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Was ist zu tun, damit Dienstpläne funktionieren? Wie sind unterschiedliche Erwartungen zu erfüllen? Wie bleibt man auch bei Krankmeldungen flexibel? Aus der Pflege für die Pflege! So beschreibt die Autorin und Pflegedienstleiterin Alexandra Dostal, wie sich das Ziel "Dienstplan ohne Überstunden" erreichen lässt. Pflegekräfte, die verstehen wollen, wie Dienstplanung funktioniert, erfahren alles zu den Basics und der Struktur erfolgreicher Planung. Aber auch Pflegedienstleitungen, die schon über viele Jahre Dienstplan-Erfahrung verfügen, finden in diesem Handbuch viele praxisnahe Ideen und Lösungen.
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Seitenzahl: 170
Veröffentlichungsjahr: 2017
Alexandra Dostal
So geht Dienstplan
Wichtige Elemente kennen,Zusammenhänge verstehen
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© VINCENTZ NETWORK, Hannover 2017
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Gestaltung und Durchführung, Inhalt:
Spiess-Reimann-Design, Laatzen
ISBN 978-3-86630-198-6
eBook-Herstellung und Auslieferung: readbox publishing, Dortmundwww.readbox.net
Alexandra Dostal
So geht Dienstplan
Wichtige Elemente kennen,Zusammenhänge verstehen
VINCENTZ NETWORK
Inhalt
1 // Bedeutung des Dienstplans
1.1 // Erwartungen des Mitarbeiters
1.2 // Erwartungen der Kunden
1.3 // Erwartungen der Behörden
1.4 // Erwartungen des Unternehmens
1.5 // Komplexität des Dienstplans
2 // Personalkonzept
2.1 // Nettoarbeitszeit eines Mitarbeiters
2.2 // Netto des Stellenplans
2.3 // Nettostunden beim Kunden
2.4 // Zusammenfassung
3 // Nachtdienst
3.1 // Berechnung des Nachtdienstes
3.2 // Formen des Nachtdienstes
4 // Personaleinsatzplanung
4.1 // Pflegegradverteilung
4.2 // Tatsächliche Pflegezeit
4.3 // Bruttostellen der Station
5 // Dienstzeitengestaltung
5.1 // Arbeitsanfallanalyse
5.2 // 5 Tage/Woche
5.3 // Minutenwert in Stellen
5.4 // Tages- oder Wochenverteilung der Minuten
5.5 // Personalrat
5.6 // Qualifikation
5.7 // Dienstzeitenfindung
5.8 // Personalgewinnung über Dienstzeiten
5.9 // Balkendiagramm
5.10 // Mitarbeiterverteilung der Bruttostellen
6 // Urlaubsplanung
6.1 // Urlaubsberechnung
6.2 // Jahresübersicht des Wohnbereiches
6.3 // Jahresabgleich des Urlaubs
6.4 // Durchführung der Urlaubsplanung
7 // Mitarbeiterwünsche
7.1 // Festgelegte Rahmenbedingungen
7.2 // Wunschheftregeln
8 // Dienstplan
8.1 // Tägliche Sollstunden
8.2 // Auszubildende
8.3 // Grundgerüst
8.4 // Verteilung der Dienste
8.5 // Mitarbeiter im Dienstplan
9 // Ausfallzeiten
9.1 // Abdeckung von Ausfallzeiten
9.2 // Verwendung der Springertage
9.3 // Sonderdienste und deren Verteilung
9.4 // Stecktafel
9.5 // Stundenkonto
9.6 // Möglichkeiten und Grenzen des Systems
10 // Schritte der Praxisumsetzung
10.1 // Schritte der Einführung
10.2 // Praxistipps für die Dienstplangestaltung
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Buch-Code: AH1014
Vorwort
Sie lesen gerade das Vorwort eines Dienstplanbuches. Jetzt fragen Sie sich sicherlich, was steht hier drin, was Sie nicht schon längst wissen, oder was unterscheidet dieses Buch von anderen seiner Art. Die Antwort ist: Es wurde aus der Praxis heraus entwickelt und in der Praxis umgesetzt.
