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Der Ritter Sarwast und seine Knappin Finred sind auf der Jagd. So lange die kindliche Mörderin Reywa frei umherzieht, stellt sie eine Gefahr für jedermann dar, sei es Adeliger oder einfacher Bürger. Die Verfolgung führt Sarwast und Finred in eine längst verlassene Ruinenstadt. Vermeintlich herrschen hier nur noch die Geister der Bewohner von einst – doch als der Ritter und seine Knappin in den leeren Straßen eine Falle für Reywa vorbereiten, erwecken sie das eigentliche Geheimnis der Ruinenstadt. Liebst du die Westeros-Kurzgeschichten von George R. R. Martin? Bist du Fan der Hexer-Kurzgeschichtenbände? Dann bist du bei SILBERGEISTER genau richtig! Weitere Infos: SILBERGEISTER ist eine abgeschlossene Story in der Welt der Chronik von Stahl und Feder. Du brauchst kein Vorwissen aus den anderen Büchern, um diese Story genießen zu können. Liebst du die Westeros-Kurzgeschichten von George R. R. Martin? Bist du Fan der Hexer-Kurzgeschichtenbände? Dann bist du bei SILBERGEISTER genau richtig!
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Veröffentlichungsjahr: 2023
Die Chronik von
STAHL UND FEDER
Silbergeister
Peter Segmüller
Geboren 1985 und aufgewachsen in der Nähe von Zürich, begleiten Bücher Peter Segmüller sein Leben lang, doch ein eigentlicher Bücherwurm war er nie. „Es sind mehr die Geschichten an sich, die mich fesseln, in welcher Form auch immer sie daherkommen. So ist es nicht verwunderlich, dass ich mich immer wieder von Games fesseln lasse. Das Buch ist für mich jedoch die beste Art, eine Story zu erzählen.“
Von 2004 bis 2017, als er sich entschlossen hat, aus dem gemeinsamen Projekt auszusteigen, hat Tädeus M. Fivaz die CHRONIK VON STAHL UND FEDER entscheidend mitgeprägt. Nun möchte er sich auf eigene Projekte zu konzentrieren. Er steht Peter Segmüller aber weiterhin mit Ideen und als Brainstormingpartner zur Verfügung.
Impressum
Dieser Text und die Welt von
DIE CHRONIK VON STAHL UND FEDER
stehen unter dem Copyright (c) der Autoren
PETER SEGMÜLLER & TÄDEUS M. FIVAZ
Alle Rechte vorbehalten
News und weitere Infos auf der offiziellen Website:
stahl-und-feder.ch
Finred zog heftig an den Zügeln. Unvermittelt blieb ihr Pferd stehen und warf sie beinahe ab. Die Knappin ließ ihren Blick über die Stadtruinen vor sich schweifen. Das Licht des Mondes überzog sie mit perlmutternem Glanz. Während die Fassaden der Steingebäude regelrecht leuchteten, zeigten sich die Schatten in ihrem dunkelsten Schwarz.
Das gespenstische Heulen klang ihr in den Ohren nach. Auf ihrem ganzen Körper breitete sich fast schon schmerzhafte Gänsehaut aus. »Dieses Geräusch kam aus der Stadt, nicht wahr?«, fragte sie Sarwast.
Ohne Antwort zu geben, führte der Ritter sein Pferd weiter. Nach etwa zehn Schritten blieb er stehen und wandte sich zu seiner Knappin um. »Lass dich davon nicht ablenken. Der Wind weht kräftig von den Bergen herunter. Wenn er durch die Straßen heult, kann es sich unheimlich anhören. Trotzdem ist es nichts weiter als der Wind.«
Finred wünschte einen Teil seiner Gewissheit für sich. Zu viel hatte sie damals in Shalad miterlebt, um noch Zweifel zu hegen, dass Dämonen und Geister ihre Welt heimsuchten.
Umgehen vermochten sie die Stadt nicht. Im Osten grenzte sie unmittelbar an den Tardarsee, der glitzerte wie ein Spiegel. Westlich stiegen die schneebedeckten Berge in die Höhe. Um auf die Schattenebene zu gelangen, blieb ihnen nur der Weg durch die Ruinen.
