Sie verschwand wie in einem Nebel - Herbert Urlaub - E-Book

Sie verschwand wie in einem Nebel E-Book

Herbert Urlaub

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Beschreibung

Beim Versuch, die Vergangenheit seines Vaters in Griechenland zu erhellen, und der Suche nach einer oder zwei möglichen Halbschwestern, die aus einer Liebesaffäre seines Vaters stammen könnten, lernt er tatsächlich zwei reizende junge Frauen kennen, die er beide sehr anziehend findet. Eine ist allerdings seine Halbschwester, in die er sich verliebt und die er später auch heiratet. Nur scheinbar eine Fortsetzung eines vorherigen Romans des Autors, greift "Die Suche nach meiner Schwester" dennoch immer wieder Episoden daraus hervor, um sie in einem neuen Zusammenhang mit den handelnden Personen zu erläutern. Dadurch ergibt sich ein anderer Blickwinkel auf die Verquickung der Schicksale zweier Generationen einer Familie.

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Seitenzahl: 264

Veröffentlichungsjahr: 2022

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Herbert Urlaub

Sie verschwand wie in einem Nebel

Roman

Im Selben Verlag vom Autor erschienen:

Eine griechische Reise

Die Suche nach meiner Schwester

Erinnerungen eines Glückspilzes

Im Karin Fischer Verlag:

Ich denke immer an dich

Copyright: © 2022 Herbert Urlaub

Lektorat: Karola und Dr. Hans Nacken

Umschlag & Satz: Erik Kinting – www.buchlektorat.net

Umschlaghintergrund: Marc Urlaub

Verlag und Druck:

tredition GmbH

Halenreie 40-44

22359 Hamburg

Softcover

978-3-347-62653-9

Hardcover

978-3-347-62654-6

E-Book

978-3-347-62655-3

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek: Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.

Für Krabbelchen

Alles und alle Dinge im Universum beruhen auf einfachen Gesetzmäßigkeiten, und die Götter sind jünger als die Schöpfung. (aus den Veden)

Homer, „Die Odyssee“, Athene zu Telemachos, Odysseus Sohn: „Merke dir eins: die Götter tun nichts für die Menschen, zu dem die Menschen nicht selbst im Stande sind.“

Familie Albrecht hatte eine Einladung zur Einschulung ihrer Tochter Eleni bekommen. Die kleine Leni, so wurde sie im Kindergarten genannt, war gar nicht erfreut, dass sie ihre Freundinnen und Freunde aus der Kindertagesstätte bald verlassen musste. Später würde sich herausstellen, dass sie die meisten von ihnen in der Schule wiedersehen sollte. Aber Haris und ihr Mann Gerd hatten ihr erzählt, wie großartig es werde, wenn sie in die Schule gehen dürfte. Es war ihnen nach und nach gelungen, dass sich Leni auf die Schule freute, auch hatte sie dann von den Kindern in ihrer Tagesstätte gehört, dass sie ebenfalls demnächst in die Schule gingen. Sie war jetzt sechs Jahre alt und war auch schon auf die Schultauglichkeit hin untersucht worden. Daher konnte Eleni es kaum erwarten, mit ihrer Mutter zu der Einschulung zu gehen.

Haris Albrecht hatte alle Unterlagen, die für die Einschulung benötigt wurden, fein säuberlich in einem Klemmhefter zusammengestellt. Da sie alleine mit Eleni zu der genannten Schule ging, hatte sie auch eine Vollmacht ihres Mannes Gerd Albrecht dabei. Gerd war in seiner Firma und war froh, dass ihm Haris, wie auch in vielen anderen Dingen, Mühen und Arbeit abnahm. Für Haris war es kein Problem, Leni an dem genannten Termin einzuschulen, denn der kleinen Bruder Giorgos war in der Kindertagesstätte. So benötigte sie niemanden, der auf ihn aufpasste.

Haris, gebürtige Griechin und in Athen aufgewachsen, machte sich keine Gedanken, dass irgendetwas schief laufen könnte. Sie war zuversichtlich, dass alles gut gehe, denn sie hatte sich gründlich vorbereitet und sprach inzwischen fließend und akzentfrei Deutsch.

Bei der Grundschule angekommen, musste sie noch etwas warten, da noch ein Elternpaar mit ihrem Kind vor ihr in der Besprechung war.

