Stars des Internets - Torsten Oelke - E-Book

Stars des Internets E-Book

Torsten Oelke

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Beschreibung

Das Internet bietet nahezu unerschöpfliche Möglichkeiten, um neue Geschäftsideen und Produkte zu entwickeln. Nur wenige Idee schafft es jedoch bis zur Marktreife – und noch weniger Unternehmen überleben die ersten Jahre. Doch es gibt sie, die Start-ups, die zu Top-Unternehmen wurden! In 13 Portraits stellt Thorsten Oelke die erfolgreichsten vor: Er beschreibt die Motivation der Gründer, die Leidenschaft, mit denen sie ihre Ziele verfolgten, die oft bewegten ersten Jahre und zeigt, was ausschlaggebend für ihren Erfolg war. Erfahren Sie die Geschichte hinter XING, GetAbstract, DaWanda, Tipp24, Intershop und vielen anderen. Ein Buch, das Lust macht, die eigenen Ideen endlich zu realisieren.

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Seitenzahl: 258

Veröffentlichungsjahr: 2009

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Torsten Oelke

Stars des Internets

To YOU,who never give up achieving your childhood dream

Torsten Oelke

Stars des Internets

Erfolgreiche Web-Unternehmer und ihre Geschichte

Bibliografische Information der Deutschen NationalbibliothekDie Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie.Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.ISBN 978-3-86881-001-1

Unsere Web-Adresse:www.redline-verlag.de

© 2009 by Redline Verlag, FinanzBuch Verlag GmbH, München.

Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.

Redaktion: Tanya Wegberg, Neuruppin Umschlaggestaltung: Jarzina Kommunikations-Design Umschlagabbildung: www.istockphoto.comSatz: Manfred Zech, Landsberg am Lech Printed in Austria

Inhaltsverzeichnis

Gründen aus Leidenschaft Ein Gründungsthema, für das man brennt Oliver Samwer–European Founders FundSchon fast legendärDie ganz normalen AnfängeAlles ein wenig schnellerVom Ende her denkenLukasz Gadowski–SpreadshirtUnternehmertum als PassionDie Gründung von SpreadshirtHalb Gründer, halb InvestorDie Chancen der neuen TechnologienAlexander Straub–Mondus/Straub VenturesDer globale GründerDer globale ThemenfinderDen passenden Markt findenJens Schumann–Tipp24Der Unternehmer mit WiderstandLeicht zu beschaffendes GeldSchwer zu beschaffendes GeldStefan Glänzer–Ricardo.de/Last.fmVon der ersten Versteigerungsplattform zum letzten InternetradioEin Diamant im NetzDigitale AlltagschronikenRiccardoZacconi–King.comDer größere ErfolgshebelAuf dem Weg zum unternehmerischen RisikoUnternehmertum mit SpieleplattformErfolg messbar machenLars Hinrichs–XINGZurück ins Netzwerk des InternetsUnternehmertum in den AdernSchon früh im Web vernetztVom Spaß am Networking zum eigenen BusinessBusiness Intelligence statt BeraterKonstantinGuericke–LinkedIn/JaxtrVon der Methode, ein Netzwerk zu bauenDas Bauen von Netzwerken als MethodeDer KundenfokusCraig Newmark–CraigslistEin ganz untypischer GründerEine ganz untypische GründungEine ganz untypische InternetseiteEine ganz untypische HerangehensweiseGanz untypisch: Die Nutzer fordern WerbungImmer dabei: der moralische KompassMehr Weltverbesserer als UnternehmerEin ganz untypischer Fall von ReichtumStephan Schambach–Intershop/DemandwareNach der Wende–der echte IntershopNach der Börse–die echte InternetsoftwareWir sind das TeamWas macht Teams erfolgreich?Oliver Beste und Fabian Hansmann–FounderslinkVon Gründern und WiderständenMit Widerstand zum GründenÜberwindung um jeden PreisDer Erhalt der unternehmerischen FreiheitRolf Dobelli–getAbstractVom Schreiben und Zusammenfassen von BüchernIn äußerster Kürze–ein neuer MarktSchriftsteller oder Unternehmer–Hauptsache ohne ChefZusammengefasst: ein Team von desillusionierten ManagernGeldverdienen–nichts leichter als dasWenn Marketing & Co. ins Netz gehenChristoph Schäfer–GetGoVom First-Class-Berater zum Underdog-Unternehmer Von der New Economy zur Gesellschaft für denElektronischen Handel (GFEH)Retro-Werbung–zurück zu den BannernFest im Blick: der große DealDie neue Generation: Sebastian Bärhold, Armin Bauer, Marc P. Bernegger, Markus Eichinger, Dennis von Ferenczy, Felix Haas–amiandoWie viele Gründer soll man einladen?Eingeladen zu investierenAusgeladen von der KreditkartenfirmaClaudia Helming, Michael Pütz–DaWandaEin einzigartiges StartupEinzigartige TiefpunkteEinzigartiges KundenfeedbackEinzigartige PresseEinzigartige InternetgenerationInvestor mit Gründerleidenschaft: Klaus Hommels–Balderton CapitalInvestieren mit der Leidenschaft des GründersHerzblut und kühler KopfRotkäppchen und der KundenwertDie 13 Geheimnisse erfolgreicher Internetgründer–einmal Internet und zurückHerzlichen DankStichwortverzeichnis

Gründen aus Leidenschaft

Ein Gründungsthema, für das man brennt

Die erste Frage, die sich ein angehender Gründer stellen sollte, ist die nach seinem Thema. Denn jeder von uns trägt ein Thema in sich, das sich zum Gründen eignet.

