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Die Sprachphilosophie des 20. Jahrhunderts wäre ohne die bahnbrechenden Leistungen einiger Logiker (Frege, Russell, Wittgenstein) nicht möglich gewesen. An das Instrument der Sprachanalyse knüpften sich hochfliegende Hoffnungen im Blick auf Klarheit der Gedankenführung wie auch auf Fortschritte bei der Beantwortung von Grundlagenfragen wie der Erklärung der Intentionalität unseres Geistes, also der Fähigkeit, sich auf Gegenstände zu beziehen und Sachverhalte zu repräsentieren. Inzwischen haben die Philosophie des Geistes und die Kognitionswissenschaft der Sprachphilosophie den Rang einer Grundlagendisziplin abgelaufen. Die Theorie des mentalen Inhalts führt die Diskussionen fort, die im 20. Jahrhundert unter dem Titel der Bedeutungstheorie geführt wurden. & Der Band zeichnet die wichtigsten Etappen dieser Diskussion nach und verteidigt die These, dass Intentionalität und Sprachfähigkeit einander bedingen.
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Seitenzahl: 370
Veröffentlichungsjahr: 2014
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Der Grundkurs Philosophie in den Urban-Taschenbüchern gibt einen umfassenden Einblick in die fundamentalen Fragen heutigen Philosophierens. Er stellt die wichtigsten Bereiche der Philosophie systematisch dar; ergänzend gibt er eine Übersicht über ihre Geschichte von der Antike bis zur Gegenwart. Anliegen des Grundkurses ist es, den Einstieg in die Philosophie zu ermöglichen und zu eigenständigem Denken anzuregen. Besonderer Wert wird deshalb auf eine verständliche Sprache und eine klare Gliederung der Gedankenführung gelegt; zu allen Abschnitten ist weiterführende Literatur angegeben. Koordination: Godehard Brüntrup und Michael Reder.
Band 1
Gerd Haeffner
Philosophische Anthropologie
Band 2
Harald Schöndorf
Erkenntnistheorie
Band 3
Godehard Brüntrup
Metaphysik
Band 4
Friedo Ricken
Allgemeine Ethik
Band 5
Josef Schmidt
Philosophische Theologie
Band 6
Friedo Ricken
Philosophie der Antike
Band 7
Rolf Darge
Philosophie des Mittelalters
Band 8,1
Heinrich C. Kuhn
Philosophie der Renaissance
Band 8,2
Harald Schöndorf
Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
Band 9
Emerich Coreth/Peter Ehlen/Josef Schmidt
Philosophie des 19. Jahrhunderts
Band 10
Peter Ehlen/Gerd Haeffner/Friedo Ricken
Philosophie des 20. Jahrhunderts
Band 11
Heinrich Watzka
Sprachphilosophie
Band 12
Hans-Dieter Mutschler
Naturphilosophie
Band 13
Friedo Ricken
Sozialethik
Band 14
Norbert Brieskorn
Rechtsphilosophie
Band 15
N. N.
Geschichtsphilosophie
Band 16
Günter Pöltner
Philosophische Ästhetik
Band 17
Friedo Ricken
Religionsphilosphie
Band 18
Winfried Löffler
Einführung in die Logik
Band 19
Norbert Brieskorn
Sozialphilosophie
1. Auflage 2014
Alle Rechte vorbehalten
© W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Satz: Andrea Siebert, Neuendettelsau
Gesamtherstellung: W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart
Print:
ISBN 978-3-17-026303-1
E-Book-Formate:
