Steling: Mordsaussicht - Ute Mainz - E-Book

Steling: Mordsaussicht E-Book

Ute Mainz

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Beschreibung

Auf dem Steling wird die Leiche eines Mannes gefunden, alles deutet zunächst auf plötzliches Herzversagen hin. Nachdem die Spurensicherung jedoch ergeben hat, dass der Tote nicht auf natürliche Weise ums Leben gekommen ist, ergeben sich für Kommissar Steffens einige Ungereimtheiten: Warum will den Mann kaum einer erkannt haben, obwohl er in Mützenich aufgewachsen ist? Enthält die Tötungsmethode eventuell sogar eine Botschaft? Eine Mauer des Schweigens stellt sich dem Kommissar in den Weg. Steffens und sein Assistent Kirchfink müssen ihre Ermittlungen über die Landesgrenzen hinaus nach Belgien und sogar bis nach Mallorca ausdehnen, um dem dunklen Geheimnis auf die Spur zu kommen.

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EPUB
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Seitenzahl: 238

Veröffentlichungsjahr: 2023

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Ute Mainz

Mordsaussicht

Nach einer Idee von Dirk Neuß und Stefan Herbst

Impressum

1. Auflage 2023

© Eifeler Literaturverlag

In der Verlagsgruppe Mainz

Alle Rechte vorbehalten

Printed in Germany

Eifeler Literaturverlag

Verlagsgruppe Mainz

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.eifeler-literaturverlag.de

Gestaltung, Druck und Vertrieb:

Druck & Verlagshaus Mainz

Süsterfeldstraße 83

52072 Aachen

www.verlag-mainz.de

Lektorat:

Christoph Swiontek

Umschlaggestaltung:Dietrich Betcher

Abbildungsnachweis (Umschlag):

Privatarchiv der Autorin

Druckbuch:

ISBN-10: 3-96123-082-X

ISBN-13: 978-3-96123-082-2

E-Book:

ISBN-10: 3-96123-117-6

ISBN-13: 978-3-96123-117-1

Bei diesem Kriminalroman handelt es sich um eine fiktive Erzählung mit Bezug zu regionalen Örtlichkeiten.

Alle erwähnten Personen sind frei erfunden. Eventuelle Ähnlichkeiten mit noch lebenden oder schon verstorbenen Menschen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt!

KAPITEL EINS

Der Mann war völlig außer Atem, als er die Bank auf dem Steling erreichte und sich darauf niederließ. Sein Blick schweifte in die Ferne, er atmete tief ein. Wie lange war er schon nicht mehr hier gewesen! Die aufkommende Dämmerung verschloss zwar die eigentliche Mordsaussicht vor seinen Augen, aber die Erinnerung an frühere Aufenthalte hier oben ließen die Bilder in seinem Kopf wiederaufleben. Nicht jede Situation, die er hier oben erlebt hatte, war es wert gewesen, sich an sie zu erinnern, aber die Aussicht, bei schönem Wetter sogar bis zum Drachenfels, hatte sich in sein Gedächtnis förmlich eingebrannt.

Und so saß der Mann, der mittlerweile zum Fremden in seiner eigenen Heimatgemeinde geworden war, auf dem ihm eigentlich vertrauten Steling, der höchsten Erhebung in der Städteregion Aachen, und registrierte wie so nebenbei, dass die Holzbank im Laufe der Jahre erneuert worden war. Der Blick in die Ferne blieb ihm wegen der hereinbrechenden Dunkelheit verwehrt. Nur die rotblinkenden Positionslichter auf den Tops der Windkrafträder zeugten davon, dass auch hier, in »seiner« Eifel, die Zeit nicht stehen geblieben war, und die Zivilisation ihren Tribut zollte.

Dennoch freute er sich, dass im selben Maße, wie sich die Landschaft um ihn herum verdunkelte, die Sterne, deren Schein hier oben von sehr wenig Lichtverschmutzung gestört wurden, in ungestörter Pracht erstrahlten. Er wusste noch, dass schon bald die besonders ehrgeizigen Fotografen ihre Gerätschaften auf dem Steling neben oder hinter der Bank aufbauen würden, um diesen barrierefreien Blick auf die Milchstraße zu haben und diesen dann mit entsprechenden Weitwinkeln und der passenden Belichtungszeit einzufangen.

