mehr geschenkt hätte. Eine fürchterliche Vorstellung für einen Arzt, nur weil er sich in die Reize einer Patientin verguckt hatte. Noch dazu eine, die er schon als Kind kannte. Sie hat ihn nach all den vielen Jahren von sich heraus aufgesucht und ihm als ehemaligen Hausarzt der Familie ihr Vertrauen geschenkt. Wie konnte es nur so weit kommen?
