Silvia-Gold 65 - Jill Brady - E-Book

Silvia-Gold 65 E-Book

Jill Brady

0,0
1,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Das hätte ich nie von dir gedacht!
Liebesroman um eine Begegnung der besonderen Art


Lucy findet ihre große Schwester Joy einfach fabelhaft. Deshalb schickt sie heimlich Fotos von Joy an das "California Journal", als dort "Das Mädchen, mit dem man im Lift stecken bleiben möchte" gesucht wird. Unter Tausenden Bewerberinnen um diesen Titel wird Joy von der Jury ausgewählt.

Fantastisch? O nein! Denn Joy hasst Misswahlen und den damit verbundenen Rummel - und sie liebt Tom, den Starreporter des "California Journal", den sie erst kürzlich kennengelernt hat. Tom dagegen ist plötzlich überzeugt, dass Joy sich nur mit ihm eingelassen hat, um den begehrten Titel zu ergattern.

Also Krach auf der ganzen Linie. Tom ist wütend, weil er sich an der Nase herumgeführt fühlt, und Joy, weil er ihr nicht glaubt. Und dann taucht plötzlich noch dieser Millionär auf, der Joy so gerne trösten möchte ...

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB

Seitenzahl: 134

Veröffentlichungsjahr: 2018

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Inhalt

Cover

Impressum

Das hätte ich nie von dir gedacht!

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabe der beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2018 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Vasyl Dolmatov / iStockphoto

Datenkonvertierung eBook: Blickpunkt Werbe- und Verlagsgesellschaft mbH, Satzstudio Potsdam

ISBN 978-3-7325-7141-3

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

Das hätte ich nie von dir gedacht!

Liebesroman um eine Begegnung der besonderen Art

Von Jill Brady

Lucy findet ihre große Schwester Joy einfach fabelhaft. Deshalb schickt sie heimlich Fotos von Joy an das »California Journal«, als dort »Das Mädchen, mit dem man im Lift stecken bleiben möchte« gesucht wird. Unter Tausenden Bewerberinnen um diesen Titel wird Joy von der Jury ausgewählt.

Fantastisch? O nein! Denn Joy hasst Misswahlen und den damit verbundenen Rummel – und sie liebt Tom, den Starreporter des »California Journal«, den sie erst kürzlich kennengelernt hat. Tom dagegen ist plötzlich überzeugt, dass Joy sich nur mit ihm eingelassen hat, um den begehrten Titel zu ergattern.

Also Krach auf der ganzen Linie. Tom ist wütend, weil er sich an der Nase herumgeführt fühlt, und Joy, weil er ihr nicht glaubt. Und dann taucht plötzlich noch dieser Millionär auf, der Joy so gerne trösten möchte …

»Genial! Wir machen die Sache mit dem Mädchen. Tom, das war die beste Idee, die Sie jemals hatten.« Richard Clark, Chefredakteur des California Journals, nahm die Füße vom Schreibtisch und grinste wie ein Honigkuchenpferd. »Das wird das Journal wieder ins Gespräch bringen.« Der Sechsunddreißigjährige mit dem blassen intellektuellen Gesicht und der dunklen Hornbrille begann, mit seinem Kugelschreiber zu spielen. »Für die nächste Nummer packen wir es nicht mehr, aber in der Dreiunddreißig ist es drin. Natürlich müssen wir gleich groß aufs Cover gehen. Gesucht wird: Das Mädchen, mit dem man im Lift stecken bleiben möchte. Wirklich eine klasse Idee, Tom. Einfach und genial!«

»Natürlich werden sich wieder entsprechende Mädchen darauf melden.« Tom Harris, ein sportlicher Mann mit braunem Haar und lebhaften Augen, lehnte lässig am Schreibtisch. »Ich habe für diese Provinzschönheiten nicht viel übrig, die reichlich was unterm T-Shirt und wenig im Kopf haben. Aber das ist nicht mein Problem.«

»Eben.« Richard Clark gönnte sich ein Lächeln. »Sie müssen ja nicht eins dieser Mädchen heiraten. Sie sind nicht mal verpflichtet, mit einem von ihnen ins Bett zu gehen. Ich will, dass Sie mit in der Jury sitzen. Die Sache war Ihre Idee, und Sie müssen die Suppe nun auch mit auslöffeln.«

