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Auch Kinder haben Sorgen, Ängste und Frust – wie kann man Kinder unterstützen, damit sie ihren Weg gehen und gestärkt aus schwierigen Situationen kommen. Dies zeigt Ihnen die Psychotherapeutin Ingeborg Saval.
Kinder stärken:
Gemeinsam sind Sie stark!
Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:
Seitenzahl: 308
Veröffentlichungsjahr: 2022
Ingeborg Saval
3., überarbeitete Auflage 2022
1. Leiten Sie das Kraftset mit einem Wohlfühltipp ein und lassen Sie Ihr Kind einen Schluck Wasser trinken.
2. Finden Sie einen ungestörten Wohlfühlplatz und eine gute, bequeme Haltung. Lesen Sie den Krafttext vor und, wenn das Kind es möchte, reden Sie mit ihm darüber.
3. Festigen Sie das Kraftset mit dem Stärkerezept.
4. Lassen Sie das Kraftset kreativ und entspannt ausklingen.
Wir Eltern wünschen uns selbstbewusste, starke Kinder und bemühen uns tagtäglich, unseren Kindern beizustehen und sie fit fürs Leben zu machen. Vieles gelingt uns, aber manchmal kommen wir einfach nicht weiter: Wenn Alpträume der Kinder die Nachtruhe der ganzen Familie stören, wenn Geschwister ständig streiten, wenn unsere Kinder in der Schule oder im Kindergarten von anderen dauernd geärgert werden, wenn die Hausaufgaben auch nach Stunden noch nicht fertig sind, wenn ein Umzug ansteht, wenn ein Haustier oder ein geliebter Mensch gestorben ist – sicher können Sie die Liste noch erweitern. Dann fühlen wir uns manchmal hilflos, wissen nicht, wie wir reagieren sollen, werden ungeduldig oder versuchen, die Augen vor dem Problem zu verschließen.
Dabei müssen wir uns mit solchen Situationen nicht abfinden, sondern wir können unsere Kinder unterstützen, sodass sie gestärkt und gefestigt aus diesen schwierigen Phasen hervorgehen. Haben Sie schon mal daran gedacht, ein Monster mit einem Bonbon in einen Schuhkarton zu locken und dort einzusperren? Wussten Sie, dass man Mut trinken kann? Und kennen Sie die Versteh-Fee, die gegen den Neid-Kobold kämpft? An einen großen starken Baum können unsere Kinder all ihre Sorgen hängen – und in jedem Kinderbauch wohnt ein kleines Lächeln, das viele dunkle Wolken am Kinderhimmel vertreiben kann. Sie brauchen es nur hervorzulocken.
Solche und ähnliche Persönlichkeiten und Tipps finden Sie in meinen Kraftsets, die ich Ihnen in diesem Buch vorstellen möchte. Ihr Kind wird die Kraftsets mögen. Jedes Set beginnt mit einem »Wohlfühltipp«, zum Beispiel eine Atemübung, eine Massage oder bestimmte Bewegungen. Dann folgt ein Zaubertext: Ihr Kind macht mit Ihnen eine Gedankenreise und hört eine Geschichte, die die jeweilige Situation aufnimmt und kindgerechte Lösungen anbietet. Zum Schluss kommt das »Stärkerezept«: ein Akupressurpunkt mit Zaubersatz, den sich Ihr Kind sogar selbst überlegen kann – dann ist er übrigens besonders wirksam. Und das Beste: Das Stärkerezept lässt sich immer und überall leicht einsetzen, wenn das Problem wieder auftaucht. Schnell den Akupressurpunkt klopfen und den Zaubersatz leise sagen oder denken – schon werden positive Kräfte freigesetzt und Ihr Kind wird die Situation viel besser meistern. Probieren Sie es einfach aus!
Viel Freude und Erfolg dabei wünscht Ihnen
Ingeborg Saval
Titelei
Das Kraftset im Überblick – so gelingt es
Liebe Leserin, lieber Leser.
Jedes Kind braucht Kraft-Tankstellen
10 Bausteine für starke Kinder und ihre Familien
Resilienz – Das Immunsystem der Seele
Was tut Kindern gut und stärkt sie?
1. Baustein: Halt und Sicherheit
2. Baustein: Liebe, Respekt und Vertrauen
3. Baustein: Klarheit und Kommunikation
4. Baustein: Regeln und Werte
5. Baustein: Wertschätzung und konstruktive Kritik
6. Baustein: Optimismus und Humor
7. Baustein: Das Kind Kind sein lassen
8. Baustein: Positive Vorbilder
9. Baustein: Bewältigbare Aufgaben
10. Baustein: Eltern, die lernen wollen
Stress auflösen durch Klopfakupressur
Wie hilft Klopfakupressur gegen Stress?
So geht das Starkklopfen
1. Schritt: Ein JA einholen
2. Schritt: Wie schlimm ist es? Die Intensität des Gefühls messen
3. Schritt: Karateklopfen
4. Schritt: Die Kraftpunkte klopfen
5. Schritt: Starke Sätze finden
6. Schritt: Warme Hände
7. Schritt: Ein ruhiger Ausklang
Klopfen auch für Eltern
Kraftsets für kindliche Probleme
Was ist ein Kraftset?
So funktioniert das Kraftset
Mit einem Wohlfühltipp einleiten
Eine bequeme Haltung und einen guten Platz finden
Der Krafttext – ein zauberhafter Ausflug in das Land der Vorstellung
Das Stärkerezept
Kraftsets gegen Ängste und Unsicherheiten
Ängste vor Monstern und unheimlichen Gestalten
Was tun mit den Ungeheuern im Schrank?
Ängste haben eine Funktion
So reagieren Sie auf Ängste
Kraftset
Wohlfühltipp: Atemkraft
Krafttext: Mut tut gut – du hilfst einem Angsthasen
Schüchterne und ängstliche Kinder
Ich trau mich nicht
Schüchternheit hängt oft vom Umfeld ab
So gehen Sie mit zurückhaltenden Kindern um
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Den eigenen Namen rufen
Wohlfühltipp 2: Mut trinken
Noch ein Wohlfühltipp: Kopf hoch!
