Spuren im Sand - Sieglinde Breitschwerdt - E-Book

Spuren im Sand E-Book

Sieglinde Breitschwerdt

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Beschreibung

Eine spannende und unheimliche Geschichte. Julia identifiziert sich mit Jessica, dem Star aus der täglichen Fernseh-Soap "Spuren im Sand". Plötzlich vermischt sich Julias Leben mit der Fernsehserie. Wer steckt dahinter? Der neue Junge in ihrer Klasse? Ihr Klassenkamerad, der nebenan wohnt? Aber warum will man nach Julias Leben trachten?

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Seitenzahl: 130

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Sieglinde Breitschwerdt

Spuren im Sand

Kriminalroman

 

 

 

Dieses ebook wurde erstellt bei

Inhaltsverzeichnis

Titel

Eine geheimnisvolle Person

Julia und Jessica

Oliver

Gedankenspiel

Tanja und Andy

J.B.

Stefanie

Doch kein Traum

Wer war das?

Wo ist der Beweis?

Der Flüsterer

Der schwarze Karon

Lia

Eine weiße Lilie

Traue niemanden

Was ist mit Steffi los?

Melli

Der Artikel

Der Zettel

Schritt in die Vergangenheit

Damals

Er ist ein Psycho

Wer hatte den Schlüssel?

Der Unheimliche

Alias Tanja

Rache

Das Finale

Impressum neobooks

Eine geheimnisvolle Person

Die dunkel gekleidete Gestalt wurde fast völlig von der Dunkelheit verschluckt. In leicht gebeugter Haltung schlich sie an Sträuchern, Büschen und Gartenzäunen vorbei. Plötzlich blieb mit einem Mal stehen und sah sich um. Das flackerndes Reklameschild bestätigte ihr, dass sie hier richtig war. Sie nahm ihren Rucksack ab und zog eine Taschenlampe hervor. Ein kleiner gleißender Lichtkegel huschte wie ein Bällchen über den Rasen.

Sie schluckte, als sie die tote Katze sah. Der Brustkorb des Tieres war zusammengequetscht, und die weit aufgerissenen, leblosen Augen zeugten von Panik und Schmerz. Angetrocknetes Blut klebte im Fell und rund um das Maul aus der kleine Fangzähne blitzten.

Ihr wurde übel. Rasch wandte sie sich ab und nahm aus ihrem Rucksack einen schwarzen Faltkarton, ein rotes Band und eine weiße Lilie. Tief atmete sie durch, streifte die Gummihand-schuhe über und legte den kalten, leblosen kleinen Tierkadaver in den Karton.

Hämisch grinste sie in sich hinein. Eine tote Katze war nichts Ungewöhnliches, aber eine tote Katze, der eine weiße Lilie zwischen den Pfoten klemmte und in einem schwarzen Karton wie in einem Sarg lag, den ein rotes Band zierte, würde die Polizeipsychologen ganz gewiss auf die falsche Spur führen.

Julia sollte das Privileg haben, das tote Tier zu entdecken. In Panik würde sie wegrennen. Es blieb ihr dann immer noch genügend Zeit, den Karton wieder an sich zu nehmen und im Sandkasten der Kindertagesstätte zu verstecken.

In Gedanken ergötzte sie sich an den entsetzten Gesichter der Kinder.

Ihr leises, heiseres Gelächter schwoll wie Flügelschläge durch die Stille der Nacht.

Zielstrebig ging sie ein paar Straßen weiter durch den kleinen Park bis zur großen Eiche. Dahinter versteckte sie den schwarzen Karton. Niemand würde ihn auf den ersten Blick sehen, nur eine ganz bestimmte Person sollte das Vergnügen haben, sich zu Tode zu erschrecken. Es würde eine Kleinigkeit sein, den Karton morgen ins rechte Licht zu rücken. Sie musste nur schneller sein. Perfektes Timing war eben alles.

Schnell eilte die dunkle Gestalt zurück, dabei nahm sie eine Abkürzung über die Wiese. Leise öffnete sie die Tür, schlich durch den Flur, um niemanden zu wecken. Erleichtert ließ sie sich auf der Couch nieder...

Julia und Jessica

Wie durch Watte vernahm Julia die Hinweise, die Herr Bölt, der Mathematiklehrer, für die nächste Klausur gab. Seufzend lehnte sie sich zurück. Ob sie nun aufpasste oder nicht, es hatte sowieso keinen Zweck. In Mathe war und blieb sie eben eine Niete, wie Jessica...

