Silvia-Gold 93 - Isabelle Maron - E-Book

Silvia-Gold 93 E-Book

Isabelle Maron

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Beschreibung

Alle sprachen schon von Scheidung
Ein Paar sorgt für eine Überraschung
Von Isabelle Maron

Ungläubig starrt die schöne Elena auf den Terminkalender ihres Mannes. Bei dem Eintrag für den heutigen Tag durchzuckt sie ein schmerzhafter Stich: Bernd hat einen Termin bei einer Bremer Anwaltskanzlei gemacht, in der er sich als neuer Teilhaber bewerben will!
In Elenas Kopf dreht sich alles. Er meint es also ernst!, durchfährt es sie. Er will mich verlassen und aus unserer gemeinsamen Kanzlei hier in Köln aussteigen!
Tränen treten ihr in die Augen, doch als sie den Gedanken fortführt, hält es sie nicht länger an Bernds Schreibtisch. Er bewirbt sich in Bremen - natürlich! Er will seine große Liebe Frauke zurückerobern, die auf Borkum lebt und die er nie vergessen hat!
Bei dieser Erkenntnis steht Elenas Entschluss fest: Noch heute wird sie sich auf den Weg auf die ostfriesische Insel machen und um Bernd und ihre Ehe kämpfen!

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Seitenzahl: 124

Veröffentlichungsjahr: 2019

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Inhalt

Cover

Impressum

Alle sprachen schon von Scheidung

Vorschau

BASTEI ENTERTAINMENT

Vollständige eBook-Ausgabeder beim Bastei Verlag erschienenen Romanheftausgabe

Bastei Entertainment in der Bastei Lübbe AG

© 2019 by Bastei Lübbe AG, Köln

Programmleiterin Romanhefte: Ute Müller

Verantwortlich für den Inhalt

Titelbild: Wavebreak / iStockphoto

eBook-Produktion:3w+p GmbH, Rimpar (www.3wplusp.de)

ISBN 9-783-7325-8840-4

www.bastei-entertainment.de

www.lesejury.de

www.bastei.de

Alle sprachen schon von Scheidung

Ein Paar sorgt für eine Überraschung

Von Isabelle Maron

Ungläubig starrt die schöne Elena auf den Terminkalender ihres Mannes. Bei dem Eintrag für den heutigen Tag durchzuckt sie ein schmerzhafter Stich: Bernd hat einen Termin bei einer Bremer Anwaltskanzlei gemacht, in der er sich als neuer Teilhaber bewerben will!

In Elenas Kopf dreht sich alles. Er meint es also ernst!, durchfährt es sie. Er will mich verlassen und aus unserer gemeinsamen Kanzlei hier in Köln aussteigen!

Tränen treten ihr in die Augen, doch als sie den Gedanken fortführt, hält es sie nicht länger an Bernds Schreibtisch. Er bewirbt sich in Bremen – natürlich! Er will seine große Liebe Frauke zurückerobern, die auf Borkum lebt und die er nie vergessen hat!

Bei dieser Erkenntnis steht Elenas Entschluss fest: Noch heute wird sie sich auf den Weg auf die ostfriesische Insel machen und um Bernd und ihre Ehe kämpfen!

„Bernd Claasen ist gestern mit der letzten Fähre von Emden gekommen. Hanna hat ihn zufällig am Hafen getroffen, als er zu ihr ins Taxi stieg“, erzählte Frau Michelsen und reichte ihrer Kundin drei große Brote über die Theke. Bedächtig strich sie dann das Geld ein, das bereits abgezählt für sie auf der Glasplatte lag. „Ihr seid ja damals alle zusammen zur Schule gegangen, Bernd, du und meine Hanna, nicht wahr? Ich meine, drüben auf das Gymnasium auf dem Festland.“

„Ja, das stimmt“, entgegnete Frauke Lammersen. „Aber das ist ja mittlerweile schon eine halbe Ewigkeit her.“

Sie versuchte ein Lächeln, aber es misslang gründlich, weil ihr das Herz bis zum Hals klopfte. Und sie hatte eine höllische Angst, die Bäckersfrau könnte das leichte Zittern ihrer Hände bemerken.