Der Mann bemerkte nicht den Schatten, der sich langsam hinter ihm aus dem Dickicht unter den Bäumen löste und vorsichtig aber nicht zögerlich auf die Bank zusteuerte.

In dem Moment, als sich der Schatten neben den Mann setzte, sprach er ihn auch schon an: »Du hier oben auf dem Steling, nach all den Jahren? Ich hatte gehofft, dich nach gestern Abend heute hier oben zu treffen, deshalb habe ich uns einen Eifeler Spritz mitgebracht, so wie früher.«

Der Mann erschrak. Diese Begegnung hatte er befürchtet und so sehr gehofft, sie nach dem gestrigen Abend nicht erleben zu müssen. Dennoch fühlte sich die Situation irgendwie vertraut an.

»Du hast es also nicht vergessen, dass wir hier oben Kräuterlimonade mit Els getrunken und dabei diverse Pläne geschmiedet haben?«, fragte der Mann mit einer Mischung aus Unsicherheit, Melancholie und Erstaunen.

»Natürlich nicht«, antwortete der Schatten und goss zwei Gläser ein. Bevor er eins dem Mann reichte, ergänzte der Schatten das Getränk noch mit etwas, sehr bedacht darauf, dass der Mann das nicht beobachten konnte. Aber die Hand zitterte. Auch der Schatten war aufgeregt. Einige Tropfen gingen daneben und trafen die Hose des Mannes.

»Regnet es?«

»Nein, nein«, antwortete der Schatten schnell. »Ich habe wie immer geschlabbert.«

Der Mann lachte. »Tatsächlich! Weißt du noch, welchen Ärger wir bekommen haben, weil du bei der Goldenen Hochzeit von Finchen und Heinz den teuren Sekt verschüttet hast? Mein Gott, und jetzt bin ich wieder hier oben und trinke mit dir unser Getränk, als wäre ich nie weggewesen.«

Fast schon ungläubig prostete der Mann dem Schatten kumpelhaft zu und kippte den Inhalt des Glases auf Ex, genau wie damals, genauso, wie der Schatten es vorausgeahnt hatte.

Die Sinne des Mannes vernebelten sich. Er wollte etwas sagen, aber die eigene Stimme hörte sich an wie in der Kindheit, wenn er mit seinen Schulfreunden Wörterraten unter Wasser gespielt hatte. Er wusste nicht mehr, was er sagen wollte, er hörte nur sein eigenes Blubbern.

Der Mann spürte auch nicht mehr, wie eine Injektionsnadel zwei Versuche brauchte, um den Weg in die schwer zugängliche Vene in seinem Hals zu finden. Das Luftholen fiel ihm immer schwerer, doch er litt nicht. Seine Gedanken dröhnten im Kopf. Er spürte seine Unfähigkeit zu sprechen, aber es war ihm egal. Ein strahlendes Licht erlöste seinen Körper von einer Pein, die er gar nicht mehr fühlen konnte. Eine wunderschöne, sanfte Musik erreichte den Mann wie bei einer freundschaftlichen Begrüßung. Seine Atmung verlangsamte sich, aber das nahm er ebenfalls nicht mehr wahr.

Der Schatten hatte keine Zeit, länger zu bleiben, denn schon von Weitem konnte er die Hobbyfotografen hören. »Mist!«, daran hatte der Schatten gar nicht gedacht. Die Hand suchte nach dem Pulsschlag am Handgelenk des Mannes. Plötzlich hatte er es eilig.

Hastig erhob er sich, dabei verlor er einen kleinen Gegenstand, der zu Boden fiel. Der Schatten hatte es gehört, aber keine Zeit mehr, danach zu suchen. Mit einem unwirschen Fußtritt kickte er den Gegenstand irgendwo hin.

Dann verschwand der Schatten wieder im Dickicht hinter den Bäumen, von wo er vor nicht mal einer halben Stunde gekommen war.