Es kann eine Begabung sein, aus der man etwas machen sollte. Etwas, womit ein jeder seinen Beitrag zu unserer Welt leisten kann. Eine ganz besondere Leidenschaft, etwas, das man vielleicht schon seit seiner Kindheit machen wollte. Dem einen fällt sofort ein, was es ist, der andere muss sich erst auf die Suche machen, Familie oder Freunde fragen, weit in seine Kindheit zurückgehen. Viele gestehen sich nicht ein, was ihr Thema ist, weil sie darin vielleicht keine Möglichkeit zur Erwerbstätigkeit sehen, schon gar nicht zur Gründung einer Firma. Andere fürchten sich geradezu vor ihrer Begabung. Sie schützen sich selber mit Ausreden wie „Dafür habe ich jetzt keine Zeit“, „Damit ist kein Geld zu verdienen“, „Das kann ich später immer noch machen, wenn ich nicht mehr arbeiten muss“. Dabei entfernen sie sich immer mehr von ihrem Thema, bis sie es gar nicht mehr wahrnehmen. Aber es gibt etwas.

Von zahlreichen erfolgreichen Gründern wissen wir, dass sie ohne ihr Thema nie Erfolg gehabt hätten. Benedikt Taschen soll im Alter von 18 Jahren die Idee eines eigenen Comic-Ladens gehabt haben. Dann erinnerte er sich an seine alte Leidenschaft für Kunstbücher. Heute ist er Inhaber eines der größten Kunstbuchverlage der Welt. Jeder kennt solch ein Beispiel–aus der Öffentlichkeit oder aus seinem ganz privaten Umfeld.

Machen Sie es also wie Benedikt Taschen. Fragen Sie sich, was Sie schon immer machen wollten. Fragen Sie nicht nach der Größe des Marktes oder nach der Marge für das Produkt. Machen Sie sich keine Gedanken um die Positionierung Ihrer Firma, denken Sie nicht über Wettbewerb und Strategien nach. Das steht in Businessplan-Büchern und hat seine Berechtigung. Es kommt aber frühestens an zweiter Stelle.

Denken Sie zuallererst über Ihr Thema nach. Denn wenn Sie die Höhen und Tiefen Ihrer Unternehmensgründung wirklich durchstehen wollen, dann brauchen Sie Leidenschaft.

Woran erkennen Sie Ihr Thema? Nun, es ist etwas, das Ihnen besonders leichtfällt. Etwas, das Sie gern machen, das Sie Ihr Tun nicht als Arbeit empfinden lässt. Viele erfolgreiche Unternehmer berichten, dass sie das, was sie machen, als etwas ganz Natürliches empfinden. Sie arbeiten teilweise sieben Tage die Woche, anfangs meist rund um die Uhr, und kommen mit wenig Schlaf aus. In den ersten Jahren gibt es kaum Urlaub. Der eine oder andere ist am Anfang so in seinem „Flow“, dass er sich Urlaub erst vorstellen kann, wenn es mal nicht mehr so spannend ist wie in den ersten Gründerjahren. Verstehen Sie das nicht falsch: Es geht nicht darum, sich zu überarbeiten. Ein Burnout-Syndrom ist heute ein anerkanntes und ernst zu nehmendes Krankheitsbild. Aber Gründer, die ihr Thema gefunden haben, arbeiten nicht–sie leben ihren Traum.

Viele fragen sich: Ist ein solches Thema tatsächlich immer geeignet, um ein Unternehmen zu gründen? Kann ich mit meiner Begabung wirklich Unternehmer werden? Reicht es nicht, wenn mir mein Thema in der Freizeit einfach nur viel Freude bereitet? Das ist die alte Frage danach, ob man sein Hobby zum Beruf machen sollte. Doch diese Frage greift zu kurz. Denn Ihr ganz eigenes Thema ist mehr als ein konkretes Hobby, an das Sie dabei zunächst denken mögen. Das Thema bildet sich vielleicht in diesem Hobby ab, doch eignet sich das Hobby deshalb noch lange nicht für den Beruf.

Meistens hat jemand, der sich diese Frage stellt, sein Thema noch gar nicht gefunden. Er kennt nur eine Ausprägung des Themas, nämlich sein Hobby. Wenn Sie gern einem bestimmten Sport nachgehen, müssen Sie nicht gleich Profi werden. Nehmen wir an, Sie spielen leidenschaftlich gern Tennis. Sie lieben diesen Sport. Dann sollten Sie nicht zwingend anstreben, ein Profisportler zu werden. Vielleicht gibt es andere Tätigkeiten, in denen Sie viel erfolgreicher sind und die dennoch Ihr Thema abbilden: Sie könnten besondere Schläger entwickeln, eine Tennisschule betreiben, Turniere professionell organisieren, einen Informationsdienst zum Thema Tennis aufbauen, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Das alles lässt Sie Ihre Leidenschaft für den Sport leben und dennoch eine befriedigende Betätigung ausüben, die fernab der klassischen Sportlerkarriere liegt. Reduzieren Sie Ihre Suche also nicht auf die Art, in der sich Ihr Thema gerade manifestiert. Denken Sie von diesem Punkt aus weiter und darüber hinaus.