Bernd ist hier, er ist nach all den Jahren das erste Mal wieder auf Borkum!, jubelte es in ihr. Und Frauke konnte nichts dagegen tun, obgleich es ihr doch als glücklich verheiratete Frau völlig egal sein sollte, wo sich ihr Jugendfreund gerade aufhielt.

Rasch drehte sie sich um und wollte nach einem kurzen Gruß den Laden verlassen, als die Bäckersfrau sie erneut ansprach.

„Er soll ja inzwischen ein sehr erfolgreicher Rechtsanwalt sein, der Bernd. Hanna hat mir erzählt, dass er in Köln zusammen mit seiner Frau eine eigene Kanzlei betreibt. Kinder scheinen sie wohl keine zu haben, aber das weißt du sicher alles viel besser als ich“, fügte Frau Michelsen mit einem eigenartigen Unterton in der Stimme hinzu. Ihre hellblauen Augen fixierten dabei neugierig die junge Frau, die sich aus reiner Höflichkeit noch einmal zu ihr umgedreht hatte.

Frauke fühlte, wie ihr plötzlich alles Blut in den Kopf schoss. Sie ärgerte sich über die ungewollte Reaktion, konnte aber nichts dagegen tun. Warum starrte Hannas Mutter sie nur mit so unverhohlener Neugierde an? Hoffte sie darauf, ihr ein Geheimnis zu entlocken?

Natürlich wusste diese Frau genau wie alle anderen Einheimischen, dass sie und Bernd einmal miteinander befreundet gewesen waren. Sehr befreundet sogar! Sie waren ein Liebespaar gewesen. Doch ein halbes Jahr nach dem Abitur war er zum Studium nach Münster gezogen, und sie war hiergeblieben, um ihre Mutter zu pflegen, die an Krebs erkrankt war.

Damals hatte Frauke ganz freiwillig ihre eigenen Berufswünsche erst einmal hintangestellt. In den ersten Monaten hatten Bernd und sie sich mindestens alle zwei Tage geschrieben und sich auch gegenseitig besucht, sooft es ihnen nur möglich gewesen war. Doch dann waren die Abstände immer länger geworden, und nach und nach war der Kontakt eingeschlafen.

Frauke hatte bei seinen Eltern nachgefragt, aber von ihnen nur ausweichende Antworten bekommen. Erst ein halbes Jahr später hatte sie rein zufällig erfahren, dass Bernd nun in Köln studierte und sich inzwischen verlobt hatte.

Er hatte es nicht für nötig gehalten, ihr gegenüber sein Verhalten zu erklären. Und für eine Aussprache hatte dem Feigling wohl der Mut gefehlt. Sein Verrat hatte wehgetan und ihr viele durchweinte Nächte beschert, denn schließlich hatte sie ihn damals noch über alles geliebt.

Ein Jahr lang hatte sie gelitten und getrauert, sie hatte sich nach ihm gesehnt und mit ihrem Stolz gekämpft, ob sie ihm nicht nachreisen und zur Rede stellen sollte. Doch letztlich hatte sie diesen Plan wieder verworfen.

Inzwischen war ihre Mutter gestorben, und Frauke hatte in Emden eine Ausbildung in einem Fotofachgeschäft begonnen, die sie drei Jahre später erfolgreich beendet hatte. Sie hatte ihr einstiges Hobby, das Fotografieren, zu ihrem Beruf gemacht und später sogar ein eigenes Fotoatelier auf der Insel eröffnet, das erstaunlich gut florierte.

Die ganze Zeit über hatte sie damals noch bei ihrem Vater gewohnt, der den Tod seiner Frau lange nicht verwinden konnte.

In dieser Zeit hatte sich Jens Lammersen ernsthaft um Frauke bemüht. Doch es hatte drei Jahre gedauert, bis sie ihm ihr Jawort gegeben hatte und zu ihm auf den Reiterhof gezogen war, den er zusammen mit seinen Eltern führte.

