Spiegelbruch - Renate Weber - E-Book

Spiegelbruch E-Book

Renate Weber

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Beschreibung

Die 17-jährige Johanna lebt nach einem Schicksalsschlag sehr zurückgezogen. Das ähnliche Schicksal eines Mitschülers hilft ihr, sich ihm zu öffnen. Doch schon im Anfang der sich langsam findenden Liebe stellt Alexanders mysteriöses Verschwinden alles auf den Kopf. Er durchlebt ein Martyrium und Johanna kann den erneuten Verlust kaum ertragen. Die Wiederannäherung bringt jedoch wenig Freude, dafür große Gefahren mit sich. Gemeinsam müssen sie über ihr Schicksal entscheiden.

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Seitenzahl: 125

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Renate Weber

Spiegelbruch

 

 

 

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Inhaltsverzeichnis

Titel

Prolog

Der Abschied

Neuanfang

Die neue Schule

Seelenverwandt

Der Albtraum

Der Spiegel

Der Zauber des Spiegels

Martyrium

Offenbarung

Rückzug und Kampfgeist

Begegnung

Entscheidungen

Impressum neobooks

Prolog

Am Anfang hörte sie noch leise Geräusche, doch dann war alles mucksmäuschenstill.

„18, 19, 20, ich komme!“, rief sie und machte sich in Richtung der letzten Geräusche auf den Weg. Johanna begann zu suchen. Abschnitt für Abschnitt durchkämmte sie gründlich den Dachboden. Schaute in alle Nischen, öffnete Truhen und knarrende Schranktüren. Der Staub vieler Jahre wirbelte auf und brachte sie mehrmals zum Niesen. Sie wurde immer aufgeregter und kicherte nervös. In einer Ecke des Dachbodens standen eine Menge Koffer, die sie versehentlich anrempelte und so zu Fall brachte. Doch auch nachdem sie alles in einer Ecke neu gestapelt hatte, war sie noch immer allein.

Der Abschied

Ein schrilles Piepsen holte Jo aus ihren Träumen. Sie tastete mit geschlossenen Augen nach ihrem Handy um diesen grausamen Weckruf zu beenden. Ihre Augen konnte sie gar nicht öffnen. Es war viel zu hell im Zimmer. Fenster ohne Vorhänge an einem sonnigen Morgen. ‚Wie kann an so einem schrecklichen Tag die Sonne scheinen? ‘, überlegte Johanna blinzelnd und öffnete langsam ihre Augen. Jetzt konnte sie sie sehen, die tanzenden Staubkörnchen, die auf dem Sonnenstrahl durchs Zimmer flogen. Jo folgte ihnen mit ihren Augen und blieb auf der Wand gegenüber dem Fenster hängen. Eine mintfarbene Wand mit vielen Flecken. Flecken die zurück blieben, hier in ihrem Zimmer, weil alle Bilder abgenommen waren. Wie sehr hatte sie dieses Zimmer geliebt. Vollgepflastert mit Fotos von Freunden und Urlauben und behängt mit ihren eigenen Bildern. Kunstwerken, wie ihr Vater stets bemerkte, denen er immer Beachtung schenkte. Durch zahllose Besuche von Vernissagen und Mal- und Zeichenkursen hatte er ihre Begabung stets gefördert. Jetzt waren alle Bilder fort, fort wie ihr Vater und nun würde auch sie diesen Ort verlassen. Ihre Mutter konnte sich dieses Haus nach dem Tod ihres Vaters nicht mehr leisten.

Jo lies ihren Blick weiter durch das Zimmer schweifen. Sie betrachtete die dunkel gewordene Holzverkleidung der Dachschrägen. Sie war übersäht mit zahlreichen kleinen Löchern von Nadeln und Reißnägeln. Narben aus der Zeit ihrer Kindheit, in der viele gebastelte Mobiles und gemalte Bilder aufgehängt werden mussten. Erinnerungen an Zeiten, in denen sie oftmals ihr Zimmer umgeräumt hatte, drängten herauf. Sie war mehr als einmal auf der Suche nach gemütlicheren Nischen für Ruheplätze zum Lesen oder Malen gewesen. Darin fand sie immer die Geborgenheit die sie brauchte.