Die Schule war an der Peripherie der Stadt in einem Neubaugebiet gelegen. Unweit der Schule waren Felder und Wiesen, auf denen Kühe grasten. In Sichtweite gab es auch kleine Wäldchen. Die Vorstadt, obgleich ländlich gelegen, bot jedoch alle Annehmlichkeiten und hatte eine gute Infrastruktur mit Verkehrsanbindung zur Innenstadt. Es gab dort Supermärkte, Bäckereien und Restaurants und ganz wichtig Ärzte. Aber was entscheidend war, und der Hauptgrund, warum die kleine Familie Albrecht hier ein Haus gekauft hatte, weil es hier weniger Autoverkehr gab, und die Kinder ohne Gefahr draußen spielen konnten. Und das musste rechtzeitig überlegt sein, zusätzlich zu der Entfernung zur nahen, in fünfzehn Gehminuten entfernten Schule. Haris erinnerte sich noch sehr lebhaft daran, wie sie und Gerd zusammen mit den Kindern das Haus besichtigt hatten. Die Kinder rannten aufgeregt durch die zwei Stockwerke herauf und herunter und bis unter das Dachgeschoss. Nachdem sie das Haus und dessen Zustand sehr genau untersucht hatten, waren sie recht zufrieden, obwohl doch noch einige Ausgaben für Modernisierungen auf sie zukommen würden. Als sie dann zum Wagen zurückgingen und die Kinder gerufen hatten, blieb Gerd auf dem Weg durch den Garten noch einmal stehen: „Schau einmal Liebes, was wir Schönes aus dem Garten machen könnten?“

Bevor er noch ganz zu Ende sprechen konnte, unterbrach ihn Haris: „Du glaubst doch nicht allen Ernstes, dass du dieses schöne Stück Erde mit deinen Pflanzenexperimenten verschandeln darfst! Ich bin schließlich vom Fach und werde die Gestaltung dieses Gartens federführend übernehmen. Du darfst mir deine Wünsche gerne mitteilen, und wenn sie sich organisch in ein großes Ganzes einfügen, kannst du dann dort auch vielleicht deine Pflanzen unterbringen.“ Dabei knuffte sie ihren Mann unter den begeisterten Rufen und Lachen der Kinder: „Hau Papa nicht! Hau Papa nicht!“ Haris nahm Gerd unter den Arm und beide hatten je ein Kind an der Hand. Und wie es sich gehört hatte Papas Liebling Eleni an der Hand und Haris klein Giorgos. Zusammen rannten sie den kurzen Gartenweg bis zum Auto. Angekommen und eingestiegen meinte Gerd, wie ganz nebenbei, dass er sich fragte, ob es in der Nähe vielleicht eine Eisdiele gäbe! Haris musste die Hurrarufe der Kinder etwas dämpfen, aber auch sie erinnerte sich immer wieder gerne an diesen Tag, als sie dieses schöne Zuhause gefunden hatten. Schließlich kauften sie das Haus von ihrer Bank zu günstigen Konditionen, rechtzeitig bevor Eleni eingeschult wurde, und sie genügend Zeit hatten, sich häuslich einzurichten.

Als Haris und Eleni endlich an der Reihe waren, wurden sie von einer Dame mittleren Alters, die sich als die Schulleiterin Frau Schulte vorstellte, zur Besprechung der Schulanmeldung in ihr Büro gebeten. Man bat sie vor dem Schreibtisch Platz zu nehmen. Dann stellte sich Haris vor und reichte der Schulleiterin auf Nachfrage, ob sie alle notwendigen Dokumente dabei habe, ihren Dokumentenordner. Nach einem kurzen Blick auf die Einladung, bat die Dame Eleni anlächelnd, die Kleine zu sich heran und fragte sie, wer sie sei. Die Frage zielte natürlich darauf ab, heraus zu finden, wie weit das Kind sprachlich entwickelt war. Diese Prüfung bestand die Kleine mit Bravour.

Die Schulleiterin wandte sich Haris zu, wobei sie schnell die ersten Seiten der Dokumentensammlung durchblätterte. Dann, nach einer Weile blickte sie auf: „Sie sind Griechin, Frau Albrecht? Ihr Mädchenname ist Chariklia Chrisanthopoulos und wie ich sehe, ist unsere kleine Eleni entsprechend der Geburtsurkunde nicht ihr leibliches Kind, sondern von ihnen und ihrem Mann Gerd Albrecht adoptiert. Die Mutter Sotiria Petridis hat den Mädchenname, wie sie Chrisanthopoulos. Nur zur Information, war Frau Sotiria Peritridis eine Verwandte von Ihnen?“

„Lassen Sie mich bitte der Reihe nach Ihre Fragen beantworten, Frau Schulte. Ich wurde in Griechenland in Athen geboren und habe dort später meinen Mann kennen gelernt. Nach meiner Übersiedelung nach Deutschland zu meinem Mann, habe ich nach der entsprechenden Wartezeit die Deutsche Staatsbürgerschaft erworben. Sotiria Petridis war meine Schwester. Sie und ihr Mann, Timótheos Peritridis, die leiblichen Eltern des Kindes, starben an den Folgen eines Autounfalls. Ich als die Patin des einen Kindes, und da es keine weiteren Angehörigen gab, die in Frage kamen, habe dann zusammen mit meinem Mann den Kleinen und seine Schwester an Kindes statt angenommen.“

„Letzteres, Frau Albrecht, nötigt mir Hochachtung ab. Wie ich sehen kann, sind Ihre Unterlagen vollständig. Der Schuluntersuchung und meinem Eindruck nach, steht der Einschulung Ihrer Tochter nichts entgegen“, dabei schaute die Schulleiterin in Richtung des Mädchens und fragte sie, ob sie sich darauf freute, demnächst wieder zu kommen und dann als Schülerin der ersten Klasse. Als Antwort leuchtete Elenis Gesicht und sie nickte nur.

