Silvia-Gold 89 - Liebesroman - Sabine Stephan - E-Book

Silvia-Gold 89 - Liebesroman E-Book

Sabine Stephan

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Beschreibung

So war das nicht geplant Für das Glück muss man manchmal viel riskieren Von Sabine Stephan "Und du kannst dich wirklich an nichts erinnern?", will die Besucherin enttäuscht wissen. Die junge Frau im Rollstuhl überlegt verzweifelt, dann schüttelt sie den Kopf. "Nur, dass es ein roter Sportwagen war. Doch das reicht nicht, um den Fahrer zu finden. Ich werde vermutlich für immer gelähmt bleiben, aber das ist längst nicht das Schlimmste für mich! Viel schlimmer ist, dass ich ohne den Fahrer des roten Sportwagens meine Unschuld nicht beweisen kann!"

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Seitenzahl: 106

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Inhalt

Cover

Impressum

So war das nicht geplant

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: SanneBerg / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar

ISBN 9-783-7325-8466-6

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

So war das nicht geplant

Für das Glück muss man manchmal viel riskieren

Von Sabine Stephan

»Und du kannst dich wirklich an nichts erinnern?«, will die Besucherin enttäuscht wissen.

Die junge Frau im Rollstuhl überlegt verzweifelt, dann schüttelt sie den Kopf. »Nur, dass es ein roter Sportwagen war, der mich gestreift hat. Doch das reicht nicht, um den Fahrer zu finden. Ich werde vermutlich nie wieder ohne Schmerzen laufen können, aber das ist längst nicht das Schlimmste für mich! Viel schlimmer ist, dass ich ohne den Fahrer des roten Sportwagens meine Unschuld nicht beweisen kann!«

»Jule, sei lieb und deck schon mal den Tisch! Ich bin gleich mit dem Abendbrot fertig!«

»Mach ich, Mami!«, rief Jule und holte die hübschen Papierservietten von der Anrichte.

Martina Burgmann sah lächelnd auf die geschickt angerichtete, kalte Platte, während ihre Tochter Besteck und Teller holte.

»Mhm, sieht lecker aus!« Jule warf im Vorbeihuschen einen Blick auf das Essen. »Ich hab großen Hunger, Mutti!«, rief sie über die Schulter zurück, während sie vorsichtig die Teller balancierte.

Martina folgte ihr mit der angerichteten Mahlzeit.

»Die Brötchen, Jule«, mahnte sie, »und vergiss die Butter nicht!«

Jule konnte nicht widerstehen, sich eine Scheibe Wurst von der Platte zu stibitzen, ehe sie wieder in die Küche lief, um das Gewünschte zu holen.

Martina Burgmann protestierte zwar, aber nur halbherzig. Sie sah ihrer Tochter nach, wie sie eiligst in der Küche verschwand, und lächelte wieder. Wie gut geraten das Mädel doch war! Jule war inzwischen sehr selbstständig.

Kein Wunder, dachte Martina. Es war nicht leicht gewesen, nach der Scheidung. Horst musste nur Unterhalt für Jule zahlen. Sie selber war ja arbeitsfähig, und Jule ging schon zur Schule.

Martina seufzte. Es war schwierig gewesen, in ihrer alten Firma einen Halbtagsjob zu finden, und so genau nahm man es mit dem Feierabend auch nicht dort. Sie war ausnahmsweise mal wieder früher nach Hause gekommen, und deshalb gab es auch eine hübsch garnierte kalte Platte.

»Hier, die Brötchen, Mami!«, rief Jule und riss sie aus ihren Gedanken. »Die Butter hab ich nicht finden können. Ist vielleicht keine mehr da?«

Martina fuhr aus ihren Gedanken auf.

»Ach, mein Schatz, im Kühlschrank ist keine mehr, ich hab’s vergessen! Aber in der Einkaufstüte ist eine ganz frische Packung!«

»Au fein!« Jule stob wieder in die Küche, während Martina die Brötchen aufschnitt.