pdf: ISBN 978-3-17-026304-8
epub: ISBN 978-3-17-026305-5
mobi: ISBN 978-3-17-026306-2
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Vorwort
1. Einführung
1.1 Die Anfänge einer Sprachreflexion im Abendland und ihr jähes Ende
1.2 Denken in der Neuzeit
1.3 Die abgeleitete Intentionalität der Sprachzeichen
1.4 Sprachliche und nicht-sprachliche Modelle der Intentionalität
1.5 Neun Hypothesen über den Zusammenhang von Semantik, Psychologie und Physik
2. Denken und Reden, Versuch einer Verhältnisbestimmung
2.1 Intentionale Einstellungen
2.2 Ein Plädoyer für Propositionen
2.2.1 Russellsche Propositionen
2.2.2 Fregesche Propositionen
2.3 Begriffe
2.4 Können Kleinkinder und Tiere denken?
2.5 Davidsons Argument für den Zusammenhang von Denken und Sprachfähigkeit
2.6 Das Argument aus dem spezifisch rationalen Inhalt
3 Die Wende zur Sprache (I): Analytische Philosophie
3.1 Die Verstoßung der Gedanken aus dem Bewusstsein
3.2 Spuren des Mentalismus bei klassischen Denkern
3.3 Frege über ‚Sinn‘ und ‚Bedeutung‘
3.4 Wittgensteins Argument gegen die Möglichkeit einer Privatsprache
3.5 Die elaborierteste Form des Mentalismus: intentionenbasierte Semantik
4 Grundzüge einer logischen Grammatik
4.1 Sprachanalyse und das Prinzip der Ausdrückbarkeit
4.2 Grundzüge einer Wahrheitssemantik
4.3 Der Zweck der Analyse
4.4 Frege-/Wittgenstein I-Semantik
4.4.1 Semantik elementarer Sätze
4.4.1.1 Semantik genereller Termini
4.4.1.2 Semantik singulärer Termini
4.4.2 Semantik komplexer Sätze
4.4.2.1 Semantik wahrheitsfunktional verknüpfter Sätze
4.4.2.2 Semantik genereller Sätze
4.5 Semantik des „ist“-Sagens
4.6 Illokutionäre Rollen (Sprechakttheorie)
5 Bezugnahme und Indexikalität
5.1 Eigenname und Bezug
5.2 Starre Bezugnahme und Quer-Weltein-Identität
5.3 Extension der Termini natürlicher Arten
5.4 Semantischer Externalismus
5.5 Putnams Vektortheorie des Sinns
5.6 Zweidimensionale Semantik
5.7 Psychologischer Anti-Individualismus
6 Die Wende zur Sprache (II): kontinentale Philosophie (Phänomenologie)
6.1 Herder und die Entdeckung der sprachlichen Dimension
6.2 Expressiv-konstitutive Sprachauffassungen
6.3 Sprachphilosophie aus dem Geist der Romantik
6.4 Sprache als Ort der ‚Lichtung‘ (Heidegger)
6.4.1 Die Geschichte der ‚Lichtung‘
6.4.2 Existenzial-hermeneutische Vorüberlegungen
6.4.3 Ereignis und Sprache
6.4.4 Das ‚Dichterische‘ der Sprache
7 Interpretation, Text und Metapher
7.1 Vom Äußerungsverstehen zum Textverstehen
7.2 Schrift als ‚entfremdete Rede‘ (Gadamer)
7.3 Rückkehr zum ‚Problem des Textes‘ (Ricoeur)
7.3.1 Vom Wort zur Schrift
7.3.2 Der Text als ‚Werk‘
7.3.3 Die ‚Welt‘ des Werks
7.3.4 Sich-Verstehen vor dem Werk
7.4 Semantik der Metapher
Literatur
Sachregister
Namenregister
Die Sprache ist das nicht-hintergehbare Medium der Reflexion. Dies hat die Philosophie lange Zeit nicht davon abgehalten, dem systematischen Nachdenken über die Sprache eine nachgeordnete Bedeutung beizulegen. Sprachphilosophie als selbständige philosophische Disziplin gibt es erst seit dem 20. Jahrhundert. Die so genannte Wende zur Sprache (linguistic turn, der Ausdruck geht auf Rorty 1967 zurück) ist freilich keine Affäre, die auf die analytische Philosophie beschränkt blieb, auch Denker wie Heidegger, Derrida oder Ricoeur haben sie vollzogen. Was macht Sprache aber zu einem bemerkenswerten und lohnenden Gegenstand der Philosophie? Die Sprachphilosophie im heutigen Sinn begann als Kritik an der Bewusstseinsphilosophie und am Mentalismus, wonach der Geist über bedeutungstragende innere Vehikel des Denkens verfügt, mittels derer er äußere Gegenstände oder Sachverhalte repräsentieren kann. Die ‚Verstoßung der Gedanken aus dem Bewusstsein‘ (Dummett 1988) führte zu der Auszeichnung eines Bereichs geteilter Bedeutungen und deren Bindung an die Institution einer gemeinsamen Sprache. Gedanken werden durch die Sprache nicht nur übertragen, sondern auch erzeugt. Im Zentrum der zu einer Grundlagendisziplin aufgerückten Sprachphilosophie steht die Bedeutungstheorie, die vom Vorrang des Satzes vor den Wortbedeutungen und dem Zusammenhang von Bedeutung und Wahrheit ausgeht. Der sprachanalytische Konsens, wonach eine Analyse der Gedanken durch eine Analyse der Sprache und nur durch sie zu haben ist, wird durch neuere Trends in der Philosophie des Geistes unterlaufen. Der vorliegende Band des Grundkurses Philosophie sieht die gegenwärtig primäre Aufgabe einer Sprachphilosophie in der Kritik am neu erstehenden Mentalismus und der Naturalisierung des begrifflichen Inhalts. Im Mittelpunkt steht die These, dass nur Wesen, die sich an diskursiven Praktiken des Behauptens und Begründens beteiligen und in diesem Sinn Sprache haben, über begriffliche Gehalte verfügen.
