Sie wollte leben, einfach nur leben... - Alfred Kachelmann - E-Book

Sie wollte leben, einfach nur leben... E-Book

Alfred Kachelmann

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Beschreibung

Der Autor erzählt in seinem ihm ureigenen Stil die Geschichte dreier Frauen. Frauen, die versuchen den Widrigkeiten des täglichen Lebens zu trotzen. Eigentlich eine ganz normale Geschichte. Eine Geschichte wie sie die Meisten von Ihnen selbst kennen. Ganz einfach die Geschichte dreier Leben. Mit ihren ganzen Bewegtheit, ihren Ungereimtheiten, ja vielleicht sogar ihren Ungerechtigkeiten. Das Glück dieser Frauen, ihre Liebe zueinander und das unbändige Gefühl nur Zusammen bestehen zu können helfen ihnen über Trauer, Leid und Tod hinweg-zukommen. Diese Geschichte wurde nicht erfunden, sie schildert über drei Generationen hinweg tatsächlich Erlebtes. Zwar wurde manches leicht verändert um die wahre Identitäten der Betroffenen nicht erkennen zu lassen, aber es wurde nichts frei erfunden. Eine Geschichte, wie sie das Leben eben schrieb…

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Seitenzahl: 156

Veröffentlichungsjahr: 2015

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Alfred Kachelmann

Sie wollte leben, einfach nur leben...

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Vorwort

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Impressum neobooks

Vorwort

Der Autor erzählt in seinem ihm ureigenen Stil die Geschichte dreier Frauen. Frauen, die versuchen den Widrigkeiten des täglichen Lebens zu trotzen. 

Eigentlich eine ganz normale Geschichte. Eine Geschichte wie sie die Meisten von Ihnen selbst kennen. Ganz einfach die Geschichte dreier Leben. Mit ihren ganzen Bewegtheit, ihren Ungereimtheiten, ja vielleicht sogar ihren Ungerechtigkeiten.

Das Glück dieser Frauen, ihre Liebe zueinander und das unbändige Gefühl nur Zusammen bestehen zu können helfen ihnen über Trauer, Leid und Tod hinwegzukommen. 

Diese Geschichte wurde nicht erfunden, sie schildert über drei Generationen hinweg tatsächlich Erlebtes. Zwar wurde manches leicht verändert um die wahre Identitäten der Betroffenen nicht erkennen zu lassen, aber es wurde nichts frei erfunden.

Kapitel 1

Sie war damals gerade 16 Jahre alt als sie ihn kennen lernte. Er war ein großer, stattlicher Mann, ein Mann zu dem sie damals aufsehen konnte. Es imponierte ihr wie er sprach, wie er jede einzelne Silbe seiner Worte betonte, langsam und mit fester Stimme. Diese Stimme, tief und einschmeichelnd, fest und doch zärtlich…

Jedes Mal wenn er sich dazu herabließ mit seinen tiefblauen Augen, in denen sie versinken konnte, in die ihren zu blicken, liefen ihr kalte Schauer den Rücken hinunter. Er zog sie magisch an. Einerseits machte er ihr auf unerklärliche Weise Angst, andererseits konnte sie ihren Blick nicht mehr von ihm abwenden wenn er sie ansah. Sie hatte in diesen Momenten das Gefühl, nicht mehr atmen zu können. Ihr Herz begann zu rasen und sie spürte das wilde unbezähmbare Klopfen bis zum Hals. Ihr Körper versteifte sich und sie war unfähig sich zu bewegen. Unfähig ein vernünftiges Wort heraus zu bringen, hing sie mit ihren Augen an seinen Lippen. Alles, egal was er sagte, war für sie wie ein Geschenk. Zugleich jedoch auch ein Befehl gegen den sie sich nicht wehren konnte.

