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Emotionen zu verstehen ist zentral für das professionelle Agieren von Sozialarbeitenden. Denn grundsätzlich sind alle Situationen, in denen sich Fachkräfte und AdressatInnen begegnen, von Emotionen und Stimmungslagen geprägt. Die Autorinnen folgen einem integrativen Ansatz, um die Bedeutung von Emotionen für das Verständnis sozialer Erfahrungen zu vermitteln. Die einzelnen Kapitel fassen hierzu übersichtlich zentrale Theorien zusammen und verdeutlichen diese an anschaulichen Beispielen. Dabei bleiben die Handlungskontexte der Sozialen Arbeit stets im Blick, um Studierenden und Fachkräften die spezifische Rolle von Emotionen in der eigenen Berufspraxis nachvollziehbar zu machen.
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Seitenzahl: 226
Veröffentlichungsjahr: 2025
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Cover
Titelei
Vorwort zur Reihe
Zu diesem Buch
1 Was sind Emotionen? – Aspekte eines Konzeptes
1.1 Begriffsbestimmungen
1.2 Zur Entstehung und den Funktionen von Emotionen
1.2.1 Die James-Lange-Theorie der Emotion
1.2.2 Kognitive Bewertungstheorien der Emotionen
1.2.3 Emotionale Schlüsselszenarien
1.2.4 Evolutionäre Ansätze: Welche Funktionen haben Emotionen?
2 Emotionen im Spiegel unterschiedlicher Wissenschaften – Perspektiven und Felder der Emotionsforschung
2.1 Soziologie – Emotionen und soziales Handeln
2.2 Geschichtswissenschaft – Emotionen haben und machen Geschichte
2.3 (Sozial-)Psychologie – Emotionen als soziale Phänomene
3 Emotionsarbeit in der Sozialen Arbeit
3.1 Einführende Bemerkungen – Charakteristika der Profession Soziale Arbeit
3.2 Emotionsarbeit bzw. Gefühlsarbeit bei Hochschild
3.3 Studien zur Emotionsarbeit in der Sozialen Arbeit
3.4 Weitere Themenfelder und Befunde
4 Emotionen unter der Lupe: Ärger
4.1 Definition und Folgen von Ärger
4.2 Fazit und Implikationen für die Praxis
5 Emotionen unter der Lupe: Schuld und Scham
5.1 Schuld
5.2 Scham
5.3 Fazit und Implikationen für die Praxis
6 Emotionen unter der Lupe: Ekel
6.1 Definition und Forschungsansätze
6.2 Ekel als soziale und moralische Emotion
6.3 Ekel und Vorurteile
6.4 Fazit und Implikationen für die Praxis
7 Emotionen unter der Lupe: Vertrauen
7.1 Unterschiedliche disziplinäre Perspektiven auf Vertrauen
7.2 Fazit und Implikationen für die Praxis
8 Emotionen unter der Lupe: Dankbarkeit
8.1 Definitionen von Dankbarkeit
8.2 Dankbarkeit und positive Psychologie
8.3 Dankbarkeit in herausfordernden Lebenslagen?
8.4 Fazit und Implikationen für die Praxis
9 Emotionen unter der Lupe: Empathie
9.1 Definitionen und Zugänge
9.2 Empathie und Machtfragen
9.3 Fazit und Implikationen für die Praxis
10 Zusammenfassende Überlegungen: Zum Umgang mit Emotionen als professionelle Aufgabe
10.1 Emotionsregulation
10.1.1 Individuelle Strategien
10.1.2 Soziale Strategien
10.2 Praktische Implikationen intra- und interpersoneller Emotionsregulation
10.3 Die Bedeutung organisationaler Strukturen für die Emotionsregulation von Fachkräften
Literatur
Grundwissen Soziale Arbeit
Begründet von Rudolf Bieker
Herausgegeben von Michael Domes
Das gesamte Grundwissen der Sozialen Arbeit in einer Reihe: theoretisch fundiert, immer mit Blick auf die Arbeitspraxis, verständlich dargestellt und lernfreundlich gestaltet – für mehr Wissen im Studium und mehr Können im Beruf.
Eine Übersicht aller lieferbaren und im Buchhandel angekündigten Bände der Reihe finden Sie unter:
https://shop.kohlhammer.de/grundwissen-soziale-arbeit
Die Autorinnen
Dr. Diana Düring ist seit 2014 Professorin für Theorie und Geschichte Sozialer Arbeit und der Kinder- und Jugendhilfe an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Ihr Studium am Fachbereich Sozialwesen der FH Erfurt schloss sie als Dipl.-Sozialarbeiterin/-pädagogin ab. Später promovierte sie im Rahmen des DFG-Graduiertenkollegs »Jugendhilfe im Wandel« an der TU Dortmund. Ihre Arbeits- und Forschungsschwerpunkte umfassen die Aufarbeitung und Erinnerungskulturen (repressiver) öffentlicher Erziehung, insbesondere bezogen auf DDR-Jugendhilfe und auf deutsche Kolonialgeschichte, sowie Partizipation in den Hilfen zur Erziehung.