»Nichts dagegen einzuwenden.« Tom stieß sich vom Schreibtisch ab. »Aber für die Vorarbeiten bin ich nicht zuständig. Wie immer bei solchen Wettbewerben laufen hier die Drähte heiß. Ich rechne mit mehreren Tausend Angeboten.«

»Umso besser. Wir werden Frank an die Post setzen. Er ist noch neu im Job und hat einen Blick für hübsche Mädchen. Denn die Gewinnerin muss natürlich etwas Besonderes sein. Attraktiv und sexy, und sie muss eine gewisse Ausstrahlung haben. Wenn man dieses Mädchen sieht, muss jeder Mann den Wunsch haben, wirklich mit ihm im Lift stecken zu bleiben.«

»Und das Finanzielle?«, fragte Tom. »Wie stellen Sie sich das vor?«

»Ist ein Titel dieser Art, vom California Journal verliehen, nicht Anreiz genug?«

»Um die Sache perfekt zu machen, müssen ein paar harte Dollars dahinterstehen. Wie wäre es mit dreißigtausend?«

Richard tippte sich an die Stirn.

»Wohl verrückt geworden, was? Das kriege ich oben nie durch. Zwanzigtausend ist das höchste der Gefühle.«

»Okay, zwanzigtausend. Der arme Frank. Er wird demnächst eine ganze Menge zu tun haben.«

***

Lucy Finley war sechzehn Jahre alt. Aber sie wirkte immer noch wie ein stupsnäsiger Teenie mit ihren Sommersprossen, dem rotbraunen Pferdeschwanz und der niedlichen Nickelbrille. Dabei war Lucy ein durchaus ernst zu nehmendes Mädchen. Sie jedenfalls glaubte das. Und seit sie angefangen hatte, Novellen zu schreiben, war sie davon überzeugt, eines Tages zu den ganz Großen zu gehören.

Die Manuskripte kamen zwar mit schöner Regelmäßigkeit zurück, aber Lucy ließ sich nicht entmutigen. Eines Tages würde man schon erkennen, dass sie mehr konnte als alle Hemingways zusammen.

Lucy lebte mit ihren Eltern in einem Haus am Hügel von Santa Monica. Sie liebte ihr Zwergkaninchen Tipsy, das ihr um die Füße strich wie ein Kater, und am allermeisten Joy, ihre ältere Schwester. Joy war vierundzwanzig und in Lucys Augen das schönste Mädchen auf der weiten Welt.

Dass Joy nichts weiter geworden war als Sekretärin im Büro einer Kunststofffirma, hatte Lucy nie verstanden. Sie fand, dass Joy zu etwas Größerem, Bedeutenderem berufen war. Vielleicht Filmstar oder Model.

Aber offenbar hatte Joy keinen Ehrgeiz in dieser Richtung, und das brachte Lucy darauf. Was sollte aus der Schwester werden, wenn alles so weiterlief wie bisher? Sie würde irgendeinen netten Typen heiraten und nette Kinder bekommen, würde die üblichen Partys geben und die üblichen Freunde haben. Und eines Tages würde sie alt sein und hatte nichts gehabt von ihrem Leben. So dachte Lucy.

Als sie an diesem Mittag von der Schule nach Hause kam, hatte sie sich wie immer das California Journal besorgt. Sie mochte die Zeitschrift. Nicht wegen der Klatschgeschichten oder der Kochrezepte. Sie interessierte sich vor allem für die Storys und hatte sich schon manchmal überlegt, ob sie sich mit ihren Novellen nicht an das Journal wenden sollte.

Jetzt knallte sie ihre Collegemappe in der Küche auf den Tisch, sagte: »Hi, Mom!«, und schnupperte.

Cathleen Finley stand am Herd und kochte. Lucy zog die Nase kraus. Sie konnte Irish Stew nicht leiden, liebte Hamburger über alles oder Chili. Auch Makkaroni und Tomatensoße fanden Gnade vor ihren Augen. Aber Irish Stew?

»Was ist, Lucy?« Lächelnd drehte sich Cathleen zu ihrer jüngsten Tochter, dem kleinen Nachkömmling, um. »Was machst du für ein Gesicht? Ärger in der Schule?«

»Irish Stew!«, stieß Lucy mit tiefer Verachtung hervor.