Krafttext: Mein Freund, der Löwe
Bauchweh und andere Wehwehchen
Mein Bauch tut weh
Kleine Wehwehchen – kein Grund zu großer Sorge
So gehen Sie mit kleinen Wehwehchen um
Kraftset
Wohlfühltipp: Springbrunnen
4 Topp-Tipps bei Schmerzen
Krafttext: Mein Wohlfühlort
Erkältung, Windpocken, Corona … von ansteckenden Krankheiten
Kindgerechte Information über ansteckende Krankheiten
Besonders sensible Kinder
Zu viel, zu schnell, zu laut
Kinder sind verschieden und brauchen unterschiedliche Hilfen
So gehen Sie mit besonders sensiblen Kindern um
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Progressive Muskelentspannung
Wohlfühltipp 2: Fauchen wie eine Katze
Krafttext: Im Zauberboot
Kraftsets gegen Stress in der Schule
Schulbeginn
Ich mag nicht in die Schule gehen
Der Schulbeginn macht vieles anders
So unterstützen Sie Ihren Schulanfänger
6 Tipps für ein selbstsicheres Schulkind
Kraftset
Wohlfühltipp: Aaaaaaaaatmen!
Krafttext: Schmetterling und Zauberdecke
Erste Misserfolge
Manchmal geht alles schief
Rückschläge gut verarbeiten – auf die innere Haltung kommt es an
So reagieren Sie auf Misserfolge und Enttäuschungen
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Fingerziehen
Wohlfühltipp 2: Die Aufregung wegspülen
Krafttext: In meinem Bauch wohnt ein kleines Lächeln
Konzentrationsschwierigkeiten
Mach deine Hausaufgaben!
Konzentration braucht Zeit und Hilfe
So fördern Sie die Konzentration Ihres Kindes
Bewegung und Konzentration
Spiele, die schlau machen
Kraftset
Wohlfühltipp: Kerzenmeditation
Krafttext: Im Farbenland
Übermäßige Unruhe und Ungeduld
Ich kann nicht die ganze Zeit still sitzen
Gelassenheit, Geduld und gute Nerven
So werden Kinder ruhiger und können sich besser konzentrieren
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Zeitlupe spielen
Wohlfühltipp 2: Unruhe einfangen
Krafttext: Der Zauberstab
Hänseleien und Mobbing
Die anderen sind gemein zu mir
Kränkungen und Mobbing
So helfen Sie Ihrem Kind
Kraftset
Wohlfühltipp: Kopfmassage
Krafttext: Zauberschaum
Kraftsets bei Trauer und Schmerz
Der Urlaub ist zu Ende
Abschied tut weh
Trennung von Urlaub und Freunden
Nach Hause kommen ist auch schön
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Den Seelenschmerz wegmassieren
Wohlfühltipp 2: Mein Stein
Krafttext: Der Zauberstein
Kränkung und Zurückweisung
Ich spiel nicht mehr mit dir!
Mit Kränkungen umgehen lernen
So helfen Sie Ihrem Kind
Kraftset
Wohlfühltipp: Kränkungen einfach wegstoßen
Wohlfühl-Suchspiel
Krafttext: Im Land von Harry Potter
Umzug der Familie
Mein Zuhause ist jetzt ganz wo anders
Umzug heißt Stress für alle
So erleichtern Sie Ihrem Kind das Eingewöhnen
Kraftset
Wohlfühltipp: Aufrichten und sicher stehen
Krafttext: Gedankenvögel
Trennung der Eltern
Wir wohnen nicht mehr zusammen
Getrennt leben und gemeinsam Verantwortung tragen
So können Sie die Trennung erleichtern
Kraftset
Wohlfühltipp: Gefühle rausdrücken und aaaus-atmen …
Krafttext: Von Zauberkissen und Regenbogen
Tod und Sterben
Abschied für immer
Wie Kinder trauern und wie wir sie unterstützen können
So können Sie in einem Todesfall helfen
Kraftset
Wohlfühltipp: Mit den Füßen tief verwurzelt
Krafttext: Der Kraftbaum
Kraftsets bei destruktivem Verhalten
Machtkämpfe
Starke Kinder haben einen starken Willen
Kinder haben ein Recht auf Grenzen
So gehen Sie mit Regeln um
Kraftset
Wohlfühltipp: Der Krabbelbaum
Krafttext: Im Spiegelhaus
Meridiane enden an den Fingerkuppen
Kindliche Gewalt und übermäßige Aggression
Gewalt löst keine Probleme
Aggression und kindliche Gewalt – normal oder gefährlich?
So helfen Sie Ihrem Kind
Kraftset
Wohlfühltipp: Brrrrrrrrrr ………
SOS-Tipps für zu Hause
Krafttext: Starke Hände schlagen nicht.