„Nun gut Frau Albrecht, dann sehen wir uns zum vereinbarten Termin wieder, und vielleicht kann dann auch Herr Albrecht mitkommen. Lassen Sie mich bitte noch mit allem nötigen Respekt sagen, dass Sie und Ihre Tochter ein ausgezeichnetes und akzentfreies Deutsch sprechen. Das mit Ihrer Schwester Sotiria und ihrem Mann tut mir leid.“

Haris bedankte sich für das Kompliment und dachte, dass Leni in dieser Schule gut aufgehoben sein werde. Man verabschiedete sich, und Eleni hatte bei den letzten Bemerkungen von Frau Schulte zwischen ihnen hin und her geschaut. Kaum vor der Schule auf dem Schulhof angekommen, konnte das Mädchen nicht mehr an sich halten und es brach aus ihr heraus: „Mama, wer ist diese Sotiria? Du hast mir einmal erzählt, sie war deine Schwester. Wieso bist du nicht meine Mutter?“

Mit der Kleinen an der Hand steuerte Haris eine der Bänke an, die entlang der Schulmauer aufgestellt waren. Sie setzten sich. Das Bild ihrer Schwester stieg vor ihrem geistigen Auge in ihr auf. Sie brauchte eine Weile, um sich zu fassen, denn so oft wie gerade vorhin hatte sie den Namen „Sotiria“, genannt Roúla, schon lange nicht mehr erwähnt gehört. Zunächst sah sie sie, wie auf dem Bild, das in ihrem Zimmer im Bücherregal stand, und dass sie täglich anschaute. Dann, wie auch wenn sie oft vor dem Bild stand, sagte sie leise Sotiria. Dann aber, als Eleni ihre Frage: „Mama, wer ist denn diese Sotiria?“, wiederholte, war es als ob Roúla sich umdrehte und sich langsam durch eine Wiese gehend entfernte und sie verschwand wie in einem Nebel. Wie immer dem auch gewesen sei, das Bild ihrer Schwester verschwand vor ihren Augen – und wenn auch nur ein Tränenschleier, der Erinnerung geschuldet, ihren Blick trübte.

Das Mädchen und Haris standen auf, nachdem sich Haris gefasst hatte und die Kleine bei der Hand nahm: „Zu Hause werde ich dir erzählen, wer Sotiria wirklich war und was es damit auf sich hat, was die Dame meinte, als sie das mit der Mutter erwähnte. Du hast ein Recht darauf. Du bist jetzt schon groß und ein Schulkind und kannst das verstehen, was ich dir erzählen werde.“ Sie fuhr fort, das Bild der sich entfernenden Schwester noch vor Augen: „Sotiria war meine geliebte Schwester und deine leibliche Mutter. Ich werde dir über Sotirias tragisches Schicksal erzählen, und wie sie uns verlassen musste. Und, was wichtig ist, wie du und dein Bruder Giorgos unsere Kinder geworden seid.“

Nach dem Gesagten beeilte sie sich, mit dem Kind nach Hause zu gehen, denn auf der Straße mochte sie nicht über ihre Schwester sprechen.

Zuhause angekommen machte sie sich zunächst einen Kaffee und für die Kinder etwas zu essen. Danach bat sie Eleni zu sich, und gemeinsam setzten sie sich in der Wohnstube nebeneinander auf das Sofa. Haris nahm Elenis Hand in die ihre und dachte darüber nach, wie sie es beginnen sollte, der Kleinen ihre und der Familie ganze Geschichte zu erzählen.

Alles, was sie und Sotiria einerseits und sie und ihren Mann Gerd andererseits betraf, würde sie dem Kind natürlich nicht erzählen. So schmerzlich und traumatisch der Verlust der geliebten Schwester auch gewesen war, so sah sie Sotirias Unglück als ein Opfer für sich an. Durch ihren Tod hatten sie und ihr Mann doch noch Kinder bekommen, die sie nicht haben sollten, und wenn es nach Gesetz und Moral ginge, nicht haben durfte.

Haris erinnerte sich, dass ihre Schwester Sotiria ihr gestanden hatte, sie wäre gerne die Frau an Gerd Albrechts Seite geworden. Ihre Schwester hatte ihr erzählt, dass im entscheidenden Moment, nachdem Gerd sie beide verließ, sie es ihm einfach nicht hatte sagen können, als sie ihn zur Tür begleitete. Auch nachdem sie sich längst gesammelt und den Schock überwunden hatte, dass sie ihn verlöre, als sie zusammen auf dem Weg zum Flughafen waren, brachte sie es nicht fertig, ihm ihre Liebe zu gestehen. Erst später, nachdem Gerd schon vor einiger Zeit abgereist war, die Schwestern zusammen saßen und sich über ihr Verhalten gegenüber dem Geliebten unterhielten, war Sotiria klar geworden, dass sie ihn da schon nicht mehr für sich hätte gewinnen können. Sie würde über die Trennung hinweg kommen und eine eine neue Liebe finden, was ihr auch gelungen war. Einige wenige glückliche Jahre werden ihr beschieden sein. Ihr Glück schien vollkommen, als sie zu ihrer Tochter einen Sohn Giorgos erwartete. Am Tage der Geburt des Sohnes ereignete sich die größte Tragödie ihres Lebens. Ihr Mann wurde ihr durch einen Unfall auf dem Weg zur Klinik gekommen. Die Geburt des Kindes erlebte sie gerade noch, um es in die Obhut ihrer Schwester geben zu können – dann verstarb auch sie an den Folgen des Unfalls. Ihre zwei reizenden Kinder, Giorgos und Eleni, konnte sie nicht aufwachsen sehen, denn sie würden einst bei ihrer Schwester und deren Mann und Halbbruder, ihrer ehemals großen Liebe, wie ihre eigenen Kinder aufwachsen.