Als ich vor nahezu 20 Jahren, hochmotiviert nach einer zweijährigen Vollzeitausbildung, als Pflegedienstleitung in einem Unternehmen mit 109 Bewohnern die Arbeit aufnahm, ging es mir nicht anders als vielen meiner Kollegen. Berge von Überstunden, Resturlaube ohne Ende und unkoordinierte Krankmeldungen sowie Dienstpläne ohne erkennbaren roten Faden. Ich sprang in der Pflege ein, half stundenweise oder tageweise auf Station und arbeitete oft über den Feierabend hinaus an meiner eigentlichen Arbeit im Büro. Nach zwei Jahren waren meine Kräfte am Ende und die nächsten 35 Jahre in diesem Beruf für mich undenkbar. Es musste etwas geschehen, da ich nicht bereit war zu kapitulieren.
Der Kampf begann schrittweise. Meine Vorliebe zu Zahlen kam mir entgegen. Ich begann zu rechnen und zu kalkulieren, befragte meine Mitarbeiter und trug alle Informationen zusammen, die ich aus den verschiedenen Bereichen erhalten konnte. Ich wälzte Fachbücher, die mir sehr theoretisch und langatmig etwas erklärten, was in der Praxis kaum umsetzbar war.
Aus vielen kleinen Puzzleteilen aus unterschiedlichsten Bereichen setzte ich Teil für Teil zusammen und erhielt meinen zukünftigen Weg. Nach drei Jahren waren wir überstundenfrei, hatten keine Resturlaube mehr und fingen an Schichten auszubauen. Über die Jahre wurde das System durch Anregungen von Mitarbeitern, durch neue Erkenntnisse, aber auch durch weitere Herausforderungen, die gestellt wurden, immer ausgeklügelter.
Heute steht der Dienstplan auf festen Beinen und die Zeit, die ich früher mit Einspringen und der Mitarbeitersuche vergeudet habe, kann ich nun sinnvoller in die Erhöhung der Pflegequalität und die Bewohnerzufriedenheit stecken.
Dieses Buch stellt alle wichtigen Elemente der Dienstplanung vor und erklärt die Zusammenhänge.
1// Bedeutung des Dienstplans
Begibt man sich auf die Suche nach dem perfekten Dienstplan, ist es unabdingbar, erst einmal zu wissen, wie dieser aussehen soll. Je nach dem, wer gefragt wird, werden viele unterschiedliche Meinungen vertreten sein. Selbst Mitarbeiter eines Teams werden verschiedene Ansichten äußern. Das liegt daran, dass der Dienstplan für alle Beteiligten eine andere Bedeutung und einen anderen Stellenwert im Leben hat. Fragen sie doch einfach mal ein paar Kollegen nach ihrem persönlichen perfekten Monatsplan, sie werden zu keinem übereinstimmenden Ergebnis kommen. Wären jedoch nur die Mitarbeiter bei der Gestaltung ausschlaggebend, würden sicherlich schnell Eckpfeiler gefunden werden, mit denen jeder leben kann. Es sind jedoch auch Bedürfnisse und Erwartungen der Bewohner und des Unternehmens zu berücksichtigen. Alles zu vereinen und ein Gesamtpaket zu aller Zufriedenheit zu schnüren, ist kein einfaches Unterfangen. Das Wissen um diese Parameter ist für eine verlässliche Dienstplangestaltung jedoch unabdingbar. Wer über seinen Tellerrand sieht und die Thematik Dienstplan begriffen hat, wird eine verlässliche Einsatzplanung erkennen und davon profitieren.
1.1// Erwartungen des Mitarbeiters
Aus der Vergangenheit wissen wir, dass die Pflege eine Helfertätigkeit war, die überwiegend von weiblichen Familienmitgliedern oder von Ordensschwestern übernommen wurde. Diese waren 24 Stunden und sieben Tage die Woche verfügbar. Ein Dienstplan bzw. Schichtplan war nicht nötig. In der heutigen Zeit ist dies jedoch anders. Die Pflege wird von Menschen übernommen, die neben dem Beruf auch ein Privatleben haben. Sie als Mitarbeiter haben diesen Beruf sicherlich erlernt, weil Sie Freude am Umgang mit Menschen haben. Dennoch gehen auch Sie zur Arbeit, um Geld zu verdienen und nicht, um ihr Leben der Arbeit zu widmen. Es wird immer vom Dienstplan gesprochen, dabei sollte es mehr ein Freizeitplan sein, der durch die arbeitsvertraglich geschuldete Zeit unterbrochen wird.
