Star Trek - Discovery: Der Enterprise-Krieg - John Jackson Miller - E-Book

Star Trek - Discovery: Der Enterprise-Krieg E-Book

John Jackson Miller

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Beschreibung

Ein zerstörtes Schiff und eine zerstrittene Mannschaft – gefangen im höllischen Albtraum eines dramatischen Konflikts! Als Captain Christopher Pike vom Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen der Vereinigten Föderation der Planeten und dem Klingonischen Reich hört, versucht er, die U.S.S. Enterprise nach Hause zu bringen und sich dem Kampf anzuschließen. Doch in dem höllischen Pergamon-Nebel findet der unerschütterliche Kommandant einen ganz eigenen epischen Kampf vor, bei dem sich uralte Feinde miteinander messen – und nicht nur die Enterprise wird zur Kriegsbeute, sondern auch ihre Besatzung. Verschollen und für ein ganzes Jahr ohne jeden Kontakt zur Erde bemühen sich Pike und sein Erster Offizier die Schiffsbesatzung zu retten; gleichzeitig sieht sich Wissenschaftsoffizier Spock mit einem Rätsel konfrontiert, das sogar seine außergewöhnlichen Fähigkeiten an ihre Grenzen bringt. Und von der Lösung hängt nicht nur sein eigenes Überleben ab …

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Seitenzahl: 557

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Beliebtheit




DER ENTERPRISE-KRIEG

Von

JOHN JACKSON MILLER

Based on

Star Trek

created by Gene Roddenberry

and

Star Trek: Discovery

created by Bryan Fuller and Alex Kurtzman

Ins Deutsche übertragen von

Helga Parmiter

Die deutsche Ausgabe von STAR TREK – DISCOVERY: DER ENTERPRISE-KRIEG wird herausgegeben von Cross Cult, Teinacher Straße 72, 71634 Ludwigsburg.

Herausgeber: Andreas Mergenthaler, Übersetzung: Helga Parmiter;

verantwortlicher Redakteur und Lektorat: Markus Rohde; Lektorat: Katrin Aust; Korrektorat: Peter Schild;

Satz: Rowan Rüster; Cover Artwork: CBS Studios Inc.;

Print-Ausgabe gedruckt von CPI Moravia Books s.r.o., CZ-69123 Pohorelice. Printed in the Czech Republic.

Titel der Originalausgabe: STAR TREK – DISCOVERY: THE ENTERPRISE WAR

German translation copyright © 2019 by Amigo Grafik GbR.

Original English language edition copyright © 2019 by CBS Studios Inc. All rights reserved.

™ & © 2019 CBS Studios Inc. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All rights reserved.

This book is published by arrangement with Pocket Books, a Division of Simon & Schuster, Inc., pursuant to an exclusive license from CBS Studios Inc.

Print ISBN 978-3-96658-031-1 (Dezember 2019) · E-Book ISBN 978-3-96658-032-8 (Dezember 2019)

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Für Michael Stackpole,zum Dank für deine jahrelange Anleitung und Unterstützung

INHALT

HISTORISCHE ANMERKUNG

PROLOG

DETONATION

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

INFILTRATION

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

TRENNUNG

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

KAPITULATION

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

Kapitel 48

Kapitel 49

Kapitel 50

Kapitel 51

Kapitel 52

Kapitel 53

Kapitel 54

Kapitel 55

Kapitel 56

Kapitel 57

VERPFLICHTUNG

Kapitel 58

Kapitel 59

Kapitel 60

Kapitel 61

Kapitel 62

Kapitel 63

Kapitel 64

Kapitel 65

Kapitel 66

Kapitel 67

Kapitel 68

Kapitel 69

Kapitel 70

Kapitel 71

Kapitel 72

Kapitel 73

Kapitel 74

EPILOG

DANKSAGUNGEN

ÜBER DEN AUTOR

Die Welt an sich gereicht manchen Menschen als Gefängnis, unsere engen Meere wie so viele Gräben; und wenn sie den Erdball umrundet haben, würden sie nur allzu gern ausziehen, um zu sehen, was auf dem Mond geschieht … Was ist ein Schiff, außer einem Gefängnis?

– Robert BurtonAnatomie der Melancholie

HISTORISCHE ANMERKUNG

Die wichtigsten Ereignisse dieser Geschichte beginnen im Oktober 2256, fünf Monate nach der Schlacht am Doppelstern – und zwei Jahre nach der ersten Talos-IV-Mission der Enterprise.

PROLOG

2236

Ich bin tot. Sie haben mich begraben.

Christopher Pike erwachte mit diesem Gedanken – und mit Schmerzen. Er hatte das Gefühl, als wäre die Welt über ihm zusammengebrochen, und tatsächlich war das in gewissem Maße auch der Fall. In der Dunkelheit lag er allein auf dem Bauch, Blut tropfte von seinem Kinn und sein Rücken war unter einem Berg begraben. Jeder Atemzug war mühsam. Die Asthmaanfälle seiner Kindheit waren kein Vergleich zu den Qualen, die er gerade durchmachte.

Aber dass er sie spürte, sagte ihm etwas.

Ich bin nicht tot. Ich kann mich nur nicht bewegen.

Der Siebzehnjährige blinzelte sich den Staub aus den Augen und kämpfte darum, seinen Blick zu klären. Es gab nichts zu sehen. Erinnerungen flackerten in unzusammenhängenden Bildern auf. Er war losgerannt, als das Rumpeln begonnen hatte. In Wahrheit bedeutete »rennen«, dass er wie ein Präriehund herumgeflitzt war und sich unter Tunneldecken hindurchgeduckt hatte, die an einigen Stellen kaum einen Meter hoch waren. Auch »Rumpeln« beschrieb nur ansatzweise, was sich angefühlt hatte, als wäre er in einer Trommel eingeschlossen gewesen. Dann war er gestolpert und lang hingeschlagen. Dabei hatte er seine Taschenlampe verloren.

Wie lange ist das her?

Er rief. Nichts. Pike gab auf. Er konnte kaum seine eigene Stimme hören, so laut grollte der Berg immer noch.

Er machte sich daran, seinen linken Arm zu befreien, der taub war und teilweise unter Geröll begraben lag. Die Beschäftigung klärte seinen Verstand. Er rief sich den heißen kalifornischen Morgen ins Gedächtnis und wie er auf einen Nachmittag zu Pferde verzichtet hatte, um ein paar Gesetze zu brechen und einen lokalen Schrein der Beharrlichkeit aufzusuchen.

Der Tunnel war die Arbeit eines einsamen Minenarbeiters des zwanzigsten Jahrhunderts: William »Burro« Schmidt, dessen Spitzname auf die Tiere zurückging, die sein Gold über die El Paso Mountains zu Pikes Heimatstadt Mojave getragen hatten. Burro hatte eine Abkürzung gesucht und mit Handwerkzeugen und Sprengladungen einen engen Durchgang durch einen Bergkamm getrieben. Noch lange nachdem eine Straße durch den Last Chance Canyon den Tunnel überflüssig gemacht hatte, arbeitete der Bergmann weiter daran und nach mehr als dreißig Jahren und fast einem Kilometer durch Granit schaffte er endlich den Durchbruch. Der Mann, den einige den »menschlichen Maulwurf« nannten, transportierte nie Erz durch diesen Tunnel – aber er hatte es geschafft.

Solch eine Kombination aus Entschlossenheit und Trotz war für Pike und seine Freunde unwiderstehlich – insbesondere für Evan Hondo. Hondo war ein Aussteiger aus der Sternenflotte und Rädelsführer der ortsansässigen Jugendlichen, die zu viel Zeit hatten. Er war schon früher in den Tunnel eingedrungen und hatte das Abenteuer nicht als Mutprobe, sondern als Expedition geplant – eine Bezeichnung, die Pikes Interesse geweckt hatte. Damit man sie während ihres unbefugten Eindringens nicht verfolgen konnte, hatten sie ihre Kommunikationsgeräte zu Hause gelassen.

Bald begriff Pike, weshalb der Eingang verbarrikadiert worden war. In früheren Zeiten hatten die Vereinigten Staaten die Mojave-Wüste mit Militärbasen zugepflastert: verlockende Ziele während des Dritten Weltkriegs. Das Hermosa-Erdbeben von 2047 hatte zusätzlich viele unterirdische Strukturen geschwächt. Und indem viele moderne Höhlenforscher sich mit Phasern Wege gebahnt hatten, hatten sie zusätzliche Seitentunnel von fragwürdiger Stabilität hinzugefügt – wie Pike schmerzlich am eigenen Leib erfahren hatte. Er hatte nie unter Klaustrophobie gelitten, doch jetzt konnte er an nichts anderes denken, als dass die Evolution bei ihm kläglich versagt hatte, weil sie ihm keine ausgeprägte Angst vor engen Räumen mitgegeben hatte.

Begraben, aber nicht tot, dachte er erneut und bewegte seinen befreiten Arm, um den Blutfluss wieder anzuregen. Es fühlte sich an, als würde er ein Stachelschwein streicheln. Er stützte die Hände auf und versuchte, sich hochzudrücken. Ein neuer Schmerz flammte auf, als sich etwas in seiner Brust bewegte. Das Gewicht auf seiner Körpermitte verlagerte sich, aber nicht genug, dass er freikam. Er musste sich herausziehen.

Er kratzte über die Oberfläche vor ihm. Etwas Metallisches befand sich unter dem Geröll. Eine Schiene, Überbleibsel der Gleise, die Schmidt für seine Erzkarren verlegt hatte. Pike grub mit seinen Fingernägeln, bis er seine Finger hineinkrallen konnte – und zerrte dann mit aller Kraft.

Du hast eine Million Klimmzüge gemacht, Chris. Zieh!