»Du, Mami«, meinte Jule wenig später mit vollem Mund und schluckte schnell, bevor sie gerügt werden konnte, »stell dir vor, die Anna, die Gitti und die Laura gehen auch zur Realschule! Ist das nicht toll?«

»Das ist wirklich toll. Du brauchst also in der neuen Schule keine Freundinnen zu suchen! Aber schließt euch den anderen an und bildet nicht von Anfang an eine eigene Clique. Das ist nicht gut.«

»Aber Mami!« Jule winkte ab. »Wir müssen doch erst mal sehen, wie es in der neuen Schule mit den Mädels läuft.« Sie biss wieder in ihr Brötchen und aß es mit gesundem Appetit auf.

Martina betrachtete ihre Tochter mit Stolz.

»Wann beginnen eigentlich die Ferien?«, fragte sie, obwohl sie es genau wusste.

»In zwei Wochen«, gab Jule bereitwillig Auskunft. »Nimmst du dir wieder einen so langen Urlaub wie letztes Jahr?«

Martina lachte nun. »Ja, mein Schatz, und ich habe eine Überraschung für dich. Dieses Jahr fahren wir nach Italien, ans Meer!«

Jule vergaß für kurze Zeit ihr Essen.

»Juchu!«, jubelte sie, sprang von ihrem Stuhl auf und fiel der Mutter um den Hals. »Darf ich dann auch im Meer schwimmen und so viel Eis essen, wie ich möchte?«

»Bis dir übel wird«, versprach Martina lachend und drückte Jule an sich. »Es wird sicher wunderschön werden, mein Liebling!«

♥♥♥

»Anna! Gitti! Mami und ich fahren in den Ferien nach Italien!«

»Das ist ’ne Wucht!« Anna und Gitti staunten gleichermaßen. »Wenn das die Laura hört, die kriegt glatt einen Schrecken!«

»Aber warum denn?«, wollte Jule wissen. »Und wo ist die Laura überhaupt?«

»Erstens«, erwiderte Gitti belehrend, »du weißt genau, dass Laura ehrgeizig ist und mit uns mithalten will. Also muss sie die Ferien über pauken, um in der Realschule gut einzusteigen!«

»Sooo schlecht ist sie doch auch wieder nicht«, protestierte Jule. »Und wir können ihr ja helfen! Ich bin mit Mami höchstens zwei Wochen weg, und die Ferien sind viel länger!«

»Gut, nun zum zweiten Punkt: Laura muss zu Hause helfen. Sie hat keine Zeit.«

»Was muss sie denn tun?«, fragte Jule, doch sie wusste die Antwort im Voraus.

»Mein Gott, du weißt doch, wie es bei den Schöllers läuft!«, rief Anna ungeduldig. »Seit sie die kleine Weinstube gepachtet haben, muss Laura eben öfter aushelfen. Gläser spülen, die Waschmaschine füttern, Tischwäsche bügeln. Ich weiß gar nicht, was sie noch so alles macht!«

»Und dazu noch lernen«, murmelte Jule entrüstet. Dann erhellte sich ihr Gesicht. »Kommt mit zu den Schöllers!«, rief sie. »Mal sehen, ob wir Laura helfen können. Sie ist doch unsere Freundin, oder etwa nicht?«

Gitti nickte. »Vielleicht fällt eine heiße Schokolade für uns ab. Die haben dort nicht nur Wein!«

»Also, dann los!«, rief Anna fröhlich. »Worauf warten wir eigentlich noch?«

Jule blickte auf die Fahrräder der Freundinnen. »Ich muss den Bus nehmen. Mami ist mit dem Rad zur Arbeit gefahren, das macht sie immer bei schönem Wetter!«

»Ach was.« Anna deutete hinter sich auf den Gepäckträger. »Setz dich bei mir hinten drauf, so weit ist es ja nicht!«

»Nee, das trau ich mich nicht!«, widersprach Jule fest. »Erstens ist das verboten, und zweitens hätte ich viel zu viel Angst! Ich nehme den Bus, wir treffen uns bei den Schöllers!«

Sie lief schon zur Haltestelle.

»Dann eben nicht«, murmelte Anna und fuhr hinter Gitti her. »Wetten, dass wir schneller sind?«, rief sie der Freundin zu.