»Vielleicht sollten wir noch etwas warten und erst morgen … bei Tageslicht …« Finred wollte nicht weitersprechen, weil sie sich in ihrer ängstlichen Rolle schwächlich vorkam. Hatte sie nicht genug erlebt, um sich jetzt noch zu fürchten?
Der Ritter lächelte ihr jovial zu. »Wir haben eine Aufgabe zu erledigen. Reywa darf uns nicht entkommen. Bereits vor einigen Tagen ist sie auf der Schattenebene gesichtet worden. Wenn wir uns nicht beeilen, entwischt sie uns abermals.« Rasch schien er zu bemerken, dass es noch etwas mehr Überzeugung benötigte, um Finred zu beruhigen. »In der Stadt sind wir besser vor wilden Tieren geschützt. War es nicht erst letzte Nacht, als wir Wolfsgeheul nahe unserem Lagerplatz vernommen haben?«
»Doch, das war es«, gab sie zu. Immer wieder überraschte es sie, dass er wusste, sie zu tadeln, ohne dass sie sich anschließend erniedrigt fühlte.
Ich bin eine Palesta und in zwei oder drei Jahren erhalte ich die Schwertleite. Ich lasse mich von ein paar unheimlichen Geräuschen nicht unterkriegen. Sie versuchte sich einzureden, dass sie stark war. Ich bin’s, verdammt! Von neuer Überzeugung gepackt, gab sie ihrem Pferd Sichertritt die Sporen und ließ den Ritter hinter sich. In leichtem Trab hielt sie auf eines der großen Stadttore zu. Die Wiese hatte ihr Territorium beinahe vollständig wieder zurückerobert, sodass die Pflastersteine kaum noch zu erkennen waren. Wohl aber unter den Pferdehufen zu hören. Den Hammerschlägen in einer Schmiede nicht unähnlich. Sie führte das Reittier von der Straße runter in das dämpfende Gras. Wenn sie sich schon nicht ungesehen nähern konnten, wollte sie sich zumindest nicht auch noch laut ankündigen.
Selbst aus der Entfernung sahen sie, dass die Torflügel nicht mehr in den Angeln hingen. Finreds und Sarwast Urväter hatten diese Stadt belagert und dessen Bewohner vertrieben. Vielleicht auch aufgrund der Historie dieses Ortes glaubte Finred, darin ein Mausoleum zu erkennen.
Sarwast brauchte eine Weile, bis er sie eingeholt hatte. »Wart Ihr schon einmal in Nicwarega-Stadt?«, fragte sie ihn.
»Während des Grenzkriegs. Der König befürchtete, die Nicwareger könnten ihre frühere Hauptstadt zurückerobern wollen. Eine Fehlannahme. Wir verbrachten zwei ereignislose Monate in den Trümmern.«
»Wo hattet ihr das Lager?«
»In einer Zisterne, wo einst Schmelzwasser aus den Pelaen gesammelt worden ist. Wir waren tausend Mann, doch in der Zisterne hätten das Zehnfache Platz gefunden. Sogar mit Pferden!«
Immer wieder glaubte Finred, am Rande ihres Sichtfelds Bewegungen wahrzunehmen. Als würde sie auf ein silbernes Totentuch blicken, das der Wind bewegte. Sobald sie ihren Blick jedoch in die entsprechende Richtung lenkte, gab es nichts mehr zu erkennen. Das verminderte jedoch kaum ihre Überzeugung, dass sie etwas gesehen hatte. Diese Stadt war noch nicht tot. Sie mochte keine Menschen mehr beherbergen, was nicht bedeutete, dass sie unbelebt war. Wie eine verwunschene Krypta. Übernatürliche, göttliche Kräfte vermochten sich überall zu sammeln. Finred stellte sich unter dem Geröll begraben längst vergessene Bibliotheken vor, die so manch geheimes Wissen verbargen.