Pike schrie vor Schmerzen, während er seinen Körper vorwärts in den Haupttunnel schleppte. Weiter hinten gab ein weiterer Abschnitt des Durchgangs nach – ein Beweis dafür, dass er gerade rechtzeitig gehandelt hatte. Er kroch zur gegenüberliegenden Wand des Tunnels, rollte herum, stützte sich ab und versuchte, sich aufzusetzen. Ein weiterer, stechender Schmerz durchfuhr ihn, als sich wieder etwas in seinem Inneren bewegte. Endlich saß er aufrecht und vor Angst versteinert in der Dunkelheit und hielt seine Brust umklammert. Auf jeden Fall eine gebrochene Rippe, vielleicht zwei. Seine Beine schienen in Ordnung zu sein, obwohl er beinahe ohnmächtig wurde, als er sich nach vorn beugte, um sie zu untersuchen.

Er brauchte ärztliche Hilfe – aber darüber durfte er jetzt nicht nachdenken.

»Hondo! Freena! Dosh!«

Immer noch nichts. Freena und ihr Freund Hondo waren unzertrennlich und allein vorgegangen. Pike hatte die Nase voll davon gehabt, dem besserwisserischen Teenager Dosh zuzuhören, und den geschwätzigen Tellariten hinter ihnen hergeschickt. Pike zuckte zusammen, als er aufstand und hoffte, Doshs näselnde Stimme noch einmal zu hören. Er nutzte die schroffe Felswand, um sich daran abzustützen, und arbeitete sich Meter für elenden Meter weiter in die Finsternis vor.

Er ging an einem von Phasern geschnittenen Gang nach dem anderen vorbei und hörte immer nur seine eigene Stimme, wenn er hineinrief. Irgendwo im vierten Durchgang hörte er ein leises Weinen. Pike folgte dem Gang und biss die Zähne zusammen, um die Schmerzen zu ertragen. Vor ihm war ein Haufen Geröll – und dahinter ein Licht. Pike stürzte sich auf den Geröllhaufen und bahnte sich systematisch eine Öffnung, die groß genug für eine Person war.

Er sah hindurch. Dosh saß tränenüberströmt und desorientiert gegen die Wand gelehnt, hielt seine Knie umschlungen und starrte auf eine Laterne, die vor ihm auf dem Boden stand. »Dosh, alles in Ordnung mit dir?«

»N… nein. Ich meine, ja.«

Er sah nicht gerade so aus, als wäre er in Ordnung. Pike erkannte, dass Dosh versucht hatte, sich hinauszugraben, aber aufgegeben hatte. »Schon gut, Kumpel. Halt durch.« Pike spannte sich an und zwängte sich durch die Öffnung. Weiterer Schmerz. Er kroch auf Doshs Seite den Geröllhaufen hinunter. »Wo sind Evan und Freena?«

Dosh gestikulierte vage. »Da vorne. Sie haben mich allein gelassen.«

Pike blickte den von Phasern geschnittenen Tunnel entlang. »Wir müssen sie finden.«

Dosh reagierte nicht. Der Junge war mitgenommen und erschöpft. Der würde nirgendwohin gehen, nicht allein. »Warte hier«, sagte Pike schließlich.

»N… nimm mir nicht mein Licht.«

»Mache ich nicht.«

Das machte es schwieriger. Der Berg rumpelte wieder, als er sich in der Dunkelheit vorantastete. Aber er hörte etwas: Jemand hustete. Das musste Freena sein. Ein paar Dutzend Meter weiter sah er hinter einer Biegung wieder Licht. Pike eilte darauf zu. Seine Augen gewöhnten sich an das Licht und er rief nach ihr. Sie lag am Ende der Kammer mit dem Gesicht zur Wand auf dem Boden und sah nach unten.

»Chris!« Sie versuchte aufzustehen, knickte aber ein. Er fing sie auf. Sie war staubverkrustet und sah mitgenommen aus. »Hondo ist da!«, sagte sie und zeigte auf die Sackgasse.

Der Durchgang endete an einer senkrechten Wand, die sich glatt anfühlte. Pike starrte sie verwirrt an, bis Freena erneut den Finger ausstreckte. »Sieh nach unten!«

Am Fuß der Wand gähnte ein einen halben Meter breiter pechschwarzer Spalt. Pike spähte ins Nichts. »Das ist der Rest des Tunnels.« Er ließ sich auf alle viere hinab und spähte hinein. »Hondo?«

»Chrissy!«, rief eine Stimme von unten. Nur eine Person benutzte diesen verhassten Spitznamen. »Kumpel! Bist du das?«

»Ja.« Pike hielt Freenas Laterne vor die Öffnung. Einige Meter unter sich fiel sein Blick auf Hondos lächelndes Gesicht. »Sieht so aus, als hätte der Berg sich einfach nach unten verlagert – und dabei den halben Tunnel mitgenommen.«

»Ich schätze, ich war ein wenig zu übermütig mit dem Phaser«, erklärte Hondo.

Phaser? Pike sah Freena an.

Sie schüttelte den Kopf. »Hondo wollte einen neuen Durchgang schneiden.«

»Burro hat mehr als dreißig Jahre gebraucht«, sagte Hondo. »Hey, jeder versucht mal sein Glück.«

»Tja, und jetzt sitzt du in einem Loch«, kommentierte Pike.

Ein weiteres Rumpeln. Freena umklammerte Pikes Schulter, um ihn zu stützen. »Jedes Mal, wenn es bebt«, berichtete sie, »verlagert der Tunnel sich weiter nach unten.«

Pike wurde bleich vor Schmerz, als er sich auf den Bauch fallen ließ und seinen Arm über die Kante streckte. »Hondo, kannst du mich erreichen?«

»Nein. Es ist zu hoch. Und ich glaube, mein Bein ist gebrochen.«

Und weit und breit kein Medikit auf diesem Ausflug, genauso wenig wie Kommunikatoren. Pike hatte von Anfang an erhebliche Bedenken gehabt. Wären die Dinge anders verlaufen, wenn er das Sagen gehabt hätte?

Er durfte nicht darüber nachgrübeln. Er musste handeln. »Hondo, ich muss Freena und Dosh rausbringen. Aber ich komme mit Hilfe wieder. Okay?«

»Du willst doch nur den Helden spielen«, entgegnete Hondo.

Nichts lag Pike ferner, aber er wollte sich nicht streiten. »Vielleicht hast du recht.« Er stand auf.

Zitternd widersprach Freena: »Ich lasse ihn hier nicht allein.«

»Geh mit Chrissy«, rief Hondo von unten. »Ist schon gut.«

Pike berührte ihr Handgelenk. »Ich schwöre, wir kommen zurück.«

Sie warf einen langen Blick nach unten, bevor sie nickte. »Okay.«

»Hey, wenn du einen Phaser findest«, rief Hondo, »den will ich zurückhaben.«

Pikes Weg den Tunnel zurück dauerte mit der humpelnden Freena im Schlepptau wesentlich länger. Die ganze Zeit überlegte er. Mojave hatte ein Notfall-Shuttle mit einem Transporter an Bord. Er musste einen Weg finden, sie von draußen anzurufen, dann wieder hineingehen und ihnen Informationen zu Hondos Position durchgeben. Würde das reichen, damit sie ihn erfassen konnten? Konnten Transporter so etwas? Er wusste es nicht. Aber er musste es herausfinden.

Pike und Freena fanden Dosh, der sich nicht vom Fleck gerührt hatte, und begannen, eine größere Öffnung zum Haupttunnel zu schaffen. Die ganze Zeit – und während des langen Rückwegs zum Eingang – mahnte das Rumoren des Bergrückens sie, sich zu beeilen. Bei jedem kleinen Beben wollte Freena wieder zurück zu Hondo laufen, aber Pike sorgte dafür, dass die Gruppe weiter vorwärtsging.

Schließlich sah er das Licht – blendend und gleißend. Muskeln, die seit Beginn der Strapazen angespannt gewesen waren, entspannten sich allmählich. Es würde alles gut gehen. Er führte die anderen aus dem Berg hinaus. Er würde auch Hondo herausholen.

Und dann würde er ihre Freundschaft ernsthaft überdenken müssen.

Es war nicht gut gegangen.

Dosh und Freena brachen vor dem Eingang zusammen und Pike taumelte zu der alten Bergarbeitersiedlung, wo Hondo sein Fahrzeug versteckt hatte. Er aktivierte den Notfallkommunikator an Bord. Minuten später traf ein Schwebefahrzeug ein, gefolgt von einem weiteren und noch einem. Mehr Beamte, als er jemals erwartet hatte, so schnell zu sehen. Pike war begeistert …

… zunächst. Er erfuhr, dass sie wegen der Garlock-Verwerfung in der Gegend waren, die sich am nördlichen Rand der Mojave-Wüste erstreckte. Das war kein übermäßig aktives System. Pike hatte nie ein Beben gespürt, seit er in der Gegend wohnte. Aber es war anfällig für mitschwingende seismische Ereignisse und reagierte auch auf geringe Reize wie unüberlegte Zerstörungen.

Und noch bevor die Fachleute Hondo mit dem Transporter erfassen konnten, hatte es wieder reagiert. Die Sensormessungen deuteten darauf hin, dass er auf der Stelle tot gewesen war.

Eine Stunde lang saß Pike vor der Bergarbeiterzuflucht und war wie betäubt – und das lag nicht an dem Medikament, mit dem der Sanitäter ihn behandelt hatte. Er hatte seine tränenüberströmten Freunde so gut es ging getröstet, bis ihnen klar wurde, dass auch er getröstet werden musste.

»Sie haben mir gerade mitgeteilt, dass die Suche abgebrochen wird.« Pike schüttelte den Kopf. »Ich war nicht schnell genug.«

»Sag so was nicht«, sagte Dosh. »Du hast uns geholfen.«

»Dann hätte ich etwas anderes versuchen müssen. Ich hätte mich zu ihm hinunterzwängen müssen, um ihm herauszuhelfen.«

»Dann wärst du jetzt auch tot«, erwiderte Freena. »Wir alle wären es.« Ihre blauen Augen waren vollkommen verheult. »Chris, ich liebe ihn und ich bin auch nicht geblieben.«

Ja, aber ich habe es versprochen. Pike warf einen Blick zur Tunnelöffnung. Er hat sich auf mich verlassen. Ich war nur nicht clever genug.

Die Erwachsenen versammelten sich und er wusste, dass der Ärger jetzt erst begann. Man würde Erklärungen verlangen. Wütende Eltern und Vormunde. Sanktionen von den Behörden, die das Land verwalteten.

