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Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit, das wusste bereits Platon. Dieser Konflikt zwischen Herz und Verstand lässt die Menschen bis in die heutige Zeit nicht ruhen. So untersuchten Hirnforscher die Hirnaktivitäten frisch Verliebter und fanden heraus, dass Liebe tatsächlich blind und süchtig macht. Heldinnen und Helden dieser Kämpfe zwischen Herz und Verstand sind im Allgemeinen junge Menschen. Ältere Personen jedoch sollten diesen Konflikt der vorherrschenden Meinung nach überwunden haben: Ältere Männer sind Großväter, die sich von ihren Enkeln das Handy erklären lassen und die, falls ihre Frau verstorben sein sollte, regelmäßig am Sonntag die Koch- und Backkünste ihrer Kinder und Schwiegerkinder prüfen. Ältere Frauen passen fast immer gerne auf die Enkelkinder auf und zeigen als Alleinstehende bisweilen ein reges Interesse an den Aktivitäten ihrer Nachbarn. Dürfen ältere Frauen sich verlieben? Und ist der Blitz nun eingeschlagen, wie sollte frau klugerweise weiter vorgehen? Diesen Fragen gehen Milla Dümichen und Eva von Kleist im ersten Teil ihres E-Mail-Romans "Spätlese & Eiswein" nach. Die beiden Protagonistinnen Lis (65) und Gabi (72), zwei gestandene Frauen, die Bescheid wissen, aber trotzdem ins Getümmel der Hormone geraten, pflegen einen regen E-Mail-Austausch zu diesem Thema. Der Roman basiert auf einer Idee von Milla Dümichen.
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Seitenzahl: 67
Veröffentlichungsjahr: 2020
Vorwort
28.08.2018
30.08.2018
02.09.2018
06.09.2018
10.09.2018
14.09.2018
19.09.2018
22.09.2018
23.09.2018
23.09.2018
24.09.2018
24.09.2018
24.09.2018
25.09.2018
26.09.2018
27.09.2018
29.09.2018
„Liebe ist eine schwere Geisteskrankheit“, das wusste bereits Platon. Dieser Konflikt zwischen Herz und Verstand lässt die Menschen bis in die heutige Zeit nicht ruhen. So untersuchten Hirnforscher die Hirnaktivitäten frisch Verliebter und fanden heraus, dass Liebe tatsächlich blind und süchtig macht. Heldinnen und Helden dieser Kämpfe zwischen Herz und Verstand sind im Allgemeinen junge Menschen.
Ältere Personen jedoch sollten diesen Konflikt der vorherrschenden Meinung nach überwunden haben: Ältere Männer sind Großväter, die sich von ihren Enkeln das Handy erklären lassen und die, falls ihre Frau verstorben sein sollte, regelmäßig am Sonntag die Koch- und Backkünste ihrer Kinder und Schwiegerkinder prüfen. Ältere Frauen passen fast immer gerne auf die Enkelkinder auf und zeigen als Alleinstehende bisweilen ein reges Interesse an den Aktivitäten ihrer Nachbarn.
Aber den emotionalen Rauschzustand, der den Verstand zur langweiligsten Nebensache der Welt degradiert, können und wollen wir ihnen nicht zugestehen: Eine neue Liebe mit all ihren schönen Seiten, aber auch ihren Irrungen und Wirrungen! Kann und darf dieses Glück – oder dieser Schrecken - gereiften, in Ehren ergrauten - oder kunstvoll gefärbten - älteren Damen überhaupt noch widerfahren? Und ist der Blitz nun eingeschlagen, wie sollte frau klugerweise weiter vorgehen?
Diesen Fragen gehen Milla Dümichen und Eva von Kleist im ersten Teil ihres E-Mail-Romans „Spätlese & Eiswein“ nach. Die beiden Protagonistinnen Lis (65) und Gabi (72), zwei gestandene Frauen, „die Bescheid wissen“, aber trotzdem ins Getümmel der Hormone geraten, pflegen einen regen E-Mail-Austausch zu diesem Thema. Der Roman basiert auf einer Idee von Milla Dümichen.