Wutanfälle und Ausrasten
Ein Kind sieht Rot
Wut als positive und als negative Kraft
So gehen Sie mit wütenden Kindern um
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Vom Holzhacken zum Babywiegen
Wohlfühltipp 2: Gefühle ableiten
Krafttext: Die Zaubertruhe und der Schlüssel
Genervte Eltern
Elternstress
Gute Eltern machen Fehler
Manchmal ist es, wie es ist
Kraftset für Eltern
5-Minuten-Wohlfühltipp für Elternnerven
So bauen Sie den Wohlfühltipp aus
Tun Sie etwas für sich
Auszeiten – für Sie ganz allein
Eine Ruhezone zum Krafttanken
Zeitinseln statt Zeitdruck
Prioritäten setzen
Akzeptieren Sie sich selbst
Kraftsets bei Problemen in Familie, Freizeit und im Homeschooling
Alpträume und schlechte Nächte
Ich kann nicht einschlafen
Alpträume und andere nächtliche Störenfriede
So reduzieren Sie schlimme Träume
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Augenrollen
Wohlfühltipp 2: Frische Luft
Krafttext: Wolkenträume und Traumwolken
Homeoffice für alle: Zu viel Nähe, zu wenig Struktur
Früher Mangelware, plötzlich zu viel: Zeit mit der Familie
Eine entspannte Atmosphäre schaffen
Arbeiten und Lernen vor dem Bildschirm
Gesunder Arbeitstag im Homeoffice
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Ich-Zeiten und Wir-Zeiten
Wohlfühltipp 2: Stopp-Schild an der Tür
Krafttext: Die Kraft der Farben
Übung für das Kind: Die Kraftstelle am Körper
Geschwisterstreit
Kleinkrieg im Kinderzimmer
Streiten will gelernt sein
So reagieren Sie auf Streit
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Den Streit symbolisch beenden
Wohlfühltipp 2: Ein Versöhnungsritual
Wohlfühltipp 3: Wohltuende Berührungen
Krafttext: Friedenslichter in der Zauberhöhle
Eifersucht und Neid
Früher hattest du mich viel lieber
Eifersucht oder die Angst, zu kurz zu kommen
So reagieren Sie auf Eifersucht und Neid
Kraftset
Wohlfühltipp 1: Der Superkuschler
Wohlfühltipp 2: Luftzeichnen
Krafttext: Die Versteh-Fee und der Neid-Kobold
Langeweile
Mir ist sooo langweilig!
Zu viel und doch zu wenig
Weniger ist oft mehr
Kraftset
Wohlfühltipp 1: In die Stille hören
Wohlfühltipp 2: Energie-Gähnen
Wohlfühltipp 3: Der Nasenstift
Krafttext: Wolkenreise
Probleme mit Fernseher und Computer
Der Flimmerkisten-Blues
Wie viel Medienkonsum vertragen Kinder?
So regeln Sie den Medienkonsum
Kraftset
Wohlfühltipp: Gedankenfäden herausziehen
Krafttext: Der magische Faden
Service
Bücher zum Weiterlesen
Weiterführende Links
Autorenvorstellung
Sachverzeichnis
Impressum/Access Code
Unbeschwert spielen, toben, glücklich sein – das wünschen wir uns für unsere Kinder. Aber auch Kinder haben Probleme, Ängste und stehen unter Leistungsdruck. Nicht vor allem können wir sie bewahren. Aber es gibt Wege, mit unseren Kindern gemeinsam Strategien und Alltagsoasen zu finden, in denen sie Kraft und Stärke tanken können!
Was hilft Kindern, stark zu werden, ihr Leben zu meistern? Diese Frage beschäftigt wohl alle Eltern. Leider gibt es keine Patentrezepte, denn jede Situation ist anders und erfordert laufend individuelle Entscheidungen. Auf den folgenden Seiten finden Sie zehn grundlegende Bausteine für eine gesunde Entwicklung und ein harmonisches Familienleben.
Alle Kinder sind verschieden und genauso unterschiedlich sind auch ihre individuellen Bedürfnisse. Manches aber ist bei allen Kindern gleich: Sie wünschen sich Verständnis, Halt und Geborgenheit. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, ihnen diese Sicherheiten nicht nur in Krisen, sondern auch im Alltag so zu vermitteln, dass sie ein Leben lang darauf zurückgreifen können. Was lässt Kinder glücklich werden und zu einer optimistischen Lebenseinstellung kommen? Und was können wir in der Erziehung dazu beitragen?
Entwicklungsforscher beschäftigen sich seit vielen Jahren mit der Beobachtung von Menschen, die sich nach Krisen und Problemen in der Kindheit fröhlich, leicht und zuversichtlich durch das Leben bewegen.
Vor allem die sogenannte Resilienzforschung hat sich intensiv mit der Frage beschäftigt, welche Faktoren sich stärkend auf Kinder auswirken. Resiliente Menschen können aus Krisen lernen und sie für ihre Entwicklung nutzen.
Immer wieder schaffen es Kinder, Krisen zu meistern und gesund zu bleiben, obwohl ihre Lebensbedingungen nicht gerade einfach sind. Resilienz heißt der Fachbegriff dafür, zu übersetzen in etwa mit »seelischer Stärke« oder »innerer Widerstandskraft«. Was haben diese Kinder, was andere in vergleichbaren Situationen nicht haben? Was macht ihre Stärke aus? Was lässt sie immer wieder neu anfangen und nicht aufgeben? Welche inneren Einstellungen helfen ihnen dabei?
Während man früher annahm, dass die Fähigkeit zur Resilienz angeboren ist, belegt die Wissenschaft heute, dass sie zum großen Teil in der Kindheit gelernt und trainiert werden kann. Die Forschung geht davon aus, dass jedes Kind gewisse Resilienzfaktoren mitbringt und dass diese bewusst und durch Hilfestellungen der Erwachsenen ausgebaut und erweitert werden können. Dieses Wissen stimmt zuversichtlich und macht Mut.
Von außen gestärkt und innerlich sicher, nehmen resiliente Menschen Probleme und Schicksalsschläge ernst, aber sie verzweifeln nicht daran. Sie akzeptieren, dass das Leben ein Auf und Ab ist und man nicht von allen gemocht und immer erfolgreich sein kann. Sie sind fähig, sich neu zu motivieren. Ein kritischer, aber liebevoller Blick auf sich selbst ermöglicht es ihnen, aus eigenen Fehlern zu lernen und sich realistisch einzuschätzen.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche Forschungsergebnisse, die darauf hinweisen, dass resiliente Kinder über kreative Fähigkeiten und positive Fantasie verfügen, die ebenfalls spielerisch gefördert werden können. Das hilft ihnen, in Krisen neue und ungewöhnliche Lösungswege zu versuchen und auch in kritischen Situationen wieder lebens- und überlebensfähig zu werden, denn sie reagieren auch unter Druck flexibel.