Trotz mancher Unkenrufe der Verwandtschaft war sie glücklich mit ihm geworden. Daher konnte ihr die Rückkehr von Bernd Claasen auch völlig egal sein! Nicht ihm, sondern einzig und allein ihrem kleinen Atelier, das sie inzwischen verpachtet hatte, trauerte sie heute noch manchmal nach. Allerdings nicht, ohne mit der neuen Pächterin vereinbart zu haben, dass sie es gelegentlich nutzen konnte. Es gab nämlich immer noch viele Kunden, die bei besonderen Anlässen wie Hochzeiten, Jubiläen und ähnlichen Veranstaltungen von ihr fotografiert werden wollten.

„Das Wetter soll weiterhin trocken bleiben, aber zu kühl für diese Jahreszeit, habe ich vorhin in den Nachrichten gehört“, sagte Frauke, um die Spannung abzubauen, die seit der Mitteilung von Bernds Ankunft im Raum lag.

„Ja, das habe ich auch gehört“, erwiderte die Bäckersfrau. Es war ihr deutlich anzumerken, wie gern sie das Gespräch mit Frauke fortgesetzt hätte. Doch die drückte bereits die Messingklinke der Tür hinunter.

„Auf Wiedersehen, Frau Michelsen, grüßen Sie bitte Hanna recht herzlich von mir. Sie soll sich doch mal wieder bei uns sehen lassen. Wir sind lange nicht mehr zusammen ausgeritten“, sagte sie und öffnete die Tür.

„Mach ich, Frauke, mach ich! Komm gut heim und bestell deinen Schwiegereltern und auch deinem Mann viele Grüße von mir“, erwiderte die Ältere.

„Ja, danke, das mach ich gern!“ Schnell zog Frauke die Tür hinter sich zu und atmete draußen erleichtert auf.

Sie verstaute die Brote im Fahrradkorb, schwang sich auf den Sattel und trat kräftig in die Pedale.

Der frische Wind zerrte an ihren blonden Haaren und brachte die neue Frisur völlig in Unordnung. Erst gestern hatte sie sich ihre langen Haare abschneiden lassen, die sie bis dahin mal offen, mal in einer schlichten Aufsteckfrisur getragen hatte. Der gestufte Schnitt umschmeichelte ihr Gesicht mit den feinen Zügen und ließ es noch jünger wirken.

Ob Bernd sich verändert hatte? Wie sah er wohl heute aus? Genauso schlank und sportlich wie damals, oder hatte er einen kleinen Bauchansatz und eine beginnende Glatze?

Bernd hatte immer dichte blonde Haare gehabt. Und seine Augen waren hellblau wie irische Seen. Frauke lächelte, als sie sich ihn jetzt vorstellte.

Was würde sie wohl tun, wenn er jetzt plötzlich vor ihr stünde? Könnte sie Haltung bewahren und ihn ganz unbefangen begrüßen, oder würde sie bei seinem Anblick die Fassung verlieren? Wenn sie ehrlich war, sie wusste es nicht und hoffte nur, dass er ihr nicht ohne Vorwarnung über den Weg lief.

Unwillkürlich wählte sie einen kleinen Umweg, der den weiteren Ortskern aussparte, um ein eventuelles Zusammentreffen zu vermeiden. Man musste das Schicksal nicht unbedingt herausfordern, überlegte sie in weiser Einsicht.

Es war schon auf dem Hinweg nicht leicht gewesen, mit dem Rad gegen den Wind anzukämpfen, und sie bereute allmählich, für ihre Einkäufe nicht doch das Auto genommen zu haben.

Der Reiterhof lag weit draußen in der Nähe des Wattenmeers. Zu Fuß brauchte man von der Einkaufsmeile bis dorthin immerhin eine gute Stunde.

♥♥♥

Der Sommer hatte sich bereits verabschiedet. Der Herbst brachte raueres Wetter und schon deutlich weniger Touristen auf die Insel als noch vor ein paar Wochen. Jetzt würde bald die etwas stillere Jahreszeit einsetzen, die nach der Hektik der Hauptsaison für mehr Ruhe im Leben der Einheimischen sorgen würde, auch auf dem Reiterhof.

