Siegen kann tödlich sein - David Klass - E-Book

Siegen kann tödlich sein E-Book

David Klass

4,9

Beschreibung

Ein atemberaubend spannender Roman, in dem Daniel, ein junger Schachspieler, sorgsam gehütete, dunkle Geheimnisse seines Vaters erfährt. Die Entdeckungen, die er bei dem entscheidenden Turnier macht, bleiben auch für ihn nicht folgenlos. Er bemerkt einige überraschende Züge an sich selbst. Ist er vielleicht gar nicht der Verlierertyp, für den ihn bisher seine Kameraden gehalten haben und in dessen Rolle er sich selbst fühlt? Auch seinen Vater sieht Daniel auf einmal mit anderen Augen an. Und am Schachbrett sitzt ihm plötzlich kein männlicher Kontrahent gegenüber, sondern ein selbstbewusstes, spontanes Mädchen namens Liu …

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Seitenzahl: 262

Veröffentlichungsjahr: 2015

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David Klass

SIEGEN KANN TÖDLICH SEIN

Roman

Aus dem amerikanischen Englisch von Dieter Fuchs

Verlag Freies Geistesleben

Inhalt

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Coda

Impressum

Für meine beiden Lieblings-Patzer Gabriel und Madeleine sowie meine Verleger-Großmeisterin Frances Foster

«Ein Geist, der einzig und allein von einer Sache erfüllt ist und alle anderen ausschließt, neigt zwangsläufig zum Wahnsinn, und wenn ein Mann es sich erlaubt, das Schachspiel als einzige Tatsache seiner Existenz zu betrachten, und dabei seinen Geist aushungert, welcher, genau wie der Körper, ganz unterschiedliche Nahrungsmittel benötigt, dann führt das dazu, dass auch das leistungsfähigste Gehirn geschwächt und der Verstand früher oder später überwältigt wird.»

William Norwood Potter,

The City of London Chess Magazine, 1876

1

Der Schachklub war für diese Woche erledigt, und ich war es auch. Ich hatte an diesem Nachmittag drei Partien gespielt und es geschafft, zwei davon innerhalb der ersten fünfzehn Züge zu verlieren. Ich versuchte mich mit dem Gedanken zu beschwichtigen, dass ich ja erst vor sechs Monaten mit dem Schachspielen begonnen hatte und immer noch mit dem Erlernen der Grundkenntnisse beschäftigt war, aber manchmal wollte ich einfach das nächstliegende Schachbrett aus dem Fenster schleudern und nie wieder einen Turm oder Bauern anfassen.

Ich zog mir den Mantel an und ging zur Tür hinaus. Plötzlich riss mich eine Hand ins leere Klassenzimmer zurück, und ich stand Auge in Auge den beiden Mannschaftskapitänen unseres Schachteams gegenüber, Eric Chisholm und Brad Kinney. «Wir müssen mit dir reden, Patzer-Arsch», sagte Eric, während Brad die Tür zumachte.

Ein«Patzer»ist im Schach-Jargon ein Anfänger, der gerade mal weiß, wie die Figuren sich bewegen, und deshalb problemlos geschlagen werden kann. Wenn man so genannt wird, heißt das, man ist eine Kombination aus Clown, Leichtgewicht und Vollidiot. Da mein Familienname leider ganz ähnlich wie «Patzer»klingt, hatte man mich seit meiner ersten Sekunde im Schachklub schon oft so tituliert. «Patzer-Arsch»war aber ein ganz neuer Einfall der Mannschaftsführer, und zwar einer, der mir nicht besonders gefiel. «Aber … ich heiße doch Pratzer», stammelte ich, während ich vom einen zum anderen sah, um herauszufinden, was eigentlich abging.

Eric Chisholm war Präsident der Seniorklasse, also des Abschlussjahrgangs, ein energiegeladener Turboschüler und Erfolgsmensch mit durchdringenden, schwarzen Augen, der in seinem Leben noch nie eine schlechtere Note als eine Eins bekommen hatte. Ein Streber durch und durch – vielleicht nicht wirklich brillant, aber doch weitaus eifriger als alle anderen. Er konnte im wahrsten Sinne des Wortes nicht stillsitzen – selbst beim Schachspielen zappelte er ständig herum, stand auf, um Wasser zu holen, oder ging hinter seinem Stuhl auf und ab, wobei er vermutlich im Kopf die Mathehausaufgaben durchrechnete und sich gleichzeitig überlegte, mit welchem Zug er seinen Gegner vernichten könnte. Er war der Sohn eines Herzchirurgen, und es bestand kein Zweifel, dass er bei der Graduierungsfeier der Abschiedsredner sein, dann in Harvard studieren und irgendwann das Mittel gegen Krebs entdecken würde.