Sie versuchte, diese absurden Überlegungen mit einem Kopfschütteln loszuwerden. Wäre es den Nicwaregern gelungen, übernatürliche Fähigkeiten zu entwickeln, hätte der Krieg anders geendet. Was auch immer sich in den Ruinen der alten Hauptstadt verbarg, konnte ihnen nicht gefährlich werden.
Ein langgezogenes UUUUUUUUUUH, ein Heulen wie von tausend gequälten Seelen, riss sie brutal aus ihren Gedanken und verspottete sie aufs Grässlichste.
»Hört sich nach mehr als nur Wind in Straßen und Gassen an«, meint sie.
»Und so manche Maus im Unterholz erweckt den Eindruck eines Bären«, entgegnete Sarwast. Er deutete schräg nach links. »Siehst du die teils eingestürzte Kuppel dort? Vermutlich stammt das Heulen des Windes von dort. Sie verstärkt und verfremdet es, sodass es uns Angst macht.«
Besagte Kuppel wurde von einer hohen Tanne durchbohrt. Die Wildnis holte sich zurück, was einst ihr gehört hatte. Doch war es ebenjener Baum, der Finred zweifeln ließ, dass der Wind dort so laut heulen konnte.
»Was ist mit dem Turm geradeaus?« Von ganz Nicwarega-Stadt war er ihr als Erstes aufgefallen. Wie eine einzelne Speerspitze ragte er in die Höhe.
»Erscheint mir zu wenig ausladend, um ein derart lautes Geräusch hervorzubringen«, meinte Sarwast.
»Vielleicht steckt Reywa dahinter.« Zur Hälfte handelte es sich um eine Frage, zur Hälfte um eine Feststellung.
Der Ritter lenkte seinen Blick zu ihr rüber. »Abgesehen davon, dass sie auf der Schattenebene gesichtet worden ist, frage ich mich, wie sie das angestellt haben soll.«
Zunächst wusste Finred nur mit den Schultern zu zucken. »Die Nicwareger haben mit Sicherheit eine Methode ertüftelt, um die Stadt im Falle eines Angriffs zu warnen. Ich kann nur vermuten, dass sie ein riesiges Horn aus Stein angefertigt haben, das bei einer Attacke geblasen wurde.«
»Davon habe ich noch nie gehört und wie du weißt, habe ich eine nicht gerade kurze Zeit in der Stadt verbracht. Doch selbst wenn sich deine Vermutung als richtig herausstellt, bezweifle ich, dass Reywa aus einer Laune heraus in dieses Horn bläst.«
»Weshalb denn nicht?«, fragte Finred. Sie erschrak über sich selbst, weil sie verwegener klang als gewollt. »Ich schätze, wenn sie zum Zeitvertreib niemanden zum Töten findet, sucht sie nach anderen Möglichkeiten, um sich zu unterhalten.«
Der Ritter blieb für einige Augenblicke still. Finred konnte sich seine Antwort bereits denken. Er würde ihre Gedanken als närrisch abtun. Sie könnte es ihm nicht übelnehmen. Wenn sie über ihre Worte nachdachte, erklangen sie selbst in ihren eigenen Ohren töricht.
»Vielleicht hast du sogar recht«, sagte er schließlich. Damit entlockte er ihr ein verwundertes Keuchen. »Reywa ist ein derart rätselhaftes Wesen, dass kein Tun abwegig erscheint. Allerdings befindet sie sich nicht in der Stadt.«
Weiterhin führte Finred Sichertritt nur widerwillig in Richtung Tor. Nichts hatte sich daran geändert, dass ihr deutlich lieber wäre, wenn sie die Stadt erst mit der Sonne des nächsten Tages betreten würden. Wölfe waren ihr deutlich lieber als Geister.
Cîr Sarwast drehte seinen Oberkörper zu ihr. »Angenommen wir wüssten, dass sich Reywa in den Ruinen aufhält, welche Waffe würdest du wählen?«
Sie löste den Schild von Sichertritts Flanke und packte die Schildfessel. Dessen Größe war so gewählt, dass sie mit dieser Hand dennoch die Zügel führen konnte. In die zweite nahm sie ihren Speer.
