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Die Trennung meiner Eltern, der Verlust enger Freunde und ein gestörtes Essverhalten haben mich geprägt - meine Gedanken, meine Einstellung, mein Mindset. Mit diesem Buch möchte ich meine Erfahrungen teilen. Ich möchte die Menschen, die gerade Ähnliches durchmachen oder bereits durchgemacht haben, ermutigen und all diejenigen, die mit einer kritischen Haltung durchs Leben gehen, sich weiterentwickeln wollen und sich für Persönlichkeitsentwicklung interessieren, inspirieren und motivieren. Im ersten Teil dieses Buches erzähle ich meine Geschichte und erläutere 10 Dinge, die mich in dieser Zeit besonders geprägt haben. Der zweite Teil setzt sich aus mehreren Kapiteln zusammen, in denen ich auf diverse Themen eingehe. Meine Intention geht dahin, den Zusammenhang zwischen Gedanken, Verhalten, persönlicher Einstellung und Wahrnehmung zu verdeutlichen. Lange habe ich nach einem Weg gesucht, wie ich anderen helfen kann - und nun habe ich ihn gefunden. Mit diesem Buch habe ich mir einen Traum verwirklicht. Mit Sicherheit wird es grammatikalisch nicht perfekt sein aber das war und ist nie meine Absicht gewesen - denn für mich ist es perfekt. Und ich hoffe, möglichst vielen mit meinen Worten und Gedanken zu helfen.
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Seitenzahl: 129
Veröffentlichungsjahr: 2019
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Teil I
Wie es zu diesem Buch kam
Aufbau
10 Dinge
Teil II
Das Mindset
Kapitel I Ziele
Kapitel II Motivation
Kapitel III Leidenschaft
Kapitel IV Routine
Kapitel V Zeit
Kapitel VI Auszeit
Kapitel VII Alleinsein
Kapitel VIII Wissen
Kapitel IX Schnell und Schmerzfrei
Kapitel X Ein paar letzte Worte
Danksagung
Ich war zwei Jahre alt als sich meine Eltern trennten. Erst zu einem späteren Zeitpunkt stellte sich heraus, dass es mich mehr beschäftigte als ich bis dahin gedacht hatte.
Aufgewachsen sind meine Schwester und ich bei meiner Mutter. Ihre Art und Weise, wie sie uns großzog kann ich nicht in Worte fassen. Mit so viel Liebe und Fürsorge. Sie hat alles für uns gemacht – und das tut sie auch heute noch. Egal wie sehr wir gestritten haben, sie war immer für uns da und ich bin ihr für so vieles dankbar.
Abwechselnd, an allen zwei Wochenenden, verbrachten meine Schwester und ich bei unserem Vater. Er machte die Wochenenden immer zu etwas Besonderem. Ausflüge nach Straßburg, Radtouren durch die Weinberge, der Besuch bei McDonalds, den Sonntagnachmittag im Freibad oder das Eis in unserer Lieblingseisdiele – ich denke gerne an diese Zeit zurück. Ich war so sorglos, frei und glücklich. Wie Kinder nun einmal sind.
Nicht alle Trennungen verlaufen so wie die meiner Eltern. Auch heute noch haben sie ein gutes Verhältnis und sind immer für uns da. Trotz Trennung hatte ich die schönste Kindheit. Eine Kindheit, die ich mir nicht hätte anders vorstellen können.
Meine Mutter und auch mein Vater lernten nach der Trennung ihre neuen Lebenspartner kennen und ich bin froh, dass sie beide jemanden gefunden haben, mit dem sie glücklich sind und alt werden wollen. Meine Schwester, Mutter und ich wohnten in einem kleinen Dorf, in dem jeder jeden kannte. Wir hatten ein großes Haus mit einem riesigen Garten, in dem wir als Kinder mit unserer Cousine und Cousin Dinge anstellten, über die sich meine Mutter und Tante nur ärgerten. Noch heute muss ich schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke und ich glaube, jetzt im Nachhinein, meine Mutter auch.