Über 90 % der Mitarbeiter in der Pflege sind weiblich und somit meist, trotz Emanzipation, familiär deutlich mehr beansprucht als ihre männlichen Kollegen. Elternsprechtage, Kinderkrankheiten sowie Haus und Garten, aber auch die Hilfestellungen bei den Eltern und Schwiegereltern, werden häufig von den Frauen übernommen.
Schaut man sich den Alltag in vielen Pflegeeinrichtungen an, so wird schnell klar, dass viele Schichten hintereinander, Einspringen und Überstunden an der Tagesordnung sind. Bei bestem privaten Organisationstalent ist es kaum möglich, auf all die unerwarteten Dinge einzugehen, die dazu nötig sind, den Erwartungen des Unternehmens und der Bewohner gerecht zu werden. Selbst engagierte Pflegekräfte, die mit viel Freude und Liebe den Beruf erwählt haben, geraten irgendwann an ihre Grenzen. Berufswechsel, die Suche nach Alternativen zur direkten Pflege oder Burnout sind die Folgen.
Wie sollte der Dienstplan für Sie als Mitarbeiter aussehen?
Verlässliche Arbeitszeiten,
zumutbare Schichtfolgen,
verlässlicher Urlaubsplan,
keine privaten Störungen durch den Arbeitgeber,
Einbringen privater Bedürfnisse,
Schichtstärken nach Arbeitsanfall,
gleichmäßige Wochenend- und Feiertagsverteilung,
ausreichende Ruhezeiten,
keine Überstunden.
1.2// Erwartungen der Kunden
Aber nicht nur sie als Mitarbeiter haben Bedürfnisse und Erwartungen, sondern auch die Kunden, die die Einrichtung gewählt haben. Hier sind zum einen die Angehörigen. Sie wollen ihren Vater, ihre Mutter oder anvertrauten Verwandten rund um die Uhr adäquat und zuvorkommend versorgt wissen. Kommen sie zu Besuch, sehen sie es als selbstverständlich an, dass sich die Schichtleitung ausreichend Zeit für Gespräche nimmt, Trost spendet oder nur als guter Zuhörer zur Verfügung steht. Anzeichen von Stress bei der Pflegekraft gibt ihnen ein ungutes Gefühl und bringt Unsicherheiten in Bezug auf die Pflegequalität hervor.
Auch die Bewohner wünschen sich ausreichend Zuwendung zu Zeiten, die sie selbst bestimmen möchten. Ihnen ist wichtig, dass die Lieblingspflegekraft am besten sieben Tage die Woche und an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr zur Verfügung steht. Gewohnte Rituale möchten sie gern auch im Heimalltag beibehalten. Auf Knopfdruck soll die Hilfe erscheinen und uneingeschränkt Zeit mitbringen.
Dies sind zwar lauter Dinge, die mehr aus dem Pflegealltag heraus erwartet werden. Sie hängen jedoch unmittelbar mit dem Dienstplan zusammen. Sind ausreichend Hände zu den Stoßzeiten vorhanden, sind die Mitarbeiter entspannt und weitestgehend stressfrei. Das ist die Grundvoraussetzung für einen hohen Standard im Unternehmen und die Kundenzufriedenheit.
Wie sollte der Dienstplan für den Kunden aussehen?
Kontinuierliche Besetzung,
Arbeitsanfall bezogene Besetzung,
jederzeit fachlich kompetente Ansprechpartner vor Ort.