Dr. Nicole S. Harth ist seit 2015 Professorin für Psychologie an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena. Nach ihrem Studium der Psychologie und Soziologie an der Universität Mannheim promovierte sie im Rahmen des DFG-Kollegs »Conflict and Cooperation between Social Groups« an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, verbunden mit einem Forschungsaufenthalt an der University of Sussex, UK. Ihre Forschungsschwerpunkte sind emotionale Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen, Versöhnung zwischen Gruppen und soziale Ungleichheit.
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1. Auflage 2025
Alle Rechte vorbehalten© W. Kohlhammer GmbH, StuttgartGesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Heßbrühlstr. 69, 70565 [email protected]
Print:ISBN 978-3-17-040456-4
E-Book-Formate:pdf: ISBN 978-3-17-040457-1epub: ISBN 978-3-17-040458-8
Liebe Leser:innen,die Idee zu der Reihe »Grundwissen Soziale Arbeit«, als deren Herausgeber ich ab dem 51. Band, in der Nachfolge von Prof. Dr. Rudolf Bieker, fungiere, ist vor dem Hintergrund der bildungspolitisch veränderten Rahmenbedingungen im Zuge der Bologna-Reform entstanden.
Band 1 »Soziale Arbeit studieren« bildete den Auftakt, der nach und nach erscheinenden Bände, deren Gemeinsamkeit ist, das für Sozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen bedeutsame Grundwissen sukzessive abzubilden.
Dabei ist dreierlei zu beachten:
Grundwissen meint mehr als »reine Theorie«. Es umfasst, unabhängig vom je spezifischen Gegenstand, neben Wissen auch immer Aspekte des Könnens und der Haltung als Bestandteile sozialarbeiterischer/sozialpädagogischer Professionalität.
Grundwissen hat eine gewisse zeitlose Komponente. Grundwissen ist zugleich aber nicht etwas Statisches, das ein für alle Mal festgelegt ist. Das Grundwissen Sozialer Arbeit verändert sich in Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, politischen oder wissenschaftlichen Entwicklungen bzw. Rahmenbedingungen, so wie sich auch die professionelle Praxis Sozialer Arbeit verändert.
Grundwissen bietet für die Leser:innen eine Orientierung. Es dient als Navigationsinstrument für Soziale Arbeit, die, wie der Vorstand der DGSA 2024 festgehalten hat, wahrlich »ein komplexes Themenfeld« ist. Und wie bei einem solchen Gerät üblich: Es gibt immer mehrere Wege, ans Ziel zu kommen. Blind zu folgen bzw. zu vertrauen, ist nur bedingt eine hilfreiche Strategie. Das Navi ist eine – (ge)wichtige – Komponente, die aber nur im Zusammenspiel mit dem eigenen Denken (der Fachkraft) und dem Kontext (Gesellschaft und Adressat:innen) ihre Wirkung entfalten kann.
Die Bände der Reihe zeichnen sich durch ihre Lesefreundlichkeit, auch für das Selbststudium Studierender, besonders aus – oder, wie es der verstorbene C. W. Müller in einem Interview auf die Frage nach Kritik an seiner fachlichen Positionierung auf den Punkt gebracht hat: »Ich will auch allgemein gut verständlich sein und bleiben. Das ist kein Widerspruch zur Wissenschaftlichkeit.« Die Autor:innen verpflichten sich diesem übergeordneten Ziel auf unterschiedliche Weise: eine Begrenzung der Stoffmenge auf einen überschaubaren Umfang, Verständlichkeit der Sprache, Theorie-Praxis-Bezüge, (weiterführende) Literaturhinweise und Anschaulichkeit durch Gestaltungselemente, wie Grafiken, Hervorhebungen oder Schaukästen. Jeder Band bietet in sich abgeschlossen eine grundlegende Einführung in das jeweilige Themenfeld.
Im Fokus steht dabei immer, welche professionellen (Handlungs-)Kompetenzen ausgebildet werden können bzw. welche Bedeutung das jeweilige Thema/Themenfeld für die professionelle Praxis Sozialer Arbeit hat.
Die Bände verstehen sich als Einladung, sich auf (neues) wissenschaftliches Wissen einzulassen und die Themen kritisch weiterzudenken, um so auf dem Weg der eigenen Professionalitätsentwicklung weitere Schritte zu gehen. Oder wie es Alice Salomon schon 1932 formuliert hat: »Wir lernen ja nicht da, wo wir feststellen, daß der andere alles ebenso macht wie wir, sondern wir lernen, wenn er es anders macht. Denn das allein führt uns zur Selbstbesinnung, zur Selbstkritik und daraus erwächst lebendiges Leben, lebendiger Geist, lebendige Formkraft«.