Sie hatte solche Gefühle noch nie kennen lernen dürfen. Kein anderer Mann war in der Lage ähnliche Empfindungen in ihr zu wecken. Sie konnte nicht mehr denken, keinen klaren Gedanken mehr fassen. Aber eines war ihr damals schon bewusst, sie liebte diesen Mann. Mein Gott und wie sie ihn liebte… Es störte sie auch nicht dass er bereits vierzig Jahre alt war. Er, der Freund ihres Vaters, der immer wenn er gerade wieder einmal in ihrer kleinen Stadt war, auf einen Sprung bei ihnen hereinschaute.

Er war so witzig und geistreich zugleich, konnte stundenlang von seinen Reisen erzählen. Seine Geschichten waren so lebendig und spannend dass sie immer wieder das Gefühl hatte gemeinsam mit ihm diese Dinge, von denen er so mitreisend berichtete, erlebt zu haben. Fremde Länder, weite Straßen, unbekannte Völker. Für sie, die noch nie aus ihrer Stadt heraus gekommen war, eröffneten seine Erzählungen immer wieder aufs neue eine unbekannte fremde Welt, eine Welt nach der sie sich so sehr sehnte, ein Leben nach dem sie sich verzehrte. Mein Gott, wie sehr liebte sie diesen Mann. Sie stand in ihrem kleinen Zimmer im ersten Stock am Fenster, halb verdeckt durch die Gardine, die sie wie ein Schutzschild, das sie mit ihren vor Aufregung feuchten Händen fest umklammert vor ihren Körper zog.

Sie hatte ihren Vater sagen hören dass er kommen würde. Nun stand sie voller Erwartung hinter der kleinen Butzenscheibe und hoffte inbrünstig dass er endlich erscheint. Wenn sie den Tritt fester Schritte die schmale Gasse heraufkommen hörte schlug ihr Herz vor Erregung höher. Umso enttäuschter war sie, als sie die schemenhaften Gestalten, die sich über das vor Regen nasse Pflaster auf ihr Haus zu bewegten, als Fremde wahrnahm.

Stundenlang stand sie so, wagte nicht sich auch nur eine Sekunde abzuwenden, aus Angst davor, dass sie ihn verpassen könnte. Der Vater hatte auch gesagt, dass er ihr zu ihrem siebzehnten Geburtstag, den sie heute feiern wollte, ein Geschenk mitbringe. Irgendwie hatte seine Stimme dabei etwas Ärgerliches, etwas Unverständliches das sie sich nicht erklären konnte. Sie hörte die Stimme ihres Vaters immer wieder in Gedanken, jedoch konnte sie sich keinen Reim darauf machen. Was hatte ihr Vater bloß, warum stand er seinem Freund plötzlich so abweisend, wie sie es aus einem unbestimmten Gefühl heraus empfand, so feindlich gegenüber?

Jäh wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Sie kannte seinen Schritt, hörte den hellen Klang seiner Stiefel auf dem Kopfsteinpflaster. Wo war er, warum konnte sie ihn noch nicht sehen? Als sie ihn entdeckte spürte sie wieder ihr Herz bis zum Hals schlagen. Sie war voller Freude, am liebsten wäre sie ihm entgegen gesprungen. Sie sah ihm von oben zu, wie er die Treppe zur Eingangstür hochstieg. Das dumpfe Dröhnen des eisernen Türklopfers auf der alten Eichentüre hallte durchs ganze Haus. Zwei, nein drei Mal schlug er mit dem schweren Griff zu.

Warum öffnete ihm den keiner? Warum nicht Vater? Er der in den letzten Jahren immer seinem besten Freund selbst die Türe aufsperrte…. Sie erschrak als sie plötzlich die Hand ihres Vaters, der unbemerkt ins Zimmer gekommen war, auf ihrer Schulter spürte. Fest und warm lag sie da, hielt sie mit der Kraft eines Mannes fest, der eben dabei war sein einziges Kind, das er aus ganzem Herzen liebte zu verlieren.