KAPITEL ZWEI

Maria Schönforst band sich noch den zweiten Sportschuh zu, warf die leichte Funktionsjacke über die Schultern und griff nach den beiden Nordic-Walking-Stöcken, die wie immer im Schirmständer direkt neben der Haustür auf ihren täglichen Einsatz warteten.

Maria war sehr ehrgeizig und trainierte jeden Morgen bei Wind und Wetter. Ihre alte Schulfreundin Steffi tat es ihr gleich, aber die anderen drei Frauen, Rita Kunz, Marita Wedelsberg und Monika Breitschuh waren verheiratet und manchmal genau deshalb nicht jeden Morgen dabei. Kopfschüttelnd dachte Maria an die seltsamen Verpflichtungen, die die drei Ehefrauen dann angaben, wenn sie mal nicht zum morgendlichen Walken erschienen. Meistens waren es kuriose Essenswünsche, die die drei ihren jeweiligen Männern erfüllen wollten, oder es waren zu bügelnde Oberhemden, oder der anstehende Besuch einer der Schwiegermütter.

»Gott bewahre mich vor solch unnützen Verpflichtungen!«, dachte Maria, während sie zügig zum verabredeten Treffpunkt ging. Wie immer war sie die Erste. Maria konnte es kaum erwarten, endlich zum Steling hoch zu walken und dann von da oben die Aussicht zu genießen. Wie konnte man sich nur hinter einem Korb voller Bügelwäsche verstecken, und deshalb dieses allmorgendliche Schauspiel verpassen, das der aufgehenden Sonne, oder das der regenverhangenen Eifelberge, die sich je nach Wetterlage entweder im goldenen Licht des Morgens zur Schau stellten, oder sich scheinbar über das eigene Versteck im Nebel regelrecht zu freuen schienen? Dieses Naturschauspiel, gepaart mit der frischen Luft dort oben auf dem Steling, der zur Hälfte schon belgisch war, konnte die Einheimischen nur zu so früher Stunde noch ohne Touristen genießen. Die Wanderer kamen meistens später über den Eifelsteig hierher.

Maria schüttelte mit dem Kopf, als unterhielte sie sich gerade mit jemanden, um diesen davon zu überzeugen, dass Bügeln ihrer Meinung nach völlig überbewertet wurde. Sie genoss ihre freiheitliche Unabhängigkeit.

An diesem Frühlingstag war das Wetter jetzt schon herrlich, und es versprach, ein sogenannter Bilderbuchmorgen zu werden. Von Weitem konnte Maria endlich ihre Mitstreiterinnen näherkommen sehen, wie sie fast schon sternförmig aus den verschiedenen Richtungen zum Kirchvorplatz schritten. Das metallene Klacken der Stockspitzen auf dem gepflasterten Bürgersteig war gut zu hören, denn um diese Zeit fuhr kaum ein Auto über die Eupener Straße im beschaulichen Mützenich.

Die fünf Freundinnen begrüßten sich herzlich. »Heute mal komplett!«, freute sich Maria und alle lachten. »Denn ma loss!«, meinte Steffi und ließ dabei ihre blonden Locken tanzen.

Der Hausfrauentrupp setzt sich in Bewegung, nicht ohne übermütig mit ihren Stöcken zu einem unauffälligen Wohnhaus hinüber zu grüßen, wo hinter einer der Gardinen der alte Junghans stand und winkte. Er war früher mal Judotrainer gewesen und beobachtete täglich die Sportlerinnen, wohlwissend, dass seine aktive Zeit schon lange vorbei war. Aber dieses tägliche Ritual gab auch seinem Alltag eine Struktur. Jetzt war es für ihn Zeit, den Kaffee aufzusetzen.

»Gut, dass der noch nicht weg ist vom Fenster«, kommentierte Marita diesen kurzen Blickkontakt und lachend gingen die Fünf weiter.

Der Weg ging kontinuierlich bergauf, führte vorbei an Pferdewiesen, Kuhweiden, vereinzelten Häusern und Bäumen, in deren Kronen sich die Vögel einen lauten Gesangswettbewerb lieferten. Dadurch wurde die ohnehin schon gute Laune der Frauen noch weiter gesteigert. Wie Teenager giffelten sie, während sie ihrem Frühsport frönten. Ihr Gelächter und ihr unentwegtes Erzählen hatte die Frequenz eines gut gefüllten Hühnerstalles erreicht. Aber niemand hörte sie, niemand wurde von ihnen gestört, die Fünf hatten für kurze Zeit das Gefühl der Alleinherrschaft über ihren kleinen, ganz eigenen Kosmos und waren so ganz bei sich.

