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Rafael Sregelburd

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Beschreibung

Spams sind die klanglosen Echos der Konsumkultur, eine absurde Mutation menschlicher Kommunikation im World Wide Web. Für Mario Monti, der eines Tages ohne Erinnerung auf Malta erwacht, ist das Netz eine der ersten Quellen auf der Suche nach seiner Identität. Er ist nicht der gleichnamige italienische Politiker, der im World Wide Web einen enormen virtuellen Fußabdruck hinterlassen hat, sondern Professor für ausgestorbene Sprachen, der einst die Abschlussarbeit einer attraktiven Studentin plagiiert hat. Seitdem Monti auf eine Spam-Mail reagiert hat, mit der ein Mädchen aus Malaysia in kryptischem Google-Übersetzungsdeutsch fast fünf Millionen Dollar verschenkte, liegt dieses Geld auf Montis PayPal-Konto. Allerdings will eine malaiische Mafia sich genau dieses Geld wieder holen. Stück für Stück, Szene für Szene, deren Reihenfolge per Losverfahren bestimmt werden kann, entwirft Rafael Spregelburd eine Welt des Zerfalls. Die Wirklichkeit, gesehen aus der Perspektive des irrfahrenden Linguistik-Professors, zeigt sich in den Schlaglichtern von Google-Übersetzungsprogrammen, in Spam-Mails, Botschaften per Skype oder Fernsehdokumentationen über degenerierte Puppen aus China. Spregelburd packt seine düstere Zeitdiagnose in einen fulminanten Monolog für einen Schauspieler.

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EPUB

Veröffentlichungsjahr: 2015

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© 2015 Cue Press

via Aspromonte 16a, 40026 Imola, Italia,

Leitung 

Mattia Visani

Vorwort

Joseph Pearson

Übersetzung 

Klaus Laabs

Übersetzung Pearson-Artikel

Jan Heberlein

Herausgeber

Damiano Pignedoli

Umschlaggestaltung

Hernán Corera

SPAM

© der deutschen Übersetzung und deutschsprachige Aufführungsrechte 

Suhrkamp Verlag AG, Berlin, 2015

Written in Buenos Aires-Neapel, between November 2011 und Juli 2013.

First release in Germany in Spanish language, Berlin, Schaubühne F.I.N.D. #15.

Inhalt
Getötet von der Hand, die dich nährt
von Joseph Pearsono
SPAM
SPAM Chronologische Reihenfolge nach Tagen

Getötet von der Hand, die dich nährt

von Joseph Pearson

Rafael Spregelburd erzählt mir die Geschichte von David Humes Huhn, die der Philosoph Bertrand Russell aufgenommen hat und welche später in einer abgewandelten Form bei Nassim Nicholas Taleb auftaucht. Das Huhn glaubt, von der es fütternden Hand auch geliebt zu werden und folgert daraus: „Sie füttern mich, sie mögen mich, ich liebe sie!“ Dabei soll das Huhn natürlich nur für das Abendessen fett gemacht werden, und dieselbe Hand, die es füttert und pflegt, tötet es am Ende.

„Für das Huhn ist dies eine Katastrophe, die es sich in seinen kühnsten Träumen nie hätte ausmalen können. Und weshalb nicht? Weil es nie an den Informationen gezweifelt hat, die es empfangen hat. Diese bestanden in Wahrheit darin, dass es an Weihnachten verspeist werden sollte. Wir wissen nie, was andere Menschen mit uns vorhaben“, warnt Rafael Spregelburd in Bezug auf das Induktionsproblem der Philosophie.

Er ist mittlerweile ein bekanntes Gesicht in Deutschland und eine internationale Präsenz auch in Festivalkreisen. Der in Buenos Aires lebende argentinische Regisseur, Filmemacher und Schauspieler (er tritt in seinen eigenen Produktionen auf) hat unter anderem in Stücken von Harold Pinter und Marius von Mayenburg Regie geführt. Seine erste Arbeit realisierte er auf dem F.I.N.D. Festival an der Schaubühne im Jahre 2004. Für die diesjährige Ausgabe des F.I.N.D. #15 führt er sein neues Stück „Spam“ auf.