Pike hatte bereits beschlossen, dass er alles auf sich nehmen würde.

Es würde schlimm werden – richtig schlimm. So etwas konnte seine Hoffnungen für die Zukunft zunichtemachen. Shuttles fliegen. Seine eigene Ranch betreiben. Die Sternenflotte? Es wäre töricht, jetzt überhaupt von etwas zu träumen. Sein Schicksal war unter einem Berg aus Granit begraben.

Begraben, aber nicht tot.

Er würde weitergraben.

DETONATION

Oktober 2256

EINGEHENDE NACHRICHT

AN: CAPTAIN C. PIKE • U.S.S. ENTERPRISE • NCC-1701

VON: VICE ADMIRAL K. CORNWELL, STERNENFLOTTENKOMMANDO

WARNUNG. FEINDSELIGKEITEN MIT KLINGONISCHEM REICH AUSGEBROCHEN. BEFINDEN UNS IM KRIEGSZUSTAND.

VERLUSTE UNTER ANDEREM: CLARKE, EDISON, EUROPA, SHENZHOU, SHRAN, T’PLANA-HATH, YEAGER.

BEDAUERLICHERWEISE MUSS ICH SIE DARÜBER INFORMIEREN, DASS CAPTAIN GEORGIOU ALS VERMISST GILT UND MÖGLICHERWEISE GEFALLEN IST.

DIE ENTERPRISE VERBLEIBT MIT UNVERÄNDERTER MISSION IM PERGAMON-NEBEL.KEHREN SIE NICHT ZURÜCK.

ZUKÜNFTIGE KOMMUNIKATIONEN SIND GEM. VORSCHRIFT 46A ZU VERSCHLÜSSELN.

ENDE DER NACHRICHT

1

U.S.S. EnterprisePergamon-Nebel

»Stoßen Sie hindurch!«

Captain Christopher Pike rief der Brückenbesatzung des Raumschiffs Enterprise eine zweite Warnung zu, doch nicht einmal er selbst konnte sie hören. Die schwarze Wolke, die in den letzten Minuten bedrohlich auf dem Hauptschirm gehangen hatte, nahm jetzt den gesamten Bildschirm ein und das Schiff wurde heftig durchgeschüttelt. Das sanfte, klangvolle Brummen des Schiffs wurde vom Lärm bebender Wände verdrängt.

»Kappa-Band erreicht!«, rief Lieutenant Jamila Amin. Die erst kürzlich zur Mannschaft gestoßene Navigatorin war kaum zu hören, obwohl sie nur wenige Meter vom Kommandosessel des Captains entfernt saß. »Durchbruch der äußeren Grenze in zwanzig Sekunden!«

Das Wort »Durchbruch« will ich unter den gegebenen Umständen nicht hören, wollte Pike schon erwidern – doch bei dem Lärm hatte er Angst, dass jemand glauben könnte, er wolle etwas Wichtigeres sagen. Er hob den Blick und sah sich um. Pike hatte sich an fast alles gewöhnt, was das Universum einem Raumschiff entgegenwarf, aber durch dichte Materie zu fliegen mochte er am wenigsten.

Die Enterprise hatte natürlich das Zeug dazu. Der Weltraum war kein absolutes Vakuum und ein Raumschiff musste auch Plasmagebiete unversehrt durchqueren können. Doch ein Raumschiff reagierte trotzdem auf die Umweltbedingungen draußen und wurde durchgeschüttelt, während die Materie auf seine Schilde traf. Schnell durch ein dichtes Medium hindurchzubeschleunigen schien so viel Belastung durch die Schilde an die Hülle weiterzuleiten, dass die Wände sich beschwerten.

Einige Angehörige der Sternenflotte hatten das unheimliche Geräusch mit dem Knarren eines Holzschiffs aus vergangenen Zeiten verglichen. Für Pike war es, als wäre er wieder in dem Berg, der ihn nicht dort haben wollte.

Langsam ließen das Rütteln und der Lärm nach und das Bild auf dem Hauptschirm veränderte sich von ölig schwarz zu nur noch ölig. »Kappa-Band des Nebels verlassen«, erklärte Lieutenant Raden von der Steuerkonsole. »Aber wir sollten vielleicht zurückfliegen und den Rest der Hülle einsammeln!«

»Entspannen Sie sich, Raden«, sagte Amin. »Ihre Schöne wurde nicht in Mitleidenschaft gezogen.«

»Das glaube ich erst, wenn ich es mir selbst ansehen kann«, antwortete der Ktarianer. »Und keine Sekunde früher!«

Die Steuer- und Navigationskonsolen vor Pike waren vollkommen neu besetzt, da Yoshi Ohara und der erfahrene José Tyler ihre redlich verdienten eigenen Kommandos erhalten hatten. Amin hatte sich gut eingewöhnt, aber Raden behandelte die Enterprise immer noch wie das Schwebefahrzeug seiner Eltern – als hätte er Angst, einen Kratzer zu hinterlassen. Dadurch legte der sonst so kompetente Steuermann ein nervöses Verhalten an den Tag, das zu seinen lebhaften, goldenen Augen passte.

»Lambda-Band entdeckt«, rief der lockige junge Mann von der Wissenschaftsstation. »Messe Geschwindigkeit, Richtung und Zusammensetzung der Partikel.«

»Danke, Mister Connolly«, sagte Pike. »Traurige Mitteilung für Sie, Mister Raden: Diese Glibberwand hat so viele Schichten wie die Griechen Buchstaben hatten.«

Zwei weniger, um genau zu sein, aber Spock war nicht hier, um ihn zu korrigieren. Das war auch gut so: Der Vulkanier war dort, wo er gebraucht wurde. Pike hatte die vorzeitige Rückkehr der Enterprise in der Sekunde befohlen, als er die Nachricht der Sternenflotte über die Kriegserklärung gelesen hatte. Zu dem Zeitpunkt war Spock vorne in der Antriebssektion gewesen und hatte an einem neuen Programm für den Navigationsdeflektor gearbeitet. Pike nahm an, dass Spock immer noch dort war und Fakten in das System einspeiste, um Anpassungen für jede neue Region vorzunehmen, der sie begegneten.

»Messungen der Lambda-Region bestätigt. Leite sie an Maschinenraum und Navigation weiter«, sagte Connolly. »Kohlenmonoxid und Stickstoff, schwebende Staubteilchen. Weniger Ammonium hier. Äußere Grenze besteht hauptsächlich aus Formaldehyd.«

»Prima. Ich fühle mich bereit, einbalsamiert zu werden.« Pike grinste den Lieutenant an. Er mochte es nicht, vor den Jüngeren Besorgnis zu zeigen – besonders an einem so höllischen Ort wie dem Pergamon-Nebel.

Das Adjektiv war passend. Der gewaltige Himmelskörper, der an Deck nur Pergamon hieß, war nach der Stadt benannt, die laut der Offenbarung Satans Thron barg. Er machte seinem Titel alle Ehre. Überhitzte Rote und Gelbe Riesen wechselten sich mit dem Tiefschwarz von Absorptionsformationen ab und verliehen ihm eine Atmosphäre wie in der Hölle. Das hatte sogar das üblicherweise eher konservative namensgebende Gremium der Sternenflotte dazu veranlasst, poetisch zu werden. Er war zwar weit vom Kern des Föderationsraums entfernt, lag aber nahe der Kreuzung verschiedener Routen, die bei zivilen Erzsuchern beliebt waren, und einige Schiffe waren aus der Region nicht zurückgekehrt. Pike hatte den Auftrag, den Grund dafür herauszufinden und gleichzeitig eine gründliche Begutachtung durchzuführen, die ein ganzes Jahr dauern sollte.

Pike hatte nur ein paar Tage im Pergamon gebraucht, um sicher zu sein, dass die Gefahr nicht aus der Nähe zum Hyundite-Nebel resultierte, in dem sich lurianische Piraten tummelten. Der Pergamon war einfach eine zu raue Umgebung für Schiffe, die nicht dafür gebaut waren. Die Enterprise war der Herausforderung gewachsen. Pike war es gelungen, eine Handvoll der Zielwelten, die näher studiert werden sollten, zu erkunden, bevor die Kriegsnachricht eintraf.

Sie war lediglich eine sich ständig wiederholende Textnachricht, die offen über einen Subraumkanal mit extrem niedriger Frequenz gesendet worden war, da nur diese Signale die Wolken durchdringen konnten. Pike erkannte am Zeitstempel, dass die Sternenflotte schon vor einer Weile begonnen hatte, sie zu senden – vor Monaten, nur wenige Tage nachdem er in den Nebel geflogen war. Das machte es ihm leichter zu entscheiden, dass der Teil über sein Verbleiben im Pergamon wahrscheinlich gar keine Gültigkeit mehr hatte.

Das war vielleicht nur ein Vorwand, aber das war ihm egal. Die Shenzhou gab es nicht mehr. Wenn die besten von uns bereits fallen, hatte er im Turbolift zu Nummer Eins gesagt, werden wir gebraucht.

Und er würde keine Zeit verlieren. Ein geordneter Abflug hätte bedeutet, tagelang um die Acheron-Formation herumzufliegen, der nach dem Totenfluss benannte Hindernisparcours aus Weltraumchemie, der das dem Sol-System zugewandte Ende des Pergamons begrenzte. Und die Tage der Föderation waren möglicherweise gezählt.

»Lambda in zehn Sekunden«, sagte Raden. Er warf einen Blick nach hinten. »Es wäre noch Zeit, den Kurs zu ändern, Captain, und eine ruhigere Route zu finden.«

»Ich weiß es immer zu schätzen, meine Optionen zu hören, Mister Raden«, erwiderte Pike. »Festhalten.«

Eine weitere Wolke, ein weiteres Beben des Schiffs, schlimmer als vorher. Vorne beobachtete Pike seinen unermüdlichen Ersten Offizier, Commander Una, die von der Brückenkontroll-station aus den Zustand des Schiffs im Auge behielt. »Schilde halten«, rief Nummer Eins. »Hüllenintegrität nominal.«

»Burro« Schmidt würde lachen, dachte Pike. Meine »Abkürzung« könnte länger dauern als seine. Aber seine Mannschaft würde das nicht zulassen. Die Offiziere auf der Brücke und im Hauptmaschinenraum sowie Spock sorgten dafür, dass die Enterprise ständig ihre Schilde umformte, um den besten Angriffswinkel zu finden – auch wenn die Wolkenformationen ihnen Überraschungen entgegenwarfen.

