So heilt dein inneres Kind - Anja Plattner - E-Book

So heilt dein inneres Kind E-Book

Anja Plattner

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Beschreibung

Bist du bereit für die Reise mit deinem inneren Kind?

Stell dir vor, du könntest deinem inneren Kind persönlich begegnen – was würdest du ihm sagen? Diese Frage stellt sich Anja Plattner in ihrem neuen Buch und nimmt dich mit auf die Reise mit dem inneren Kind Ranja. Begleite Ranja auf der Suche nach den Antworten auf ihre Lebensfragen und finde auch du heraus, welche Wünsche, Ängste und seelische Traumata dein inneres Kind umtreiben. In zahlreichen Übungen darfst du dich auf eine Reise der Innenschau einlassen und die verborgenen Bausteine deiner Persönlichkeit entschlüsseln.

  • Eine mitreißende Erzählung von Soulhealing-Expertin Anja Plattner führt dich in die Welt des inneren Kindes
  • Nimm dein inneres Kind an die Hand: Mit umfassendem Theorieteil und Übungen tritts auch du die liebevolle Reise der Selbsterkenntnis an
  • Kraftvolle Gestaltung für deine Reise: Energievolle Illustrationen erwecken die Leichtigkeit zum Leben

Dahinter steckt das geballte Wissen und die langjährige Erfahrung der Expertin für Soulhealing und Traumatherapeutin, Anja Plattner. Schöpfe aus der Fülle ihrer Inspiration und lasse dich von ihr an die Hand nehmen, bei der Reise mit deinem inneren Kind.

Wenn du bereit bist, deinen eigenen Schatten auf den Grund zu gehen und dein inneres Kind kennenzulernen, ist dieser vielfältige Ratgeber dein idealer Begleiter für den erhellenden Prozess der Selbsterforschung. Nähere dich deinem inneren Selbst mit verschiedenen Methoden an und erschließe in deinem eigenen Tempo die Essenz deines Seins.Emotional, kraftvoll, tiefgründig, kreativ, erkenntnisreich und lebensbereichernd – bist du bereit für den ersten Schritt?

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 276

Veröffentlichungsjahr: 2025

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Anja Plattner

So

heilt

dein

inneres

Kind

Eine Erzählung mit Übungen & Grundlagen für die Reise zu dir selbst

Impressum

Alle in diesem Buch veröffentlichten Abbildungen sind urheberrechtlich geschützt und dürfen nur mit ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung des Verlags gewerblich genutzt werden. Eine Vervielfältigung oder Verbreitung der Inhalte des Buchs ist untersagt und wird zivil- und strafrechtlich verfolgt. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Die im Buch veröffentlichten Aussagen und Ratschläge wurden von Verfasser und Verlag sorgfältig erarbeitet und geprüft. Eine Garantie für das Gelingen kann jedoch nicht über#nommen werden, ebenso ist die Haftung des Verfassers bzw. des Verlags und seiner Beauftragten für Personen-, Sach- und Vermögensschäden ausgeschlossen.

Bei Fragen zur Produktsicherheit wenden Sie sich an

Edition Michael Fischer GmbH

Kistlerhofstr. 70

81379 München

[email protected]

Bei der Verwendung im Unterricht ist auf dieses Buch hinzuweisen.

Die automatisierte Analyse des Wer kes, um daraus Informationen insbesondere über Muster, Trends und Korrelationen gemäß § 44b UrhG („Text und Data Mining“) zu gewinnen, ist untersagt.

EIN E-BOOK DER EDITION MICHAEL FISCHER

1. Auflage 2025

© 2025 Edition Michael Fischer GmbH

Cover & Layout: Luca Feigs unter Verwendung eines Motivs von Anja Plattner

Satz: Cäcilie Roscher

Projektmanagement und Lektorat: Andrea Flor

Herstellung: Miriam Janner

Bildnachweis

Illustrationen: © Anja Plattner (Teile von ravenwingsclipart/Etsy (S. 52); PixelLayers/Etsy (S. 150))

Perle (Cover und S. 133): © Nataliia Kurylo/Shutterstock

Autorinnenfoto (S. 158): © Ulla Schreiber, Augsburg

ISBN 978-3-7459-3017-7

www.emf-verlag.de

Widmung

Für meine Familie und alle inneren Kinder.

„Narben auf dem Körper zeigen, wir haben gelebt, Narben auf dem Herzen sagen, wir haben geliebt.“

– Unbekannt

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Teil 1: Stabilität und Sicherheit in sich finden

1. Ranjas bisherige Reise

2. Die Schattenpflanzen – Die unbewussten Wunden

Was sind Schattenpflanzen?