Spregelburds Theater ist nicht einfach zu fassen, und der Dramatiker liefert die Erklärung dafür gleich selbst. Er beschreibt sich als „Sammler von Abfall, Stücken und Teilen von Dingen. Für gewöhnlich sind dies keine Ideen, sondern Bilder. Der Unterschied zwischen beiden ist grundlegend. Ein Bild ist ein Rätsel. Man kann sich seine Anziehungskraft nicht erklären, es ist es selbst – und enthält in sich die Aufforderung, etwas zu bedeuten. Bilder haben diese Macht.“

Die erste Frage, die vielen Kritikern oder Besuchern seiner Stücke in den Sinn kommt, ist: Was will uns das Stück sagen? Für Spregelburd dagegen, der sich mit viel Physik, vor allem mit der Chaostheorie beschäftigt, besitzt die Frage nach der multiplen Kausalität einen viel größeren Reiz. In seinem theatralischen Schaffen erkundet er ungewöhnliche Systeme, mit denen er Informationen organisiert, anstatt feststehende Erklärungen zu Bedeutungen zu geben. Wie dies tatsächlich in der Praxis funktioniert, müsste haarklein entwirrt werden, aber wir können in der Besprechung von „Spam“ einige Merkmale ausmachen.

Im Spam-Postfach ist der Zuschauer mit einer enormen Masse an Informationen konfrontiert: „Das Stück ist infernalisch, eine Ansammlung von Bildern, die niemand jemals zusammenfügen sollte“ sagt Spregelburd, „Es spiegelt all das wieder, was ich im Alltag erlebe, wenn ich von Belästigungen, Facebook, E-Mails, Spam überschwemmt werde.“ Diese Bombardierung nimmt die Züge eines „automatisierten Netzes von Assoziationen an“, es sind „Löcher voller nutzloser Informationen“ oder „Gefäße voller Unrat“, wie Spregelburd sie nennt. In diesem Stück bringen uns ein paar Mausklicks von der europäischen Bankenkrise zu den letzten Tagen der Menschheit im Maya-Kalender (das Stück wurde 2012 geschrieben) bis zur radioaktiven Verschwörung, die die Bühnenbildausstatter des James Bond-Films Dr. No ersonnen haben.

All diese „Fake-Infos im Stück“, sagt Spregelburd, „sind mit anderen Momenten im Stück verlinkt, so dass man am Ende einen Irrgarten, ein Labyrinth von Verbindungen erhält, die dem wahren Leben ähneln. Das sind sie aber natürlich nicht. Es ist nur Fake.“

Spregelburds Konzept schließt an andere Folgerungen aus der Chaostheorie an, die ihn faszinieren: Ein „Sprung in Denkkategorien, ein Schritt in die finstere Leere, der dich in andere Welten trägt. Anstatt etwas zu bestätigen, das du schon kennst, öffnest du dich sich überschneidenden Bezugsfeldern, die sich sonst nie ergeben hätten.“ Am Beispiel von Archimedes‘ Entdeckung in der Badewanne weist mich Spregelburd darauf hin, wie man auf überraschenden Wegen zu Schlussfolgerungen gelangen kann.