Eine andere und viel schwierigere Frage ist die des richtigen Zeitpunkts für Ihr Thema. Die einen wissen bereits seit ihrer Kindheit, dass sie einen bestimmten Traum leben wollen. Leonard Bernstein hörte in frühester Kindheit ein Musikstück, das für das Piano komponiert worden war. Seit diesem Moment wusste er, was seine Bestimmung war. Bei manchen dauert es etwas länger: Kevin Costner zum Beispiel hatte einen unglaublichen Erfolg mit Der mit dem Wolf tanzt, doch da war er bereits lange Zeit im Filmgeschäft.

Die Frage des richtigen Zeitpunkts ist deshalb so schwierig, weil im Grunde nur Sie sie beantworten können, es gibt da wenige Hilfestellungen. Akzeptieren Sie einfach, dass manchmal der richtige Zeitpunkt noch nicht gekommen ist. Meist ist das der letzte Augenblick, bevor es losgeht.

Nicht zwingend führt jedes Thema in eine Unternehmensgründung. Wenngleich Gründen nicht immer den Aufbau eines Unternehmens mit vielen Angestellten bedeutet, umfasst es doch auch die Beispiele von Bernstein oder Carl Tenner, dem Tenor, der seine Leidenschaft erst nach mehreren Jahrzehnten entdeckte. Denn im Prinzip ist jede Form der selbstständigen Tätigkeit eine persönliche Gründung, egal ob sie nun als freier Beruf, Einzelunternehmen oder Unternehmen klassifiziert oder zum nächsten Google wird.

Natürlich kann man auch als Angestellter sein Thema leben. Jemand, der gern Koch sein möchte, ist vielleicht sogar als angestellter Koch zeitweise besser dran, zum Beispiel weil ihm das Hotel, für das er arbeitet, erst ermöglicht, für sein Restaurant einen Stern zu erkochen. Aber dann ist Gründen wieder nur eine Frage des richtigen Zeitpunkts. Denn was uns manchmal nicht bewusst ist: Nicht etwa das Angestelltendasein ist historisch betrachtet die verbreitetste Form der Erwerbstätigkeit, sondern die Selbstständigkeit. Vor einigen Jahren berichtete die Zeitschrift brand eins in ihrer Ausgabe über „Arbeit“, dass diese in Europa nicht in Form der abhängigen Beschäftigungsverhältnisse gelebt wurde, sondern in Eigenverantwortung. Arbeiter und später dann Angestellte sind nur ein Bedürfnis des Industriezeitalters und damit in der derzeitigen Ausprägung mit dem gesellschaftlichen Ziel einer Vollbeschäftigung wohl nur ein vorübergehendes geschichtliches Phänomen, das es so noch nicht gegeben hat. Dass sich diese Phase gerade in der Weiterentwicklung befindet, zeigen sicherlich auch die zahlreichen Bücher über unsere sich wandelnde Art zu arbeiten, Debatten über das Grundeinkommen und anderes. Fest steht: Da ändert sich gerade etwas.

Nur wer für sein Thema wirklich brennt, kann die Rückschläge überwinden, mit denen ein junges Unternehmen immer wieder konfrontiert wird. Nur wer beim Gründen wirklich Leidenschaft mitbringt, kann „auf den letzten hundert Metern immer noch ein wenig extra Gas geben“, wie es Oliver Samwer formulierte.

Oliver Samwer–European Founders Fund

Schon fast legendär

Oft ist sie schon erzählt worden, die Geschichte vom geradezu märchenhaften Aufstieg der drei Jungs aus Köln, die es als Praktikanten im Silicon Valley bis ganz an die Spitze der deutschen Internetwirtschaft schafften und die mit dem von ihnen verwalteten millionenschweren European Founders Fund inzwischen ihr aus eigenen Firmenverkäufen erlöstes Geld in die noch immer junge deutsche Gründerszene pumpen. Es ist die Geschichte von Oliver Samwer und seinen Brüdern Alexander und Marc.

Am Anfang stand der Verkauf ihres ersten Unternehmens Alando an eBay, der die Brüder über Nacht bekannt und zu Millionären machte und im Jahre 1999 Heerscharen von jungen Studenten dazu ermutigte, es selbst einmal im Internet zu versuchen und Unternehmer zu werden. Oliver Samwer verweist nicht ohne Stolz darauf, immer noch E-Mails vom eBay-Gründer Pierre Omidyar und der langjährigen eBay-Vorstandsvorsitzenden Meg Whitman zu erhalten, wie toll sie Alando fanden. Angesichts der immensen Erfolgsgeschichte empfindet Samwer den frühen Verkauf heute als einen seiner größten Fehler und verweist auf die dynamische Entwicklung von eBay Deutschland.