Die Saison war anstrengend genug gewesen. Während der Hauptferienzeit hatte sich eine ganze Gruppe von Kindern auf dem Reiterhof getummelt. Einige von ihnen konnten bereits reiten, andere wollten hier Reitstunde nehmen, und der Rest wollte nur die Romantik des Landlebens und das Zusammenleben mit Tieren genießen.

Nach zwanzig Minuten angestrengten Strampelns auf dem Fahrrad bog Frauke von der befestigten Straße in einen leicht versandeten Weg ein, der unmittelbar zum Reiterhof führte. Schon nach ein paar Metern gab sie den Kampf gegen den stärker aufkommenden Wind auf und stieg vom Rad ab, um es zu schieben. Da hupte plötzlich ein Auto hinter ihr, das anscheinend unbedingt vorbei wollte, und zwang sie, zur Seite zu springen.

„Was soll das, Jens!“, rief Frauke ärgerlich, als sie den Mann am Steuer des Wagens erkannte. Der Rover hielt nun direkt neben ihr, und der Fahrer ließ per Knopfdruck das linke Seitenfenster hinunter.

„Entschuldige, aber ich habe dich gar nicht erkannt, so fein, wie du dich heute herausgeputzt hast“, sagte der Mann mit viel Ironie in der Stimme.

Frauke sah ihren Mann verständnislos an. In diesem Moment wirkte er fast wie ein Fremder auf sie. Der kühle Blick aus seinen dunkelbraunen Augen irritierte sie genauso wie dieses spöttische Grinsen in seinem Gesicht. Was war nur mit ihm los, und warum stieg er nicht aus?

Plötzlich fühlt sie sich unwohl in der neuen dunkelblauen Jacke aus gewalkter Wolle mit Kragen und Manschetten aus lilafarbenem Mohair, die sie zu einem farblich passenden Rock und den schwarzen Lederstiefeln trug.

„Bernd Claasen ist hier. Aber das weißt du ja sicher längst! Natürlich weißt du es, sonst hättest du dich für einen einfachen Einkauf nicht so fein gemacht, als hätten wir heute Sonntag. Sonst trägst du doch auch immer Jeans und Pulli, wenn du zum Einkaufen fährst. Und über deine neue Frisur habe ich mich schon gestern gewundert. Hast du seinetwegen deine schönen langen Haare abgeschnitten, um moderner zu wirken?“, höhnte Jens.

Das war natürlich völliger Unsinn, und Frauke hatte keine Lust, ihrem Mann darauf zu antworten. Schließlich hatte sie erst vor ein paar Minuten in der Bäckerei von Bernds Ankunft gehört.

Ärgerlich warf sie den Kopf in den Nacken. Dann schob sie, stumm und ohne weiter Notiz von Jens zu nehmen, ihr Fahrrad durch den mit Sand überwehten Wirtschaftsweg. Allerdings mit viel Wut im Bauch.

Der Rover fuhr ebenfalls wieder an, folgte ihr in langsamem Tempo und holte sie schnell wieder ein.

„Hast du ihn schon getroffen, deinen ehemaligen Lover?“, rief Jens ihr nun durch das geöffnete Fenster zu, und sein Gesicht sah dabei gerötet und fremd aus.

„Sag mal, spinnst du!“, erwiderte Frauke empört und blieb stehen.

Jens stoppte das Auto, ließ aber den Motor laufen.

„Nein, das war eine simple Frage, gnädige Frau, aber Sie weichen mir ja aus, weil Sie wahrscheinlich etwas zu verbergen haben“, konterte Jens.

Eigentlich hatte ein Mann, der sich so benahm keine Antwort verdient, doch Schweigen würde diese leidige Situation wohl auch nicht beenden, ging es Frauke durch den Kopf. Deshalb versuchte sie, den Streit zu entschärfen.

„Jens, ich habe erst vor ein paar Minuten in der Bäckerei Michelsen erfahren, dass Bernd sich hier auf der Insel aufhält!“

Nachdenklich geworden, durchwühlte Jens mit einer Hand seine dichten braunen Haare.

„Ach was, und das soll ich dir glauben?“, fragte er immer noch mit einem Rest von Misstrauen in der Stimme.