Brad Kinney stand nicht ganz so unter Strom, war dafür aber um einiges begabter. Er war groß und robust und hatte einen Notendurchschnitt, der genauso strahlend glänzte wie all die Pokale, die er als Kapitän des Schwimmteams gewonnen und zum Trophäenschrank unserer Schule beigesteuert hatte. Aus reinem Übermut – und vielleicht auch, um uns noch eifersüchtiger zu machen – ging er mit dem schönsten Mädchen aus meiner Neunten, dem ersten High-School-Jahrgang. Er war der beste Spieler im Schachklub – mit achtzehn schon Meister und regelmäßiger Sieger bei lokalen und regionalen Turnieren.

An einer anderen Schule hätten sich die beiden vermutlich nicht die Bohne für den Schachklub interessiert, aber die Loon Lake Academy beherbergte das älteste und zugleich beste Schachteam im Bundesstaat New Jersey – die Looney Knights –, und da mitzumachen war einfach cool, insbesondere wenn man Eric Chisholm oder Brad Kinney hieß.

Ich hieß weder Eric noch Brad – ich war Daniel Pratzer, in gewissen Kreisen ganz offensichtlich auch bekannt als Patzer-Arsch. Ich war nicht groß und auch nicht brillant oder reich. Die Schule musste mich zugelassen haben, weil es sich um einen schwachen Jahrgang handelte und meine Kombination aus mittelmäßiger Leistung und unspektakulären Beifächern den Anforderungen gerade so entsprach.

Mein Notendurchschnitt bewegte sich immer so knapp oberhalb der Drei und widerstand all meinen Versuchen, ihn in Richtung Zwei anzuheben – genau wie ein Flugzeug, das seine Betriebsgrenze erreicht hat und es trotz größter Anstrengung nicht schafft, auch nur einen einzigen Zentimeter höher zu steigen. In einigen Sportarten war ich gar nicht so schlecht, wenn mir auch der elektrisierende Sturmlauf beim Fußball oder das hechtende Fangmanöver beim Baseball von jeher versagt blieb. Die Idee, dem Schachklub beizutreten, war aus reiner Verzweiflung entstanden. Da die Sportmannschaften zwei oder mehr Stunden täglich trainierten und ich mit den Hausaufgaben ohnehin kaum hinterherkam, fehlte mir neben der Befähigung auch noch die Zeit. Der Schachklub traf sich dagegen immer nur dienstags, und ich dachte, ich könnte hier vielleicht ein paar nette Leute kennenlernen.

«Wir wissen, wie du heißt, Patzer-Arsch», sagte Eric. «Genau deshalb müssen wir mit dir reden.»

«Was ist denn mit meinem Namen?», fragte ich vorsichtig.

«Setz dich hin und halt die Klappe», befahl Brad auf seine gewohnt charmante Art.

Ich setzte mich an einen Tisch und wartete nervös. War das vielleicht ein spezielles Aufnahmeritual für Neuzugänge der High-School? Würden sie mich mit Türmen oder Läufern malträtieren und mir Narben zufügen, die mich für den Rest meines Lebens entstellen würden? Ich war erst seit sieben Monaten an der Loon Lake Academy und hatte es bislang geschafft, mich unterhalb des Radars der fies-coolen High Society unserer Schule zu bewegen.

Ich schaute vom einen Mannschaftskapitän zum anderen und überlegte krampfhaft, was diese beiden Schulikonen bloß von mir wollten.

«Was hast du am Wochenende vor?», fragte Eric.

«Nichts Besonderes», antwortete ich. «Daheim bleiben. Fernsehen. Meine Bettwäsche runderneuern.»

«Deine was runderneuern?»

«Das war ein Witz», erklärte ich.

«Seine Witze sind noch schlechter als sein Schachspiel», knurrte Eric in Brads Richtung.

«Du wirst am Wochenende überhaupt nichts runderneuern»sagte Brad zu mir. «Nimm dir nichts vor.»

«Worum geht es hier?»