»Bist du sicher, dass Speer und Schild die richtige Wahl sind?«, ließ sich der Ritter vernehmen.
»Der Speer ist aufgrund des Reichweitenvorteils meist die beste Waffe. Nur in beengten Räumlichkeiten würde ich aufs Schwert wechseln – oder aber auf eine stumpfe Waffe, falls der Gegner stark gerüstet ist. Bei Reywa ist dies nicht der Fall.« Den Kriegsflegel ließ sie außen vor. Sarwast ließ sie mit dieser Waffe noch nicht kämpfen.
»Schränkt dich der Schild nicht ein?«
Sie räusperte sich. »Zwar könnte ich mit dem Speer alleine agil von der einen auf die andere Hand wechseln. Gerade bei einem flinken Gegner wie Reywa könnte dies zum Vorteil gereichen. Allerdings verleiht mir der Schild zusätzlichen Schutz gegen einen unberechenbaren Widersacher. Ich glaube, beides ist richtig.«
»Was hältst du davon, Reywa mit dem Bogen aus der Entfernung auszuschalten?«
»Grundsätzlich ist es stets ratsam, den Gegner nicht erst an sich herankommen zu lassen. Dafür muss man ihn jedoch sehen. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass sich Reywa nur selten zeigt. Es besteht demnach die Gefahr, dass der Bogen nutzlos ist – oder gar gefährlich, weil uns Reywa überraschend in einen Nahkampf verwickelt.«
Der Ritter ließ einige angestrengte Augenblicke verstreichen, bis er sein Verdikt sprach. »Ich bin zufrieden mit deiner Antwort. Behalte den Schild. Ich werde mir Reywa mit dem Speer alleine vornehmen. Aber nicht jetzt. Erst müssen wir sie einholen.«
Das Schwert steckte sie wieder ein. Den Schild jedoch behielt sie am Arm. »Damit ich mich vor herabfallenden Dachziegeln schützen kann«, begründete sie.
»Wieder einmal hat die Mark Angst vor Nicwarega«, meinte der Ritter.
Finred lachte angedeutet. »Aber nicht vor dessen Stärke, sondern vor dessen Schwäche.«
Nicht mehr lange und das Tor türmte sich vor ihnen auf. Wie alle anderen Bauten schimmerte es silbern im Mondlicht. Vereinzelt waren Steine herausgebrochen, Moos kletterte an der weitgehend intakten Mauer hoch. Ein weiteres Mal erklang das Heulen. Diesmal erwischte es Finred weniger heftig, denn es hörte sich deutlich weiter entfernt an. Finred vermutete, dass die aufragende Stadtmauer sämtliche Geräusche aus dem Inneren dämpfte.
Finred ließ sich ein Stück zurückfallen und beobachtete, ob Sarwast zögerte, die Ruinenstadt zu betreten. Ihre Hoffnung wurde auch diesmal zerschmettert. Der Ritter führte sein Pferd geradewegs in das Torhaus.
Also folgte sie. Es war ihre Aufgabe als Knappin und ihr Anspruch an sich selbst. Nicht mehr lange und sie würde die Schwertleite erhalten. Spätestens dann musste sie ihre Feigheit endgültig abgelegt haben. Am besten begann sie gleich in dieser Nacht.
Der Ritter ließ nicht länger zu, dass sie hinter ihm ritt. Er wartete auf sie, damit sie Weißblitz und Sichertritt nebeneinander durch das Torhaus in die verlassene Stadt führten. Sobald sie sich auf der anderen Seite der Mauer befanden, sah sich Finred bar jeder Möglichkeit, Sichertritt für einen stillen Gang abseits der Pflastersteine zu lenken. Das Klacken der Hufe hallte von den steinernen Bauten wider.
Langsam eroberte sich das Unkraut die Umgebung zurück, aber die perlmuttern glänzenden Gebäude strahlten noch immer Ehrwürdigkeit aus. Scharfe Winkel an den Verzierungen der Häuser zeichneten den Eingangsbereich von Nicwarega-Stadt aus. Von allen Städten, die Finred kannte, erreichte allenfalls Shalad eine ähnliche Stufe von Sauberkeit und Pracht, aber die Stadt im Süden war für Finred durch die Ereignisse für immer verdorben worden.