»Das ist ein übler Abschnitt«, sagte Raden und wischte sich den Schweiß von seinen großen Stirnwölbungen.

Dieses Mal war er nicht allein mit seiner Besorgnis. Una warf dem Captain einen Blick zu. Dieser war so nah an: Sind Sie sicher, dass Sie das durchziehen wollen?, wie seine engste Beraterin es vor der Mannschaft wagen würde.

»Kurs beibehalten.«

Fünf Minuten später sorgte eine interstitielle Leere für eine kurze Verschnaufpause – und für die Zeit, der Brückenbesatzung schnell den Grund für ihre plötzliche Rückkehr zu erklären. Es war wichtig, dass sie seine Dringlichkeit nachvollziehen konnten. Einige hatten Freunde und Klassenkameraden, die von den Angriffen der Klingonen betroffen waren, und alle kannten die Shenzhou von ihrem gemeinsamen Abenteuer bei Sirsa III im Jahr zuvor. Wissenschaftsoffizier Connolly, so dachte er, wäre auf der Stelle für eine Versetzung zur Sicherheit bereit.

Pike hatte allerdings keine öffentliche, schiffsweite Durchsage gemacht und würde das auch jetzt nicht tun. Michael Burnham befand sich an Bord der Shenzhou. Er wusste um Spocks familiäre Bindungen zu ihr. Das war nicht die Art Neuigkeit, die man über das öffentliche Durchsagesystem erfahren wollte.

»Nähern uns neuer Region«, sagte Amin.

Raden sah sie an. »Wo sind wir jetzt? My?«

»Sieh an. Jemand hat das griechische Alphabet gepaukt.«

»Schluss jetzt«, warnte Pike. Eine weitere undurchsichtige Welle wuchs auf dem Hauptschirm und die Zeit für Scherze war vorbei.

»Dicht, aber schmal.« Connolly betrachtete seine Messwerte. »Sollte auf der anderen Seite nicht so schlimm sein.«

Pike wurde bei dem Anblick blass. »Sind Sie bereit zu schwören, dass es eine andere Seite gibt?«

»Spock richtet die Schilde für maximale Effizienz aus«, meldete Nummer Eins.

Ich habe es ja nicht anders gewollt, dachte Pike. »Dann mal los.«

Die Enterprise durchbohrte die Schwärze. Sie schüttelte sich ein paarmal leicht, aber das Raumschiff fand einen Korridor, in dem es leichter vorwärtskam. Pike atmete im Namen aller erleichtert auf. »Na, das war doch gar nicht so …«

Eine Druckwelle erfasste das Schiff, schleuderte die Enterprise Heck über Bug vorwärts und einige Mannschaftsmitglieder von ihren Sitzen. Künstliche Schwerkraft und Trägheitsdämpfer konnten eine Menge unerwarteter Sprünge ausgleichen, aber nicht diesen hier. Alarmsirenen kreischten auf der Brücke, während sie weitertaumelten.

Pike, der nach vorn geworfen worden war, landete zwischen Raden und Amin, die es beide von ihren Sitzen gerissen hatte. Der Steuermann klammerte sich an der Konsole fest, bearbeitete die Kontrollen und versuchte, das Schiff wieder gerade auszurichten. Einige Momente später war die Enterprise wieder stabil.

»Alle Maschinen stopp.« Pike sah sich um. »Alle in Ordnung?«

Connolly, der bis zur Reling, die den Kommandobereich säumte, zurückgeschleudert worden war, stand auf. »Wie gut, dass hier dieser Zaun ist.«

Sein Steuermann und Navigator kehrten auf ihre Plätze zurück und Pike ließ sich wieder in seinem Sessel nieder. »Was zur Hölle war das?«

Nummer Eins arbeitete bereits an dem Problem. »Hinter uns gab es eine Erschütterungswelle.«

Raden runzelte die Stirn. »Was hat die ausgelöst?«

Connolly studierte seine Messungen. Er sprach vorsichtig. »Die Form der Explosion …«, begann er und brach dann ab.

Pike sah ihn an. »Kommen Sie schon, was denken Sie?«

»Vielleicht bin ich noch verwirrt. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, es sah aus wie … die Detonation eines Photonentorpedos, irgendwo in der Suppe hinter uns.« Er sah Pike an. »Aber ich weiß es besser.«

Ein Torpedo? Alle Augen richteten sich auf Commander Nhan an der taktischen Station, die ihre neue Sicherheitschefin war. Bis jetzt hatte die langhaarige Barzanerin an ihrer Station nur wenig zu tun gehabt, außer sich festzuhalten. »Die meisten unserer Sensoren waren nach vorn gerichtet«, sagte Nhan, »genau wie unsere Schilde.« Niemand bestritt diese Tatsache. »Aber ich habe nichts am Heck bemerkt. Wir haben seit Wochen niemanden gesehen. Höchstens Sonden.«

»Und die Hälfte davon unsere eigenen«, ergänzte Pike. Alt und verbraucht, von früheren Vermessungen. »Wie konnte ein Torpedo uns so schwer treffen?«

»Das liegt am Medium«, sagte Connolly. »All die Trümmer haben uns wie ein Tsunami erwischt. Und wir hätten nichts sehen können, selbst wenn wir es gewollt hätten. Nicht in diesem Morast.«

»Überprüfen Sie trotzdem die Aufzeichnungen«, befahl Pike. »Wir müssen doch eine Messung von irgendetwas erhalten haben.«

Nhan machte sich an die Arbeit.

»Schadensberichte kommen herein«, sagte Una. »Was immer es war, der hintere Bereich war nicht geschützt.«

Pike runzelte die Stirn. Er wurde an anderer Stelle gebraucht. Er sah zur Maschinenkontrolle und dem tellaritischen Lieutenant, der der stellvertretende Leiter seiner Abteilung war. »Jallow, werden wir immer noch Warpantrieb haben, wenn wir hier raus sind?«

Jallow bearbeitete aufgebracht sein Interface. »Ich weiß es nicht, Sir. Ich suche gerade nach Berichten.«

Una drehte sich um und ihre Augen verengten sich, als sie Pike ansah. »Sollten wir anhalten, Captain?«

Sie versucht wie immer, mich vor mir selbst zu schützen. »Nein«, sagte er und stand auf. »Sie haben die Brücke. Folgen Sie weiter dem Kurs, sobald die Impulstriebwerke es erlauben.« Er ging zum Turbolift. »Mir ist gerade eingefallen, dass wir unter Deck einen Superstar haben.«

Sie sah ihn fragend an. »Captain?«

»Unser neuer Chefingenieur. Vielleicht kann er seine beiden Cochrane-Orden für herausragende Leistungen aneinanderreiben und uns nach Hause bringen, bevor der Krieg zu Ende ist.«

2

Kriegsschiff DeathstrikePergamon-Nebel

»Vauss, du bist wirklich ein Schwachkopf. Es gibt keinen Zweifel, du bist genauso dumm, wie du aussiehst.« Baladon packte seinen Lieutenant an der Kehle und warf ihn gegen die Wand. »Würde Mutter nicht diese Lüge bezüglich unserer Verwandtschaft verbreiten, würdest du jetzt da draußen zwischen dem Treibgut schweben.«

Vauss zappelte im Griff seines massigen, älteren Bruders. Er versuchte erfolglos zu sprechen. Die grobschlächtigen Lurianer hatten gelbgraue Haut, was ihren Gesichtern normalerweise das Aussehen verschrumpelter Früchte verlieh. Sein Gesicht war jetzt beinahe fluoreszierend.

»Wie war das?«, knurrte Baladon mit seiner rauen Stimme und fletschte die Zähne. »Du möchtest deinen ersten Fehler zugeben … dass du deine Kindheit überlebt hast?«

An der Kontrollstation murmelte Baladons Navigator – der ebenfalls einer seiner Brüder war – ziemlich gleichgültig: »Er erstickt. Oder so was.«

»Hmpf.«

Baladon hatte bereits früher mehrfach versucht, seine Geschwister zu erwürgen. Normalerweise wusste er, wann Vauss drohte zu ersticken. Es war nicht leicht, einen Lurianer zu töten. Ihre Körper waren voller überzähliger Organe, als hätte die Evolution vorausgesehen, wie dumm einige von Baladons Verwandten einmal sein würden. Jemand, der sich dazu provozieren ließ, verbrauchte Reaktorkühlflüssigkeit zu trinken, konnte ein oder zwei Ersatzmägen gebrauchen.

Baladon näherte sich bis auf wenige Zentimeter dem Gesicht seines Bruders und starrte in dessen hervorquellende, gelbe Augen. »Wir hatten einen Photonentorpedo, Vauss. Und du hast ihn verschwendet!«

»Nrfflmpff«, erwiderte Vauss.

Baladon entschied, das als Entschuldigung anzusehen, und löste seinen Griff. Vauss stürzte aufs Deck und keuchte.

»Die Detonation erfolgte zu früh. Du hast uns die Enterprise gekostet.«

»Nicht … ich«, murmelte Vauss zwischen keuchenden Atemzügen. Er zeigte mit dem Finger. »Jeld ist schuld! Das Schiff war … zu weit weg.«

Der Navigator, der der jüngere Bruder der beiden war, schnauzte zurück: »Die Wolken sind zu dicht.«

»Das Schiff war zu weit. Ich hab gesagt: näher ran!«

»Wir wären in ihrer Kombüse gelandet!«

Kombüse. Das Wort mit seinem Hinweis auf Nahrung beruhigte alle Gemüter. Baladon wusste, dass dies normal für Lurianer war. Genau genommen bewahrte ihre Gesellschaft dadurch ihre geringe Stabilität. Außerdem war es wohl das längste Wort, das die meisten seiner Verwandten kannten.