»Na Mädels, wie fit seid ihr? Machen wir heute einen Extraschlenker an Kaiser Karls Bettstatt vorbei?« Maria war in ihrem Element und wartete erst gar keine Antwort ab. Die vier anderen Frauen folgten ihr, keine wollte zugeben, dass diese Kurve eigentlich zu viel war. Maria hatte diesen Lauftreff ins Leben gerufen und die Sonderstellung als Chefin der Truppe inne.

Die Morgensonne wärmte die Luft angenehm auf und tauchte die Umgebung in ein warmes Licht, dessen Zauber man sich nicht entziehen konnte. Die letzten Wildnarzissen, Löwenzahn und das erste Wiesenschaumkraut malten gelbe und hellblau-lila Tupfen auf die grünen Weiden. Gleich würden die Frauen die Anhöhe erreichen und sich dann eine verdiente Pause auf der Sitzbank gönnen.

Hinter der letzten Kurve, da wo man schon den ersten Blick auf den Aussichtspunkt mit seiner Holzbank erhaschen konnte, blieb Maria abrupt stehen und fuchtelte mit ihrem Stock in Richtung ihres Zieles.

»Jo, wat is dat dann?«, fragte sie, ohne dabei wirklich jemanden anzusprechen. »Da sitzt doch tatsächlich einer auf unserer Bank!«

Die vier anderen Sportlerinnen folgten mit ihrem Blick der Richtung, in die der Walkingstock von Maria zeigte. Und tatsächlich sahen sie es jetzt auch. Schon von hier aus konnten die Frauen erkennen, dass da jemand völlig entspannt auf der Bank saß und an diesem herrlichen Morgen die Mordsaussicht noch vor ihnen genoss.

»Dat haddet ja noch nie gegeben«, wurde Maria in ihrer Ungläubigkeit von ihrer alten Schulfreundin Steffi unterstützt.

»Do jonn wer jetzens hin«, komplettierte Rita das allgemeine Erstaunen, bevor sich die Gruppe wieder in Bewegung setzten, von Ärger, Überraschung und Neugierde gleichermaßen getrieben, allerdings wurden die Freundinnen deutlich schneller als vorher und absolut schweigsam.

Sie näherten sich der Bank und staunten nicht schlecht.

»Dä schläft!«, stellte Steffi geradezu erstaunt fest, während die anderen den Mann auf der Bank noch ungläubig anblickten.

»Ey, opwoche, dat is jeden Morgen unser Platz!«, forderte Maria den Mann unfreundlich und bestimmt auf. Aber der Wanderer war offensichtlich so müde, dass er nichts verstand.

»Der guckt jo janisch ins Tal! Der kann ja überall schloffe, der braucht die Bank ja ja nisch!«, stellte Marita Wedelsberg fest.

Maria fühlte sich als Anführerin der kleinen Truppe motiviert und handelte. Unsanft stieß sie die Spitze ihres Treckingstockes gegen die Schulter des Schlafenden. Aber anstatt aufzuwachen und sich umzudrehen, sackte der Mann wie in Zeitlupe zunächst in sich zusammen, fiel dann seitlich nach vorne von der Bank und landete mit der einen Gesichtshälfte im Dreck.

Der Schreck ließ die fünf Frauen instinktiv einen Schritt zurückweichen. Sie verstanden überhaupt nicht, was sie da eben gesehen hatten und blickten erst auf den unbeweglichen Mann und sich dann wie auf Kommando gegenseitig in die Gesichter.

»Ist der tot?«, fragte Marita

»Du meinst, der lebt nicht mehr? Ich glaub, da haste Recht.« Maria nickte mit dem Kopf, dabei besah sie sich den Mann näher und zuckte zusammen, ließ sich aber nichts anmerken.