Gerds Suche nach seinen Schwestern

Gerd Albrechts Vater Erich war nach langer Krankheit, die er zumeist im Koma im Krankenhaus verbracht hatte, verstorben. In wenigen wachen Stunden hatte er allerdings seinem Sohn einige Dinge erzählt, die ihn nach dem Tode seines Vaters nicht mehr zur Ruhe kommen lassen wollten. Unter anderem hatte Gerd zunächst nur geglaubt, dass ihm der Vater anvertraut hätte, er habe eine oder vielleicht sogar zwei Halbschwestern. Dann aber, nachdem er über vieles, was der Vater erzählt hatte, intensiver nachgedacht hatte und glaubte ins Reich der Träume verweisen zu können, half ihm ein merkwürdiger Zufall, sich an die Geschichte mit den Halbschwestern zu erinnern.

Als er bei einer Flugreise an die Reihe zum Einchecken kam, wurde er an einen Schalter mit einer jungen hübschen Frau gewunken. Schwarzes welliges Haar bis auf die Schultern und dunklen Augen in einem leicht ovalen Gesicht mit einem dunklen Teint. Um den Hals trug sie ein gelbes Seidentuch, das einen schönen Kontrast zu ihrem Gesicht bildete. Beim Nähertreten dachte der wie üblich ein wenig abwertend: „Ach ein hübsches Ölauge“, was für ihn synonym für Menschen meist aus Nahost war. Wie er der jungen Frau am Schalter sein Ticket und Personalausweis herüberreichte, fiel sein Blick auf ihr Namensschild. Da stand Haroula Varthakouris. Die Erinnerung durchfuhr ihn schlagartig „Roúla“ war einer der Namen gewesen, die sein Vater im Zusammenhang mit einer möglichen Halbschwester genannt hatte. Noch wusste er nicht, würde es aber bald in Athen erfahren, dass eine Haroula auch Haris genannt wurde. Er musste vielleicht ein wenig zu lange auf ihr Namensschild geschaut haben, so dass sie annahm, er starrte ihr auf die Brust, weshalb sie spontan mit einer Hand ihren Blusenausschnitt bedeckte, obgleich sie ein Halstuch trug.

Erst als sie ein wenig spitz fragte: „Haben Sie ein Problem, kann ich ihnen helfen?“, kam er aus seinen Gedanken wieder voll zu sich.

„Nein, nein, ich bitte Sie. Entschuldigen Sie, ich war mit meinen Gedanken ganz woanders. Es ist nur so, ich habe auf ihrem Namensschild ihren Namen gelesen. Sie haben einen wunderschönen Namen und er steht ihnen gut. Ich mag nicht aufdringlich sein, aber er passt zu ihnen. Haroula oder Charoula ist eine Ableitung von Charikleia, also eine Zusammensetzung aus Charis, gleich bedeutend mit Schönheit und Anmut und Kleos heißt Ruhm. Außerdem erinnert mich ihr Nachname an jemanden!“

„Woher wissen sie so etwas, und an was oder wen, bitte, hat sie mein Name erinnert?“

Gerd war nicht entgangen, dass sie leicht rot wurde, und er schaute ihr in die Augen und dachte, es wäre schön sie wieder zu treffen, aber dann besann er sich: „Nun, man muss das nicht wissen, aber ich weiß es eben. Ich habe vor langer Zeit Altgriechisch gelernt. Darf ich Sie fragen, ob Sie Griechin sind?“

„Ja, schon. Was hat das mit ihrem Problem zu tun?“

„Noch einmal. Ich habe kein Problem!“, sagte Gerd mit Nachdruck und schaute ihr ein wenig trotzig in die Augen: „Der Name Varthakouris ist mir geläufig, weil ich griechische Musik mag und viele Lieder von Giannis Parios, der eigentlich Ioannis Varthakouris heißt, kenne. Übrigens ist Kokkino garifalo/Rote Nelke) eines meiner Lieblingslieder, wenn er es zusammen mit Haris Alexeiou singt.“