Baladon wandte sich von seinem Bruder ab und stapfte über die marode Brücke der Deathstrike. »Es gibt keinen Grund zu streiten«, sagte er in seinem besten Anführerton und ließ sich in seinen Kommandosessel fallen. »Ihr seid alle unfähig. Gemeinsam funktioniert ihr als Teile einer Maschine, die absolut gar nichts bewirkt. Wenn das Ende kommt, werde ich mit Stolz sagen können: Jedes Mannschaftsmitglied an Bord hat mich an diesen Punkt gebracht.«

Einige auf der Brücke brachen in selbstgefälligen Jubel aus. Baladon schloss seine Augen und stöhnte.

Der alte Raumfahrerwitz, dass im Land der Lurianer derjenige König war, der wusste, wie man eine automatische Tür bedient, entsprach nicht der Wahrheit. Viele Anführer, die Baladon gekannt hatte, hätten diesen Test nicht bestanden. Deshalb war er fortgegangen. Er war in eine Freibeuterfamilie geboren worden und besaß die erforderliche Brutalität – aber außerdem auch Wortgewandtheit. Das unterschied ihn von den meisten Lurianern, die ihre Gedanken für sich behielten – wenn sie denn welche hatten. Seine klug wirkenden Reden erregten Aufmerksamkeit. Baladon hatte Kriegerfamilien großen Reichtum versprochen, wenn sie sich ihm bei seinen Piratenzügen außerhalb des Hyundite-Nebels anschlossen. Der nahe gelegene Pergamon, wie er auf gestohlenen Sternenflottenkarten genannt wurde, war größer und größtenteils unbekannt und ließ sich leicht als weitläufiges Gefilde für Plünderungen und Profit anpreisen.

Er hatte sich in zwei Punkten verschätzt. Die Rekruten, von denen er hoffte, sie seien scharfsinniger als seine Verwandten, erwiesen sich als gleichermaßen unfähig und waren kaum in der Lage, ein Raumschiff zu bedienen. Und sie verschwendeten seine teure Schwarzmarktmunition auf die wenigen Ziele, die sie fanden. Tatsächlich war die Beute mager, weil die Bedingungen im Pergamon weitaus rauer waren als in ihrem Heimatnebel. Sie hatten wochenlang nicht einmal eine Arbeitsbiene gesehen …

… bis die Enterprise aufgetaucht war. Das eingefrorene Bild des Raumschiffs war immer noch auf dem Bildschirm an der Steuerbordseite zu sehen und verhöhnte sie für ihr Versagen. Überwachungsdrohnen der Deathstrike hatten sie vor einigen Tagen ausgemacht. Tarnsonden herzustellen, die man in Nebeln einsetzen konnte, war etwas, das die Lurianer tatsächlich gut konnten. Baladon hatte das Schiff der Sternenflotte verfolgt und die Wolken als Tarnung für seine Annäherung genutzt. Und dann, als die Enterprise in der Nähe eines gewaltigen Planeten schwebte, der in den Aufzeichnungen Susquatane genannt wurde, wendete das Raumschiff und schoss auf die Grenze des Nebels zu.

»Niemand hat uns gesehen«, sagte Jeld. »Wir hatten freie Schussbahn.«

»Fang nicht so an«, antwortete Vauss und rieb sich den Hals. »Außerdem war es nur ein Torpedo.« Das war das andere lange Wort, das Vauss kannte. Er zeigte auf das Bild der Enterprise. »Was hätte der schon ausrichten können?«

»Dasselbe wie immer«, knurrte Baladon. »Im ungeschützten Heck einschlagen. Und dann hätten wir die Enterkapseln rübergeschickt. Die können nicht mehr als ein paar Hundert Leute da drüben haben. So viele haben wir allein unter Deck. Und die warten nur darauf, auf Befehl zu töten.«

»Sie wollen was zu essen«, sagte Jeld. » Und ich auch.«

Baladon wollte das nicht hören – doch er hörte etwas. Seine gelben Augen zuckten. »Was ist das für ein Geräusch?«

»Rogall piept«, sagte Vauss und zeigte auf die Kommunikationsstation – oder um genau zu sein, auf die Leiche, die darüber zusammengesackt war und ausblutete. Der Kommunikationsoffizier hatte während der vorausgegangenen Verfolgung angekündigt, er würde die Enterprise rufen und das Sternenflottenschiff darum bitten, langsamer zu fliegen. Er hatte gerade seine Hand auf den Sendeknopf gelegt, als Baladon ihn seiner Pflichten enthoben hatte. Das Messer des Anführers steckte immer noch im Rücken des unglücklichen Lurianers.

»Was ist los?«

»Mitteilung«, sagte Vauss, nachdem er die Leiche beiseitegeschoben hatte. Er las laut aus etwas vor, das wie eine abgefangene Nachricht klang: »Achtung. Feind…sel…«

»Feindseligkeiten«, warf Baladon ein.

»… mit Klingonischem Reich ausgebrochen …«

Nach der nicht enden wollenden Wartezeit, während Vauss die gesamte Mitteilung vorlas, schlug Baladon mit der Faust in seine Handfläche. »Das erklärt es! Deshalb hatten sie es so eilig, den Nebel zu verlassen – und deshalb waren sie bereit, die schlimmstmögliche Route zu nehmen.«

Jeld runzelte die Stirn. »Dann kommen sie also nicht zurück.«

»Sie sind noch nicht draußen – was bedeutet, wir haben immer noch eine Chance.« Baladon betrachtete das Bild an der Wand und rieb sich das haarlose Kinn. »So ein schickes Raumschiff der Sternenflotte haben wir noch nie zu Gesicht bekommen. Ich frage dich, Vauss, was mag es den Klingonen wohl wert sein?«

»Klingonen mögen schicke Schiffe?«

»Nein, mein kleiner Dummkopf. Wenn wir so etwas wie die Enterprise noch nie zuvor gesehen haben, kannst du darauf wetten, dass es ihnen genauso geht. Wenn wir ihnen das Schiff bringen – oder auch nur ein Shuttle, ein Bett der Krankenstation oder einen Servierlöffel –, könnte das für sie mehr wert sein als für uns!«

»Wie viel?«

»Das wird sich zeigen.« Baladon ließ seine Fingerknöchel knacken. »Folgt der Enterprise, Brüder. Dieses Mal werden wir es richtig machen.«

Und wenn nicht, dachte er, werde ich bald Einzelkind sein!

3

U.S.S. EnterprisePergamon-Nebel

»Captain!« Avedis Galadjian machte fast einen Überschlag über die Computerkonsole, an der er arbeitete, als er Pikes Ankunft im Maschinenraum bemerkte. »Willkommen!«

»Lieutenant Commander.«

»Doktor genügt vollkommen.« Der in Rot gekleidete Mensch ergriff die Hand des Captains und schüttelte sie energisch. »Welch seltener Anblick. Heute ist ein aufregender Tag und wir sind entzückt, Sie hierzuhaben.«

»Danke, Doktor – aber wir verzichten immer noch aufs Händeschütteln.«

»Wie dumm von mir.« Galadjian ließ Pikes Hand los. Er war um die sechzig, hatte eine Glatze und ein sorgfältig getrimmtes, graues Ziegenbärtchen. »Zu schade, aber so sind nun mal die Vorschriften.«

»Richtig.« Immerhin salutiert er nicht mehr, dachte Pike. »Wir haben die Acheron-Formation fast durchquert. Wie ist die Lage hier?«

»Ausgezeichnet! Alles hat hervorragend geklappt.«

Auf die Antwort hätte ich wetten können, dachte Pike. Galadjians Vorname bedeutete »gute Neuigkeiten« in seiner Muttersprache und das war schnell zu seinem Spitznamen geworden. Der Captain beobachtete die jungen Ingenieure, die geschäftig ihren Aufgaben nachgingen. »Haben Sie hier unten das Beben etwa nicht wahrgenommen?« Wie aufs Stichwort erzitterte die Enterprise um sie herum wieder. »Das hier?«

»Natürlich habe ich das bemerkt. Sehr aufregend.«

»War diese Aufregung auf irgendeine Weise beunruhigend?«

Galadjian ging zu einer technischen Anzeige. Dann drehte er sich um und wirkte, als sei ihm ein Licht aufgegangen. »Wissen Sie, Captain Pike«, sagte er und gestikulierte mit den Händen, »die Berechnungen für die Schaffung einer magneto-dynamischen Hülle, in der ein Schiff, V, durch ein Medium, M, reisen kann, ohne dass Besatzungsmitglied O zu Schaden kommt, ist eine einfache mathematische Angelegenheit. Was in diesem Fall ungewöhnlich ist, ist die Tatsache, dass ich Teil dieser Gleichung bin.«

»Sie sind O.«

»Doktor O. Aber ja. Meine Anwesenheit macht mich zu mehr als nur einem Beobachter in diesem System. Und das ist eine Gefahr. Wenn ich meinen Gefühlen, die ich als empfindsames Wesen besitze, gestatte, meine Gedanken zu beeinflussen, könnte das meine Kalkulationen beeinträchtigen und Fehler hervorrufen.«

»Oder uns einen weniger unruhigen Flug bescheren.«

»Ah, aber die Toleranzlevel der Besatzung wurden bereits berücksichtigt und während der gesamten Reise wurden die festgelegten Parameter nicht überschritten.«

Na, da bin ich aber erleichtert, dachte Pike. »Was war mit diesem Riesenrums vorhin?«

»Riesenrums?« Galadjian sah ihn aufmerksam an. »Vielleicht könnten Sie das genauer ausführen?«

»Als das Schiff sich überschlagen hat. Das müssen Sie doch bemerkt haben.«

Galadjian nickte. »Wiederum, sehr aufregend. Derartige Momente gibt es daheim am Institut nicht.«

»Lieutenant Connolly scheint zu glauben, dieser wäre durch einen Photonentorpedo verursacht worden.«

»Ein Photonen…«, wiederholte Galadjian. Sein Kopf neigte sich um fünfundvierzig Grad. Seine dunklen Augen starrten einen Moment ins Leere, als müssten diese neuen Informationen durch interne Kanäle gefiltert werden, die nur der Ingenieur sehen konnte. »Das ist eine faszinierende Theorie«, sagte er nach einer Weile. »Wenden wir uns an unsere guten und verlässlichen Freunde, die Sensoraufzeichnungen.«

»Commander Nhan hat bereits begonnen, die Daten zu sammeln.«

»Ausgezeichnet! Ich werde sehen, ob ich noch etwas hinzuzufügen habe.« Galadjian ging zu einem weiter entfernten Terminal und einige Ingenieure verließen ihre Stationen, um sich ihm anzuschließen.