»Du weißt, dass dein Vater es gern isst.«

»Wenn ich erwachsen bin und wenn ich einmal heiraten sollte, wird mein Mann das essen müssen, was mir schmeckt.«

»Bis dahin änderst du dich, Darling, und bis dahin ändert sich dein Geschmack.«

»Nicht in diesem Punkt«, erklärte Lucy. Sie hatte das California Journal unter den Arm geklemmt und verschwand jetzt in ihrem Zimmer. Die Mutter hörte sie die Treppe hinauflaufen.

Cathleen Finley tolerierte die schriftstellerische Leidenschaft ihrer Jüngsten. Wie die meisten Redakteure, die ihre Arbeiten zurückschickten, war auch Cathleen Finley davon überzeugt, dass Lucy noch viel zu jung war, um sich an bestimmte Themen heranzuwagen. Aber ein gewisses Talent war ihr zweifellos nicht abzusprechen. Dennoch glaubte Cathleen nicht an eine grandiose Karriere ihrer Tochter.

Ihre beiden Mädchen waren in einer gutbürgerlichen, soliden Atmosphäre aufgewachsen, und Cathleen fand es ganz in Ordnung, dass sie eines Tages solide, anständige Männer heiraten würden und ein ganz normales Leben führten. Doch Lucy schwirrten andere Sachen im Kopf herum, und gerade an diesem Tag.

Kaum hatte sie das Cover des Journals studiert, schlug sie auch schon Toms Story auf. Je weiter sie las, desto aufgeregter wurde sie. Sie bekam rote Flecken auf den Wangen, und ein ganz merkwürdiger Glanz war in ihren grünblauen Augen. Nervös rückte sie an der Brille.

Eine Idee setzte sich in ihr fest, eine, wie sie fand, ganz fantastische Idee. Das war die Chance, auf die sie immer gewartet hatte, die große Chance für Joy. Vom ersten Moment an stand für Lucy fest, dass nur Joy das Mädchen werden konnte, mit dem man am liebsten im Lift stecken bleiben möchte. Sie hatte alle Voraussetzungen, die gefordert wurden.

Joy sah blendend aus, hatte eine sensationelle Figur und ganz bemerkenswerte Beine. Und dann die Flut ihrer blonden Haare! Völlig neidlos hatte Lucy von Anfang an der absoluten Schönheit ihrer Schwester gegenübergestanden.

Dass sich Joy unbedingt in diesem trübsinnigen Büro verstecken wollte! Jetzt war der Moment gekommen, das zu ändern. Lucy handelte.

Sie hatte noch Fotos vom letzten Jahr, die am Strand von Malibu aufgenommen worden waren. Joy liebte den Strand, und sie war oft dort.

Lucy seufzte leicht, als sie Joy im Bikini betrachtete. Es war ein winziger schwarzer Bikini, und Joy lachte auf dem Foto. Im Geist sah Lucy dieses Foto schon auf der Titelseite des Journals. Aber es gab noch andere Bilder, die Joy ernst und sehr schön zeigten.

Lucy beschloss, drei einzuschicken.

Der Brief musste ganz locker und leicht klingen, so, als hätte die Schwester ihn geschrieben. Er durfte nicht anbiedernd sein und auch nicht frech und gewagt. Lucy wusste, dass sie bestimmt einen ganzen Nachmittag brauchen würde, um die Zeilen zu formulieren.

Natürlich würde sie der Schwester nichts davon erzählen. Joy konnte manchmal sehr temperamentvoll reagieren, und dann war Lucy in der schlechteren Position.

Was für eine Überraschung würde es sein, wenn Joy einen Brief vom Journal bekam! Wenn man ihr schrieb, ihre Nominierung sei so gut wie sicher. Und falls es wider Erwarten nicht klappen sollte, dann würde Lucy die Geschichte als Fehlschlag abbuchen, und keiner brauchte etwas davon zu erfahren.

***

Joy war nach Feierabend in ihrem alten grasgrünen Toyota zum Strand von Malibu gefahren. Es war ein heißer Sommertag. Sie hatte den ganzen Tag darauf gewartet, im Meer zu schwimmen. Das hatte sie getan und dann auf einer Decke in der Sonne gelegen, weit ab von den anderen, die das gleiche Bedürfnis hatten wie sie.

Inzwischen war die Sonne wie eine dicke Blutorange im Meer versunken. Noch war der Himmel rosig gelb gefärbt, aber die Dunkelheit würde schnell kommen.