Doch nun war die letzte Nacht vorüber. Mit offenen Augen war sie auf der Matratze auf dem Boden liegen geblieben, um sich die wunderbaren Erinnerungen ihrer unbeschwerten Kindheit an diesem letzten Morgen in Erinnerung zu rufen. Jetzt lag nur noch die Matratze mit dem Bettzeug auf dem Boden unter ihr. Am Fußende ein Häufchen frischer Klamotten, die sie heute am Umzugstag tragen wollte. Der Holzboden war leer und kalt. Jo’s Blick fiel auf diese verflixte Diele gleich neben der Tür, die immer ein Stück heraus stand, weshalb sie ständig mit den Socken daran hängengeblieben war. Jeden Winkel dieses Zimmers ihrer glücklichen Kindheit würde sie vermissen. Eine Kindheit, die jetzt vorbei war und sie in eine ungewisse Zukunft schickte.

Jo setzte sich auf und schaute an sich hinunter. Sie war gewöhnlich, wie sie fand. Dunkelbraune halblange Haare. Eine normale Figur. Sie gehörte mit ihrem Gewicht zum Durchschnitt in ihrer bisherigen Klasse. Mit 168cm Körpergröße lag sie ebenfalls im Mittelfeld. Ihre Figur hatte frauliche Züge ohne das Bild ihre Jugendlichkeit zu verdecken. Das Einzige was Jo wirklich besonders fand, waren ihre dunkelbraunen Augen, die beinahe die Schwärze der Pupillen hatten. Wie das Rad eines Pfaus rahmte ein dunkler Bogen Wimpern die Tiefe dieser Augen ein. So empfand sie sich als ganz alltägliche Erscheinung. Dies war ihr Wunsch, denn Sie blieb gerne im Hintergrund, so ließ man sie in Ruhe. Besonders seit ihr Vater gegangen war, war ihr Leben kontaktarm, weil sie es so wollte. Sie hatte sich auch standhaft geweigert mit einer Psychologin über den Todesfall zu reden. Ihr war es lieber, Pa’s Bild im Geist zu bewahren als alle Erinnerungen zu zerreden. Sie war einfach nicht bereit ihre Gefühle mit einer völlig Fremden zu teilen.

Ein Geräusch aus dem Erdgeschoß riss Jo aus ihren Gedanken. Sie stellte mit einem Blick auf ihr Handy fest, dass es höchste Zeit war aufzustehen. Sie war froh darüber, dass sie ihr altes Handy behalten konnte. Auch wenn ihre Mutter versuchte, die Sorgen vor ihr zu verstecken, war ihr klar, dass die finanzielle Situation der Familie nach dem Tod des Vaters schwierig sein musste. Ihr Vater hatte wohl zu Lebzeiten immer gut verdient, aber er hatte auf Grund der freiberuflichen Anstellung als Journalist ein unregelmäßiges Einkommen. Ihre Mutter war seit ihrer Geburt überwiegend Hausfrau und kümmerte sich auch mit Liebe um den Garten rund um ihr reizendes Fachwerkhäuschen. Vaters plötzlicher Herztod hatte alles verändert. Ihr Zauberhäuschen war noch nicht abbezahlt und musste daher verkauft werden. Ihre Mutter suchte zwar am Anfang in der Nähe, fand aber dann nur in Weißenburg eine Anstellung als Lektorats-Assistentin der Stadtzeitung. Diese Anstellung ermöglichte ihnen einen Neuanfang, der letztlich jedoch mit einem Umzug einhergehen musste. Da die einfache Entfernung zwischen Bad Windsheim und Weißenburg immerhin über 100 km betrug würde die Fahrt zur Arbeitsstätte mit dem Auto beinahe eineinhalb Stunden dauern. Weil der Umzug ohnehin nicht zu verhindern war, hatte ihre Mutter eine Wohnung in Nähe der Arbeitsstelle und der zukünftigen Schule gesucht und gefunden. Dies sollte für Johanna ein Trostpflaster für den Umzug sein. Als könnte irgendetwas diesen Umzug besser machen. Johanna war von jeher interessiert Hintergründe zu erfahren. Schon als kleines Kind hatte sie die Eltern mit tiefsinnigen Gedanken und Fragen bedrängt! Als eher introvertierter Mensch war es nicht verwunderlich, dass die neue Lebenssituation ihr schwer zusetzte.