Pike lehnte sich an eine Wand und wartete – und beobachtete wieder die beschäftigten Offiziere um sich herum. Er sah nichts Ungewöhnliches: Falls der unruhige Flug der Enterprise eine Krise darstellte, war davon nicht viel zu sehen. Dieses Team war sehr erfahren …

… bis auf einen. Sogar die Ensigns waren länger in der Sternenflotte als Galadjian.

Da die Enterprise ein Vorzeigeschiff der Sternenflotte war, ergab sich das Problem, dass der heiß begehrte Posten des Chefingenieurs permanentem Wandel unterworfen war. Leute kamen und gingen und nahmen oftmals Personal mit – und einige kehrten sogar zurück. Kursley, Marvick, Grace, Burnstein – sogar Transporterchief Pitcairn hatte den Chefposten für eine Mission innegehabt. Caitlin Barry war die Letzte, die den Chefingenieursposten verlassen hatte. Einige ihrer Assistenten hatten sich vor der Pergamon-Mission freistellen lassen, um mit ihr gemeinsam die Schiffswerften der Sternenflotte beim Bau der Constitution-Klasse zu beraten. Jetzt, da ein Krieg ausgebrochen war, wusste Pike nicht, ob sie zurückkehren würden. Er hoffte es. Einer der jüngeren Offiziere, den Barry mitgenommen hatte, Scott, war ziemlich vielversprechend gewesen.

Galadjian war in Warp-Physik so versiert wie Richard Days-trom in Computerwissenschaften – und möglicherweise war er sogar noch berühmter, denn er war für regen Austausch mit Laien und den Medien immer offen. Andere Theoretiker hatten die Angewohnheit, sich distanziert und geheimnisvoll zu geben. Galadjian fand, dass seine komplizierten Modelle erst dann vollkommen waren, wenn er den Durchschnittsmenschen dafür begeistern konnte.

Galadjians Expertise auf dem Gebiet der Physik der Schilde und ihrer Wechselwirkungen mit Nebeln hatte ihn zur ersten Wahl der Sternenflotte für die Pergamon-Mission gemacht. Viele seiner Ideen waren in die neuesten Installationen eingeflossen, als die Enterprise für Reisen durch Nebel neu ausgestattet und optimiert worden war. Pike konnte zwar verstehen, weshalb Galadjian diesen Posten erhalten hatte – auch wenn er den hohen Dienstgrad nicht nachvollziehen konnte –, aber der Captain hatte immer noch keine Ahnung, warum dieser Mann in den Weltraum wollte.

Doch seine Referenzen hatten Spock und Nummer Eins beeindruckt und er schien sich gut eingelebt zu haben. Umgeben von seinen Ingenieurskollegen kam Galadjians Begeisterung erst so richtig in Fahrt. In letzter Zeit hatten sich Pikes Besuche im Maschinenraum angefühlt, als wäre er in die Aftershow-party der Verleihung des Cochrane-Ordens geraten. Galadjian scherzte über die neuesten Entdeckungen, als wären sie der pikanteste Tratsch überhaupt.

Nachdem Pike das einen Monat lang ertragen hatte, beschloss er, ab jetzt Nummer Eins diese Stippvisiten zu überlassen.

Das Getuschel verstummte. »Captain, ich habe meine Analyse«, sagte Galadjian und verließ das Terminal. Seine Untergebenen kehrten an ihre Stationen zurück. Er hob eine Tasse und Untertasse vom Boden auf, wo sie während der Turbulenzen gelandet waren, und hielt sie Pike unter die Nase. »Gehen wir mal davon aus, dass diese Untertasse die Enterprise und diese Tasse ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss ist …«

»Ich habe ein gewisses Grundverständnis von Physik, Doktor. Das ist bei Captains der Sternenflotte gern gesehen.«

»Ja, natürlich!« In ihrer kurzen gemeinsamen Zeit hatte Pike festgestellt, dass er Galadjian gegenüber ein wenig bissig war, da der Mann Sarkasmus entweder nicht wahrnahm oder ihm dieser nichts ausmachte. Der Chefingenieur stellte das Geschirr ab und führte Pike zum Terminal.

Galadjian zeigte auf den Bildschirm. »Basierend auf der Verteilung der Schäden an der Achtersektion und den Gondeln sowie dem plötzlichen Anstieg gewisser Partikel gehe ich mit fünfundneunzigprozentiger Sicherheit davon aus, dass wir einer Reaktion von Antideuterium mit magnetischem Boronit vier Komma acht Kilometer hinter unserer Position ausgesetzt waren.«

»Nur fünfundneunzig Prozent, hm?« Pike starrte auf die Ergebnisse. »Das klingt wie ein Torpedo – und zwar keiner von unseren.«

Galadjian grinste. »Wenn solche Reaktionen natürlich vorkommen, sind wir am richtigen Ort – das schreit geradezu nach einer Abhandlung.«

»Nachdem die Leute fertig damit sind, auf uns zu schießen. Schadenseinschätzung, Doktor. Können wir gefahrlos auf Warp gehen, sobald wir den Nebel verlassen haben?«

»Ich denke schon, aber ich würde lieber Spocks Meinung hören, wenn er mit seiner Arbeit am Deflektor fertig ist.«

Er gehört nicht Ihrer Abteilung an, Doktor. »Das kann nicht warten. Es gibt einen Notfall – wie Sie vielleicht schon ahnen.« Er zeigte auf die Tasse, die begann zu klappern. »Ich brauche Ihre beste Einschätzung, jetzt gleich.«

»Ah«, machte Galadjian. Er schürzte die Lippen. »Ja. Ja, alle Systeme sollten normal funktionieren. Ich garantiere dafür.« Er verschränkte seine Hände hinter dem Rücken und nahm Haltung an – eine Pose, die ein abruptes Ende fand, als das Schiff heftig durchgeschüttelt wurde und Untertasse und Tasse wieder zu Boden schleuderte. Die Enterprise war in einen weiteren Bereich aus dichter Materie hineingeflogen. Er sah Pike an. »Ich fürchte, ich habe den Überblick verloren, in welcher Zone wir uns gerade befinden. War das Ypsilon oder Phi?«

»Ich überlasse die Alphabete Spock.« Pike wandte sich dem Ausgang zu. »Oh«, rief er über seine Schulter, »da Sie ja zusammenarbeiten, würden Sie ihm sagen, dass ich ihn gern sehen würde, wenn er Zeit hat? Ich habe Nachrichten für ihn.«

»Aye, Captain!«

Im Turbolift ergriff Pike mit der Hand den Kontrollhebel und machte sich auf den Weg zur Brücke. Die Tür öffnete sich und gab die Sicht auf einen erfreulichen Anblick frei: Sterne auf dem Hauptbildschirm.

»Captain auf der Brücke«, verkündete Una und erhob sich aus dem Kommandosessel. »Sir, das war die letzte Schicht der Formation. Wir sind draußen.«

»Ich hatte schon fast vergessen, wie es hier draußen aussieht«, sagte Pike. Er war erleichtert, den riesigen Chemiebaukasten verlassen zu haben. Er ging nach vorn zum Bildschirm, um die unendliche Weite zu bewundern.

Amin stupste Raden an. »Wir haben grade einen Monat Reisezeit eingespart.«

»Ja«, flüsterte der Steuermann. »Und ein paar Zentimeter Hülle eingebüßt.«

Pikes Kiefermuskeln spannten sich an. Sie hatten es geschafft, jetzt war es an der Zeit, sich zum Dienst zu melden – ganz egal welchen Dienst die Sternenflotte benötigte.

Er drehte sich zu seiner Brückenbesatzung um. »Meine Mutter sagte immer: ›Es ist besser, um Verzeihung zu bitten als um Erlaubnis.‹ Ich habe Ihnen allen gesagt, dass die Mitteilung, die mich von der Sternenflotte erreichte, vor langer Zeit gesendet wurde. Was ich Ihnen – bis auf Nummer Eins – nicht gesagt habe, ist, dass man uns befohlen hatte, im Nebel zu bleiben.«

Er zögerte und wartete auf eine Reaktion. Da seine Mannschaft merkwürdig entspannt blieb, wagte er sich weiter vor. »Ganz offensichtlich habe ich diesen Befehl missachtet. Meiner Ansicht nach war so viel Zeit seit seiner Absendung vergangen, dass die Umstände sich wahrscheinlich inzwischen geändert hatten. Ich übernehme die volle Verantwortung. Nichts davon wird auf Sie zurückfallen. Gleichwohl will ich nicht, dass irgendjemand von Ihnen glaubt, dies sei ein akzeptables Vorgehen, wenn es sich um meine Befehle handelt – oder die zukünftiger Captains, unter denen Sie dienen.« Vielleicht eher, als mir lieb ist. »Haben wir uns verstanden?«

Er erntete Nicken und zustimmende Laute von seiner Brückenmannschaft. »Also schön. Alle auf Warp vorbereiten. Kurs nehmen auf …«

Ein Pfeifen erklang von der Kommunikationskonsole. Lieutenant Vicente Nicola berührte seinen Ohrhörer. »Captain, wir werden gerufen.«

Pike legte seine Stirn in Falten. »Von denen, die auf uns geschossen haben?«

»Nein, Captain. Es ist das Sternenflottenkommando. Sie wollen mit Ihnen sprechen – sofort.« Der dunkelhaarige Mann zögerte. »Es ist Admiral Terral, Sir.«

Terral? Pike hatte schon früher Zusammenstöße mit ihm bezüglich der Vorschriften gehabt und war aus keiner der Diskussionen siegreich hervorgegangen. In der Sternenflotte kursierte ein Scherz, er sei »der einzige Vulkanier, der Gedanken aus der Entfernung lesen kann.« Doch das Timing dieses Funkspruchs war selbst für seine Verhältnisse beeindruckend. »Vic, woher konnte er überhaupt wissen, dass wir hier sind, um …«

Er unterbrach sich mitten im Satz und sah Una an. Ihr Gesichtsausdruck war ruhig und gelassen, wie so oft. Als in den illyrianischen Kolonien aufgewachsener Mensch hatte sie sich einen großen Teil der emotionalen Selbstkontrolle dieser ruhigen Spezies angeeignet. Pike interpretierte ihren aktuellen Gesichtsausdruck als die illyrianische Version des Versuchs, unschuldig zu wirken.

