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In der Falle!
Die Jarada sind Insektenwesen, die sich bislang von allen anderen Völkern der Galaxis abgeschottet haben. Nun wollen sie ihre Isolation offenbar durchbrechen, denn sie bemühen sich um Aufnahme von Beziehungen zur Föderation. Auf Wunsch der Jarada soll Captain Picard die Verhandlungen leiten. Doch über Kultur und Sprache der Insektoiden ist nahezu nichts bekannt. Umso erstaunlicher, dass die Jarada offensichtlich über die Enterprise und ihren Captain bestens Bescheid wissen. Ein Landeteam hat die Aufgabe, auf dem Planeten Informationen zu sammeln. Doch dann bricht der Kontakt zu den Offizieren ab, und die Enterprise wird von jaradischen Raumjägern angegriffen...
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Seitenzahl: 415
Veröffentlichungsjahr: 2014
Die Jarada sind Insektenwesen, die sich bislang von allen anderen Rassen der Galaxis abgeschottet haben. Nun scheinen sie ihre Isolation durchbrechen zu wollen: Sie bemühen sich um die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Föderation.
Auf Wunsch der Jarada soll Jean-Luc Picard die Verhandlungen leiten. Doch über Kultur und Sprache der Insektoiden ist nahezu nichts bekannt. Um so erstaunlicher, dass die Jarada über die Enterprise und ihren Captain offensichtlich bestens Bescheid wissen.
Ein Landeteam hat die Aufgabe, auf dem Planeten Informationen zu sammeln. Doch dann bricht der Kontakt zu den Starfleet-Offizieren ab. Und plötzlich wird die Enterprise
V. E. MITCHELL
DIE JARADA
Star Trek™
The Next Generation
CAPTAINS LOGBUCH: Sternzeit 44839.2:
Die Enterprise befindet sich auf dem Flug nach Beltaxiya Minor, einem jaradischen Außenposten im Archimedes-Sektor. Die Jarada, ein wählerisches, zurückgezogen lebendes Sternenvolk, haben sich mit dem Ersuchen an die Föderation gewandt, Verhandlungen über den Austausch von Botschaftern aufzunehmen. Sie haben ausdrücklich erbeten, den Captain der Enterprise mit der Verhandlungsleitung zu beauftragen.
PERSÖNLICHES LOGBUCH, Ergänzung:
Naturgemäß bin ich nur zu erfreut darüber, zu neuen friedlichen Beziehungen zwischen der Föderation und ihren Nachbarn beitragen zu dürfen. Allerdings gibt die Art dieses Auftrags einigen Grund zum Nachdenken. Die Einstellung der Jarada zum diplomatischen Protokoll ist so anspruchsvoll, wie ihr Isolationismus streng. Man fragt sich unwillkürlich, ob es bei ihrem Gesuch um mehr als nur den Austausch von Botschaftern geht.
»Möchte jemand noch etwas sagen?« Am Konferenztisch seines Bereitschaftszimmers schaute Captain Jean-Luc Picard in die Runde. Hatten seine Offiziere der Einsatzbesprechung irgendeine Äußerung hinzuzufügen? Riker, Geordi, Troi, Crusher und Worf hatten unterschiedlich mürrische Mienen aufgesetzt. Man sah ihnen ihre Meinung so deutlich an, als hätten sie sie ausgesprochen.