Mein Dank gilt dem Verlag Kohlhammer und insbesondere Herrn Jürgen Schneider, der durch seine jahrelange Geduld und Begleitung an der Realisierung dieses Buchs Anteil hat, aber auch meiner Mitarbeiterin Patricia Wallusch für die unentbehrliche Hilfe bei der Erstellung der endgültigen Textfassung.
Arno Borst beginnt sein monumentales Werk zur Geschichte der Meinungen über den Ursprung und die Vielfalt der Sprachen und Völker mit folgender Episode (Borst 1957, 3): Ein Mann aus Verona mit Namen Bonigrinus stand 1296 vor dem Inquisitionsgericht in Bologna, vor dem er als Anhänger der Irrlehre der Katharer angeklagt war. Das Verhör bestätigte diesen Verdacht. Bonigrinus gab an, dass der Teufel alles Irdische geschaffen habe, auch sei die Sintflut sein Werk gewesen. Völlig anders bewertete er den Turmbau zu Babel und das Ereignis der Sprachentrennung. Statt diese als Teufelswerk hinzustellen, plädierte er mit einem völlig unkatharischen Argument für die Gleichheit aller Sprachen und Religionen: „item dixit, quod sicut sunt LXXII linguae, ita sunt LXXII fides“, als ob die Teilung der Sprachen und Religionen in gleicher Weise göttlichem Ratschluss entspräche. Bonigrinus entpuppte sich als ein früher Vertreter einer pluralistischen Religionstheorie. Auffällig ist die Koppelung von sprachlicher Zugehörigkeit und religiöser Identität. Bonigrinus endete 1297 auf dem Scheiterhaufen.
Der Glaube an 72 Sprachen war fester Bestandteil der Sprachtheorie im Mittelalter. Borst fasst den Topos oder das Klischee wie folgt zusammen: „Gott schuf den Menschen und gab ihm die Sprache; diese Sprache deckte sich mit den Dingen genau; Gott redete mit Adam Hebräisch. Aus Adams Familie erwuchsen viele Stämme, die alle ein Volk mit einer Sprache blieben. Erst in Babel wurde durch den frevelhaften Turmbau die Einheit des Menschengeschlechts zerrissen; es entstanden durch Gottes wunderbares Eingreifen 72 Sprachen und 72 Völker, die alle mit der hebräischen Ursprache und Adams Volk verwandt waren und blieben. Von ihnen stammten die ‚heutigen‘ Sprachen und Völker unmittelbar ab, noch immer 72 an der Zahl. Bei der Sprachenteilung blieb es bis Pfingsten; seither ist die Differenzierung durch die göttliche Stiftung der Kirche, durch den Aposteln vom Heiligen Geist geschenkte Kenntnis aller Sprachen überwunden; die drei am Kreuz Christi angebrachten Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein sind zugleich als Bibelsprachen über alle anderen Idiome hinausgehoben und geheiligt. In ihnen werden sich die getrennten Völker versammeln, und am Ende der Zeiten werden alle Stämme dem Herrn im Himmel auf Hebräisch ihr Halleluja singen“ (Borst 1957, 6). Sämtliche der soeben aufgeführten Motive kommen in mittelalterlichen Texten wirklich vor, aber neben ihnen finden sich auch zahlreiche andere Spekulationen, so dass sich eigentlich nicht von einer einheitlichen Sprachtheorie im Mittelalter sprechen lässt. Die Zahl der Sprachen stand zu der Völkerzahl in eher lockerem Zusammenhang. Die Bedeutung der Ereignisse am Turm von Babel wurde kontrovers diskutiert. Über den Urzustand im Paradies waren widersprüchliche Hypothesen im Umlauf: ob Adams Sprache Hebräisch, Syrisch oder gar Deutsch war; ob Gott zu Adam in einer dieser Sprachen redete oder ob er die ‚Sprache‘ der Naturerscheinungen, Blitz, Donner, Wolke benutzte; ob er sich gar nicht vernehmlich äußerte, sondern durch Eingebung mit Adam kommunizierte. Nicht weniger vielfältig waren die Ansichten über Art und Zahl der heiligen Sprachen und die wiedergefundene Spracheinheit am Ende der Zeiten.
Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!
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