Brad wuchtete seinen mächtigen Körper auf den Tisch, an dem ich saß, verschränkte die Arme vor der Brust und schaute mich mit seinen strahlend blauen Augen an. Irgendwie fand ich es unfair, dass ein Kerl, der fünfzig Meter in dreißig Sekunden schwamm und die Figur eines marodierenden Wikingerhäuptlings hatte, zusätzlich auch noch ein Schachmeister war, dessen Ratingzahl deutlich über den erforderlichen 2200 Punkten lag. «Wir wissen Bescheid über deinen Vater», verkündete Brad.

«Hä?», entfuhr es mir. Was gab es denn Wissenswertes über Morris Pratzer, außer dass er der kleinste, glatzköpfigste und zweifellos mittelloseste Vater war, der je sein Kind in die Loon Lake Academy geschickt hatte? Er musste sogar eine Hypothek auf unser Haus aufnehmen, damit sein einziger Sohn auf diese schicke Privatschule gehen konnte.

Nicht, dass ich jetzt überkritisch sein will – mein Dad ist ein klasse Typ, der den ganzen Tag in seinem Steuerberatungsbüro arbeitet und sich komplett für seine Familie aufopfert. Er hat aber auch eine heitere Seite und dazu ein paar verborgene Talente, die er manchmal auf Partys zum Besten gibt: Er kann mit den Ohren wackeln, die Augenbrauen in verschiedene Richtungen bewegen und eine halbwegs anständige Elvis-Imitation hinlegen. Keinesfalls ist er aber einer dieser«Promis», über die plötzlich geheime Dinge ans Tageslicht kommen.

«Am Wochenende ist in New York ein Schachturnier», sagte Eric, als würde das alles erklären.

«Hab ich auf dem Plan gar nicht gesehen …», erwiderte ich vorsichtig. In Wahrheit schaute ich so gut wie nie auf unseren Turnierkalender, denn ich gehörte nicht zum fünfköpfigen Auswärtsteam. Ich gehörte auch nicht zum siebenköpfigen Verstärkungsteam. Ich war Teil der«Regulären Reserve», wie sie euphemistisch betitelt wurde, was bedeutete, dass ich zum Einsatz kam, falls man mich irgendwann doch brauchte – also im Grunde niemals, außer ein Komet würde auf die Schule stürzen und die zwölf Spieler vor mir erschlagen.

«Is’ ja auch kein normales Schulturnier», fiel Brad mir ins Wort. «Das ist eine ganz neue Variante. Ein Vater-Sohn-Turnier. Jede Mannschaft braucht sechs Spieler – drei Väter und drei Söhne. Es findet im Palace Royale Hotel in New York City statt. Das Preisgeld beträgt zwanzigtausend Dollar. Zehn Riesen für den Sieger. Hast du’s jetzt kapiert?»

Nein, ich hatte es nicht kapiert. Eric und Brad waren sehr gute Spieler, und ihre Väter waren beide Experten. Aber ich war ein Patzer, und mein Dad hatte in seinem Leben noch niemals Schach gespielt. Als ich im Klub anfing und einmal Turnierfiguren mit nach Hause brachte, wollte ich ihm zeigen, wie sie sich bewegten. «Nein danke, Daniel», sagt er lachend. «Dafür reicht mein Verstand nicht aus.»

Ich sah Eric und Brad an und schüttelte den Kopf. «Ich check’s nicht. Was mich betrifft, bin ich euch keine große Hilfe, und mein Dad spielt gar nicht.»

Eric zog ein Blatt Papier aus der Tasche. Ich konnte erkennen, dass es sich um einen Computerausdruck handelte. «Heißt dein Vater Morris W. Pratzer?», fragte er und klang dabei wie ein Staatsanwalt, der einen widerspenstigen Zeugen festnageln will.

«Ja.»

«Uns hat noch ein Vater-Sohn-Team gefehlt, da haben wir beim Schachverband die Ratinglisten der letzten drei Jahrzehnte auf die Väter sämtlicher Klubmitglieder durchsucht.»

Er hielt mir seinen Ausdruck hin. Der Name meines Vaters stand da gemeinsam mit einer Ratingzahl und einem Sternchen, was hieß, dass diese Wertung seit fast dreißig Jahren unverändert war. Ich starrte auf das Blatt. Laut Ausdruck war Morris W. Pratzer ein Großmeister gewesen, denn seine Ratingzahl lag deutlich über 2500.

«Das kann nicht stimmen», sagte ich. «Wenn mein Vater ein Großmeister wäre, müsste ich das doch wissen, oder?»