Leise, fast traurig klang seine Stimme als er ihr sagte, dass sein Freund gekommen war um sie mit zu sich zu nehmen. Er sagte auch, dass er in den letzten Monaten voller Angst ihre Liebe und Zuneigung zu diesem Mann gespürt hat, dass er diese Verbindung niemals gut heißen könnte, ihr aber nicht im Wege stehen wird falls sie mit ihm gehen wolle. „Glaube mir, er ist zwar ein Freund, aber er ist nicht gut für dich“. Während er zu ihr sprach klang seine Stimme immer brüchiger, immer trauriger.

Sie drehte sich langsam um und sah ihm ins Gesicht, dieses wettergegerbte, verrunzelte, liebe Gesicht. Sie konnte es noch nicht erfassen was er ihr gerade gesagt hatte, ihre Gedanken kreisten um seine Worte. Aber was sie sah, und was sie begriff, das waren seine Tränen, die ihm beim Sprechen über seine Wangen liefen. Sie hatte ihn noch nie weinen sehen. Ihn, ihren geliebten Vater, der jeden Augenblick ihres Lebens für sie da gewesen war, der sich voller Liebe und aufopferungsvoll um ihre Mutter, die seit Jahren krank und verwirrt nach einem Schlaganfall vor sich hin vegetierte, kümmerte.

Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und küsste die Tränen von seinen Augen ab. Leise fast zärtlich kamen die Worte über ihre Lippen als sie ihm zu verstehen gab, das er keine Angst haben müsse, schließlich sei sie noch viel zu jung für die Liebe. Sie würde ihn und ihre Mutter nicht alleine lassen… jetzt noch nicht. Dumpf hallten die Schläge des Türöffners zu ihnen herauf. Immer und immer wieder forderten sie Einlass. Dumpf und bedrohlich und doch spürte sie tief in ihrem Herzen wie sehr sie sich wünschte dass endlich jemand dieser Aufforderung nachkommen würde. Ihre großen braunen Augen füllten sich mit Tränen. So standen sie beide eng umschlungen da, weinten miteinander, beide unfähig diese Umarmung zu lösen. Sie wusste, dass sie eben einen Fehler beging, den sie wahrscheinlich ein Leben lang bereuen würde. Aber sie konnte nicht anders.

Erst Minuten später, nachdem das dumpfe Klopfen verhallt war, ließen sie sich wieder los. Langsam und stumm ging ihr Vater wieder aus dem Zimmer, nicht fähig auch nur noch ein Wort an sie zu richten. Sie sah ihm nach wie er mit eingezogenen Schultern und hängendem Kopf durch die schmale Tür hinaus in den dunklen Flur trat während sich ihre Augen mit Tränen füllten.

Stunden später, ihr Vater hatte sich bereits zu Bett begeben, stieg sie die kleine Treppe hinunter ins Erdgeschoss. Sie ließ das Licht gelöscht und taste sich langsam und vorsichtig durch den engen Flur hin zur Eingangstür. Leise drehte sie den großen eisernen Schlüssel im Schloss. Ängstlich, fast als hätte sie die Befürchtung dass er noch immer vor der Türe stand um Einlass zu bekommen, öffnete sie langsam die schwere Eingangstüre. Erst schaute sie sekundenlang durch den schmalen Spalt, durch den jetzt das Mondlicht in den Flur herein fiel, um dann doch rasch und beherzt die Türe aufzuziehen. Fast wäre sie über den Blumenstrauß, der auf der obersten der drei ausgetretenen Steinstufen lag, ge-stolpert. Sechs weiße Rosen, die vom Mondlicht verzaubert wurden, lagen welk und verblasst und doch so wunderschön vor ihr. Langsam bückte sie sich und hob die Blumen auf um sie fest an sich zu pressen. Ihr Blick wanderte dabei die enge Gasse endlang, voller Hoffnung noch etwas von ihm zu erhaschen, ihn der schon lange wieder über das alte brüchige Kopfsteinpflaster entschwunden war…