Ein strahlendes Lächeln breitete sich darauf auf ihrem Gesicht aus: „Das passiert nicht oft und ist eigentlich noch nie in Deutschland geschehen, dass jemand den Namen kannte. Er ist nämlich mein Onkel. Natürlich wussten sie dann auch, dass Haris Alexeious Vorname eine Kurzform von Chariklia und davon wiederum der Rufname Haroula ist.“

Ich hätte mich sehr gern weiter mit ihr unterhalten und ihr auch erklärt, warum mich ihr Name plötzlich wieder an eine Unterhaltung mit meinem Vater erinnert hatte, in der er den Namen „Roúla“ erwähnte“, erinnerte sich Gerd, aber die Zeit drängte und ihre Kollegin am Nachbarschalter hatte schon ein paar Mal zu ihnen herüber geschaut. Er bedankte und verabschiedet sich von der netten jungen Frau, die ihm ebenfalls noch einen schönen Tag und eine gute Reise wünschte, nachdem er seinen Personalausweis, Ticket und Boarding Card erhalten hatte.

Hatte Gerd bis dahin nur halbherzig den Entschluss gefasst, sich nach seiner Halbschwester auf die Suche zu machen. Doch dann verspürte er nun eine gewisse Unruhe, der Sache auf den Grund zu gehen. Er musste herausfinden, was es mit den vagen Ausführungen seines Vaters auf sich hatte, und war schließlich auf die Ergebnisse der Suche gespannt, die ihn nach Athen führten.

Die Entwicklungen, die ihn auf der Reise nach der Vergangenheit seines Vaters, und seiner Suche nach einer oder zwei möglichen Halbschwestern aufwühlend umtreiben, sollen an dieser Stelle noch zurückgestellt werden. Eine wunderbare aber auch teilweise emotional belastende Auseinandersetzung mit der Liebe und ihren unterschiedlichen Facetten wird das Ergebnis dieser Suche werden.

Schon bald nach seiner Ankunft in Athen, auf der Suche nach der Vergangenheit seines Vaters, wird Gerd fündig. Glücklicherweise war er mit seinem Vater seit seiner Kindheit des öfteren nach Athen gereist und konnte sich an Wohnorte von Bekannten erinnern, die sie auch unter anderen zusammen besucht hatten, da die Suche nach Namen im Telefonbuch zu keinem Ergebnis geführt hatte. Er lernt zwei reizende junge Frauen, Schwestern, kennen, von denen eine möglicherweise seine Halbschwester ist. Die eine fasziniert ihn mit ihrer extrovertierten, lebensfrohen und direkten Art, mit der sie dem bis dahin unbekannten Besucher aus Deutschland näher kommt, und ihn regelrecht in ihren Bann zieht. Die andere, ihre Schwester, ganz ähnlich anziehend, doch in ihrem Wesen behutsamer, berührt ihn auf ähnliche, bedachtsame Weise.

Die einzige Person, die ihm gesicherte Auskunft darüber geben könnte, ob er eine Halbschwester hätte und wer sie sein könnte, ist die Mutter der beiden Schwestern, namens Eleni . Sie hatte wohl mit seinem Vater ein Liebesverhältnis gehabt. Sie liegt allerdings im Krankenhaus und ist nicht ansprechbar, wie sich herausstellt, als er sie endlich gefunden hatte. Er verbringt die Zeit in Athen abwechselnd mit je einer der Schwestern, die er mehr oder weniger durch Zufall bei seiner Suche in Athen kennen gelernt hatte. Immer aber hat er die Hoffnung, Näheres über seines Vaters Vergangenheit in Erfahrung bringen zu können. Er bemerkt dabei nicht, dass zwischen ihnen bald mehr als nur geschwisterliche Liebe und Nähe entsteht. Beide Frauen verlieben sich in ihn, und umgekehrt verliebt auch er sich in sie, ohne sich darüber im Klaren zu sein, dass er sich dabei eventuell in seine Halbschwester verliebt haben könnte. Gerd hat es nicht eilig herauszufinden, wer denn seine Halbschwester sei und genießt die Zeit, die er mit den beiden attraktiven jungen Frauen verbringt. Die Aufmerksamkeit, die ihm von den Frauen entgegen gebracht wird, ebenso auch die an Bewunderung grenzende Anerkennung seiner Bildung und seines Wissens um die griechische Kultur, tut ihm gut. Als endlich die Mutter der beiden Frauen aus dem Krankenhaus entlassen wurde und ansprechbar ist, wird er durch eine der Schwestern zu einer Besprechung eingeladen, bei der auch beide Schwestern anwesend sind.

Eleni und Gerd sprechen sich aus

Eleni, die Mutter, hatte natürlich von ihren Töchtern erfahren, dass ein Deutscher sich nach ihr erkundigt hatte. Beiden Schwestern hatte er auf ihren Fragen hin, nie schlüssig erklärte, warum er wahrscheinlich nach Athen gekommen war und sich nach ihrer Mutter erkundigte.