Prof. Dr. Michael Domes, Nürnberg
Emotionen sind grundlegende Empfindungen, die wir im Alltag erleben und die sowohl unser individuelles Denken und Handeln als auch unsere Interaktionen mit anderen Menschen tiefgreifend beeinflussen.
Mit diesem Buch möchten wir einen integrativen Zugang zum Verständnis und zum Umgang mit Emotionen in der Sozialen Arbeit bieten. Aus der Perspektive verschiedener Disziplinen, insbesondere der Sozialen Arbeit, der Psychologie und der Soziologie, wird die Bedeutung von Emotionen für das Verständnis sozialer Erfahrungen sowie für das praktische Handeln veranschaulicht.
Die Idee zu diesem Buch basiert auf einem gemeinsamen Seminar, das wir seit mehreren Jahren im Bachelor-Studiengang Soziale Arbeit durchführen. Die Diskussionen im Seminar bzw. die Rückmeldungen auf das Seminar haben uns darin bestärkt, ein solches Buch zu verfassen, da gerade durch die Kombination und Zusammenschau verschiedener wissenschaftlicher Perspektiven ein umfassenderes Verständnis von Emotionen entstehen kann.
Unser Anspruch beim Schreiben war es, zentrale Emotionskonzepte und -theorien sowie aktuelle Forschungsergebnisse übersichtlich darzustellen und – einem Lehrbuch entsprechend – mit Beispielen, Reflexionsfragen und -anregungen sowie Übungsanleitungen vertiefende und handlungspraktische Impulse zu geben. Die meisten der ausgewählten Übungen und Reflexionsfragen sind Bestandteil unseres Seminars, bereits erprobt und im geschützten Rahmen sehr gut umsetzbar.
Für das Kapitel »Emotionen unter der Lupe« mussten wir natürlich eine Auswahl treffen, die andere vielleicht anders treffen würden. Entscheidend war für uns, dass wir die ausgewählten Emotionen im Kontext von Arbeitsbeziehungen in der Sozialen Arbeit für zentral halten. Während dies bei Vertrauen und Empathie oder Ärger unmittelbar einleuchten mag, haben wir mit Ekel, aber auch Dankbarkeit bewusst Emotionen ausgewählt, die unseres Erachtens in der Praxis eher tabuisiert werden und auch in den Debatten zur Sozialen Arbeit keine besondere Rolle spielen.
Wir möchten mit diesem Band zu einer intensiven und kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Emotionen einladen und hoffen, damit einen Beitrag zu einem vertieften Verständnis und einer erhöhten Sensibilität im Umgang mit Emotionen in der Sozialen Arbeit zu leisten.
Jena, im September 2024,Diana Düring, Nicole Harth
T Was Sie in diesem Kapitel lernen können
Im ersten Kapitel dieses Buches widmen wir uns dem Grundlagenwissen zu Emotionen und der Emotionsforschung. Dabei gehen wir auf Fragen ein, die uns helfen, ein tieferes Verständnis für dieses komplexe Thema zu entwickeln. Was genau sind Emotionen und wie unterscheiden sie sich von Gefühlen oder Stimmungen? Welche Theorien erklären die Entstehung von Emotionen und wie können wir eigene und fremde Emotionen verstehen? Besteht ein Zusammenhang zwischen unserem Denken und unseren Gefühlen? Wie sinnvoll ist es, von Basisemotionen zu sprechen, und welche Rolle spielen diese in unserem Alltag? Warum ist es für Sozialarbeiter*innen von Bedeutung, ein tieferes Verständnis für Emotionen zu entwickeln?
Dieses Kapitel bietet einen Einblick in diese Fragen und legt den Grundstein für ein vertieftes Verständnis der emotionalen Dimension in der Sozialarbeit.