«Offenbar nicht, Patzer-Arsch», sagte Eric.

«Du gehst jetzt heim und schaust mal, ob sich nicht ein kleines Vater-Sohn-Gespräch ergibt», wies Brad mich an und drückte mir ein Infoblättchen für das Turnier in die Hand. «Vielleicht entdeckst du ja den Grund für dieses ‹Missverständnis›. Sag deinem Dad, dass wir ihn freundlich einladen, uns am Wochenende nach Manhattan zu begleiten, und erwähne dabei vielleicht auch, dass wir bei einem eventuellen Fernbleiben von Großmeister Pratzer seinem Sohn den Hals umdrehen.»

2

Meine Mom hatte an dem Abend Hackbraten mit Brokkoli und Reis-Pilaw gemacht. Sie ist keine besonders gute Köchin, aber es gibt etwa ein Dutzend Gerichte, die wir alle mögen und die sie im Lauf der Jahre so oft zubereitet hat, dass sie inzwischen perfekt sind. Hackbraten steht auf der Liste ziemlich weit oben, und wir hauten ordentlich rein.

Kate, meine Schwester, saß mir gegenüber und versuchte, nur ein Minimum an Brokkoli zu essen, schließlich wollte sie so schnell wie möglich aufstehen und mit ihrem neuen Handy das Geschnatter mit ihren Freundinnen fortsetzen. Sie ging auf dieselbe öffentliche Deppenschule, die auch ich jahrelang besucht hatte; meine Eltern hatten vor, sie nach der Mittelstufe ebenfalls auf eine private High School zu schicken.

Wegen der Aussicht, in Bälde zwei Kinder in teuren Privatschulen zu haben, hatte meine Mutter wieder angefangen, als Hilfslehrerin in der örtlichen Grundschule zu arbeiten. Da sie weitgehend mit Erstklässlern zu tun hatte, war sie zwar meist schon um drei zu Hause, sah dann aber müde und abgehetzt aus, ganz so, als hätten Horden von Sechsjährigen sie so lange attackiert, mit Kriegsgeschrei bombardiert und mit Papierkügelchen beschossen, bis sie endlich bereit war, die weiße Fahne zu hissen.

«Niemand sagt was, also nehme ich an, das Essen ist so weit okay», sagte sie.

«Es schmeckt herrlich, Ruth», sagte mein Vater und schnitt sich gleich noch ein Stück vom Hackbraten ab. Er war kein besonders großer Mann und saß den lieben langen Tag auf seinem Stuhl, um Steuererklärungen zu machen und den Leuten ihre Bücher zu führen, deshalb hätte er besser nicht so viel essen sollen. Sein Bauch entwickelte sich zunehmend zu einer echten Wampe. «Kate, sei so gut und mach den Mund zu beim Kauen.»

Kate verdrehte die Augen – allerdings so langsam, dass man nicht recht sagen konnte, ob sie mit dem Augenrollen ihren Ärger zum Ausdruck brachte oder nur harmlos ihren Blick in der Runde schweifen ließ. «Darf ich aufstehen?», fragte sie.

«Wenn du deinen Brokkoli gegessen hast.»

Sie griff nach einem kleinen Röschen, brach es entzwei und steckte die eine Hälfte in den Mund. «Mjam», sagte sie. «Darf ich jetzt aufstehen?»

«Nein», sagte mein Vater. «Und wenn du noch mal die Augen verdrehst, ist das neue Handy für eine Woche verschwunden.»

«Sehr gut», sagte sie. «Mach mir nur Angst. Welchen Erziehungsratgeber hast du denn jetzt wieder gelesen?»

Mein Vater stieß einen Seufzer aus, als wollte er sagen: Von früh bis spät reiß ich mir die Beine aus, und zu Hause muss ich mir so was anhören! Er sah zu mir. «Wie läuft’s in der Schule, Daniel? Erzähl mir was Lustiges.»

«In Bio haben wir heute Ratten seziert.»

Kate ließ die Gabel sinken. «Das reicht. Ich geh dann mal.»

«Erst wenn der Brokkoli gegessen ist», sagte mein Vater. «Daniel, das ist kein Thema fürs Essen.»

«Aber es stimmt», sagte ich.

«Speziell dann, wenn es Hackbraten gibt», meinte Kate und zerdrückte auf ihrem Teller ein Stück Brokkoli, als könne sie ihn mit der Gabel in subatomare Partikel zerlegen, die sich dann im Äther auflösten. «Wer weiß, was da alles drin ist.»