1. Halt und Sicherheit
2. Liebe, Respekt und Vertrauen
3. Klarheit und Kommunikation
4. Regeln und Werte
5. Wertschätzung und konstruktive Kritik
6. Optimismus und Humor
7. Das Kind Kind sein lassen
8. Positive Vorbilder
9. Bewältigbare Aufgaben
10. Eltern, die selbst gerne lernen
Wenn Sie die nächsten Seiten überspringen möchten, weil Sie der praktische Teil mehr interessiert, lesen Sie trotzdem bitte diese Worte von Gerald Hüther. Sie fassen das Allerwichtigste in einem Satz zusammen:
Kinder brauchen Gemeinschaften, in denen sie sich geborgen fühlen, Aufgaben, an denen sie wachsen, und Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.
Ein wichtiger Faktor für die innere Stärke unserer Kinder ist das Vertrauen darauf, unterstützt zu werden. Ein Kind braucht zumindest einen Erwachsenen, dem es bedingungslos vertraut und von dem es sich mit all seinen Stärken, Schwächen und Eigenarten angenommen und beschützt fühlt.
Die innere Stärke von Kindern hat weniger mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen als mit einer ausgewogenen Mischung von herausfordernden und Halt gebenden Faktoren im Leben zu tun. Lassen Sie Ihr Kind Sicherheit und Verlässlichkeit spüren, auch wenn Sie als Reibebaum herhalten, Konflikte aushalten und problematische Situationen auffangen müssen. Das gehört dazu. Das übergeordnete Motto dabei heißt: Hilfe zur Selbsthilfe. Denn nur das Erleben der eigenen Wirksamkeit macht Kinder mental fit und lässt echtes Selbstbewusstsein wachsen.
Die Kraftsets und Wohlfühltipps in diesem Buch sind eine Möglichkeit, Kinder und Erwachsene gemeinsam in ihrer Kompetenz zu stärken. Denn Resilienz lässt sich während des ganzen Lebens verbessern.
Sätze, die Ihrem Kind Halt und Sicherheit geben
»Es ist so schön, dass es dich gibt und du zu mir gehörst.« – Auch wenn Ihr Kind gerade etwas angestellt hat oder Sie sich geärgert haben, das Gefühl der Sicherheit darf nicht darunter leiden.
»Ich helfe dir gerne!« – Helfen ja, aber erst dann, wenn das Kind selbst versucht hat, zum Erfolg zu kommen. Unaufgeforderte, vorauseilende Hilfe verführt zur Unselbstständigkeit und Unsicherheit.
»Das interessiert mich!« – Hören Sie zu, wenn Ihr Kind etwas erzählt, fragen Sie nach und bewerten Sie nicht sofort. Sonst wird es immer weniger reden und die Kommunikation wird erlahmen. Wenn Ihr Kind Ihnen etwas anvertraut, erzählen Sie es nicht gedankenlos weiter! Und schon gar nicht neben den Ohren Ihres Kindes.
»Ich versuche, dich zu verstehen!« – Egal was vorgefallen ist, zeigen Sie Verständnis für Ihr Kind und seine Sichtweisen. Das heißt aber nicht, dass Sie alles gutheißen müssen. Verstehen heißt nicht automatisch alles akzeptieren.
»Das freut mich sehr!« – Zeigen Sie Ihre Freude, wenn Ihrem Kind etwas gut gelungen ist oder es großen Einsatz zeigt. Das macht Ihr Kind stark.
Akzeptieren Sie Ihr Kind liebevoll, so wie es ist, ohne Wenn und Aber.
Wenn Kinder spüren, dass sie prinzipiell respektiert und geliebt werden, wollen sie mit den Eltern kooperieren und vertrauen ihnen bedingungslos. Deshalb dürfen wir auch nie und nimmer, egal was passiert, mit Liebesentzug drohen. »Ich habe dich nicht mehr lieb, wenn du jetzt nicht sofort folgst«, ist eine der wenigen Todsünden in der Erziehung und in Beziehungen. Ein Kind will sicher sein, dass es auch mit Fehlern, Schwächen und Pleiten gemocht wird.
Bedenken Sie: Erst dadurch wird es einzigartig auf diesem Planeten.
Auch die sogenannte emotionale Intelligenz ist ein wesentlicher Glücksfaktor. Und der kann sich nur gut entwickeln, wenn Kinder die Erfahrung von Respekt und liebevollem Vertrauen machen können. Das befähigt sie, intelligent mit ihren eigenen Gefühlen umzugehen und zu erkennen, wie es anderen geht. Forschungen belegen, dass emotionale Intelligenz ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist: Wer sich gut in andere einfühlen kann, hat prinzipiell die Nase vorn.
Respektieren Sie alle Gefühle Ihres Kindes, egal ob Sie sie verstehen können oder nicht. Das heißt aber nicht, dass wir in der Erziehung immer darauf Rücksicht nehmen sollen. Denn ein klares Nein ist manchmal wichtig, auch wenn das Kind darauf mit Ärger oder Traurigkeit reagiert. Wenn es weiß, dass seine Empfindungen nicht infrage gestellt werden, kann es Enttäuschungen leichter verkraften und selbst Nein-Sagen lernen. Dies gilt zum Beispiel auch für »kleine Zärtlichkeiten«: Ein Kind soll nie Küsschen geben oder auf dem Schoß sitzen müssen, wenn es das nicht von sich aus möchte.
Lassen Sie Ihr Kind so oft wie möglich selbst entscheiden und respektieren Sie diese Entscheidungen dann auch. Ein Kind darf zum Beispiel mitreden, wohin der nächste Sonntagsausflug gehen soll. Es braucht aber auch schützende Richtlinien: »Dieses Becken ist für dich tabu, bis du schwimmen kannst!« oder »Heute gehen wir nicht in den Zoo, weil du erkältet bist.«
Zeigen Sie Interesse an allem, was Ihrem Kind wichtig ist und wofür es sich begeistert. So fördern Sie seine Talente. Aber es ist auch wichtig, dass es sich nicht immer im Mittelpunkt des elterlichen Lebens sieht. Denn wenn ein Kind meint, dass das Wohlbefinden seiner Mutter oder seines Vaters nur von ihm abhängt, kann das zu einer übergroßen Belastung werden. Kindern geht es gut, wenn die Erwachsenen ein eigenes erfülltes Leben führen, von dem die Kinder ein wichtiger, aber nicht der einzige Teil sind. Deshalb überprüfen Sie regelmäßig Ihre eigenen Erwartungen an Ihre Kinder.