Emotionen wie Ärger, Angst, Freude oder Schuldgefühle begleiten uns im Alltag. Freuen wir uns auf ein langersehntes Treffen, haben wir ein breites Grinsen im Gesicht, sind wir aufgebracht wegen eines Streits in der Familie, bekommen wir Kopfschmerzen. Vielleicht sind manche Leser*innen deshalb überrascht zu hören, dass über die Definition des Konzeptes Emotion bis heute Uneinigkeit besteht. Jeder scheint zu wissen, was Emotionen sind – bis er oder sie gebeten wird, eine Definition abzugeben (vgl. Fehr & Russell, 1984). Die systematische Erforschung von Emotionen ist ein relativer junger Forschungsbereich, sowohl in der Psychologie als auch in der Soziologie und der Sozialen Arbeit. Dabei trug eine wegweisende Arbeit von William James bereits vor über 100 Jahren den Titel »What is an emotion?« (James, 1948 [1884]). Ähnlich wie Wilhelm Wundt, der in Leipzig das weltweit erste psychologische Labor gründete, war er der Ansicht, dass es eine vorrangige Aufgabe der Psychologie sei, das Zusammenspiel emotionaler und kognitiver Prozesse zu erforschen, um menschliches Verhalten besser verstehen zu können. Dennoch gelten Emotionen auch heute noch als fuzzy objects (Faßnacht, 1995): Die Unschärfe nimmt zu, je genauer wir das Objekt betrachten. Nachdem das Forscherpaar Kleinginna und Kleinginna (1981) in einem vielzitierten Aufsatz über 102 unterschiedliche Definitionen allein in der Psychologie zusammentrug, wurde deutlich, dass es sowohl für die weitere Erforschung als auch für die Praxis notwendig wäre, eine weit gefasste, aber einheitliche Definition des Phänomens vorzunehmen. Was also gilt heute als Emotion?
Emotionen
Emotionen werden in der Psychologie als Syndrom beschrieben, das heißt als ein Zusammenspiel verschiedener Prozesse von beschränkter zeitlicher Dauer. Eine Emotion umfasst demnach (Lammers, 2015; Barrett et al., 2011):
kognitive Bewertungen emotionsauslösender Objekte oder Situationen
somatisches Geschehen, das heißt physiologische und hormonelle Veränderungen
motorische Aspekte, wie Änderungen in Mimik, Gestik und Tonfall
das subjektive Empfinden der Emotion
motivationale Handlungsimpulse
Diese Begriffsbestimmung lässt sich gut anhand der Emotion Ärger verdeutlichen.
Beispiel »Ärger«
Typischerweise ärgern wir uns, wenn wir denken (Kognition), dass wir ungerecht behandelt werden oder uns jemand Steine in den Weg legt. Damit geht eine Änderung des physiologischen Geschehens einher, der Blutdruck und die Pulsfrequenz schnellen hoch (Somatik). Die Augenbrauen ziehen sich zu einem Ärger-Gesicht mit hartem Blick zusammen (Motorik) und wir werden angriffslustig (Handlungsimpuls). Subjektiv empfinden wir in Summe ein Gefühl, das wir Ärger nennen (Empfindung/Gefühl). Menschen beziehen sich also – ohne es notwendigerweise bewusst wahrzunehmen – auf Veränderungen in diesen unterschiedlichen Bereichen, wenn sie ihre Emotionen beschreiben.
Auch wenn im Alltag oder in anderen Disziplinen eher von Gefühlen gesprochen wird, verwenden wir in diesem Buch durchweg den Begriff Emotion. Affekt ist in der psychologischen Fachsprache ein Überbegriff für jegliche emotional eingefärbte Regung (Scherer, 2005). Als affektiven Zustand bezeichnen wir auch Stimmungen. Im Gegensatz zur diskreten Emotion, die zeitlich begrenzt ist, kann eine Stimmung länger andauern, ist häufig weniger intensiv und nicht auf eine bestimmte Situation oder ein Objekt bezogen. Im Vordergrund steht eher das subjektive Gefühl (»Ich habe einfach schlechte Laune«). Stimmungen sind im Vergleich zu spezifischen Emotionen auch weniger deutlich durch körperliche Veränderungen wie Mimik und Gestik gekennzeichnet (Juslin et al., 2005). Das alltagssprachliche Gefühl ist also nur ein Teil einer Emotion, der Teil, der unser subjektives Erleben beschreibt.
In der Umgangssprache, aber auch in der Rechtsprechung oder von einigen Vertreter*innen der Sozialen Arbeit wird mit Affekt eine reduzierte impulsive Handlungssteuerung bezeichnet, die von hoher Intensität und kurzer Dauer ist. So werden Affekte im »Handbuch der Sozialen Arbeit« im einschlägigen Artikel von Burkhard Müller als »besondere Emotionen« definiert, die »Menschen eher erleiden oder die ihnen zustoßen, als dass sie ihren Werthaltungen direkt entsprechen« (Müller, 2015, S. 508). Damit einhergehend, sind diese Emotionen solche, »die der Kontrolle von Akteuren entgleiten und sie dazu bewegen, etwas anderes zu tun bzw. auf andere Weise zu tun, als sie es wollen« (ebd.).