3. Was ist ein Trauma?

Dissoziation – Ein Schutzmechanismus

Trauma und seine Auswirkungen auf das innere Kind

Dissoziation verstehen und heilen

4. Die eigene Identität – wer bin ich nicht?

Identität und die Rollen, die wir spielen

Die eigene Rüstung wahrnehmen

Trigger – Deine innere Alarmanlage

6. Identität und deine Geschichte

Eine persönliche Held*innenreise –Transformiere deine Geschichte

7. Selbstwert und Körperliebe

8. Das Drama-Dreieck  –Opfer,Täter*in, Retter*in

9. Die Kraft der Transformation – Wandle den Schmerz in eine Perle!

Teil 2: Das innere Kind heilen

10. Die Reise durch den Schatten – Angst als Wegweiserin

Lebe deine Buntheit

Umgang mit der Angst

11. Akzeptanz, Wahrheit und Vergebung

Abwehrmechanismen der Psyche

12. Systemik – Die unsichtbaren Verstrickungen unserer Eltern

Systemische Dynamiken

13. Systemik – Die unsichtbaren Verstrickungen unserer Geschichte und Epigenetik

14. Die Prägungen deiner Familie

Brücken brauen: Die Spiritualität, die Energie und die Materie

Zusammenfassung

Teil 3: Sich dem eigenen Trauma stellen

15. Die Trauer des inneren Kindes

Unverarbeitete Trauer des inneren Kindes und ihre Auswirkungen

Übungen zur Trauerarbeit – Den Kreislauf der Trauer durchbrechen

16. Verlust und Überlebensschuld

17. Hoffnungslosigkeit des inneren Kindes und das dunkle Selbst

Tabuthemen – wenn die schattenpflanze das selbst überwuchert

18. Die Integration des inneren Kindes

19. Heilung durch Vergebung

Vergebung – Der Schlüssel zur Freiheit

Abschlussreflexion – Wie weit bist du auf deiner Heilungsreise?

Teil 4: Vom „Überleben“ ins „Leben“

20. Aufwachen

Die Identitätskrise im Heilungsprozess

21. Die Rüstung ablegen

Verletzlichkeit als wahre Stärke

22. Krieger*in des Herzens

Krieger*in des Herzens – Das Schwert als Symbol deiner inneren Kraft

23. Lebenslektionen für die Krieger*in des Herzens

Integration von Spiritualität im Alltag

Selbstfürsorge

Epilog

Ergänzende Ressourcen

Danksagung

Über die Autorin

Hinweis zu Quellen, Inspiration und Haftung

Triggerwarnung

Die Inhalte dieses Buches können intensive emotionale Reaktionen hervorrufen, da sie dich einladen, in Kontakt mit verdrängten oder schmerzhaften Erinnerungen zu kommen. Wenn du dich von Themen wie Trauma, körperlicher, seelischer sowie sexualisierter Gewalt, Selbstverletzung, Suizid oder Tierquälerei betroffen fühlst, empfehle ich dir, den Inhalt vorsichtig oder in Begleitung zu konsumieren. Bitte achte gut auf dich, und zögere nicht, dir professionelle Unterstützung zu suchen, wenn die Themen dich überwältigen.

Vorwort

Stell dir vor, du gehst eine Straße entlang. Du bist im Stress, weil du zu spät zu deinem nächsten Termin kommst. Keine Menschenseele ist zu sehen, bis du plötzlich ein kleines Kind entdeckst, das auf dem Bordstein sitzt und verzweifelt weint. Es blutet und braucht Hilfe, doch niemand ist da. Nur du. Würdest du weitergehen, um pünktlich zu deinem Termin zu kommen, oder würdest du dem Kind helfen?

Wenn du dem Kind helfen würdest, dann ist dieses Buch genau richtig für dich. Denn vielleicht ist dieses Kind ein Symbol für dein jüngeres Selbst – und du bist die einzige Person auf der Welt, die ihm wirklich helfen kann.

Warum dieses buch?

Es gibt viele Bücher über Traumata und das innere Kind. Mein Anliegen ist jedoch nicht primär, dass du die Dynamiken bis ins Detail verstehst, sondern dass dein inneres Kind eine Stimme bekommt. Ich wünsche mir, dass sich dein inneres Kind durch meine Worte, Geschichten und Metaphern gesehen und verstanden fühlt. Mein Ziel ist es, dass dein inneres Kind den Mut findet, seine Stimme zu erheben, und dir ein Zeichen zu senden: „Mir geht es auch so! Bitte, hol mich heim – zurück ins Herz!“

Als Traumatherapeutin durfte ich schon mit vielen Herzen von Menschen und ihren inneren Kindern flüstern. Oftmals sind diese inneren Kinder tief in uns versteckt, an dunklen Orten – in kalten Kellern, verstaubten Ecken oder einsamen Verließen unserer Psyche. Sie fühlen sich allein, unsichtbar und haben das Gefühl, nicht richtig zu sein.

Dieses Buch soll dir helfen, Verletzungen ins Bewusstsein zu holen und sie zu verarbeiten, um Leichtigkeit und Freude wieder in dein Leben einzuladen.

Ranja – ein Spiegel vieler Geschichten

Die Geschichten von Ranja, Mira und Tim dienen dabei als Reflexionsfläche, um tiefer in dich hineinzuschauen und den Mut zu finden, den Schmerz anzusehen, den du vielleicht lange ignoriert hast. Ranja ist eine Figur, die dir zeigt, wie Heilung aussehen kann, aber auch, dass dieser Weg nicht immer leicht ist. Lass mich jedoch eines klarstellen: Ich, die Autorin, bin nicht Ranja. Sie, Tim und Mira sind fiktive Charaktere. Ihre Erfahrungen sind von meinen eigenen Erlebnissen inspiriert, aber sie spiegeln auch die Erfahrungen vieler Menschen wider, die ich auf ihrem Heilungsweg in meiner Traumatherapie begleiten durfte. Auch wenn diese Figuren fiktiv sind, ihre Herausforderungen und Kämpfe sind real und nah an den Erlebnissen, die viele Menschen durchlaufen.

Kein Heilversprechen – aber eine Einladung

Auch wenn der Heilungsprozess manchmal unangenehm ist, wirst du entdecken, dass du selbst das bist, wonach du all die Jahre gesucht hast. Es ist eine Reise zurück zu dir selbst – zu einem tiefen inneren Frieden und einem Gefühl, nach dem sich viele sehnen: Ankommen in sich selbst.

