Erhalten Sie Zugang zu diesem und mehr als 300000 Büchern ab EUR 5,99 monatlich.
Wenn die Gefühle Achterbahn fahren: Der Liebesroman "Sommerkuss und Meeresglitzern" von Ana Capella jetzt als eBook bei dotbooks. Von Männern hat Stella ein für alle Mal die Nase voll! Als ihr Freund sie für eine andere sitzen lässt, hält Stella nichts mehr in ihrem alten, festgefahrenen Leben. Also raus aus dem Selbstmitleid und auf in den Urlaub nach Spanien! Dort erlebt sie den schönsten Sommer ihres Lebens – bis ihr David begegnet und der Schlamassel seinen Anfang nimmt. Denn er ist eindeutig der Mann ihrer Träume, aber dem Glauben an die große Liebe hat Stella ein für alle Mal abgeschworen … Nichts wie her also mit unverbindlichen Abenteuern, um Davids charmantes Lächeln wieder aus dem Kopf zu bekommen! Doch ihr Herz verfolgt andere Pläne … Jetzt als eBook kaufen und genießen: Die romantische Komödie "Sommerkuss und Meeresglitzern" von Ana Capella. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks – der eBook-Verlag.
Sie lesen das E-Book in den Legimi-Apps auf:
Seitenzahl: 319
Veröffentlichungsjahr: 2018
Das E-Book (TTS) können Sie hören im Abo „Legimi Premium” in Legimi-Apps auf:
Über dieses Buch:
Auf und davon nach Spanien! Nachdem die hübsche Studentin Stella von ihrem Exfreund betrogen und verlassen wurde, will sie nur noch eines: vergessen. Deshalb bricht sie alle Zelte hinter sich ab und sucht ihr Glück an der Costa Brava. Inmitten schöner Strände und bei Sonne satt soll ihr kein Mann zu nahe kommen – zumindest nicht emotional. Die Devise lautet: Männer ja, Liebe nein! Doch als Stella David kennenlernt, fällt es ihr schwer, noch länger ihren Prinzipien zu folgen – denn David ist warmherzig und geheimnisvoll, und eigentlich genau der Mann ihrer Träume. Mit ihm könnte es der schönste Sommer ihres Lebens werden – wäre da nur nicht die Erinnerung an ihre letzte Beziehung …
Über die Autorin:
Ana Capella ist das Pseudonym einer 1963 geborenen Autorin. Nach ihrem Studienabschluss in Wirtschaftswissenschaften, Psychologie und Französisch wanderte sie nach Spanien aus. Im Rahmen der Recherchen für ihre historischen Romane beschäftigt sie sich intensiv mit der Kultur und Geschichte ihrer Wahlheimat. Unter ihrem zweiten Pseudonym Lea Korte veröffentlichte die Autorin bereits zahlreiche historische Romane. Sie lebt mit ihrem französischen Ehemann und vier Kindern in Spanien.
***
Neuausgabe September 2015
Copyright © der Originalausgabe 1996 by Wilhelm Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München
Copyright © der Neuausgabe 2015 dotbooks GmbH, München
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise – nur mit Genehmigung des Verlages wiedergegeben werden.
Titelbildgestaltung: Maria Seidel, atelier-seidel.de, unter Verwendung eines Motivs von Thinkstockphoto/lukeruk
ISBN 978-3-95824-283-8
***
Wenn Ihnen dieser Roman gefallen hat, empfehlen wir Ihnen gerne weiteren Lesestoff aus unserem Programm. Schicken Sie einfach eine eMail mit dem Stichwort LIEBE DEINEN NÄCHSTEN an: [email protected]
Gerne informieren wir Sie über unsere aktuellen Neuerscheinungen und attraktive Preisaktionen – melden Sie sich einfach für unseren Newsletter an: http://www.dotbooks.de/newsletter.html
Besuchen Sie uns im Internet:
www.dotbooks.de
www.facebook.com/dotbooks
www.twitter.com/dotbooks_verlag
http://instagram.com/dotbooks
Ana Capella
Liebe deinen Nächsten wie seinen Vorgänger
Roman
dotbooks.