Respekt haben heißt auch Geduld zeigen und die Kinder so annehmen, wie sie sind, und nicht, wie wir sie gerne haben möchten. Ein Kind ist kein Automat, der das auswirft, was wir hineingesteckt haben, sondern ein einzigartiges Wesen mit eigenen Gefühlen, Gedanken und Erlebnissen. Gute Noten und Wohlverhalten sind nur ein Teil seines Lebens. Es ist völlig normal, dass ihm nicht alles glückt und dass es manchmal nervendes Verhalten zeigt.
Kleben Sie Ihrem Kind kein Etikett auf. Wenn Sie zum Beispiel sagen: »Du bist immer ein Faulpelz, du machst niemals deine Hausaufgaben!«, wird sich dieses Verhalten sogar verfestigen. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit mehr auf das, was Ihr Kind gut kann, wozu es sich hingezogen fühlt. Ist es vielleicht hilfsbereit oder auffallend tierlieb? Kann es gut zuhören, zeigt es Mitgefühl oder liebt es, in der Nacht die Sterne zu beobachten? Bastelt es gerne mit Papa in der Werkstatt oder hat es immer wieder außergewöhnliche Einfälle und fantasievolle Tagträume? Die Stärken Ihres Kindes zeigen sich vor allem in seinen Interessen und sind die wirksamsten Helfer, um aus den Schwächen herauszuwachsen.
Tipp
Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Wortwahl. Worte wie »immer«, »niemals« und »schon wieder« machen klein und schwach. Beobachten Sie, wie oft Sie für Ihr Kind oder für sich selbst diese Worte sagen oder denken. Und dann lassen Sie sie weg. Sie werden sehen – das ist gar nicht so einfach!
Eine klare Kommunikation ist Grundvoraussetzung für den Zusammenhalt in der Familie und gegenseitiges Verständnis. Im Gespräch mit Kindern sind klare Aussagen notwendig. Zu komplexe Fragen, zu vielfältige Wahlmöglichkeiten wie »Möchtest du Mikado spielen, dich ausruhen oder lieber vorher den ersten Teil der Mathe-Hausaufgaben erledigen?« verwirren Kinder. Das hat zur Folge, dass sie sich nicht entscheiden können, ihre Meinung ständig ändern und den Eltern mit ihren Launen das Leben schwer machen.
Vage Aussagen wie »Sei in der Schule brav!« oder »Benimm dich rücksichtsvoller!« sind zu abstrakt. Besser sind konkrete Hinweise: »Melde dich im Unterricht, wenn du willst, dass dir zugehört wird« oder »Lass deinem Sitznachbarn genug Platz zum Schreiben.«
Zu sagen, was man nicht möchte, führt selten ans Ziel. »Die Musik ist zu laut!« ist weniger deutlich als »Ich bin lärmempfindlich. Bitte stell das Gerät leiser.«. Kinder brauchen Konkretes. Auf begründete, eindeutige Hinweise reagieren sie meist kooperativ. Unklare Formulierungen hingegen führen leicht dazu, dass sie nur das hören, was sie hören möchten und was ihnen gerade passt. Wenn wir einem Kind etwas mitteilen, ist es sinnvoll, es auf eine Art zu tun, die dem kindlichen Denken entgegenkommt. Auch Körpersprache, Mimik und Gestik sollten mit den Worten übereinstimmen. Wenn wir über eine ernste Angelegenheit reden, sollten wir auch eine ernsthafte Haltung und Mimik haben. Sonst widersprechen wir uns indirekt selbst und das Gespräch wird nicht den beabsichtigten Zweck erfüllen, weil das Kind uns nicht versteht oder nicht ernst nehmen kann.
Praxis
»Vertrauensohr«
Suchen Sie sich gemeinsam ein »Vertrauensohr« aus. Wann immer Ihr Kind diesem Ohr etwas zuflüstert, kann es sicher sein, dass Sie es als Geheimnis behandeln. Sie hören dann einfach nur zu und bedanken sich am Ende. So können Kinder lernen, auch ganz peinliche oder beängstigende Gedanken auszusprechen, ohne dass der Erwachsene sofort sein Wissen oder seine Sorge dazugibt.
Wer sich wohlfühlt, kann auch besser reden. In einer entspannten Atmosphäre ist Bewegung, Kuscheln und Lachen ausdrücklich erlaubt. In einer Wohlfühlatmosphäre kommt man viel leichter ins Gespräch. Kinder wollen nicht mit Fragen bedrängt werden, dann reagieren sie meist mit Schweigen. Sie kommen von alleine, wenn wir ihnen Zeit, Raum und Aufmerksamkeit zur Verfügung stellen, sozusagen ein offenes Ohr im richtigen Moment.
Denn gelungene Kommunikation hat mehr mit Zuhören zu tun als mit Reden. Von Kindern wird erwartet, dass sie uns grundsätzlich zuhören, doch wir selbst rufen schnell mal etwas im Vorbeigehen ins Kinderzimmer oder schreiben eine E-Mail fertig, während unser Schulanfänger von der Turnstunde berichtet. Wir müssen unseren Kindern nicht permanent die volle Aufmerksamkeit schenken, sondern nur ab und zu. Als Mutter oder Vater spüren Sie sicher sehr gut, wann Sie nebenbei kochen können und wann es wirklich wichtig ist, sich dem Kind ganz zu widmen. Aber dann seien Sie bitte ganz da, hören Sie zu und lassen Sie Ihr Kind ausreden. Das hilft nicht nur beim Verstehen, sondern auch dabei, das Selbstwertgefühl Ihres Kindes zu stärken. Denn die Erfahrung »Ich werde gehört« schafft Vertrauen in sich selbst. Bewerten Sie nicht sofort und versetzen Sie sich in die Lage des Kindes. Auch wenn Sie zwischendurch immer wieder zusammenfassen, was Sie verstanden haben, erleichtert das das Verstehen. »Deine Freundin Susi wollte neben Eva sitzen. Deshalb hattet ihr Streit und du warst traurig. Dann habt ihr euch wieder versöhnt. Habe ich das richtig verstanden?« Es ist besonders wichtig, auf die Gefühle einzugehen. Auch wenn Ihnen manche Probleme Ihres Kindes unbedeutend vorkommen und Sie die heftigen Emotionen nicht verstehen: Ihrem Kind ist es in diesem Augenblick sehr ernst. Unterbrechen Sie es nicht, wenn es darüber berichtet, fragen Sie nach. Bieten Sie aber keine vorschnellen Lösungen an und halten Sie sich mit Ratschlägen zurück. Fragen Sie lieber: »Was hast du dir denn schon überlegt?«, »Brauchst du meine Hilfe?« oder »Schön, dass du mir das erzählt hast.« So lernen Kinder, dass man in der Familie über alles reden kann.