Jule schüttelte nur den Kopf. Anna war draufgängerisch und unternehmungslustig – wie ein Junge. Gitti war ruhig und heiter – und Laura? Jule stellte sich die Freundin vor. Schmal, blass und dunkelhaarig. Und viel zu ernst, setzte Jule seufzend in Gedanken hinzu.

Endlich kam der Bus, und Jule stieg ein. Natürlich würde sie jetzt viel später zu den Schöllers kommen als die anderen. Doch das machte ihr nichts aus. Sie dachte an die Ferien und an ihre Reise nach Italien. Würde das schön werden! Mami hatte ja versprochen, dass sie im Meer schwimmen durfte!

»Engelstraße!«

Guter Gott! Jule fuhr auf. Sie war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie das Aussteigen vergessen hatte und eine Station zu weit gefahren war. Schnell schlüpfte sie aus dem Bus und lief zurück zum Rathausplatz.

»Tag, Frau Schöller! Hallo, Laura! Also, das ist mir auch noch nie passiert!«, rief Jule ein wenig atemlos, als sie die Weinstube betrat. »Bin ich doch glatt bis zur Engelstraße gefahren! Und jetzt sind Anna und Gitti natürlich lange vor mir da gewesen!«

Frau Schöller und die drei Mädels erwiderten nur kurz Jules Gruß. Sie sahen so ernst aus! Himmel, war es denn so schlimm, dass sie mal eine Station zu weit gefahren war?

»Hab ich plötzlich zwei Nasen und fünf Ohren, weil ihr mich so anguckt?« Jule beschlich ein eigentümliches Gefühl.

Frau Schöller räusperte sich. »Jule, komm mal mit mir in die Küche. Und ihr passt hier auf den Laden auf«, wandte sie sich an die drei. Sie legte den Arm um Jules Schultern und dirigierte sie mit sanfter Gewalt aus der Gaststube.

»Komm, Kind, setz dich«, Frau Schöller lehnte sich an einen Schrank. »Ich muss dir nämlich etwas sehr Schlimmes mitteilen. Das Städtische Krankenhaus hat bei uns angerufen«, fuhr sie fort, »deine Mutter hat einen Unfall gehabt …«

»Mami?«, rief Jule und sprang auf. »Ist ihr viel passiert? Sie ist doch nicht …« Das Mädchen brach ab. Es konnte und wollte das entsetzliche Wort nicht aussprechen.

»Nein, beruhige dich, deine Mami lebt. Doch sie hat einen schweren Beckenbruch und wird gerade operiert.«

»Ich muss sofort zu Mami«, flüsterte Jule. Ihr Gesicht war kreidebleich, die Lippen zitterten wie von verhaltenem Weinen, und die großen, blauen Augen sahen Frau Schöller hilfesuchend an.

»Das kannst du jetzt nicht. Ich habe deiner Mami ausrichten lassen, dass du vorerst bei uns bleiben wirst. Lauras Zimmer ist groß genug. Du bist doch gerne mit ihr beisammen?«

»Ja, doch, sehr gerne. Aber meine Mami …«

»Wir besuchen sie morgen«, versprach Frau Schöller und strich beruhigend über das Haar des Mädchens.

»Und Mami geht es sicher bald wieder gut?« Jule klammerte sich verzweifelt an diese Hoffnung.

»Wir werden sehen«, lenkte Frau Schöller ein. Sie wollte nichts versprechen, was sie nicht halten konnte. »Morgen werden wir mit dem Arzt sprechen. Dann wissen wir mehr.«

»Ja, ist gut.« Die Antwort des Mädchens kam leise, zögernd und klang sehr erwachsen.

Besorgt musterte Frau Schöller die Freundin ihrer Tochter. Sie konnte plötzlich nichts Kindliches mehr in dem hübschen Gesicht finden.

»Es wird alles wieder gut«, tröstete sie. »Sieh mal, du darfst jetzt nicht traurig sein. Das hilft deiner Mami gar nichts. Du musst fest daran glauben, dass sie bald wieder zu Hause ist, und das musst du ihr morgen auch sagen!«

»Ja, ich werde es ihr sagen, weil ich möchte das selber sehr gerne. So ganz allein ohne Mami war ich doch noch nie!«

Frau Schöller drückte das Kind an sich.