Angesichts der kopflastigen theoretischen Konzepte könnte man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass „Spam“ so etwas wie ein unbehagliches und anspruchsvolles Kneipp-Bad ist, aber dabei würde man vergessen, dass Spregelburds Interesse für die Populärkultur ein Markenzeichen seines Schaffens ist. Man könnte daher sagen, dass das Badewasser wärmer als erwartet ist. Spregelburd: „Mir geht es immer darum, mit gängigen Mustern der Realitätswahrnehmung zu arbeiten, die meine Arbeit von denen eines Heiner Müller unterscheiden. In meinen Stücken verschmelzen hohe und niedere Kultur. Ein schlechtes Fußballspiel kann genauso lehrreich wie ein Physikbuch sein.“

Aber man tut dem Autor Unrecht, wolle man „Spam“ als kakophonischen Strom weißen Rauschens reduzieren. Es besitzt eine Handlung, die so pointiert wie wenige ist: Es geht um einen Mann namens Mario Monti, der sein Gedächtnis verloren hat und das Internet als Instrument benutzt, um zu erfahren, wer er ist. Beim Googeln entdeckt er, dass er der ehemalige italienische Premierminister sein könnte. „Er gelangt zu einer falschen Schlussfolgerung in Bezug auf seine Identität. Ein Mensch, der sein Gedächtnis verloren hat, rekonstruiert seine Identität über das Internet; darum geht es in dem Stück.“

Dies führt uns zu einer weiteren Annahme aus der Chaostheorie, die Spregelburd die „Reflektaphoren“ nennt, das Verfahren, Resonanzen zwischen Informationsfetzen zu erzeugen.

„Ein Ding hallt im anderen wieder. Auch dies entstammt der Chaostheorie. Ein Reflektaphor ist die Vorstellung, dass Wörter durch Reflektion, anstatt durch Metaphern gebildet werden, welche schlicht eine Ersetzung des Objekts A durch einen anderen Gegenstand B aufgrund ihrer Ähnlichkeit implizieren. Es ist sehr interessant zu lesen, was Mathematiker und Physiker zu Metaphern sagen. Einige behaupten nämlich, und ich stimme ihnen zu, dass die Metapher für die Kultur des Okzidents ein Alibi war, eine Geschichte mithilfe von Ersetzungen zu erzählen. An einem bestimmten Zeitpunkt in der Kulturgeschichte hat dies in eine Sackgasse geführt, denn immer, wenn ich etwas sage, bete ich, dass ich in der Lage sein werde, zwischen den Zeilen zu lesen. In diesem Stück greifen wir auf neue Denkmuster zurück, die über Bedeutung und Botschaft hinausgehen. Mit Reflektaphoren spiegeln sich verschiedene Teile der Struktur miteinander, so dass man nicht nur an Ähnlichkeiten, sondern auch an Unterschiede zwischen Bildern denken muss, die die Handlung ergeben.“

Als Beispiel für seine Methode führt Spregelburd den Untergang des italienischen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia im Januar 2012 als Emblem der „italienischen Dekadenz“ an. Italien könnte hier „stellvertretend als Symbol für die Dekadenz des Westens stehen, denkt man nur etwa an den ganzen Müll, der jetzt um die Insel Giglio herumflutet. Wie im Gedicht gibt es keine Bedeutung an sich, sondern diese Vorstellungen verbinden sich in unterschiedlicher Weise mit anderen apokalyptischen Ideen, die im Kern des Stücks eingebettet liegen. Der Untergang des Kreuzfahrtschiffs hat die Populärkultur stark beschäftigt: Die Leute haben den Funkkontakt zwischen dem Kapitän und der Küstenwache sogar zu Klingeltönen für das Handy gemacht. Realität wird Pop. Realität wird schnell vom Marginalen, von Randkulturen aufgesogen und in einem sarkastischen Blick der Welt wieder einverleibt. Darauf bin ich nicht stolz: Aber ich kombiniere – auf eine gewisse kunstvolle Art – Stücke dieser wiedergekauten Informationen miteinander, die der Gesellschaft gewissermaßen zurückerstattet werden, um über sich selbst nachzudenken.“