Dieses Buch ist kein 10-Schritte-Plan, denn Heilung ist kein linearer Prozess. Sie ist individuell, komplex und oft schmerzhaft. Wenn du nach einer schnellen Lösung suchst, ist dieses Buch vielleicht nicht für dich. Aber wenn du bereit bist, in die Tiefe zu gehen und dein inneres Kind nach Hause zu holen, kann dieses Buch ein treuer Begleiter auf deiner Reise sein.

hinweis zur Geschlechteransprache

In diesem Buch verwende ich Begriffe wie „weiblich“ und „männlich“, um energetische Prinzipien oder archetypische Rollen zu beschreiben, die in jedem Menschen wirken können – unabhängig davon, welchem Geschlecht du dich zugehörig fühlst oder ob du dich geschlechtsneutral definierst. Diese Begriffe sind weder biologisch noch gesellschaftlich eng gemeint, sondern dienen dazu, unterschiedliche Qualitäten und Dynamiken verständlich zu machen.

Lese die Inhalte gerne so, dass sie dich in deiner Einzigartigkeit ansprechen und bereichern.

liebes inneres Kind!

Vielleicht erkennst du dich in den beschriebenen Situationen wieder, vielleicht hast du Ähnliches erlebt oder vielleicht sogar Schlimmeres. Auch wenn du dich versteckst, hilflos oder einsam fühlst – ich weiß, dass du da bist. Dieses Buch habe ich für dich geschrieben, damit du weißt: Du bist nicht allein.

Dein zukünftiges Ich liest dir nun Geschichten vor. Und jedes Mal, wenn du dich erkennst, dann rufe laut: „Ja, genau so fühle ich mich!“ So kann dein älteres Ich dich hören und zurück nach Hause holen.

Gib nicht auf! Auch wenn du mir vielleicht nicht glaubst, wisse: Du wirst unendlich geliebt und bist genau richtig, so wie du bist! Es ist Zeit für dich, zurückzukehren ...

Von Herz zu Herz

Anja

Wie du das Buch lesen kannst

Dieses Buch ist mehr als eine Sammlung von Worten – es ist ein Tor in deine innere Welt. Du wirst vielleicht merken, dass Gefühle und Erinnerungen an die Oberfläche kommen, die lange im Verborgenen lagen. Das ist ein natürlicher Teil deiner Heilungsreise. Lass dir Zeit beim Lesen, du musst es nicht schnell „durchlesen“. Manche Kapitel wollen vielleicht in dir gären, bevor du weitergehst. Andere laden dich ein, sie mehrmals zu lesen, um ihre Botschaften tiefer zu verstehen.

Nimm dir also die Freiheit, das Buch in deinem eigenen Tempo zu lesen. Vielleicht magst du es offen auf deinem Tisch oder Nachttisch liegen lassen – als ständige Einladung, dich mit deinem inneren Kind zu verbinden, wann immer du bereit bist. Es soll ein Begleiter sein, nicht ein Buch, das schnell im Regal verschwindet.

Um deine Reise noch intensiver zu gestalten, kannst du dir ergänzend zum Buch einen kostenlosen Online-Kurs holen, der dich weiter auf deinem Weg unterstützt. Die Anleitung dazu findest du hier:

https://reconnect-to-your-soul.com/bonus-so-heilt-dein-inneres-kind/

Ich habe das Buch auch wieder selbst illustriert, um deinem inneren Kind Freude zu schenken – lass es ruhig mitlesen und die Bilder entdecken.

Es kann zudem hilfreich sein, ein Journal zu führen. Halte deine Gedanken und aufkommenden Emotionen fest, während du liest. Es kann sein, dass sich genau da dein inneres Kind meldet.

Dies ist eine wertvolle Möglichkeit, den Heilungsprozess bewusst zu begleiten und nachzuvollziehen, wie du dich im Laufe der Zeit veränderst.

Ganz gleich, wie du dieses Buch liest – folge deinem Gefühl. Es ist deine Reise.

„Sei die*der Autor*in deiner eigenen Geschichte. Schreibe mit Mut,lebe mit Leidenschaft und heile mit Liebe, denn nur du kannst die wahre Tiefe und Schönheit deines Lebens entdecken.“– Anja Plattner

Teil 1

Stabilität und Sicherheit in sich finden

Die Heilung des inneren Kindes beginnt mit innerer Sicherheit. Erst wenn wir einen stabilen Raum in uns schaffen, fühlt sich unser verletztes Kind geborgen genug, um vergangene Wunden anzuschauen und loszulassen. Sicherheit in uns selbst gibt uns die Kraft, schwierige Gefühle zu verarbeiten und den Heilungsprozess mutig anzugehen. In diesem Teil kümmern wir uns um die innere Sicherheit.

1. Ranjas bisherige Reise

0 Jahre – Der Anfang

Alles beginnt mit drei Seelen, die eine neue Chance auf der Erde antreten sollen. Die eine hat sich den Namen „Mila – die, die den Frieden bringt“ ausgesucht, die andere Seele will sich in diesem Leben „Maja – die Große“ nennen lassen. Und die dritte im Bunde hat sich den Namen „Ranja“ ausgesucht, denn sie hat sich „das Sehen, das Erkennen“ als Aufgabe für dieses Leben vorgenommen. Alle ihre Namen sollen sie bei ihrer Seelenaufgabe unterstützen.

So stehen sie alle drei an der Schwelle, die nach unten zur Erde führt, und blicken hinunter. Die neue Heimat.