»Das kommt eben davon, wenn man mit zweiundzwanzig Jahren noch immer so naiv, so blöd ist, einem Mann zu vertrauen!« fluchte Stella tonlos vor sich hin. Das größte Ärgernis an Gregor war zur Zeit allerdings sein Fuß, der sich riesig und schwer auf dem unteren Zipfel ihres Schlafsackes breitgemacht hatte – und ohne ihren Schlafsack wollte sie nicht gehen.
Sie beschloß, sich zuerst fertig anzuziehen. Sorgfältig jedes Geräusch vermeidend stopfte sie ihr Nachthemd in ihre Jeans, zog den dicken schwarzen Pulli darüber und hockte sich auf den lappigen Bettvorleger, der die blanken Holzdielen notdürftig bedeckte, um ihre Turnschuhe anzuziehen. Und jetzt der Schlafsack! Sie lauschte auf Gregors unregelmäßiges Schnarchen, tastete sich auf allen Vieren bis zum Fußteil des Bettes vor und versuchte dort mit angehaltenem Atem ihren Schlafsack durch behutsames Ziehen freizubekommen. Kaum war ihr das gelungen, knurrte Gregor im Schlaf und warf den Kopf zur Seite. Erschrocken drückte sich Stella mitsamt ihrem Schlafsack platt auf den Boden: lieber Gott, laß ihn bloß nicht aufwachen!
Reglos verharrte sie in ihrer Position, wagte es erst nach einigen Minuten, sich ganz allmählich wieder aufzurichten und starrte beschwörend auf sein Gesicht. Das milchige Licht des durch das winzige Fenster hineinschimmernden Vollmondes beleuchtete es gerade so viel, daß sie jetzt sehen konnte, wie er sich mit der Zunge über die Lippen fuhr. Er knurrte erneut. Dann, endlich, öffnete sich sein Mund wieder und entließ einen ersten Schnarcher in die Totenstille der Nacht. Gregor schnarchte immer, wenn er betrunken war, und das war er häufig.
Aufatmend starrte Stella auf seinen gewaltigen Brustkorb, der sich regelmäßig hob und senkte, zog dann ihren Schlafsack an sich und legte ihn sich um die Schultern, damit sie beide Hände frei hatte. Irgendwie mußte es ihr jetzt gelingen, diese Schlafzimmertür so langsam zu öffnen und wieder hinter sich zu schließen, daß sie ausnahmsweise einmal nicht quietschte. Gleichzeitig mußte es aber auch so schnell geschehen, daß die Tür wieder geschlossen war, bevor Tim, ihr quicklebendiger Settermischling, angesaust kommen und sie stürmisch und somit lautstark begrüßen würde. Auf Zehenspitzen tappte sie zur Tür, legte die Hand auf die Klinke, drückte sie behutsam herunter, zog die Tür im Zeitlupentempo zu sich heran, wollte sich eben herausschlängeln – als Tim bereits seinen Kopf durch den Spalt preßte und Anstalten machte, an ihr hochzuspringen. Blitzschnell ergriff Stella ihn am Nackenfell, drückte ihn hinaus, schloß eilig die Tür hinter sich, erschauderte unter dem Quietschen und Knarren und versuchte verzweifelt, dieses begeisterte Wiesel zu bändigen.
»Tim«, zischte sie leise, »Pssst!«. Sie schüttelte ihn leicht im Genick, damit er den Ernst ihrer Lage einsah und endlich sein unpassendes euphorisches Herumgehopse unterließ. Aber Tim sah das gar nicht ein. Also gab es nur noch eines: nichts wie raus aus diesem Haus!
Sie hastete mit Tim die knarrende Holztreppe hinunter, schnappte sich unten in der riesigen Eingangshalle ihre Reisetasche, sauste zu der überdimensionalen Eichentür. Verschlossen war sie nicht, Gregor schloß nie ab. Bei seiner seemännischen Größe brauchte er Überfälle nicht zu fürchten. Außerdem hatte er ihr lachend erklärt, daß in diesem Hundert-Seelen-Kaff sicher niemand klaut und selbst wenn jemand Interesse an einem vorsintflutlichen gußeisernen Küchenherd, einem uralten dreibeinigen Tisch, an wurmstichigen Stühlen, angeschlagenen Tassen und ähnlichen Antiquitäten haben sollte, dann könne er gern kommen und alles mitnehmen. Auf diese Weise würde er sich wenigstens das Ausmisten sparen.