Im Vergleich dazu wirkten die Städte der Mark und insbesondere des Cheruskerlandes wie Dörfer. Finred verspürte keinerlei Abneigung gegen Einfachheit. Die Mark und das Cheruskerland waren daraus geboren worden. Darüber war sie froh. Ein Hauch von Stolz lag in ihrem nächsten Atemzug. Das Cheruskerland und die Mark gründeten sich auf Freiheit und Gerechtigkeit. Prunk lenkte nur vom Schmutz ab, den es allerorts zu beseitigen gab.
Sie betrachtete die Gräser, die sich zwischen den Pflastersteinen an die Oberfläche drückten. Auch Stein ist nicht für ewig. Trotzdem meldete sich beim Anblick der durchweg gepflasterten Straßen in ihr eine neidische Stimme. Trotz ihrer Vorliebe für das Einfache lehnte sie nichts ab, was das Leben erleichterte.
Obwohl die Nacht nicht sonderlich kühl war und die nahe Stadtmauer den Wind aus den Bergen zurückhielt, fröstelte Finred. Ihre Heimat war der ferne Norden, sie sollte sich an niedrige Temperaturen, sogar Frost gewöhnt sein. Die Ruinen jedoch verströmten eine andere Form der Kälte. Finred vermochte sie regelrecht zu riechen. Sie schmeckte säuerlich wie ein Wind, der nach einer blutigen Schlacht über ein schneebedecktes Feld strich.
Immer wieder erklang das gespenstische Heulen aufs Neue. Finred war sicher, sich niemals an das Geräusch gewöhnen zu können. Es kitzelte eine tiefsitzende Grundangst in ihr.
Regelmäßig mussten sie Geröllhaufen ausweichen, die sich durch eingestürzte Mauern auf der Straße angesammelt hatten. Eingestürzte oder auch nur schwer beschädigte Häuser entdeckte Finred in diesem Teil der Stadt allerdings keine. Die Nicwareger mussten hervorragende Bauleute gewesen sein. Das mochte hübsch anzusehen sein, aber jagte Finred einen Schauer den Rücken hinunter. Die gesamte Stadt wirkte von einer geisterhaften Kraft erfüllt, die dafür sorgte, dass sie weit langsamer zerfiel, als sie gewöhnlich sollte.
Ein weiteres UUUUUUUUUUH erklang. Finred war, als ob durch die Straßen der Ruinenstadt deutlich mehr kam als nur ein Geräusch – als ob die Stadt selbst sie beobachtete. Wie ein lebendiges Wesen. Wäre dem so, würde sie sich der Eindringlinge erwehren. Waren die Geröllhaufen deswegen entstanden? Weil sich die Stadt bereits früher gegen Eindringlinge gewehrt hatte?
Finred schüttelte energisch den Kopf, um diese lächerliche Überlegung aus ihren Gedanken zu bekommen. Geistergeschichten waren eines. Doch eine Stadt, die lebte und sich zur Wehr setzte, etwas völlig anderes.
Finred konzentrierte sich wieder darauf, mit ihrem Blick die Umgebung abzusuchen und sich aus Furcht nicht in sich zurückzuziehen.
»Magst du mir ein wenig mehr über diese Stadt erzählen?« Sie liebte des Ritters Berichte, wie ihre Heimat entstanden war und wie die Mark früher friedlich neben Nicwarega existiert hatte. Ausgerechnet jetzt wünschte sie sich eine besonders ausführliche Erzählung aus alten Zeiten. Leider war in Sarwast kein Erzähler verlorengegangen. Wenn sie etwas wissen wollte, das über das Nötigste hinausging, musste sie ihn erst ordentlich bearbeiten.
»Sobald wir die Stadt verlassen haben.«
Finred wurde stutzig. »Weshalb das? Vermutest du etwa, dass Reywa …?
