Silvia-Gold 39 - Jill Brady - E-Book

Silvia-Gold 39 E-Book

Jill Brady

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Beschreibung

Sprachlos steht Anna auf dem Bootssteg. Diesen schönen Palazzo hat sie geerbt?
Mit klopfendem Herzen betritt die junge Deutsche die Eingangshalle und geht hinauf ins Piano Nobilé. Schon nach wenigen Stufen steht für Anna fest: Sie wird nach Venedig ziehen und sich ins Dolce Vita stürzen!

Dass das Leben auch in Italien nicht immer süß ist, ahnt sie noch nicht ...

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EPUB

Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2017

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Inhalt

Cover

Impressum

Palazzo meiner Liebe

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2017 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Maridav / shutterstock

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-5477-5

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Palazzo meiner Liebe

Ein Venedig-Roman voller Romantik und Spannung

Von Jill Brady

Sprachlos steht Anna auf dem Bootssteg. Diesen schönen Palazzo hat sie geerbt?

Mit klopfendem Herzen betritt die junge Deutsche die Eingangshalle und geht hinauf ins Piano Nobilé. Schon nach wenigen Stufen steht für Anna fest: Sie wird nach Venedig ziehen und sich ins Dolce Vita stürzen!

Dass das Leben auch in Italien nicht immer süß ist, ahnt sie noch nicht …

Anna Helmer war anders als andere junge Mädchen. Sie kleidete sich anders, bewegte sich anders und vom Leben hatte sie ganz entschieden andere Vorstellungen. Während andere auf eine große Karriere zusteuerten, kümmerte Anna das wenig. Vielleicht lag es daran, dass sie absolut keinen Ehrgeiz hatte.

Sie ließ sich einfach treiben, erwartete nicht viel vom Leben und war wild entschlossen, Single zu bleiben. Die Ehe war für sie etwas, das die persönliche Freiheit einschränkte und jede erotische Initiative erstickte. Frei sein wollte sie, um sich bedingungslos jedem Gefühl hinzugeben. Was nicht hieß, dass sie sich heute in diesen verliebte und morgen in jenen. Nein, so war Anna nicht.

Sie stieg aus ihrem klapprigen Wagen, der den nächsten TÜV wohl nicht überleben würde. Aber Anna hing an ihrem alten schwarzen Auto. Schwarz war seit einigen Monaten ihre Lieblingsfarbe.

Sie hatte ihren eigenen Stil, und es war ihr völlig gleichgültig, was im Augenblick out oder in oder sonst was war. Natürlich trug Anna auch an diesem Tag Schwarz: einen Baumwoll-Overall, flache Ballerinas und in ihrem weichen Haar eins dieser modischen Bänder. Es sah irgendwie lustig aus und machte gute Laune.

Als sie jetzt das Hochhaus betrat, in dem sich im Parterre die Werbeagentur befand, kam ihr der Chef Jochen Breitenbach im Flur entgegen. Er begrüßte Anna flüchtig und war mit seinen Gedanken offenbar ganz woanders.

»Da war eben ein Anruf für dich. Frag mal Ingrid«, sagte er noch, ehe er in einem der zahlreichen Büros verschwand.

Es waren fast ausschließlich junge Leute, die für die ›Breitenbach Werbeagentur‹ arbeiteten, und es war selbstverständlich, dass man sich duzte. Sie waren ein gutes Team, Anna fühlte sich wohl hier.

Die Dreiundzwanzigjährige arbeitete seit zwei Jahren für Jochen Breitenbach und seine Crew. Eigentlich hatte sie ja weiter Germanistik studieren wollen, aber nach ein paar Semestern hatte sie das Studium an den Nagel gehängt und sich gesagt, dass sie es auch so schaffen würde.

Anna war ganz auf sich gestellt, seitdem ihr Vater gestorben und ihre Mutter zu einer entfernten Cousine nach Mallorca gezogen war. Aber an ihrem Arbeitsplatz hatte sie Freunde gefunden, eine Art Ersatzfamilie.

