Spell to Hell 2: Spell to Hell. Dämonenkuss - Solvig Schneeberg - E-Book

Spell to Hell 2: Spell to Hell. Dämonenkuss E-Book

Solvig Schneeberg

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Beschreibung

**Die Hölle hat ihre eigenen Regeln**  Ophelia wird gezwungen, einen Dämon in die Hölle zu begleiten. Denn ausgerechnet sie – eine Dämonenhexe – ist die Einzige, die die Unterwelt retten kann. Und dafür muss Dämon Malakai sie beschützen. Er hasst sie, misstraut ihr, und doch darf und kann er sich nicht von ihr fernhalten. Zwischen zartem Vertrauen und hartem Verrat entbrennt ein gefährliches Spiel. Eines, das nicht nur sie beide zu vernichten droht, sondern auch ihre Welten zum Einsturz bringen könnte. Denn ihre Magie ist nicht dafür geschaffen, verbunden zu werden ...  »Dämonenkuss« ist eine spicy Fantasy Romance mit Enemies to Lovers – dunkle Spannung trifft auf magische Gefühle.  //Alle Romane der magischen Fantasy-Dilogie »Spell to Hell«:   -- Band 1: Hexenherz  -- Band 2: Dämonenkuss  Diese Reihe ist abgeschlossen.// 

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Veröffentlichungsjahr: 2026

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COVE Story

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COVE Story ist ein Imprint des Carlsen Verlags und publiziert romantische und fantastische E-Books und Prints. Wenn du süchtig machende Romance- und Romantasyromane deutschsprachiger Autor*innen suchst, ob von Newcomer*innen oder Vielschreiber*innen, wirst du hier garantiert fündig. Jede COVE Story lässt dich durch die Seiten fliegen und ist auf ihre eigene Art und Weise einzigartig.

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Solvig Schneeberg

Spell to Hell. Dämonenkuss

**Die Hölle hat ihre eigenen Regeln**

Ophelia wird gezwungen, einen Dämon in die Hölle zu begleiten. Denn ausgerechnet sie – eine Dämonenhexe – ist die Einzige, die die Unterwelt retten kann. Und dafür muss Dämon Malakai sie beschützen. Er hasst sie, misstraut ihr, und doch darf und kann er sich nicht von ihr fernhalten. Zwischen zartem Vertrauen und hartem Verrat entbrennt ein gefährliches Spiel. Eines, das nicht nur sie beide zu vernichten droht, sondern auch ihre Welten zum Einsturz bringen könnte. Denn ihre Magie ist nicht dafür geschaffen, verbunden zu werden …

Wohin soll es gehen?

Buch lesen

Vita

© Foto Studio Carl

Solvig Schneeberg studierte Literaturwissenschaften in ihrer Heimatstadt Erfurt, bevor sie beschloss, sich einzig dem Schreiben zu widmen. Bereits in jungen Jahren entdeckte sie die Liebe zum geschriebenen Wort und fing bald an, ihre eigenen Geschichten aufzuschreiben und zu veröffentlichen. Sie ist eine verträumte Romantikerin, weshalb es nicht verwunderlich ist, dass ihr ganzer Fokus auf Fantasy- und Liebesromanen liegt. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten, einem Hund und den Katzen lebt sie am Waldrand von Weimar.

Für Steffen, die Liebe meines Lebens.Du bist der Mensch, der ganz ohne Magie Teil meiner Seele ist.

1.KapitelMalakai

»Da wird sie garantiert nicht mitmachen.« Ashley schüttelt den Kopf und verschränkt die Arme vor der Brust. Die rothaarige Hexe sitzt im Schneidersitz auf dem Sofa in Maddox’ Arbeitszimmer. Ich habe keine Ahnung, wie sie es schafft, dabei elegant zu wirken, obwohl sie ein langes ärmelloses Kleid trägt. In ihrem Schoß liegt ein aufgeschlagenes Buch, darauf ein Notizblock, auf dem sie mit unsauberer Handschrift die Buchstaben und Runenzeichen unserer Sprache übt. Offensichtlich habe ich sie in einer Unterrichtsstunde gestört. Ich hatte angenommen, dass sie von Maddox’ Widderdämon Malek darin gelehrt wird. Der König von Sobresh hat dringendere Angelegenheiten zu erledigen. Wie zum Beispiel die Diskussion um die Dämonenhexe Ophelia. Aber wenn er sie persönlich unterrichtet, erklärt es, warum ich in das private Zimmer des Königs gerufen wurde.

Im Gegensatz zu dem offiziellen Arbeitszimmer ist dieser Raum hier kleiner und gemütlicher. Keine dunklen Farben, keine unnötige Zurschaustellung von Macht und Dominanz. Die schweren Vorhänge vor dem Fenster sind nicht dunkelrot oder schwarz wie im restlichen Palast, sondern cremefarben – beige und eierschalenweiß – oder wie auch immer Menschen diese Farbtöne nennen. Neben dem Sofa gibt es zwei bequeme Sessel. Hohe Bücherregale rahmen den Kamin ein und ein Feuer verströmt angenehme Wärme. Die Tür, die zu den anderen Privatgemächern führt, steht offen.

Nichts deutet darauf hin, dass der König von Sobresh hier wichtige Entscheidungen trifft. Aber ich weiß, dass er lieber in der Nähe von Ashley arbeitet.

Maddox lehnt sich in seinem Stuhl zurück. Sein Blick auf Ashley ist voller Zuneigung.

»Wenn es um dich geht, wird sie sicherlich zustimmen«, sagt er sanft, wirkt aber nachdenklich. Er könnte seine Meinung ändern, wenn sie ihn darum bittet. Beinahe hätte er wegen ihr sogar auf den Thron verzichtet, dabei hatte sie das nicht einmal von ihm verlangt. Er hatte es von sich aus angeboten, wenn sie dafür bei ihm blieb.

Es ärgert mich, welchen Einfluss sie auf ihn hat, aber heute käme es mir ganz gelegen, wenn Maddox auf sie hört.

»Es wird nicht leicht, sie zu überzeugen«, widerspricht sie.

»Das lass mal meine Sorge sein«, erwidere ich selbstsicher. Die zukünftige Königin von Sobresh scheint vergessen zu haben, mit wem sie redet. Es mag mir nicht passen, was der König von mir fordert, aber ich habe keinen Zweifel an meinen Fähigkeiten. Ich kann und ich werde Ophelia überzeugen, wenn es sein muss.

»Kai«, knurrt Maddox warnend. Sein Beschützerinstinkt ist vollkommen unangebracht und seine Sicherungen brennen oft durch, wenn es um Ashley geht.

»Was denn?«

»Dein Ton«, verdeutlicht er.

