Stadttauben im Griff - Viktor Wiese - E-Book

Stadttauben im Griff E-Book

Viktor Wiese

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Beschreibung

Tauben und Menschen haben seit jeher ein zwiespältiges Verhältnis. Geliebt als Haus- und Nutztier, Postbote, verehrt als Friedens- und Liebesymbol, verhasst als schmutziges Ungeziefer, vor allem in dicht bebautem Gebiet. Doch eine Koexistenz mit Stadttauben ist möglich. Versteht man ihre natürlichen Verhaltensweisen, lässt sich das Problem auf artgerechte Weise lösen. Diese Buch zeigt Ihnen, wie Taubenbestände durch Monitoring, betreute Taubenschläge, An- und Umsiedlung, natürliche Vergrämung und Brutreduzierung durch Eiaustausch nachhaltig auf ein gesundes Maß gebracht werden können. Dann gehören Tauben weiter zur natürlichen, städtischen Vogelwelt, an der Sie ihre Freude haben können.

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Seitenzahl: 77

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Viktor Wiese

Stadttauben im Griff

Populationsmanagement – artgerecht und erfolgreich

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Inhaltsverzeichnis

InhaltVorwortGeleitwort zum Ratgeber „Stadttauben im Griff“EinleitungDie Taube – ein Mitbewohner seit Tausenden von JahrenWie die Taube zum Kulturfolger wurdeTauben und Menschen – Wohlwollen, Missverständnisse und KonflikteDie natürlichen Verhaltensweisen der TaubenSozialverhaltenBalz und BrutplatzwahlGebäudeprägungStandorttreueLebenserwartungFeindeDas Stadttaubenproblem lösen – ein artgerechtes KonzeptZuständigkeiten klärenAbwehrmaßnahmen – aus der Not geborenUrsachenforschung zuerstMaßnahmen des KonzeptsStadttaubenmonitoringTaubenhaus, der richtige StandortOhne Partner geht es nichtÖffentlichkeitsarbeitAndere Vogelarten fördernDer TaubenschlagEin wichtiger Baustein im TaubenmanagementWelcher Schlagtyp passt?Ausstattung für SchlägeWasserquellenFutterspenderBrut- und NistplätzeRuheplätzeBodenbelagBeleuchtungGerätschaften und ZubehörTaubenpopulationen umsiedelnVergrämungTauben einfangenAn- und Umsiedeln in der PraxisBetreuung und Kontrolle der TaubenFütterungGesunde Bestandsreduzierung durch EierentnahmeDie Situation im Schlag im Auge behaltenSchlagtauben auf naturgemäße Bedingungen umstellenDas Projekt in der ÜbersichtServiceZum NachlesenAdressenSchlusswort und DankBildquellen

Inhalt

© Wiese, Viktor

© jtairat/Shutterstock.com jtairat/Shutterstock.com

Vorwort

„Ein Spatz in der Hand ist besser als eine Taube auf dem Dach, sagt man.

Der Spatz ist völlig anderer Meinung.“

 

Quelle: Steinwürfe im Glashaus, Robert Lembke (Deutscher Journalist und Fernsehmoderator)

„Die großen Ideen kommen auf Taubenfüßen daher.“ Dieser Satz, der Friedrich Nietzsche zugeschrieben wird, beschreibt eindrücklich, welche Gedanken mir durch den Kopf gingen, als ich im Januar 2015 das Taubenhaus in Buchen zum ersten Mal besuchte und vor allem auch innen besichtigen konnte. Taubenfachmann Viktor Wiese erläuterte sein gelungenes Konzept und beeindruckte insbesondere damit, mit welchen „kleinen“ Maßnahmen „große“ Probleme behoben werden können.

2013 war Buchen – so meine Informationen – von Taubenpopulationen leidgeplagt. Wie in jeder größeren oder auch kleineren Stadt nisteten und brüteten Tauben in der Innenstadt und verschmutzen diese zwangsläufig. Auch Tauben lieben zentrale Orte, das Wasser der Brunnen gleichermaßen wie all die Brotkrumen, die da, wo Menschen in der Öffentlichkeit essen, liegenbleiben. Die Idee war, wie zuvor in anderen Städten bereits erprobt, die Tauben aus der Stadt zu locken und ihnen eine bessere Alternative zu bieten, die sie auch annehmen.

So entstand das Taubenhaus, an dessen Bau sich viele Hände beteiligt hatten und das seither von Viktor Wiese ehrenamtlich betreut wird. Die Einrichtung ist nach den Bedürfnissen der Tauben liebevoll und vor allem wohlüberlegt gestaltet. Die Tauben, so war klar, müssen es als ihre Zufluchtsstätte akzeptieren. Das war wohl der schwierigste Schritt. Jede Taube, die das Haus anfliegt, bleibt und dort brütet, zeigt, dass das Konzept erfolgreich ist und eine breite Öffentlichkeit verdient hat.