Ende 2000 folgte Jamba, der zweite Streich der Samwers, der zunächst als Handyportal für das mobile Zeitalter startete, mit vorinstalliertem WAP-Portal auf vielen Mobilfunkgeräten, die über die strategischen Partner und Jamba-Gesellschafter MediaMarkt, Saturn und Electronic Partners vertrieben wurden. Damit hatten die Brüder bewiesen, dass sie ihr Geschäft auch dann in lukrative Gewässer steuern können, wenn sich Marktbedingungen rasant verändern, wie die Entwicklung des schon bald nach dem Jamba-Start aus der Mode gekommenen WAP-und UMTS-Markt gezeigt hatte. Sie konzentrierten sich auf die am meisten nachgefragten Produkte wie Klingeltöne und entwickelten nebenbei weitere attraktive Geschäftsmodelle wie die Dating-Plattform iLove. Teilweise prägte ihre Werbestrategie die Programme ganzer Musiksender–das quietschgelbe Küken Tweety gab es quasi als Sendung zum Klingelton.

Mit ihrer zweiten unternehmerischen Schlacht jedenfalls machten die Brüder mehr aus ihrem Geschäft, als sie das Unternehmen Jamba knapp vier Jahre nach dem Start für geschätzte 250 Millionen Euro an den amerikanischen Konzern VeriSign verkauften. Dieser konnte wenig später die Hälfte seines Anteils gewinnbringend an Murdochs NewsCorp. weiterreichen. Und das alles, bevor die Internetgemeinde das Web-2.0-Label erfand und Milliarden-Deals von YouTube bis Facebook die Runde machten.

Die Samwers haben etwas geschafft, das man wohl als die Erfüllung des amerikanischen Traums bezeichnen würde–befänden sich nicht alle Protagonisten auf dem alten Kontinent. Selbst in Europa kommt man aber nicht umhin, den Samwers einen beeindruckenden „Track Record“ zu bescheinigen, der viele junge Menschen vielleicht schon von einer Konzernkarriere abgehalten und die Unternehmerlaufbahn hat einschlagen lassen, selbst wenn sie nicht an der WHU in Vallendar studiert haben wie ihr großes Vorbild Oliver Samwer. Was heute in der Rückschau so leicht aussieht, hat viel Kraft gekostet und begann zunächst wie jede andere Unternehmensgründung im Internet.

Die ganz normalen Anfänge

So weit zu dem in der Öffentlichkeit hinreichend bekannten Bild von Oliver Samwer und seinen Brüdern. Bei der in Deutschland schon fast zur Legende gewordenen Geschichte der drei Entrepreneure bleibt oft unerwähnt, dass auch sie ganz normal angefangen haben– wie jeder Gründer, der mit all seinen Hoffnungen und Ängsten das Wagnis eines unternehmerischen Weges eingeht. Lässt man die Erfolge, von denen heute allein die Rede ist, einmal beiseite, kommt eine Gründertätigkeit mit all ihren Höhen und Tiefen zum Vorschein, die auch das Scheitern immer einkalkulieren muss.

Oliver Samwer konnte diese Höhen und Tiefen früh beobachten. Sein Vater hatte als Anwalt einen der freien Berufe, die dem Filius von klein auf vermittelten, dass Umfang und Qualität des Familienurlaubes immer auch davon abhingen, wie es gerade der Kanzlei des Vaters ging. Samwer scheint sich, wenn man seinen Worten Glauben schenken will, nie irgendeiner Illusion hingegeben zu haben, was der Preis einer freien beruflichen Tätigkeit ist–und zwar sowohl der, den man zahlt, als auch der, den man bekommt. Es hat ihn nicht abgeschreckt, sondern beflügelt. Wenn er an die ersten Vorstellungen zurückdenkt, die er und seine Brüder sich vom unternehmerischen Wirken machten, sieht er Lastwagen und Schiffe mit dem Familiennamen vor sich, welche die Welt umfahren. Was sich wie die naiven Tagträume eines Jugendlichen anhört, der zu viel Dallas und Denver-Clan geschaut hat, klang schon zwei Jahrzehnte später nicht mehr annähernd so unvorstellbar.

Zu der Samwer’schen Tankerkette kam es nicht. Die Brüder erkannten schon früh, dass sie das Problem der fehlenden Branchenexpertise in jungen Jahren nicht schnell genug lösen konnten und dass ihnen die alten Industrien einfach nicht die Geschwindigkeit erlaubten, die sie seither bei der Umsetzung ihrer unternehmerischen Vorstellungen an den Tag legten. „Ich halte heute noch das Internet für die einzige Branche, in der ganz junge Unternehmer innerhalb kürzester Zeit erfolgreich werden können.“ Es sei kein Zufall, so sagt Oliver Samwer, dass es nur im Internet ein 23-jähriger Student schaffen könne, innerhalb weniger Jahre ein soziales Netzwerk aufzubauen, das eine Milliardenbewertung durch etablierte Marktplayer wie Microsoft erfährt. „Dabei ist es egal, ob man drei Milliarden als Bewertung für gerechtfertigt hält oder fünfzehn“, fügt Samwer hinzu. Für ihn sind Mark Zuckerberg und sein Unternehmen Facebook ein Beleg dafür, dass eben nur das World Wide Web eine solch extreme Korrelation zwischen Alter des Gründers und Wert des Unternehmens hinbekommt. In allen anderen aufstrebenden Branchen wie Solar oder Biotech benötige man eine Fachexpertise und ein Netzwerk, das sich erst durch jahrelange Branchenzugehörigkeit ergebe. Beim Internet ist das eben anders.