»Egal«, sagte er und ging zurück zum Turbolift. »Sie haben weiter das Kommando, Nummer Eins. Ich werde die Übertragung in meinem Quartier entgegennehmen.« Er warf einen Blick über die Schulter. »Es sei denn, jemand möchte mitkommen und sich das Vergnügen gönnen.«

Niemand meldete sich.

4

Kriegsschiff DeathstrikePergamon-Nebel

Baladon äußerte nicht, dass er eine realistische Hoffnung hegte, die Klingonen würden ihm im Austausch für die Enterprise eine der Föderationswelten überlassen, die sie erobert hatten. Dort hätte er seine eigene Gesellschaft aus Lurianern aufgebaut, frei von den regierenden Gheljiar und ihrer Dynastie von Dummköpfen. Menschen bevorzugten luxuriöse Planeten als Heimat. Weshalb sie ausgezogen waren, um die stinkenden Achselhöhlen der Galaxis zu erforschen, war ihm zu hoch. Baladon würde nur allzu gerne Hof halten und den Freibeutern gestatten, zu ihm zu kommen, um Arbeit zu erhalten.

Allerdings nur, falls die Klingonen sich auf Handel einlassen.

»Und wir folgen immer noch dem Kurs der Enterprise?«, erkundigte er sich.

»Ja«, antwortete Jeld. »Aber sie fliegen schnell.«

Baladon nickte. Er machte sich nur wenig Sorgen darüber, seine Beute aus den Augen zu verlieren. Ein Schiff durch einen Nebel zu verfolgen war eins der wenigen Talente der Lurianer, das durch den Hyundite-Nebel noch zusätzlich geschärft worden war. Irgendwann würde der Nebel die Enterprise verlangsamen.

An der taktischen Station hob Vauss zögernd einen Finger. »Da draußen ist irgendwas.«

»Aha!« Baladon klatschte in die Hände und sprang aus seinem Sessel. »Früher, als ich dachte. Sie waren gezwungen anzuhalten. Vielleicht haben wir doch einen Schaden verursacht.« Er trat an die blutige Kommunikationsstation und aktivierte die Schiffsdurchsagen. »Hier ist Baladon, meine Legion. Sogar Narren können scheinbar Erlösung finden, wenn die Geschichte die Fäden zieht.«

Jeld grollte leise: »Die haben keine Ahnung, wovon du redest.«

»Betrachtet den letzten Versuch einfach als Übung«, fuhr Baladon fort. »Sammelt euch mit kampfbereiten Waffen bei den Angriffskapseln. Wenn ihr die Enterprise kapert, werdet ihr jedes einzelne Mitglied der Sternenflotte, das ihr vorfindet, mit größter Boshaftigkeit behandeln.« Er lachte. »Sie haben nicht den Ruf, Eroberer zu sein, also sollte das …«

Plötzlich erklang ein ohrenbetäubender Knall. Die Deathstrike schaukelte hin und her, warf Baladon von den Füßen und schleuderte einige seiner Offiziere von ihren Konsolen weg. Alarmsirenen kreischten.

»Sie haben auf uns geschossen!«, brüllte Vauss über den Lärm hinweg.

»Unsinn«, erwiderte Baladon und hielt sich an einer Konsole fest. »Denk daran, wo wir sind! Die Enterprise ist weit vor uns. Du hast uns in eine Welle aus dichter Materie geflogen oder vielleicht …«

Weiterer Lärm ertönte und ein erneuter Aufprall warf ihn flach auf den Rücken. Baladon rollte über das Deck und schäumte vor Wut. Dieses Mal kam er nicht dazu, etwas zu sagen, bevor sie zum dritten Mal getroffen wurden.

Die Deathstrike bebte und das Geräusch ihrer Impulsantriebe erstarb.

»Jetzt haben wir auch noch gestoppt«, rief Jeld. »Glaubst du immer noch, dass sie weit vor uns sind?«

Baladon biss die Zähne zusammen und sah zum vorderen Sichtschirm. Dunkle Gase – vielleicht eine sich bewegende Silhouette? Er stand auf. »Waffen aufladen. Findet sie!«

Vauss, der hinter seiner Kontrollstation kauerte, stand auf und versuchte, sich zu orientieren. »Ich sehe sie nicht.«

Baladon schoss zur Taktikstation. Er würde das selbst in die Hand nehmen. Als er sie erreichte, ertönte über ihren Köpfen ein Scheppern.

Was zum …?

Ein Scheppern nach dem anderen erklang und jedes Mal machte die Deathstrike einen kleinen Satz. Baladon versuchte noch herauszufinden, was da vor sich ging, da packte Vauss ihn am Arm. »Bruder, sieh doch!«

Draußen vor dem vorderen Sichtschirm schoss ein kurzer, dicker Zylinder auf den Bug der Deathstrike zu. Angetrieben wurde er von Lageregelungsdüsen auf seiner abgerundeten Oberfläche. Einen Moment lang sah es so aus, als würde das Objekt den Sichtschirm treffen, doch stattdessen schlug es mit dem flachen Ende zuerst ein paar Meter weiter rechts auf der Hülle auf. Das war das lauteste Scheppern, das sie bisher gehört hatten.

Baladon wurde sofort klar, was als Nächstes folgen würde. »Die schneiden uns auf!« Einige Punkte an der Innenwand, wo der Aufprall erfolgt war, glühten auf, als Laserschneider sich hindurchschnitten. Die Angriffskapseln der Deathstrike funktionierten nach einem ähnlichen Prinzip, aber es gab einen Unterschied: Die kleinen Flugobjekte wurden von Lurianern gesteuert. Diese Dinger schienen niemanden an Bord zu haben – und das machte sie zu Waffen. »Die werden die Brücke dekomprimieren!«

Chaos brach aus, als die Lurianer wild durcheinanderrannten, um Raumanzüge zu finden. Allerdings hatte niemand daran gedacht, die Brücke damit auszustatten. Ihnen lief die Zeit davon. Der Metallkreis mit drei Metern Durchmesser, der bisher Teil der Wand gewesen war, gab nach. Jeld rief eine Warnung – und alle griffen nach etwas, woran sie sich festhalten konnten.

Die Platte fiel nach innen und krachte aufs Deck. Durch den Rauch, der beim Durchschneiden entstanden war, sah Baladon nicht den offenen Raum des Nebels, sondern eine andere Tür, die sich einige Meter jenseits der Öffnung befand. Kurz darauf wurde ihm die Sicht wieder versperrt, als eine zweite Tür, die bündig mit der Außenhülle abschloss, zuschlug.

Wollen die sich ihre eigenen Luftschleusen bauen? Das ließ Baladon darauf schließen, dass die Eindringlinge vielleicht vorhatten, die Besatzung der Deathstrike am Leben zu lassen – was zu dem verweichlichten Vorgehen der Sternenflotte passte. Aber wer hätte gedacht, dass sie über derartige Mittel verfügte?

Zweibeinige Gestalten erschienen jetzt draußen im Sichtfeld, die sich mithilfe ihrer eigenen Düsen fortbewegten. Baladon fluchte. Seine Mannschaft hatte nach Raumanzügen gesucht, wo sie doch lieber nach Waffen hätte suchen sollen.

»Schlagt die Eindringlinge zurück!«, brüllte der Pirat zum ersten Mal in seinem Leben. Anderswo auf der Deathstrike ging bereits etwas vor sich. Hochfrequentes Kreischen mischte sich mit den unverkennbaren tieferen Tönen von Gewalt. Baladon, der aus disziplinarischen Gründen immer eine Handfeuerwaffe trug, hob seinen Disruptor und zielte damit auf den neuen Durchgang …

… ohne zu ahnen, dass eine mächtige Schallwelle, die von einem Gerät an der provisorischen Luftschleuse ihnen gegenüber erzeugt wurde, auf ihn zukommen würde. Das Kreischen holte Baladon und die anderen in seiner Nähe von den Füßen und die Türen der Luftschleuse öffneten sich wieder.

Was jetzt über die Schwelle trat, war anders als alles, was Baladon je gesehen hatte – sei es im Kampf oder in irgendwelchen Kriegsaufzeichnungen. Ein Hüne von zweieinhalb Metern Größe kam herein. Er war komplett geschützt durch eine Rüstung, die aus irgendeinem rötlichen Verbundstoff bestand. Die Aufmachung war das Gegenteil von schnittig. Sie wies eine Vielzahl von Ausbuchtungen auf – einschließlich eines großen Jetpacks –, Ausrüstungsgehäuse in verschiedenen Größen und asymmetrisch angeordnete Zubehörteile. Einige Teile wirkten neuer als andere und ein großer Teil der Panzerung war pockennarbig und verbeult, als hätte sie bereits den einen oder anderen Nahkampfeinsatz überstanden. Die Rüstung strotzte nur so vor Angriffssystemen: eingebaute Energiewaffen, etwas Granatenähnliches und etwas, das wie ein weißer Stab aussah. Die gesichtslose Gestalt zog ihn und schlug damit aufs Deck. Ein elektrischer Schlag fuhr durch den Boden und ließ die Mitglieder der Brückenbesatzung in die Luft springen – nur den Eindringling nicht.

Baladon und einige andere erholten sich und versuchten, auf den Angreifer zu schießen, doch ihre Schüsse prallten von etwas ab, bevor sie die Rüstung auch nur erreichen konnten.