Johanna streckte sich und erhob sich vom Boden. Ihre Mutter war wohl schon auf und bereits tätig. Also steckte sich Jo die frischen Klamotten unter den Arm und machte sich auf den Weg nach unten. Ganz bewusst ging sie Stufe für Stufe die alte Holztreppe nach unten und ließ ihre Finger ein letztes Mal an den Rillen des Handlaufs entlang gleiten. Unten angekommen blickte sie durch die offene Tür ins einstige Esszimmer. Ihre Mutter stand reglos an einem Campingtisch und blickte versonnen in den Garten. Sie hatte gerade vier Pappteller und einfache Kaffeebecher auf den kleinen Tisch gestellt. 2 Klappstühle standen daran und die anderen beiden Sitzmöglichkeiten ergaben sich durch die tiefen Fensterbretter im bunt verglasten Erker.

Die schwere Zeit hatte Emma Reichhards Äußeres verändert. Eine tiefe Sorgenfalte durchzog die Stirn. Die kurz geschnittenen Haare, die immer einen sonnigen Goldton hatten, waren stumpf und mit einzelnen grauen Haaren durchzogen. Die einstmals von Energie sprühende Körperhaltung war merklich in sich zusammen gesunken und auch die schönen blauen Augen hatten ihr Strahlen verloren. Dennoch würde jeder ihre Mutter immer noch als klassische Schönheit bezeichnen. Sie hatte mit ihrem weiblichen Körper von jeher alle Blicke auf sich gezogen. Wieder einmal konnte Jo nicht die geringste Ähnlichkeit zu ihrer Mutter finden und sie wusste sie war das 99%tige Abbild ihres Vaters. Nur dass er als Mann zwanzig Zentimeter größer und sein Körper immer gut durchtrainiert gewesen war.

Während dieser Überlegungen sah Johanna, dass sich Ihre Mutter zu ihr umdrehte.

„Guten Morgen, Schatz!“ ergriff sie mit einem leisen Lächeln das Wort.

„Guten Morgen!“ erwiderte Johanna mit trauriger Miene.

Sie sahen sich eine kurze Weile wortlos an. Ihre Mutter kam auf sie zu und nahm sie fest in die Arme. Jo schmiegte ihr Gesicht in die Halsbeuge ihrer Mutter und atmete den vertrauten Geruch der Geborgenheit.

„Warum scheint ausgerechnet heute die Sonne so schön?“, seufzte Johanna.

„Hm“, meinte ihre Mutter und strich ihr eine Strähne aus dem Gesicht.

Johanna war wieder einmal froh, dass zwischen ihr und ihrer Mutter auch wenige Worte ausreichend waren. Nach einem langen Augenblick lösten sie sich voneinander.

„Johanna, Lara kommt schon um halb Acht und bringt frische Brötchen zum Frühstück mit!“

„Ok, ich mach mich fertig!“ erhielt Emma gemurmelt als Antwort.

Noch während Johanna ihre Zähne putzte, hörte sie die Ankunft ihrer Tante und ihre Stimmung sank weit unter den Nullpunkt. Jetzt war es nur noch eine kurze Zeit und sie musste diesen heißgeliebten Ort für immer verlassen. Zurück im Esszimmer kam Lara auf sie zu und umarmte sie wortreich, in der Absicht sie aufzuheitern. Ihr Onkel Michael kam mit ihrer Matratze an der Tür vorbei.

„So, gleich sind die letzten Teile verstaut, dann brauch ich nur noch ein Frühstück mit starkem Kaffee und wir können uns auf den Weg machen“, brummte er.