Er übertreibt, doch jetzt ist nicht der richtige Moment, ihn darauf hinzuweisen. Nicht, wenn ich ihn von seinem Plan abbringen will. Dafür brauche ich allerdings Ashleys Hilfe. Sie will diese Person auch nicht in ihrer Nähe haben. Aus anderen Gründen, schließlich ist sie um Ophelias Sicherheit hier in der Unterwelt besorgt, aber das Resultat wäre das gleiche.

Meine Aufgabe ist es, für Maddox’ Sicherheit zu sorgen, und die Anwesenheit der Dämonenhexe wäre eine Bedrohung, auf die ich gut verzichten kann.

»Ich halte es für zu gefährlich, wenn Ophelia zurück in die Unterwelt kommt.«

Da stimme ich ihr zu.

»Sie wurde gejagt und fast getötet, bevor wir sie in der Pension in Sicherheit gebracht haben.« Wieder schüttelt sie den Kopf. »Die Menschenwelt ist derzeit der sicherste Ort für sie.«

Da stimme ich ihr nicht zu.

»Die Menschenwelt ist der sicherste Ort, an dem sie sein kann, damit sie hier keinen Schaden anrichtet«, halte ich entgegen.

»Ophelia ist keine Bedrohung!« Ashley springt auf und in ihren blauen Augen funkelt blanke Wut. Ihre langen roten Haare werden von einem starken, magischen Wind durcheinandergebracht, der das Feuer im Kamin auflodern lässt, bevor es schließlich erlischt.

Maddox erhebt sich und stellt sich neben sie. Er wirkt vollkommen unbeeindruckt. Ich verstehe nicht, wie er so ruhig bleiben kann. Diese Hexe hat ungeheure Kräfte und kann sie nicht kontrollieren. Durch den Bund mit Maddox hat sie auch Zugriff auf seine Magie und könnte uns in einem unbedachten Moment alle vernichten. Oder zumindest großen Schaden anrichten.

Für mich spielt es keine Rolle, ob sie es beabsichtigt oder nicht. Aber genau das ist der Grund, warum wir überhaupt in Maddox’ Arbeitszimmer im Schwarzen Palast unserer Heimatstadt Dis stehen und darüber streiten, ob wir eine verdammte Dämonenhexe in das Herz des Königreichs holen, damit sie Ashley beibringt, ihre Magie zu kontrollieren.

»Amatea«, sagt Maddox leise und legt eine Hand auf ihre Schulter. Sie spannt sich an und schließt die Augen. Es dauert ein paar Sekunden, dann verschwindet der Sturm so plötzlich, wie er gekommen ist.

Ashley atmet tief durch und setzt sich wieder auf das Sofa. Sie zieht die Knie an und richtet den Stoff ihres Kleides. Maddox krempelt die Ärmel seines schwarzen Hemds hoch und setzt sich neben sie. Er legt einen Arm um ihre Schultern und zieht sie an sich. Sie verschränkt ihre Finger mit seinen.

Diese Zurschaustellung von Zuneigung und zu hören, wie er sie Geliebte in unserer Sprache nennt, ist mir zuwider. Vielleicht auch, weil ich derartige Gefühle nicht kenne. Aber muss der König der Unterwelt so deutlich zeigen, was ihm seine menschliche Partnerin bedeutet? Auch wenn ich im Moment der Einzige bin, der das regelmäßig sieht, weil er mir vertraut und sich in meiner Gegenwart nicht verstellen muss. Trotzdem ist es nervig.

»Zweifelst du immer noch daran, dass es notwendig ist, Ophelia um Hilfe zu bitten?«

Dieser kleine Sturm ist nichts im Vergleich zu dem Chaos, das Ashley schon öfter angerichtet hat, weil ihre Magie unkontrolliert auf ihre Gefühle reagiert. Soweit ich weiß, gab es schon die oder andere Änderung der Wandfarbe im Schlafzimmer des Paares. Ein paar Büsche im Palastgarten sind verbrannt sowie ein paar Vorhänge und die gruseligen Gemälde in der Halle vor dem Thronsaal. Allerdings glaube ich, dass Letzteres Absicht war. Wenn es nach mir ginge, wären diese Bilder auch entsorgt worden.

»Ich zweifle daran, dass es ausgerechnet diese Hexe sein muss. Darf ich dich daran erinnern, dass sie der Lehrling von Cordelia, diesem Miststück, war, die versucht hat euch umzubringen?«

»Nein, darfst du nicht«, entgegnet Ashley und wirft mir einen kalten Blick zu. In diesem Moment wirkt sie wie die Königin, die Maddox an seiner Seite braucht. Aber sie weigert sich noch immer diese Rolle offiziell anzunehmen. Wer weiß, ob sie sich jemals zur Königin krönen lassen wird.

Diese Unentschlossenheit ist ein weiteres Sicherheitsrisiko für Maddox. Das Volk braucht nach dem Machtwechsel Stabilität und klare Linien und keine wankelmütige Menschenfrau an der Seite des Königs.

Maddox seufzt und fährt sich durch die schulterlangen schwarzen Haare. Er hat das heute bestimmt nicht zum ersten Mal getan. Sein Zopf hat sich schon fast komplett gelöst. Diese Unachtsamkeit gäbe es bei mir nie.

»Man kann ihr nicht vertrauen«, wende ich mich an ihn und appelliere an seine Vernunft. »Sie war zu lange unter Cordelias Kontrolle.«

»Ophelia hat uns geholfen zu entkommen.«

»Mh. Sie hat auch Ashley dabei geholfen, dich zu verlassen.« Ich lehne mich gegen den Kamin. Unerwartet schießen Flammen aus der kalten Asche hervor und ich springe hektisch zur Seite, bevor ich mich verbrenne. Natürlich ist das Ashleys Werk.

»Du gehst mir wirklich auf die Nerven«, murmelt sie und klingt dabei so trotzig wie ein kleines Kind.

Das beruht auf Gegenseitigkeit. Aber das sage ich nicht laut. Maddox würde mir dafür den Kopf abreißen. Langsam und schmerzhaft. Und mir währenddessen die Eingeweide rausreißen und zum Frühstück servieren.

»So kommen wir nicht weiter.« Kopfschüttelnd steht Maddox auf und setzt sich wieder hinter den großen Schreibtisch. Er lehnt mit den Ellenbogen auf der Holzplatte und legt die Fingerspitzen aneinander.

Als er mich direkt ansieht, schießt beißende Kälte durch meine Adern. Diese Wirkung hat er auf die Dämonen in seinem Umfeld, wenn er seine royale Autorität geltend macht. Es ist eine Magie, die mit seiner Blutlinie einhergeht und seine Untergebenen zum Gehorsam zwingt. Manchmal tut er es unbewusst, doch in diesem Moment ist es Absicht.

»Du wirst Ophelia herholen.«

Sein Ton lässt keinerlei Spielraum für Fragen oder Verhandlungen. Es ist ein direkter Befehl meines Königs.

»Du hast Zeit bis morgen früh.«

Ich sehe aus dem Fenster hinter ihm. Die Sonne geht bereits unter.

»Muss sie –«

»Unversehrt«, unterbricht mich Ashley.

Verdammt. Ich hatte gerade fragen wollen, wie viel Zwang ich anwenden darf, um Ophelia herzubringen. Dafür, dass Ashley mich erst seit ein paar Wochen kennt, hat sie mich schnell durchschaut. Noch etwas, was mich an ihr nervt.

»Wenn’s sein muss.« Ich verbeuge mich vor beiden und verlasse das Arbeitszimmer. Erleichtert atme ich tief durch, sobald die Tür hinter mir ins Schloss gefallen ist.

Seit Maddox den Thron bestiegen hat, bin ich in seiner Nähe ständig angespannt. Er ist seit über zweihundert Jahren mein bester Freund und ich habe mich in seiner Gegenwart nie befangen gefühlt, das hat sich jetzt geändert. Es reicht ein falsches Wort, ein falscher Blick und er könnte mich hinrichten lassen. Keine berauschende Aussicht. Die Dynamik zwischen uns hat sich verändert und das gefällt mir nicht.

Trotzdem oder genau deswegen befolge ich seine Befehle. Egal wie sehr mir seine Entscheidungen missfallen. Er legt keinen Wert mehr auf meinen Rat oder meine Meinung. Wenn es so wäre, würde ich mich jetzt nicht auf den Weg machen, diese Dämonenhexe zu holen. Dann hätte er meine Sicherheitsbedenken geteilt. Aber nein. Maddox ist es wichtiger, was Ashley will.

Zum Kotzen.

Ich verlasse den Gang, in dem Maddox’ und Ashleys private Zimmer liegen, und werde direkt von zwei Schattenläuferwachen mit einem Nicken begrüßt, als ich an ihnen vorbeigehe. Sie tragen die gleichen Uniformen aus schwarzem Leder wie ich, enggeschnitten und dazu – jetzt, da wir uns dem Ende des Jahres näheren und der Flammenfluss für die nächsten drei Monate abkühlt – langärmlige Hemden. Auf ihrer rechten Brust ist ein goldenes Emblem eingestickt, das sie als königliche Leibwachen ausweist. Es ist eine vereinfachte Darstellung des königlichen Symbols: drei gehörnte Schlangen, die sich umeinander winden. Die beiden Äußeren blicken zur Seite und speien Feuer, während die dritte Schlange in der Mitte sitzt und den Betrachter direkt anstarrt. Je nach Dienstrang und Posten variiert das Symbol in seiner Ausführung und Farbe: von simpel und rot für die normalen Palastwachen, über die verzierten Symbole für die Leibwachen, bis hin zu dem reich verzierten goldenen Orden, den ich an meiner Brust trage. Die Augen der Schlangen sind mit seltenen Edelsteinen besetzt. Dieser Orden weist mich als rechte Hand des Königs aus. Natürlich hat er seinen besten Freund zu seinem Ersten Berater ernannt, das habe ich gar nicht anders erwartet. Deshalb obliegt mir auch die Befehlsgewalt über die Legionen unseres Reiches und die Sicherheit des Königs. Und die seiner Partnerin.

Ashley mag es nicht, dass der Flügel so streng bewacht wird und sie nirgends ohne Wachen hingehen kann, aber ich habe nicht nachgegeben. Maddox’ Herrschaft ist zu frisch und das Volk weiß, dass Ashley seine Schwachstelle ist. Deshalb gehe ich kein Risiko ein, egal wie sehr sie deswegen verärgert ist. Denn in diesem Punkt sind Maddox und ich uns einig: Die Sicherheitsmaßnahmen bleiben bestehen. Und vielleicht genieße ich es auch ein wenig, sie zu provozieren.

Während ich durch den Palast gehe, fällt mir erneut die veränderte Stimmung auf. Seit Maddox den Thron bestiegen hat, ist es ruhiger geworden. Die Angestellten laufen nicht mehr hektisch und panisch durch die Hallen, als hätten sie Angst um ihr Leben. Dafür scheinen die Wachen umso mehr unter Druck zu stehen. Ich habe die meisten von ihnen durch Schattenläufer ersetzt, weil ich meiner eigenen Rasse mehr vertraue. Baels Palastwachen waren ein bunter Mix aus verschiedenen Dämonenrassen, die sich untereinander schon kaum vertragen, geschweige denn diszipliniert gearbeitet haben. Es grenzt an ein Wunder, dass der alte König und seine Familie nicht öfter angegriffen oder gar getötet worden sind. Ich habe oft genug versucht als Heerführer Struktur in die Legionen zu bringen und dabei früh festgestellt, dass Schattenwandler als Einzige über die nötige Disziplin verfügen, die ich von meinen Soldaten erwarte. Deshalb habe ich sie für die wichtigsten Posten im Palast eingeteilt. Für Auseinandersetzungen, in denen sich Brutalität und Skrupellosigkeit bewährt haben, entsende ich daher die anderen Dämonen der Legionen. Vielleicht war das ein Fehler, sinniere ich auf dem Weg zum streng gesicherten Portalraum im Ostflügel des Palasts. Es könnte doch sein, dass sich die entlassenen Wachen benachteiligt fühlen, obwohl ich sie alle woanders eingesetzt habe und dass deshalb diese merkwürdige Atmosphäre herrscht. Vielleicht denke ich aber auch nur zu viel darüber nach und sorge mich völlig ohne Grund. Aber ich kann diese Grübelei nicht abstellen. Ich mache mir lieber zu viele Gedanken und bin vorbereitet als zu wenig.

Die Balance zwischen den Traditionen und Regeln der alten Herrschaft und Maddox’ neuer Regentschaft zu halten, ist eine schwierige Aufgabe. Es ist nicht nötig, zusätzliche Komplikationen zu schaffen.

Und trotzdem lautet mein Befehl, genau das zu tun.

Seufzend betrachte ich Ophelias Foto, das mir Maddox gegeben hat. Ashley hat es mit ihrem Handy gemacht.

Als wüsste ich nicht, wie die Dämonenhexe aussieht. Jeder in Dis weiß das. Es ist schließlich immer gut zu wissen, wer die eigenen Feinde sind. Entweder um ihnen aus dem Weg zu gehen oder sie zu töten.

Außerdem war ich an ihrer Seite, weil wir Maddox und Ashley aus Cordelias Falle befreien wollten. Was sie dann schon ohne unsere Hilfe geschafft hatten. Hat mich um einen aufregenden Kampf gebracht, dabei hatte ich mich schon darauf gefreut.