Die Tage gingen dahin. Sie ertappte sich oft dabei, dass sie stundenlang in ihrem Zimmer am Fenster stand und hinaus auf die Gasse blickte. In Gedanken sah sie ihn immer und immer wieder über das nasse Kopfsteinpflaster die Treppe hinauf-steigen. Sie konnte seine Augen sehen, die suchend zu ihr herauf schauten. Warum hatte sie ihren Gefühlen nicht einfach nachgegeben? Warum war sie nicht selbst zur Türe gegangen um ihm zu öffnen? Manchmal lief ihr dabei eine verstohlene Träne übers Gesicht. Warum nur, warum hatte sie nicht anders reagiert.

Die vertrockneten Rosen lagen auf dem kleinen Schränkchen auf dem auch sein Bild stand. Fast hatte man den Eindruck sie hätte einen kleinen Altar errichtet. Einen Alter ihrer Erinnerungen und ihrer Träume.

Kapitel 2

Die Monate vergingen. Sie hatte zwischenzeitlich Arbeit gefunden. In der kleinen Bäckerei am Ende ihrer Gasse stand sie jeden Tag am Verkaufsthresen und tütete kleine Brötchen ein, oder reichte den Kunden, für die sie immer ein freundliches Wort fand, frisches Brot.

Es war nicht einfach für sie gewesen diese Stelle zu finden. Es waren schlechte Zeiten Anfang der 60er, Arbeit fand nur wer gute Beziehungen hatte. Viel verdiente sie nicht, aber sie war zufrieden, schließlich konnte sie mit ihrem Geld etwas zum kärglichem Gehalt ihres Vaters, das er in einer ansässigen Fabrik als Galvaniseur arbeitete, dazu geben. Für sie selbst blieb nur selten etwas übrig. Aber es reichte ihr, große Wünsche hatte sie keine, Ausgehen und wie andere junge Leute Spaß haben lag ihr nicht. Lieber ging sie nach ihrer Arbeit in ihr Zimmer und verkroch sich stundenlang in ihren Büchern. Sie genoss diese Momente, in denen sie sich in ihre Träume flüchten konnte. Träume von fremden Welten und fremden Völkern nach denen sie sich so sehnte.

Es war kurz vor Heilig Abend. Vor einigen Stunden hatte es endlich angefangen zu Schneien. Mutter, die sich etwas besser fühlte, versuchte die Wohnung weihnachtlich zu schmücken. Sie durfte ihr dabei nicht helfen. Aber sie blieb trotzdem ständig an ihrer Seite um zu beobachten wie sie die Figuren aus der alten Holzkiste, die sie ihr am frühen Nachmittag vom Dachboden holen musste, auspackte, oder Tannenzweige, die Vater frisch im Wald geschnitten hatte, überall im Haus verteilte. Es war schwer für ihre Mutter, schließlich konnte sie nach ihrem Schlaganfall die linke Hand nicht mehr richtig gebrauchen. Auch zog sie beim Laufen noch immer ihr Bein hinter sich her. Ihr unsicherer Gang und ihre Unbeholfenheit jagten ihr immer wieder neue Schrecken ein. Sie hatte Angst, dass ihre Mutter stürzen oder sich gar verletzen könnte. Sie wusste jedoch, dass sie ihr diese Freude nicht nehmen durfte. Für ihre Mutter war es ein Schritt zur Normalität. Sie wollte nicht zum Krüppel abgestempelt sein. Wollte ihr und Vater zeigen, dass sie durchaus in der Lage war sich um sich selbst zu kümmern.

Als es an der Tür klopfte, dachte sie zunächst die Nachbarin, die sich für den Abend zu Besuch angemeldet hatte, würde etwas zu früh kommen. Sie lief die Treppe hinab und öffnete die alte Haustüre während sie bereits das Plappern anfing um ihren Gast willkommen zu heißen.