Ingrid, die Sekretärin, saß hinter ihrem Computer, als Anna hereinkam. Anna ging zu ihr.

»Ein Dr. Franz Baldner hat angerufen«, sagte die Sekretärin. »Er ist Anwalt und du möchtest bitte zurückrufen. Es wäre sehr wichtig.« Ingrid lächelte frech. »Hast du was ausgefressen?«

»Blödsinn«, antwortete Anna und kaute nachdenklich auf ihrer Lippe herum. »Ich weiß überhaupt nicht, was das bedeuten soll. Ich habe nichts mit einem Anwalt zu tun. Aber irgendwie kommt mir dieser Name bekannt vor. Wenn ich nur wüsste, wo ich ihn schon gehört habe.«

»Überleg nicht lange. Ruf ihn einfach an!« Ingrid schob ihr das Telefon hin. »Los, befriedige deine Neugierde. Du wirst gleich erfahren, was dahintersteckt.«

Anna wählte die angegebene Nummer und wartete ungeduldig.

»Ich möchte Sie bitten, noch heute in mein Büro zu kommen, Frau Helmer«, sagte der Anwalt kurz darauf zu ihr. »Ich habe eine wichtige Nachricht für Sie. Aber darüber können wir nicht am Telefon reden.«

»Sie können mir doch wenigstens sagen, worum es geht«, meinte sie. »Ich habe absolut keine Ahnung, was Sie von mir wollen.«

Er räusperte sich. »Es handelt sich um Ihre Tante: Franziska Leone. Sie ist vor vierzehn Tagen in Venedig gestorben. Ein italienisches Anwaltsbüro hat mich beauftragt, Sie davon zu informieren. Und nicht nur das. Da gibt es noch etwas anderes, worüber wir reden müssen. Passt es Ihnen um achtzehn Uhr?«

»Ja, ja, natürlich«, antwortete Anna. »Ich werde pünktlich sein.« Sie legte den Hörer auf.

Neugierig hatte Ingrid die Kollegin beobachtet.

»Was ist los? Was hat er gesagt?«

»Meine Tante ist gestorben«, erzählte Anna. »Ich habe mich im letzten halben Jahr gar nicht mehr um sie gekümmert. Das tut mir jetzt leid. Dabei hatte ich sonst immer einen so guten Kontakt zu Tante Franziska.«

»Tut mir leid«, sagte Ingrid. »Wie alt ist sie denn geworden?«

Anna dachte nach. »Sie müsste achtundachtzig oder neunundachtzig geworden sein. Aber das hättest du ihr nicht angesehen. Sie war unvergleichlich.«

»Na ja, das ist ein schönes Alter«, meinte Ingrid. »Bestimmt hat sie dir etwas vererbt. Hatte sie Geld, deine Tante?«

»Wenn sie nicht alles durchgebracht hat, muss noch eine Menge übrig sein«, entgegnete Anna. »Weißt du, meine Tante war viermal verheiratet. Zwei ihrer Ehemänner sind gestorben und haben ihr einiges hinterlassen. Von den anderen beiden wurde sie geschieden, und auch dabei ist sie nicht schlecht weggekommen. Mit armen Männern hat Tante Franziska sich nie abgegeben.«

Ingrid pfiff einmal kurz. »Gibt es noch irgendwelche anderen Verwandte, die was kriegen könnten?«

»Ich glaube nicht«, antwortete Anna. »Sie war die Schwester meines Vaters, und Vater ist tot.«

»Keine Kinder?«

Anna schüttelte den Kopf.

»Nein, Tante Franziska hatte keine Kinder. Irgendwie hat es wohl nie geklappt. Ich bin wirklich neugierig, was dieser Dr. Baldner mir zu sagen hat.«

»Natürlich geht es um eine Erbschaft, ist doch klar. Wo hat deine Tante gelebt?«

»Zuletzt in Venedig«, erzählte Anna. »Ich hab sie mal vor ein paar Jahren besucht. Sie lebte in einem wunderschönen Palazzo direkt am Canale Grande.«

Anna spürte, wie ihr Herz klopfte. Wenn Tante Franziska ihr wirklich etwas vermacht hatte … Möglicherweise das schöne Haus … Gar nicht auszudenken!