Auf dem Bild sitzt Ophelia auf einer langen Holzbank in der Küche, die zu Ashleys Pension gehört. Sie trägt eine hellblaue Jeans und ein enges schwarzes Top. Ganz anders als die Kleider, die in der Unterwelt typisch sind. Ihre langen blonden Haare fallen ihr in großen Wellen über die Schultern. Sie lächelt, aber es wirkt gezwungen. In ihren dunklen Augen steht eine Traurigkeit, die mich fast Mitleid mit ihr haben lässt.

Auf dem Tisch hinter ihr hockt eine grau-getigerte Katze und hält die Pfote in ein Glas Wasser, vermutlich um etwas zu trinken oder um einfach damit zu spielen.

Eigentlich ist Ophelia sogar ganz ansehnlich. Mehr als das. Wenn sie nicht eine Dämonenhexe wäre, könnte ich mir vorstellen für ein paar Nächte das Bett mit ihr zu teilen.

Besser ich bringe den Auftrag so schnell wie möglich hinter mich, damit ich mir eine angemessenere Bettgefährtin suchen kann. Das letzte Mal, dass ich mit einer Frau zusammen gewesen bin, ist schon fast vierundzwanzig Stunden her!

Ich bin erleichtert, dass der Palast ein eigenes Portal hat und ich mich nicht damit befassen muss, wie ich in die Menschenwelt komme. Es würde sonst nämlich einen Deal mit einer Hexe bedeuten oder meine eigene Magie beanspruchen. Beides will ich um jeden Preis vermeiden.

Zwei Schattenläufer bewachen den Gang zum Portalraum, zwei weitere die Tür zum Raum selbst. Sie lassen mich ungehindert passieren. Einerseits ehrt mich dieses Vertrauen, andererseits sollten sie ausnahmslos jeden kontrollieren, der sich dem Portal nähert. Gestaltwandler sind in der Unterwelt keine Seltenheit. Wer gibt den Wachen also die Garantie, dass es wirklich ich bin, der Zugang fordert?

Dieses Problem muss ich später dringend beheben, jetzt bringt es mir allerdings einen zeitlichen Vorteil, deshalb lasse ich es ihnen durchgehen.

Eine der Wachen öffnet die schwere Holztür und lässt mich eintreten. Der Raum ist nicht groß, nur etwa drei mal drei Meter. An der hinteren Wand flankieren zwei schwarze Vorhänge die kahle Steinmauer und kennzeichnen das Portal. Ein paar Seelenlichter schweben unterhalb der Decke und flackern unruhig, als ich unter ihnen entlang gehe. Sie formen sich zu einem Ball und gleiten in die entgegengesetzte Richtung.

Ich weiß nicht, was ich falsch mache, aber in meiner Gegenwart verhalten sich die meisten dieser Dinger unberechenbar. Mir kann es egal sein, schließlich kann ich in der Dunkelheit genauso gut sehen wie bei Tageslicht.

Die Magie des Portals vibriert in meinen Adern, als ich näherkomme. Mit einer schnellen Bewegung schneide ich mir in die Handfläche, nur ein winziger Schnitt, das reicht, und tropfe das Blut an die Steine vor mir. Diese Blutverschwendung missfällt mir. Zumindest, wenn es um mein eigenes Blut geht. Beim Blut meiner Feinde kenne ich kein Erbarmen. Aber leider ist das die einzige Möglichkeit, Portale zu aktivieren.

Die Steine schimmern unauffällig, kaum sichtbar. Die Verletzung ist verheilt, noch bevor ich durch das Portal schreite.

2.KapitelOphelia

Ich höre, wie Glas zerbricht, und wenige Sekunden später flitzt ein kleiner dunkler Schatten die Treppe hoch und bringt mich auf den Stufen zum Stolpern. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig, mich am Geländer festzuhalten, bevor ich stürze.

»Benjamin Hiddleston der Dritte!« Linas wütende Stimme dringt aus der Küche.

Aha, daher weht der Wind. Der Kater hat irgendetwas angestellt und ist deshalb auf der Flucht. Wäre nur nett gewesen, wenn er dabei nicht versucht hätte mich umzubringen.

»Was hast du nun wieder kaputt gemacht?« Ich drehe mich um und sehe, wie der grau-getigerte Kater in meinem Zimmer verschwindet. »Wieso müssen Katzen nur ständig etwas runterschmeißen?«

»Ich war das gar nicht!« Ben lugt vorsichtig hinter der Tür hervor. Das Fell in seinem Nacken ist aufgestellt und sein Schwanz hat das doppelte Volumen. Er hat sich definitiv selbst erschreckt.

»Wo steckst du? Komm sofort her!« Selina betritt den Flur und sieht sich suchend um.

»So wirst du ihn nie hervorlocken«, sage ich ruhig und gehe zu ihr runter. »Was ist passiert? Bist du verletzt?« Ich deute auf das Taschentuch, das sie um ihren rechten Daumen gewickelt hat.

Die menschliche Hexe ist tollpatschig. Man sollte meinen, mit ihren fast fünfzig Jahren wäre sie etwas geschickter, besonnener. Aber ich habe das Gefühl, sie ist wie ein unerfahrenes Kind. Ständig verletzt sie sich, stolpert oder stößt sich an den Möbeln. Wenn ich mir nicht gerade Gedanken darüber mache, was Ben wieder ausheckt, sorge ich mich um Selina. Dabei ist ihre Anwesenheit in der Pension überhaupt nicht notwendig. Ich komme sehr gut allein klar. Eigentlich ist es mir sogar lieber, wenn sie nicht hier ist. Die letzten Wochen habe ich ohne die Gegenwart anderer verbracht und mich daran gewöhnt. Aber Ashley hat sie gebeten nach mir zu sehen, wenn sie selbst nicht hier ist. Es ist undankbar, Selina abzuweisen.

Also ertrage ich ihre Gesellschaft und versuche sie so gut es geht, vor Gefahren zu schützen. Meistens reicht es, wenn ich sie von der Küche fernhalte.

»Das ist nicht so schlimm. Ich wollte nur schon die Kartoffeln für das Abendessen schälen.« Sie winkt ab. »Dann hat mich Ben abgelenkt und ich habe mich geschnitten. Deshalb ist er abgehauen und hat dabei eine von Ashleys Vasen vom Tisch gestoßen.«

»Bitte sag mir, dass es nicht eine von –« Ich verstumme, als wir gemeinsam die Küche betreten. Auf dem Holzboden liegen große Glasscherben, die im Licht der untergehenden Sonne blau leuchten. Ein deutliches Zeichen der Magie, mit der die Vase geschmiedet wurde. »Es ist eine von Maddox«, beende ich leise. »Er wird ausrasten.«

Wenn es um Ashley geht, kennt der Schattenläuferkönig keine Gnade. Auch nicht, wenn es sich um so etwas Harmloses wie eine zerbrochene Vase handelt.