Doch irgendwann kam der Zeitpunkt, an dem meine Mutter und ihr Lebenspartner den Schritt wagten, zusammen zu ziehen – besser gesagt zu ihm zu ziehen. Ob das damals die richtige Entscheidung war, weiß ich nicht. Ich wüsste nicht, was gewesen wäre, welche Person ich heute wäre oder wo ich heute stehen würde, wenn wir nicht zu ihm gezogen wären. Ich freute mich damals auf den noch größeren Garten und auf das noch größere Haus. Ich war dreizehn Jahre alt. In diesem Alter war ich mir noch nicht bewusst, was dieser Schritt bedeutet. Von nun an waren wir eine „Patchwork-Familie“: meine Mutter, ihr Freund, sein Sohn, meine Schwester und ich.
Trotz Umzug besuchte ich bis zur achten Klasse die gleiche Schule. Täglich verbrachte ich fast achtzig Minuten mit Busfahren. Hinzu kam, dass meine damaligen Freundinnen aus einer ganz anderen Richtung kamen. Angst davor, dass sich Freundschaften durch den Umzug verlaufen würden, hatte ich nicht. Allerdings änderte sich durch den Umzug einiges - anders als ich es mir vorgestellt hatte.
Es begann in der siebten oder achten Klasse. Wir waren eine Clique aus fünf Mädels mit ganz unterschiedlichen Charakteren: Die Dominante – die „Führerin“, die „Folger“ und mich. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, ab und zu auch mit ein paar Jungs aus unserer Klasse. Wir machten viele „Übernachtungs-Partys“, Shopping-Tage oder auch einfach Nachmittage, an denen wir uns bei einer von uns trafen. Doch zu Beginn der achten Klasse schien auf einmal alles ganz anders zu sein. Die Angst, sich gegenseitig die „beste Freundin“ auszuspannen, das Konkurrenzdenken, die Eifersucht und der Neid einer einzigen Person, zerstörte all das, was wir in den letzten Jahren aufgebaut hatten: Unsere Freundschaft. Noch heute weiß ich nicht, aus welchem Grund sie sich mir gegenüber so verhalten hat. Es gab zwar eine Situation, in der ich einfach mal nein gesagt habe, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob diese Situation auch wirklich der Auslöser dafür war. Sie kannte ein Nein nicht. Sie war es nicht gewohnt, dass sich ihr jemand widersetzte. Von diesem Augenblick an veränderte sich alles. Vielleicht hatte sie schon immer so gefühlt und es nur nicht nach außen gezeigt. Sie ignorierte mich plötzlich, schenkte anderen etwas aber mir nicht. Sie unternahm mit den anderen etwas, ohne mir Bescheid zu geben. Sie gab mir das Gefühl, nicht willkommen zu sein. Dass niemand mit mir etwas unternehmen wollte. Die anderen zwei merkten das natürlich nicht, darum die „Folger“.
Mein Selbstbewusstsein sank auf einem Schlag. Ich begann an mir zu zweifeln. Täglich stellte ich mir Fragen wie „Was habe ich getan?“, „Warum ist sie so komisch zu mir?“, „Bin ich so schlimm?“ oder „Bin ich nicht gut genug?“. Dass es lediglich die Eifersucht und das gegenseitige Ausspielen dieser Person war, war mir damals noch nicht bewusst und suchte den Fehler stattdessen bei mir selbst. Ich zog mich zurück, da ich das Gefühl hatte, etwas falsch gemacht zu haben und aus diesem Grund niemand mehr mit mir Zeit verbringen wollte. Als ich von der Schule kam, machte ich meine Hausaufgaben. Ich lernte ziemlich viel und war sehr gut in der Schule - ein weiterer Punkt, der ihr einen Grund gab, eifersüchtig zu sein. Zunächst fiel es niemandem auf, dass ich mich immer mehr zurückzog, ich verbrachte einfach nur weniger Zeit mit meinen Freundinnen. Vereinzelt traf ich mich noch mit meiner damals besten Freundin aber auch das verlor sich irgendwann. So wurden aus meinen besten Freundinnen, ihre besten Freundinnen. Freundinnen, die blind waren, die nicht gemerkt haben, was vor sich ging. Für sie war ich plötzlich nur noch ein jemand. Die Führerin hatte gewonnen. Sie zog die Fäden und die anderen spielten mit.