***

»Die Testamentseröffnung hat in Italien stattgefunden«, erklärte der Anwalt, als Anna ihm in seinem Büro gegenübersaß. »Aber man hat mich beauftragt, Sie zu informieren, und das werde ich jetzt tun, Frau Helmer.« Wohlgefällig schaute Dr. Baldner Anna an.

»Tante Franziska hat also ein Testament gemacht und mich berücksichtigt. Stimmt das?«

»So ist es. Wenn Sie hören, was Ihre Tante Ihnen vermacht hat, werden Sie überwältigt sein.« Er lächelte. »Ich habe jahrelang für Ihre Tante gearbeitet«, erzählte er dann. »Und ich kann bis heute nicht begreifen, warum sie sich nicht mehr juristisch von mir beraten lassen wollte, sondern sich diesem windigen Italiener anvertraut hat, diesem Roberto Tarelli, der bis zu ihrem Tod ihr Rechtsanwalt war.«

»Dazu kann ich nichts sagen«, antwortete Anna. »Aber sie wird ihre Gründe gehabt haben.«

»Diese Italiener …« Dr. Baldner verzog den Mund. »Sie werden Ihre Tante schön eingewickelt haben.«

»Aber sie war doch zuletzt mit einem Italiener verheiratet«, meinte Anna. »Soviel ich weiß, war es eine gute Ehe. Aber er ist dann ja leider gestorben. Wahrscheinlich hat er meine Tante überredet, sich einen italienischen Anwalt zu nehmen.«

»Er muss ein ganz besonderer Typ sein, dieser Roberto Tarelli. Ihre Tante war ihm sicherlich sehr zugetan. Immerhin hat sie ihn im Testament mit einer Million bedacht. Also, wenn Sie mich fragen, wird dieser Anwalt schon dafür gesorgt haben, dass er auf seine Kosten kam. Eine Million ist schließlich kein Klacks. Da liegt fast der Verdacht von Erbschleicherei nahe.«

»Roberto Tarelli interessiert mich nicht«, sagte Anna. »Ich würde gern wissen, was mit mir ist.«

Dr. Baldner holte tief Luft. »Um genau zu sein, Sie haben acht Millionen geerbt, Frau Helmer. Sie sind jetzt eine reiche Frau.«

Anna schnappte nach Luft. »Acht Millionen … meine Güte!«

»Sehr viel Geld«, bestätigte der Jurist. »Im Übrigen hat Ihre Tante noch einem Heim für Drogenabhängige eine halbe Million hinterlassen. Das muss wohl so ein Tick von ihr gewesen sein. Denn auch in der Auflage, die Sie betrifft, geht es um Drogen.«

»Es gibt eine Auflage?«, fragte Anna. »Also bekomme ich die Millionen gar nicht so ohne Weiteres?«

»Die Millionen und das Haus am Canale Grande«, sagte der Anwalt lächelnd. »Aber Ihre Tante hat testamentarisch verfügt, dass Sie das gesamte Erbe verlieren, falls Sie je mit Drogen in Berührung kommen. In dem Fall wird das gesamte Vermögen zwischen diesem Anwalt und dem Leiter des Heims aufgeteilt. So sieht es aus, Frau Helmer.«

Anna seufzte erleichtert auf.

