Star Trek: Der unsichtbare Gegner - V. E. Mitchell - E-Book

Star Trek: Der unsichtbare Gegner E-Book

V. E. Mitchell

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Beschreibung

Kirk trifft eine alte Bekannte wieder ...

Die Enterprise muss auf Sternbasis 15 zwei diplomatische Delegationen an Bord nehmen. Die Verhandlungen sollen den Streit um den Planeten Yagra IV beenden. Captain James T. Kirk bereitet nicht nur die komplizierte diplomatische Etikette Unbehagen. Er wird auch mit einer alten Bekannten konfrontiert, die sich nun Cecilia Simons nennt und mit dem Leiter der Föderationsdelegation verheiratet ist. Und diese Dame scheint Katastrophen geradezu anzuziehen. Plötzlich geschehen seltsame Dinge auf der Enterprise: Ein Saboteur versucht, das Raumschiff von seinem Kurz abzubringen und das Computersystem zu manipulieren. Dann wird ein Mitglied der kaldornischen Delegation ermordet ...

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Seitenzahl: 422

Veröffentlichungsjahr: 2014

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Die Enterprise muss ihre Kartographierungsmission unterbrechen, um auf Starbase 15 zwei diplomatische Delegationen an Bord zu nehmen. Die Verhandlungen sollen den Streit um den Planeten Yagra IV beenden.

Captain James Kirk bereitet nicht nur die komplizierte diplomatische Etikette Unbehagen. Er wird auch mit einer alten Bekannten konfrontiert, die sich nun Cecilia Simons nennt und mit dem Leiter der Föderationsdelegation verheiratet ist. Und diese Dame scheint Katastrophen geradezu anzuziehen.

Plötzlich geschehen seltsame Dinge auf der Enterprise. Ein Saboteur versucht das Raumschiff von seinem Kurs abzubringen und das Computersystem zu manipulieren. Dann wird ein Mitglied der kaldornischen Delegation ermordet …

V. E. MITCHELL

DER UNSICHTBARE GEGNER

Star Trek™

Classic

Für Jon.

Weil er glaubte, dass ich dies schreiben konnte.

Und weil er viele verschiedene

Historischer Hinweis

Das hier geschilderte Abenteuer findet kurz nach den Ereignissen statt, über die in STAR TREK: Der Film

Kapitel 1

CAPTAINS LOGBUCH: STERNZEIT 8036.2

Die Enterprise hat den Befehl erhalten, ihre routinemäßige Kartographierungsmission zu unterbrechen und zur Starbase 15 zu fliegen. Dort erwarten wir Anweisungen für eine kurze Mission höchster Priorität. Darüber hinaus geht der Erste Offizier Spock von Bord – ein Shuttle bringt ihn nach Vulkan. Dort besucht er während der nächsten zwei Wochen eine Konferenz, an der nur geladene Gäste teilnehmen dürfen. Sie wird von der vulkanischen Akademie der Wissenschaften veranstaltet; es geht dabei um extremenergetische Physik und die Mikrostruktur des Universums.

PERSÖNLICHES LOGBUCH, NACHTRAG:

Normalerweise würde der Umstand, dass Spock die nächsten beiden Wochen auf Vulkan verbringt, kaum Neid in mir wecken, aber ich schätze, diesmal ist er besser dran als wir. Ich fürchte, unser neuer Auftrag ist diplomatischer Natur. Außerdem bin ich skeptisch in Hinsicht auf jenen Mann, den uns Starfleet als Ersatz für Spock schickt. Ich weiß nur, dass er an Bord der Enterprise zusätzliche Erfahrungen sammeln soll, bevor er nächsten Monat als stellvertretender Kommandant eine lange Reise mit dem neuen Forschungsschiff U.S.S. Challenger beginnt.

Lieutenant Commander Uhura nahm eine Kom-Mitteilung entgegen und wandte sich an Kirk. »Ich empfange eine Botschaft von Starbase 15, Captain. Admiral Chen möchte Sie sprechen.«

»Auf den Schirm.« Kirk saß im Kommandosessel und straffte die Schultern. Er erinnerte sich an Chen von der Akademie her – sie hatte immer großen Wert auf ein tadelloses Erscheinungsbild gelegt. Sie stand auch in dem Ruf, Gefallen daran zu finden, unangenehme Aufträge zu verteilen. Kirk beschloss, sich nichts anmerken zu lassen – worin auch immer die Prioritätsmission bestehen mochte.