Jessica Blumenhagen, der Star in der täglichen Serie ‚Spuren im Sand‘..

Ruhelos huschten ihre Augen zur Uhr. In zehn Minuten begann die neue Folge.

Sie dachte an Jessica, die gestern von ihrem Pferd abgeworfen wurde. Aufgeregt begann ihr Herz zu klopfen. In Gedanken tauchte sie in die gestrige Folge ein...

Wiehernd und schnaubend stieg das Pferd und schüttelte die Reiterin gnadenlos ab. Verzweifelt versuchte sich Jessica festzuhalten, griff in die Zügel, doch es half nichts. Sie stürzte aus dem Sattel und blieb im Steigbügel hängen.

„Marquis“, schrie sie gellend, doch ihr Pferd verfiel von einer Sekunde zur anderen in einen mörderischen Galopp. Jessicas Körper wurde hinterhergeschleift - plötzlich riss der Steigbügel, und sie wurde ins Gebüsch geschleudert. Hart schlug ihr Kopf gegen den Baumstumpf. Blutüberströmt sackte das junge Mädchen zusammen und blieb reglos liegen.

Eine dunkel gewandte Gestalt näherte sich vorsichtig, so als wollte sie sicher gehen, dass Jessica wirklich ohne Bewusstsein war. Für den Bruchteil einer Sekunde beugte sie sich über dieschwer verletzte Reiterin und legte ihr eine weiße Lilie in den Schoß...

Das war das Ende der gestrigen Folge. In Julias Kopf dröhnte noch der schrille Ton des Martinshorn, das die Titelmelodie übertönte, dann folgte der Abspann. Jessica! Nein, sie durfte nicht sterben! Jessica war schließlich der Star in ‚Spuren im Sand‘.

Julia Brandt saß wie auf Kohlen, ignorierte die herablassenden Blicke ihrer Mitschüler und blickte wie hypnotisiert zur Uhr.

„Los!“, flüsterte sie ihrer Freundin Tanja zu, die neben ihr saß. Sven Kramer, der in der anderen Bankreihe hockte, grinste breit.

Noch zwanzig Sekunden... nur noch zehn! Endlich! Die dämliche Schulglocke klingelte zur großen Pause. Gleichzeitig sprangen Julia und Tanja auf, schlängelten sich durch die Bänke, stolperten über Taschen und Rucksäcke und hätten beinahe Herrn Bölt angerempelt.

„Sorry“, murmelte Julia verlegen.

„Auch sorry“, feixte Tanja.

„He, Ladys, ich komm‘ mit“, rief Sven und heftete sich an ihre Fersen. Ein amüsiertes Gekicher schwoll durch das Klassenzimmer.

„Viele Grüße an Jessi“, säuselte Manuel.

„Wir sollten eine Selbsthilfegruppe für Soapsüchtige gründen“, kicherte Doro, dem ein vergnügtes Gekreische folgte.

„Mann, leg ‚nen Zahn zu!“, feuerte Julia ihre Freundin an.

„Schneller kann ich nicht!“ keuchte Tanja.

„He, bleibt mal ganz cool“, brüllte Sven hinter ihnen her. „Ihr habt noch mindestens 30 Sekunden Zeit!“

„Verpiss dich!“, hechelte Julia.

„Vergiss es! Ich will dabei sein, wenn ihr beide ausflippt, weil Jessi vielleicht abkratzt!“

Sven grinste und schien kein bisschen außer Atem zu sein.

Julia verkniff sich jede Bemerkung. Der Gute hatte ja keine Ahnung – außer in Mathe und am Computer. Sie kannte ihn erst ein paar Monate, seit sie mit ihrer Schwester in diese Stadt gezogen war. Sofort hatte er sie in Beschlag genommen und sich selbst zu ihrem persönlichen Begleiter auserkoren. Sven und seine Eltern bewohnten das Haus auf dem Nachbargrundstück.

„Was gibt’s denn diesmal?“, erkundigte er sich scheinheilig. Mit einer Hand hielt er Julia fest und ließ seinen Bizep spielen.

„Ein neuer Lover? Oder Jessis erste Big-Love-Night mit so ‚nem aufgepepptem Gay?“

Verärgert riss sie sich los und sprintete los. Die letzten Meter bis zum Hausmeisterbüro rannte sie, schoss durch die Tür und eilte schnurstracks zum Fernseher. Die Titelmusik von ‚Spuren im Sand“ lief schon...