Erziehen ist eine herausfordernde Aufgabe, die nicht immer einfach ist, die Eltern aber auch mit vielen wundervollen Momenten belohnt. Kleine Probleme und so mancher Alltagsärger lassen sich mit Gelassenheit und klaren Regeln viel leichter bewältigen.
Auch wenn Kinder manchmal rebellieren, so wollen sie doch Erwachsene, zu denen sie aufsehen können. Wenn die Eltern Sicherheit ausstrahlen, sind sie wie eine Festung, die das Kind schützt und in Ruhe wachsen lässt. Eine demokratische Erziehung und viele gemeinsame Entscheidungen sind wichtig und richtig, dennoch dürfen Eltern die Rolle des Führens nicht abgeben und müssen Regeln aufstellen. Das sind Verhaltensvereinbarungen, die das Funktionieren einer Gemeinschaft erleichtern. So wie die Verkehrsregeln unser Autofahren erleichtern und wir nicht auf die Idee kämen, unser Fahrzeug in einem fremden Garten zu parken, so erleichtert es auch das Kinderleben, wenn wir deutlich machen, was erlaubt ist und was nicht. Ihr Kind möchte wissen, was es darf und was nicht und welche Folgen es hat, wenn wichtige Regeln nicht eingehalten werden. Auch sehr tolerante Eltern müssen Grenzen setzen, wenn zum Beispiel der Nachwuchs trotz höflicher Bitten die Füße nicht vom Esstisch nimmt oder den Fernseher auf maximale Lautstärke dreht, während das Baby schlafen will. Regeln müssen klar und verständlich sein, zum Beispiel: »Wir schreien uns nicht an« oder »Wenn du etwas ausräumst, legst du es auch wieder zurück.« Klare Absprachen helfen, sich in der Welt zurechtzufinden und mit anderen Menschen gut auszukommen.
Legen Sie zum Beispiel Essenszeiten fest, regeln Sie den Medienkonsum und sprechen Sie über den gegenseitigen Umgang miteinander. Werden diese Abmachungen nicht eingehalten, weiß Ihr Kind genau, warum Sie jetzt unzufrieden sind. Kennen sich die Kinder zu Hause gut aus, dann macht es ihnen auch keine Probleme, sich auf die Schulregeln einzustellen oder zu akzeptieren, dass jede Gemeinschaft ein wenig anders funktioniert.
Natürlich verschieben und ändern sich Grenzen. Bildlich gesprochen werden neue Schilder aufgestellt, alte entfernt. Vieles wird mit zunehmendem Alter der Kinder neu verhandelt, denn Kinder sind Grenzgänger. Sie wollen erfahren und austesten, was sie tun können, damit sich Grenzen verschieben oder gar auflösen.
Regeln, die Eltern aufstellen, richten sich vor allem nach dem, was ihnen wichtig ist, also nach ihren persönlichen Werten. Damit sind nicht materielle Güter oder ein volles Bankkonto gemeint, sondern vielmehr die Überzeugungen, die Erwachsene selbst vom Leben und von Richtig und Falsch haben.
Was sind Ihre wichtigsten Wertevorstellungen, die Sie in der Erziehung weitergeben möchten? Ist es zum Beispiel Bildung? Oder Höflichkeit? Soll Ihr Kind besonders durchsetzungsfähig werden? Wie wichtig sind Ihnen Genauigkeit und Pünktlichkeit?
Praxis
Denken Sie über Ihre persönlichen Werte nach
Nehmen Sie sich ein paar Minuten Ruhe und Zeit und schreiben Sie alle Eigenschaften auf, die Ihnen wichtig sind und die Ihnen spontan einfallen, zum Beispiel: fair, freundlich, ehrlich, hilfsbereit, ordentlich, selbstsicher, kreativ, fröhlich, fleißig, durchsetzungsfähig …
Dann suchen Sie die drei für Sie wichtigsten Eigenschaftswörter heraus und überlegen, wann und wie Sie mit Ihrem Kind darüber reden können. Dann kann Ihr Kind besser nachvollziehen, warum Ihnen gewisse Verhaltensweisen besonders wichtig sind. Übrigens sind besonders Grundschulkinder sehr empfänglich für tiefere Gespräche. Sie möchten größere Zusammenhänge verstehen und von den Erwachsenen ernst genommen werden.
Um das Selbstwertgefühl eines Kindes zu heben und erwünschtes Verhalten zu verstärken, ist es wichtig, seine Fortschritte und Anstrengungen zu sehen und es ehrlich zu loben. Kinder, die zu wenig Wertschätzung erhalten, sind sich nie sicher, ob das, was sie denken und wie sie handeln, auch richtig ist. Loben Sie Ihr Kind für seine Ideen, Bemühungen und alles, worüber Sie sich freuen.