Vor der Haustür ließ Stella Tim los, rannte mit ihm über den Innenhof zu ihrem Wagen, öffnete die Fahrertür und warf die Reisetasche auf die Rückbank. Tim sprang sofort hinterher. Den Schlafsack knäulte Stella auf den Beifahrersitz, der ja jetzt leer bleiben würde, und setzte sich hinter das Steuer.
Der Autoschlüssel! Verdammt! Sie hatte ihre Handtasche im Haus vergessen. Wenn sie wenigstens eine diffuse Ahnung gehabt hätte, wo sie liegen könnte. In der Eingangshalle? In der Küche? Im Schlafzimmer? Das hatte sie nun von ihrer ewigen Unordnung! Es war nur ein Glück, daß sie noch keine Zeit gehabt hatte, ihre Reisetasche auszupacken und ihre Koffer auszuladen. Sonst wäre die Flucht noch schwieriger geworden. Und noch mehr Glück war, daß sie vor dem Schlafengehen ihr Waschzeug in die Reisetasche zurückgelegt hatte. Zu diesem Zeitpunkt war sie nämlich noch keinesfalls zu dieser Flucht entschlossen gewesen.
Aber sie war ihr auch noch nicht gelungen: ohne ihre Handtasche und ihren Autoschlüssel kam sie schließlich nicht weg. Beklommen blickte Stella zu dem Haus. Wenn Gregor aufgewacht wäre, hätte er sicher Licht gemacht. Also hatte sie noch alle Chancen. Wenn er sie nur jetzt nicht noch erwischte! Wie sollte sie ihm denn erklären, was sie hier mitten in der Nacht trieb? Stella lachte rauh auf – naja, zu erklären gäbe es da wohl nicht viel.
Stella schluckte schwer, warf Tim einen matten Blick zu und stieg aus dem Wagen. Mit bleischweren Beinen und bangem Herzen schlich sie zum Haus zurück, wagte kaum zu atmen. Wenn er sie jetzt noch erwischte … nicht auszudenken, wie er toben würde. Oder vielleicht auch nicht? Doch, sicher, wenn er betrunken war, tobte er immer, wenn etwas nicht nach seinem Kopf ging.
Sie öffnete die Eichentür, stahl sich ins Haus, suchte mit den Augen die Eingangshalle ab. Keine Spur von ihrer Handtasche. Die Küche, gebe Gott, daß die Tasche in der Küche ist!
Kaum hatte Stella die Küche betreten, sah sie ihre Tasche auch schon auf einem der Küchenstühle liegen. Tränen der Erleichterung traten ihr in die Augen. Kaum eine Minute später fuhr sie aus dem Hof.
Zunächst brachte jeder Kilometer, den Stella hinter sich ließ, ein Stück Erleichterung und Befreiung. Aber allmählich verlangsamte sie, ohne sich dessen bewußt zu sein, ihr Tempo und fragte sich, wohin sie eigentlich fuhr, wohin sie jetzt eigentlich sollte.
An der nächsten Kreuzung las sie die Wegweiser. Da ihr außer »Grenoble« keiner der Ortsnamen etwas sagte, schlug sie diese Richtung ein. Bleiben können würde sie in Grenoble allerdings auch nicht. Zum einen war dort die Gefahr viel zu groß, Gregor eines schönen Tages über den Weg zu laufen, zum anderen war ihr diese ganze Gegend schon nach diesem einen Tag derart zuwider, daß sie hier ohnehin nicht bleiben wollte.
Wenn sie nur an ihre Ankunft hier dachte! Sie waren die ganze Nacht hindurch gefahren, das heißt, sie war gefahren, da Gregor gerade zum zweiten Mal seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer los war, und Gregor hatte neben ihr geschlafen. Gegen acht Uhr kamen sie dann in diesem verfluchten kleinen Bergdorf an. Gregor, ausgeruht und bester Laune, bestand darauf, seinen Freunden sofort ihrer beider Ankunft mitzuteilen.