Solche Einsichten spielten allerdings für Oliver Samwer nicht von vornherein eine Rolle, was die Wahl der richtigen Branche für die spätere unternehmerische Betätigung anging. Schließlich kamen die Brüder mit dem Internet eher zufällig in Berührung. Es geht ihnen wie vielen anderen Studenten, die Mitte der 1990er-Jahre zur Nachwuchselite gehörten und an den international renommierten Hochschulen studierten: Alex in Oxford, Marc in Köln und Oliver an der WHU in Koblenz. Um im Jahr 1995 untereinander in Kontakt zu bleiben, kann man Briefe schreiben oder E-Mails. „Jungs schreiben ja eher keine Briefe–außer vielleicht an Frauen“, sagt Oliver Samwer und lächelt. Über die E-Mails kamen die drei Brüder schnell dazu, sich für die weiteren Potenziale des Internets zu interessieren. Unter anderem scheint sie ihr gründlicher Research auszuzeichnen. Sie besorgten sich Studien und Analystenberichte über das Internet –zu einer Zeit, als viele der führenden Investmentbanken noch nicht einmal eine eigene Website hatten. Die Samwers wollten mehr über den noch jungen Wirtschaftszweig erfahren, der da gerade am Entstehen war. Oliver Samwer erinnert sich, wie er gespannt die Strategien und Entwicklungen von Netscape und den ersten Internetbrowsern verfolgte.

Er beschließt, seine Diplomarbeit zusammen mit seinem besten Kumpel Max Finger über „America’s Most Successful Internet Startups“ zu schreiben. Die beiden Freunde reisen ins Silicon Valley und interviewen nahezu 100 Gründer und Finanziers der Internetbranche. Wenn Samwer heute sein Buchprojekt beschreibt, bekommt man ein Gefühl für die Erfolgsfaktoren, die er auch beim späteren unternehmerischen Wirken immer im Blick zu haben scheint. „Wir haben die Leute gefragt, wie wir das Buch schreiben sollen“, nennt er eines der Kriterien, welche die Samwers auch später immer wieder beachteten. Wenn man ein Kundenbedürfnis erkennen will, hilft es, den Markt zu fragen. Oliver Samwer wird geraten, die Unternehmer in seinem Buch zu Wort kommen zu lassen. Tatsächlich besteht der überwiegende Inhalt aus Gründerzitaten und ist sehr amerikanisch verfasst, wie Samwer selbst findet. Es transportiert aber gerade auf diese Weise sehr anschaulich den „Gründergeist“ und schafft für Samwer praktischerweise gleich ein ganzes Netzwerk in der noch jungen Internetindustrie, bei der die beiden Studenten gut ankommen. Auch ansonsten erfüllt das Buchprojekt alle später immer wieder angewandten Erfolgsfaktoren wie beispielsweise die Aufnahme starker Partner. Schon die Danksagungen im Vorwort lesen sich wie das Who is Who der deutschen Wirtschaft. Samwer und Finger ist es gelungen, nicht nur die Finanzierung des Projektes von Anfang an sicherzustellen, sondern sich auch der Unterstützung namhafter Wirtschaftsinstitutionen wie beispielsweise McKinsey zu versichern, bei denen sie teilweise bereits während ihrer Studienzeit Praktika absolviert hatten. Samwer muss schon gar nicht mehr erwähnen, dass die Arbeit die Bestnote erhielt, der persönliche Wert geht ohnehin darüber hinaus.

Der Ausflug ins Silicon Valley hat Spuren hinterlassen. Da die drei Brüder zu unterschiedlichen Zeiten mit dem Studium fertig werden, beschließen sie, die Übergangsmonate zu nutzen, um das zu vertiefen, was Samwer und Finger mit ihrer Diplomarbeit begonnen haben. Sie wollen Geschäftsmodelle im Internetbusiness finden, die sich nach Deutschland übertragen lassen. Was heute so folgerichtig klingt, war damals eine Pionierarbeit und nicht gerade selbstverständlich für Hochschulabgänger mit Bestnoten. Denn wie viele andere Gründer nach ihnen standen die Samwers damals vor der Frage, ob sie zunächst einmal eine klassische Karriere beginnen oder sich gleich ins unternehmerische Wagnis begeben sollten. Mit der Wahl des Internets als vorrangiges Betätigungsfeld hatten sie die Antwort schon vor vielen Jahren gegeben. Denn weil die Brüder die Überholspur nicht nur lieben, sondern auch leben, hatten sie ja seit jeher eine Industrie gesucht, die ihnen einen klassischen Karriereeinstieg ersparte, ohne dabei zu hohe Hürden aufzustellen. Von einem kurzen Ausflug in das Import-Export-Geschäft mit einer in Chile tätigen Handelsfirma abgesehen machten sich die Samwers damals auf, ihr kleines Imperium im Cyberspace zu bauen, und gingen ins Silicon Valley.