Nur Lieutenant Commander Data trug zu der Spannung im Bereitschaftszimmer nichts bei. Seine goldenen Augen schienen aus Vorfreude zu leuchten, weil es ihm nun oblag, die Entdeckungen bekanntzugeben, die er hinsichtlich des neuen Auftrags gemacht hatte. Also gut, von mir aus, dachte Picard. Er ahnte, dass ein längeres Referat bevorstand. »Mr. Data, würden Sie uns bitte Bericht erstatten?«
»Sehr wohl, Captain.« Der Androide neigte den Kopf leicht zur Seite, als könnte er so die Informationen besser analysieren. »Ich habe alle zugänglichen Datenbanken abgefragt. Auch sämtliche der Geheimhaltung unterworfenen Datenspeicher, auf die ich in der verfügbaren Zeit Zugriff bekommen konnte. Aus den letzten fünf Jahren habe ich fünfzehn Verweise auf die Jarada gefunden. Leider beruhen die meisten Eintragungen auf Angaben aus zweiter Hand oder auf Hörensagen. Die einzige verlässliche Informationsquelle ist die Dokumentation des Föderationskontakts mit den Jarada bei Torona vier, Sternzeit 41997.7.«
Commander William Riker beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tisch. Die Zeigefinger seiner gefalteten Hände wiesen auf Data. Während Datas Darlegungen war sein Gesichtsausdruck noch düsterer geworden. »Mit anderen Worten, wir sind nicht schlauer als alle anderen.«
»Ich glaube, das könnte eine zutreffende Zusammenfassung der Informationslage sein, Commander. Es gibt zuwenig Hinweise, um Schlussfolgerungen hinsichtlich der Jarada oder ihrer aktuellen Beweggründe zu ziehen.«
Dr. Beverly Crusher hob den Blick von der dunklen, polierten Tischplatte. Mit einer ungeduldigen Handbewegung strich sie sich das rote Haar aus der Stirn.
»Das gleiche gilt für ihre Biologie und ihre gesellschaftliche Struktur. Ich habe ausgiebig gesucht, bin aber auf nichts Aufschlussreiches gestoßen. Dass sie insektenähnlich sind, wissen wir. Aber wir kennen das vergleichbare Modell nicht. Funktioniert ihre Gesellschaft nach den Prinzipien der irdischen Ameisen? Der Termiten? Oder der Bienen?« Sie zuckte mit den Schultern, unterstrich diese Geste, indem sie die Handflächen nach außen kehrte. »Vielleicht ist es angebrachter, sich an den Grundmustern eines anderen Planeten zu orientieren. Ich weiß es ganz einfach nicht.«
»Ich habe verstanden, Doktor.« Picards Finger krampften sich um den Schreibstift, ein Zeichen seiner Enttäuschung. Er hatte jedoch mit negativen Berichten gerechnet. Wäre eine leichte Mission auszuführen gewesen, hätte Starfleet nicht die Enterprise mit der Erledigung betraut. »Mr. LaForge, haben Sie irgendwas zu sagen?«
»Bezüglich des Orbits?« Lieutenant Commander Geordi LaForge schaute von seinem Computerterminal hoch, unterbrach seine tiefe Konzentration. Während er den Kopf hob, blitzte das Licht der Zimmerbeleuchtung auf dem goldgelben und silbernen Material seines VISORS. »Wir müssen ein heikles Manöver bewältigen. Das Schiff wird aber nicht überfordert. Wegen der hohen Zahl stellarer Objekte im Beltaxiya-System ist dort die orbitale Dynamik ziemlich kompliziert. In den ersten paar Stunden dürften wir die größten Probleme haben. Wir müssen erst genug Informationen über das System sammeln, um die Bahnen der vorhandenen Objekte und unseren Kurs bestimmen zu können.«
»Mr. LaForge hat recht.« Data blickte den Chefingenieur an, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder dem Captain widmete. »Das Beltaxiya-System ist bisher nicht ausreichend durch Föderationsforscher erkundet worden. Unseren Informationen zufolge gibt es innerhalb der bewohnbaren Zone des Systems zwei Planeten. Beltaxiya Major ist ein Gasriese mit annähernd der doppelten Masse Jupiters. Beltaxiya Minor beschreibt eine stark geneigte Kreisbahn um den Gasriesen. Die Umlaufperiode beträgt fünf Erdtage. Beltaxiya Minors Rotationsdauer steht zur Umlaufzeit im Verhältnis von drei zu zwei. Außerdem umfasst das System eine größere Anzahl kleinerer Trabanten und Minimonde sowie mehrere andere Planeten in entfernteren Umlaufbahnen. Darüber liegen jedoch nur unzulängliche Informationen vor, so dass …«
»Vielen Dank, Mr. Data. Das genügt fürs erste.« Bei allem guten Willen konnte Picard seine Ungeduld angesichts der Weitschweifigkeit des Androiden nicht ganz verbergen. Die komplizierten Verhältnisse im Beltaxiya-System und die Lückenhaftigkeit ihrer Kenntnisse erhöhten den Schwierigkeitsgrad der Mission. Aber ausschließlich Data war dazu imstande gewesen, innerhalb einer Stunde überhaupt Informationen ausfindig zu machen.