»Aber Gregor, ich bin müde!« stöhnte Stella. »Ich bin jetzt seit vierundzwanzig Stunden auf den Beinen! Wenn wir sie heute mittag besuchen, reicht das doch auch noch.«
»Ach, Stella, komm schon. Die sind doch schon alle neugierig auf dich. Laß uns wenigstens auf einen Sprung in Pierres Bistro gehen. Samstagmorgens treffen sich dort immer alle. Schlafen kannst du später noch.«
»Aber Gregor …«
»Los, Stellakindchen! Du stellst dich an, mit deinen paar Jahren. Was soll ich denn da sagen? Ich bin schließlich fast doppelt so alt!«
»Gregor …«
»Bieg mal da vorn rechts ab. Siehst du …«, aber er setzte seinen Satz nicht fort, sondern kurbelte statt dessen schreiend das Fenster herunter und winkte einem kleinen, rundbauchigen Mann mit Baskenmütze zu. »He, Pierre! Pierre, mon ami! Pierre!«
»Halt an, Stella, so halt doch an! Das ist Pierre!«
Und ehe Stella sich’s versah, saß sie schon mittendrin in diesem Bistro, das kaum größer als die Küche ihrer Mutter war, umringt von einem Dutzend männlicher Franzosen aller Altersklassen, die alle begierig darauf waren, mit ihr und ihrem Pastis anzustoßen und überhaupt kein Verständnis dafür aufbrachten, daß sie sich strikt weigerte, von dem Pastis auch nur einen Schluck zu trinken. Erst nach einer halben Stunde gelang es ihr, sie wenigstens davon zu überzeugen, daß es ihr mit dieser Weigerung durchaus ernst war und bekam statt dessen den gewünschten Kaffee. Aber da war es bereits zu spät – zu spät für ihren Magen – weil ihr ohnehin schon schlecht war. Ihr war ganz übel vor Müdigkeit, von diesem Pastisgestank, schlecht vor Wut darüber, daß sie hier zwischen diesen lärmenden Männern hockte und brav wie eine Idiotin zwischen Gregor, der mit Händen und Füßen deutschfranzösisch radebrechte, und seinen Trinkbrüdern hin- und herübersetzte, während sich Gregor gerührt als heimgekehrter Sohn feiern ließ.
Wenn Stella nicht so entsetzlich müde gewesen wäre, hätte sie sicher gelacht, und das Ganze rührend-lächerlich gefunden. Aber sie war nun einmal furchtbar müde. Und so lachte sie nicht und fragte sich statt dessen, warum um alles in der Welt sie auf sein Angebot eingegangen war, für ein paar Monate mit Ihm in sein »romantisches Dorf« (Originalton Gregor) zu ziehen.
»Dort vergißt du deinen untreuen Sebastian im Nu, Kleines«, ja, damit hatte er sie geködert. »Du wirst sehen, es gefällt dir dort so gut, daß du gar nicht mehr wegwillst. Außerdem wirst du mit deinem Französisch riesige Fortschritte machen. Was du dir in der Uni in einem Jahr mühsam zusammenpaukst, das lernst du da so ganz nebenbei. Und wenn du möchtest, kannst du dich auch in Grenoble in der Uni einschreiben und dein komisches Romanistik weiterstudieren.«
Ja, all das klang verlockend. Aber erst als ihr kurz darauf ihre Vermieterin ihr möbliertes Zimmer zum 1. April wegen Eigenbedarf kündigte, zog sie seinen Vorschlag ernsthaft in Betracht. Liebeskummer, kein Dach über dem Kopf und der endlos verhangene Himmel über Frankreich – eines davon war zuviel. So ließ sie sich vor Gregor schwören, daß er sich keine falschen Hoffnungen machte, sah sich dem treuherzigen Blick seiner blauen Augen gegenüber, hörte seine gemütliche Stimme »Aber Stella, Kleines! Vorbei ist vorbei! Da brauchen wir doch heute kein Wort mehr darüber zu verlieren.« brummeln – und packte.