„Danke, ich hab keinen Hunger“, sagt Johanna und ging vor sich hinmurmelnd in entgegengesetzter Richtung davon. „Ich geh nochmal durch Haus und Garten, um mich zu verabschieden“.

Emma schaute ihrer Tochter besorgt hinterher.

„Keine Sorge, wenn ihr erstmal hier weg seid, kann sie mit der Vergangenheit sicher besser abschließen“, ermunterte Lara ihre Schwester, während sie ihr tröstend die Hand auf die Schulter legte.

„Hoffentlich“, meinte Emma nur und wandte sich mit einem sorgenvollen Blick wieder ihrer Arbeit zu.

Auf ihrem letzten Rundgang verabschiedet sich Johanna von jedem Zimmer und im Garten sogar von jedem Baum. Nun stand der Umzugswagen bepackt mit den restlichen Sachen in der Einfahrt. Michael, Lara und ihre Mutter hatten die meisten Sachen schon am Tag vorher in die neue Wohnung gebracht. Mit einem steinerweichenden Seufzer setzt sie sich ins Auto zu ihrer Mutter. Michael fuhr mit Lara den Lieferwagen. Mit lautem Abschiedshupen fuhren beide Fahrzeuge auf die Straße und machten sich auf den Weg ins neue Leben.

Neuanfang

Mit einer kurzen Toilettenpause hatte die Fahrt nach Weißenburg beinahe zwei Stunden gedauert! Bei ihrer Ankunft hatte sich die Sonne hinter einem Flaum aus weißen Wolken versteckt. Doch alle waren froh, dass der Umzug nicht durch dicke Regentropfen erschwert wurde. Mit vereinten Kräften ging der Umzug zügig voran. Auch wenn Johannas Tante und ihr Onkel halfen, die letzten Teile in die Wohnung zu bringen, kam keine freudige Stimmung auf. Da der kleine Lieferwagen zurück gebracht werden musste, war eine zeitnahe Verabschiedung nötig.

Nach einem tränenreichen Abschied stand Johanna mit einem dicken Kloß im Hals an Emma gelehnt zusammen mit gefühlten tausend Kisten auf dem letzten halben Quadratmeter des Flurs. Emma nahm Johannas Hand und versuchte einen aufmunternden Ton zustande zu bringen. Mit belegter Stimme sagte sie:

„So meine Kleine, eigentlich würde ich nun gerne sagen: Der Gipfel ist bestiegen. Aber wie du siehst stehen wir wohl am Fuß des Berges! Also ist die Frage, sollen wir erst Etwas essen, oder sollen wir gleich loslegen?“

Johanna griff sich eine der größeren Kisten mit der Aufschrift, Jo’s Room und murmelte:

„Was soll‘s, fangen wir an – Hunger hab ich eh keinen!“

Als sie in der Tür des Zimmers stand, stellte Sie die Kiste ab und schaute sich das erste Mal richtig um. Natürlich war sie bei der Besichtigung dabei gewesen, aber ihre Mutter hatte letztlich allein entschieden, weil ihr wohl klar war, dass Johanna sich niemals freiwillig für ein neues Zuhause entscheiden würde. Also hatte sie wie ein Opferlamm ohne Anteilnahme die Besichtigung über sich ergehen lassen. Jetzt musste sie jedoch zugeben, dass dies ein wirklich tolles Zimmer war. Direkt gegenüber der Tür befand sich ein riesiges Erkerfenster mit einer gepolsterten Fensterbank. Ideal um beim Lesen und Träumen darauf zu sitzen. Die Erkerfenster leiteten das Licht in alle Winkel des Zimmers. Links von der Türe befand sich ein Einbauschrank der im gleichen zarten Lindgrün wie der Rest des Zimmers gestrichen war. Rechts von der Türe hatte ihr Onkel bereits gestern ihr Bettgestell aufgebaut und heute die Matratze darauf gelegt. Am Fußende in der Ecke zwischen Bett und Erker stand wie für diesen Platz gebaut ihr alter Sekretär, den sie innig liebte, weil sie ihn von ihrem Pa bekommen hatte. Ebenso hatten auch ihr Schaukelstuhl und ihre Palmen einen schönen Platz in Fensternähe gefunden. Ein Gefühl von freudiger Erwartung durchflutete Johannas Herz und wurde sofort vom schlechten Gewissen niedergeschlagen.