Für das Geschäftsmodell von eBay entschieden sie sich, wie Samwer heute angibt, weil es auch die Umsätze im Blick hatte. Irgendwann würde sich die Spreu vom Weizen ja trennen müssen, sei ihnen schon früh klar gewesen. Also konzentrierten sie sich von Anfang an auf Modelle, mit denen sich ein profitables Geschäft aufbauen lassen würde. Als „amerikanische Entwicklungshilfe“ möchte Oliver Samwer die Zeit und die Kontakte im Valley heute verstanden wissen, lebt doch der amerikanische Gründergeist, der im Valley noch einmal eine besondere Ausprägung hat, in ihm fort, wenn er von seinen Startups spricht. „Schließlich muss man als Unternehmer auch lange Zeit durch den Dreck kriechen können“, beschreibt Samwer die Mühen, die er und seine Mitgründer von Alando sonntags auf dem Flohmarkt an der Straße des 17. Juni in Berlin erlebt haben, um die Händler mit der Überraschungseiersammlung davon zu überzeugen, ihre Sachen bei ihnen im Internet zu versteigern. Das war 1999. „Ich bin bestimmt kein Fan von Flohmärkten“, sagt Samwer. Er hat gar nichts gegen den Handel, der ihm ja selbst im Blut liegt, sondern beschreibt nur eine Welt, die kein Interesse in ihm weckt, die er aber dennoch für sich und Alando gewinnen musste. Dennoch, in solchen Momenten spürt man, dass Samwer sofort wieder auf das Schlachtfeld möchte. Seine Augen leuchten und er macht seine Umgebung und sich selbst für ein paar Minuten vergessen, dass er da natürlich ein ganz toughes Business betreibt. Aber sein Herzblut scheint nicht dann in Wallung zu kommen, wenn er bei dem Risikokapitalgeber Wellington die Bewertung seines Startups von 3 auf 8 Millionen Mark hochtreibt oder mit Stefan Schambach einen der zur damaligen Zeit bedeutendsten Internetgründer als Business Angel für Alando gewinnt. Nein, totale Begeisterung versprüht er dann, wenn er von den kleinen Dingen erzählt, die ganz am Anfang der Lohn der unternehmerischen Mühe sind, wenn man noch nicht in den Zeitungen steht und kein Geld auf dem Konto hat. „Als wir beim Elektrohandel einkaufen waren, um neue Rechner zu besorgen“, erinnert er sich, „sahen ein paar Leute unsere Alando-T-Shirts und erzählten uns, was sie schon alles über unsere Seite versteigert hatten.“ Diese Momente bleiben manchmal mehr in Erinnerung als die von der Öffentlichkeit wahrgenommenen Firmenverkäufe. Wobei es Letztere natürlich auch zu genießen gelte, schließlich stehe davor eine ganze Reihe von kleinen Niederlagen, sagt Samwer und zählt dann alles auf, was einem Unternehmer immer wieder passiert: Eine Kooperation, an der man lange Zeit gearbeitet hat, platzt in letzter Minute, ein guter Kandidat für eine wichtige Position im Unternehmen, in dessen Recruiting man viel Zeit investiert hat, kommt doch nicht oder ein Investment wird im letzten Moment abgesagt.

Alles ein wenig schneller

Das sind kleine Niederlagen. Bei den großen Themen blieb den Samwers jedoch eine Niederlage erspart. Das mag vielleicht auch mit Glück zu tun gehabt haben, aber irgendwann wird aus Glück Methode. Nach Oliver Samwers eigener Einschätzung zeichnet die Brüder dabei aus, auf den letzten Metern bis zum Ziel nicht langsamer zu werden, sondern noch einmal zusätzlich Gas zu geben. Schnelligkeit scheint das große Thema zu sein, um das sich bei ihm vieles dreht. Das bestätigt auch der Markt. Mancher VentureCapital-Manager stöhnt bisweilen, wenn er öffentlich einräumen muss, einfach nicht so schnell und nah dran zu sein an der Gründerszene wie die Serial-Entrepreneure, von denen die Samwers einen Teil repräsentieren. Mit Fast-forward-Programmen und unkomplizierten Beteiligungsmodellen versuchen die Venture-Firmen, dort Boden gutzumachen, wo sich im Jahr 2007 eine neue Gruppe von Seriengründern zu etablieren droht, die dort einsteigen, wo es für den institutionellen Markt später teuer werden kann.