Ich kam nach der Schule nach Hause, schloss mich in mein Zimmer ein und weinte. Dadurch, dass das Haus so groß war, hörte mich niemand. Die Selbstzweifel führten letztendlich dazu, dass mein Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein immer weiter sanken und die Unzufriedenheit mit mir, mit meinem Körper, immer stärker wurde. Ich brauchte etwas, das mir Halt gab. Etwas, das ich kontrollieren und selbst steuern konnte. Ich sah mich mit meinen verheulten Augen im Spiegel an und dachte: „Sarah, ein paar Kilos weniger würden dir nicht schaden.“ So begann ich mich bewusster zu ernähren mit dem Ziel abzunehmen. Ich aß mehr Obst und Gemüse, verzichtete abends mal öfters auf mein Eis. Sportlich war ich schon immer. Lange Zeit spielte ich Fußball im Verein und das sogar sehr gut. Es war mein Hobby, meine Leidenschaft. Es war das, wofür ich brannte. Es war mein Ausgleich. Jedes Wochenende verbrachte ich auf dem Sportplatz und freute mich jedes Mal auf das Spiel. Doch das änderte sich. Durch meinen Stiefbruder stieß ich auf das Wii-Spielen: „Wii Fit“. Eine eingebaute Waage, „Fitness“-Übungen – perfekt, dachte ich. Täglich spielte ich Wii und versuchte mich jedes Mal zu steigern. Und ja, am Anfang hat es richtig Spaß gemacht. Ich hatte Erfolge – ich wurde „fitter“ und mein Gewicht sank. Doch irgendwann bekam die Zahl auf der Waage eine immer größere Bedeutung für mich. Ich wog mich täglich mehrmals – vor und nach dem Sport, in der Hoffnung, ich nahm ab. Sport wurde immer mehr zu einem Zwang. Von außen sah man allerdings nur, dass ich abgenommen habe – nicht, was in mir vor ging. Die Unzufriedenheit mit meinem Körper, meine immer größer werdenden Selbstzweifel, das sinkende Selbstvertrauen und dann noch dieses Gefühl, zu wissen, dass zurzeit etwas Komisches geschah. Dass Freundschaften sich plötzlich nicht mehr wie Freundschaften anfühlten, ich mich in diesem großen Haus nicht wohl fühlte und die Zeit mit meiner Mutter nicht mehr allein verbringen zu können, so wie früher. Meine Gedanken und Gefühle, konnte ich nicht richtig zuordnen. Es ging so viel in mir vor aber all das behielt ich für mich. Ich unterdrückte alles bis ich letztendlich nichts mehr fühlte.
Für meine Gewichtsabnahme bekam ich Komplimente aus meinem Umfeld und ja, auch von meinen „Freundinnen“. Ihre Aufmerksamkeit stärkte und bestätigte mich. Sie gab mir Kraft. So machte ich weiter – bis mein Gewicht stagnierte. Ich begann meine Mahlzeiten weiter zu verkleinern und es funktionierte. Ich wog immer weniger. Jedes Gramm weniger auf der Waage gab mir Bestätigung. Bestätigung und Kraft, die ich sonst von niemanden bekommen habe. Längst hatte ich meine Körperwahrnehmung verloren und gab der Zahl auf der Waage eine größere Bedeutung als meinem Spiegelbild. Meine Stimmung machte ich abhängig von der Zahl, die erschien. Und das war der größte Fehler.