1.3// Erwartungen der Behörden
Leider entscheiden über die Art der Dienstpläne nicht ausschließlich die Mitarbeiter und die Bewohner, die es betrifft. Der Staat hat ebenfalls ein gewichtiges Wort mitzureden, wenn es um die Erstellung von Arbeitsplänen geht. Jährlich kommen mehrere Behörden in das Unternehmen und prüfen die Dienstpläne. Es wird erwartet, dass der gesamte gesetzliche Rahmen, angefangen von Arbeitnehmerrechten über den Schutz von Minderjährigen bis hin zum Schwerbehindertengesetz, eingehalten wird. Es kommt noch der hausinterne Tarifvertrag dazu und Empfehlungsschreiben von Schulen und Politikern. Für die Dienstplanschreiber ist es nicht einfach, hier den Überblick zu behalten. Schwierig ist, dass jedes Bundesland und jeder Rahmenvertrag andere Gesetzmäßigkeiten aufweisen. Über die Jahre ist ein Dschungel entstanden, durch den sich jede Einrichtung selbst hindurchfinden muss. Paradox ist, dass keine Schichtstärken geprüft werden, sondern lediglich die Einhaltung von Fachkraftquoten, Nachtschichtquoten und Betreuungsquoten laut Stellenschlüssel. Es wird wohl vorausgesetzt, dass bei guten Qualitätsprüfungen auch die Besetzung dem Arbeitsanfall entspricht. Fachkräfte, die mit 40 – 50 zu versorgenden Bewohnern auf Dauer überfordert sind, Hilfskräfte, die morgens zehn und mehr Bewohner pflegen oder Behandlungspflegen durchführen, für die sie nicht ausgebildet wurden, werden übersehen.
Als Behörde könnte auch die Mitarbeitervertretung genannt werden. Sie prüfen ebenfalls die Einhaltung des Tarifvertrages und des Arbeitszeitgesetzes. Ein einmal geschriebener Dienstplan sollte nach der Freigabe möglichst nicht mehr geändert werden. Ein frühstmögliches Auslegen wäre wünschenswert.
Wie soll der Dienstplan für die Behörden aussehen?
Übersichtlich,
streng getrennte Berufsbezeichnungen,
streng getrennte Tätigkeitsfelder,
gesetzeskonform,
langfristige Planung,
verlässliche Planung.
1.4// Erwartungen des Unternehmens
Unternehmen sind in der Regel auf Gewinnmaximierung aus. Überstunden produzieren Verluste und diese sind kontraproduktiv. Ein vorgegebener und durch die Pflegekassen genehmigter Stellenplan muss ausreichen, die Kunden zu versorgen, Stabsstellen zu unterhalten, Fort- und Weiterbildungen zu ermöglichen, Qualitätsrichtlinien zu erfüllen und den Mitarbeitern alle rechtlichen Ansprüche zu gewähren. Überschreitungen der verhandelten Planstellen sind unter keinen Umständen vorgesehen. Der Haushaltsplan wurde genau kalkuliert und Sonderausgaben für kranke Mitarbeiter oder anspruchsvollere Bewohner werden ja nicht refinanziert.
Eine unwirtschaftliche Führung einer Einrichtung kann auf die Dauer nicht funktionieren. Der größte Kostenfaktor und auch Qualitätsfaktor ist der Mitarbeiter. Das Unternehmen bzw. die Geschäftsführung erwartet, dass nach dem Quantitätsprinzip gearbeitet wird, nach dem mit gegebenen Mitteln das Bestmögliche erwirtschaftet wird. Da jedoch auch die Qualität gesetzlich vorgeschrieben ist und durch den Medizinischen Dienst geprüft wird, muss auch nach dem Qualitätsprinzip vorgegangen werden, sprich eine bestimmte Qualität erreicht werden.
Mit ca. 80 % der Gesamtkosten sind die Personalkosten also ein sehr wichtiger Faktor. Der Dienstplan sollte in allen Einrichtungen zur Chefsache erklärt werden und nicht als Selbstverständlichkeit und Nebensächlichkeit gesehen werden.