»Also, das ist kein Problem«, sagte sie. »Mit Drogen habe ich nichts im Sinn, hatte ich nie. Nicht mal aus Neugierde würde ich so etwas probieren. Diese Auflage nehme ich gern an.«

»Dann sollten Sie sich jetzt so schnell wie möglich auf den Weg nach Venedig machen, um das Erbe anzutreten«, bemerkte der Anwalt. »Wenden Sie sich gleich nach Ihrer Ankunft an das Rechtsanwaltsbüro Tarelli. Dort werden Sie schon erwartet.« Er beugte sich vor. »Aber seien Sie vorsichtig«, warnte er, »und nehmen Sie sich vor diesem Roberto Tarelli in acht. Auch er kennt schließlich das Testament. Nach wie vor halte ich ihn für einen Erbschleicher. Hüten Sie sich vor diesem Mann! Tarelli hat jetzt zwar eine Million, aber er könnte schließlich auch noch an mehr herankommen, wenn Sie sich etwas zuschulden kommen lassen. Das Testament ist eindeutig.«

Anna schluckte nervös. »Nun, diese Drogensache ist für mich wirklich kein Thema. Hat meine Tante denn keine weiteren Verwandten? Ist da sonst niemand …«

»Nein. Wie ich Ihnen schon sagte, ist das Testament eindeutig. Sie sind die Haupterbin. Ihre Tante muss Sie wohl sehr geschätzt haben.«

Anna lächelte fast zärtlich. »Tante Franziska war ein verrücktes Huhn«, bemerkte sie. »Aber sie hat ihr Leben genossen. Sie hat aus allem das Beste gemacht. Und weiß Gott, dazu hatte sie Talent.«

Dr. Baldner nickte. »Nun gut. Aber sagen Sie später nicht, dass ich Sie nicht gewarnt habe. Und wenn Sie mich irgendwann einmal brauchen sollten, werde ich immer für Sie da sein, Frau Helmer.«

»Ich werde es nicht vergessen«, versprach Anna, aber dann vergaß sie Dr. Baldner, kaum, dass sie sein Büro verlassen hatte. Sie dachte an Venedig, an die Seufzerbrücke, an den Campanile, den Markusplatz mit den Tauben und den schönen alten Arkaden. Sie dachte an das Meer, an das Licht an einem Sommerabend, und sie glaubte, die Glocken von San Marco zu hören, die zur Abendmesse riefen …

Gleich morgen wollte sie mit Jochen sprechen und dann so schnell wie möglich abreisen.

***

Roberto hatte sich schon oft gefragt, wie er aus der Sache herauskommen sollte. Dass er sich damals so spontan mit Gina Vechino verlobt hatte, verstand er heute nicht mehr. Aber es war wohl der Rausch des Augenblicks gewesen, der ihn dazu verführt hatte. Damals, vor drei Monaten, war er wie verrückt in Gina verliebt gewesen.

Sie war aber auch eine wunderschöne Frau mit der schwarzen Lockenmähne und diesen dunkelgrünen Katzenaugen. Ihr voller roter Mund verlockte zum Küssen, und ihre Figur, mit den Rundungen genau an den richtigen Stellen, war atemberaubend.

Er hatte Gina im Karneval kennengelernt, als sein adeliger Freund Conte Fosco im Palazzo Julietta einen Maskenball gegeben hatte. Damals hatte Roberto Gina umkreist wie eine Biene den Honigtopf.

Weiß Gott, es waren Konkurrenten genug da gewesen, und es hatte ihm Spaß gemacht, sie alle aus dem Feld zu schlagen. Mit dieser Frau an seiner Seite, hatte er gedacht, würde er den Himmel stürmen.

Aber er hatte sich verrechnet. Sehr bald hatte sich herausgestellt, dass Ginas Temperament nur vorgetäuscht war. Sie hatte ihm gesagt, dass sie noch Jungfrau sei und es auch bleiben wolle bis zur Hochzeitsnacht. Bei ihnen in Sizilien wäre das so.

Doch so keusch sie einerseits war, so hemmungslos flirtete sie andererseits mit anderen Männern. Davon verstand Gina eine ganze Menge, und sie liebte es, wenn Männer in Flammen standen und sich nach ihr verzehrten.

Auch das war etwas, was Roberto überhaupt nicht gefiel. Deshalb fragte er sich jetzt manchmal, wie er die ganze Geschichte beenden konnte. Leicht würde es nicht sein, darüber war er sich klar. Er hatte ihr ein Versprechen gegeben, und ihr gesamter sizilianischer Clan wartete darauf, dass er dieses Versprechen einlöste.

An diesem Abend schlenderte er mit Gina durch die schmalen Gassen der Innenstadt. Venedig war heiß und trocken in diesem August, und von den Kanälen stieg ein modriger, fauliger Geruch auf. Trattorien und Restaurants waren hell erleuchtet. Man hörte Stimmen und Gelächter. Irgendjemand sang ein altes neapolitanisches Lied.

»Mein Gott, war dieser Vortrag langweilig«, beschwerte sich Gina. »Deine Kollegen, diese Staatsanwälte und Richter, waren auch nicht besser. Sie hatten keinen Funken Charme.«

»Wir haben doch nur eine halbe Stunde nach dem Vortrag zusammengestanden. Wie kannst du das beurteilen?«, erwiderte Roberto. »Im Übrigen haben sie dir alle zu Füßen gelegen.«

Gina lächelte auf eine Weise, dass jeder Mann, der sie sah, weiche Knie bekam.

»Trotzdem habe ich mich gelangweilt.« Sie stöckelte auf ihren hochhackigen Riemchensandaletten neben Roberto her und sah einfach männermordend aus in ihrem kirschroten schulterfreien Kleid mit der engen Korsage und dem kurzen, schwingenden Rock.

»Ich hätte dich nicht mitnehmen sollen«, sagte Roberto. »Die neuen Resozialisierungspläne der Regierung mussten dich ja anöden.«

»Wäre ich nur mit Antonio in die Oper gegangen!« Gina seufzte.

»Wer ist Antonio?«

»Mein Vetter«, entgegnete sie. »Nun ja, er ist nicht richtig mein Vetter. Wir sind über ein paar Ecken miteinander verwandt.«

»Wie alle in Sizilien, was?«, spottete Roberto.

»Du brauchst das gar nicht so zu sagen.«

Roberto lachte und nahm Ginas Arm, aber sie löste sich sofort wieder von ihm. Sie mochte es nicht, wenn sie Arm in Arm wie ein Ehepaar gingen, und Roberto fragte sich wieder, was er überhaupt mit dieser Frau anfangen sollte, die seinen Berührungen auswich, und wenn sie noch so harmloser Natur waren.

»Gehen wir in ›Harry’s Bar‹. Nehmen wir noch einen Drink«, schlug er vor. Ihm war jetzt sehr nach einem Drink.

»Doch nicht dahin.« Gina warf ungeduldig das Haar zurück. »Da wimmelt es doch jetzt im August von Touristen. Wie ich sie hasse, diese Touristen. Überall machen sie sich breit. Im Sommer gehört Venedig den Fremden. Schrecklich ist das.«

»Du vergisst, dass unser Land zum großen Teil von Touristen lebt«, belehrte Roberto sie.

»Ach, und wenn schon! Von mir aus könnten sie alle in den Kanälen ertrinken.«

»Liebenswürdig bist du«, stellte Roberto fest. »Auch über deine Toleranz kann man nicht klagen.«

»Spotte nur«, meinte Gina. »Das trifft mich nicht.«

Sie war wütend über den verschwendeten Abend, und wütend auf Roberto überhaupt. Dass er gar keine Anstalten mehr machte, von Ehe zu sprechen! Dabei waren sie doch verlobt. Aber wenn sie diskrete Andeutungen machte, wich Roberto jedes Mal aus. Dabei war der junge Anwalt gerade jetzt für Gina viel attraktiver als vorher. Schließlich hatte er eine Million geerbt.

»Also, wohin gehen wir?«, fragte Roberto jetzt. »Sollen wir den Drink vielleicht in meiner Wohnung nehmen, nur wir zwei allein?«

»O nein«, widersprach Gina sofort. »Darauf lasse ich mich nicht ein. Ich kenne dich doch.«

»Also gut, dann bringe ich dich nach Hause zu deinem Onkel. Es ist ja auch schon fast elf, und für morgen ist mein Terminkalender voll.«