Mit diesem Ratgeber ist es Herrn Wiese gelungen, „sein“ Konzept verständlich darzustellen und eine Hilfestellung für jeden und jede zu bieten, die sich für ein solches Taubenhaus interessieren.

 

Berlin, 16. Dezember 2015

Dr. Dorothee Schlegel,

Mitglied des Deutschen Bundestages

Der Autor und die Bundestagsabgeordnete beim Besuch des Taubenhauses der Stadt Buchen. © Büro Dr. Dorothee Schlegel, MdB

Geleitwort zum Ratgeber „Stadttauben im Griff“

Manchmal gelingt es, ein Problem auf einem Weg zu lösen, der es ermöglicht, dass es tatsächlich nur Gewinner und keine Verlierer gibt. Ein wunderbares Beispiel dafür ist das Buchener Taubenhaus. Nun schon im dritten Jahr seines Betriebs hat es sich zu einem – ob der Erfolge – beispielhaften und nachahmenswerten Beispiel für die Steuerung einer vorher in vielfacher Hinsicht problematischen Stadttaubenpopulation entwickelt.

Dafür danke ich unserem Mitarbeiter Viktor Wiese. Trotz skeptischer Stimmen bei der Vorstellung seiner Ideen waren wir als Stadtverwaltung offen für seine Vorschläge. Nach seinen Vorgaben ließen wir zuerst ein Taubenhaus bauen. Mit großem persönlichem Engagement führte Herr Wiese dann das Betriebskonzept für das Taubenhaus mit tatkräftiger Unterstützung weiterer Institutionen zum Erfolg und betreut es so erfolgreich, dass dort eine große Anzahl Tauben heimisch geworden ist. In der Innenstadt sind Tauben seitdem nur noch vereinzelt anzutreffen. Das alles gelang ohne eine Taubenverfolgung durch Gift oder Netze und ohne den Vögeln in irgendeiner Weise zu schaden. Die Zeiten, in denen der Kot von bis zu 100 Tauben unsere historischen Gebäude in der Altstadt verschmutzt hat, sind deshalb Vergangenheit.

So entstand eine Win-win-Situation für den Tierschutz, die Stadthygiene und den Gebäudeschutz, die Schule machen sollte. Viktor Wiese gibt mit der Publikation dieses Ratgebers seine wertvollen Erfahrungen weiter. Ich danke unserem „offiziellen ehrenamtlichen Taubenbetreuer“, aber auch allen, die mitgeholfen haben das Projekt Taubenhaus zum Erfolg zu führen. Namentlich erwähnen möchte ich vor allem den Lagerhausbetrieb BAG Franken eG, der seit Juni 2013, also von Anfang an, das Futter für die Tauben unentgeltlich zur Verfügung stellt.

 

Buchen, 18. Dezember 2015

Roland Burger,

Bürgermeister der Stadt Buchen (Odenwald)

In der Altstadt von Buchen fanden die Tauben an den Gebäuden gute Lebensbedingungen. © Wiese, Viktor

Einleitung

Straßentauben – Freude oder Plage? Oder beides? © Colourbox.de

Neben anderen Tieren konnte ich schon als Kind auf einem landwirtschaftlichen Hof lange Zeit verwilderte Tauben beobachten. Ich sah täglich direkt zu, wie sich eine Ansiedlung in unserer Scheune verhielt und sich langsam entwickelte und entdeckte viele Details im Verhalten der Tauben.

Das hat dazu geführt, dass ich nun in jeder größeren Stadt und vor allem in der Fußgängerzone die Lebensbedingungen der Tauben erkennen und die dazugehörige Populationsentwicklung einschätzen kann. Diese ist eine natürliche Entwicklung, nichts Außergewöhnliches sondern nachvollziehbar, weil sie auf der Biologie und der natürlichen Lebensweise der Tauben beruht.

Als sich bei uns in der Stadt die Taubenpopulation an der Stadtkirche Jahr für Jahr verstärkt entwickelte, es sogar so weit kam, dass die Tauben sich im Inneren der Kirche breit machten und ihren Kot auf den die Sitzbänken hinterließen, die Tageszeitungen und sogar Radiosender darüber negativ berichteten, kam für mich die Entscheidung. Ich stellte, damals in der Funktion als stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Tierschutzvereins, der Stadtverwaltung mein Taubenhauskonzept vor. Ich erklärte mich persönlich dazu bereit, es umzusetzen. Und es gelang mir auch in kurzer Zeit.