«Rinderhack», sagte meine Mutter. «Von einem Nagetier steht nichts im Rezept. Können wir jetzt das Thema wechseln?»

«Zweiter Versuch, Daniel», sagte mein Vater. «Irgendwas Lustiges oder Interessantes ist doch sicher passiert.»

Ich holte tief Luft. «Okay. Im Schachklub gab es tatsächlich eine komische Situation.»

«Kaum vorstellbar, dass es im Schachklub etwas Lustiges oder Interessantes geben könnte», nuschelte Kate vor sich hin.

«Schieß los, Daniel», ermutigte mich meine Mutter. «Natürlich wollen wir alle hören, was da passiert ist, auch deine Schwester.»

«Am Wochenende findet in New York ein Schachturnier statt», sagte ich. «Nur drei Spieler aus dem Team werden teilnehmen. Und einer davon soll ich sein.»

«Das ist ja aufregend», sagte Mom. «Und? Willst du mit? Und zahlt das die Schule?»

«Es ist kein normales Schulturnier», sagte ich und schaute zu meinem Vater, der seelenruhig seinen Hackbraten kaute. «Es ist ein Vater-Sohn-Turnier.»

Für den Bruchteil einer Sekunde sah er zu mir, dann blickte er wieder auf seinen Teller. Er schluckte den Bissen, an dem er kaute, trank sein Glas Wasser leer und legte langsam die Gabel hin.

«Tut mir leid, aber ich verstehe nicht», sagte meine Mutter.

«Das ging mir genauso», antwortete ich. «Eigentlich verstehe ich es immer noch nicht.»

«Wann wird es denn eigentlich lustig und interessant?», wollte Kate wissen.

«Dein Vater spielt doch gar kein Schach», konstatierte meine Mom.

Dad sah zu ihr und dann zu mir.

«Das habe ich denen auch gesagt», meinte ich. «Warum wollt ihr meinen Dad? Er kann überhaupt nicht spielen. Aber die meinten, sie hätten im Internet nach allen Vätern des Teams gesucht und entdeckt, dass er früher ziemlich gut war.»

«Das war sicher der falsche Morris Pratzer», sagte meine Mutter. «Der Name ist zwar nicht sehr häufig, aber ein paar Dutzend von der Sorte wird es schon geben.»

«Sie haben nach Morris W. Pratzer gesucht», erklärte ich ihr und betonte dabei den mittleren Buchstaben. «Dad! Du heißt doch Morris William Pratzer, oder etwa nicht?»

«Ja», sagte mein Vater leise und legte die Hand flach auf den Tisch, als sei er kurz davor, eine Schachpartie verloren zu geben.

«Nach dem, was die herausgefunden haben, ist Morris W. Pratzer ein Großmeister.»Ich merkte, dass meine Stimme jetzt leicht verärgert klang. «Aber das kann gar nicht sein, Dad, denn wenn du ein Großmeister wärst, würde dein Sohn das doch wissen und es nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Schachidioten gesagt bekommen. Habe ich recht? Wenn du wirklich ein Großmeister wärst, würden wir jeden Abend Schach spielen, und du würdest mir Eröffnungen und Endspieltheorie beibringen und mir unter die Arme greifen, damit ich nicht länger ein Patzer bin.»

Mein Vater erhob sich vom Tisch und richtete sich zu seiner vollen Größe von ein Meter fünfundsechzig auf. Seine Faust knallte so laut auf den Tisch, dass das Besteck klapperte. «Ich werde am Wochenende an keinem Schachturnier in New York teilnehmen, und du auch nicht, Daniel. Du wirst mir nämlich helfen, den Keller aufzuräumen. Und jetzt entschuldigt mich bitte. Mir ist der Appetit vergangen.»Er stand auf und verließ schnell das Zimmer.

Meine Mutter und ich sahen ihm nach und blickten uns dann in die Augen. Schließlich stand Mom auf und lief hinter ihm her.

«Also, in gewisser Weise war das tatsächlich interessant», sagte Kate. Dann rief sie: «Hey, Dad, und was ist mit deinem Brokkoli?»

3

Er stand hinten auf der Veranda, hatte die Hände in den Hosentaschen und starrte auf den Halbmond, der müde über unserem kleinen Städtchen in New Jersey hing. Wäre ich nicht so wütend gewesen, hätte ich Mitleid mit ihm gehabt.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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