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Woher kommt die Arbeitslosigkeit? Sind Flexibilität und tiefere Löhne die Lösung? Gibt es durch Internet und neue Medien eine völlig neue Wirtschaft - eine "New Economy"? Was hat die Geldpolitik mit steigenden Zinsen zu tun? Wer zahlt und wer profitiert, wenn die Zinsen steigen? Nützt oder schadet die Aktienbörse der realen Wirtschaft? Dieses Buch geht politisch relevante Fragen direkt an und liefert konkrete Antworten. Vor allem aber deckt es Zusammenhänge auf, die verborgen bleiben, wenn man die Wirtschaftspolitik nur über Tageszeitungen, Radio und Fernsehen verfolgt. Ein Muss für alle, die verstehen wollen, was in der Wirtschaft passiert. Auszug aus dem Inhalt: Aktive und Rentner - der Rhythmus der Wirtschaft - Informationsprobleme des Kapitalmarkts - Arbeitslosigkeit statt Muße: ein Problem entsteht - Der Außenhandel als Wachstumsmotor - Der Markt als soziale Institution.
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Seitenzahl: 256
Veröffentlichungsjahr: 2013
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Umschlaggestaltung: Münchner Verlagsgruppe GmbH
Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN Print 978-3-86881-452-1
ISBN E-Book (PDF) 978-3-86414-416-5
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86414-827-9
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Einleitung
Das Subsystem Wirtschaft
Marktwirtschaft oder Eigentumswirtschaft
Das System Wirtschaft im Gesamtzusammenhang
Das Ausland
Der Staat
Aktive und Rentner – der Rhythmus der Wirtschaft
Das Generationen-Modell
Wenn Menschen älter werden – Umlage oder Kapitaldeckungsverfahren
Überalterung? Kein Problem! Das Beispiel Frankreichs
Zins und Zinseszins
Wehe den Aktiven, wenn der Zins höher ist als das Wachstum
Die Notenbank als Schiedsrichter im Verteilungskampf
Die Kapitalmärkte
Kapitalstock und Finanzkapital – die Fakten
Das Finanzkapital
Der globale Kapitalmarkt – die Hintergründe
Der Kapitalmarkt als Gebrauchtwarenmarkt
Die Informationsprobleme des Kapitalmarktes
Der globale Kapitalmarkt
Zwei Arten von Kredit
Zwei Arten von Konkurs
Brasilien: So funktioniert der globale Konkurs
Was ist zu tun?
Staat, Unternehmen, Haushalte – das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht
Haushalte
Unternehmen
Zwei Sorten von Unternehmen
Die Wettbewerbspolitik
Die Geldpolitik
Der Arbeitsmarkt
Die beschäftigungspolitische Diskussion
Der Arbeitsmarkt gemäß Lehrbuch
Die Erklärung der Arbeitslosigkeit im Gesamtzusammenhang
Der Arbeitsmarkt in der Realität
Massiver Rückgang der Arbeitszeit
Arbeitslosigkeit statt Muße: Ein Problem entsteht
Gründe für die Arbeitslosigkeit
Was sagen die empirischen Untersuchungen?
Die neue Arbeitsmarkttheorie
Pfründen-Teilung (Rent Sharing)
Die Lohnkurve
Arbeitslose sind unglücklich
Galbraiths 5-Prozent-Regel
Realzins und Arbeitslosigkeit
Theorie und Praxis der unvollständigen Verträge – was den Arbeitsmarkt von den Gütermärkten unterscheidet
Schlussfolgerungen
Arbeitsmarkt: Der Tod durch Deregulierung
Pfründenteilung am Arbeitsmarkt
Qualifikation
Sind billige Dienstleistungsjobs die Lösung?
Der Außenhandel
Außenhandel als Wachstumsmotor
Fazit
Der Markt als soziale Institution
Über den Tellerrand hinaus: Die Abrechnung mit der Natur
Gibt es eine neue Ökonomie?
Literaturverzeichnis
Man kann es auch so sehen: Noch nie in der Geschichte der Menschheit ist es so vielen Menschen so gut gegangen wie heute. Aber gleichzeitig gilt: Noch nie in der Geschichte der Menschheit war die Kluft zwischen dem technisch-wissenschaftlichen und dem sozialen System so groß. Käme es allein auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse und auch die darauf beruhenden technischen Möglichkeiten an, so könnte die Lebensqualität fast aller Menschen dieser Erde erheblich besser sein. Doch offensichtlich gelingt es nicht, die sozialen Strukturen zu finden, die es uns erlauben, diese Möglichkeiten zu realisieren.
Wo genau die Trennlinie zwischen der Effizienz des technischen Systems und der Ineffizienz der sozialen Strukturen verläuft, ist unklar. Auf der Ebene der Betriebe kann die technische Effizienz oft noch organisatorisch umgesetzt werden. Zumindest in den traditionellen Industrie- und in vielen Schwellenländern gibt es viele hervorragende Produktionsbetriebe, welche alle Möglichkeiten der Microtechnik, der Informatik und der »Lean Production« sehr weitgehend umsetzen und auch auf diesem schon hohen Niveau noch jährliche Produktivitätssteigerungen von 5 bis 10 Prozent erzielen.