Die drei Stunden in Pierres Bistro hatte sie wider ihre Erwartung überlebt. Gregor befand sich in trunkener Hochstimmung, umarmte sie mit seiner mir-liegt-die-Welt-zu-Füßen-Euphorie, aber wenigstens konnte sie ihn davon abhalten, auch noch die alte Marie, »die weiseste Frau der Welt«, zu besuchen. Endlich zeigte er ihr den Weg zu seinem Bauernhof und gestattete ihr gnädig, ein paar Stunden zu schlafen.
Schon um drei Uhr weckte er sie wieder, scheuchte sie zu einer Rundfahrt durch Grenoble, führte sie anschließend zu der »weisesten Frau der Welt«, (Stella fand sie nur zahnlos und taub und konnte sich Gregors Begeisterung für sie nur mit seinen mangelnden Französischkenntnissen erklären), schleppte sie zu seinem Freund René, dem Schmied, polterte so lange gegen die Haustür des Bäckers Julien, bis der endlich wach war, Stella mit gerührten und feuchten Küssen bedeckte und sie unter seiner Begleitung wieder bei Pierre landeten.
Als sich gegen zweiundzwanzig Uhr alle Herren zum fünfzigsten Mal mit neu gefüllten Pastisgläsern um den Hals fielen, dachte Stella zum ersten Mal daran, die Flucht zu ergreifen. Als sie Gregor um Mitternacht noch immer nicht überreden konnte, sich auf den Heimweg zu machen, dachte sie zum zweiten Mal daran. Als sie um drei Uhr endlich im Bett lagen (in diesem Haus gab es leider nur eines) und Gregor trotz der Unmenge Pastis in seinem riesigen Körper noch die Energie besaß, den Eingang zu ihrem Schlafsack zu suchen, das dritte Mal. Als er dann schließlich auch noch mit ihr zu streiten anfing, weil sie ihm diesen Zugang verwehrte – da dachte sie nicht mehr an Flucht, da beschloß sie sie.
Und während sie darauf wartete, daß Gregor endlich mit seinem Trunkenheitsschnarchen einsetzte, hatte sie Zeit genug, sich hundert Mal wegen ihrer Dummheit zu verfluchen. Was war denn auch anders zu erwarten gewesen! Warum hatte sie Gregors »vorbei ist vorbei« Glauben geschenkt? Schließlich hatte nicht er sie vor einem Jahr verlassen, sondern sie ihn. Schließlich hatte er doch noch um sie gekämpft, als sie mit Sebastian schon lange zusammen war. Ach, Gregor, Sebastian – der eine meist im Suff, der andere meist in fremden Betten.
Zumindest lagen die beiden jetzt in irgendwelchen Betten, während sie auf der Flucht vor ihnen durch diese trübselige Nacht raste – und noch nicht daran zu denken wagte, wohin und an wen sie jetzt wieder geraten würde.
Über drei Stunden Fahrt hatte Stella inzwischen zurückgelegt. Von Grenoble aus war sie in Richtung Valence gefahren, weil Valence besser als Lyon klang. Müde war sie, so müde, daß sie außer den Straßenschildern nichts von der Landschaft wahrnahm, obwohl die aufgehende Sonne sie in den schmeichelhaftesten Tönen beschien. Erst als ihr die Augen zuzufallen drohten, begann sie nach einem Platz zu suchen, wo sie wenigstens für eine Stunde rasten konnte, aber Parkbuchten am Waldrand ängstigten sie und in den Ortschaften fürchtete sie die Frühaufsteher. Also trieb sie sich an weiterzufahren.
Kurz vor Valence begann Tim zu winseln. Er mußte wohl mal. Sie eigentlich auch. Sie fuhr noch, bis sie an eine Tankstelle kam, so ließ sich dieser Aufenthalt gleich mehrfach nutzen. Bevor sie weiterfuhr, kaufte sie zwei Dosen Cola und ärgerte sich über den unverschämten Preis.