Eva von Kleist
Liebe Gabi,
wie versprochen melde ich mich aus Norddeutschland. Du weißt, ich habe es mir mit dem Umzug hierhin nicht leicht gemacht. Aber meine Tochter, die Enkelkinder und nicht zuletzt die Seeluft haben mich umgestimmt. Nun lebe ich schon seit zwei Monaten in einem kleinen Kurort in der Nähe von Friedrichstadt in Nordfriesland. Erinnerst du dich an meine Skepsis, mit 65 ins Rentnerparadies umzuziehen? Die Fünfzigjährigen zählen hier zu den jungen Einwohnern. Aber weißt du was? Ich bin zufrieden. Ach was, zufrieden, klingt irgendwie wie nicht ganz glücklich. Aber so ist es nicht. Denn in diesen zwei Monaten ist schon so viel Wunderbares passiert, dass ich es dir unbedingt erzählen muss.
Stell dir vor: Ich habe einen ganz tollen Mann kennengelernt! Und das mit 65! Das erste Mal seit zwanzig Jahren! Deine unbändige Lis wagt den Sprung in ein Liebesabenteuer.
Er heißt Bernd, ist mit seinen 72 Jahren lebenslustig und voller Energie. Noch vor drei Monaten konnte ich mir nicht vorstellen, dass ich in meinem Alter noch begehrt werden könnte, mit meinem gealterten Körper, den grauen Strähnen im dünneren Haar und den inzwischen doch sichtbaren Falten am Hals und im Gesicht. Du kennst mich schon seit dreißig Jahren und weißt: Ich lasse mir keine Verschönerungen unterjubeln, auch von den fachkompetenten Kolleginnen nicht, die mein Kosmetikstudio übernommen haben. Ich war bisher froh, aus dem Alter heraus zu sein, wo die Leidenschaft uns umtreibt und uns manche Dummheiten begehen lässt.
Und jetzt ist Bernd da und mein Leben gerät aus den Fugen. Wir haben uns beim Lampionfest in Friedrichstadt kennengelernt. Er war gerade nicht auf Teneriffa, wo er die Hälfte des Jahres beim Sonnenbaden verbringt. Wir sahen uns, und aus dem Nichts ist ein Funke zwischen uns übergesprungen. Und jetzt sind wir fast unzertrennlich. Er geht mit mir zu Sommerfesten und zu Weinverkostungen, zu Konzerten und zum Schwimmen. Der Badeanzug, den ich mit dir in Münster gekauft habe, wird zweimal wöchentlich benutzt, vielleicht auch bald im Süden, denn Bernd schmiedet schon Pläne, mit mir nach Teneriffa zu verreisen. Es ist wunderbar, wie gut es mit uns funktioniert. Wir gehen zweimal in der Woche tanzen. Gut, dass ich meine Tanzschuhe nicht in den Altkleidercontainer geworfen habe.
Im Tanzlokal habe ich viele Menschen kennengelernt, Paare, aber auch alleinstehende Frauen.
Und stell dir vor, Gabi, von diesen Frauen ernte ich reichlich Spott. Sie lästern hinter meinem Rücken und nennen es sogar „eine Schande, sich in dem Alter einen Liebhaber zuzulegen“.
Das kränkt mich!
Ach Gabi, du sollst nicht denken, dass ich mich bei dir beklagen möchte. Es ist nur so, dass ich meine Einstellung von früher, Liebe im Alter ist etwas Anstößiges, was verschwiegen und verborgen gehört, abgelegt habe. Meine Liebe zu Bernd ist völlig legitim, und es gibt nichts, wofür ich mich schämen sollte. Was meinst du dazu, Gabi? Du warst doch immer die Besonnene von uns beiden, die mit dem kühlen Kopf.
Übrigens, meine Tochter und die Enkelkinder finden meine Beziehung zu Bernd ganz in Ordnung.
Deine Lis
PS: Du fehlst mir!