Bei dieser Zusammenkunft drängt sie ihn dazu, zu erklären, nachdem die Schwestern von ihr fortgeschickt worden waren, um Kaffee zu bereiten, warum er nach Athen gekommen sei, die Bekanntschaft der Schwestern gesucht und sich nach ihr selber zu erkundigt habe. Sie hatte geahnt, warum Gerd nach Athen gekommen war, sie gesucht hat und mit ihr sprechen wollte. Spätestens nachdem beide Töchter ihr berichtet hatten, der deutsche Besucher wollte sich mit ihr treffen. Es war den jungen Frauen nicht in den Sinn gekommen, gegenüber ihrer Mutter Gerds Nachnamen zu erwähnen! Woher kannte er überhaupt ihren Namen, fragte sie sich? Wenn sie Gerd ansah, erfasste sie eine Unruhe, die sie sich zunächst nicht erklären konnte. Ihr Unterbewusstsein registrierte, was ihr an Gerd bekannt vorkam – er sah seinem Vater nicht nur ähnlich, sondern wie aus dem Gesicht geschnitten. Gerd kommt ohne Umschweife darauf zu sprechen, dass sein Vater verstorben sei und ihm erzählt habe, er hätte möglicherweise eine griechische Halbschwester. Bei seinen Recherchen sei von Freunden des Vaters die Vermutung geäußert worden, sein Vater habe möglicherweise in Athen mit einer Frau Namens Eleni ein Liebesverhältnis gehabt. Der Name Eleni war ihm bekannt und war öfter bei ihren Besuchen in Athen, wenn nicht von seinem Vater, so doch von seinem guten Freund Giorgos genannt worden. Seinem begrenzten Wissen nach, war eine Eleni die Frau des Freundes gewesen. Er Gerd, hätte allerdings die Besuche, zusammen mit seinem Vater in Athen, nie in Verbindung mit einer Liaison seines Vaters mit ihr gebracht.

Da brach es aus Eleni heraus, und sie gestand Gerd, dass sie und sein Vater sich geliebt hatten. Aber er hatte sie verlassen und schwanger zurück gelassen. Sie hatte verstehen gekonnt, dass in Griechenland ihre Liebe zu dem Zeitpunkt keine Zukunft gehabt hätte oder zumindest schwierig gewesen wäre. Dennoch hatte sie erwartet, er würde insistieren mit ihr zu kommen und mit ihm eine Zukunft in Deutschland aufzubauen, obwohl sie ein Unbehagen bei dem Gedanken erfasste, in das ihrer Meinung nach kalte Deutschland ziehen zu müssen. Selbst wenn er ihr wiederholt angeboten und Zeit gelassen hätte, sich zu entscheiden, mit ihm nach Deutschland zu ziehen, wäre sie eventuell nicht auf das Anerbieten eingegangen. Aber das war so lange her und die Gedanken daran wurden mit der Zeit immer unklarer. Sie hatte es jedenfalls so empfunden, dass Erich statt dessen kopflos vor der Verantwortung davon gerannt sei. Sein Argument war gewesen, so hatte sie es verstanden, dass er sich mit drei Kindern überfordert sah, wenn er in Griechenland bliebe, obwohl zumindest der Sohn Alexandros beim Vater geblieben wäre. Er hatte Sorgen, nicht zu wissen, wovon sie leben sollten. Aber es gab auch schon klein Sotiria und nun sollte dann noch ein Kind hinzu kommen. Sie hatte gebettelt, dass er trotz aller möglichen Widrigkeiten bei ihr in Griechenland bliebe, aber es hatte nichts genützt.

Ja, man habe sich immer wiedergesehen, wenn er in Athen war und sie hatten oft mit einander telefoniert, denn die Zeit hatte die Wunden verheilen lassen. Natürlich gehörten zu einer Liebe immer zwei, aber als er sie verließ, sei ihr fast das Herz gebrochen, wohl wissend, es gab damals nur eine ungewisse Zukunft für sie zusammen in Griechenland. Nun käme er daher und brächte neuen Unfrieden und emotionales Chaos über die Familie. Mehr ahnend als wissend, glaubte sie, ihr Töchter könnten sich in den Sohn ihres ehemaligen Geliebten verliebt haben. Noch wusste sie nicht, dass es sich so verhält, aber ihre Tochter Haris und ihr Halbbruder unsterblich in einander verliebt sind.

Als die Schwestern mit Kaffee und Tassen zurückkommen, finden sie ihr Mutter von Weinkrämpfen geschüttelt vor. Nachdem sie sich ein wenig gefasst hatte, erklärte sie ihnen, warum Gerd nach Athen gekommen war – er hatte herausfinden wollen, ob er eine Schwester in Griechenland habe. Nun war er hier in Athen auf der Suche nach einer Halbschwester. Und sie gesteht Haris, dass sie einen deutschen Vater hat, und dass dieser Besucher ihr Halbbruder ist.