„Von mir aus glaub, was du willst! Aber hör endlich auf, mir eine völlig unbegründete Eifersuchtsszene zu machen. Wir sind seit fünf Jahren verheiratet, und du hast in all dieser Zeit noch kein einziges Mal Grund gehabt, auf einen anderen Mann eifersüchtig zu sein“, verteidigte sich Frauke. Das Herz klopfte ihr vor Empörung bis zum Hals. Was war nur in Jens gefahren?

Natürlich wusste er, dass sie und Bernd einmal ein Paar gewesen waren. Doch dieser Lebensabschnitt lag nun schon etliche Jahre hinter ihr. Hatte Jens nicht auch in seiner Jugend seine Erfahrungen mit Frauen gesammelt? Ihre Freundin Hanna war eine seiner vorübergehenden Flammen gewesen, die es ihr lange verübelt hatte, dass Jens sie ihretwegen verlassen hatte.

Der Rover fuhr weiter im Schritttempo neben ihr her und drängte Frauke und ihr Fahrrad weiter auf den Seitenstreifen in den dichteren Sand, sodass sie Mühe hatte, vorwärtszukommen.

„Ist er zurückgekommen, um dich zu holen?“, rief Jens ihr nun zu.

„Da musst du ihn schon selbst fragen. Ich kann dir darauf leider keine Antwort geben. Jedes weitere Wort zwischen uns scheint mir im Augenblick völlig überflüssig zu sein. Du willst mir nicht glauben, sondern du willst mich einfach nur beleidigen. Was habe ich dir bloß getan?“

Mit einer fahrigen Bewegung versuchte sie, den vom Wind aufgeblähten Rock wieder glatt zu streichen. Dann stellte sie den Kragen ihrer Jacke hoch, denn sie fror plötzlich trotz der warmen Kleidung.

Zu ihrer Erleichterung hörte sie kurz darauf, wie Jens Gas gab und endlich weiterfuhr. Er hinterließ dabei eine dichte Wolke aufgewirbelter Sandkörner.

Sie schmerzten in Fraukes Gesicht, als hätten sich winzige Stecknadelköpfe in ihre Haut gebohrt. Aber noch tiefer hatte Jens‘ Argwohn sie verletzt. Am liebsten hätte sie ihr Fahrrad umgedreht und wäre in eine andere Richtung gefahren. Ihr schauderte schon bei dem Gedanken, ihm gleich erneut in die Arme zu laufen!

Doch wo sollte sie hin, mit wem sollte sie über diesen unglaublichen Vorgang reden? Bei ihrem Vater und seiner neuen Lebensgefährtin konnte sie unmöglich in dieser Verfassung auftauchen. Die beiden würden sich sofort unnötig Sorgen um sie machen. Und gab es nicht in jeder Ehe auch mal trübe Tage?

Doch dies war kein trüber, dies war ein rabenschwarzer Tag!

♥♥♥

Daheim angekommen, brachte Frauke die Brote in die Speisekammer und war froh, niemanden aus der Familie in der gemeinsamen Küche anzutreffen. Die Medikamente für ihre Schwiegereltern, die sie in der Apotheke besorgt hatte, legte sie auf das Küchenbord.

Jens würde sie auf jeden Fall in der nächsten Stunde aus dem Wege gehen. Bis zum Abendbrot hatte er sich vielleicht wieder beruhigt, und auch ihre aufgewühlten Gefühle sollten dann inzwischen verebbt sein. Da ihr bis dahin noch genug Zeit blieb, entschloss sie sich ganz spontan, ein Pferd zu satteln und noch ein wenig auszureiten.

Eilig lief sie die Treppe zum oberen Stockwerk hoch, wo sich das Schlafzimmer befand, um sich für den Ausritt umzuziehen. Ein paar Minuten später überquerte sie festen Schrittes den Hof in Richtung Pferdestall. Jens war zum Glück wohl anderweitig beschäftigt.

Roland, ihr Lieblingspferd, stand schnaufend in seiner Box und wieherte sofort laut vor Freude, als er Frauke witterte.

„Na, mein Brauner, hast du Lust auf einen Ausritt?“, fragte sie und legte ihren Kopf zur Begrüßung an den schlanken Hals des Tieres.