Liebe Lis,
ich freue mich, dass es dir so gut geht, muss dir aber gleich sagen, dass ich dich nicht beneide. Ich bin mit meinen 72 total zufrieden mit meinem Single-Dasein: Ich bin fit, ungebunden und vor allem bin ich selbständig: Ich plane meine eigenen Reisen, ohne fragen zu müssen, ob das Reiseziel gefällt; ich lerne auf Sommerfesten, Konzerten und Weinverkostungen viele interessante Menschen kennen, ohne mir später anhören zu müssen, dass ich mich schon wieder in den Vordergrund gespielt hätte; zuhause kann ich meine (Un)Ordnung halten, wie es mir beliebt. Kurzum: Ich muss mich nicht anpassen und auf niemanden Rücksicht nehmen. Herrlich!
Angst vor Einsamkeit habe ich nicht.
Bei meinen vielen Interessen, die ich mit anderen teile, bin ich eher froh, wenn ich hin und wieder still und möglicherweise geistlos vor mich hindümpeln kann. Wenn ich mich aber mit Bekannten treffe, dann bin ich immer voll dabei, sozusagen auf 120, und nicht im reduzierten „Hasi-Mausi-Sofa-Abhänge-Modus“, der außer Bequemlichkeit und zusätzlichen Pfunden nichts bringt.
Ja - und dann gibt es da noch etwas: Die Mutter eines Freundes, damals mit 70 bereits Witwe, hat auf meine Frage nach einer neuen Partnerschaft etwas angeekelt geäußert: „Nee, da bin ich fies vor“, was ich damals gar nicht verstanden habe, heute aber umso besser nachvollziehen kann. Denn, so leid es mir tut, liebe Lis: Alte Männer stinken! Vielleicht nicht, wenn sie ausgiebig gebadet haben, aber dieser schöne Zustand hält höchstens eine halbe Stunde an. Alte Frauen riechen wahrscheinlich auch nicht besonders gut, aber an den eigenen Geruch ist man glücklicherweise seit Jahrzehnten gewöhnt. Hinzu kommen die Haare, die bei alten Männern an allen möglichen und unmöglichen Stellen sprießen: aus den Ohren, aus der Nase, an den Zehen und gewiss auf dem Rücken, von anderen Stellen ganz zu schweigen! Nein danke!
Es braucht schon einen gewaltigen Hormonstoß, um das alles auszublenden. Er sei dir gegönnt!
Du freust dich, dass du trotz deines Alters begehrt wirst. Lis, sei mir nicht böse, diese Haltung orientiert sich an dem Ideal der Jugend, dem jungen Körper als Ziel des Verlangens. Da mein junger Körper sich schon seit Jahrzehnten von mir verabschiedet hat und ich mein Geld nicht zu diversen Schönheitschirurgen tragen möchte, bin ich froh, derlei Bestätigungen nicht mehr nachjagen zu müssen, nach dem Motto „letzter Versuch“. Welch eine Entlastung und Befreiung, als Frau weder einen Mann beeindrucken zu wollen noch mit anderen Frauen konkurrieren zu müssen!
Liebe Lis, ich wünsche dir, dass deine Hormone noch lange mit dir Tango tanzen und dass du nicht eines Tages aufwachst, neben einem alten, nicht gut riechenden Menschen, der sehr laut schnarcht, seine Socken unstrukturiert im Zimmer verteilt hat und der all das nicht damit wettmachen kann, dass er schon seit 45 Jahren mit dir zusammenlebt.
Ich hoffe, du verzeihst mir die klaren Worte.
In alter Freundschaft
deine Gabi
Liebe Gabi,
warum überrascht mich deine Antwort nicht? Ganz einfach, weil ich selbst noch vor kurzem so gedacht habe wie du. Es ging mir gut allein, mir fehlte nichts. Ich war meine eigene Herrin, verreiste oft und zog es vor, ein Buch zu Ende zu lesen, statt Fenster zu putzen. Aber das hat sich alles geändert, seitdem ich Bernd kenne.