Auch Steffi erstarrte bei dem Anblick des Gesichtes vor ihnen auf dem Boden. Die Blicke der beiden alten Schulfreundinnen trafen sich. Aus der stummen Frage erwuchs die Gewissheit, dass die jeweils andere auch etwas erkannt hatte. Beide Frauen schauten ziellos in gegensätzliche Richtungen, das unsichtbare Band der gemeinsamen Erkenntnis zerriss, noch bevor sie etwas gesagt hatten. Unsicherheit bildete einen kaum spürbaren, aber störenden inneren Abstand.

Monika Breitschuh, die als Zugezogene zwar schon lange hier verheiratet war und mittlerweile auch das Nordeifeler Platt mit seinem Singsang verstand, aber selber nicht beherrschte, antwortete bedächtig auf Hochdeutsch: »Dann ist das wohl ein Fall für Kommissar Steffens aus Monschau. Ein Toter auf der Bank des Steling. Dann wird das heute für uns nichts mit der Ruhezone hier oben.« Und mit diesen Worten zückte sie ihr Handy und wählte die Rufnummer der Polizei, um sich dann mit dem Kommissariat in Monschau verbinden zu lassen.

KAPITEL DREI

Kommissar Steffens hielt einen der mit Wildtieren verzierten Kaffeebecher in der Hand und genoss, wie das heiße Getränk sich angenehm in seinem Oberbauch verteilte. Es war einer der besten Momente des Arbeitstages mit schon rituellem Charakter. Dabei beobachtete er unauffällig über den Rand der Tasse hinweg seine Crew, bestehend aus den beiden Streifenpolizisten Basti Schreiber und Paul Kreitz und seinem Assistenten Kirchfink. Als er vor zwei Jahren seinen Dienst im Kommissariat begonnen hatte, hätte er nicht gedacht, dass es einmal für ihn einen solchen Moment der Zufriedenheit in diesen einfachen Büroräumen der Eifeler Kleinstadt geben würde.

Der Kommissar konnte sich heute, hier und jetzt über eine bislang nicht gekannte Akzeptanz freuen, die ihm die Lösungen der beiden mysteriösen Mordfälle der letzten Monate eingebracht hatte. Er versuchte, sich in seine Lieblingsstadt Köln zu träumen, aber die Erkenntnis, dass die Erinnerungen daran nicht mehr den bislang gewohnt hohen Stellenwert hatten, traf ihn keineswegs völlig unvorbereitet. Steffens musste sich eingestehen, dass er sich in Monschau mittlerweile sehr wohlfühlte, er seine Mitarbeiter besonders schätzte und die Zusammenarbeit mit ihnen nicht mehr missen wollte.

Sein Blick wanderte über die Köpfe der drei Männer an ihren Schreibtischen hinweg zum offenen Fenster, von wo aus sich die leicht aufgewärmte, frische Frühlingsluft mit der abgestandenen des Raumes vermischte und so für einen angenehmen Austausch sorgte. Die emsigen Singvögel in den Baumkronen der alten Eichen und Kastanien vor dem Kommissariat erzählten vom angenehmen Aufenthalt im Freien, der allerdings für die Männer im Büro noch nicht anstand. Viel zu sehr waren sie vertieft in ihre Arbeit, die heute besonders in der Aufarbeitung der zahlreichen Verkehrsdelikte des vergangenen Wochenendes bestand. Mal wieder waren viel zu viele, viel zu schnelle und viel zu laute Motorräder in die Eifel geströmt. Zum Glück waren an den letzten drei Tagen keine Verkehrsunfälle mit Todesopfern zu beklagen gewesen, aber es mussten die dennoch zahlreich aufgenommenen Unfallberichte bearbeitet werden. Außerdem häuften sich die Beschwerden der Anwohner über den zunehmenden Lärm und die Geschwindigkeitsübertretungen. Auch die Auswertung der Radarfallen war arbeitsintensiv. In dieser kleinen Polizeistation vermischten sich eben die Arbeitsbereiche, Steffens hatte sich daran gewöhnt.