Als Gerd und eine der Schwestern, Haris, schließlich nun Gewissheit haben, dass sie Halbgeschwister und sich bewusst sind, dass sie sich lieben, bricht für sie beinahe eine Welt zusammen. Beide wissen jedoch noch nicht, dass sich auch Haris Schwester, Sotiria, in Gerd verliebt hatte. Wenn dies zusätzlich noch herauskommt, ist die emotionale Katastrophe da! Die Schwestern hatten sich aus den verschiedensten Gründen nicht darüber unterhalten, was sie mit Gerd während seines Aufenthaltes in Athen mit ihm separat unternommen hatten. Gerd verzagt an der unmöglichen Liebe und glaubte in der Situation keine andere Lösung zu kennen, als sie so schnell wie möglich zu verlassen, aber auch seine neuen Verwandten legen ihm nahe, sie erst einmal in Ruhe zu lassen. Er trifft sich dennoch ein letztes Mal mit Haris, seiner Halbschwester, bevor er endgültig Abschied nimmt,. Jetzt wo der Abschied kommt, weiß er, dass es nur Haris ist, in die er sich wirklich verliebt hat. Der Abschied ist süßlich schmerzlich, und sie fühlen sich nach der relativ kurzen Zeit, die sie sich nun kennen, unglaublich nahe. Es kommt zum ersten Mal zum Austausch von unschuldigen Zärtlichkeiten zwischen Gerd und Haris. Sie liegen sich verzweifelt in den Armen, das einzige, was ihnen für einige Zeit als Erinnerung bleibt.

Eleni erinnert sich an Gerds Vater

Eleni, nun von den Töchtern wieder allein gelassen, blieb noch eine Weile im Garten sitzen und erinnerte sich an ihren Geliebten aus Deutschland, und wie letztlich alles seinen Anfang nahm. „Gütiger Gott“, dachte sie, als sie die Vergangenheit Revue passieren ließ. „Muss sich die Geschichte wiederholen? Lastet auf unserer Familie ein Fluch? Schlimm genug, dass ich um meine große Liebe letztendlich betrogen wurde. Alles was mir von dieser Liebe blieb, ist mein geliebtes Kind Haris. Soll sie mir jetzt auch noch genommen werden, wenn nicht von ihrem Vater, dann von seinem Sohn? An die ersten Begegnungen und das Kennenlernen von Haris Vater erinnerte sich Eleni noch sehr genau. Auch wenn sie es damals nicht wahrhaben wollte, waren sie sich von Anfang an mehr als nur sympathisch, – es knisterte zwischen ihnen. Vielen Griechen war die große Hungersnot noch in Erinnerung. Auch wurde sie mit den Deutschen und Italienern in Verbindung gebracht, sodass, wenn nicht gerade noch ein Hass auf sie bestand, sie immer noch bei den einfachen Griechen einen schlechten Ruf hatten. Durch den Tourismus waren natürlich schon viele Deutsche ins Land gekommen, aber auch die im Rahmen der Nato vorübergehend im Land stationierten deutschen Armeeangehörigen hatten mit dazu beigetragen, dass sich die Einstellungen langsam wandelten. Die Familie Chrisanthopoulos erfreute sich eines gewissen Wohlstandes und hatte unweit des Yachthafens von Faliro eine schöne zweistöckige Villa mit großem Garten und Blick aufs Meer erworben. Giorgos Chrisanthopoulos war als Geschäftsmann im Import und Export von Wirtschaftsgütern aller Art tätig. Was das Haus besonders machte, war die Lage und ins uferlose gestiegenen Grundstückspreise. So stand die Villa der Familie viel später eingerahmt von mehrstöckigen Investitionsobjekten mit Ferienwohnungen, aber zunächst noch für sich alleine an einer Straßenecke. Auf drei Seiten durch hohe Bäume und Hecken war das Haus, und vor allen Dingen der Garten, vor neugierigen Blicken abgeschirmt. Der Garten war Elenis ganzer Stolz. Mit viel Liebe hatte sie Blumenbeete mit Wildblumen angelegt, die das ganze Jahr durch alle Jahreszeiten ihre Blütenpracht entfalteten, sondern auch einen intensiven, feinen Duft verströmten. Die Zitronen- und Orangenbäume, von denen einige Bitterorangen waren, säumten den Weg entlang des Eingangs vom Gartentor zum Haus, verzauberten ebenso den Garten mit ihren grünen, gelben und orangenen Farben und dem schweren Duft ihrer Blüten. Dem unvoreingenommenen Besucher wäre sicherlich nicht besonders der exotische Duft der buschig gewachsenen Feigen aufgefallen, die auf den Rasenflächen links und rechts hinter Gartentor standen. In den Gedanken griff Eleni vor, denn einige Zeit später hatte eine neue Hausbewohnerin und später auch Freundin, Ellena, sofort beim Eintritt in den Garten den Duft als ähnlich dem Parfum „Philosykos“ wahrgenommen. Ein exklusives Parfum aus Extrakten der Blüten und Blätter mancher Feigen. Nicht alle Feigen dufteten, aber Eleni hat sorgfältig Arten ausgesucht, die einen feinen Duft ausströmten und Früchte trugen.