Vater war gegen die Heirat gewesen. Seither war er nicht mehr der Selbe. Er zog sich von ihr zurück, kaum dass er sie bei ihren seltenen Besuchen begrüßte. Sie wusste dass sie ihm damit das Herz gebrochen hatte. Es tat ihr weh wenn sie seine traurigen Augen sah.

Mutter hatte nie gesagt wie sie zu dieser Hochzeit stand. Aber wenn sie sich von ihr verabschiedete konnte sie ihre feste Umklammerung kaum lösen. Sie sagte ihr jedes Mal dass sie sich viel zu selten sehen würden, dass sich das ändern müsse wenn sie wieder ganz gesund sei. Vater drehte sich dabei immer um und verließ wortlos den Raum um die kleine steile Treppe hoch zu gehen damit er sich in sein Zimmer zurückziehen konnte. Bei diesem Anblick spürte sie wie ihr die Tränen in die Augen stiegen. Warum konnte er sie nicht verstehen. Sie hätte es sich so sehr gewünscht dass er ihre Entscheidung endlich akzeptieren würde.

Während der alte Mann langsam die Treppe, die unter jedem Schritt ächzte, hinaufstieg, rief sie ihm nach dass sie ihn liebte und dass sie bald wieder kommen würde. So lief es jedes Mal aufs Neue ab, immer und immer wieder.

Plötzlich stand er vor ihr. Bei seinem Anblick verschlug es ihr regelrecht die Sprache. Sie wollte, aber sie konnte kein Wort über ihre Lippen bringen. Mit großen Augen sah sie ihn an. Es waren nur Sekunden, aber ihr kam er wie eine kleine Ewigkeit vor, dieser Moment des Erschreckens, der Überraschung und der übergroßen Freude. Wortlos fielen sich beide in die Arme. Endlich war er da schoss es ihr durch den Kopf, endlich.

Kapitel 3

Die Zeit verging und ihre Besuche waren seltener geworden. Ihr Mann hatte ihr zu verstehen gegeben, dass er keinen all zu großen Wert mehr darauf legen würde. Er wollte, dass seine Frau schön zu Hause bliebe um sich um ihn und die Wohnung zu kümmern. Das wäre vollkommen ausreichend. Er duldete auch nicht mehr dass sie weiter in der Bäckerei arbeitete. Schließlich war er fähig alleine für seine kleine Familie zu sorgen. Bei der Arbeit und durch den ständigen Kontakt mit fremden Leuten käme sie nur auf dumme Gedanken. Er könne von ihr erwarten, dass sie sich so verhält, damit er sich keine Sorgen um sie machen musste.

Verstehen konnte sie dies zwar nicht, aber sie hatte gelernt wortlos zu akzeptieren. Einmal wagte sie ihm zu widersprechen, Er wurde dann zum ersten Mal richtig böse mit ihr. Zornig hob er seine Hand und sie hatte schon Angst dass er sie schlagen könnte. Sie erkannte ihn in diesem Moment nicht mehr wieder. Mit hochrotem Kopf und vor Wut zitternd stand er vor ihr. Unter Tränen entschuldige sie sich bei ihm für ihre vorlaute Rede. Sie wollte ihn doch nicht mit Absicht verärgern. Er war schließlich nach wie vor der Mann ihrer Träume. Sie liebte ihn doch von ganzen Herzen. Warum nur reagierte er so heftig.

Erst viel später wurde ihr bewusst, dass sie jetzt die Weichen für ihre Zukunft hätte anders stellen können. Sie hätte ihm nur zeigen müssen, dass er sich ihr gegenüber nicht so verhalten konnte. Aber damals war sie jung, verängstigt, voller Hoffnung. Sie hätte nie erwartet, dass sich solche Zwischenfälle noch einmal ereignen könnten. Vielleicht wäre ihr viel erspart geblieben wenn sie damals ihre Entscheidung noch einmal Überdacht hätte. Viel Kummer, viel Leid und viele, viele Demütigungen.