Eine zart gebaute Frau chinesischer Herkunft erschien im Projektionsfeld und hielt sich nicht mit irgendwelchen Höflichkeitsfloskeln auf. »Captain Kirk, inzwischen dürften Sie bereits ahnen, worum es geht. Ihr Schiff soll die kaldornische Delegation und eine Verhandlungsgruppe der Föderation zum diplomatischen Planetoiden La Paz bringen. Detaillierte Informationen werden Ihnen übermittelt. Sie können die Passagiere sofort an Bord beamen, wenn Sie die Starbase erreichen. Chen Ende.«

»Scheint noch immer ein richtiger Besen zu sein«, murmelte der Navigator, Fähnrich Yeshua ben Josef, als er sich zu seiner Konsole vorbeugte und die Koordinaten für den letzten Teil des Flugs zur Starbase überprüfte.

Lieutenant Commander Sulu saß am ›Ruder‹ der Enterprise, sah zu seinem Kollegen und lächelte. »Manchmal reicht die Energie nur für zwei Minuten Subraum-Kommunikation. Und dann darf man keine überflüssigen Worte verlieren.«

Kirk ignorierte den Wortwechsel. »Wie lange dauert's noch, Mr. ben Josef?«

»Wir erreichen das Ziel in fünfzehn Minuten, Sir.«

Der Captain stand auf. »Sie haben das Kommando, Mr. Sulu. Geben Sie mir Bescheid, wenn wir da sind. Commander Uhura, transferieren Sie die von Admiral Chen versprochenen Informationen in mein Quartier. Ich möchte herausfinden, um was es geht, bevor uns die Starbase in Empfang nimmt.«

»Warte, Jim!« McCoy zupfte am Kragen der Galauniform, als er durch den Korridor eilte. »Ich habe gehört, dass uns eine diplomatische Mission bevorsteht. Bitte sag mir, dass es sich dabei nur um ein Gerücht handelt.«

Kirk blieb vor dem Transporterraum stehen. »Tut mir leid, Pille. Während der nächsten Tage wird die Enterprise für den diplomatischen Pendelverkehr in diesem Quadranten eingesetzt.«

»Um ganz genau zu sein, Captain: Die Enterprise kümmert sich nur um die Hälfte des besagten Verkehrs in diesem Quadranten.« Spock trat näher; in der einen Hand hielt er eine Reisetasche. »Die zweite Hälfte fällt in den Zuständigkeitsbereich der Juan Martinez vom Diplomatischen Dienst.«

»Ach, und woher wissen Sie das alles?« McCoy wippte auf den Zehen. »Während der nächsten beiden Wochen sind Sie nicht einmal an Bord.«

»Das stimmt, Doktor. Allerdings befasse ich mich nach wie vor mit neuen Einsatzinformationen – um zu wissen, was die Enterprise erwartet.

Dieses Schiff soll eine Delegation der Vereinten Kaldorni-Welten nach La Paz bringen, wo Verhandlungen mit Beystohn-Repräsentanten der Liga Verbündeter Planeten stattfinden. Auf dem Weg zum Planetoiden werden sich einige Föderationsspezialisten bemühen, sich mit den Kaldorni auf gewisse Rahmenbedingungen für die Verhandlungen zu einigen.« Spock folgte Kirk und McCoy durch die Tür. »Sowohl die Kaldorni als auch die Beystohn haben den interstellaren Völkerbund gebeten, einem Krieg zwischen ihnen vorzubeugen. Der Konflikt betrifft den Planeten Yagra IV.«

»Hab nie davon gehört«, brummte McCoy und warf einen Blick über die Schulter, als das Schott des Transporterraums wieder zuglitt. Er bedauerte es bereits, dass er den Vulkanier zu diesem Vortrag herausgefordert hatte. Kirks Gesichtsausdruck deutete darauf hin, dass ihn das Unbehagen des Arztes amüsierte.

Spock ignorierte McCoys Kommentar. »Yagra IV ist eine tropische Welt mit hoher Schwerkraft und befindet sich im System Epsilon Carinae, etwa auf halbem Wege zwischen den Heimatplaneten der Kaldorni und Beystohn. Die Kaldorni empfinden eine so hohe Schwerkraft als unangenehm, und für die ans subarktische Klima gewöhnten Beystohn ist es auf Yagra IV viel zu heiß und zu feucht. Allerdings gehört dieser Planet zu den wenigen Welten, die für eine Besiedlung in Frage kommen und mit den Raumschiffen beider Völker erreicht werden können.«

»Gab es in den Einsatzinfos Hinweise darauf?«, fragte Kirk erstaunt.