Eine Anwandlung von mit Zuneigung vermischter Belustigung milderte die Missstimmung des Captains. Die Aussicht, sich mit den Jarada abgeben zu müssen, hatte bei allen Teilnehmern der Besprechung Nervosität verursacht.
Kurz schloss Picard die Augen, erinnerte sich an ihre letzte Begegnung mit den Jarada. Es hatte ihn Tage gekostet, die unumgängliche, fünfzehn Sekunden lange Begrüßungsformel zu lernen, bis er Aussprache und Tonlage perfekt beherrschte. Noch heute brach ihm der Schweiß aus, wenn er sich dessen entsann, wie alle gespannt darauf warteten, ob sie diese erste Probe zur Zufriedenheit der Jarada bestanden hatten.
Nein, einen leichten Auftrag hatte man ihnen nicht erteilt. Dass die Jarada die Föderation kontaktiert hatten, besagte eindeutig, sie wollten irgend etwas, und zwar dringend. Und es war Picards Aufgabe – und der Auftrag der Enterprise –, so schnell wie möglich herauszufinden, was sie wünschten. Eile war geboten. Je mehr Zeit man im Umgang mit Jarada verbrachte, um so mehr häuften sich die Gelegenheiten, unbeabsichtigt einen schwerwiegenden diplomatischen Fehltritt zu begehen.
»Hat irgendwer noch einen Diskussionsbeitrag?«
»Nur die Empfehlung, dass die Landegruppe dort auf dem Planeten gar nicht vorsichtig genug sein kann.« Riker schabte sich am Kinn, kratzte sich den kurzen, schwarzen Bart. »Die Vorgaben der Mission enthalten sehr wenig Informationen. Es ist nichts dabei, das mich davon überzeugen könnte, dass die Jarada kein Doppelspiel treiben. Bevor wir wissen, auf was sie es abgesehen haben, dürfen wir in unserer Wachsamkeit nicht im geringsten nachlassen.«
»Ich bin völlig Ihrer Meinung.« Nacheinander schaute Picard jedes Mitglied seines Offiziersstabs an, vergewisserte sich, dass jeder sich der Schwierigkeiten bewusst war, die sie erwarteten. »Wenn niemand mehr Fragen hat, ist die Sitzung hiermit beendet.«
»Keiko, mein Schatz, ich begreife einfach nicht, weshalb der Captain unbedingt auf deiner Teilnahme besteht.«
Sorgenfalten furchten Transporterchef O'Briens Gesicht. Er sah zu, wie seine Frau am Computer Seite für Seite die Liste der Fachliteratur durchschaute. Sie war so klein und zierlich. Die Vorstellung, dass sie den unbekannten Risiken auf Beltaxiya Minor ausgesetzt werden sollte, widerstrebte ihm gehörig.
Keiko hockte vor dem Bildschirm, als wollte sie sich mit der Intensität ihrer Konzentration gegen seine Sorge schützen. Weil ihre mangelnde Reaktion ihn verdross, versuchte O'Brien es mit einem neuen Ansatz.
»Diese Mission könnte gefährlich sein, Schatz. Meinst du nicht auch, es sollte lieber jemand anderes die Landegruppe auf den Planeten begleiten? Irgend jemand, der sich besser dafür eignet, mit Schwärmen übergroßer Heuschrecken zurechtzukommen?«
»Gefährlich?« Endlich blickte Keiko auf. Sie verzog die Miene, als hätte das Wort auf ihrer Zunge einen unangenehmen Geschmack hinterlassen. »Eine diplomatische Mission und gefährlich?«
Erschrocken über ihren Tonfall, konnte O'Brien sie einen Moment lang nur betrachten. »Na sicher. Wir wissen verdammt wenig über dieses Insektenvolk. Nur dass es äußerst pingelig ist.« Er schwieg kurz, um seine Gedanken zu sammeln. »Sollte der Captain vielleicht nicht lieber Deyllar schicken?«
»Deyllar? Diesen fetten Ochsen?« Von Verärgerung wechselte Keikos Ton über zur Verachtung. »Er kann Pflanzen doch nur katalogisieren, wenn jemand ihm sagt, was er da hat.« Sie atmete tief ein, um ihren Missmut zu überwinden. »Ich habe mich für diese Exkursion freiwillig gemeldet. Ich bin an Bord der Enterprise gegangen, um konkrete Forschungsarbeit leisten zu können. Weil ich nicht in einem Labor sitzen und nur die Probensammlungen anderer Leute beurteilen möchte.«
»Aber glaubst du nicht, du solltest wenigstens auf diesem Planeten die Tätigkeit jemand anderem überlassen? Einem der Offiziere, die normalerweise Landegruppen befehligen?«
Keiko drehte ihren Sessel in O'Briens Richtung und stemmte die Arme in die Hüften. Jetzt färbte der Zorn ihr reizendes Gesicht dunkel wie eine Gewitterwolke.