Wohl jeder kennt die Diskussionen und die Berichte über die zunehmenden Stadttaubenplagen in den Städten. Die Population vermehrt sich unkontrolliert und rasant. Ihre Kotmassen verunreinigen Gebäude und zerstören sie auf Dauer.

Als vermeintliche Lösung werden dann überall Spikes angebracht, um zu verhindern, dass sich die Tauben dort niederlassen. Radikale Lösungen wie jagen, vergiften, einfangen und einschläfern kommen für echte Tierfreunde keinesfalls in Frage. Und humane Lösungen gibt es leider nur wenige.

Stadttauben und andere Vögel prägen das Stadtbild – kein Problem ohne Lösung. © l i g h t p o e t/Shutterstock.com l i g h t p o e t/Shutterstock.com

Viele Städte sind mit ihren Programmen zur Lösung des Stadttaubenproblems komplett oder teilweise gescheitert und haben damit viele Gelder „in den Sand gesetzt“. Solche Negativbeispiele trugen gleichzeitig dazu bei, dem Ruf der Stadttaube in der Gesellschaft noch mehr zu schaden. Aber es gibt auch viele Großstädte, die mit ihren Taubenkonzepten bereits sehr gute Erfolge erzielt haben, wie etwa die Vorbildstadt Augsburg.

Als mittlerweile ehrenamtlicher Taubenbeauftragter der Stadt Buchen möchte ich interessierten Personen die Möglichkeiten, eine Stadttaubenpopulation entsprechend der Natur der Tiere wirklich in den Griff zu bekommen, auf einfache und verständliche Weise näherbringen. Damit gescheiterte Projekte der Vergangenheit angehören, kann dieses Konzept Städten, Tierschutzvereinen, Tierfreunden, Helfern und Förderern als Basis dafür dienen, dass das Taubenmanagement glückt.

Eine Bitte

Lesen Sie diesen Ratgeber zuerst einmal vollständig von vorne nach hinten durch. Dabei werden Sie auf interessante Zusammenhänge stoßen, die Ihnen bisher wahrscheinlich nicht klar waren. Es nur querzulesen, würde zu Missverständnissen und Fragen führen. Sie sollten dieses Stadttaubenkonzept zuerst als Ganzes verstehen. Dieses Buch bietet alle Hintergrundinformationen dazu. Dann sollten Sie die Tauben in ihrer Stadt genau beobachten und so werden Sie in der Lage sein, dieses Lösungskonzept selbst mit Erfolg umzusetzen.

Die Taube – ein Mitbewohner seit Tausenden von Jahren

Die fliegenden Hochzeitstäubchen von Traumhochzeiten ergänzen nicht nur farblich die Stadttaubenpopulation. © Colourbox.de

Der Ursprung aller heutigen Tauben ist die Felsentaube (Columbia livia), die ihre Heimat in Eurasien, dem Mittelmeerraum, in Afrika, aber auch auf den nordatlantischen Inseln hat. Die heutigen Stadt- oder Straßentauben sind die domestizierte Form dieser Wildtauben.

Die Schwärme in unseren bewohnten Gebieten bestehen aus verflogenen Brieftauben, verwilderten Haus- und Zuchttauben sowie Hochzeitstauben (Columbia livia domestica) und ihren Nachkommen. Taubenvögel zählen zu den widerstandsfähigsten und erfolgreichsten Vogelarten und sie sind weltweit verbreitet.

Info

Tauben wurden vermutlich vor 4500 Jahren im vorderen Orient domestiziert und haben deshalb weniger Scheu vor Menschen als Wildtiere.

Wie die Taube zum Kulturfolger wurde

Schon im ersten und zweiten Weltkrieg wurden Brieftauben speziell gezüchtet und gezielt im Kampf eingesetzt. Die „Taubenpost“ stellte eine „unauffällige Kommunikation“ zwischen den Einsatzgebieten dar. Nach den Kriegen wurden die nicht mehr benötigen Brieftaubenbestände aufgelöst, die Vögel sich selbst überlassen. Die leerstehenden Ruinen der Städte begünstigten die Entwicklung der Taubenpopulation.

Auch die Hungerjahre nach dem zweiten Weltkrieg trieben die Haltung und Zucht der Haustauben voran. Der wertgeschätzte Vogel war pflegeleicht und versorgte sich weitgehend selbst. Durch die hohe Brutaktivität, bis zu sechs Mal im Jahr zwei Eier, lieferten diese Vögel Ei- und Fleischrationen für die Ernährung sowie Federn. Zeitzeugen berichteten mir, dass einige Städte sogar zusätzliche Futterstellen zur Verfügung stellten, um die Taubenpopulation zu steigern.