»Ich habe eigene Nachforschungen angestellt, Captain. Der Computer hält weitere Daten auf Abruf für Sie bereit.«

»Danke, Mr. Spock. Ich befasse mich so bald wie möglich damit.«

»Bitte erlauben Sie mir, ein Anliegen zur Sprache zu bringen, Captain. Ich habe am Prototyp eines Programms gearbeitet, das auf Anfrage logischen Rat zur Verfügung stellen soll. Es basiert auf einem noch experimentellen System künstlicher Intelligenz, das vielleicht die Funktionsweise unserer Computer revolutionieren wird. Das System ist noch nicht vollständig implementiert, und vermutlich gibt es hier und dort Fehler im Programm. Ihre Lokalisierung wäre wesentlich einfacher, wenn auch jemand anders das Funktionspotenzial testet.«

»Genau das braucht die Enterprise.« McCoy sah zur Decke und rollte mit den Augen. »Eine Art elektronischen Vulkanier.«

»Das Programm ist nicht speziell für dieses Schiff bestimmt«, erwiderte Spock. »Der ideale Einsatzort wären kleine Scoutschiffe. Dort könnte es Besatzungsmitgliedern helfen, für die keine Möglichkeit besteht, den Sachverstand wissenschaftlicher Spezialisten in Anspruch zu nehmen. An Bord der Enterprise ist die Situation eine völlig andere. Außerdem halte ich es für unangemessen, in diesem Zusammenhang von einem ›elektronischen Vulkanier‹ zu sprechen, Doktor. Ich habe bisher insgesamt siebzehn Komma drei vier Arbeitsstunden in das Programm investiert. Diese Zeit genügt nicht einmal, um eine Wissensbasis zu schaffen, die der eines sehr jungen Menschen entspräche. Ich wollte den Captain nur darum bitten, die allgemeine Funktionsweise des Programms zu testen, so dass ich nach meiner Rückkehr eventuell notwendige Modifikationen vornehmen kann.«

»Danke, Spock. Ich bin Ihnen gern behilflich, wenn sich eine Gelegenheit bietet.« Kirk wandte sich an den Transporterchef. »Statusreport.«

»Die Starbase meldet, dass unsere Passagiere für den Transfer bereit sind«, erwiderte Janice Rand. »Mr. Spock kann sich jederzeit zur Basis beamen.«

Der Vulkanier durchquerte das Zimmer und schritt zur Plattform. »Mit Ihrer Erlaubnis, Captain Kirk …«

»Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei der Konferenz, Mr. Spock.« Kirk nickte Rand zu. »Energie. Und holen Sie anschließend unsere … Gäste an Bord.«

Das vertraute Summen und Sirren des Transporters erklang. Spock löste sich in flirrender Energie auf und verschwand. Rand rejustierte die Kontrollen und transferierte dann die erste Gruppe – fünf Personen materialisierten.

Ein großer, kräftig gebauter und knapp sechzig Jahre alter Mann trat von der Plattform. Kirk erkannte ihn sofort. Joachim Montoya war ganz in Schwarz gekleidet; das silberne Föderationsabzeichen an der linken Jackenseite bildete die einzige Ausnahme. Dunkle Augen und schwarzes Haar, in dem hier und dort graue Strähnen glänzten, verstärkten den Eindruck ernster Würde. Sein Blick glitt durch den Raum, bevor er Kirk ansah und die Hand ausstreckte. »Captain Kirk …« Er lächelte. »Ich habe viel von Ihnen gehört. Es ist mir eine große Ehre, Ihnen zu begegnen.«

»Danke, Bevollmächtigter.« Kirk achtete ganz bewusst darauf, eine gewisse Distanz zu wahren. Montoyas Herzlichkeit weckte vagen Argwohn in ihm. »Die Enterprise und ich stehen zu Ihren Diensten.«

Der Bevollmächtigte lächelte noch immer. »Danke, Captain. Wenn ich Ihnen meine Begleiter vorstellen darf …« Er deutete auf zwei Männer und eine Frau, die ebenfalls Föderationsinsignien trugen. »Meine Assistenten Kristiann Norris, Devlin Vreblin und Paul Zayle.« Als Montoya ihre Namen nannte, nickten die betreffenden Personen. Norris war eine fast zierliche Frau durchschnittlicher Größe; sie hatte kastanienfarbenes Haar, braune Augen und ein unscheinbares Gesicht. Vreblin erwies sich als klein und drahtig. Eine Narbe reichte ihm über die Wange bis hin zur Oberlippe, verlieh seinen Zügen einen permanenten höhnischen Aspekt. Den Augen gelang es, eine subtile Art von Verdrießlichkeit zum Ausdruck zu bringen – Kirk hoffte, dass er sich nie mit diesem Mann streiten musste. Der große und blonde Zayle sah außerordentlich gut aus, bildete damit einen auffallenden Kontrast zu Norris und Vreblin. Jim vermutete, dass Zayles Dienste in erster Linie Muskelkraft betrafen und nicht sehr viel Intelligenz erforderten. Wie dem auch sei: Zweifellos war er imstande, in dieser Hinsicht Bemerkenswertes zu leisten.