Ranja blickt hinunter auf die Erde und denkt: „Ich will eigentlich nicht.“ Sie hat Angst vor der schweren Aufgabe, die sie sich für dieses Leben vorgenommen hat. „Mit meinen beiden Schwestern an meiner Seite werde ich es schaffen“, denkt Ranja. „Okay, bei drei springen wir“, ruft Maja, die älteste Schwester.

„Eins, zwei, drei.“ Und so springen sie zusammen auf die Erde und beginnen wieder eine neue Reise.

Die Zahl 3 in ihrem Kern hat die Schwingungen von Freude, Inspiration, Kreativität, Selbstausdruck und Wachstum. „Zu dritt wird es leichter sein, den Weltenwandel, der sich derzeit auf der Erde anbahnt, mitzugestalten. Das weiß ich“, denkt Ranja, während sie auf die Erde hinuntergleitet.

„Seid ihr da?“, rufe ich in die Dunkelheit hinein. „Ja!!!“, höre ich meine Schwestern. „In einem Körper anzukommen, fühlt sich ja wieder so unglaublich an, aber gleichzeitig auch so eng“, erwidere ich. „Ja, total! Ich bin jetzt aber ganz schön müde“, höre ich meine kleine Schwester Mila. „Ich auch“, antworte ich. „Schlaf gut, Ranja. Schlaf gut, Maja“, höre ich Mila und wir sinken alle drei in einen tiefen, ruhigen Schlaf.

Wir alle genießen die Gegenwart der anderen, wissend, dass wir nicht allein sind. Ich lausche dem Herzschlag meiner Schwestern und genieße die Wärme um mich herum.

Wir freuen uns auf die gemeinsamen Abenteuer, die vor uns liegen. Die nächsten Tage verbringen wir damit, uns Geschichten aus den vielen Leben zu erzählen, die wir fast alle zusammen, aber auch teilweise getrennt verbracht hatten.

Nach ein paar Wochen erwache ich aus einem Traum. Irgendetwas ist anders. Es ist so kalt an meiner linken Seite. „Maja?“, frage ich, doch ich höre keine Antwort. Es ist kalt und still. „Mila?“, frage ich. „Ja, ich bin da“, höre ich sie, aber ihre Stimme klingt leise und schwach. „Irgendetwas stimmt hier nicht …“, sagt sie.

Ich spüre ihre leichte Wärme an meiner Seite, aber mit jeder Sekunde wird es auch an meiner rechten Seite kühler. Panik erfasst mich, als ich realisiere, was hier passiert. Mein ganzer Körper beginnt zu zittern. „Nein!!!“, rufe ich. „Geh nicht!“ Mir wird eiskalt. „Es tut mir leid“, höre ich Mila und plötzlich ist alles ruhig. Eine unerträgliche Stille tritt ein.

Voller Panik schreie ich nach meinen Schwestern, erhalte aber keine Antwort mehr. Die Stille, diese verdammte Stille. Ich kann mich nicht mehr bewegen, bin wie eingefroren und habe gleichzeitig das Gefühl, ich würde fallen. In ein tiefes, schwarzes Loch. Dieses Schwarz fühlt sich an wie ein Strudel, in dem ich gleich sterben werde …

Doch Ranja stirbt nicht. Sie fällt vor Erschöpfung in einen tiefen, endlosen Schlaf, der sie alles vergessen lässt.

6 Jahre – Das Unrecht:„Wir haben nichts getan“

Ranja ist 6 Jahre alt und befindet sich mitten im lebhaften Treiben des Oktoberfests in München, umgeben von bunten Lichtern, Menschen­massen und dem fröhlichen Lachen der Besucher*innen. Das riesige Festzelt ist erfüllt von der Musik der Blaskapelle, dem Duft von gebrannten Mandeln und Zuckerwatte, und den Stimmen der Menschen, die sich in den engen Gassen zwischen den Buden drängen. Trotz der überwältigenden Größe des Festes hat Ranja nur ein Ziel: die Achterbahn, die sie zuvor über den Dächern des Festgeländes thronen sah. Der Gedanke an die aufregende Fahrt lässt ihr Herz schneller schlagen.

„Ich will Achterbahn fahren“, sage ich und meine kleine Schwester gleich hinterher: „Jaaa, Achterbahn!“. Ich höre meine Eltern sagen: „Ranja, dafür bist du mit deinen sechs Jahren noch zu klein, wir gehen später.“

„Aber unsere beiden älteren Cousins und Cousinen sind doch schon dort, das ist doch gleich dort drüben, schaut!“ Ich sehe in ihren Gesichtern, dass ich diese Diskussion gewonnen habe und so machen meine kleine Schwester und ich uns auf den Weg. Wir gehen fröhlich und aufgeregt unseren Weg, doch plötzlich wird alles um mich herum riesig. Die bunten Lebkuchenherzen, die Teddybären und die Schießbuden scheinen wie Riesen über mir zu stehen, während der vertraute Blick auf die Achterbahn immer mehr verloren geht. Der süße Duft, der zuvor noch so einladend war, beginnt, mich zu stören, und die Lichter, die mich gerade noch so begeistert hatten, verschwimmen vor meinen Augen. Der Boden unter meinen Füßen scheint sich zu bewegen und mir schießen die Tränen ins Gesicht.

Es fühlt sich an, als bekäme ich keine Luft mehr. Panisch schaue ich meine kleine Schwester an, die ganz versunken ist, begeistert von all den Lichtern. Plötzlich steht ein Polizist vor uns und fragt, ob wir Hilfe brauchen. Noch mehr Angst packt mich. „Wir haben nichts getan“, sind die einzigen Worte, die ich herausbringe, bevor mir schwarz vor Augen wird.