Die Kamera zoomte auf Jessica, die von den Sanitätern in die Notaufnahme des Krankenhauses geschoben wurde. Auf ihrer Brust lag eine weiße Lilie...

Julia atmete auf. Sie hatte also noch nichts versäumt.

„Tag“, grüßte sie, lächelte flüchtig und heftete sofort ihren Blick wieder auf den Bildschirm.

„Setz dich lieber dorthin, Julia. Tanja, hier ist noch Platz. Macht‘ s euch bequem!“

Mann, wann hörte der Alte endlich auf zu quatschen, keifte Julia in sich hinein.

Willi Hahn, der Hausmeister, lächelte Sven an und hob bedauernd die Schultern.

„Tut mir Leid! Hatte keine Ahnung, dass du auch kommst.“

„No Problem“, erwiderte Sven und hockte sich im Schneidersitz auf den Boden. Unwillig entdeckte er einen kleinen, angetrockneten Sketchupfleck und versuchte ihn mit dem Fingernagel abzukratzen. Willi Hahn verschränkte die Arme vor die Brust. „Schlimme Sache, der Unfall gestern“, kommentierte er.

Julia nickte, ohne den Blick vom Bildschirm zu nehmen. Jessica sah so furchtbar aus. Ob von den vielen Verletzungen Narben zurückblieben? Ihre Reithose und der beigefarbene Pullover waren mit Blut verschmiert.

Lächelnd strich sie sich über die Ärmel ihres Pullovers, der fast so aussah wie der Jessicas...

Die Schwingtüren der Notaufnahme öffnete sich und Lutz eilte zu der Schwerverletzten.Lutz Berger, der neu in der Belegschaft der Serie ‘Spuren im Sand’ war...

„O wow“, flüsterte Julia erwartungsvoll. Jessica und Lutz! Erleichtert atmete sie auf. Gott sei dank, Jessica würde überleben. Lutz war gewiss nur wegen ihr engagiert worden.

Kichernd stieß ihr Tanja in die Rippen.

„Na, was hab‘ ich dir gesagt?“, flüsterte sie. „Die beiden, das gibt ‚ne heiße Nummer!“

„Echtes Glück, dass der aufgetaucht ist!“, äußerte sich Willi Hahn. „Wenn der nicht wäre, dann...“

Gereizt blickten die Mädchen in seine Richtung und er verstummte sofort.

Polternd betrat Herr Professor Dr. Stolpe die Notaufnahme. Mit einem Blick erfasste er die Situation, teilte Befehle aus, sagte jedem, was zu tun sei. Krankenschwestern und Assistenten schwirrten aufgeregt umher, um seine Anweisungen auszuführen. Plötzlich bemerkte der Professor die weiße Lilie.

„Was soll das?“, knurrte er.

Einer der Sanitäter zuckte die Schultern.

„Als wir die junge Frau fanden, lag sie in ihrem Schoß!“

Der Professor kratzte sich nachdenklich am Kinn.

„Merkwürdig“, murmelte er. „Aber ich denke, wir sollten die Polizei einschalten!“...

Julia tauchte voll und ganz in die Serie ein. Jessica Blumenhagen. Julia Brandt. Sie hatte die gleichen Initialen wie sie. Warum war sie nicht Jessica? Jessica besaß alles, was sie sich auch wünschte.Jessica lebte in einer Villa. Sie lebte mit ihrer älteren Schwester Stefanie in einem kleinen und stark renovierungsbedürftigen Häuschen.Jessica hatte so viel Geld. Sie bekam nur ein knappes Taschengeld, das hinten und vorne nicht reichte. Natürlich besaß Jessica ein eigenes Pferd, während sie sich jede Reitstunde mühsam mit Babysitten zusammensparte.Das Geschehen auf dem Bildschirm holte sie zurück...

Jessica wurde aus dem OP in ihr Zimmer gerollt. Lutz beugte sich zu ihr herunter und griff nach ihrer Hand. Jessicas Lippen zitterten...

Julia fühlte, wie ihre eigenen Lippen zu zittern begannen. Sie bemerkte nicht einmal, dass sie seufzte, bis sie Sven abfällig murmeln hörte: „Und ihr seid wie die Bekloppten hierher gezischt, um diesen Schwachsinn zu glotzen?“

„Wer wollte denn absolut dabei sein?“, konterte Julia gereizt.