Wann reagieren wir emotional? Emotionales Erleben ist eine individuelle Erfahrung und unterliegt dennoch, ebenso wie andere psychische Prozesse, Regeln und Gesetzmäßigkeiten (Frijda, 2017). Das bedeutet, dass die Entstehung, Veränderung und Regulation von Emotionen nach bestimmten Mustern ablaufen. Je nach Paradigma gibt es unterschiedliche Erklärungsansätze für die Emotionsentstehung. Psycholog*innen beschäftigen sich damit, herauszufinden, wie die oben genannten Komponenten einer Emotion miteinander zusammenhängen. Gibt es eine klare Abfolge? Kommt das Denken immer vor dem Fühlen? Gibt es gute und schlechte Emotionen? Hat jede Emotion einen spezifischen Ausdruck? Die wichtigsten Ansätze, auch im Hinblick auf deren Praktikabilität im Arbeitsalltag von Sozialarbeiter*innen, werden im Folgenden vorgestellt.
William James (1948 [1884) stellte die Frage, ob wir weinen, weil wir traurig sind, oder traurig sind, weil wie weinen. Intuitiv empfinden wir diese Frage als unsinnig. Die meisten Menschen würden antworten, dass das Weinen die Reaktion auf die Traurigkeit sei. Sowohl James als auch der Däne Carl Lange, der nur wenige Zeit später in seinem Buch »Über Gemütsbewegungen« eine ähnliche Idee publizierte, vertraten die Meinung, dass Emotionen die Folge körperlicher Vorgänge seien. Der Kerngedanke ist, dass die körperlichen Veränderungen die Ursache für Emotionen sind. Zusätzliche kognitive Prozesse, wie das Nachdenken über eine Situation, würden länger dauern und erst auftreten, nachdem die Emotion bereits aktiviert sei. Beide nahmen also an, dass wir traurig sind, weil wir weinen.
»The hypothesis here to be defended says that this order of sequence is incorrect, that the one mental state is not immediately induced by the other, that the bodily manifestations must first be interposed between, and that the more rational statement is that we feel sorry because we cry, angry because we strike, afraid because we tremble, and not that we cry, strike or tremble, because we are sorry, angry or fearful, as the case may be« (James, 1884, S. 190).
Bis heute gibt es keine eindeutige Antwort auf die Frage, ob Emotionen Ursache oder Folge körperlicher Vorgänge sind. Die Physiologen Cannon und Bard waren die ersten, die eine umfassende Kritik an der James-Lange-Theorie postulierten und eine eigene Hypothese aufstellten (Cannon, 1927). Sie gingen davon aus, dass die physiologischen Reaktionen wie Herzklopfen oder Schwitzen einander zu ähnlich und zu undifferenziert seien, als dass sie unterschiedliche Emotionen hervorrufen könnten. Laut ihrer Theorie entstehen die körperlichen Reaktionen und Emotionen gleichzeitig, aber getrennt voneinander. Beide Theorien waren sehr einflussreich, haben kontroverse Diskussion angeregt und die nachfolgende Emotionsforschung mitgeprägt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die heute vorliegenden Forschungsergebnisse tendenziell eher die von der James-Lange-Theorie vorhergesagten Effekte widerspiegeln: Das Erzeugen von Gesichtsausdrücken oder das Einnehmen einer bestimmten Körperhaltung kann entsprechende Gefühle steigern (Coles et al., 2019). Auch wenn die Ergebnisse nicht immer konsistent sind (Reisenzein & Stephan, 2014), gibt es zahlreiche Belege für Rückkopplungseffekte von körperlichen Veränderungen auf Emotionen. Dass das Einnehmen von Körperhaltungen Emotionen nicht nur widerspiegelt, sondern diese auch erzeugen kann (Carney et al., 2010; Niedenthal, 2007), hat einen wahren »Embodiment-Boom« ausgelöst. In Buchhandlungen finden sich Ratgeber, die größere Karrierechancen versprechen, wenn bestimmte Machtposen, sogenanntes power posing, im Jobinterview eingenommen werden. Es geht sowohl darum, dass die eigene Körperhaltung beeinflusst, wie wir uns selbst fühlen, als auch darum, welche Empfindungen unsere Körpersprache bei anderen Personen auslöst. Zum Beispiel wird häufig empfohlen, eine expansive Körperhaltung einzunehmen, indem man sich groß macht oder die Arme hinter dem Kopf verschränkt, um Selbstbewusstsein zu signalisieren. In groß angelegten Replikationsstudien konnten solche Rückkopplungseffekte, beispielsweise des Gesichtsausdrucks auf die eigene Gefühlslage, nicht eindeutig bestätigt werden (Wagenmakers et al., 2016). Zudem ist die Erwartung, dass ein Effekt, der unter Laborbedingungen gefunden wurde, auch im Alltag stets eindeutig vorhersagbar eintritt, nicht realistisch. Freilich ist dies auch nicht das Ziel dieser Forschung, die darin besteht, grundlegende psychische Prozesse zu erkennen und zu verstehen.