Der Kommissar selbst widmete sich der Auflösung einer Einbruchserie, bei der man ein ganz bestimmtes Muster erkennen konnte. Einer besonders aufmerksamen Bewohnerin einer kleinen Villa am Ortsausgang von Roetgen war es wahrscheinlich gelungen, den Einbruch in ihr eigenes Haus zu vereiteln, weil sie die Räuberzinken an ihrem Gartenzaun rechtzeitig entdeckt hatte. Sie hatte sofort die Polizei informiert, nachdem sie ein Foto der eigenartigen, hieroglyphengleichen Schriftzeichen gemacht hatte. Die Streifenpolizisten hatten ihren Anruf sehr ernst genommen und einige Zeit im Haus der alleinstehenden Dame und ihres Hundes verbracht. An dem Abend erfuhren die Beamten unter anderem, dass der schlanke Windhund erst vor kurzem hier eingezogen war, nachdem eine Organisation ihn aus einer spanischen Tötungsstation gerettet und an die betuchte Hauseigentümerin vermittelt hatte. Nach einer Weile der freundlichen Konversation mit der Frau, während der der Hund mit Streicheleinheiten überhäuft worden war, hatten Basti Schreiber und Paul Kreitz diesen angenehmen Einsatzort wieder verlassen.

Darüber, ob das Verhalten der Polizisten die zum Einbruch bereitstehende Bande vertrieben hatte, konnte man jetzt nur noch spekulieren. Jedenfalls war das kleine Anwesen verschont geblieben. Steffens hackte seinen Bericht des Einsatzes und der mangelhaften Erkenntnisse in die Tastatur seines Rechners.

So völlig vertieft in diese Arbeit schreckte der Kommissar auf, als plötzlich das Telefon schrillte. Er saß dem Apparat am nächsten und hob leicht genervt ab. Die eben noch als gut empfundene Formulierung für den Bericht entglitt seinen Gedanken, als er sich meldete. Darüber ärgerte er sich maßlos.

Der Kommissar setzte sich auf, eine typische Körperhaltung, um besonders konzentriert zuhören zu können. Die anderen drei bemerkten diese Veränderung und beobachteten ihren Chef neugierig.

Steffens beendete das Telefonat freundlich. »Kirchfink, es gibt Arbeit«, wandte er sich an seinen Assistenten. »Kreitz und Schreiber, ihr übernehmt bitte die Aufgabe, die Spurensicherung und Dr. Münster aus der Pathologie zu informieren. Es wurde eine Leiche auf dem Steling gefunden. Wir beide fahren jetzt sofort dorthin«, forderte er Kirchfink mit einem Kopfnicken auf. Die Aufgaben waren klar verteilt. Der Kommissar konnte sich ein erfreutes Grinsen kaum verkneifen. Endlich gab es wieder »richtige Arbeit«, wie er es gerne nannte.

Kirchfink schnappte seinen Trenchcoat und Steffens griff nach seiner braunen Lederjacke, die ordentlich über der Stuhllehne hing. Wie immer konnten die beiden sportlichen Männer nicht langsam die Treppenstufen hinuntergehen. Sie lieferten sich wieder ein kleines, nicht abgesprochenes Treppenwettrennen. Unten angekommen enterten sie Steffens geerbten alten Audi und fuhren von Monschau über Imgenbroich nach Konzen, wo sie dem Abzweig nach Mützenich folgten. Nach zügiger Fahrt über die gewundene Straße, vorbei an Kuhwiesen und Pferdekoppeln, erreichten sie den kleinen Ort, von wo aus man zu Fuß die letzten paar hundert Meter zum Aussichtspunkt des Steling erwandern konnte. Steffens parkte sein Auto vorschriftsmäßig auf dem dafür angelegten Wanderparkplatz und schloss es gewissenhaft ab. Er wollte keinen Ärger provozieren, und noch weniger wollte er eventuelle Spuren zerstören, bevor die überhaupt gefunden worden waren.

Der ihnen vertraute Spazierweg zu der Bank auf der Anhöhe kam den beiden Ermittlern heute länger vor als sonst. Sie hasteten bergauf und konnten kaum ein gegensätzlicheres Bild abgeben. Steffens trug wie gewohnt eine Edeljeans mit weißem T-Shirt und seine braune Lederjacke. Die Boots hatten dieselbe Farbe wie die Jacke und waren nur dreiviertel zugebunden.