In Valence hinderte sie – außer ihrer durch das Cola kaum verminderten Müdigkeit – auch der aufkommende Berufsverkehr, die Schönheit der Stadt zu genießen. Ihre Konzentration hatte schon lange den Nullpunkt erreicht, und so fand sie sich mehr als einmal von hupenden Autofahrern umzingelt und hatte das Gefühl, im Kreis herumzufahren. Immer wieder mußte sie eine Richtung einschlagen, in die sie gar nicht wollte, weil sie die Hinweisschilder erst bemerkte, wenn sie schon daran vorbeigefahren war. Verdammt, ich muß schlafen, ich muß unbedingt schlafen, aber erst muß ich irgendwie aus dieser Stadt heraus.
Als sie nach über einer Stunde plötzlich feststellte, daß sie die Stadt tatsächlich hinter sich ließ, kam es ihr wie ein Wunder vor. Sie war wirklich raus aus dieser Irrenstadt! Die Tatsache, daß sie sich nun auf dem Weg nach Avignon befand, war ihr dabei gänzlich gleichgültig. Eine Stadt war so gut wie die andere.
Später behielt sie von dieser Fahrt ein Meer von rosablühenden Obstbäumen in Erinnerung, wußte aber nie, ob sie diese Bäume wirklich gesehen, oder ob sie nur davon geträumt hatte.
Inzwischen ging es auf elf Uhr zu, einen Platz zum Schlafen hatte Stella noch immer nicht gefunden. Natürlich hatte es Plätze gegeben, wo man leicht für ein paar Stunden hätte anhalten und schlafen können, aber wenn sie sie bemerkte, war sie schon daran vorbeigerauscht und tröstete sich damit, daß ja noch mehr gute Stellen kommen würden. Es war, als würde eine fremde Kraft sie immer weiter- und weitertreiben. Erst als Tim winselte und unruhig hin- und hersprang, verlangsamte sie ihr Tempo und suchte ernsthaft nach einer Haltemöglichkeit. Ja, Tim brauchte Auslauf. Tim braucht Auslauf. Immer wieder sagte sie sich dies vor, als müsse sie sich beschwören. Tim braucht Auslauf. Also hielt sie jetzt Ausschau nach einer Wiese, kam dabei von der Nationalstraße ab und fand sich in einer verlassenen Gegend wieder. Weite Wiesen und Felder breiteten sich zu beiden Seiten der engen, holprigen Straße aus, aber erst als Tim zu bellen anfing, hielt sie – entnervt, zitternd und am Ende ihrer Kräfte. Sie hielt einfach am Straßenrand, öffnete die Beifahrertür, ließ Tim herausspringen – und lehnte ihren Kopf erschöpft gegen das Lenkrad. Mein Gott, was tat sie hier eigentlich?
Kurz darauf kam Tim mit einem riesigen Ast zum Wagen gerannt, legte ihn vor der Beifahrertür ab und bellte. Stella drückte sich vom Lenkrad ab und sank zurück in die Polster.
»Ach, Tim«, jammerte sie. »Ich kann nicht, ich kann einfach nicht. Spiel allein.
Aber Tim dachte nicht daran, allein zu spielen. Er bellte, winselte, hüpfte ausgelassen neben dem Wagen hin und her. Also quälte sich Stella aus dem Wagen heraus. Wie Gummi waren ihre Knie, sie vermochte kaum, sich auf den Beinen zu halten. Unendliche Mühe kosteten sie die paar Meter, die sie sich ihm zuliebe über die Wiese schleppte. Sie brachte es sogar über sich, wenigstens einmal dieses schwere Ding zu werfen, dann sank sie ergeben ins Gras und war schon kurz darauf eingeschlafen.
Als sie erwachte, wußte sie zunächst gar nicht, wo sie sich befand. Dann fiel ihr Gregor ein, dann Sebastian, und dann ihr Wagen – in panischem Schreck fuhr sie auf, aber da stand er ja noch, ihr braver, alter Golf. Wie hatte sie nur so leichtsinnig sein können.
Zwei Uhr mittags war es inzwischen. Ihr Magen knurrte, sie zitterte vor Kälte und hatte doch gleichzeitig das Gefühl, daß ihr Kopf glühte. Ja, die Sonnenstrahlen waren heiß, sie brannten auf ihrem Gesicht, aber doch schafften sie es nicht, ihren ausgelaugten Körper zu wärmen.