»Und Cecilia Simons, seit drei Monaten meine Frau.«

Simons schien an große Auftritte gewöhnt zu sein. Sie glitt nach vorn und ließ ihren Umhang fallen. Das Ding sank wie in Zeitlupe zu Boden, formte dort einen pflaumenblauen und purpurnen Haufen. Zayle schnitt eine finstere Miene, als er nach dem Kleidungsstück griff.

Cecilia Simons war hochgewachsen und schlank. Dichtes schwarzes Haar wallte auf ihre Schultern herab und darüber hinweg. Ihr scharlachrotes Kleid glitzerte und glänzte, und in den katzenartigen, saphirblauen Augen schimmerte es. Mit betonter Eleganz näherte sie sich Kirk und streckte die Hand aus.

»Du brauchst mich dem Captain nicht vorzustellen, Yonnie«, sagte sie. »Jimmy und ich sind alte Freunde.«

Kirk versteifte sich unwillkürlich, als er die Frau erkannte. Cecilia Simons?, dachte er. So nennt sie sich jetzt? »Es ist lange her … Cecilia.« Aber nicht lange genug, fügte er in Gedanken hinzu. »Ich habe nicht damit gerechnet, dich ausgerechnet hier wiederzusehen.«

»Im Gegensatz zu mir.« Leidenschaft vibrierte in Cecilias Stimme. »Ich war außer mir vor Freude, als Yonnie mir erzählte, wie der Captain des Schiffes heißt, das uns nach La Paz bringen soll.«

Ja, kann ich mir denken. Kirk hütete sich davor, diese Worte laut auszusprechen. Warum die zuckersüße Tour?, überlegte er. Will sie irgend etwas von mir? Er verdrängte diese Gedanken und wandte sich an Montoya. »Ich lasse Sie nun zu Ihrer Kabine führen, Bevollmächtigter.«

Der Diplomat nickte. »Vielen Dank, Captain. Meine Assistenten und ich bleiben hier, um auf die Kaldorni zu warten. Aber meine Frau möchte sich bestimmt ins Quartier zurückziehen.«

»Wie Sie meinen.« Kirk gab entsprechende Anweisungen. Als er beobachtete, wie zwei Besatzungsmitglieder das Gepäck auf einer Antigravplatte verstauten, fühlte er Cecilias Blick. Er glaubte, einen berechnenden Aspekt in ihrer Miene zu erkennen, und dadurch wuchs seine Besorgnis.

Als Simons den Transporterraum verlassen hatte, beamte Rand die ersten Kaldorni an Bord. Vier Männer mit bronzefarbener Haut und lederner Kriegerkleidung materialisierten. Die lackierten und polierten Brustharnische aus Messing funkelten. Kirk beobachtete, dass in jeder Hand ein sehr gefährlich wirkendes Messer ruhte. Er musterte die großen, muskulösen Gestalten und dankte dem Himmel dafür, dass diese Leute von einem Planeten mit niedriger Schwerkraft stammten. Wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt, sind wir ihnen gegenüber im Vorteil.

»Was hat das zu bedeuten, Bevollmächtigter?«, fragte Jim und deutete zu den Messern. Der Anblick so vieler Waffen veranlasste ihn nicht dazu, dieser speziellen Mission positivere Gefühle entgegenzubringen.

»Eine Ehrenwache, Captain. Kein hochrangiger Kaldorni ist ohne angemessene Eskorte unterwegs.« Montoya bedachte Kirk mit einem weiteren Lächeln. »Die Messer dienen allein dekorativen Zwecken.«

Die Beklommenheit wich nicht von Jim – die Klingen schienen durchaus fähig zu sein, schlimme Wunden zu verursachen oder gar zu töten. Er fragte sich, ob in Chens Informationen über die Kaldorni weitere Einzelheiten fehlten. »Hoffentlich haben Sie recht«, hauchte er.