Im Stück erwartet den Zuschauer ein Sperrfeuer von Bildern, Bezugsfeldern, „Reflektaphoren“, eine Vielzahl an Deutungsmustern, aber Spregelburd ist zuversichtlich, dass das Publikum keine Mühe haben wird, diese zu verarbeiten. „ ,Spam’ ist kein komplexer Text“, sagt er, „Man muss nicht übermäßig gebildet sein, um dem Stück zu folgen. Ich glaube sogar, es wird am Ende ganz klar; es kommen immer wieder zwei oder drei Deutungen für denselben Sachverhalt vor: Eine Situation, die uns immer wieder im Alltagsleben begegnet, der jedoch immer noch etwas Verbotenes im Theater anhaftet. ,Spam’ ist ein Stück, das an die Zuschauer appelliert, Informationen mit Argwohn zu begegnen. Es lässt den Zuschauer erleben, wie es ist, Informationen zu misstrauen, denn Informationen sind ein Weg, Menschen gefügig zu machen.“

Denn schließlich wollen wir nicht wie Humes Hühner enden, oder?

SPAM

Sprechoper von Rafael Spregelburd

10. Tag: Vergrößern Sie Ihren Penis

Im Bühnenvordergrund ein Aluminiumkalender mit großen beweglichen Platten, darauf die Tage des Monats in chronologischer Ordnung. Nervige Karaoke-Musik und Bilder: Dean- Martin-Songs und Hintergrundfotos, die aussehen wie apokalyptische Poster an Reisebürowänden. Auf der Bühne steht, etwas desorientiert, Mario Monti. Trägt einen abgetragenen, nicht sehr überzeugend wirkenden Smoking. Betrachtet die Gegenstände um sich, betrachtet das Publikum, setzt zu einer Erklärung an. Greift sich mit schmerzerfülltem Gesicht in den Nacken. Nimmt dann einen gewaltigen Laubbläser vom Boden auf und schaltet ihn an. Dinge wirbeln ziellos umher. Monti hält den Laubbläser auf den Kalender, die Quadrate mit den Zahlen und Tagen fliegen auf und fallen wahllos zu Boden. Während die Karaoke- Musik beständig weiterläuft, sammelt er die Nummern auf und beginnt sie unsortiert wieder einzusetzen. Das Lossystem kann variieren, Hauptsache, das Publikum glaubt, die Szenenfolge sei willkürlich. (Denkbar wäre auch, die Tage wie Bingo-Nummern aus einer Trommel zu ziehen.)

Die erste Nummer im Kalender ist nun die zehn. Monti verkündet sie laut und zeigt sie dem Publikum. Es ist die Nummer der Szene, die gespielt werden wird.

Das Fieber ist in der Nacht nicht weggegangen.

Ich stehe auf und mache das Bett.

Eigentlich ist das ja Sache des Zimmermädchens,

aber ich verspüre ein dringendes Verlangen,

die Dinge zu ordnen,

und das Bett ist das Einzige,

wo ich im Moment wirklich Ordnung reinbringen kann.

Daher mache ich im Hotel mein Bett selber.

Ich bin in Malta, allein.

Ich trage einen chinesischen Secondhand-Smoking.

Der Portier des Hotels, des „Caravaggio“,

sagt, das mich ein Krankenwagen hergebracht hat.

Ich lag einen Tag lang bewusstlos im Krankenhaus,

keine Ahnung, in welchem.

Ich hatte fürchterlich eins gegen den Schädel bekommen.

Sie haben gesagt, der Gedächtnisverlust,

den ich davon habe, sei nur vorübergehend.

Eine Krankenschwester hat in einer Jackentasche

meinen Pass gefunden, in der anderen die Hotelkarte,

als Lesezeichen in einem Buch:

Der Fremde, klar, der Camus-Roman.

So haben sie mich in dieses Zimmer zurückgebracht,

das mir aber völlig fremd vorkommt.

Der Hotelportier lässt sich nicht davon abbringen,

dass es meins wäre,

ich glaube aber, es muss jemand anderem gehören,

es ist mir so unerklärlich wie das Buch,

das ich nach der Schule, soviel ich weiß,

nie wieder in den Händen hatte.