Dennoch gibt es innerhalb der klinischen Psychologie einen Konsens darüber, dass ein starker Zusammenhang zwischen Depression und dem Gangbild einer Person besteht. Unterschiedliche Forschungsgruppen (Adolph et al., 2021; Lemke et al., 2000) konnten zeigen, dass depressive Patient*innen im Vergleich zu psychisch gesunden Kontrollpersonen langsamer laufen, über ein schlechteres Gleichgewicht verfügen und eine geringere Schrittlänge aufweisen. Traurige und depressive Personen sind außerdem durch eine zusammengesackte Körperhaltung und einen verringerten Armschwung beim Gehen erkennbar (Michalak et al., 2014). Diese recht konsistenten Befunde könnten der Ausgangspunkt dafür sein, neue Behandlungs- und Beratungsformen zu entwickeln, die depressive oder chronisch traurige Personen dabei unterstützen, ihre Körperhaltung und ihre Bewegungsmuster zu verändern, um Einfluss auf ihre Emotionen zu nehmen. Inwieweit dies langfristig eine Verbesserung des Wohlbefindens bei den Betroffenen herbeiführen kann, bleibt abzuwarten. In den letzten Jahren wird daher diskutiert, inwiefern die Körperhaltung sowohl in die Diagnose als auch in die Beratung und Therapie depressiver Patient*innen einbezogen werden könnte (Feldman, 2007).
Im Sinne der James-Lange-Theorie der Emotionen finden die modernen Neurowissenschaften Belege dafür, dass zumindest in Situationen großer Gefahr (Schreck, Angst) oder sexueller Anziehung (Sympathie, Attraktion), Prozesse schnell und ohne nachdenken ablaufen können (LeDoux, 2003). Mithilfe bildgebender Verfahren konnte nachgewiesen werden, dass die Informationen der Sinnesorgane in diesen Fällen direkt zur Amygdala weitergeleitet werden, dem sogenannten Mandelkern, dem Ort im Gehirn, der für emotionale Prozessen eine wichtige Rolle spielt. In vielen anderen Situationen folgen Emotionen jedoch einem langsameren Weg, indem die Sinneseindrücke erst im Kortex des Gehirns analysiert und verarbeitet werden, bevor ein Befehl zur emotionalen Reaktion an die Amygdala gesendet wird (Ochsner et al., 2009).
Können unsere Gedanken also doch unsere Emotionen steuern? Mit dieser Frage haben sich bereits Philosophen seit der Antike beschäftigt. Die heutige Antwort aus der Psychologie dazu ist eindeutig ja. Beginnend mit den Überlegungen von Magda Arnold (1970) haben sich die kognitiven Bewertungstheorien als eine der bekanntesten Gruppe von Emotionstheorien durchgesetzt. Vertreter*innen der kognitiven Bewertungstheorien nehmen an, dass Emotionen als Reaktionen auf kognitive Bewertungen von Objekten oder Situationen entstehen. Anders als in der James-Lange-Theorie wird also davon ausgegangen, dass nicht die Situation selbst eine direkte emotionale Reaktion auslöst, sondern die kognitive Bewertung der Situation in Bezug auf die jeweils vorherrschenden individuellen Bedürfnisse, bisherige Erfahrungen und Wertvorstellungen. Magda Arnold schreibt dazu: »It is the individual who sees, not the eye« (ebd., S. 178).
Ausschlaggebend für ihre Theorie war die Beobachtung, dass eine von außen betrachtet gleiche Situation bei unterschiedlichen Menschen unterschiedliche Emotionen hervorrufen kann. Dies ist mit der James-Lange-Theorie schwierig zu erklären. Manche Menschen haben große Angst vor Hunden, andere wiederrum finden sie faszinierend. Als naheliegende Erklärung schlug Arnold vor, dass die gleiche Situation von unterschiedlichen Personen unterschiedlich wahrgenommen und eingeschätzt wird. Dieser Ansatz wurde von Lazarus (1991a) und anderen Forschenden aufgenommen und weitergeführt. Die Grundannahme besteht darin, dass Menschen die Signale aus der Umwelt dahingehend einschätzen, ob diese potenziell bedrohlich sind und für die eigenen Ziele hinderlich oder förderlich. Emotionen werden somit als Reaktionen auf Ereignisse gesehen, die für uns überaus wichtig sind. Welche Emotion genau ausgelöst wird, hängt von der Bewertung der jeweiligen Situation ab. Dabei können diese Bewertungsprozesse automatisch ablaufen und müssen uns nicht unbedingt bewusst sein (Thayer & Lane, 2000).
Viele Forscher*innen gehen heute davon aus, dass die automatischen Bewertungen unablässig die Umgebung durchforsten und solche Situationen aufzeigen, die für das Wohlbefinden einer Person im Verhältnis zu ihren Bedürfnissen, Zielen, Ressourcen und Fähigkeiten hohe Bedeutung haben.