Auf der Ebene der Volkswirtschaften klappt aber diese Umsetzung immer weniger. Die gegenwärtige Phase der Hochkonjunktur darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts seit den sechziger Jahren tendenziell abnehmen, (vgl. Tabelle). Die zunehmende Marktsättigung ist dafür keine hinreichende Erklärung. Zwar trifft es zu, dass der Konsum letztlich an zeitliche Grenzen stößt – der Tag hat nur 24 Stunden. Aber es gibt keinen Grund, warum der technologische Fortschritt nicht zu einer ständigen Steigerung der Summe von Freizeit und Konsum für alle führen sollte.
Das tut er allerdings nicht. In den USA muss der Durchschnittsbürger heute 9 Prozent länger arbeiten, um sich denselben materiellen Wohlstand leisten zu können wie anno 1973. Parallel zu den sinkenden Wachstumsraten wird auch die Verteilung der Einkommen immer ungleicher. Dieses Phänomen ist vor allem in den USA sehr ausgeprägt.
Dass auch in Europa der Markt die Einkommen immer ungleicher verteilt, zeigt das Beispiel Frankreich. Während noch in den siebziger Jahren die unteren Löhne leicht überproportional stiegen, stehen sie seither stark unter Druck. Dieser wird allerdings durch die staatliche Umverteilung, insbesondere durch die Arbeitslosengelder viel stärker abgefedert als in den USA.
Legende: In den Industrieländern gehen die Wachstumsraten tendenziell zurück. Zwei der wenigen Ausnahmen bilden Deutschland, wo die Wiedervereinigung zu Beginn der 90er zu einem kurzlebigen Boom geführt hat, sowie die USA, auf deren »New Economy« (neue Wirtschaft) wir noch zurückkommen werden. (Quelle: OECD)
Offensichtlich ist also das soziale System immer weniger in der Lage, die technologischen Möglichkeiten für den Durchschnittsbürger nutzbar zu machen. Konkret bedeutet dies, dass die offizielle Wirtschaftspolitik, so wie sie von großen Wirtschaftsorganisationen wie OECD und IMF, sowie von sämtlichen Zentralbanken gepredigt wird, allen Teilerfolgen zum Trotz insgesamt versagt hat. Dieses Buch vertritt die These, dass dieses Versagen letztlich die Folge eines falschen oder zumindest einseitigen Verständnis der Wirtschaft ist, in dem wichtige Aspekte ausgeklammert werden. Zu den blinden Flecken der Mainstream-Wirtschaftspolitik gehören insbesondere die Verteilungsfragen bei Reallohn und realen Zinsen, die Zusammenhänge zwischen physischem Kapital und Finanzmärkten sowie das Wechselspiel zwischen Bevölkerungsentwicklung und Ersparnissen.
Legende: Seit 1993 nehmen die realen Stundenlöhne der Arbeitnehmer in der Privatindustrie wieder zu. Sie bleiben aber noch immer deutlich unter dem Rekord von 1973. (Quelle: Bureau of Labour Statistics)
Legende: Seit 1973 stagniert der Reallohn des Durchschnittsamerikaner. Männer verdienen sogar deutlich weniger. Der Durchschnittslohn ist um rund 12 Prozent gewachsen, hinkt aber deutlich hinter der Produktivität her. Das heißt, dass die Lohnverteilung ungleicher geworden ist und die Kapitalerträge schneller gestiegen sind als die Löhne. (Quelle: The State of Working America 1998-99)
Legende: 1970 bis 1979 waren die Frankreich die goldenen Jahre der Mittel- und der Unterschicht. Seither ging es praktisch nur noch für die reichsten 10 Prozent aufwärts. (Quelle.INSEE, Alternatives Economiques)
Das Wirtschaftsverständnis von OECD etc. ist stattdessen auf namentlich zwei Größen fixiert: auf die Preisstabilität und auf die Konkurrenzfähigkeit. Beides hängt – im Verständnis der offiziellen Wirtschaftspolitik – wie folgt zusammen: Steigende Löhne führen zu einem Preisdruck bzw. zu einer Lohn-Preisspirale und gleichzeitig wird die internationale Konkurrenzfähigkeit geschwächt. Das Kapital wandert dorthin, wo die Löhne tief und die Gewinne hoch sind. Um Kapital anzuziehen und Arbeitsplätze zu schaffen, müssen deshalb die Löhne tief gehalten werden. Dies geschieht dadurch, dass die Zentralbank die Zinsen jedes Mal erhöht, wenn die Löhne zu steigen beginnen, bzw. wenn die Arbeitslosigkeit auf ein Niveau sinkt, das es den Arbeitnehmern erlaubt, höhere Löhne zu fordern.