Die vielen Faktoren, die in einen Dienstplan reinspielen, und die geballte Ladung an Erwartungen sprengen meist den Rahmen des Machbaren. Dabei stellt der Dienstplan das wichtigste Führungsinstrument eines Unternehmens dar. Er greift in alle Belange eines Pflegeheimes ein und ist unter anderem verantwortlich für die Wirtschaftlichkeit und das Ansehen des Wohnheims in der Öffentlichkeit. Er ist aber auch verantwortlich für das Wohlbefinden der Pflegekräfte und deren Gesundheit.
Wie soll der Dienstplan für das Unternehmen aussehen?
Einhaltung des Stellenplans,
keine Resturlaube,
keine Überstunden,
Einhaltung des gesetzlichen und tariflichen Rahmens.
1.5// Komplexität des Dienstplans
Für Sie als Mitarbeiter ist der Dienstplan in seiner Komplexität häufig ein Dschungel, der kaum zu durchdringen ist. Wie unter 1.1 – 1.4 beschrieben, werden sehr viele Erwartungen und Bedürfnisse an den Dienstplan gesetzt, aber auch Vorschriften und Gesetze finden sich wieder. Was am Ende für Sie nur einen Arbeitsplan darstellt, benötigt eine aufwendige und intensive Vorarbeit. In den nächsten Kapiteln soll Schritt für Schritt der Aufbau eines verlässlichen Dienstplans erläutert werden, um am Ende mit dem vorgegebenen Bewegungsspielraum von Gesetzen und Wirtschaftlichkeit einen Arbeitsplan zu bekommen, der Mitarbeiter und Bewohner gleichermaßen zufriedenstellt. Am Anfang steht das Personalkonzept, welches die Arbeitszeit von Brutto auf Netto herabbricht. Erst wenn bekannt ist, wie viel verplant werden darf, können Personalverteilungen vorgenommen werden. Jeder Wohnbereich hat eigene Bedürfnisse resultierend aus dem Bewohnerklientel und der Mitarbeiterzusammensetzung, die mit unterschiedlichen Dienstzeiten befriedigt werden müssen, jedoch stets unter der Prämisse der zustehenden Pflegezeit. Sind diese drei Bereiche abgeschlossen, ist die erste Hürde zur Dienstplanerstellung genommen. Die Erarbeitung dieses Sockels wird in der Regel nur einmal vorgenommen und nur bei großen Veränderungen erneut berechnet. Bevor jedoch mit dem Schreiben begonnen werden kann, muss jährlich ein Urlaubsplan ausgearbeitet werden, der sowohl Sie als Mitarbeiter – wie auch unsere Kunden – und betrieblichen Bedürfnisse berücksichtigt. Ebenso müssen Sonderwünsche jedes Einzelnen Einzug in die Dienstplangestaltung halten. Am Ende muss auch für die eigentliche Planerstellung ein fester Standard gelten, gültig für alle und an 365 Tagen des Jahres. Das häufigste Problem, der Arbeitsausfall durch Krankheit, wird erst bearbeitet, nachdem ein solider Aufbau stattgefunden hat. Werden all diese Schritte im Einzelnen beherzigt, wird ein komplexer verlässlicher Dienstplan entstanden sein, der fast alle unter 1.1 – 1.4 gestellten Anforderungen erfüllt und der dafür sorgt, dass der Dienstplanschreiber Monat für Monat entspannt seiner Aufgabe nachgehen kann. Als Mitarbeiter werden Sie einen Arbeitsplan vorfinden, den Sie verstehen, an dem Sie mitgewirkt haben und der Ihre persönlichen sowie arbeitstechnischen Belange berücksichtigt.
Abb. 1.5 Schritte der Dienstplanerstellung
Der Dienstplan stellt in allen Bereichen des Unternehmens ein zentrales Thema dar, in dem eines dem anderen die Hand gibt:
Verlässlicher Dienstplan – zufriedene Mitarbeiter – motivierte Mitarbeiter – leichtere Mitarbeitergewinnung durch guten Branchenruf – weniger Ausfallszeiten – wirtschaftliche Personalführung – Gewährleistung der Bezugspflege – hohe Bewohnerzufriedenheit – gute Pflegenoten – gute Auslastung – hohe Wirtschaftlichkeit.