7 Jahre – Der Selbtzweifel: „Ich bin nicht gut genug“

Ranja sitzt an ihrem kleinen Schreibtisch, der direkt an der Wand steht, ihre Beine baumeln leicht über dem Boden. Vor ihr liegt ein Heft, in dem rote Striche die Buchstaben „b“ und „p“ durchkreuzen, die sie erneut verwechselt hat. Der Schreibtisch fühlt sich eng und bedrückend an, als ob er die ganze Last ihrer Fehler in sich aufsaugt. Ranja ist sieben Jahre alt und in diesem Moment scheint die Welt sich nur um die Tatsache zu drehen, dass sie immer wieder die Buchstaben vertauscht. Die rote Tinte in ihrem Heft leuchtet grell, ein ständiger Beweis dafür, dass sie sich in der Schule schwertut. Umgeben von den vertrauten Wänden ihres Kinderzimmers, die ihre Mutter liebevoll bemalt hat, verliert Ranja sich in den bunten Figuren von Goofy, Micky Maus und Donald Duck, die fröhlich aus einem Auto herauslachen. Ranjas Mutter hatte dieses Bild gemalt, um Ranja aufzuheitern, denn ihr Vater war vor ein paar Monaten ausgezogen. Diese farbenfrohen Gestalten sind für sie ein kleiner Trost, ein Lichtblick inmitten der dunklen Wolken aus Trauer, Selbstzweifeln und Frustration. Sie liebt Geschichten – besonders die „Unendliche Geschichte“ – und taucht gerne in die Welt der Fantasie ein, um den grauen Alltag für einen Moment zu vergessen. Doch heute fällt es ihr schwer, ihren Gedanken zu entfliehen. Der Kopf schmerzt vom vielen Abschreiben, die Konzentration schwindet. Die roten Striche im Heft scheinen wie Schläge auf ihr Selbstwertgefühl niederzugehen. Sie hat Mühe, das Alphabet zu behalten, die Buchstaben tanzen vor ihren Augen und das Lernen fällt ihr schwerer als den anderen Kindern. Die Worte ihres Heilpraktikers Willi, der ihr geraten hatte, das Alphabet rückwärts zu lernen, hallen in ihrem Kopf nach – es hatte geholfen, doch heute fühlt sich alles wieder schwer an.

Ich blicke auf die Buchstaben, die ich mühsam abgeschrieben habe. Der rote Strich, der das „b“ und das „p“ durchkreuzt, weil ich sie schon wieder vertauscht habe, strahlt mir entgegen. Ich schaue auf die Wand neben mir. Goofy, Micky Maus und Donald lachen mich aus einem Auto heraus an. „Hi“, sage ich, „darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Ranja, ich bin sieben Jahre alt und offensichtlich dumm. Oder eben nicht so schlau wie die anderen, sonst wäre ja nicht alles so rot in meinem Heft.“ Ich zeige meinen Freunden mein Heft, während ich weiterspreche: „Ich bin nicht gut im Lesen, ich kann nicht gut rechnen und das Schreiben fällt mir schwer.“

„Ranja, hör auf zu träumen! Konzentriere dich!“ Da sehe ich, wie meine Mama den Kopf zur Türe reinsteckt.

Ich schaue wieder auf mein Heft mit den vielen roten Strichen. Mein Kopf raucht noch immer. Das ist alles ganz schön anstrengend.

„Ich bin dafür zu dumm, ich bin nicht gut genug“, sage ich zu meinen Freunden und werfe das Heft frustriert in die Ecke.

11 Jahre – Die Distanz: „Du bist zu weit weg“

Heute war Ranjas elfter Geburtstag, und obwohl es ein ganz toller Tag war, fehlte der kleinen Ranja ihr Vater sehr, der nicht dabei sein würde. Er lebte jetzt in Amerika.

„Amerika“, seufze ich schwer, als ich meinen Stoffwolf Arko ansehe. „Wo bitte ist das überhaupt?“, frage ich ihn, doch erhalte ich, wie immer, keine Antwort. Auf dem Globus war es jedenfalls weit weg. Zu weit, um zum Geburtstag vorbeizukommen. Aber würde er ja eh nicht, er hat ja jetzt eine neue Familie. Eine neue Tochter. Joy. Wie ich diesen Namen hasse! Wie sehr ich sie hasse! Ich kann meine Tränen bei dem Gedanken nicht länger zurückhalten und vergrabe mich tief in meine Kissen und lasse sie fließen …

30 Jahre – Der Druck: „Ich muss mich beweisen“

Mit 30 Jahren hatte Ranja scheinbar alles erreicht, wovon sie als junges Mädchen geträumt hatte. Als erfolgreiche Eventmanagerin jonglierte sie zwischen hochkarätigen Kunden, luxuriösen Veranstaltungsorten und minutiösen Zeitplänen. Sie lebte in einer kleinen Wohnung in München, was für ihren hektischen Lebensstil ausreichte.

Doch die Welt der Events, die sie einst faszinierte, schien sie nun zu verschlingen. Ranja fühlte sich gefangen in einem Kreislauf aus Stress und dem unaufhörlichen Streben nach Perfektion. Trotz ihres Erfolgs blieb eine innere Leere. Heute stand sie in einem prachtvollen Konferenzsaal, umgeben von opulenten Dekorationen, alles perfekt arrangiert. Doch das grelle Licht und die Hektik verstärkten das Unwohlsein in ihrem Bauch. Seit Monaten kämpfte sie mit immer schlimmer werdenden Unverträglichkeiten, die sie aus dem Nichts überfielen. Ein Bissen genügte, um ihren Magen zu verkrampfen und ihre Haut brennen zu lassen.