Die vier Kaldorni verließen die Plattform, drehten sich dann um und starrten zu den Transferfeldern. »Energie«, sagte einer von ihnen mit tiefer, seltsam klingender Stimme.

Kirk nickte Rand zu.

Der Transporter summte, und in sechs Energiesäulen nahmen kaldornische Männer Gestalt an. Sie trugen dicke, bis zum Boden reichende Mäntel. Darunter zeigten sich bunte, reich verzierte Gewänder. Die Wächter hoben ihre Messer und klopften sie aneinander, knieten dann vor dem kaldornischen Botschafter nieder. Mehrmals blitzten die Klingen, als die Krieger sie hoben und den Eindruck erweckten, gegen imaginäre Gegner anzutreten. Schließlich verharrten die Messer überkreuzt vor den Füßen des Botschafters.

Das Oberhaupt der kaldornischen Delegation war klein und korpulent, hatte ein rundes Gesicht mit vollen Lippen, dunkle Haut und graue, farblose Augen. Bei jeder Bewegung klirrte der üppige Schmuck. Kirk hielt diesen Mann für jemanden, der das Leben in vollen Zügen genoss.

»Ich bin Captain James T. Kirk«, stellte er sich vor. »Willkommen an Bord der Enterprise.«

Der kaldornische Botschafter nickte kurz, und einer seiner Begleiter eilte zu ihm. »Botschafter n'Gelen l'Stror Klee nimmt Ihren Gruß für sich selbst und die anderen Angehörigen der Delegation entgegen. Ich bin sein Sprecher k'Vlay t'Stror und teile Ihnen seine Gedanken mit.«

»Für hochrangige Kaldorni gehört es sich nicht, direkt mit Untergebenen zu sprechen«, erklärte Montoya. »Sie gehen übrigens davon aus, dass alle Nicht-Kaldorni einen geringeren Rang bekleiden – bis die Betreffenden das Gegenteil beweisen.«

Kirk verzog andeutungsweise das Gesicht und nickte. Hatte ihm Chen überhaupt irgend etwas Wichtiges mitgeteilt? Eine Gruppe sehr statusbewusster Diplomaten, dachte er. Das hat mir an Bord der Enterprise gerade noch gefehlt.

»Der Botschafter bittet darum, dass alle unwichtigen Personen den Raum verlassen«, sagte t'Stror. »Er möchte nun seine Frauen an Bord holen, und es geziemt sich nicht, dass sie von Außenweltleraugen gesehen werden.«

Kirk blickte sich im Transporterraum um und schien es für möglich zu halten, dass noch mehr Personen erschienen waren, während seine Aufmerksamkeit den Kaldorni gegolten hatte. Glücklicherweise präsentierten sich ihm keine Klingonen. »Die hier anwesenden Repräsentanten der Föderation können wohl kaum als ›unwichtig‹ bezeichnet werden.«

»Es geziemt sich nicht, dass Außenweltler die Frauen des Botschafters sehen«, wiederholte t'Stror. »Verlassen Sie dieses Zimmer, Sie alle.«

Kirk schluckte eine scharfe Antwort hinunter. Abrupt drehte er sich um, führte sowohl McCoy als auch die Föderationsdiplomaten hinaus.

»Das kann ja heiter werden«, brummte der Arzt, als sich die Tür des Transporterraums hinter ihnen schloss. Kirk warf ihm einen kurzen Blick zu – Leonards Bemerkung spiegelte seine eigenen Empfindungen wider.

»Was hat es mit der bewaffneten Eskorte und den ›unwichtigen Personen‹ auf sich?«, fragte er Montoya und machte keinen Hehl aus seinem Ärger.

»Dabei handelt es sich um Elemente der kaldornischen Kultur, Captain.« Montoya lächelte einmal mehr. »Sie wurzelt tief in den militaristischen Traditionen der Vergangenheit. Die Kaldorni sind sehr stolz darauf, ihre Bräuche zu wahren, während sie die Gesellschaft den Erfordernissen der Zukunft anpassen. In gewisser Weise ähneln sie den Japanern des siebzehnten Jahrhunderts – falls Sie mit dieser Phase der terranischen Geschichte vertraut sind, Captain. Die Kaldorni gefallen Ihnen bestimmt, sobald Sie sich an ihre Eigenheiten gewöhnt haben.«

Kirk runzelte skeptisch die Stirn. »Und dafür habe ich zwei Wochen Zeit, nicht wahr?«

»Sicher dauert es nicht so lange, Captain.«

Einige Besatzungsmitglieder näherten sich mit einem Antigravmodul, als das Schott des Transporterraums beiseite glitt. Die sechs kaldornischen Frauen trugen dunkle Umhänge und Schleier. Von ihren Gesichtern waren nur die großen, hellgrauen Augen zu sehen.