2// Personalkonzept
In den Einrichtungen sind Betreuungskonzepte implementiert, Pflegekonzepte entwickelt worden und selbst für den Nachtdienstablauf und die Tagespflege gibt es Konzepte. Beim Personal, das eine tragende Säule jedes Unternehmens darstellt, wird sich weniger Gedanken gemacht; ein Stellenplan, der lediglich die Bewohner und den dazugehörigen Schlüssel erfasst, langt in den meisten Fällen völlig aus. Dies liegt wohl nicht zuletzt daran, dass die Prüfinstanzen nie nach einem Personalkonzept fragen. Dabei wäre dies ein grundlegender Bestandteil, um all die anderen Aufgaben bewältigen zu können. Der Dienstplan kann mit dem Bau eines Hauses verglichen werden. Zu Beginn wird ein Plan benötigt, wie das Gebäude später aussehen soll, welche Materialien benötigt werden und was verwendet werden kann, um den Kostenrahmen nicht zu sprengen. Welcher Baumeister, welcher Bauherr könnte darauf verzichten? Es muss also ein Konzept entwickelt werden, in dem genau festgelegt wird, mit welchen Rahmenbedingungen später kalkuliert werden soll. Die einzelnen Fakten des Unternehmens müssen hierfür detailliert zusammengetragen werden. Für die Erstellung eines Personalkonzeptes kann nicht von Pauschalen ausgegangen werden. Dies wäre sehr gefährlich und würde das Ergebnis erheblich verfälschen. Jedes Haus hat unterschiedliche Strukturen und Bedürfnisse und somit andere Anforderungen an einen Dienstplan. Auch verschiedene Tarifverträge verlangen ein Vorgehen, das mit diesen Vorgaben umgeht. Leitbilder, Prägungen von Stadt und Land spielen eine weitere Rolle bei der Konzepterstellung und der anschließenden Mitarbeiter- und Bewohnerzufriedenheit. Eine gut funktionierende Pflegeeinrichtung, die lediglich ihren Dienstplan optimieren möchte, muss nicht zwingend ihre bisherigen Strukturen umbauen, um den Mitarbeitern eine verlässliche Arbeitszeit zu gewähren. Bewährte Tagesabläufe zu verändern, bringt unnötige Unruhe in die Belegschaft und im besonderen Maße auch bei den Bewohnern.
Tarifvertrag
Der Tarifvertrag ist ein übergeordnetes Rechtswerk, welches den Arbeitnehmer nicht schlechter, sondern nur besserstellen darf, als deutsche Gesetze. Die Gewerkschaften haben diesen mit den Arbeitgebern ausgehandelt, um Rahmenbedingungen für den Einsatz und die Bezahlung der Mitarbeiter festzuschreiben. Jeder Dienstplanschreiber sollte die Eckpunkte dieses Papiers kennen, um hier einen rechtlich einwandfreien und mitarbeitervertretungskonformen Dienstplan zu erstellen.
Festgelegt sind unter anderem häufig:
Arbeitszeit einer Vollzeitkraft,
Höchstgrenzen von Überstunden,
Untergrenzen von Minusstunden,
Tage-Woche,
Ankündigungszeiträume von zusätzlicher Arbeit,
Urlaubsanspruch und Regelung,
Zeitrahmen der Dienstplanfreigabe,
Zusatzurlaub und Dienstbefreiungen.
Wer als Mitarbeiter den Anspruch eines verlässlichen und überstundenfreien Dienstplans hat, sollte eine gesunde Akzeptanz mitbringen, dass die wenigen Spielräume beim Dienstplanschreiben auch genutzt werden. So kann z.B. ein Arbeitszeitkonto von 50 Plusstunden und 50 Minusstunden hervorragend über das Jahr hinweg als Jongliermasse genutzt werden. Für Mitarbeiter ein entscheidender Vorteil, wenn einmal mehr Freitage benötigt werden als vorhanden, z.B. im Krankheitsfall des Partners oder der Eltern. Dann kann ein Stundenkonto angespart werden, um dieses zu privaten Stoßzeiten wieder zu nutzen. Ebenso kann die Möglichkeit der Teilzeitarbeit mit der Tage-Woche kombiniert werden, sprich auch 20 h-Kräfte arbeiten an fünf Tagen in der Woche. Man erhält so mehr Arbeitskraft an den einzelnen Tagen oder aber auch mehr Überlappung der Schichten, je nach Bedarf des Wohnbereichs. Für Mütter kann dies sehr vorteilhaft sein, da die Kinderbetreuung nur stundenweise sichergestellt werden muss.