Samwer spricht aber nicht nur von Geschwindigkeit, sondern auch von der Paranoia, die den Unternehmer immer begleitet. Überall sieht er Gefahren und versucht, die Probleme schon gelöst zu haben, bevor sie überhaupt entstanden sind. Diese gesunde Angst verspürten die Samwers schon ganz zu Beginn, als sie mit Stefan Schambach das Alando-Businessmodell diskutierten und in Sorge waren, etablierte Marktteilnehmer wie die Metro-Gruppe könnten später ihrem kleinen Startup das Wasser abgraben. Angst und Schrecken gehören zum Unternehmerleben. Doch daraus kann jemand wie Oliver Samwer letztlich Kraft schöpfen, um die Rastlosigkeit durchzuhalten, die ihn nach all den Erfolgen immer noch umtreibt. Gemeint ist damit beispielsweise der Schrecken, als Yahoo seine Auktionsplattform startete und Alando noch nicht an eBay verkauft war.

Dass der Verkauf von langer Hand geplant war, dementiert Samwer. Man habe damals dem Vice President für Unternehmensentwicklung zwar eine E-Mail geschrieben, ob man nicht für eBay das Deutschlandgeschäft aufbauen solle. Die blieb aber unbeantwortet. Pierre Omidyar brachte sie anlässlich der deutschen AlandoAkquisition zu den Vertragsunterzeichnungen mit und sagte laut Samwer trocken: „Wenn wir aufmerksamer unseren Job gemacht hätten, hätten wir euch drei auch billiger haben können.“

Die Geschwindigkeit, die zum Leitmotiv wurde und die Oliver Samwer auch von seinen European-Founders-Fund-Investments verlangt, behielten die Brüder auch bei der zweiten Gründung Jamba bei. Hier wurde das erste Mal ein Geschäftsfeld von Deutschland aus erfolgreich in die USA exportiert. Copycat-Vorwürfen begegnet Samwer daher auch äußerst gelassen. „Was in der heutigen Welt und insbesondere im Internet noch besonders innovativ und einmalig?“, fragt er bei solcher Gelegenheit. War wirklich Google die erste Suchmaschine, YouTube der erste Videodienst oder gar Windows das erste Betriebssystem? Wer die Entstehungsgeschichten der heute als große Innovation gefeierten Geschäftsmodelle näher kenne, so Samwer, könne häufig feststellen, dass nicht immer alles reine Innovation ist, was danach aussieht. Darin sieht er trotzdem keinen Missstand, im Gegenteil. Er will nur darauf aufmerksam machen, dass die Welt sich nicht einfach in Schwarz und Weiß einteilen lässt.

Bei Jamba, so scheint es, kommen aber auch die Samwers das erste Mal an ihre Grenzen. Rückblickend räumt Oliver Samwer ein, der Euphorie für den mobilen Kommunikationsmarkt im Jahr 2000 mit seinen UMTS-Versteigerungssummen und den Marktprognosen der großen Handyhersteller zu sehr auf den Leim gegangen zu sein. „Das war so, als ob IBM einem im Jahr 1992 das Internet als den Zukunftsmarkt anpreist.“ Der Markt kommt, ist sich Samwer noch heute sicher, aber es dauert etwas länger. Bei Jamba ist damit das erste Mal Geschwindigkeit als Erfolgskriterium nicht mehr voll beeinflussbar. Die Samwers müssen erkennen, dass sich der Markt nicht so schnell entwickeln lässt, wie sie das zunächst annehmen durften. Einen Erfolg machen sie trotzdem daraus und lernen, ihre Risikoposition zukünftig weiter zu minimieren.

Vom Ende her denken

Seit Jamba–so scheint es–haben die Samwers ihre Strategie verfeinert. Sie denken die Sache noch konsequenter vom Ende her. Ob sich das bei Alando nun bereits in einer früh angelegten Exitstrategie so geäußert hat oder nicht, ist schon fast egal. Die Samwers wissen jedenfalls mittlerweile genug über den risikoreichen Frühphasen-und Startup-Finanzierungsbereich, um zu erkennen, dass die Minimierung der Investmentrisiken oberste Priorität hat. Sie setzen also nicht mehr nur auf ein Unternehmen. Denn selbst die Samwers müssten statistisch gesehen irgendwann einmal scheitern, würden sie ausschließlich eigene Unternehmen aufbauen. Mit ihrem European Founders Fund haben sie das Risiko nun gestreut–diversifiziert, wie es so schön heißt. Außerdem–und das steht nach wie vor im Vordergrund–macht es jemandem wie Oliver Samwer einfach auch mehr Spaß, bei vielen neuen und innovativen Ideen dabei zu sein und die ganze Bandbreite der digitalen Revolution mitzuerleben und zu gestalten, als sich nur auf ein einziges Projekt zu konzentrieren. Vielleicht führt das Denken vom Ende her irgendwann sogar dazu, dass Serial-Entrepreneure wie die Samwers von den großen Venture-Capital-Firmen Auftragsarbeiten erhalten, nach denen Geschäftsmodelle und Teams für ihr Portfolio entwickelt werden. Wer weiß.