Kirchfink hingegen war wie immer in einen Anzug gezwängt, heute in grau, das Oberhemd ordentlich gebügelt und mit der farblich abgestimmten Krawatte wirkte der Assistent eher wie ein Angestellter einer der wenigen Sparkassenfilialen, die noch mit Personal besetzt waren. Collegelederschuhe mit kleinen Lederbommeln auf der Oberseite rundeten das Gesamtbild ab.

Während die Haare des Kommissars ihren eigenen Gesetzen der Schwerkraft folgten, war die Fönfrisur des Assistenten mit Gel fixiert.

Unter dem Arm trug Kirchfink eine Tüte mit rotweißem Flatterband, welches der Assistent vorsorglich mitgenommen hatte. Ihm war klar, dass die Spurensicherung viel später als sie selbst den Fundort erreichen würde. Also wollte er die Stelle schon mal mit dem Band absperren und so eventuell wichtige Details zur Aufklärung des Falls retten.

KAPITEL VIER

Oben wurden sie von den fünf Freundinnen erwartet, die mittlerweile nicht mehr ganz so selbstsicher wie noch vor einer halben Stunde in einem kleinen Grüppchen zusammenstanden. Hin und wieder riskierte abwechselnd eine nach der anderen einen ungläubigen Blick auf die Leiche im Dreck. Dabei versuchten sie gemeinsam, das Erlebte einzuordnen und so zu ihrer eben noch heilen, ordentlichen Welt, in die ein Toter auf dem Steling nicht passte, zurückzufinden.

»Guten Morgen, die Damen, ich bin Kommissar Steffens und das ist mein Assistent Kirchfink«, begrüßte der Kommissar den kleinen Trupp.

Maria übernahm auch jetzt wieder als erste das Wort: »Wissen wir«, antwortete sie knapp. »So weit ist Mützenich ja nicht von Monschau entfernt und ganz so neu sind Sie Zwei ja auch nicht mehr hier in der Gegend.« Dabei sah sie beiden Ermittlern offen ins Gesicht. Maria kannte keine Berührungsängste, vor nichts und niemandem! Die vier anderen Frauen nickten wie zur Bestätigung, konnten aber eine gewisse Neugierde nicht verhehlen. Es war schon ein Unterschied, in der Zeitung über Ermittlungen zu lesen, oder dem Kommissar wahrhaftig gegenüber zu stehen und exklusiv vom Leichenfund berichten zu können. Außerdem hatte er eine gewisse Ausstrahlung auf Frauen. Maria hatte einmal auf sein Foto in der Zeitung gezeigt und es mit den Worten, was für ein Sahneschnittchen, kommentiert und damit den Nagel auf dem Kopf getroffen.

Steffens ließ sich den Ablauf des Morgens genau beschreiben und registrierte dabei, dass sich die Aussagen der fünf Frauen nicht unterschieden. Allerdings fiel ihm auf, dass die Stimmlagen der Frauen, gepaart mit dem Eifeler Dialekt, einer Folter für sein Gehör gleichkam!

Kirchfink war unterdessen damit beschäftigt, das widerspenstige Flatterband zu befestigen. Dabei wehte sein Jackett im Wind, die Sohlen seiner Collegeschuhe waren für den feuchten Untergrund viel zu glatt, was in der Summe irgendwie lächerlich wirkte.

Zum Schluss nahmen beide Ermittler die Personalien der Frauen auf und wünschten ihnen noch einen schönen Tag, bevor die Fünf dann wieder zurück ins Dorf gehen konnten. Auf dem Rückweg begegneten ihnen mehrere Männer mit umfangreichen Materialkoffern.

»Wenn Sie die Leiche suchen, die liegt da oben, direkt neben der Bank!«, erklärte Marita vorlaut, froh die beklemmende Situation hinter sich lassen zu können. Die anderen Freundinnen nickten und alle setzten ihren Abstieg fort. Sie waren sich einig, das Erlebte bei Huberta im Konsum zu verarbeiten.