Alles, was ich bei mir habe, ist dieser Smoking, ein Laptop

und diese Schachteln mit den Puppen.

Ich reise ohne Gepäck. Ohne Vergangenheit.

Aber Internetanschluss habe ich. Das ja.

Und ich kann rekonstruieren,

was sich noch kurz vorher in meinem Leben abgespielt hat,

ich muss nur zurück auf die Seiten gehen,

wo die Verlaufsgeschichte gespeichert ist.

Alles Übrige lässt sich davon ganz einfach herleiten.

Nur ein bisschen Zeit noch, und ich weiß wieder alles:

Warum ich in diesem Hotel bin. Und wie ich es bezahlen will.

Ich warte ab, bis sich die Zeit

von selber wieder in Ordnung gebracht hat.

Ich schaue in die Mailbox. Cassandra.

Drei Mails habe ich von ihr, alle als „dringend“ markiert.

Da sie auf Anrede und Grüße verzichtet,

muss sie mich gut kennen,

und ich sie.

Wer ist Cassandra? Und warum sind diese Mails dringend?

Wie es aussieht, will sie vor allem,

dass ich mir die neuen Korrekturen in ihrer Dissertation ansehe.

Das ist eine Spur. Ich muss ihr Professor sein.

Das beruhigt mich. Es erklärt zwar nicht den Smoking

und auch nicht die Puppen, aber mir ist erst mal viel wohler,

so weiß ich, ich bin weder ein Agent von Interpol

noch ein flüchtiger Verbrecher oder ein Geisteskranker.

Obwohl das eine, sage ich mir,

muss ja das andre nicht unbedingt ausschließen.

Solange ich mich nicht erinnern kann,

sehe ich bei den gesendeten Mails nach:

mal sehen, was ich dieser Cassandra geschrieben habe.

Nichts.

Ich habe ihr nie geantwortet.

Vielleicht kennt sie ja mich, ich sie aber nicht.

Eine unbekannte Studentin, merkwürdig, die Sache.

Ich bin mir keinerlei Spezialkenntnisse bewusst.

Einerseits sind da die Geisteswissenschaften,

anderes die echten.

Ich muss Geisteswissenschaftler sein.

Zu was Nützlichem war ich nie zu gebrauchen.

Irgendwelche anderen Mails, mir weiterhelfen könnten, sehe ich nicht.

Bin ich ganz allein? Schreibt mir sonst niemand?

Oder habe ich das andere alles absichtlich gelöscht?

Wie ein Krimineller, der seine Spuren verwischt.

Ansonsten ist im Eingangskorb nur Spam.

Immer dasselbe: Vergrößern Sie Ihren Penis!

Man verspricht mir schnelle Ergebnisse.

Wenn es nur um irgendwelche Übungen geht,

kann ich es ja mal probieren, warum nicht.

Sollten sie aber OPs oder Pillen an den Mann bringen wollen,

lassen wir mein gutes Stück, wie es ist.

Nachdem das geklärt ist, öffne ich das Cassandra-Archiv.

Cassandra. Bei ihrem düsteren Namen

mache ich mich gefasst auf Schreckensnachrichten.

Aber von wegen, sie erzählt von Eskimos

und fügt mit leicht drohendem Unterton hinzu:

„Jawohl, die Eskimos, die Du mir ja,

wie allgemein bekannt ist, gestohlen hast.“

Ich habe den Smoking, die Puppen, das Buch Der Fremde...

Die Eskimos aber augenscheinlich nicht.

Es stimmt schon, ich erinnere mich an nichts mehr.

Aus irgendeinem Grund aber bin ich mir sicher,

dass ich über die Eskimo-Sache irgendwas weiß.

Bin ich Geografie-Professor? Daher vielleicht?

Aber was für Eskimos soll ich geklaut haben?

Die Eskimos, die Inuits, damit das klar ist,

das sind doch keine Gegenstände, die man stehlen könnte.

Sie sind keine Ethnie, sie sind ein Thema.