Sie waren jetzt vier Jahre zusammen. Ihr Mann arbeitete noch immer als Fernfahrer. Er war nur noch selten daheim. Wenn dann hatte sie das Gefühl, dass er mit seinen Gedanken gar nicht bei ihr war. Egal was sie ihm sagte, ihn schien, es nicht mehr zu interessieren. Er erzählte auch nicht mehr wie früher von seinen Reisen. Zornig war er, zornig und ständig müde. Sie unternahmen kaum noch etwas zusammen. Manchmal ertappte sie sich, dass sie bei dem Gedanken dass er wohl bald wieder abreisen werde, kaum noch etwas verspürte. Komisch dieses Gefühl, dass ihr dass nichts mehr ausmachte.

Er war eigenartig geworden, böse und eigenartig. Sie durfte das Haus nicht mehr verlassen. Musste den ganzen Tag in ihrer kleinen Wohnung bleiben. Hatte sie ihm früher immer wieder bis aufs Kleinste vorrechnen müssen wie viel Geld sie für Lebensmittel und andere Sachen, die sie fürs tägliche Leben brauchten, ausgegeben hatte, so brauchte sie dies nicht mehr, denn er kaufte diese Sachen jetzt selbst ein wenn er von seinen Reisen zurückkam. Nicht nur dass er ihr verbot das Haus zu verlassen, er schloss sie jetzt sogar ein wenn er ging.

Er war bereits eine ganze Woche unterwegs gewesen. Sie wusste, dass er heute wie-der mit hoher Wahrscheinlichkeit von seiner Reisen zurückkommen würde. Ängstlich hatte sie deshalb den ganzen Tag über versucht die Wohnung so schön wie es nur irgend möglich war herzurichten. Sie verbrachte die letzten Stunden damit die Holzdielen mit groben Metallspänen zu bearbeiten um anschließend den Inhalt einer Bohnerwachsdose gleichmäßig auf den Brettern zu verteilen. Ihr ganzer Rücken schmerzte und ihre beiden Knie waren bereits wundgescheuert.

Hoffentlich war er gut gelaunt wenn er nach Hause kam. Sie konnte einfach nicht vergessen mit welch bösen Blicken er sie beim Abschied noch einmal von oben bis unten gemustert hatte. Diese bösen durchdringenden Augen jagten ihr so einen großen Schrecken ein, dass sie die ganze Nacht nicht schlafen konnte.

Das Knarren der Dielenbretter riss sie jäh aus ihren Gedanken. Sie blickte erschrocken auf. Breitbeinig stand er vor ihr. Mit zusammengepressten Lippen stieß er ihr eine bissige Bemerkung über ihr Aussehen entgegen. Seine Augen blitzen zornig unter dem Rand seiner Mütze hervor, die er tief ins Gesicht gezogen hatte.

Da war sie wieder diese Angst, die ihr die Kehle immer enger zuzog, sie unfähig machte auch nur ein Wort aus ihrem Mund hervor zu bringen. Ihr Herz schlug ihr hinauf bis zum Hals. Sie wagte kaum zu atmen. Wortlos blieb sie einfach vor ihm am Boden knien. Sie hatte das Gefühl seine Hand bereits in ihrem Nacken zu spüren. Hoffentlich ging es schnell vorüber. Hoffentlich würde er nicht zu arg zuschlagen.Sie war früh zu Bett gegangen. Ihr rechtes Auge schmerzte und ihr Rücken tat ihr von den Schlägen weh. Während er in der Küche trank weinte sie sich in den Schlaf. Für sie war heute ihr Traum von einem glücklichen und zufriedenen Leben endgültig zu Ende gegangen. Ein Leben von dem sie außer Ruhe und Geborgenheit nicht mehr erwartet hatte.