Loben ist wichtig, aber loben Sie richtig. Es kommt dabei nicht so sehr auf das Ergebnis, sondern auf die Anstrengung des Kindes an. Loben Sie den Eifer, mit dem Ihr Kind bei der Sache war, auch wenn das Ergebnis nicht so toll ausfällt. Gehen Sie ins Detail: »Die lustige weiße Wolke mag ich auf deinem Bild. Was gefällt dir denn am besten?« Schätzen Sie die gute Absicht hinter einer Tat, auch wenn etwas danebengeht: »Danke, dass du mir helfen wolltest. Nicht so schlimm, dass der Teller kaputtgegangen ist. Bitte frage mich das nächste Mal vorher.« Besonders wenn Kinder unsicher sind oder Misserfolge verkraften müssen, brauchen sie Lob für kleine Schritte und Ihr felsenfestes Vertrauen in ihre individuellen Fähigkeiten. Sie müssen es aber auch ehrlich meinen und nicht nur einfach so dahinsagen. Denn noch bevor das Kind die Worte hört, sieht es Ihre erfreute Mimik, spürt Ihr Lächeln oder registriert Ihren Tonfall. Das löst beim Kind Freude aus und motiviert es, sich weiterhin anzustrengen. Aber gerade in diesem Punkt liegt auch eine mögliche Gefahr.
Zu viel Lob könnte dazu führen, dass ein Kind sich nur anstrengt, um gelobt zu werden. Beobachtungen zeigen, dass unsichere Kinder zu wenig, zu viel oder zu undifferenziert gelobt werden und keine Form von Kritik kennen. Machen Sie Ihr Kind also nicht von Ihrer Anerkennung abhängig. Reagieren Sie nicht enttäuscht, wenn einmal etwas danebengeht, und richten Sie das Wort auch an das Kind: »Bist du selbst zufrieden mit deiner Note? Das ist wichtiger!« Dadurch lernen Kinder, Selbstkritik und eigene Ziele zu verfolgen. Denn schließlich soll Ihr Kind mit sich selbst zufrieden sein und sich selbst motivieren lernen. So gestärkt halten Kinder auch angemessene Kritik gut aus und lernen aus ihren Fehlern, was sie besser machen können. Denn faire Kritik ist erlaubt und wichtig. Kritisieren Sie aber nur das Verhalten Ihres Kindes und nicht Ihr Kind selbst. Sagen Sie zum Beispiel nicht: »Du bist ein schlampiges Kind«, sondern besser: »Schade, dass deine Hefte so schmutzig sind. Bitte achte besser auf deine Sachen.«
Praxis
Schätze sammeln
Lassen Sie Ihr Kind seine Erfolge bewusst erleben und einen Schatz sammeln. Das Kind erhält ein leeres Wasser- oder Marmeladenglas. Für alles, was es gut gemacht hat oder worüber es sich selbst freut, legt es einen Stein oder eine bunte Murmel hinein. So kann es seine Erfolge jederzeit sehen und der Schatz wird immer größer. Wenn das Glas voll ist, wird darüber geplaudert und gemeinsam gefeiert.
Manche Eltern wollen es ganz besonders gut machen und loben prinzipiell alles, was von ihrem Kind kommt. Aber Lob nach dem Gießkannenprinzip verunsichert das Kind. Es wird sich irgendwann fragen: »Hat Mama nicht kapiert, dass ich mich gar nicht angestrengt habe? Oder traut sie mir nicht mehr zu?« Überzogenes Hochloben kann auch zu unechtem, überhöhtem Selbstwertgefühl führen. Solche Kinder überschätzen sich, obwohl sie nicht wirklich selbstsicher sind. Sie haben es im Kindergarten oder in einer Schulklasse oft schwer, denn die Einstellung »Ich bin der Größte und immer super« macht nicht gerade beliebt. Sie wirken eingebildet, haben aber innerlich eine ganz geringe Frustrationstoleranz. Deshalb reagieren sie schnell beleidigt, wenn sie erkennen, dass sie nicht von jedem so euphorisch gesehen werden. Sie wehren sich heftig gegen Kritik oder Tadel und versuchen dann mit allen Mitteln, Aufmerksamkeit zu erhalten. Auch Auffälligkeiten und Aggressionen können unerwünschte Folgen sein.
Dennoch dürfen diese kritischen Einwände nicht darüber hinwegtäuschen, dass Kinder in unserer Gesellschaft prinzipiell eher zu wenig als zu viel gelobt werden.
Es ist eine Erkenntnis der Glücksforschung, dass zufriedene, erfolgreiche Menschen vor allem das Schöne in ihrem Leben bewusst wahrnehmen und dafür dankbar sein können. Mithilfe dieser inneren Haltung lassen sich die Herausforderungen des Lebens mit Gelassenheit und Optimismus angehen. Leider leben wir oft so, dass wir das Angenehme als selbstverständlich hinnehmen. Schlechte oder unangenehme Seiten hingegen fallen uns sofort auf, regen uns auf oder machen uns mutlos.
Bestärken Sie Ihr Kind in einer grundsätzlich positiven Lebenseinstellung und sehen Sie Krisen als Chance, um daraus zu lernen und daran zu wachsen. Kleine und größere Krisen gehören zum Leben und zum Erwachsenwerden dazu. Mit Optimismus und Humor lassen sie sich leichter und besser bewältigen. Und es ist erwiesen, dass Humor genauso wie die Sprache oder das Sozialverhalten zu einem großen Teil erlernbar ist.
Lachen und Leichtigkeit sind die Kennzeichen optimistischer Familien. Kinder von pessimistischen Eltern lernen von ihnen eine negative Erwartungshaltung und Übervorsicht. Sie neigen dazu, sich und andere abzuwerten und eher mit Misserfolgen und Schwierigkeiten als mit Erfolgen und Glück zu rechnen. Oft folgen dann unbewusst Handlungen, die wirklich zu Problemen führen. Das erklärt das Phänomen der sich selbst erfüllenden Prophezeiungen.