Der European Founders Fund hat inzwischen eine Vielzahl von Investments getätigt und anders als die klassischen VentureCapital-Firmen formuliert Oliver Samwer den Anspruch, alle Beteiligungen zum Erfolg führen zu wollen, seien sie nun kleiner oder größer. Die klassische Renditekalkulation eines Venture-Capital-Fonds, nach der von zehn Beteiligungen zwei enormen Erfolg haben, sechs sich unspektakulär entwickeln und zwei pleitegehen, will Samwer–ganz Unternehmer–nicht gelten lassen. „Wir bleiben jedem Investment treu“, formuliert er die Mission. Natürlich ist Samwer lange genug im Geschäft, um fein zwischen der Treue zum Investment durch Weiterverfolgen der Idee und einer Richtungsänderung unterscheiden zu können. Permanente Richtungsänderungen sind für ein innovatives Startup, das selten mit der Idee startet, mit der es nachher Erfolg hat, geradezu wesenstypisch. Die Treue zum Investment hingegen zeigt sich vor allem darin, dass sich die Samwers voll und ganz einlassen–und zwar sowohl auf das Team als auch auf die Geschäftsidee. Beides hält Oliver Samwer für gleich wichtig. „Auch wenn das in Harvard anders gelehrt wird.“ Von dort stamme die Erkenntnis, dass auch eine noch so schlechte Geschäftsidee zum Erfolg entwickelt werden kann, wenn nur das Team stimmt. Samwers Meinung nach kann aber auch ein mittelmäßiges Team einen grandiosen Erfolg haben, wenn man aufgrund der geschäftlichen Rahmenbedingungen schon so ziemlich alles falsch machen müsste, um zu scheitern. Oliver Samwer verweist bei dieser Gelegenheit auf die eine oder andere Boombranche, in der nicht immer nur die gewieftesten Unternehmer unterwegs sind, sondern bisweilen auch semiprofessionelle Gründer. Samwer besteht also auf beidem: sehr gute Ideen und ausgezeichnete Teams.

Bei einem solchen Konzept ist es klar, dass Oliver Samwer ausschließlich mit Leuten arbeitet, die er kennt, denen er vertraut und mit denen die Chemie stimmt. Was wie eine Floskel klingt, ist in dem von unternehmerischem Handeln und Umsetzungsgeschwindigkeit geprägten Startup-Umfeld vielleicht tatsächlich wichtiger als anderswo. Außerdem ist die Szene noch klein, es gibt wenig professionelle und institutionalisierte Strukturen und vieles hängt von Wohlfühlfaktoren ab.

Das Commitment der Samwers ist nicht ohne hohen Einsatz zu bekommen. Auf die Frage, was ein Gründer, der mit Oliver Samwer zusammenarbeiten will, zu erwarten hätte, beschreibt Samwer sich als jemanden, der lobt, aber dabei auch immer die Frage stellt, wie es denn noch besser geht. „Auf den letzten hundert Metern geben wir noch ein wenig extra Gas.“ Was für den eigenen Anspruch gilt, gilt auch für den Anspruch an andere.

Mit dem Investment ihres European Founders Fund haben die Samwers bereits begonnen, an die Erfolgsgeschichte ihrer eigenen Gründungen anzuknüpfen. Die ersten Unternehmen, die wie StudiVZ veräußert wurden, waren für den Fund ein kommerzieller Erfolg. Oliver Samwer kann für den European Founders Fund sogar schon nach kurzer Zeit in Anspruch nehmen, bei sechs der sieben bedeutendsten deutschen Internetunternehmen der zweiten Welle dabei gewesen zu sein. Bei vielen neuen Gründern ist der European Founders Fund heiß begehrt. Wenn wundert’s–schließlich handelt es sich um den Fonds von Oliver Samwer und seinen Brüdern.

Lukasz Gadowski–Spreadshirt

Unternehmertum als Passion

„Nach dem Abi erschien es mir interessant und erfolgversprechend, Unternehmer zu werden“, beginnt Lukasz Gadowski, heute einer von Deutschlands bekanntesten Internetgründern der Post-Bubble-Ära, seine Geschichte. Wie bei vielen erfolgreichen Jungunternehmern floss das Gründerblut bereits zu Schulzeiten durch seine Adern und wie bei vielen gibt es eine Handvoll typischer Betätigungen. Die Klassiker sind Schülerzeitung oder Abi-T-Shirts. Bei Lukasz waren es die Letzteren und damit war er direkt bei seinem Geschäft, auch wenn er damals noch keine Ahnung hatte, dass er den Textilien treu bleiben würde. Heute ist sein Unternehmen Spreadshirt eines der weltweit erfolgreichsten Unternehmen für TShirt-Produktion im Internet, deutscher Marktführer und mit gut 300 Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber im Einzugsgebiet von Leipzig.

Die Grundlagen für den Erfolg lassen sich aber auf seine ersten Kontakte zu einer Textildruckfirma aus der Abizeit zurückführen. Gadowski druckte dort nicht nur Abi-T-Shirts, sondern beriet die Firma auch noch in der Folgezeit bei „strategischen und organisatorischen Fragestellungen“, wie er es heute nennt. „Das hört sich jetzt hochtrabender an, als es war“, fügt er schnell hinzu, wenn er Studenten an der Uni von den Anfängen seiner Unternehmerlaufbahn erzählt. Lukasz Gadowski ist nicht unbedingt der Typ, der vor jedem Auditorium die große Verkaufsshow geben muss. Er ist authentisch geblieben, sagen einige aus der Gründerszene. Vor allem was seine Leidenschaft fürs Unternehmertum angeht.