Auch noch Energieschilde? Baladon runzelte die Stirn. Er hatte keine Zeit, Strategien zu entwickeln, da weitere Krieger durch die Tür am hinteren Ende der Brücke hereinströmten. Im Gegensatz zu dem ersten Eindringling schien ihre Ausrüstung weniger kampfgeschädigt zu sein, doch sie waren genauso stark bewaffnet.

Das nun folgende Handgemenge war kurz und überraschte Baladon, der wusste, dass Kämpfen das Einzige – außer Essen – war, für das jedes Mitglied seiner Besatzung ein gewisses Talent besaß. Er selbst hatte alle Hände voll zu tun. Als weitere Eindringlinge nacheinander durch die neue Luftschleuse der Brücke kamen, prügelten die mächtigen Lurianer wie wild auf den Krieger ein, der zuerst an Bord gekommen war. Baladons Fingerknöchel schlugen gegen die Rüstung … ein schmerzhafter Akt, der keine Reaktion hervorrief. Genauso wenig wie der nächste Schlag oder der danach. Außer dass er sich blutige Hände holte, erreichte er nichts. Dann schoss die Hand des Eindringlings vor, in einer Bewegung, die so schnell war, dass die Augen des Lurianers ihr nicht folgen konnten, und schloss sich mit ihrem mächtigen Griff um Baladons fleischigen Hals. Der Arm des Kriegers bewegte sich nach oben und hob den schweren Baladon einige Zentimeter hoch.

Der Kampf war vorüber – für alle. Weitere Gestalten in Rüstung strömten auf die Brücke. Baladon zappelte hilflos, während einige von ihnen seine Kameraden wegtrugen. Seine Mannschaft wirkte benommen, aber nicht tot. Weitere Neuankömmlinge zogen Elektrowerkzeuge hervor und begannen, Kontrollstationen vom Deck zu lösen. Darunter war auch die Konsole des vor Kurzem verstorbenen Kommunikationsoffiziers der Deathstrike, dessen Leiche unsanft zu Boden geworfen wurde.

»Ich bin Kormagan«, sagte der Eindringling in perfektem Lurianisch, das auch ohne mechanische Verstärkung problemlos durch die Gesichtspanzerung des Kriegers zu verstehen war. Die Gestalt stellte Baladon wieder aufs Deck und ließ ihn los. »Sprechen Sie, wenn Sie mich verstehen.«

Baladon hustete und nickte. »Sie sind von der Enterprise.«

»Was ist eine Enterprise?«

Baladon sackte in sich zusammen, während er nur zusehen konnte, wie die Eindringlinge seinem Schiff das antaten, was er schon so vielen anderen im Lauf seiner Karriere angetan hatte.

Zu spät wurde ihm klar, dass er gerade entdeckt hatte, wer die wahren Piraten des Pergamon waren.

5

U.S.S. EnterpriseAußerhalb des Pergamon-Nebels

»Sie befinden sich nicht dort, wo Sie sein sollten, Captain. Wäre das der Fall, könnte ich mich gar nicht mit Ihnen unterhalten.« Vom Computer auf Pikes Schreibtisch her starrte Admiral Terral ihn über Lichtjahre hinweg eisig an. »Das als Überraschung zu bezeichnen wäre eine Untertreibung.«

Pike lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er hatte bereits erkannte, dass es sinnlos wäre, es zu leugnen – also versuchte er es mit Freundlichkeit. »Schön, Sie zu sehen, Admiral. Sie sind die erste nicht zu meiner Mannschaft gehörende Person, die ich seit Monaten zu Gesicht bekomme.«

»Und das ist die nächste Überraschung«, sagte der glatzköpfige Vulkanier. »Ich habe erwartet, Sie als Hologramm zu sehen.«

»Wir haben immer noch Ärger mit dem System.« Das war eine weitere Untertreibung. Die Holorekorder und -projektoren hatten nie ordnungsgemäß funktioniert. Die Enterprise hatte sie wie transplantierte Organe abgestoßen. Während ihres Aufenthalts im Nebel hätten sie an niemanden übertragen können und so hatte es nur wenig Anreiz gegeben, die Systeme wieder in Gang zu bringen.

»Ich nehme an, Sie werden mir gleich erzählen, dass dieser Ärger auch erklärt, weshalb Sie meinem Befehl nicht Folge geleistet haben. Ihre Mission ist noch nicht einmal zur Hälfte abgeschlossen.«

Pike rutschte in seinem Sessel herum. »Ihre Mitteilung wurde vor Monaten abgeschickt, Admiral. Ich dachte, es wäre sinnvoll, herauszukommen und das Neueste zu erfahren.«

»Die Tatsache, dass wir diese Nachricht kontinuierlich übertragen haben, hätte Ihnen sagen müssen, dass dieser Befehl immer noch Gültigkeit besitzt.«

»Es hätte auch bedeuten können, dass niemand mehr übrig war, um sie abzustellen.«

Pike wurde blass. Das war eine ziemlich düstere Verteidigung und Terrals Tonfall wurde noch eisiger. »Ich bezweifle stark, dass Sie nur herausgekommen sind, um die Nachrichten zu überprüfen, Captain. Sie wollten gerade nach Hause warpen.«

Er lächelte schief. »Woher wussten Sie das?«

»Ihr Erster Offizier in ihrer umsichtigen Art hat sich in die astrometrische Subraumdatenbank eingeloggt, sobald Sie den Nebel verlassen hatten, um zu überprüfen, welche interstellaren Routen von den Klingonen besetzt sind.«

Also das war’s, dachte Pike. Una hatte die Datenbank zu Rate ziehen müssen, um seinen Befehl, nach Hause zurückzukehren, auszuführen. Gleichzeitig hatte sie wissen müssen, dass sie dadurch die Sternenflotte auf ihren Aufenthaltsort aufmerksam machen würde – vielleicht um ihn gerade rechtzeitig davon abzuhalten, etwas zu tun, das er bedauern würde. Raffiniert wie immer. »Nun, ich schätze, ich bin aufgeflogen.«

»Sie hat Ihnen einen Gefallen getan. Sie weiß, dass Ihre Mission dort noch einige Monate dauern sollte.«

»Admiral, wir befinden uns im Krieg …« Er zögerte und legte den Kopf schief. »Wir sind doch noch im Krieg, oder?«

»Absolut.«

»Tut mir leid, das zu hören. Aber wir können helfen. Ich habe ein ziemlich erstaunliches Schiff und eine Menge großartiger Leute. Das Problem ist, wir sind so weit entfernt, wie es nur geht.«

»Wir haben Schiffe, die noch weiter draußen sind als Ihres.«

»Jedes Lichtjahr, das wir weiter in den Pergamon eindringen, entspricht hundert in einer anderen Region, Admiral. Wir haben das gerade auf die harte Tour herausgefunden. Wenig bis gar kein Kontakt zur Außenwelt und man muss sich den Weg nach draußen hart erkämpfen.«

»Und Sie haben ihn verlassen, um zu kämpfen. Das ist irrelevant. Ihre Anwesenheit ist nicht erforderlich.«

»Admiral Cornwell hat mir eine Liste mit Raumschiffen geschickt, die zerstört wurden. Sehe ich das richtig, dass wir seitdem noch mehr verloren haben?«

»Wir sind absolut in der Lage, mit der Bedrohung fertigzuwerden.«

Pike musterte das dunkelhäutige Gesicht des Vulkaniers. Katrina Cornwell hätte er vielleicht durchschauen können, aber es war unmöglich zu erkennen, wie viel Überzeugung hinter dem steckte, was Terral sagte. Für den Fall, dass die Bedingungen sich verschlechtert hatten, fand Pike es angebracht, seinen Appell etwas zurückzunehmen und anders an die Sache heranzugehen.

»Ich entschuldige mich, Admiral. Es war meine Entscheidung. Das habe ich zu verantworten.« Er verschränkte die Hände. »Hören Sie, ich habe Philippa Georgiou an der Akademie kennengelernt. Ich weiß nicht mehr, was sie dorthin geführt hatte, aber ich habe noch nie jemanden mit einer so professionellen Haltung kennengelernt. Die Sache bei Sirsa III letztes Jahr, bei der ihre und meine Befehle einander gegenüberstanden … das hätte übel ausgehen können. Ist es aber nicht, dank ihr und ihren Leuten.«

»Und außerdem, wie ich hörte, dank Ihnen.«

»Danke. Ich muss Ihnen nicht sagen, was der ›Captains Club‹ denjenigen bedeutet, die ihm angehören. Wenn Sie mir sagen, dass wir so viele so schnell verloren haben …«

Terral schüttelte den Kopf. »Ich bewundere Ihre Loyalität, Captain. Aber wir werden bereits angemessen verteidigt – und wir haben andere Pläne für die Enterprise. Die Mission, auf der Sie sich bereits befinden.«

»Eine Mission, die uns zugewiesen wurde, bevor der Krieg ausbrach.« Pike wusste nicht, wie weit er gehen konnte. »Im Pergamon herumzufliegen, ist wie durch Klebstoff zu schwimmen. Was immer wir dort erfahren – nun, ich will ehrlich sein, das kann warten.«

»Es steht uns nicht zu, das zu beurteilen.« Terral zögerte. »Sind Sie sicher, dass dies der einzige Grund war, weshalb Sie zurückkommen wollten, Captain?«

Das traf Pike unvorbereitet. »Ja. Ich würde meinen, dass das ausreicht.«

Terral wirkte nicht überzeugt. Er sah nach unten und betrachtete etwas außerhalb des Bildschirms. »Ich sehe keine persönlichen Verbindungen zu Hause, die Ihrer Aufmerksamkeit bedürften. Oder«, sagte er und hob eine Augenbraue, »hängt es mit dem zusammen, was vor zwei Jahren passiert ist?«

Pike blinzelte. Terral meinte Talos IV und die Vorgänge rund um seinen Aufenthalt dort 2254. Der Admiral war einer der wenigen, die in diese Geheimnisse eingeweiht worden waren. »Nein, da gibt es kein Problem«, antwortete er. »Es ist alles in Ordnung.«