Eine optimistische Haltung hingegen zeigt sich auch in unseren Formulierungen. Sagen Sie zum Beispiel nicht: »Das war nicht schlecht«, sondern besser: »Das hast du gut gemacht.« Zeigen Sie Ihrem Kind, wie man positiv auf enttäuschende oder unangenehme Situationen reagieren kann: »Alex will nicht mir dir spielen? Wahrscheinlich will er jetzt etwas alleine machen. Überleg mal, was du ohne ihn tun kannst, und frag dann noch einmal.« Oder »Schade, dass du heute Fieber hast. Mach es dir im Bett gemütlich. Keine Sorge, den Ausflug verschieben wir auf nächste Woche.«
Optimismus und Heiterkeit sind auch wirksame Mittel gegen Stress und Überforderungsgefühle. Lachen Sie oft mit Ihrem Kind und lassen Sie sich von seinem Lachen anstecken! Kinder lachen von Natur aus bis zu 400-mal am Tag, während Erwachsene das statistisch gesehen nur maximal 15-mal täglich tun.
Tipp
Mundwinkel nach oben! Überprüfen Sie regelmäßig Ihr eigenes Verhalten, Ihre eigene Mimik: Wenn diese hauptsächlich Sorge und Pessimismus ausdrückt, wirkt das auf ein Kind entmutigend. Bemühen Sie sich um Optimismus, eine fröhliche Stimmung und ein einfaches Lächeln im Gesicht.
Wie beim Loben, so gibt es auch beim Lachen negative Kehrseiten: Fröhliches Lachen und eine optimistische Grundhaltung haben nichts mit Auslachen, Lächerlichmachen oder zynischen Redewendungen zu tun. Das sind Waffen, die verletzen, klein machen und im Umgang mit Kindern nichts zu suchen haben.
Auch wenn ein Kind gerade traurig oder mutlos ist, braucht es Eltern, die es ernst nehmen und seinen Kummer nicht belächeln.
Untersuchungen belegen, dass Lächeln und Lachen unter anderem
eine optimistische Einstellung fördert,
Glückshormone erzeugt und die Stresshormone reduziert,
das Immunsystem stärkt,
belastbar macht und die Zuversicht fördert,
Aufmerksamkeit und Konzentration erhöht,
Nervosität und Aufregung abbaut,
beliebt macht und das Gemeinschaftsgefühl verstärkt,
für den ganzen Organismus ausgleichend und entspannend wirkt.
Damit ist nicht gemeint, dass sich jedes Problem aus der Welt lachen lässt oder dass Sie das versuchen sollten. Aber weil Optimismus und Humor die Zuversicht fördern und kreativ machen, lassen sich Probleme so leichter lösen.
Ein Kind braucht seine Fantasiewelt und sein magisches Denken. Es ist völlig normal, wenn es mit Puppen spricht, sich verkleidet und sein Stofftier mit in den Schulranzen steckt, damit es die neue Freundin kennenlernt.
In der Kinderwelt ist eine Mischung aus Fantasie, Spiel, Magie und Realität je nach Alter und Entwicklungsstand normal. Kinder müssen fast alles, worauf es in ihrem späteren Leben ankommt, durch eigene Erfahrung lernen. Fördern können Eltern diesen Prozess, indem sie Gelegenheiten schaffen, in denen Kinder sich selbst erproben können. Am besten gelingt das im unbeschwerten Spiel. Deshalb darf ein Kind nicht von der Welt der Medien, des Konsums und der Sorgen der Erwachsenen überschwemmt werden. Zur Kinderwelt gehören auch viel Bewegung und das Spielen mit Gleichaltrigen.
Binden Sie Ihren Nachwuchs nicht in Entscheidungen mit ein, die ihn überfordern. Teilen Sie ihm nicht immer alles mit, was Sie denken und was Sie bedrückt. Natürlich können Sie Ihrem Kind sagen, wenn es Ihnen nicht gut geht, Ihr Kind merkt es wahrscheinlich sowieso an Ihrer Ausstrahlung. Und natürlich können Sie klagen, wenn Sie Kopfschmerzen haben, Ruhe brauchen oder sich Sorgen um den kranken Opa machen. Auch eine Familiensorge wie einen drohenden Arbeitsplatzverlust halten Kinder aus, wenn der Erwachsene dabei signalisiert: »Ich kriege es hin!« Aber sprechen Sie mit Ihrem Kind kindgerecht, machen Sie ihm keine unnötige Angst. Laden Sie Ihre Probleme nicht bei ihm ab und fragen Sie es nicht, ob Sie den Job wechseln sollen oder nicht. Wenn es sich gedanklich mit Problemen beschäftigen muss, die es nicht begreift und an denen es ganz und gar nichts ändern kann, fühlt es sich überfordert und wird möglicherweise von schlimmen Fantasien überschwemmt. Ein Kind fühlt sich zum Beispiel völlig hilflos, wenn Sie ihm erzählen, dass Sie sich Sorgen über die Aktienkurse machen und fürchten, dass das Wirtschaftssystem zusammenbricht. Auch Diskussionen über die Paarbeziehung der Eltern sind tabu und das Kind darf auf gar keinen Fall bei einem Streit zum Schiedsrichter zwischen Mama und Papa werden. Auch wie Geschwister behandelt werden, müssen die Eltern alleine entscheiden.
Die Kinderwelt ist eine bewegte Welt. Unsere Kinder haben von Natur aus Freude an der frischen Luft und an körperlicher Bewegung. Erst durch spätere Einflüsse von außen kommt es dazu, dass manche bequem und unbeweglich werden. Lassen Sie es nicht so weit kommen! Es gibt fast kein Wetter, das ein Kind abhalten sollte hinauszugehen, wenn es den Drang dazu verspürt. Laufen, Toben und Hüpfen machen den Kopf klar und Kinder zufrieden. Plakativ gesagt: Bewegung macht Kinder klug und fröhlich. Es ist erwiesen, dass sie auch die Sprachentwicklung, die Lernbereitschaft und die Vorstellungskraft fördert. Kinder, die ihren Körper beherrschen, können auch ihre kognitiven Potenziale besser entfalten. Wer sich im Raum sicher orientieren kann, hat auch im Zahlenraum meist die Nase vorn.
Bewegung erleichtert das Denken.