Arbeitsvertrag
Am Anfang jedes Arbeitslebens erhält man als Mitarbeiter einen Arbeitsvertrag. Ein Blick in diesen verrät Ihnen, wie viele Bruttostunden Sie abzuleisten haben und den dafür festgelegten Gesamtstellenanteil. So kann als Vollzeitstelle z.B. die 40 Stundenwoche festgeschrieben sein, aber auch eine 38,5 Stundenwoche. Beides wären je nach Arbeitgeber 1,0 Stellenanteile, 20 Wochenstunden als Teilzeitkraft, basierend auf der 40 Stundenwoche, wären demnach nur 0,5 Stellenanteile. Die Bandbreite geht hier weit auseinander. In seltenen Fällen kann auch ein Stellenanteil von z.B. 1,2 Stellen angegeben sein. In diesem Fall gibt der Tarifvertrag eine niedrigere Arbeitszeit für eine Vollzeitstelle vor als die Arbeitszeit, welche tatsächlich geleistet werden muss. Ebenfalls ist im Arbeitsvertrag meist eine Tagewoche hinterlegt. Wer also eine 5-Tage-Woche hat, arbeitet durchschnittlich an 5 Tagen die Woche. Hat also der Monat 20 Werktage, wird an 20 Tagen gearbeitet, jedoch auf den gesamten Monat verteilt und nicht nur auf die Werktage. Sprich, es bleiben am Ende genauso viele Freitage übrig wie Samstage und Sonntage sowie Feiertage im Monat sind. Die tariflich zustehenden Urlaubstage sind auch sehr differenziert zu beachten. Sie stehen im direkten Zusammenhang mit der Tage-Woche und können so mehr oder weniger sein als die tatsächlich festgeschriebenen Tage. Arbeitet ein Mitarbeiter nicht 10 Tage in zwei Wochen, sondern 11 Tage, entspricht dies einer 5,5 Tagewoche. Demnach muss auch der Urlaub entsprechend mehr sein.
2.1// Nettoarbeitszeit eines Mitarbeiters
Um herauszufinden, wie viel Zeit eines Mitarbeiters konkret verplant werden darf, muss alles auf eine Nettoarbeitszeit heruntergebrochen werden. Die im Arbeitsvertag angegebene Arbeitszeit ist die Bruttoarbeitszeit. Durch den Abzug von Urlaub und Feiertagen reduziert sich diese auf eine Nettoarbeitszeit. Das Unternehmen muss sich auf eine Tage-Woche pro Mitarbeiter festlegen. Da die Pflege ein sehr körperlich wie psychisch anspruchsvoller Job ist, sollte jedoch die 5-Tage-Woche gar keiner Diskussion bedürfen. Was in Büros normal ist, ist leider im Pflegebereich noch nicht angekommen. Daher wäre es aber genau hier sehr wichtig, ausreichend Ruhezeiten und Regenerationsphasen für die Mitarbeiter zu schaffen. Nur wer ausreichend freie Zeit hat, kann Leistungen auf Dauer auf hohem Niveau erbringen, ohne körperlichen oder psychischen Schaden davon zu tragen oder durch unkonzentriertes Arbeiten die uns anvertrauten Menschen zu gefährden. Für die Nettoarbeitszeit heißt es im Einzelnen, dass wir zuerst eine Stelle des Stellenplans definieren müssen. Die Frage lautet: „Wie viel Stunden werden einer Vollzeitstelle zugeordnet?“
Abb. 2.1 Berechnung der Nettoarbeitsstunden eines Vollzeitmitarbeiters
Bruttoarbeitszeit des einzelnen Vollzeitmitarbeiters in der Woche
Unter a
3// Nachtdienst