Verzweiflung kroch in ihr hoch, Selbstmitleid und heulendes Elend. Aber als sie merkte, daß ihr dicke Tränen über die Wangen liefen, wischte sie sie wütend weg. Verdammt, fuhr sie sich an, nimm dich zusammen! Das fehlt noch, daß diese verdammten Scheißkerle es schaffen, daß du hier herumflennst. Steh gefälligst auf, fahr in den nächsten Ort, iß etwas und überlege dann in aller Ruhe, wie es jetzt weitergehen soll. Und so sprang sie auf, warf trotzig ihre langen, dunkelblonden Haaren zurück und stapfte zum Wagen.
Der nächste Ort besaß weder Ortsschild noch Restaurant, aber immerhin einen Bäcker, der trotz der Mittagszeit nicht geschlossen hatte, ihr fünf Croissants verkaufte und mit einem breiten Lächeln Wasser für Tim in eine leere Flasche füllte. Während sie in ihrem Wagen das erste Croissant hungrig in sich hineinstopfte, fiel ihr auch die Telefonzelle auf, die direkt neben der Bäckerei stand. Ob sie ihre Mutter anrufen sollte? Sie würde sich ohnehin schon Gedanken machen, denn Stella hatte ihr versprochen, sie bei ihrer Ankunft in Gregors »romantischem Bergdorf« sofort anzurufen – es aber nicht getan.
Nach dem zweiten Croissant ging Stella noch einmal zu dem Bäcker und bat ihn, ihr einen fünfzig-Francs-Schein zu wechseln. Als er ihr das Kleingeld reichte, hatte sein Lächeln einiges an Breite verloren. Stella fühlte sich dank der beiden Croissants soviel besser, daß sie daraufhin sogar ein Schmunzeln zustandebrachte.
Aber als sie dann den Hörer in der Hand hielt, sackte ihr schwacher innerer Auftrieb wieder gänzlich in sich zusammen. Was sollte sie ihrer Mutter denn sagen? Daß sie von Gregor weggelaufen war? Daß sie irgendwo in Südfrankreich war, aber noch nicht einmal wußte, wo genau? Daß sie keine Ahnung hatte, wohin sie jetzt sollte? Nein. Das konnte sie nicht sagen. Ihre Mutter würde sonst vor lauter Sorge um sie verrückt werden.
Was aber sollte sie ihr dann sagen? Mir geht es prima? Das Dorf ist himmlisch? Wenn sie wirklich anrief, blieb ihr wohl nichts anderes übrig.
Und so warf Stella ihr gesamtes Kleingeld in den Apparat und wählte.
»Anderson.«
»Mama!« Stella schrie es mehr, als daß sie es sagte, ein Aufschrei war es, ein Hilfeschrei, und zugleich fühlte sie, wie das bloße Hören der Stimme ihrer Mutter eine Flut der Erleichterung über sie schwappen ließ und ihr die Tränen in die Augen trieb. »Ach, Mama!«
»Stella, aber Kind, was ist denn? Was hast du denn?«
»Ach, Mama, wenn du wüßtest!« sprudelte es aus ihr heraus und ehe sie merkte, was sie da erzählte, hatte sie schon alles berichtet.
»Aber Stella. Du kannst doch nicht einfach so ziellos herumfahren. Kind, was machst du denn da!«
»Ich weiß es ja auch nicht, Mama«, jammerte Stella, schniefte und trocknete sich mit dem Ärmel ihres Pullis die Tränen.