»Geleiten Sie den Botschafter und seine Gruppe zu ihren Quartieren«, sagte Kirk. Eine dunkelhaarige Frau wandte sich vom Modul ab, bestätigte die Anweisung und ging mit der Kaldorni-Delegation durch den Korridor. Kirk sah Montoya an. »Wenn Sie jetzt soweit sind … Ich sorge dafür, dass man Ihnen Ihre Unterkunft zeigt.« Er winkte einem anderen Besatzungsmitglied zu.

»Das wäre sehr nett von Ihnen, Captain.«

»Wenn Sie mich bitte entschuldigen würden, Bevollmächtigter … Ich habe auf der Brücke zu tun.«

»Natürlich, Captain.«

Als Kirk den Kontrollraum der Enterprise erreichte, hatte er sich einigermaßen beruhigt. Doch der Ärger über die Unvollständigkeit des Informationsmaterials blieb.

Er schritt zur Kommunikationsstation. »Verbinden Sie mich mit Admiral Chen, Uhura. Ich möchte sofort mit ihr reden. Ich bin in meinem Quartier zu erreichen.«

»Aye, aye, Captain«, antwortete die dunkelhäutige Frau an den Kom-Kontrollen, als sich Kirk schon wieder anschickte, den Raum zu verlassen.

Kurze Zeit später betrat er seine Kabine, und fast gleichzeitig summte das Interkom. »Hier Kirk.«

»Ich habe eine Verbindung mit Admiral Chen hergestellt, Sir.«

»Kom-Kanal öffnen.« Ein Gesicht mit asiatischen Zügen erschien auf dem Bildschirm – ein Gesicht, das Stolz, Hartnäckigkeit und einen unbezähmbaren Willen zum Ausdruck brachte. Kirk bezweifelte plötzlich, ob ihm die Antworten auf seine Fragen gefielen.

»Ich benötige zusätzliche Informationen in Bezug auf die neue Mission der Enterprise, Admiral.«

»Was möchten Sie wissen, Captain?«

»Dem von Ihnen übermittelten Info-Material mangelt es an soziologischen und kulturellen Daten über die Kaldorni. Wir müssen unbedingt mehr von jenen Leuten wissen, um zu vermeiden, sie irgendwie vor den Kopf zu stoßen.«

Chens Lippen zuckten kurz – ein Hinweis darauf, dass sie jetzt am liebsten eine Grimasse geschnitten hätte? »Der Bevollmächtigte Montoya ist in der Lage, Ihnen alle notwendigen Informationen zu geben. Darüber hinaus haben wir eine Datenkassette mit weiteren Erläuterungen vorbereitet, damit es zu keinen Problemen kommt. Der Ersatzmann für den Ersten Offizier bringt sie Ihnen.«

»Danke, Admiral. Da Sie gerade davon sprechen … Wer soll Spock während der nächsten beiden Wochen vertreten?« Kirk trachtete danach, sein Interesse nicht zu deutlich zu zeigen. Bisher waren alle seine Versuche fehlgeschlagen, mehr über den Mann zu erfahren, der zwei Wochen lang den Platz des Vulkaniers einnehmen würde.

Chen schenkte der Frage überhaupt keine Beachtung. »Ich möchte noch einmal die Bedeutung Ihrer Mission unterstreichen, Captain. Wir glauben, dass jemand versucht, die Verhandlungen zwischen Kaldorni und Beystohn zu sabotieren. Außerdem: Vielleicht gehört ein Spion zur Gruppe des Botschafters. Ihre Aufgabe besteht darin, alle störenden Einflüsse von den Gesprächen der Delegationen fernzuhalten. Die Stabilität dieses Quadranten hängt davon ab.«

»Darf ich darauf hinweisen, dass die Enterprise ein Forschungsschiff ist, Admiral? Für derartige diplomatische Aufträge sind wir nicht richtig ausgerüstet.«