Ich war nie wirklich dick, fühlte mich aber dennoch immer etwas unwohl. Besonders wenn ich mich, wie so oft, mit Mädchen im Freibad verglich. Ich verglich mich mit Mädchen, die in meinen Augen hübscher waren als ich. Die bereits einen Freund hatten und „cool“ waren. Nach nur einem halben Jahr habe ich zehn Kilo abgenommen und wog zweiundvierzig Kilo. So langsam machten sich meine Eltern Sorgen. Sie fragten, ob alles in Ordnung wäre. Meine Antwort: „Natürlich.“ Ich befand mich in einem Tunnel. Es gab nur mich, das Essen, den Sport, die Waage und diese Stimme im Kopf. Ständig war sie bei mir. Morgens als ich aufwachte und abends als ich schlafen ging. Beim Frühstück, beim Mittag- und beim Abendessen. Sie war immer da. Sie verbot mir alles, was ich früher so gern gegessen hatte. Die Linzertorte von meiner Oma, das Essen meiner Mutter, die Pizza mit meinem Vater bei unserem Stammitaliener. Jedes Mal saß ich am Tisch und sah den anderen beim Essen zu. Ich fühlte mich seltsam, komisch. Aber ich durfte nicht, ich musste stark bleiben.
Ich ließ niemanden mehr an mich ran. Ich fühlte nichts. Nur dann, wenn sich die Zahl auf der Waage änderte. Wurde sie kleiner, fühlte ich mich bestätigt. Wurde sie größer oder stagnierte, war ich enttäuscht. Enttäuscht von mir selbst. Enttäuscht, dass ich es nicht einmal schaffe, abzunehmen.
Übermäßiger Sport, kontrolliertes und restriktives Essen und das tägliche Wiegen gehörten inzwischen zu meinem Alltag. Wenn ich mit anderen am Tisch saß, schaute ich genau, was sie aßen. Denn wenn ich mal aß, durfte ich ja nicht mehr essen als sie. Ich musste „besser“ sein – weniger essen. So lag ich abends mit knurrendem Bauch im Bett. Zu Beginn war mir richtig übel aber mit der Zeit gewöhnte ich mich an den Hunger. Ich gewöhnte mich an dieses komische Gefühl im Magen, sodass ich ihn irgendwann nicht einmal mehr spürte. Ich verlor mein Hungergefühl. Fußball, was ich früher aus Leidenschaft gespielt habe, konnte ich auf Dauer nicht mehr spielen. Ich redete mir ein, dass die anderen Mädels älter und besser waren als ich. Natürlich waren sie älter und teilweise auch besser aber ich hätte sehr gut mit ihnen mithalten können. Der wahre Grund war ein anderer: Ich war zu schwach. Ich besaß kaum noch an Muskulatur. Demnach fiel mir einfach die Kraft dazu. Also hörte ich auf. Noch ein sozialer Treffpunkt weniger. Mein Gedanke: „Dann werde ich eben ab sofort mehr Sport in Form von Joggen machen.“ Und das tat ich. Ich joggte, täglich. Einfach nur um Kalorien zu verbrennen. Was Kalorien überhaupt sind, wie sich mein Energiebedarf zusammensetzte, wie mein Körper reagiert und was alles hätte passieren können, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Hauptsache die Zahl auf der Waage sank - und das tat sie. Ich nahm weiter ab. Meine Mutter machte sich weiterhin große Sorgen um mich. Mehrmals redete sie auf mich ein, aber ich stritt alles ab. Mein Vater, der sonst so ruhig ist, begann mich anzuschreien. Nicht, weil er böse war. Nein, aus Sorge. Aber ich blieb weiterhin in meinem Tunnel: gefühlslos, starr und kalt.