Doch wie immer ignorierte Ranja die Zeichen. Das Zittern in ihren Händen und das Kribbeln in ihren Knien waren ihre ständigen Begleiter, die sie mit einem professionellen Lächeln überspielte. Sie straffte die Schultern und tauchte wieder in die Welt der Hochglanz-Events ein, wissend, dass sie dafür einen hohen Preis zahlte – aber wie immer verschob sie diese Erkenntnis auf später.

Ich stehe an einem Baum in einem Berliner Hinterhof. Seit Stunden plagen mich Übelkeit und Schwindel. Eigentlich hatte ich mich auf einen schönen Tag in Berlin gefreut, nachdem das Event ein voller Erfolg war. Doch zwei Gläser Wein haben alles ruiniert. Ich bin nicht betrunken, aber ich fühle mich vergiftet, wie so oft. Warum habe ich den Wein nicht einfach weggelassen? Ich will doch auch wie alle anderen alles genießen können, ohne Einschränkungen. In der Ferne sehe ich eine Apotheke und schöpfe Hoffnung, dass ich dort vielleicht Hilfe finde.

35 Jahre – Die Wende: „Ich gehe einen neuen Weg“

Monatelang begleitete Ranja Gedankenrasen, da sie wusste, dass es so nicht weitergehen konnte.

Ranja trifft nach langem Hadern endlich die Entscheidung, sich selbstständig zu machen und einen neuen Weg zu gehen. Sie begann parallel eine Coaching-Ausbildung, um anderen Menschen helfen zu können. Sie freut sich, irgendwann mehr Sinn in ihrem Leben zu empfinden. Sie sucht noch immer nach einem bestimmten Gefühl, kann es aber nicht benennen.

Ich halte meinen Gewerbeschein in der Hand und kann es gar nicht glauben. All das Gedankenrasen, all das Feststecken scheint vorbei zu sein. Ist das wirklich möglich? Bin ich wirklich gesprungen? Fassungslos und voller Vorfreude gehe ich aus dem Gewerbeamt in München raus auf die Straße. Bereit für mein neues Lebenskapitel.

36 Jahre – Ranjas Herz sagt „Stopp“

Ranjas Herz realisiert, dass es drastischere Maßnahmen ergreifen muss, damit sich wirklich etwas verändert.

„In mir war einst ein wunderschöner Garten, doch jetzt ist er kaum wiederzuerkennen. Die Farben sind verblasst, die Blumen vertrocknet. Eine Schicht Düsternis liegt über allem und droht das Licht zu verschlucken – dabei brauche ich es so dringend!

Die Wege sind überwuchert, dornige Ranken ziehen sich über den Boden und die Bäume. Ihre stacheligen Äste greifen nach allem, was noch etwas Lebenskraft hat. Was einst frei und offen war, ist jetzt verschlossen, eingezäunt von Schattenpflanzen, die sich ausgebreitet haben. Diese düsteren Pflanzen sind schwer und bedrückend. Ihre Blätter glänzen schwarz, ihre Dornen stehen bedrohlich hervor und der Boden wirkt tot, vergiftet von ihren Wurzeln. Die Pflanzen ersticken das Licht, das versucht durchzudringen.

Zwischen den Schattenpflanzen sehe ich abgestorbene Pflanzen – Symbole für all die unerfüllten Bedürfnisse, ungelösten Konflikte und tiefen Wunden. Sie tragen die Last der Jahre, des Schmerzes, der Trauer, der Wut. Die Schattenpflanzen haben die Kontrolle übernommen, sie rauben mir die Energie, die einst für Wachstum und Freude da war. Ich kann das nicht länger ertragen. Sie muss sich all dem endlich stellen.

Es muss aufhören!“, sagt Ranjas Herz, „ich werde meinen Garten nicht viel länger in diesem Zustand ertragen können. Ranja muss die Schattenpflanzen erkennen, annehmen und loslassen. Ich brauche Licht und Liebe – nicht nur für andere, sondern vor allem für mich selbst. Jetzt ist Schluss!“

36 Jahre – „Nie hörst du auf mich“ – Wenn das Herz nicht gehört wird

Nachdem Ranja auch in ihrem neuen Coaching-Business viele Aufträge angenommen hatte, ihre eigenen Bedürfnisse jedoch immer noch hintenanstellte, war sie mit ihrer Freundin für einen Urlaub nach Sri Lanka aufgebrochen. Tief in ihrem Inneren wusste sie, dass es mehr brauchte als nur Ruhe und Entspannung. Ranja war auch in der Selbstständigkeit immer auf der Suche nach Bestätigung im Außen, da sie Schwierigkeiten hat, ihre eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen. Noch immer hatte sie oft Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen. Das Bemühen, es allen recht zu machen, hatte sie erschöpft.

Von außen betrachtet schien sie alles im Griff zu haben – beruflich lief es gut, sie konnte schon nach kurzer Zeit einige Menschen unterstützen, doch in ihrem Inneren herrschte immer noch eine Leere, die sie nicht verstehen konnte, vor der sie aber erfolgreich davonlief. Diese Reise sollte der Beginn einer viel tieferen Entdeckungsreise, einer Reise zurück zu sich selbst, werden.

Diese Reise beginnt oft an den unerwartetsten Orten. Für Ranja war dieser Ort ein einsamer Strand auf Sri Lanka.

„Hey, Ranja, Lust auf eine Kokosnuss?“, ruft meine Freundin. Ich lächle. „Immer!“ Uns hat es an diesen wunderschönen Strand auf Sri Lanka verschlagen, denn ich wollte das neue Jahr mit einem Urlaub beginnen. Ich brauchte diese Auszeit, denn die letzten Jahre hatten Spuren in mir hinterlassen, die ich nicht mehr ignorieren konnte. Der ständige Druck, erfolgreich zu sein, die Erwartungen von Familie, Freund*innen und Kolleg*innen – all das hatte sich in meinem Inneren aufgestaut. Ich hatte mich so sehr auf das Außen konzentriert, dass ich die Verbindung zu meinem Inneren völlig verloren hatte. Hier, an diesem wunderschönen Strand mit den großen, kräftigen Wellen, konnte ich mich endlich wieder ein bisschen spüren. Fast wie ankommen. Wie sehr ich mich nach diesem Gefühl gesehnt hatte.

„Ich bin schon so gespannt, wie es wird, mit dem Zug durch das Hochland zu fahren!“, schwärmt meine Freundin. „Diese Fotos sehen einfach mega aus!“, sie zeigt mir die Instagram-Bilder und ja, diese Zugfahrt scheint ein Traum zu sein. Eine „Once in a lifetime“-Erfahrung. Ich spüre allerdings keine Vorfreude, sondern eher eine Schwere, die ich nicht deuten kann. Warum kann ich mich nicht wie meine Freundin so richtig drauf freuen?

In der Nacht kann ich keinen Schlaf finden. Unruhig rolle ich mich im Bett hin und her, die Stille bringt die Gedanken in meinem Kopf nur noch lauter hervor. Ich versuche mich zu entspannen, doch der innere Gedankensturm, der seit Monaten in mir tobt, lässt sich heute einfach nicht beruhigen.

Irgendwann gebe ich auf, ziehe mich an und gehe auf die Dachterrasse. Der Vollmond raubt mir fast den Atem. „Ich will nicht weg“, sage ich leise zu mir selbst. „Dann bleib hier“, antworte ich mir selbst. „Das geht nicht, wir haben alles schon geplant und bezahlt“, sage ich zu mir. Traurig schaue ich zum Mond und über das Wasser. Leise Geräusche holen mich aus meiner Mondstarre. Ich sehe, wie einige Gäste zum Morning Yin Yoga gehen. „Na ja, kann ja nicht schaden“, denke ich mir und folge ihnen.

„Today we will open our heart“, höre ich die Trainerin sagen. Wir beginnen mit intensiven Übungen, die ich nur schwer aushalten kann. Wut, Ärger und Aggression steigen in mir auf, aber ich halte durch. Völlig erschlagen liege ich am Ende im Savasana. Plötzlich wird mein Körper durchgerüttelt. „Da bist du!“ Ich blicke in die entsetzten Augen meiner Freundin, die mir erklärt, dass unser Taxi wartet. Ich muss eingeschlafen sein. Minuten später finde ich mich im Auto auf dem Weg in die Berge wieder. Das ging mir alles zu schnell, denke ich. Ich konnte mich nicht vom dem schönen Strand verabschieden. Über die nächsten vier Stunden fühle ich, wie ein Kloß in meiner Brust größer und größer wird.

Im Ort angekommen, hoch oben in den Bergen, regnet es leicht und wir beziehen unsere Zimmer. Ich setze mich auf mein Bett und plötzlich überrollt mich ein Tsunami an Emotionen. Der Kloß pocht so stark, als würde meine Brust gleich zerspringen. Tränen steigen in mir auf und schluchzend schmeiße ich mich auf mein Bett.

„Nie hörst du auf mich, immer nur auf die anderen!“

Erschrocken höre ich auf zu weinen.

„Hallo?“ Stille. „Du brauchst dich gar nicht so zu erschrecken, ich bin’s nur, dein Herz! Aber kein Wunder, dass du dich nicht mehr an meine Stimme erinnerst, du hast sie ja lang genug ignoriert.“

Verwirrt blicke ich mich um ... „Was zur Hölle?“

„Beruhig dich mal. Schließ die Augen und atme tief durch. Dann lege deine Hände auf dein Herz und spüre mich.“

„Bin ich verrückt? Höre ich nun Stimmen?“ Panik steigt in mir auf. „Ja, klar hörst du Stimmen, meeeeineee!!! Die von deinem Herzen! Und ich sagte Augen schließen!!!“ Mit einem Seufzen folge ich den seltsamen Aufforderungen.

„Was ist geschehen? Warum höre ich dich?“, frage ich vorsichtig flüsternd.

„Ich bin geschehen, dein Herz. Du hast mich in den letzten Jahren vergessen. Meine Energie ist leer. Ich bin krank. Mir geht es nicht gut. Und du hast meine Rufe ignoriert!“

Ranjas Herz hatte beschlossen, dass das Weglaufen vor der Stille mit all seinen Erkenntnissen auf dieser Reise ein Ende haben sollte.