»Wir sind auch noch da und werden nicht zulassen, dass du traurig bist!« In Gedanken fügte sie hinzu: Lieber Gott, hilf Frau Burgmann, schnell wieder gesund zu werden, schon um Jules willen!

♥♥♥

Jule betrat das Zimmer ihrer Freundin und setzte sich an den Schreibtisch. Sie stützte das Gesicht in die Hände und blickte aus dem Fenster.

Unten eilten Menschen ihren Geschäften nach, ein Bus fuhr an die Haltestelle des Rathausplatzes, Leute stiegen aus, andere wieder ein, ein paar Scherzworte gingen hin und her, Autos hupten, jemand lachte laut – und plötzlich legte sich eine Hand auf Jules Schulter.

»Es ist bestimmt nicht so schlimm«, sagte Laura leise. Sie war der Freundin nachgegangen. »Deine Mami wird wieder gesund, und in ein paar Wochen ist sie wieder zu Hause. Bist du nun traurig, weil du nicht nach Italien fahren kannst?«

Jule starrte weiter aus dem Fenster.

»Italien?«, fragte sie verständnislos. »Ach ja, Mami und ich wollten ja …« Sie brach ab. Tränen stiegen in ihre Augen. Doch sie schluckte tapfer. »Italien ist nicht wichtig«, flüsterte sie. »Wichtig ist nur, dass meine Mami bald nach Hause kommt!«

»Ich finde es irgendwie toll, dass du bei mir wohnst«, bemerkte Laura burschikos und setzte sich neben sie. »Du, sag mal, könntest du mir nicht mal in Mathe helfen? Ich komme da nicht ganz klar!«

»Mathe?«, murmelte Jule zerstreut. Dann ging ein Ruck durch ihre Gestalt. »Stimmt! Wir haben ja in Mathe eine Hausaufgabe auf! Du, ich hab die noch gar nicht gemacht. Wie weit bist du denn?«

Laura schnappte sich das Heft, und gemeinsam gingen sie die Aufgabe durch. Jule erklärte, was Laura nicht mitbekommen hatte, und auf einmal war die Lösung ganz einfach.

»Irgendwie hab ich das Gefühl, dass ich besser nicht in die Realschule gehen sollte!« Laura klappte aufseufzend das Heft zu.

»Das meinst du aber nicht wirklich!« Jule war regelrecht böse. »Du gehst mit uns! Aus, basta!«

»Wenn ich es aber nicht schaffe?« Laura war ängstlich und verunsichert. »Das schlichte Beispiel da«, sie klopfte mit der Hand auf das Heft, »hast du nicht bemerkt, dass ich schon damit Schwierigkeiten habe? Glaub mir, es wäre besser, wenn ich nicht ginge. Ich werde Kellnerin und übernehme dann die Weinstube von meinen Eltern!«

»Jetzt machst du aber ’ne Pause!« Jule schnaufte. »Und was machst du als Kellnerin, wennste nicht richtig rechnen kannst? Und wenn du die Weinstube übernimmst, ich glaube, da musst du auch Buchhaltung können. Da müsstest du deinen Vater fragen!«

»Ah ja, Vati sitzt fast jeden Abend bei der Buchhaltung.« Laura seufzte bekümmert. Dann fragte sie schüchtern: »Was macht dein Vati eigentlich?«

Jule zuckte mit den Schultern. »So genau weiß ich das nicht«, gab sie leise zu. »Er verdient auf jeden Fall eine Menge Geld. Das denke ich zumindest, weil er fast alles für mich bezahlt!«

»Hast du ihn denn nicht gefragt?« Laura, die zwar wusste, dass Jules Mutter geschieden war, konnte sich einfach nicht vorstellen, dass man den Vater nie sah. Ihrer war immer da, auch wenn er selten Zeit hatte, mit ihr zu reden oder zu spielen.

»Ich weiß gar nicht, wo mein Vater wohnt«, erklärte Jule abweisend. »Ich habe auch gar keine Lust, ihn zu fragen. Ich kann mich noch erinnern, als er zu Mami sagte, es genügt, wenn er für mich bezahlt!«