Das Haus war ursprünglich so am Meer auf festem Grund gebaut worden, dass zwar noch eine Straße hinter dem Sandstrand verlief, aber freie Sicht auf das Meer bot. Um nun das Meer gut sehen zu können, musste man allerdings auf den großen Balkon im zweiten Stock treten, um über die vierspurige Schnellstraße hinwegsehen zu können, die entlang der Küste bis hinunter an die Spitze Attikas, nach Kap Sounion führte. Als jedoch im Land die Arbeitslosigkeit recht hoch war, die Inflation stieg, gingen Giorgos Geschäfte stetig schlechter. Allmählich musste man auf Reserven zurückgreifen, alleine um die hohen Grundsteuern bezahlen zu können. Mieteinkünfte gab es auch keine schon seit einiger Zeit mehr, weil die Familie, die im ersten Stockwerk gewohnt hatten, ausgezogen waren, da sie die Miete nicht mehr bezahlen konnten. Die Familie Chrisanthopoulos stand vor einem Dilemma: sollten sie das Haus verkaufen und mit den zwei Kindern in eine kleinere Wohnung ziehen? Aber zu dem Zeitpunkt wäre das Haus nur mit einem beträchtlichen Verlust zu verkaufen gewesen, oder aber sollten sie versuchen, neue gut zahlende Mieter zu finden. Also entschloss sich die Familie in den ersten Stock zu ziehen und eine Annonce in einigen Zeitungen auf zu geben, dass eine schöne, geräumige Wohnung mit Garten und Meerblick zu vermieten sei. Am Gitter zur Straße hin, hatten sie auch ein Schild angebracht, dass eine Wohnung zu vermieten sei. Unglücklicherweise gab es auch nach fünf Wochen noch keine ernst zu nehmende Resonanz auf die Anzeige. Wie so oft kam der Familie der Zufall zur Hilfe. An einem schönen Sommertag saß das Ehepaar mit dem kleinen Alexandros in seinem Kinderstuhl beim Mittagessen im Garten. Da hörten sie, wie sich an der Gartenhecke zur Straße hin, einige Menschen unterhielten. Es handelte sich um eine Gruppe junger Männer, die über die Hecke schauten sich über das Haus unterhielten. Giorgos, der ja fließend Deutsch in einem Internat in Bayern gelernt hatte, stellte fest, dass es sich um Deutsche handelte. So viel er verstehen konnte, war ihr Haus und der schöne Garten Gegenstand der Unterhaltung. Giorgos stand vom Tisch auf, ging zum Gartentor und begrüßte die jungen Männer, die Uniformen trugen, auf Deutsch: „Einen schönen guten Tag die Herren. Kann ich Ihnen behilflich sein?“

Die Männer schauten sich erstaunt an und dann antwortete einer von ihnen: „Ich wünsche Ihnen auch einen guten Tag. Ja, eventuell können Sie uns behilflich sein. Wenn sie mir aber zunächst die Bemerkung gestatten: Sie sprechen sehr gut Deutsch.“

Giorgos rang sich ein Lächeln ab und erwiderte nur: „Erstaunt Sie es, dass ein Grieche gut Deutsch sprechen kann? Ich habe Deutsch in Deutschland im Internat gelernt. Aber um auf meine Frage zurück zu kommen, kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“

„Wir sind hier zum Baden ans Meer gekommen und da wir eine Wohnung suchen, haben wir uns nur gefragt, wie man an so ein schönes Haus kommt, das dann auch noch am Meer liegt“, entgegnete der junge Mann.

Giorgos amüsierte diese Unterhaltung: „Man sucht, wenn man sich so etwas wünscht, findet es und kauft es.“

„Sie haben mich falsch verstanden. Ich meinte, ob es solche Häuser, beziehungsweise Wohnungen in diesen Häusern hier in Faliro am Meer zu mieten gibt?“, kam als Antwort.

„Suchen Sie denn eine Wohnung?“, und Giorgos dachte schon, dass ihm der Himmel die Männer geschickt haben könnte. Und, bescheuerter könnte eigentlich keine Unterhaltung über die Gartenhecke hinweg sein. „Da hängt ein Schild am Tor, da gleich wo Sie stehen. Wir haben eine schöne Wohnung hier im Erdgeschoss mit Gartenbenutzung mit vier Zimmern, zwei Bädern und eine Gästetoilette, Wohnküche, Keller und eine Waschküche zu vermieten. Übrigens“, fügte er hinzu, „ die Wohnung hat zwei separate Eingänge.“

„Kann man sich die mal anschauen? Ist die Wohnung möbliert? Wir sind zu zweit, die suchen, aber es wird kein Problem sein, unter unseren Kameraden noch eine dritte Person zu finden, die interessiert wäre, mit einzuziehen. Wir würden sie gerne nehmen, aber für zwei Personen wäre sie ein bisschen sehr groß. Wäre das ein Problem für Sie, wenn wir zu dritt einzögen?“

„Nein, überhaupt nicht, aber kommen Sie doch herein und schauen sich die Wohnung an“, Giorgos öffnete das Tor und bat die Männer herein: „Wir heißen übrigens Chrisanthopoulos und ich bin Giorgios und der Eigentümer dieses Hauses. Kommen Sie herein, bitte.“