»Willst du nicht … ich meine, willst du nicht nach Hause kommen?«
»Aber du weißt doch …«
»Ja, ja, ich weiß. Aber du könntest doch für eine Weile bei mir wohnen und …«
»… und würde damit haargenau gegenüber von Sebastians Haus wohnen und ihm hundert Mal am Tag begegnen! Und dann geht das Ganze wieder von vorn los. Er schwört mir, daß er mich liebt, ich werde irgendwann weich und eine Woche später treffe ich ihn wieder mit einer dieser vollbusigen Madonnen an. Ich schaffe es anders einfach nicht, mit ihm Schluß zu machen.«
»Ja, Stella, schon, aber so ganz ohne ein Ziel … Weißt du denn nicht wenigstens ungefähr, wo du jetzt bist?«
»Irgendwo zwischen Valence und Avignon, ich glaube, eher in der Nähe von Avignon.«
»Und du willst ganz sicher nicht zurückkommen?«
»Mama!«
»Ja, ist ja schon gut. Laß mich mal überlegen.«
»Mama, mein Kleingeld ist gleich alle.«
»Warum machst du nicht einfach nur drei Wochen Urlaub?«
»Urlaub? Ich habe doch kein Geld, um Urlaub zu machen! Bei Gregor hätte ich umsonst wohnen können und wäre mit meinem Bafög schon irgendwie über die Runden gekommen, aber …«
»Ach, Stella, jetzt ist doch keine Saison, das kann gar nicht so teuer sein. Warum bleibst du nicht eine Weile da, wo du jetzt bist? Die Provence soll doch sehr schön sein, oder du fährst in die Camargue …«
»Ich habe die Nase voll von Frankreich!«
»Und wenn du nach …«
Aber da sackte die letzte Münze hinweg und schon war das Gespräch unterbrochen. Fluchend stapfte Stella in die Bäckerei zurück. Jetzt lächelte der Bäcker gar nicht mehr, und es erforderte Stellas ganze Überredungskunst, ihm wenigstens für zwanzig Francs Kleingeld abzuluchsen.
»Mama?«
»Hast du jetzt genug Kleingeld?«
»Nein, nur für zwanzig Francs.«
»Warum fährst du nicht nach Calella? Du erholst dich ein paar Wochenlang, und kommst dann zurück.«
»Wohin soll ich?«
»Nach Calella, an die Costa Brava. Da haben wir einmal Urlaub gemacht, als du zehn Jahre alt warst. Du hast noch Jahre von diesem Ort geschwärmt, oder besser gesagt: von Hucky. Erinnerst du dich noch an diesen fuchsroten Streuner am Strand, dem du nach jedem Essen die Reste gebracht hast? Und wehe, wenn einer nichts von seinem Fleisch übriggelassen hatte!«
»Mama! Erstens ist dieser Hund sicher schon lange in die ewigen Jagdgründe eingegangen, und zweitens …«
»Kind, du brauchst ein Ziel, sonst hastest du nächste Woche noch immer irgendwo in Europa herum.«
»Ja, schon, aber …«
»Also, versprichst du mir, daß du dorthin fährst? Und mich gleich anrufst, wenn du da bist?«
»Mein Geld ist gleich wieder alle.«
»Stella, versprichst du es mir?«
»Ja«, murmelte Stella, und dann war das Gespräch wieder weg.
Nachdenklich ging sie zum Wagen zurück. Die drei verbliebenen Croissants hatte inzwischen Tim aufgefressen, aber das war ihr jetzt auch egal. Nach Calella … und was sollte sie da? Ausspannen. Als ob das genügen würde, um Sebastian zu vergessen. Innerhalb kürzester Zeit würde sie dort ihr bißchen erspartes Geld verbraten haben, und dann gäbe es nur noch den Weg zurück nach Hause.
Aber vielleicht waren die Ferienwohnungen jetzt ja wirklich billig – und vielleicht fand sie auch eine Arbeit, wenigstens den Sommer über. Dann könnte sie sich auch dort über Wasser halten. Und ob sie nun ihr Französisch oder ihr Spanisch aufpolierte, das war schließlich egal.
»Na, Tim? Was meinst du?«
Tim wedelte. Stella gab Gas.
Es war schon elf Uhr durch, als Stella in Palafrugell auf die Miniautobahn nach Calella einbog. Seit sie zumindest dieses Ziel vor Augen hatte, war sie ruhiger geworden. Den Gedanken daran, wie es dort weitergehen und was sie überhaupt dort sollte, hatte sie sich verboten.
Die Miniautobahn Stella hatte gehört, daß sich irgendein sehr reicher Mann, der ein Haus in Calella besaß, diese Straße hatte bauen lassen. An sich war es lächerlich: alle Zufahrtswege waren nur einfache Straßen, meist gar nur schmalste Gassen, aber von Palafrugell führte eine kaum vier Kilometer lange Autobahn nach Calella wo sie dann wieder in engsten Sträßchen mündete.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