»Einwand zur Kenntnis genommen.« Chen wollte noch etwas hinzufügen, doch etwas anderes weckte ihre Aufmerksamkeit. Mit einer Geste bedeutete sie Kirk zu warten, wandte sich vom Übertragungssensor ab und nahm eine Meldung entgegen. Einige Sekunden später: »Jetzt ist es keine Vermutung mehr, Captain. Sicherheitswächter der Starbase haben gerade eine Leiche gefunden. Der Tote ist ein Kaldorni, aber wir wissen noch nicht, ob sich eine Identifizierung vornehmen lässt. Damit dürfte klar sein, dass sich tatsächlich ein Spion an Bord ihres Schiffes befindet und sich als Mitglied von Botschafter Klees diplomatischer Delegation ausgibt.«

»Ich verstehe.« Kirk presste die Lippen zusammen. Bei der neuen Mission ergaben sich ständig neue Schwierigkeiten. »Nun, ich wollte auch noch etwas anderes mit Ihnen besprechen, Admiral. Es geht dabei um die Frau des Bevollmächtigten Montoya. Sie selbst haben die Bedeutung dieser Mission betont, und mir gefällt die Vorstellung nicht, dass meine Offiziere von unbeteiligten Zivilisten abgelenkt werden könnten. Daher schlage ich vor, Miss Simons zur Starbase zu retransferieren, bevor die Enterprise den Warptransfer einleitet.«

Chen schüttelte den Kopf. »Ausgeschlossen. Der Bevollmächtigte Montoya bestand darauf, dass ihn seine Frau begleitet. Damit noch nicht genug: Sie hat eine Tochter, die an Bord Ihres Schiffes arbeitet – ein Lieutenant namens Whitehorse. Sie wollen doch keinem Wiedersehen von Mutter und Tochter im Wege stehen, oder?«

»Das würde mir Lieutenant Whitehorse sicher nie verzeihen.« Kirk hielt den Sarkasmus in seiner Stimme für unüberhörbar, aber Chen reagierte nicht darauf.

»Wenn das alles ist … Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, Captain. Chen Ende.«

»Kirk Ende.« Er schaltete den Kom-Schirm aus, lehnte sich im Sessel zurück und seufzte. »Herrlich«, murmelte er. Zwei Wochen lang musste er mit einem Botschafter zurechtkommen, der es für unter seiner Würde hielt, mit ihm zu sprechen; gleichzeitig ging es darum, einen Spion und Mörder zu entlarven, bevor er Gelegenheit bekam, Unheil zu stiften. Von Cecilia Simons ganz zu schweigen. McCoy hatte recht: Das konnte wirklich heiter werden.

Kirk aktivierte das Interkom – es wurde Zeit für erste Warnungen. »Uhura, teilen Sie der Geologin Whitehorse mit, dass sich ihre Mutter an Bord befindet.«

»Ja, Sir. Übrigens, Captain: Der Transporterraum meldet, dass der stellvertretende Erste Offizier an Bord eingetroffen ist.«

»Gut. Er soll sich sofort in meiner Kabine melden.«

»Aye, aye, Sir.«

Eine knappe Minute später summte der Türmelder. Kirk sah vom Computerschirm auf – das kleine Projektionsfeld zeigte ihm die von Spock vorbereiteten Daten. »Herein.«

Die Tür glitt beiseite und gab den Blick frei auf einen kleinen, drahtigen Mann mit rotem Haar. Er blieb im Zugang stehen, und in seinen grünen Augen glühte es schelmisch.

»Patrick!« Kirk sprang auf und eilte zur Tür, um seinen alten Freund und Klassenkameraden zu begrüßen. Commander Patrick Eugene Brady grinste vom einen Ohr bis zum anderen, als er Kirk umarmte. »Wie hast du das hingekriegt, Patrick?« Die letzten Gerüchte hatten behauptet, dass Brady an Bord eines kleinen Forschungskreuzers versetzt worden war, der am Rand des stellaren Territoriums der Föderation operierte. Angeblich kam der Transfer einer Strafe gleich. Grund: Patricks Hang zu Streichen. Sein entsprechender Ruf an der Starfleet-Akademie wurde nur von dem des legendären Finnegan übertroffen. Allein Bradys wissenschaftliches Genie verhinderte ein vorzeitiges Ende seiner beruflichen Laufbahn. Offenbar widerstrebte es Starfleet, einen Mann von Patricks Kaliber zu verlieren – obgleich er nicht viel von Disziplin hielt.

Kirk ahnte, dass diese Gerüchte übertrieben waren, aber er kannte Brady und wusste daher: Wie aufgebläht die Geschichten auch sein mochten – mit ziemlicher Sicherheit enthielten sie einen wahren Kern.

Patrick lächelte noch immer, als er sich in einen Sessel sinken ließ. Er beobachtete, wie der Captain ebenfalls Platz nahm, legte dann eine Kassette auf den Schreibtisch.