»Miles, nur weil wir verheiratet sind, hast du kein Recht, mir in meine Arbeit hineinzureden. Schreibe ich dir etwa vor, wie du die Transporter instand halten sollst? Ich bin die geeignetste Person für diese Exkursion. Ich gehe hinunter. Das ist mein letztes Wort.« Sie wandte sich ab und richtete ihre Aufmerksamkeit wieder mit höchster Konzentration auf den Computer.
»Aber was wird denn aus unserer Halbjahresfeier, mein Liebling? Hast du sie völlig vergessen?« O'Brien gab sich Mühe, nicht schärfer zu sprechen. Trotzdem merkte man seiner Stimme die Enttäuschung an. Er hatte schon sorgsam für den ganz privaten, intimen Abend vorausgeplant, an dem sie den Tag ihres stattgefundenen Kennenlernens vor sechs Monaten zu feiern beabsichtigten.
»Unserer was?« Mit finsterer Miene ließ Keiko erneut von ihrer Betätigung ab. Ihre Vergesslichkeit machte O'Brien wütend. Doch bevor er etwas sagen konnte, zeigte Keiko eine Miene der Gereiztheit. »Miles, das ist doch erst in drei Tagen. Wenn du nicht aufhörst, mich dauernd zu stören, werde ich bis dahin brauchen, nur um mich auf meine Aufgaben vorzubereiten.«
Ehe O'Brien neue Argumente einfielen, piepte sein Kommunikator. Er seufzte und meldete sich. Commander LaForge beorderte ihn in den Transporterraum, um die Kalibrierung der Anlage mit den neuen Messdaten des Beltaxiya-Systems abzustimmen. Selbst in diesem Abstand vom Magnetfeld Bel-Majors überstiegen die Strahlungswerte schon die normalen Operationsbedingungen der Enterprise.
»Die Mission macht dir Kummer, Will.« Deanna Trois ausdrucksvolle Stimme klang leise, so dass nur Riker sie verstehen konnte, obwohl im Gesellschaftsraum des zehnten Vorderdecks nahezu Leere herrschte. Später würden sich hier Freunde und Bekannte zum Essen treffen. Momentan jedoch war nur ein Tisch am anderen Ende des Raums ebenfalls besetzt. »Möchtest du mit mir darüber reden?«
Riker gab ein Aufseufzen von sich und biss von seinem Sandwich ab, um die Beantwortung der Frage ein wenig hinauszuschieben. Durch die Sichtscheibe neben dem Tisch konnte er die Lichtpunkte des Beltaxiya-Systems anwachsen sehen: die heiße, weißlich-gelbe Sonnenscheibe, den hellen Fleck des Gasriesen Bel-Major sowie die trüberen Pünktchen Bel-Minors und der kleineren Himmelskörper des Systems. Die komplizierte Anordnung der Planeten und Monde wäre gewiss eine faszinierende Untersuchung wert, stünde die Enterprise nicht schon vor dem Rätsel der Jarada.
»Weißt du, es ist so, dass dieses Volk das letzte Mal, als wir mit ihm zu tun hatten, nicht mit mir sprechen wollte. Ich galt bloß als … ›Nur ein Untergebener‹, war die Formulierung, die sie benutzten, glaube ich. Jetzt bin ich als Ehrengast auf ihre Welt eingeladen worden. Kannst du nachvollziehen, dass dieser Umschwung mich etwas verunsichert?«
»Vollkommen.« Troi lächelte, als sie die Erleichterung spürte, die ihre Antwort Will bereitete. »Ich fände es im Gegenteil absonderlich, wärst du nicht wenigstens ein bisschen nervös. Dem Unbekannten mit zu großer Gleichgültigkeit entgegenzutreten, hat schon mehr als nur ein paar Menschen das Leben gekostet.«
»Du verstehst es wirklich, jemandem Mut zu machen.« Riker sprach in ernstem Ton, doch im nächsten Moment verzog sich seine Miene zu einem Grinsen.
Troi lachte mit. »Das ist meine Funktion, vergiss das nicht. Irgendwer muss doch dafür sorgen, dass ihr Galionsfiguren vom Offiziersstab den Kontakt zur Realität behaltet.«
»Gut gebrüllt, Löwin.« Riker widmete sich seinem Essen, verputzte es rasch, um auf seinen Posten zurückkehren zu können. Eigentlich hatte er keinen Hunger gehabt. Doch er wusste, später würde er zu beschäftigt sein, um sich eine Pause gönnen zu dürfen. Er beendete die Mahlzeit früher als Deanna. Während er darauf wartete, dass sie aufaß, erlaubte er sich die kleine Freude, die goldfarbenen Glanzlichter zu bewundern, die die Tischplatte auf ihre Wangen und in ihr mitternachtsschwarzes Haar warf.
Sie waren Freunde – und einmal mehr als das gewesen. Das Verständnis zwischen ihnen gehörte für Will zu der Teamarbeit, die den Dienst auf der Enterprise nach seinem Empfinden zu etwas Besonderem erhob.
»Hast du in Bezug auf diese Mission keine Bedenken?«, fragte er, als Troi den letzten Bissen ihres Sandwichs schluckte.
Kurz dachte Troi über seine Frage nach. »Natürlich habe ich Bedenken. Wir haben zuwenig Informationen über die Jarada und die Verhältnisse auf ihrem Heimatplaneten.« Sie stand auf und entfernte sich vom Tisch, schenkte Will über die Schulter ein Lächeln. »Aber hätten wir mehr Informationen, müssten wir uns fragen, wie viel davon falsch ist. Wenn du es in diesem Universum auf Gewissheit abgesehen hast, Will, dann musst du sie woanders als bei lebenden Wesen suchen.«
Riker nickte vor sich hin, während er Deanna aus dem Gesellschaftsraum folgte. Wie häufig er sie schon bei ihrer Tätigkeit erlebt, wie oft er sich schon in Erinnerung gerufen hatte, dass dergleichen zu ihrer Arbeit zählte – immer wieder erstaunte es ihn, dass sie auf eine bestimmte Situation, eine konkrete Stimmungslage, stets in genau der richtigen Weise einging.
Lieutenant Commander Data sah auf dem Wandschirm das Beltaxiya-System näher rücken. Er bewunderte die Verschiedenheit der Objekte, die den Stern Beltaxiya umkreisten, und die Kompliziertheit ihrer Umlaufbahnen.
Ein Teil seines Gehirns steuerte das Raumschiff, sondierte den Kurs durch die Asteroidengürtel und die Aufreihung der äußeren Planeten. Andere Bereiche seines Gehirns beobachteten die Kreisbahnen der Begleiter Bel-Majors, ermittelten vier irregulär geformte Kleinmonde um Bel-Minor, korrelierten die Windgeschwindigkeitsschwankungen auf Bel-Majors Längengraden und verglichen die von den Sensoren gemessenen Strahlungswerte mit den modernsten Modellen von stellaren Prozessen gelbweißer Gestirne.
Die Messungen lagen bei Beltaxiya höher als erwartet, ungefähr zwei Standardpunkte über dem Durchschnitt. Für diese Unstimmigkeit eine Erklärung zu finden, versprach eine interessante Problemstellung zu werden. Data wollte sich damit befassen, während die Landegruppe sich auf der Planetenoberfläche befand. Er kontrollierte nochmals die Strahlungswerte, um sich davon zu überzeugen, dass sie keine Gefahr für die Enterprise oder ihre Besatzung verkörperten.
Doch er entdeckte keinerlei Anlass zur Beunruhigung. Menschen müssten sich einige Wochen lang auf einem der kleineren Trabanten aufhalten, bevor die Strahlungsdosis ihnen Schwierigkeiten verursachte. Auf Bel-Minor war die natürliche Strahlung höher, als es sich bei dauerhafter menschlicher Besiedlung empfahl; allerdings bot das Magnetfeld hinreichenden Schutz für mehrere Monate.
Als einziges Problem mochte dadurch eine Verzerrung der Sensormessungen in Proportion zur tatsächlichen Strahlungsstärke entstehen. Doch weil im Rahmen dieser Mission kein detailliertes Scanning der Planeten vorgesehen war, konnte er auf einen Ausgleich der Abweichungen ohne weiteres verzichten.
Data lenkte seine Aufmerksamkeit auf dringlichere Angelegenheiten. Er begann die orbitalen Berechnungen für den Anflug des Raumschiffs auf Bel-Minor durchzuführen. Anders als bei einem normalen Planetensystem musste die Enterprise, um im ›Standardorbit‹ um Bel-Minor zu bleiben, in eine äußerst verwickelte Umlaufbahn einschwenken, auf der sie gleichzeitig Bel-Major umrundete. Darüber hinaus hatte sie Bel-Minors kleinen Monden und Bel-Majors überwiegend kartografisch gar nicht erfassten Begleitern auszuweichen. Ferner galt es, die Asteroiden zu meiden, die haufenweise die Resonanzpunkte der verschiedenen Kreisbahnen unsicher machten.
Data nahm an, dass irgendwann ein Mathematiker eine generelle Lösung zur Beschreibung der Bahnen dieser Vielzahl diverser Objekte fand, die alle dasselbe Primärgestirn umkreisten. Bis dahin jedoch musste diese Problematik durch die Anwendung einer Folge von Schätzwerten umgangen werden. Gerade bei solchen Aufgabenstellungen erbrachte Data die großartigsten Leistungen. Seine einmaligen Fähigkeiten gelangten dabei zur vollen Entfaltung.
Nach seiner Auffassung war ihm bei dieser Mission die vorteilhafteste Pflicht zugefallen. Während die anderen Offiziere nach Bel-Minor hinabgebeamt werden sollten, hatte er als befehlshabender Offizier an Bord der Enterprise zu bleiben. Er konnte also seine Untersuchung dieses komplexen, hochgradig bemerkenswerten Planetensystems fortsetzen. Er erachtete es als ratsam, irgendwann auch das Studium der Diplomatie nachzuholen. Heute jedoch stufte er es als viel weniger interessant ein als die wissenschaftlichen Geheimnisse, die sich vor ihm auf dem Wandschirm ausbreiteten.
Worf verfolgte, wie Beltaxiya Minor auf dem großen Wandschirm von einem hellen Punkt zu einer Scheibe anwuchs. Mit jeder Minute kam der Moment näher, in dem die Offiziere zur Erledigung ihrer Mission das Raumschiff verlassen mussten. Die erhaltenen Befehle hatten bei Worf Unmut ausgelöst. Starfleets Entscheidung, den Captain und den Ersten Offizier den Risiken drunten auf dem Planeten auszusetzen, stieß bei ihm auf Ablehnung.
Commander Riker hatte recht. Sie konnten es sich nicht erlauben, in ihrer Wachsamkeit auch nur einen Augenblick lang zu erlahmen.
Starfleet hätte nicht die Anweisung erteilen dürfen, dass sowohl die beiden höchsten Offiziere wie auch der Großteil des restlichen Offiziersstabs bei den Verhandlungen anwesend zu sein hatten. Die Befehle passten Worf nicht. Sie gefielen ihm nicht im geringsten. Diplomatie sollte von Diplomaten abgewickelt werden. Die Föderation hätte die Forderung der Jarada, dass der Captain der Enterprise als Chefunterhändler fungieren sollte, ablehnen sollen.
Worf lud die wenigen Informationen, die der Bordcomputer über die Jarada gespeichert hatte, in sein Terminal. Seit der Einsatzbesprechung sah er sie sich jetzt das fünfte Mal an. Er misstraute diesen Geschöpfen. Die insektenartigen Kreaturen gaben über sich selbst kaum Informationen preis. Von anderen erwarteten sie dagegen, dass sie die von ihnen gestellten Bedingungen genau erfüllten. Nach Worfs Ansicht war Vertrauen etwas, das man verdienen musste.
Er hatte den Eindruck, die Jarada scheuten keine Mühe, ihn zu verärgern. Alles was Worf bislang über sie wusste, erinnerte ihn sehr an gewisse Typen von Föderationsbürokraten: die Versessenheit aufs Protokoll und das Bedürfnis nach strenger Rangordnung, der Wunsch nach strikter Zeitplanung, die Gewohnheit, Termine ohne Rücksprache mit der Gegenseite festzulegen. Er konnte kaum glauben, dass dermaßen kleinkarierte Wesen der Föderation irgend etwas zu bieten hatten.
Wenigstens nahm der Captain, was bei dieser Mission die Sicherheit betraf, eine realistische Haltung ein. Worf verspürte kein echtes Interesse daran, die Jarada kennenzulernen und seine ärgsten Befürchtungen bestätigt zu sehen; noch weniger jedoch hatte er vor, den Captain aus dem Auge zu lassen. Solange Worf der Landegruppe angehörte, konnte man einigermaßen verlässlich davon ausgehen, dass Captain Picard nichts zustieß. Dafür gab es einen ganz einfachen Grund: Worf gedachte nicht zu dulden, dass dem Captain irgend etwas zustieß.
An der Konsole vor ihm begann eine Leuchtfläche zu blinken. Er beantwortete die eintreffende Mitteilung des jaradischen Ältestenrats. Anschließend rief er Picard aus dem Bereitschaftszimmer. Ob es Worf behagte oder nicht, die Verhandlungen standen vor der Aufnahme.
»Visuelle Übertragung auf den Wandschirm«, befahl Picard, während er die Rampe der Brücke hinabschritt. Er durchquerte den Kommandobereich und blieb zwischen den vorderen Stationen stehen. Er rückte die Jacke seiner Paradeuniform zurecht. Auf dem Wandschirm wich der Ausblick auf die Planeten des Beltaxiya-Systems der Wiedergabe eines goldenen und grünen Ornaments. Einen Moment später erschien der Oberkörper eines Wesens, das in einer trübe erhellten Räumlichkeit kauerte.
Mit einem Wink wies Picard den Sicherheitsoffizier an, die Bildhelligkeit zu erhöhen. Gleich darauf besserte sich das Bild.
Das dreieckige Gesicht des Gesprächspartners bestand praktisch nur aus Flächen und Kanten. Unwillkürlich musste Picard an eine auf menschliche Statur vergrößerte, schwarze Gottesanbeterin denken. Der Jarada hatte ein schmales, spitzes Maul. Die einer Kneifzange ähnlichen Kiefer starrten vor scharfen Schneidezähnen. Geflimmer von Sendestörungen erzeugte auf den flachen Mittelfacetten der großen Netzaugen ein Schillern in allen Regenbogenfarben. Beim leisesten Geräusch erzitterten die langen, fedrigen Fühler des Jarada. Sobald der Fremde merkte, dass Picard ihn sah, ergriff er das Wort.
»Captain Jean-Luc Picard vom Föderationssternenschiff Enterprise, wir Jarada begrüßen Sie.« Die schwächliche Zirpstimme klang, als sprächen mehrere Personen gleichzeitig.
»Kk-hegg-ra'lesh bre-feg'ra leth c'fre!let ji!«, antwortete Picard. Die Grußformel besagte: »Uns von der Föderation ist es eine Ehre, Ihnen zu Diensten zu sein.« Picard hoffte, in dem beinahe unaussprechbaren Satz alles richtig betont zu haben. Das Ausspracheverzeichnis, das er diesmal erhalten hatte, war weniger detailliert als damals bei der ersten förmlichen Begrüßungsfloskel, mit der er sich bei den Jarada hatte einschmeicheln müssen. Als er verstummt war, hielt Picard einen Moment lang den Atem an und wartete.