„Ladys, ich versteh‘ euch nicht, wie ihr euch das antun könnt?“ Sven säuselte affektiert mit angehobener Stimme: „O Darling, ich bin ganz groggy!“

Seine Stimme fiel in eine tiefere Tonlage, und er imitierte Lutz Berger: „O Baby, bleib cool!“

Sven verdrehte die Augen und seine Stimme wurde wieder hoch.

„O Darling, warum hast du...“

„Halt endlich die Klappe, du Arsch!“, wies ihn Tanja scharf zurecht.

Julia starrte gebannt auf den Bildschirm.

Die Kamera zoomte auf den Pferderücken und zeigte eine klaffende, blutende Wunde, dann fuhr sie weiter auf den Sattel und endete in einem Close-up. Im Sattel steckte ein spitzer, grell funkelnder Nagel. Ein weiteres Close-up zeigte, dass der Riemen des Steigbügels eine frische Schnittstelle aufwies...

Entsetzt presste Julia die Hand vor den Mund, um nicht hysterisch loszuschreien. Jemand wollte Jessica umbringen.

„Na, was hab‘ ich gesagt“, feixte Sven. „Jessi kratzt bald ab!“

„Halt endlich die Klappe!“, schnauzte Julia ihn an. Außerdem benahm er sich ihr gegenüber seit einiger Zeit seltsam. Tief in ihrem Inneren wusste Julia warum. Nach der Karnevalsfete versuchte er sie zu küssen – und sie hatte ihn kichernd abgewiesen. Allein der Gedanke, sich von Sven küssen zu lassen, fand sie zu komisch. Er war ein Kumpel, höchstens noch ein großer Bruder – mehr nicht.

„Julia, sieh mal! Gleich knutscht er...“

„Wenn’s dir nicht gefällt, Sven, dann zieh Leine!“, zischte Julia aufgebracht und blickte rasch wieder zum Bildschirm.

Mit zärtlichem Lächeln griff Lutz nach Jessicas Hand...

Oliver

„O ist das nicht idyllisch?“

Julia kannte diese Stimme. Melanie Mann! Auch das noch! Die hatte ihr gerade noch gefehlt. Melli war so blöd, dass sie glaubte, die Sonne ging nur für sie auf.

„Ist das ‘Spuren im Sand’?“, hörte sie eine männliche Stimme. „Ist schon 'ne Ewigkeit her, dass ich mir die Soap reingezogen hab! Leute, what’s happend?“

Das Timbre der Stimme gefiel Julia. Sie drehte sich um und ihr Puls begann schneller zu schlagen. Er war sehr groß, bestimmt schon siebzehn, hatte dunkles Haar, das sich im Nacken leicht lockte. Seine Haut war von der Sonne gebräunt und seine Augen erst! So ein Blau. Da sie nicht wusste, was sie sagen sollte, lächelte sie scheu in seine Richtung.

„He, ich bin der Neue. Oliver Hardenberg“, und sah dabei nur Julia an. „Ich find‘ ‚Spuren im Sand‘ turbogeil! Du auch?“

Seine lockere Art verwirrte sie, und sie schenkte ihm ihr strahlendstes Lächeln. Ihr Herz klopfte ein wenig schneller, als er ihr Lächeln erwiderte.

Tanja, Sven und Melli beobachteten die beiden amüsiert und warfen sich vielsagende Blicke zu. Nervös spielte Julia mit ihren Haaren. Plötzlich trommelte Julias Herz so laut, dass sie Angst hatte, man würde es hören. Ob es Oliver ebenso erging wie ihr? Fühlte er vielleicht dasselbe wie sie?

Die erste Werbepause begann.

„Mann, du siehst Jessica wirklich sehr ähnlich!“, murmelte Oliver und musterte sie bewundernd.

„Blödsinn“, stammelte Julia. „Ich?“

„Ich war letztes Jahr lange im Krankenhaus. Ich habe mir sämtliche Soaps reinzuzogen, sogar die Talk Shows!“, behauptete er grinsend.

„Was hat dich denn dorthin verfrachtet?“, mischte sich Tanja ein. Die Arme vor die Brust verschränkt mustere sie ihn unverhohlen.