Joy richtete sich in ihrem winzigen roten Bikini auf und strich das blonde Haar zurück, das inzwischen fast getrocknet war. Sie verschränkte die Arme um die angezogenen Beine und blickte aufs Meer hinaus. Wie ruhig der Pazifik heute war! Nur kleine weiße Wellen schlugen an den Strand. Die Brandung, die Joy so liebte, fehlte.

Sie überlegte, wie sie den Abend verbringen sollte. Sollte sie die Schwester und Eltern besuchen? Eigentlich war ihr nicht danach.

Vielleicht würde sie sich einfach in ihrem Apartment auf die Couch werfen und den Fernseher einschalten. Sie dachte plötzlich an Mike, den jungen Mann aus der Verkaufsabteilung, der schon lange hinter ihr her war und sie immer wieder zum Essen einladen wollte. Sie musste lächeln.

Mike war ein netter Kerl, aber kein Mann zum Verlieben. Er war ein Jahr jünger als sie, und vielleicht war es das, was Joy störte. Aus jüngeren Männern hatte sie sich nie viel gemacht.

Gedankenverloren glitt ihre Hand an ihrem Bein hinunter. Plötzlich erschrak sie. Wo war das goldene Fußkettchen, das ihr Robert vor sechs Jahren geschenkt hatte? Robert war Joys erste Highschool-Liebe gewesen und ihre erste Erfahrung. Sie hatten sich längst getrennt. Robert studierte jetzt in Europa. Aber irgendwie hing Joy an diesem Kettchen.

Verzweifelt begann sie zu suchen. Sie schob das Badetuch zur Seite. Nichts.

Schließlich ging sie zum Meer. Vorhin war sie ein Stück am Strand entlanggelaufen. Ob sie die Kette dabei verloren hatte? Den Blick starr auf den Boden gerichtet, ging Joy am Strand entlang. Ein paar Muscheln lagen hier, angeschwemmtes Holz, eine Zigarettenkippe. Joy erkannte, dass es ziemlich aussichtslos war, die Suche fortzusetzen. Sie tat es trotzdem.

Das Fußkettchen war eine Art Talisman für sie gewesen. Nicht, dass sie wirklich an so etwas glaubte, aber sie hing nun mal an dem Ding. Plötzlich glitzerte etwas im Sand.

Hastig stürzte sie darauf zu. Aber es war nur ein Stück Stanniolpapier, und Joy stieß verärgert mit dem Fuß dagegen.

Inzwischen hatten die anderen Badegäste den Strand verlassen. Nur in der Ferne kreischten ein paar Kinder.

Joy war zornig und traurig. Sie hätte niemals gedacht, dass sie das Kettchen verlieren könnte. Nun war es geschehen. Gewiss, es war kein Weltuntergang, keine Katastrophe, aber trotzdem.

Joy ging den Weg zurück, den sie eben gekommen war, den Blick noch immer starr auf den Boden geheftet. Plötzlich bemerkte sie ein Paar weiße Turnschuhe, eine Jeans darüber, und eine tiefe Männerstimme sagte: »Wenn Sie etwas Wertvolles verloren haben, hier ist es.«

Ganz langsam wanderte Joys Blick an den Hosenbeinen empor. Sie sah ein dunkelblaues, locker in die Hose gestecktes Polohemd, und dann blickte sie in Toms amüsiert lächelnde Augen.

Joy holte tief Luft. »Wie schön, dass es noch bescheidene Menschen gibt«, meinte sie. »Aber für größere Fundsachen habe ich keinen Bedarf.«

Tom lachte, was ihn noch sympathischer machte.

»Ich darf also annehmen, dass Sie etwas Kleines, Wertloses verloren haben, stimmt’s?«

»Ich möchte wissen, was Sie das angeht.« Kampflustig sah Joy ihn an, Zorn in den meergrünen Augen.

Der Wind trieb ihr das blonde Haar ins Gesicht. Sie sah wunderschön aus in diesem Moment, und Tom bemerkte das natürlich sofort.

»Ich möchte Ihnen helfen, ganz einfach so. Sagen Sie mir, was Sie verloren haben, und wir werden es gemeinsam finden.«

Plötzlich wusste Joy nicht mehr, warum sie wütend gewesen war. Jetzt lächelte auch sie, und sie stellte fest, dass der Fremde eigentlich sehr sympathisch war. Sie erzählte ihm, was sie vermisste.

»Gott sei Dank«, meinte Tom. »Ich dachte schon, Sie hätten Ihr Herz verloren.«

»Im Sand?« Joy schüttelte den Kopf. »Auf was für Gedanken Sie kommen! Sind Sie sicher, dass Sie ganz normal sind?«

Wieder lachte Tom.

»Im Allgemeinen werde ich dafür gehalten. Sie haben dieses Kettchen also hier irgendwo am Strand verloren?«

Joy wandte das Gesicht dem Meer zu.

»Ja.« Es klang ein bisschen verloren. »Ja, hier irgendwo muss es sein, es sei denn, es wäre mir beim Schwimmen abgerutscht. Aber das ist bisher noch nie passiert.«

»Wir finden es. Tom Harris findet immer, was er sucht.«

Flüchtig sah Joy ihn an. »Tom also.«

»Hat man Sie auch mit einem Namen bedacht?«

Joy sagte es ihm.

»Was für ein hübscher Name. Okay, Joy, ich werde Ihre Kette finden, und wenn ich Tag und Nacht danach suchen muss.«

Joy zog eine Braue hoch.

»Übertreiben Sie immer so?«, fragte sie.

»Eigentlich nicht. Aber ein schönes Mädchen wie Sie bringt so einiges bei mir durcheinander.«

»Kommen Sie mir nur nicht auf die Tour«, warnte Joy ihn. »Ich bin hier nicht am Strand, um Männerbekanntschaften zu machen.«

»Das habe ich auch nicht einen Augenblick von Ihnen gedacht.« Treuherzig legte Tom die rechte Hand aufs Herz.

»Wir werden es nie finden. Hier im Sand ist es ausgeschlossen.« Joy setzte sich wieder in Bewegung, und Tom blieb an ihrer Seite.

»Erzählen Sie mir genau, wie das Ding aussah.«

Joy beschrieb es ihm. Sie sprach auch von dem kleinen Schlüsselanhänger. Aufmerksam hörte Tom ihr zu. Auch er ließ keinen Blick vom feuchten Sand, auf den das Meer spülte.

»Wenn Sie die Kette hier unten verloren haben, hat der Pazifik sie verschluckt.«

»Im Sand findet man so etwas nie.« Sie waren an Joys Badetuch angekommen. Das Radio spielte noch immer Popmusik. »Besser, ich fahre jetzt nach Hause.«

»Geben Sie mir Ihre Adresse«, bat Tom spontan. »Ich werde noch eine Weile für Sie suchen. Falls ich das Kettchen finde, bringe ich es Ihnen persönlich vorbei.«

Da musste Joy wieder lächeln. Nur eine Sekunde zögerte sie, dann nannte sie Tom ihre Adresse. Was konnte schon passieren? Das Kettchen war weg, so viel war sicher, und Tom Harris würde keine Chance haben, sie zu besuchen.

***

Am nächsten Abend fuhr Joy direkt nach Hause. Sie hatte am Morgen die Waschmaschine vollgepackt, wollte jetzt die Wäsche in den Trockner geben und anschließend bügeln. Irgendwann mussten diese Dinge erledigt werden. Vielleicht würde sie später in irgendein Restaurant fahren, um eine Kleinigkeit zu essen. Den Besuch bei den Eltern hatte sie auf das Wochenende verschoben.

Als sie den gut bezahlten Job bei der Walker-Company angenommen hatte, war sie der Überzeugung gewesen, dass es Zeit sei, sich selbstständig zu machen. Alt genug war sie ja, und sie wollte sehen, wie es war, allein im Leben zurechtzukommen.

Okay, ihre Kindheit und Jugend waren prima gewesen, und sie hatte sich zu Hause wohlgefühlt. Aber allmählich ging ihr die Enge der gutbürgerlichen Umgebung auf die Nerven. Sie wollte etwas erleben und frei sein. Auch für die große Liebe.

Bisher war ihr die noch nicht begegnet, und Joy wartete. Sie wartete auf das große Wunder, das alles in ihr in Bewegung setzen würde. Sie wartete auf den Mann, der ihr Leben umkrempelte.

Liebe musste etwas sein wie ein Erdbeben, wie ein Hurrikan, wie etwas ganz und gar Sensationelles. Nicht so etwas wie eine Highschool-Affäre mit Robert.