Dem hält dieses Buch eine andere Theorie gegenüber. Danach kann eine Wirtschaft nur dann auf Dauer wachsen und den wachsenden Wohlstand einigermaßen gerecht verteilen, wenn sich das interne Angebot und die interne Nachfrage im Gleichschritt entwickeln. Für die Konsumnachfrage bedeutet dies, dass die realen Löhne langfristig genauso schnell wachsen müssen wie die Produktivität pro Arbeitskraft. Nur so hält der Konsum mit der Produktion Schritt. Auf der anderen Seite müssen auch die realen Zinsen in etwa genauso hoch sein wie das reale Wachstum der Gesamtwirtschaft. Nur so bleiben Investitionen und Ersparnisse im Gleichgewicht.
Diese »alternative« Theorie lässt sich mit Fakten gut belegen. Es lässt sich zeigen, dass Volkswirtschaften, wie etwa diejenige Deutschland, Koreas, Japan oder der USA solange schnell wachsen und von Arbeitslosigkeit, steigenden Staatsschulden oder Ungleichgewichten im Außenhandel weitgehend verschont bleiben, wie sich die Reallöhne in etwa parallel zum Wirtschaftswachstum bewegen und die Löhne mit dem Wachstum der Produktivität Schritt halten. Sobald dieses Gleichgewicht dauerhaft gestört wird, muss entweder der Konsum dadurch aufrechterhalten werden, dass sich die Verlierer im Umverteilungskampf verschulden, oder es kommt zu einer Abschwächung des Wachstums, was meist ebenfalls mit einer Schuldenwirtschaft verbunden ist, beispielsweise deshalb, weil der Staat die Arbeitslosen unterstützen muss.
Allerdings muss eingeräumt werden, dass auch die herkömmliche, von der OECD und Konsorten vertretene Theorie mit Fakten »bewiesen« werden kann. Es ist nicht einfach Zufall oder böser Wille, dass eine (allerdings bröckelnde) Mehrheit der Ökonomen der offizielle Lehrmeinung zuneigt. In der Ökonomie haben Theorien die Eigenschaft, dass sie – sobald sie allgemein anerkannt sind – zu selbsterfüllenden Prophezeiungen werden können.
Dies ist auch deshalb so, weil die ökonomische »Realität« nur beschränkt beobachtbar ist. Die »Fakten« der Volkswirtschaft, wie Arbeitslosenquoten, Bruttosozialprodukte, Wachstumsraten, Konsumneigungen usw. sind ihrerseits abstrakte Konzepte, die irgendeiner – wenn auch oft nicht explizit formulierten – Theorie entsprungen sind. Deshalb läuft jede Theorie immer Gefahr, in der »Wirklichkeit« genau das zu beobachten, was die Theorie voraussagt.
Gegen diese Gefahr ist auch dieses Buch nicht gefeit. Es verfolgt deshalb nicht nur den Zweck, die Leserin und den Leser davon zu überzeugen, dass uns die offizielle Wirtschaftspolitik in eine Sackgasse geführt hat, und dass eine ausgewogene Entwicklung der Realzinsen und der Reallöhne mehr bringt als das sture Starren auf Preisstabilität und Wettbewerbsfähigkeit. Definitive Antworten sind immer gefährlich. Deshalb will das Buch in erster Linie die neuen Entwicklungen auf dem Gebiet der Ökonomie zusammentragen, die es erlauben, die wirklich relevanten Fragen zu stellen.
Was ist eigentlich Wirtschaft, und was ist Markt? In diesem Kapitel wird folgende Sprachregelung vorgeschlagen: Der Markt ist einer der zahlreichen Koordinationsmechanismen, mit denen die Menschen ihre wertschöpfenden Tätigkeiten organisieren. Das Merkmal, das den Markt von den anderen Koordinationsmechanismen unterscheidet, ist die Verwendung von Geld. Doch aufgepasst: Bloß die Hälfte bis ein Viertel aller wertschöpfenden Tätigkeiten haben einen Geldwert – mit abnehmender Tendenz! Die Marktmechanismen treten nur selten in reiner Form auf. Meist sind sie mit anderen Organisationsprinzipien gemischt.
Wer über etwas nachdenkt, sollte sich zuerst einmal überlegen, in welchen Gesamtzusammenhängen das Objekt seines Nachdenkens steht, und welchen Trends diese Zusammenhänge unterliegen. Gerade die Ökonomen vergessen nur zu leicht, dass die Marktwirtschaft bloß ein Subsystem im sozialen Gefüge ist. Deshalb zunächst einmal ein Versuch einer Einordnung.
Der Markt ist eines von vielen Ordnungsprinzipien, nach denen die Menschen den sozialen Austausch regeln. Professor Samuel Bowles von der University of Massachusetts hat dies wie folgt formuliert: »Die Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen wird in jeder Gesellschaft durch eine Anzahl von Regeln organisiert, namentlich durch Zuteilung auf Befehl, durch patriarchalische und gewohnheitsmäßige Zuteilung basierend auf Geschlecht, Alter oder Familienbande, ferner durch Gaben, Diebstahl, direkten Tausch und natürlich auch durch die Märkte. Je nachdem, wie diese Regeln kombiniert sind, kann man Gesellschaften als >kapitalistisch<, >patriarchalisch<, >traditionell<, >kommunistisch< oder als >korporativ< bezeichnen. Diese verschiedenen Zuteilungsregeln entscheiden darüber, wie sich jemand verhalten muss, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten.«
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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