»Vielleicht können wir es ja verheimlichen?«, schlägt Selina leise vor und streicht sich eine Strähne ihres dunklen Haares hinter das Ohr. »Er wird Ben sonst den Hals umdrehen.«

»Er hätte es verdient.« Ich fege die Scherben zusammen und entsorge die Beweise für Bens Tat. »Aber er würde mir fehlen. Also sollten wir es wirklich lieber verheimlichen. Und jetzt lass mich deinen Finger sehen.«

Selina reicht mir ihre Hand und ich wickle das Taschentuch ab. Der Schnitt an ihrem Daumen ist nicht tief, aber lang. Wie hat sie das überhaupt geschafft?

»Wir haben einen Sparschäler. Wieso hast du den nicht benutzt?«

Sie pustet sich eine Haarsträhne aus der Stirn. »Ich komm mit dem Ding nicht klar.«

»Wie kann man damit nicht klarkommen? So schwer ist das doch nicht.« Ich verarzte ihren Daumen und hole anschließend den Sparschäler mit dem grünen Plastikgriff aus einer Schublade. »Das ist immerhin keine Seelenmagie. Die ist kompliziert«, verdeutliche ich.

»Ich weiß einfach nie, wo oben und unten ist und wie ich die Kartoffel halten soll. Siehst du?« Sie zeigt mir eine Narbe auf ihrem linken Handballen. »Ich habe mich schon mehrmals damit geschnitten.«

Seufzend wische ich die Bluttopfen von der Arbeitsfläche und spüle das kleine Messer ab.

»Du kriegst von mir nie wieder ein Messer in die Hand.«

»Das ist unfair! Beim Schneiden von Gemüse ist mir noch nie etwas passiert«, sagt sie trotzig. »Oder Kräuter. Oder Obst oder –«

Ich bin mir sicher, dass sie diese Liste ewig weitergeführt hätte, wenn nicht in diesem Moment ein ungebetener Gast die Küche betreten hätte. Plötzlich wäre mir Selinas Liste doch viel willkommener. Allein seine Gegenwart verursacht mir eine Gänsehaut. Sein jugendliches Aussehen steht im Kontrast zu seiner eisigen Ausstrahlung. Er hasst mich, daran besteht kein Zweifel. Und wenn er jetzt hier ist, bedeutet das, er will mich umbringen.

War Ashleys Hilfsangebot am Ende nur eine Falle? Wollte sie, dass ich mich hier sicher fühle, nachlässig werde, sodass es dem König leichter fällt, mich zu beseitigen?

Unauffällig taste ich nach dem kleinen Messer hinter mir. Es ist nicht viel, eigentlich gar nichts. Gegen Malakai habe ich damit nicht die geringste Chance. Also lasse ich es liegen.

Malakai starrt mich kalt an. Er trägt die typische Soldatenuniform aus schwarzem enganliegendem Leder, die seinen muskulösen Körperbau betont. An einem Oberschenkelhalfter trägt er mehrere Dolche. Auf seinem Rücken sind zwei Schwerter über Kreuz befestigt. Er wirkt, als wolle er in einen Kampf ziehen. Einzig die langen weißblonden Haare passen nicht zu dem Erscheinungsbild eines Elitesoldaten. Er überragt mich fast um einen Kopf, obwohl ich mit etwas über einen Meter siebzig nicht gerade klein bin.

Als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, sind wir zusammen in den Kampf gezogen und ich habe seinen auf Kampf trainierten Körper und die Mordlust in seinem Blick zu schätzen gewusst. Jetzt, da dieser Aufzug mir gilt, steigt Panik in mir auf.

»Selina, lässt du uns bitte allein?«

»Was? Nein!« Sie schaut abwechselnd zu mir und Malakai. Sie weiß nicht, wer er ist, aber sie spürt, dass Gefahr von ihm ausgeht. Ob ihr klar ist, wie groß sie tatsächlich ist?

»Geh hoch zu Ben. Jetzt«, fordere ich mit Nachdruck. Ich kann es nicht gebrauchen, dass sie versucht mir zu helfen. Wahrscheinlich würde sie sich dabei nur selbst verletzen. Oder mich.

Endlich setzt sie sich in Bewegung. Vorsichtig schiebt sie sich an Malakai vorbei, der im Türrahmen steht und gar nicht daran denkt, ihr Platz zu machen.

Ich warte, bis ihre Schritte auf der Treppe verklungen sind.

»Können wir das nach draußen verlegen? Ich möchte nicht, dass der Boden voller Blut ist.«

Als Schattenläufer könnte er mich ohne Blutvergießen töten, aber ich kenne seinen Ruf. Malakai braucht die Gewalt. Er lebt davon. Sie ist Teil seiner Existenz.

»Wieso interessiert dich das?«

Er streitet nicht ab, dass er hier ist, um mich zu töten. Das habe ich auch nicht erwartet. Für seine grausame Ehrlichkeit ist er genauso bekannt, wie für seine Brutalität.

»Blut geht so schlecht aus Holz raus. Und das mindert den Wiederverkaufswert. Ganz zu schweigen davon, dass Ashley weniger für die Zimmer verlangen kann, wenn Blutflecken den Boden und die Wände besudeln.«

»Du glaubst also, dass Ashley und Maddox mich geschickt haben, um dich zu erledigen und trotzdem machst du dir Gedanken wegen der Einrichtung?« Er schnaubt. »Du bist wirklich erbärmlich.«

»Da wir das geklärt haben, können wir dann bitte in den Garten gehen? Ich wehre mich auch nicht. Du hast mein Wort.«

»Ich gebe einen Scheiß auf dein Wort.« Er kommt langsam näher, drängt mich gegen die Arbeitsfläche.

»Das ist mir klar.« Ich schlucke schwer. Malakai ist mir zu nah. Sein rauchiger Duft umhüllt mich. Kein Parfum der Menschen- oder Unterwelt kann diesen Geruch nachahmen. Er gehört zu den Schattenläufern, umgibt sie wie eine Wolke. Besonders in Momenten der Erregung und dass Malakai erregt ist, lässt sich nicht leugnen. Er giert auf einen Kampf, auf Gewalt. Auf meinen Tod.

»Du wirst mitkommen.«

Etwas an seiner Stimme irritiert mich. »In den Garten?«, frage ich vorsichtig nach.

Malakai grinst breit und das ängstigt mich fast noch mehr als mein bevorstehender Tod. »In den Palast.«

»Was –« Ich stocke. »Was soll ich da?«

Will Maddox etwa ein Exempel an mir statuieren und mich öffentlich hinrichten lassen? Als Warnung an die wenigen verbliebenen Dämonenhexen in der Unterwelt? Rache für die Taten meiner Lehrmeisterin Cordelia, die er nicht selbst bestrafen konnte? Es gäbe viele Gründe, eine Dämonenhexe zu eliminieren, aber bei Maddox spielen definitiv eine Menge private Belange mit rein.

Das ist einfach zu grausam!

Ich bin bereit zu sterben. Eigentlich nicht, aber ich akzeptiere mein Schicksal, wenn es so sein sollte. Ich könnte nirgendwo hin. Die letzten Wochen war ich ständig auf der Flucht und da ich nicht in die tiefsten Abgründe der Unterwelt abtauchen wollte, habe ich Ashleys Angebot angenommen, in ihre Pension zu ziehen. Sie war die Einzige, mit der ich in unregelmäßigem Kontakt stand, durch Briefe, die wir einander durch kleine Portale zukommen ließen.

Wenn die Menschenwelt jetzt nicht länger meine Zuflucht sein kann, werde ich nicht weitersuchen. Ich bin müde.

Aber eine Exekution? Wochen oder Monate im dunklen Kerker auf meinen Tod warten? Vielleicht sogar Jahre? Das wäre eine Qual, die ich als noch schlimmer als meine Flucht empfinde.

»Was glaubst du wohl?«

»Ich werde mich nicht freiwillig in die Gefangenschaft begeben. Wenn du mich umbringen willst, wenn Maddox mich tot sehen will, dann wirst du es hier und jetzt machen müssen. Erwarte nicht, dass ich widerstandslos mitkomme.«

»Ich dachte, ich habe dein Wort?«

»Und du sagtest, du scheißt darauf«, erinnere ich ihn und weise ihn nicht darauf hin, dass es bei meiner Zusage um den Gang in den Garten ging.

»Deswegen traue ich euch nicht.«

»Frauen oder Hexen?« Ich hoffe, dass er sich weit genug provozieren lässt, mich doch hier zu töten. Er würde mächtig Ärger mit Maddox bekommen, aber die beiden kennen sich seit Ewigkeiten. Ich bin mir sicher, der König würde ihm verzeihen. Denn am Ende zählt nur das Ergebnis: Dass ich tot bin.

»Glaubst du wirklich, ich falle darauf rein? Glaubst du, mein Hass auf dich ist größer als meine Loyalität?«

»Ist er es?«, frage ich leise, hoffnungsvoll.

Malakais Grinsen bröckelt und er geht einen Schritt zurück. »Bete, dass du es nie herausfindest.«

Ich atme tief durch. Eine gefühlte Ewigkeit stehen wir einander gegenüber und starren uns an. Seine eisblauen Augen werden heller, je länger die Stille andauert.

»Ich bin nicht hier, um dich zu töten.«

»Nein, du sollst mich in den Palast bringen, damit Maddox ein Spektakel aus meinem Tod machen kann.«

»So schätzt du ihn also ein?«

»Jedenfalls würde ich es so machen«, sage ich schulterzuckend.

»Das glaube ich dir sogar. Und wenn’s nach mir ginge, würde das auch so laufen.« Er schüttelt den Kopf. »Aber Maddox ist nicht so. Ashley«, betont er, »ist nicht so.«

Seine Worte ergeben keinen Sinn. »Wieso soll ich dann mitkommen?«

»Weil sie deine Hilfe wollen.«

Das ergibt noch weniger Sinn.

»Meine Hilfe? Wo– Ashley kann ihre Magie immer noch nicht kontrollieren«, schließe ich. Das ist die einzige logische Erklärung. In ihren Briefen hat sie das angedeutet. »Und ich soll sie unterrichten.«

»War nicht meine Idee.«

Daran besteht kein Zweifel. Seine gesamte Haltung drückt Ablehnung aus, aber offenbar ist seine Loyalität Maddox gegenüber doch stärker. Im Moment jedenfalls.

»Wenn ich mit dir zurückkomme, wer garantiert dann für meine Sicherheit?«

»Deine Sicherheit?« Er lacht gehässig. »Deine Sicherheit geht mir am Arsch vorbei. Sie steht nur auf dem Spiel, wenn du dich nicht an meine Regeln hältst.«

»Deine Regeln? Oder die von Ashley und Maddox? Vergiss es«, sage ich schnell und winke ab. Damit kann ich mich später noch befassen. »Ich will nur wissen, ob man versuchen wird mich umzubringen oder ob ich im Palast sicher bin.«

»Du bist nirgends sicher, Ophelia. Merk dir das. Und am allerwenigstens in meiner Gegenwart.«

»Dann werde ich mich einfach von dir fernhalten.«

Im Bruchteil einer Sekunde steht er wieder direkt vor mir. Seine Nasenspitze berührt meine. »Das wird dir nicht gelingen. Ich werde dich jeden Moment beobachten, an deiner Seite kleben und dafür sorgen, dass du meine Befehle befolgst.«

»Gilt das ab sofort oder erst, wenn wir im Palast sind?«

»Was?«

Ich lege meine Hände auf seine Brust und schiebe ihn zurück. Er ist so überrascht, dass er es zulässt und ein paar Schritte zurückgeht. »Ich würde gern meine Sachen packen und dabei brauche ich dich nicht.«

»Gewöhn dich lieber sofort dran.« Er bedeutet mir vorauszugehen und folgt mir tatsächlich nach oben in mein Zimmer.

Selina sitzt auf einem kleinen Sofa vor dem Fenster und streichelt den Kater. Wenigstens haben sie sich wieder versöhnt. Das heißt, ich muss mir um sie keine Sorgen machen, wenn ich jetzt gehe.

Ich beginne meine wenigen Sachen aus dem Schrank zusammenzusuchen.

»Was wird denn das? Wieso packst du?« Ben kommt mir entgegen und reibt seinen Kopf an meiner Hand. »Und was will der hier?« Er sieht Malakai skeptisch an.

»Ich werde ihn begleiten und eine Weile in die Unterwelt zurückgehen.«

»Wieso?« Selina setzt sich kerzengerade hin.

»Kann ich mitkommen?« Ben setzt sich auf den niedrigen Stapel meiner T-Shirts. Als würde er deutlich machen wollen, dass ich ohne ihn nichts davon einpacke.

»Nein, du bleibst besser hier.«

»Mit mir kann man’s ja machen«, grummelt er und hüpft beleidigt vom Bett. Er geht zurück zu Selina, die ihn tröstend auf den Arm nimmt.

»Kannst du uns mal ein paar Minuten allein lassen?«, fragt Selina und sieht Malakai herausfordernd an. Ihre anfängliche Angst scheint vergessen.

Mich stört es nicht, dass er hier ist. Zumindest nicht wegen des Eingriffs in meine Privatsphäre. Bei Cordelia habe ich so etwas auch nie besessen. Die kleine Kammer, die ich in ihrem Haus bewohnt habe, bot nicht viel Platz für eigenen Besitz und davon abgesehen hat mir Cordelia nie etwas gelassen. Nur ein paar Kleider und Schuhe. Deshalb fiel es mir auch nicht schwer zu fliehen. Ich bin mit leichtem Gepäck unterwegs gewesen. In der Menschenwelt habe ich ebenfalls keine Besitztümer angehäuft. Selina und Ashley haben mir geholfen ein paar Sachen zu kaufen und nur deshalb nehme ich sie mit.

»Privatsphäre ist gestrichen«, antwortet Malakai abweisend. Er lehnt mit verschränkten Armen im Türrahmen und beobachtet aufmerksam jede meiner Bewegungen. Als könnte ich irgendetwas gegen ihn ausrichten oder gefährliche Gegenstände in den Rucksack packen. Ich bin eine Dämonenhexe. Ich brauche keine Messer oder Waffen, um jemandem zu schaden oder ihn umzubringen. Aber das scheint ihm entfallen zu sein – oder es kümmert ihn nicht.

»Bevor ich es vergesse. Hier.« Ein breites Silberarmband landet auf dem Bett.

»Was ist das?«

Auch ohne es zu berühren, spüre ich die Magie, die davon ausgeht. Runen und Symbole sind in die Oberfläche eingraviert. Jedes Zeichen für sich könnte ich problemlos auflösen, aber zusammen sind sie für mich nicht überwindbar.

»Eine kleine Versicherung, dass du keinen Mist baust.«

Er verstaut ein Samtsäckchen in der Hosentasche, sicherlich hat er den Armreif nicht berühren wollen.

»Es bindet Magie«, mutmaße ich daher.

»Schlaues Mädchen.«

»Sei nicht so überheblich!« Selina steht auf. »Was glaubst du eigentlich, wer du bist?«

»Lass gut sein, Lina«, bitte ich und lege ihr beruhigend eine Hand auf die Schulter. »Es hat keinen Zweck mit ihm zu diskutieren und schon gar nicht über Manieren.«

»Ausgerechnet eine Dämonenhexe will mir etwas über Manieren erzählen?« Malakai lacht gehässig. »Mach dich doch nicht lächerlich.«

Ich weiß ja, dass Dämonenhexe keinen guten Ruf haben, aber er übertreibt maßlos. Unsere Abstammung macht uns gefährlich, nicht ein Mangel an Etikette. Reine Dämonen können nur wenig Magie bewirken und auch nur so weit, wie es ihre Rasse zulässt. Dämonenhexen sind deshalb so mächtig, weil sie sowohl dämonische Kräfte als auch Magie beherrschen. Darum werden wir gefürchtet und gehasst. Trotzdem sind wir keine Tiere und die meisten von uns besitzen ein Mindestmaß an Manieren.

»Jetzt leg endlich das Ding an.« Er zeigt auf den Armreif.

»Wenn ich das tue, kann ich kein Portal mehr beschwören.«

»Wir nehmen das im Wald, mit dem Maddox und Ashley damals nach Dis gekommen sind.«

Mist. Ich habe gehofft, dass er meine Hilfe dabei braucht, zurück in die Unterwelt zu kommen. Dass ich vielleicht mit Ashley reden könnte, bevor ich den Armreif umlege.

»Was denn? Hast du etwa Angst?«

Ja.

»Sagt der Typ, der den Armreif nicht einmal berühren wollte.«

»Fordere meine Geduld nicht heraus. Ich habe den Befehl, dich in den Palast zu bringen und das mit allen nötigen Mitteln. Solange du am Leben bleibst, schrecke ich auch vor Gewalt nicht zurück.«

Unwillkürlich zucke ich zusammen.

»Du siehst also, wir können das auf die sanfte Tour machen und du legst den Armreif freiwillig an oder auf meine Tour. Und du willst nicht herausfinden, was ich dann mache. Nur so viel: Du brauchst nicht beide Arme, um Ashley zu unterrichten.«

Ich weiche einen Schritt zurück und stoße mit den Kniekehlen gegen die Bettkante. Malakais Blick ist hart und unnachgiebig. Ich zweifle nicht an seinen Worten.

Ich taste nach dem Armreif und lasse ihn dabei keine Sekunde aus den Augen. Ein kalter Schauer überzieht meine Haut, sobald ich mit den Fingerspitzen das Silber berühre. Meine Instinkte warnen mich, doch ich habe keine andere Wahl.

Der Armreif ist etwas zu groß, aber er passt sich innerhalb weniger Augenblicke an mein Handgelenk an und umschließt es fest. Sofort ziehen sich kalte Fäden durch meinen Körper, wie Tentakeln, die auf der Suche nach meiner Magie sind und sie fesseln. Innerlich lehne ich mich instinktiv gegen diese Kraft auf, versuche die Fesseln zu sprengen, aber sie geben nicht nach. Seltsamerweise brennt das Silber auf meiner Haut, wo doch alles andere, was von ihm ausgeht, Kälte ist.

Malakai stöhnt genervt, als ich mich immer noch nicht bewege. »Hast du dann alles? Ich will hier nicht die Nacht verbringen.«

Ich habe auch kein Interesse daran, dass er länger als nötig in der Pension bleibt. Er jagt Selina und Ben Angst ein, auch wenn sie sich Mühe geben, es nicht zu zeigen. Ich will nicht, dass er seine Ungeduld an ihnen auslässt.

»Gleich«, sage ich etwas verspätet und gehe ins Bad, um die letzten Sachen zu holen. Natürlich folgt er mir auch hierher oder er versucht es zumindest. Der Raum ist klein, bietet gerade mal Platz für eine Dusche, Toilette und das Waschbecken. Für mich allein ist es vollkommen ausreichend, aber zu zweit wird es eng. Das hindert ihn trotzdem nicht daran, mir seine Nähe aufzudrängen.

»Was denn? Glaubst du, ich verstecke eine Mordwaffe in meinem Zahnputzbecher? Da muss ich dich enttäuschen.« Ich halte ihm meine rosafarbene Zahnbürste entgegen.

»Selbst damit könnte man enormen Schaden anrichten.« Er wirkt unbeeindruckt. Wahrscheinlich liegt es an dem Armband. Ich spüre seinen Einfluss auf mich in jeder Sekunde. Wie ein Stein im Schuh, der die ganze Zeit drückt und den ich nicht beseitigen kann. Nervig, unangenehm. Und je länger er sticht, desto schmerzhafter wird es.

Wenn er sich doch keine Sorgen macht, dass ich ihn angreife oder Waffen einpacke, wieso rückt er mir dann so auf die Pelle? Es liegt wohl kaum daran, dass er meine Nähe genießt.

»Du schindest Zeit«, wirft er mir vor.

»Und du stehst mir im Weg.«

Betont langsam tritt er einen Schritt beiseite, damit ich das Bad verlassen kann. Ich stopfe meine Waschtasche in den Rucksack und schließe ihn notdürftig. Er ist voller als bei meiner Ankunft in der Menschenwelt.

»Du kommst doch wieder, oder?« Ben sieht mich mit traurigen Augen an. »Nicht wie Ashley, die nur alle paar Wochen reinschneit und dann gleich wieder abhaut.«

»Das hatten wir doch schon.« Ich verdrehe die Augen. »Ashley gehört an Maddox’ Seite. Und sie ist so oft wie möglich hier.«

Eingeschnappt wendet er sich ab. »Ständig verlassen mich alle. Selbst Selina bleibt nie lange. Ich bin nicht gern allein.«

Seufzend knie ich mir vor das Bett. »Ich weiß nicht mal, ob Hexentiere eine Portalreise überstehen würden.«

»Das ist nur eine Ausrede.«

»Vielleicht. Aber es ist auch ein Stück weit die Wahrheit.« Ich stupse ihn mit dem Zeigefinger an. »Wie wäre es damit: Wenn ich in Dis bin, rede ich mit Ashley. Vielleicht finden wir einen Weg und dann holen wir dich nach.«

Langsam dreht er sich zu mir um. »Wirklich?«

»Ich kann dir nichts versprechen, Ben«, dämpfe ich seinen Enthusiasmus. »Stell dir vor, wir überstürzen etwas oder machen einen Fehler. Ashley wäre untröstlich, wenn dir etwas passiert.«

»Aber ich sterbe vor Langeweile, wenn ihr mich weiter allein lasst!«

Er sieht aus, als würde er anfangen zu weinen. Können Katzen überhaupt weinen? Ich will es nicht herausfinden.

»Habt ihr’s dann mal?« Malakai tritt hinter mich und greift nach meinem Rucksack. »Ich will los.«

»Du bist wirklich unsensibel!« Selina setzt sich neben Ben aufs Bett und streichelt ihn. »Na komm, Ben. Ich bleibe bei dir, bis wir etwas von Ashley oder Ophelia hören. Oder du kommst mit mir in die Stadt? Dann müsste ich nicht immer hier rausfahren und wir könnten mehr Zeit miteinander verbringen.«

»Dann müsstest du aber deinen Laden Benjamin-sicher machen«, sage ich grinsend zu Lina. »Er würde dort mehr Schaden anrichten als hier und du verdienst dein Geld damit.«

»Ich bin sicher, dass –«

»Hey!« Malakai geht dazwischen und reißt mich unsanft am Oberarm auf die Beine. »Genug jetzt!«

»Lass mich los.« Ich versuche, mich loszureißen, aber Malakai ist zu stark.

»Werdet ihr ohne Ophelia eine Lösung finden? Gut«, sagt er, bevor sie überhaupt antworten können. »Dann können wir ja jetzt gehen.« Unbarmherzig zieht er mich mit sich nach unten.

»Darf ich mich wenigstens verabschieden?«

»Nein.«

Ich blicke zurück zu Selina und Ben, die sich erst in Bewegung setzen, als Malakai bereits mit mir an der Haustür ist. Sie bleiben oben am Geländer stehen, als würden sie sich nicht trauen näher zu kommen. Absolut verständlich.

»Hey! Warte doch mal!« Selina beugt sich über die Brüstung.

»Du kannst sie doch nicht einfach mitnehmen!«, ruft Ben und quetscht seinen Kopf durch die Streben des Geländers.

»Seht ihr doch.«

»Macht euch um mich keine Sorgen.« Ich sehe zu ihnen zurück und zwinge mich zu einem Lächeln. »Mach Selina keinen Ärger, ja? Und du benutzt gefälligst einen Sparschäler beim nächsten Mal. Wenn ich wieder komme, will ich keine weiteren Narben sehen«, warne ich Selina.

Sie nickt und unterdrückt ihre Tränen. Das verstehe ich nicht. Wir sind nicht gerade Freundinnen. Bedrückt sie meine Abreise wirklich so sehr? Und weshalb ist auch Ben traurig? Es ist ein ungewohntes Gefühl, dass sich jemand um mich sorgt. Ich kann mich nicht erinnern, dass es das in meinem Leben schon einmal gegeben hat.

Draußen ist es kalt, weil die Sonne bereits untergegangen ist. Habe ich echt so lange gebraucht meine Sachen zu packen?

»Du kannst mich jetzt wieder loslassen.«

»Ich denk nicht daran.« Malakai zieht mich in den dunklen Wald. Seine Schritte sind sicher und er weicht problemlos Ästen und Hindernissen aus. Als Schattenläufer stellt die Dunkelheit kein Problem für ihn dar, wahrscheinlich sieht er bei diesen Lichtverhältnissen sogar noch besser als bei Tag.

Ich hingegen kann nur aufgrund meiner dämonischen Abstammung auch im Dunkeln etwas sehen. Na ja, das ist übertrieben, aber es reicht, um nicht gegen irgendwelche Bäume zu rennen. Malakai wirkt nicht, als würde es ihn interessieren, ob ich stürze oder mich verletze. Er würde nur wütend werden, weil es ihn Zeit kostet.

»Hast du eine Deadline?«, frage ich und stolpere über eine Wurzel. »Wird Maddox dir den Kopf abreißen, wenn wir nicht pünktlich zum Abendessen zu Hause sind?«

Er knurrt unwirsch. Ich habe wohl einen wunden Punkt getroffen.

»Ich bin mir sicher, du wirst Hausarrest bekommen und einen Klaps auf die Finger.«

»Wenigstens habe ich noch Finger, wenn wir ankommen. Das kann ich für dich nicht garantieren, wenn du nicht sofort deine vorlaute Klappe hältst.«

Es klingt wie eine hohle Drohung, aber da sie von Malakai kommt, sollte ich lieber nichts riskieren.

»Ich mag meine Finger«, murmele ich und lasse mich von ihm weiter durch den Wald ziehen, bis wir zu einer Lichtung kommen. Er lässt mich erst los, als wir vor einem niedrigen Baumstumpf stehen.

»Du bleibst an meiner Seite. Nur ein Schritt –«

»Jaja.« Ich hebe abwehrend eine Hand. »Ich hab’s verstanden. Du schneidest mir den Arm ab oder ein Bein oder beide. Jetzt mach voran. Es ist kalt hier.«

Aufgrund Malakais überstürztem Aufbruch habe ich mir keine Jacke übergezogen. Das dünne T-Shirt ist nicht ausreichend, um mich warmzuhalten.

»Du stellst hier keine Forderungen«, ermahnt er mich und zieht einen der Dolche, um sich damit in die Hand zu schneiden. Blut tropft auf den Baumstumpf und die Luft um uns herum beginnt zu summen. Die Magie ist alt und wild, ganz anders als meine Portalmagie. Sie presst meinen Magen schmerzhaft zusammen, als wir hindurchgehen. Hätte mich Malakai nicht festgehalten, wäre ich sicherlich gestürzt. So komme ich nur zu fest auf dem steinernen Boden auf, der mich auf der anderen Seite erwartet. Ein Ziehen geht durch mein Bein und verschwindet nach ein paar Sekunden wieder.

»Herr.«