Zum Zeichen der Bestätigung senkte der Jarada den Kopf. Licht glänzte auf den glatten, schwarzen Flächen seiner Schädeldecke. Chitin oder etwas ähnliches wie Chitin, dachte der Captain. Er fragte sich, ob Beverly Crusher wohl eine Gelegenheit finden mochte, um diese Kreaturen in allen Einzelheiten zu untersuchen. Über diese Wesen hatte die Föderation noch sehr viel in Erfahrung zu bringen.
Als hätte der Jarada ihm die Dringlichkeit des Anliegens angemerkt, in die Verhandlungen einzusteigen, hob er nun den Kopf. »Ihre Föderation ehrt uns mit Ihrem Besuch«, gab er auf die Begrüßung Antwort. »Wir haben unsere Vorbereitungen abgeschlossen und können mit den Gesprächen in zehn Ihrer Minuten anfangen. Voraussetzung ist, dass Sie und Ihre Arbeitskollegen sich bis dahin in unseren Ratskammern einfinden. Falls Sie es vorziehen, sind wir damit einverstanden, die Verhandlungen in Ihrer Sprache zu führen. Wir haben erfahren, dass Ihr Volk die Laute unserer Sprache nur mit erheblichen Schwierigkeiten nachahmen kann.«
»Ihr Entgegenkommen bedeutet für uns eine große Ehre.« Das Angebot überraschte Picard. Zudem fühlte er sich mehr als nur ein wenig befremdet. Nach fast einem Jahrhundert, in dem die Jarada andere Wesen stets nach ihrer Pfeife hatten tanzen lassen, war das ein unerhörtes Zugeständnis.
Entweder hatte er den Jarada gänzlich missverstanden, oder die Fremden wollten irgend etwas dermaßen verzweifelt dringend, dass sie dafür zu allem bereit waren. Keine der beiden Möglichkeiten verhieß Gutes für den weiteren Verlauf der Mission.
Doch Picard konnte nicht nachprüfen, welche der beiden Erklärungen zutraf, solange er an Bord der Enterprise blieb. Auf den Planeten hinunterzubeamen, war der einzige Weg, um sich Klarheit zu verschaffen. »Wir sind in zehn Minuten bei Ihnen.«
Noch einmal neigte der Jarada den Kopf. Dieses Mal beugte er sich so tief, dass sein Gesicht und die Fühler fast die vor ihm stehende Instrumentenkonsole berührten. »Die Ehre ist vollständig auf unserer Seite. Wir erwarten Ihre Ankunft.«
Picard und die übrige Landegruppe Riker, Troi, Crusher, Worf und Keiko rematerialisierten in einem Innenhof des Regierungskomplexes. Ein dichtes Gehölz umgab die Ankömmlinge. Die dicken Stämme und das krumme Geäst machten es unmöglich, nach irgendeiner Seite weiter als ein paar Meter zu sehen.
Picard hatte keine so hohe Temperatur erwartet. Das Gebäude rings um den Hof hielt jeden Wind fern. Außerdem speicherten die aus Ziegeln gefertigten Mauern und Gehwege die Sonnenwärme. Ein starker, harziger Geruch, der von einem Gemisch aus Zedernholz und Olivenöl zu stammen schien, umwehte den Landetrupp.
Durch Lücken im üppigen, blaugrünen Laub sah Picard Ausschnitte der erdfarbenen Mauern. Die stumpfen Braun-, Rot- und Ockertöne bildeten kein erkennbares Muster.
Irgend etwas schabte hinter dem Captain über die rauen Ziegel des Gehwegs. Bei dem Geräusch wirbelte Worf sofort herum. Seine Faust zuckte nach dem Handphaser. Im letzten Moment besann er sich darauf, dass sie hier eine diplomatische Mission zu erfüllen hatten.
Riker reagierte nur einen Sekundenbruchteil langsamer als der Klingone. Er entspannte sich fast unverzüglich, als er sah, dass die vier Jarada, die sich näherten, keine Waffen trugen. Statt dessen hatten sie zeremonielle Abzeichen aus bunt gefärbter, verknoteter Kordel um den Hals. Als sich auch die restliche Landegruppe umdrehte, hatten die Jarada sich schon zu ihrer rituellen Begrüßungspose geduckt.
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