„Komplizierter Bruch. Es war der reinste Knast!“, erwiderte er knapp und sein Lächeln verdüsterte sich schlagartig.

Melli griff nach Olivers Arm.

„Sorry, Olli, du kannst Julia später anbaggern. Wir sollten doch Herrn Hahn fragen, ob er im Wochenendhaus den Elektroherd reparieren kann und dann müssen wir gleich los!“

Innerlich schnaubte Julia. Melli! Diese saublöde dumme Kuh. Die hatte es nicht nötig, sich Serien anzusehen, um ein wenig von der großen Welt zu träumen. Ihr Leben glich dem von Jessica fast aufs Haar. Genug Geld für teure Boutique-Klamotten und ein Pferd besaß sie auch. Natürlich sattelte Miss Supergirl ihr Pferd nicht selbst, mistete den Stall nicht selbst aus oder kümmerte sich um die empfindlichen Hufe. Dafür gab es schließlich Personal.

Oliver schien Melli überhaupt nicht zuzuhören, entfernte sich zwei Schritte und lächelte Julia zu.

„Wenn du so kurze Haare hättest wie Jessica, würd‘ ich schwören, du bist es!“

„O my goodness, wäre das nicht romantisch?“, stichelte Melli und musterte Julia verschlagen.

„Aber er dauert sowieso nicht mehr lange bis sie Jessi abmurksen, damit mal wieder Action in die Story kommt!“

Zufrieden registrierte Melli Julias Erschrecken und zauberte von einer Sekunde zur anderen ein bedauerndes Lächeln auf ihr Gesicht.

„O Baby, bleib cool. Ich wollte dich nicht erschrecken. Aber in jedem Käseblatt steht doch, dass A manda Jonsen, wieder zum Theater will. Bin mal gespannt, wie sie Jessi sterben lassen!“

Melli stich sich eine Strähne aus der Stirn und setzte noch eins drauf: „Vielleicht fällt sie auch so einem perversen Katzenkiller in die Hände. Bis jetzt hat er nur kleine, süße Kätzchen abgemurkst...“

Abrupt stockten ihre Ausführungen, als sie vier entsetzte Augenpaare auf sich gerichtet sah.

„Was soll das?“, rief Tanja und ihre Lippen zitterten.

Melanie straffte ihre Schultern und warf mit gekonntem Schwung ihre rote Lockenmähne in den Nacken.

„Sorry! To much fantasy. Natürlich wünsche ich niemanden etwas Böses.“

Lächelnd wandte sie sich an den Hausmeister und säuselte: „Herr Hahn, können wir mit Ihrer Hilfe rechnen.?"

Der Hausmeister nickte widerwillig. „Ich fahre morgen mal raus. Den Schlüssel hab‘ ich ja noch!“

„Thanks“, flötete Melli, dann zerrte sie an Oliver Arm. „Nun komm schon!“

Oliver grinste Julia über die Schulter hinweg entschuldigend zu.

„Ha, sie wünscht niemanden etwas Böses!“, zischte Tanja und zog ironisch die Augenbrauen in die Höhe.

„Sie ist ‚ne hohle Nuss“, fauchte Julia. Sie und Melli konnten sich nicht ausstehen. Und seit sie die Hauptrolle in `Was ihr wollt`spielen sollte – auf diese Rolle war Melli so scharf gewesen - erst recht.

„Sag‘ mal Sven, wer war das?“, erkundigte sich Julia beiläufig.

„Ein Neuer“, erwiderte er. „Wir haben die gleichen Kurse.“

Verträumt zwirbelte Julia eine Haarsträhne zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Werbespot war zu Ende...

Die Kamera zoomte auf eine behandschuhte Hand, die eine weiße Lilie auf Jessicas Nachttisch legte...

Julia spürte wie ein eisiger Finger über ihr Rückgrad strich. In dieser Folge wurde dieses Geheimnis noch nicht gelüftet. Die Titelmusik setzte ein, der Abspann lief, anschließend kam ein Werbespot für strahlend weiße Zähne.

„Was glaubst du, wer der Lilientyp ist?“, fragte Julia, als die drei zur nächsten Stunde zurückhetzten.

Sven feixte und führte den Zeigefinger wie eine Messerklinge über die Kehle, dabei zog er die Luft durch die Zähne.

„Nie! Jessica ist der Star!“, behauptete sie hitzig. Sven warf ihr einen kritischen Blick zu.