‚Wie kann ich mich hier jetzt schon glücklich fühlen, obwohl Pa mein Zimmer so schön für mich hergerichtet hat‘, dachte Johanna entsetzt. Als sie merkte, wie ihre Augen feucht wurden, wischte sie sich hastig mit den Händen darüber und machte sich energisch an das Auspacken der ersten Kiste.

Am frühen Abend des ersten Tages standen beide wieder im Flur und blickten auf die letzten Kisten. Nun war schon der größte Teil ausgepackt. Alle Utensilien der Küche an ihrem Platz und auch der Wohnraum, der an den offenen Küchenbereich angrenzte, und das Badezimmer schauten schon erstaunlich bewohn- und benutzbar aus!

„So Johanna, für heute haben wir genug geschafft! Was hältst Du davon zur Feier des Tages in die kleine Pizzeria zu gehen, die wir bei unserer Ankunft zwei Straßen entfernt gesehen haben?“, schnaufte Emma, während sie sich auf der Garderobenbank niederlies.

„Okay Mam, aber ich geh als Erste zum Duschen!“ grinste Jo und lies sich neben ihre Mutter plumpsen.

Emma lachte: „Ja, schon klar, weil ich dann die Dusche sauber machen muss!“ Sie knuddelte ihre Tochter und gab ihr einen Klapps.

“Ey, nicht anfassen!“ jappste Jo, sprang auf und flüchtete ins Bad. Emma rief hinterher:

„Sorry, hab vergessen, dass du nicht mehr meine Kleine bist!“ Während sie etwas von „Teens und Pubertät“ vor sich hinmurmelte, ging sie schmunzelnd in ihr eigenes Schlafzimmer auf der Suche nach frischen Sachen zum Anziehen.

Eine dreiviertel Stunde später machten sich beide auf den Weg. Auf altem Kopfsteinpflaster führte sie ein kurzer Weg entlang an spätmittelalterlichen Fachwerkhäusern und barocken Bürgerhäusern . Während ihre Mutter überwiegend Bewunderung für die schönen Bepflanzungen in diversen Töpfen und Vorgärten hatte, konnte Jo sich kaum satt sehen an den vielen wunderschönen alten Gebäuden. Wieder einmal fragte sie sich, ob nicht doch Architektin der richtige Job für sie wäre. Weißenburg hatte in dieser Hinsicht wirklich viel zu bieten. Wie sie im Internet gelesen hatte, gab es an Türmen, Toren, Bögen, Bauten und dergleichen mehr als genug zu besichtigen. Ein schmales Bächlein begleitete ein kurzes Stück ihren Weg und verströmte den Duft der moosigen Uferböschung.

Die kleine Pizzeria lud schon von außen mit bunten Lampions und mediterranen Pflanzen zum Eintreten ein und hielt auch innen den versprochenen Flair südlicher Urlaubsländer. Kleine Holztische standen auf einem abgetretenen Terrakottaboden, gesäumt von Korb- oder alten Holzstühlen aus verwurzeltem Holz. In den niedrigen Fenstern des alten Fachwerkhäuschens standen kleine Zitronenbäumchen und ein riesiger Holzofen, der den Blick auf köstliche duftende Pizzen freigab, thronte in der Ecke des Raumes. Wie es so sein musste, begrüßte sie ein korpulenter Kellner mit perfekt gegeelten schwarzen Haaren und typisch italienischem Charme. Galant begleitete er sie an einen der Tische. Nachdem sie sich auf den bequemen Stühlen niedergelassen hatten, überreichte er ihnen in auslandender Bewegung die Speisekarte und nahm die Bestellung ihrer Getränke auf. Als er gegangen war flüsterte Emma hinter vorgehaltener Hand: