Sommer auf der Insel - Monika Heil - E-Book
  • Herausgeber: 110th
  • Kategorie: Krimi
  • Sprache: Deutsch
  • Veröffentlichungsjahr: 2014
Beschreibung

Zwei wundervolle Kurzgeschichten von Monika Heil nehmen Sie mit in die Welt zweier starker Frauen. Ihr Sommer auf der Insel: Die Biologin Tina-Marie lernt in ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltministeriums auf einer Pressekonferenz Boris kennen. Sie verlieben sich ineinander, doch kurze Zeit später wird das Glück durch eine Hiobsbotschaft getrübt. Boris ist als Spion enttarnt worden und muss zurück nach Russland. Nur schwer kommt Tina-Marie darüber hinweg und die Nachrichten über ihre Beziehung in den Medien machen es nicht einfacher. Mit dem Umzug nach Bremerhaven will sie Abstand gewinnen, was ihr nicht wirklich gelingt. Da kommt ihr eine Stelle als Naturschutzwärterin auf einer Insel sehr recht. In Form einer E-Mail, die von einer dubiosen Ludmilla Zwetkowa verschickt wurde, holt sie die Vergangenheit wieder ein. Das Interview: Nora soll den Altstar Marina Morelli interviewen, die vor Kurzem ihre Karriere beendet hat. Die hat sich in eine Seniorenresidenz zurückgezogen, um ihre Memoiren zu schreiben. Nora weiß, dass ihre Großmutter mit der Diva einst befreundet war und bekommt eine Privataudienz, die bei Marina Morelli Erinnerungen aus alten Tagen hervorruft. Besonders an Frederic, Noras Großvater. Es kommt zum Aufeinandertreffen, der einstigen Rivalinnen.

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Seitenzahl:52

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Sommer auf der Insel

 

 

 

 

Impressum:

Cover: Karsten Sturm, Chichili Agency

Foto: fotolia.de

© 110th / Chichili Agency 2014

EPUB ISBN 978-3-95865-089-3

MOBI ISBN 978-3-95865-090-9

 

 

Urheberrechtshinweis:

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotografie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Autors oder der beteiligten Agentur „Chichili Agency“ reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

 

Kurzinhalt

Zwei wundervolle Kurzgeschichten von Monika Heil nehmen Sie mit in die Welt zweier starker Frauen.

Ihr Sommer auf der Insel: Die Biologin Tina-Marie lernt in ihrer Zeit als wissenschaftliche Mitarbeiterin des Umweltministeriums auf einer Pressekonferenz Boris kennen. Sie verlieben sich ineinander, doch kurze Zeit später wird das Glück durch eine Hiobsbotschaft getrübt. Boris ist als Spion enttarnt worden und muss zurück nach Russland. Nur schwer kommt Tina-Marie darüber hinweg und die Nachrichten über ihre Beziehung in den Medien machen es nicht einfacher. Mit dem Umzug nach Bremerhaven will sie Abstand gewinnen, was ihr nicht wirklich gelingt. Da kommt ihr eine Stelle als Naturschutzwärterin auf einer Insel sehr recht. In Form einer E-Mail, die von einer dubiosen Ludmilla Zwetkowa verschickt wurde, holt sie die Vergangenheit wieder ein.

Das Interview:

Ihr Sommer auf der Insel

Sie hielt ihr Gesicht der Sonne zugewandt. Sonnenbrand konnte sie nicht mehr bekommen. Seit zwei Monaten lebte Tina-Marie nun auf der Insel. Allein. Die Natur war ihr Partner. Freude und Ärger bereiteten ihr nur die täglichen Wechsel von Sonne und Regen, Wind und Sturm, Temperaturstürzen und die Feststellung, dass ihr Kaffee zur Neige ging. Das nächste Versorgungsboot erwartete sie erst in drei Tagen.

Tina-Marie schaute auf ihre Armbanduhr und seufzte. Zeit, die abendlichen Vogelschwärme zu zählen und danach die Gemüsesuppe von heute Mittag aufzuwärmen. Sie würde den Abend nutzen, ihre Aufzeichnungen fortzusetzen. Ja, nutzen klingt gut, dachte sie. Sich zwingen, wollte sie eigentlich sagen. Boris. Schmerzliche Erinnerungen. Ihr Herz schlug heftig. Mahnend schnell.

Nach einer Stunde setzte Tina-Marie das Fernglas ab, stand vom Grashang auf und streckte ihre Glieder. Ihr Rücken beschwerte sich prompt. Sie fröstelte. Die Temperaturen waren nach Sonnenuntergang merklich gesunken. Sie versuchte ein paar gymnastische Übungen, sammelte ihre Utensilien ein und wendete sich schließlich der Hütte zu. Dort wartete ihr Laptop mit den Fragmenten ihrer Erinnerungen. Später. Erst wollte sie noch ein bisschen lesen. Der gestern angefangene Roman war gerade so spannend. Sie gestand es sich nicht ein, dass sie ihre Lektüre am Nachmittag dort abgebrochen hatte, wo die Handlung besonders fesselnd war. Bei einer langweiligen Passage hätte ihr Verstand signalisiert – schreiben, nicht lesen. Laptop, nicht Buch.

Sie öffnete die Haustür. Wohlige Wärme umfing sie. Im Vorbeigehen schaltete sie das Radio ein.

„Hier ist der Norddeutsche Rundfunk. Es ist neunzehn Uhr. Sie hören Nachrichten. Berlin ...“ Mit halbem Ohr lauschte Tina-Marie der Sprecherin. Das politische Berlin war weit weg. Sie hatte Abstand gewonnen von dieser Zeit. Hatte sie das wirklich? Warum konnte sie dann nicht weiter schreiben an ihren Erinnerungen? Boris. Boris und Berlin waren eine Einheit.

Der Suppentopf stand noch seit Mittag auf dem Herd. Sie schaltete die Temperatur hoch und holte einen sauberen Rührlöffel aus der Schublade. Für Boris hatte sie Borschtsch gekocht. Er liebte Borschtsch.

In dieser Nacht kam der Traum zurück. Sie konnte sich nicht wehren. Wieder bestiegen sie gemeinsam diesen Berg und wieder kam nur Tina-Marie oben an.

Eine Legislaturperiode lang war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Abgeordneten gewesen. Als angehende Biologin fand sie die Arbeit im Umweltministerium spannend. Als sie den zuständigen Fachminister als Mitglied seiner Delegation auf eine internationale Konferenz nach Brüssel begleiten durfte, war sie aufgeregt und stolz. Die Tage waren strapaziös und forderten hohe Konzentration. Andererseits waren sie spannend und in manchen kurzen Pausen auch amüsant. Boris war Journalist. Reporter einer russischen Zeitung. Sie lernte ihn bei einer Pressekonferenz kennen, die sie für ihren Minister mit anderen Kolleginnen zusammen vorbereitet hatte. Er stellte kluge Fragen, war höflich und sah attraktiv aus. Sie schätzte ihn auf Mitte Vierzig. Nach dem Termin kam er zu ihr und bat um weiteres schriftliches Material, welches das deutsche Umweltministerium für die Presse begleitend zur Verfügung stellte. Spät am Abend trafen sie sich zufällig in der Hotelbar. Und so begann die schönste und die schrecklichste Zeit ihres Lebens.

Tina-Marie und Boris wurden sehr schnell ein Paar. Die Tage in Brüssel waren viel zu kurz. Boris ging nach Moskau zurück, Tina-Marie nach Berlin. Als er sich in der deutschen Hauptstadt akkreditierte, ging für sie ein unausgesprochener Traum in Erfüllung. Er dauerte knapp zwei Jahre. Offiziell wohnte er weiterhin in einem von seiner Redaktion angemieteten Appartement. In Wirklichkeit war er in ihrer kleinen Zweizimmerwohnung zu Hause.

Tina-Marie war glücklich. Doch als sie anfing, von einer gemeinsamen Zukunft zu träumen, wich er aus. Sie konnte sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen und wollte dasselbe von ihm hören. Vergeblich.

Dann kam der 13. April, der ihre Welt in Schutt und Asche legte. Die Boulevardzeitungen walzten es bis ins kleinste Detail aus. Boris Sudanov war als Spion enttarnt und zeitgleich mit seiner in Moskau lebenden Ehefrau verhaftet worden. Malina Sudanova war Abteilungsleiterin im russischen Propagandaministerium. Gemeinsam hatten sie ein perfektes Team abgegeben. Die Presse zerrte nun auch Tina-Maries Beziehung mit Boris an die Öffentlichkeit. Es blieb ihr schleierhaft, woher plötzlich so viele Details auftauchten. Wahre und erfundene. Sie hielt es in Berlin nicht mehr aus.

Einen Prozess in Deutschland gab es nicht. Boris wurde an sein Heimatland ausgeliefert, wo ihm und seiner Ehefrau zwar eine Anklage drohte, die, da war sich Tina-Marie sicher, inzwischen allerdings im Sande verlaufen war.