Beispiel
Wenn wir beim Joggen plötzlich erschrecken, weil wir denken, eine Schlange liege auf dem Weg, wird nahezu automatisch Angst einsetzen und wir bleiben abrupt stehen. Unser Herz beginnt heftig zu schlagen, die Pupillen weiten sich. Wenn wir dann daran denken, dass es so große Schlangen in unseren Breiten gar nicht gibt, und die vermeintliche Schlange genauer betrachten, stellen wir vielleicht fest, dass es sich nur um einen Ast handelt. Dennoch wird es einige Zeit dauern, bis der Körper sich wieder beruhigt hat. Die neue Bewertung kann dazu führen, dass die Angst vergeht und stattdessen bei dem Gedanken daran, wie ängstlich wir gerade reagiert haben, vielleicht Erleichterung oder Belustigung über uns selbst auftritt.
In diesem Beispiel wird die schnelle automatische Bewertung der Situation durch eine zweite, etwas langsamere Bewertung abgelöst, die dazu führt, dass auch die empfundene Emotion sich verändert (LeDoux, 2003). Bei der langsameren, reflektierten Bewertung sind wir uns unseres Bewertungsprozesses bewusst. Wir denken gezielt über die vorliegende Situation nach.
Beispiel
Wenn Sie als Sozialarbeiterin mitbekommen, dass Ihr Träger Sparmaßnahmen angekündigt hat, werden Sie die Situation wahrscheinlich als relevant einschätzen. Folglich setzen Bewertungsprozesse ein, die dazu führen, dass Sie der Situation entweder entspannt entgegensehen, wenn Sie beispielsweise denken, dass Ihnen der Job sowieso wenig Spaß gemacht hat, und Sie bereits mit dem Gedanken spielen, sich bei einem anderen Arbeitgeber zu bewerben; oder Sie werden eher besorgt sein, wenn Sie die Situation so einschätzen, dass Sie kein Mitspracherecht haben, auf den Job angewiesen sind und in der Vergangenheit bereits unfair mit Mitarbeitenden umgegangen wurde.
Was weiß man heute über diese kognitiven Bewertungsvorgänge? Es wird angenommen, dass es einige grundlegende Dimensionen gibt, anhand derer Menschen Situationen einschätzen. Basierend auf der Bewertung, ob ein Ereignis eine emotionale Relevanz hat (Scherer, 1999), folgen weitere Bewertungen dahingehend, ob das Ereignis grundlegend eher positiv oder negativ einzuschätzen ist, ob es kontrollierbar ist und ob man eher selbst für die Situation verantwortlich ist oder es eher andere Personen oder Umstände sind. Die verschiedenen kognitiven Bewertungstheorien unterscheiden sich in Bezug auf die Dimensionen oder Komponenten, die am Bewertungsprozess beteiligt sind, aber die meisten beinhalten die eben genannten Dimensionen: Relevanz, Valenz, Kontrollierbarkeit, Bedeutung für das Erreichen des eigenen Ziels und Verursacher*in.
Da diese Prozesse in der Regel schnell ablaufen und nicht beobachtbar sind, ist nach wie vor unklar, ob es eine typische Reihenfolge gibt, in der die Denkprozesse ablaufen, oder ob für jede Emotion alle Denkprozesse unbedingt notwendig sind. Inzwischen geht die Mehrheit der Forscher*innen aber davon aus, dass die Bewertung nicht einfach nur Auslöser von Emotionen ist, deren Aufgabe erledigt ist, sobald eine emotionale Reaktion erfolgt. Vielmehr spielt die Bewertung eine zentrale Rolle bei der weiteren Formung und Regulation der emotionalen Reaktion (Gross, 1999). Die heutige Forschung versucht weiter, das Wechselspiel zwischen Denken und Fühlen besser zu verstehen. Unbestritten ist, dass ähnliche Bewertungen von Situationen zu ähnlichen Emotionen führen. Herausgefunden wurde dies durch Studien, die beispielsweise Menschen in die gleiche standardisierte, teilweise sehr unangenehme Situation brachten und danach fragten, wie die Menschen über die Situation dachten und was sie fühlten. Die Personen, die ähnliche Gedankenmuster hatten, gaben in der nachfolgenden Befragung ähnliche Emotionen an und zeigten in der späteren Analyse auch ähnliche physiologische Reaktionsmuster (Mauss et al., 2005; Siemer et al., 2007). Wurden die Teilnehmenden in einer Studie beispielsweise gebeten, spontan einen Vortrag zu halten, berichteten diejenigen, die angaben, dass die Situation unfair sei, eher Ärger, während andere, die glaubten, dass sie selbst sich in diese Situation gebracht hatten, sich eher schämten. Diese und eine Vielzahl weiterer Studien legen die Vermutung nahe, dass kognitive Bewertungen zuständig dafür sind, welche emotionalen Reaktionen auf eine bestimmte Situation erfolgen.