»Jeder muss seine Arbeit irgendwo lernen. Einige der hohen Tiere nahmen Anstoß an meinen Methoden, entschieden jedoch, mir noch eine Chance zu geben.« Brady zuckte mit den Schultern. »Ich soll an Bord eines Schiffes der Constitution-Klasse praktische Erfahrungen sammeln, bevor im nächsten Monat mein Dienst an Bord der Challenger beginnt. Deshalb bin ich hier, Captain – um zu lernen.«

»Interessant. Wer Bereitschaft zum Lernen zeigt, gibt damit zu erkennen, nicht alles zu wissen.« Kirk lachte. »Es dürfte sicher Spaß machen, dich etwas zu lehren. Ist mal eine Abwechslung.«

»Oh, wir müssen es nicht gleich übertreiben. Ich weiß, dass du schon so genug Schwierigkeiten am Hals hast. Möchtest du Onkel Patrick davon erzählen?«

»Bevollmächtigter Montoya hat seine Frau mitgebracht. Ich … äh … kenne die Dame. Sie bringt in jedem Fall einen Haufen Probleme mit.«

»McCoy hat mir erzählt, dass sie dich sehr herzlich begrüßte. Muss eine tolle Lady sein.«

Kirk schnaubte abfällig. »Eine ›Lady‹ ist sie gewiss nicht.« Er schüttelte den Kopf. »Ich weiß nicht, was sie diesmal im Schilde führt. Meistens kommt man ihr erst dann auf die Schliche, wenn's schon zu spät ist.« Er griff nach der Kassette. »Ich beschäftige mich jetzt besser hiermit. Und du bekommst nun deine erste Anweisung: Gib den Sektionsleitern dieses Schiffes Bescheid – in zwei Stunden erwarte ich sie zu einer Einsatzbesprechung. Insbesondere erörtern wir dabei jene Informationen, die uns Starfleet in Hinsicht auf die Kaldorni übermittelte. Eine wichtige Frage lautet: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Routine an Bord und für das offizielle Essen heute Abend? Begib dich anschließend zur Krankenstation, damit McCoy die obligatorische Untersuchung vornehmen kann. Vermutlich hast du sie noch nicht hinter dich gebracht.«

Brady stand auf und wirkte wie die Unschuld selbst. »Ich bitte Sie, Captain Kirk … Halten Sie mich für fähig, ganz bewusst Vorschriften zu ignorieren und die medizinische Untersuchung schlicht zu ›vergessen‹?«

»Patrick …«, sagte Kirk in einem warnenden Tonfall.

»Aye, aye, Captain.« Brady gab sich unterwürfig, als er zur Tür ging. Dort grinste er noch einmal, bevor er das Quartier des Kommandanten verließ.

Kapitel 2

Zu Kirks großer Überraschung kam es beim Essen am Abend nicht zu unliebsamen Zwischenfällen. Der Empfang fand zu Ehren der Kaldorni statt, und natürlich hatte man die Sitzordnung den Erfordernissen der kaldornischen Etikette angepasst. Botschafter Klee verlangte einen eigenen Tisch, da er die Ansicht vertrat, dass alle anderen Personen an Bord der Enterprise einen niedrigeren Rang bekleideten. Man stellte einige kleinere Tisch in der Nähe auf und wies dem Sprecher des Botschafters dabei eine zentrale Position zu auf diese Weise wurde sowohl die Form gewahrt als auch eine gesellige Atmosphäre gewährleistet.

Die Diätetikerin des Schiffes sowie ihre Mitarbeiter gaben sich große Mühe, ein Essen zu servieren, das sowohl den Notwendigkeiten eines offiziellen Anlasses genügte als auch den speziellen metabolischen Anforderungen von drei verschiedenen Spezies und einem Dutzend unterschiedlicher Kulturen gerecht wurde. Außerdem war der Konferenzraum so umgestaltet worden, dass er nun der Terrasse einer kaferianischen Villa ähnelte. Einige Wandgemälde zeigten ferne Berge. Sulu hatte aus der hydroponischen Abteilung mehr als zwanzig immerblühende Nachtpflaumbüsche besorgt, die nun an der Wand standen und einen aromatischen Duft verströmten. Hier und dort glühten Punktlichter zwischen den Blättern; sie fügten der allgemeinen Beleuchtung einen sanften goldenen Glanz hinzu. Auf den Tischen leuchteten simulierte Kerzen, die aus größeren Punktlichtern und sorgfältig strukturierten Hologrammen bestanden.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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