Als ich an einem Sonntagmorgen aufwachte, mich der Schwindel überkam, mir schwarz vor Augen wurde, ich nicht aufstehen konnte und absolut keine Kraft mehr hatte, hatte ich Angst. Große Angst. Angst, dass nun alles vorbei wäre. Ich konnte mich kaum mehr bewegen und lag hilflos im Bett. Aber ich wollte es nicht zugeben. Nicht zugeben, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte. Dass das, was ich mit mir gemacht habe, meinem Körper angetan habe, nicht gesund ist. Allerdings war diese Stimme in meinem Kopf stärker als mein Wille. Immer wieder sprach sie zu mir: „Nein, das darfst du nicht essen. Du wirst davon zunehmen.“ So sehr ich auch wollte, ich kam nicht gegen diese Stimme an. So machte ich trotz diesem Vorfall weiter.
Erneut kam meine Mutter auf mich zu. Sie war wütend. Wütend aus Sorge. Selten habe ich sie so erlebt. Wir hatten einen großen Streit. Einen so großen, wie wir ihn bisher noch nie hatten. Sie – machte sich Sorgen, ich – war zu verbissen. Zu verbissen, alles abzuweisen. All meine Gedanken und Probleme in mich hineinzuschlingen und niemanden an mich ran zu lassen. Bis es aus mir heraus platzte: Ich begann zu weinen. Ich weinte so sehr, dass ich kaum Luft bekam. Ich schluchzte wie verrückt. Meine ganzen Gefühle, meine ganzen Gedanken, die ich in den letzten Monaten, oder fast schon Jahren, unterdrückt hatte, platzten aus mir heraus. Meine Schutzhülle, die ich aufgebaut habe, schien durchbrochen zu sein. Meine Eismauer begann zu schmelzen. In den Augen meiner Mutter sah ich Erleichterung. Ihr Stirnrunzeln löste sich, ihre Mundwinkel änderten sich und ich sah, wie ihr ein Stein vom Herzen fiel. Ich saß auf ihrem Schoß, klammerte mich wie ein kleines Kind fest an sie und erzählte ihr alles. Alles. Von meiner „Freundin“, was sie getan hat, wie sich die anderen mir gegenüber verhielten, wie ich mich fühle, meine Gedanken – einfach alles. Wir saßen über eine Stunde gemeinsam auf dem Esstischstuhl und ich redete, weinte, redete und weinte, während sie bei mir blieb, mich festhielt und einfach nur zuhörte.
Das war das erste Mal seit einem Jahr, dass ich mich wieder jemand anvertraut hatte. Das Gespräch ist für mich heute noch ein Wendepunkt. Es tat so gut mit jemandem darüber zu sprechen. Mit jemanden, der mich verstand und mir zuhörte. Jemand, der mir das Gefühl gab, nicht allein zu sein. Lange hatte ich nicht mehr so ein Gefühl von Geborgenheit wie in diesem Moment. Durch meine Schutzmauer wirkte ich sehr kalt anderen gegenüber – auch gegenüber meiner Familie. Hinzu kam meine abgemagerte Figur, durch die ich arrogant und eingebildet wirkte. Zumal ich in dieser Zeit alles andere als ein großes Selbstbewusstsein hatte. Ich wüsste nicht, was gewesen wäre, wenn ich mich an diesem Abend meiner Mutter nicht geöffnet hätte. Ich wüsste nicht, ob ich heute überhaupt noch leben würde. Mit großer Sicherheit hätte ich mich weiter zu Tode gehungert.
Nach diesem Gespräch ging es mir um einiges besser. Das Problem war damit aber nicht gelöst. Gemeinsam versuchten wir aus diesem Loch herauszukommen. Eine Therapie lehnte ich strikt ab, da ich dachte, es allein zu schaffen. Demnach verbrachte ich sehr viel Zeit mit meiner Mutter – mehr als in meinem Alter üblich war. Sie war die einzige, der ich mich anvertraut hatte. Sie war in dieser Zeit meine einzige und beste Freundin. Dass das auf Dauer nicht gut war, wurde mir und auch meiner Mutter, erst einige Zeit später klar. Aber in diesem Augenblick war ich froh, wieder jemanden zu haben. Sie half mir wieder mehr zu essen, denn schließlich stand mein Schulwechsel an, bei dem ich wieder gesund aussehen