„Ich bin wohl völlig verrückt geworden!“ Ich stehe auf, falle aber sofort wieder zurück ins Bett. „Du hörst mir jetzt erst mal zu, liebes Fräulein! Wenn ich keine Kraft habe, dann bringt dir dein Job nichts, dein Geld, deine Freunde … nichts!“ Ich schweige. Die Stimme hört sich an wie ich, in mir, fast ein bisschen wie Selbstgespräche. Aber eben ohne dass ich weiß, was kommt. Ich kann mein Herz hören??? Ich spüre es definitiv, es pocht ganz wild. „Ist ja gut, du musst ja nicht gleich so drastisch und wütend werden“, sage ich in den Raum, auch wenn ich mir sehr komisch vorkomme. „Okay, dann fahren wir als Erstes morgen zurück zum Strand, denn da kann ich zur Ruhe kommen. Dann zeige ich dir, warum es mir so schlecht geht“, erklärt mir mein Herz ganz ruhig. „Ich kann aber doch nicht meiner Freundin die Reise kaputt machen“, erwidere ich ganz aufgeregt. „Doch, du musst jetzt an dich denken! Geh jetzt zu ihr und sage ihr, dass du morgen zurückfährst“, erwidert mein Herz fordernd. Ich spüre Angst in mir, zittere und fange an zu schwitzen. Es fühlt sich an wie die größte Aufgabe der Welt, aber ich spüre plötzlich auch, wie richtig der Gedanke sich anfühlt. So gehe ich tatsächlich zu meiner Freundin und erkläre ihr, dass ich mich morgen zurück an den Strand fahren lasse.

Remember

Das Herz verlangt oft Entscheidungen, die Mut erfordern – Entscheidungen, die uns zwingen, unsere Komfortzone zu verlassen. Doch es sind genau diese Entscheidungen, die uns zu uns selbst zurückführen. Viel zu oft hören wir nicht auf unser Herz, aus Angst, dass es eine falsche Entscheidung ist, wir anderen wehtun oder abgelehnt werden. Doch Selbstfürsorge hat nichts mit Egoismus zu tun!

Reflexionsfragen

Hast du bei dem Wort „Fräulein“ einen Stich verspürt? Bist du sogar in den Widerstand gegangen? Wurdest du eventuell auch so genannt? So kann es sein, dass du schon jetzt dein inneres Kind wahrgenommen hast! Eine gute Voraussetzung, oder?

2. Die Schattenpflanzen –Die unbewussten Wunden

Die Macht der Schattenpflanzen

Am nächsten Morgen holt der Fahrer beide ab und Ranja kehrt zurück zu dem besonderen Ort. Ranjas Freundin konnte nicht verstehen, was in Ranja vor sich geht, doch sie fanden schnell eine Lösung, die sich für beide gut anfühlte. Interessanterweise sind es oft die Angst vor einem Bruch und das Zurückhalten der eigenen Bedürfnisse, die tatsächlich zum Bruch führen, während das offene Äußern der Bedürfnisse meist eine Verbindung stärkt.

Am frühen Abend blicke ich wieder auf das weite Meer hinaus. Es war ganz leicht gewesen, hierher zurückzukehren. Meine Freundin hatte mich begleitet und ich war sehr dankbar für unsere Freundschaft. Natürlich war meine spontane Planänderung nicht spurlos an ihr vorübergegangen, aber es kam nicht, wie ich befürchtet hatte, zum Bruch.

„Los geht’s“, höre ich plötzlich mein Herz, „wir fangen jetzt mit der ersten Lektion an, denn vom Leben weiß du noch nichts, na ja okay, fast nichts.“

„Ähm, okay“, erwidere ich etwas eingeschnappt, denn „fast nichts“ ist nicht gerade das, was ich mit meinem bisherigen Leben in Verbindung bringe. Schließlich arbeite ich schon jahrelang erfolgreich als Eventmanagerin, bin mittlerweile selbstständig als Coachin tätig.

„Herzensflüstern. Okay. Mal was ganz Neues“, denke ich und lehne mich etwas zurück in meine Strandkissen.

„Fangen wir mal ganz vorne an“, fährt mein Herz fort, „wenn du als Seele auf diese Erde kommst und Ja zum Leben sagst und in eine Zelle schlüpfst, dann habe auch ich unendlich viel Kraft und Lebensfreude. Manche nennen mich auch Seele, aber du kannst mit ‚Herz‘ gerade mehr anfangen, das ist greifbarer, denk ich. Aber beschränke mich nicht nur auf das physische Herz, ich bin weit mehr! Nun, als du also auf die Welt gesprungen bist, waren wir verbunden und strahlten. Ich weiß schon immer, was ich mag, du hast mich wahrgenommen und zusammen lebten wir tief verbunden Tag für Tag im Bauch deiner Mama. Doch dann kam das Leben und du hast angefangen, eine Schutzmauer um mich zu bauen. Das passiert mit fast allen Herzen, denn wenn du so klein bist, bist du schutz- und hilflos und hast natürlich noch keine Möglichkeit gehabt, mit allem umzugehen. Das weiß ich, deshalb habe ich auch mit dem Maueraufbauen kein Problem. Doch je dicker die Mauer wurde, desto weniger konntest du mich hören, und das wird jetzt zum Problem. Hinzu kommt, dass es sehr schmerzhafte Situationen gab, die du komplett vergessen hast, und damit es weitergehen konnte, musste ich einen Teil von mir dort zurücklassen. So wurde ich also mit der Zeit immer kleiner und schwächer.“

Es gibt Momente in unserer Kindheit, die uns prägen, selbst wenn wir sie später vergessen. Ranjas Herz spricht jetzt, weil es in den alten Schmerzen endlich gehört werden möchte.

Wie aus dem Nichts erscheinen Erinnerungsfetzen vor meinem inneren Auge, wie aus einem Nebel tauchen sie auf. Bilder der Vergangenheit, die ich so erfolgreich verdrängt hatte.

„Also, dieses Licht, von dem ich gerade gesprochen habe. Ich brauche es, um kraftvoll durch das Leben zu gehen. Es ist wie eine Glut von einem einst lodernden Feuer. Ich brauche dich, damit wir es wieder aufflammen lassen.“

„Und warum kannst du das nicht allein? Wozu brauchst du mich dafür?“, platzt es aus mir heraus.