Zusammengefasst deutet eine große Anzahl von Studien auf universelle Muster im Verhältnis zwischen Bewertung und Emotion hin. Es erscheint auch aus evolutionärer Perspektive wenig sinnvoll, dass diese für jede Person unterschiedlich sein sollten. Im folgenden Kasten wird anhand von methodischen Paradigmen, die Emotionsforscher*innen in der Vergangenheit genutzt haben, der Zusammenhang von Bewertung und Emotion veranschaulicht.
Der Zusammenhang zwischen Bewertung und Emotion
Viele Forschende stellten sich folgende Fragen: In welchem Verhältnis stehen die Bewertung einer Situation und die erlebten Emotionen? Gibt es universelle Muster und Zusammenhänge?
Methoden:
Befragte sollen zu einer Emotion ein Ereignis erinnern, aufschreiben und benennen, welche Gedanken zu dieser Emotion geführt haben.
Befragte erhalten Beschreibungen von Situationen und sollten sich vorstellen, wie sie sich fühlen würden.
Befragte werden in verschiedene Situationen gebracht und nach ihren Bewertungen und Emotionen befragt.
Die Ergebnisse dieser Studien zeigen, dass bestimmte Denkmuster, sogenannte Schlüsselszenarien, mit konkreten Emotionen assoziiert sind (s. Beispiele in ▸Tab. 1).
In einigen Bereichen der Psychologie wird von sogenannten Schlüsselszenarien (Glasenapp, 2014) gesprochen, die dafür zuständig sind, ganz konkrete Emotionen auszulösen. Diese Schlüsselszenarien beschreiben sozusagen das Kernthema einer Emotion (Lazarus, 1991a). Gemeint ist damit, dass es prototypische Bewertungen von Situationen gibt, die eng mit einer Emotion verbunden sind. So ist das Schlüsselszenario für Trauer die Einschätzung, etwas verloren zu haben, oder das Schlüsselszenario von Angst, bedroht zu werden und das eigene Ich schützen zu müssen. Viele diskrete Emotionen und ihre Familie, beispielsweise Angst (inklusive Furcht, Bammel oder Schreck), scheinen über ein zentrales Kernthema definiert zu sein. Wird eine Situation bewertet, die ein Schlüsselszenario aktiviert, werden mit hoher Wahrscheinlichkeit die entsprechende Emotion und ein dazu passender Verhaltensimpuls aktiviert.
Tab. 1:Übersicht über Schlüsselszenarien, das heißt spezifische Bewertungen und Wahrnehmungen von Situationen, die mit konkreten Emotionen assoziiert sind, eigene Darstellung, angelehnt an Smith & Lazarus (1993, S. 238)
Emotion
Schlüsselszenario
Ärger
Herabwürdigungen/Diskriminierungen gegenüber mir und »meinesgleichen«
Angst
Erleben einer ungewissen und/oder existenziellen Bedrohung
Schuld
Wahrnehmung, gegen moralische Normen einer Gruppe verstoßen zu haben, der man sich zugehörig fühlt
Scham
einem Ideal nicht gerecht werden können; Erwartungen nicht erfüllen können
Trauer
etwas endgültig verlieren
Neid
Verlangen nach etwas haben, das jemand anders besitzt
Ekel
Erleben, dass mir etwas Unverträgliches zu nahe kommt
Glück
ein Ziel erreichen oder dahingehend wahrnehmbare Fortschritte machen
Stolz
Wertschätzung für eine persönliche oder kollektive Leistung erfahren
Erleichterung
Wegfallen oder Abnehmen einer Belastung
Liebe
gegenüber anderen Menschen Zuneigung empfinden (die nicht zwingend erwidert werden muss)
Mitgefühl
einem Menschen in einer scheinbar ausweglosen Situation helfen wollen
Je häufiger wir im Leben in ähnliche Situationen geraten, desto stärker werden diese Schlüsselszenarien im Gehirn verankert und desto schneller und automatischer laufen diese im weiteren Leben ab. Ähnliche Situationen werden nahezu ähnliche Gedanken und automatisch ähnliche Emotionen auslösen (emotionale Schemata). Dabei sind es vor allem negative Erfahrungen, die uns im Laufe des Lebens Schwierigkeiten bereiten. Situationen, die von anderen Menschen vielleicht als nicht relevant eingeschätzt und vielleicht sogar übersehen werden, können für Menschen, die bereits starke Schlüsselszenarien abgespeichert haben, eine ganz andere Bedeutung haben.
Beispiel