Währenddessen begannen die Spurensicherung und der Pathologe, Dr. Münster, ihre Arbeit auf dem Steling. Die Ruhe, die hier eigentlich vorherrschte, war vorbei, sie war einem eingespielten, emsigen Treiben gewichen.

Steffens hatte sich etwas abseits positioniert, fast so, als ob er nicht dazugehöre. Er stand oberhalb der Bank und beobachtete das Gewusel der Spurensicherung mit Argwohn. Die Kolleginnen und Kollegen gingen zwar äußerst vorsichtig ihrer Arbeit nach, aber für Steffens’ Empfinden sollten sie eigentlich erst gar nicht hier sein. Irgendwie fühlte er sich persönlich fast schon angegriffen, denn er empfand seinen magischen Zufluchtsort empfindlich gestört. Hier oben kam er doch sonst immer zur Ruhe, hier schaltete er ab, und jetzt war das hier wahrscheinlich zu einem Tatort geworden. Er fragte sich, ob es ihm angesichts dieses Erlebnisses überhaupt noch einmal möglich sein könne, hier an dieser Stelle so abzuschalten wie bisher. Vielleicht kehrte die erhoffte Stille und die damit möglichwerdende Meditation wieder ein, wenn die Leiche endlich weggeschafft war.

Wie auf Kommando rief Dr. Münster: »Steffens, wir transportieren die Leiche jetzt in die Gerichtsmedizin nach Aachen. Mir ist hier etwas aufgefallen, das mich nicht mehr an den ersten Eindruck eines natürlichen Todes als Ursache glauben lässt. Sie hatten den richtigen Riecher, sofort die Spurensicherung mit ins Boot zu holen. Ich fand das ja übertrieben, aber Sie hatten damit Recht.«

Der Kommissar brauchte keine weitere Aufforderung, um zu dem Pathologen zu eilen, den er noch aus Kölner Zeiten kannte. Die beiden Männer pflegten in ihrer Zusammenarbeit einen respektvollen Umgang miteinander, ohne sich wirklich zu mögen. Gespannt erwartete Steffens jetzt die Erklärungen von Dr. Münster, die ihn zu der Annahme verleitet hatten, dass hier tatsächlich ein Mordopfer vor seiner Philosophenbank lag. Der Pathologe schob vorsichtig den Mantelkragen des Toten zur Seite. Sichtbar wurden zwei kleine Einstiche zwischen Ohr und Schulter. »Etwas später, und wir hätten diese Minimalverletzungen nicht mehr sehen können, oder tatsächlich erst mit Glück auf meinem Seziertisch entdeckt. Das muss der Täter oder die Täterin gewusst haben. Vielleicht wurde es ja ins Kalkül gezogen, oder sogar erhofft, dass das hier unentdeckt bliebe und somit die Todesursache als eine natürliche eingestuft werden würde. Es erinnert ja tatsächlich an den Moskitobiss eines besonders hungrigen Exemplars«, erklärte Dr. Münster weiter.

Steffens sah den Pathologen ungläubig an. Wann hatte der in letzter Zeit so viel auf einmal geredet? Langsam nickte der Kommissar mit dem Kopf, während er diese kleinen Punkte anstarrte. »Graf Dracula und seine Vampire haben den Steling wohl mit Transsilvanien verwechselt.«

»Könnte man glatt meinen, aber diese Zähnchen hier waren weitaus kleiner.«, lachte der Pathologe wie zur Bestätigung. »Ich organisiere jetzt den Abtransport, sagen Sie den Männern der Spurensicherung, was Sache ist, damit die noch mal besonders gründlich alles durchkämmen.«

»He, Moment, schon mal was davon gehört, dass auch Frauen sehr wohl zur Spurensicherung gehören können?«, meldete sich eine helle Stimme direkt vor Dr. Münster und ein freundliches Gesicht schaute ihn mit einer Mischung aus Belustigung und Herausforderung an. Ohne Kommentar drehte der Pathologe ab und fingerte sein Handy aus der Tasche, um seiner Arbeit weiter nachzugehen.

Der Kommissar lächelte der Frau zu und hob die Achseln wie zur Entschuldigung. Er wollte mit Kirchfink zügig die Lage erörtern und eilte auf ihn zu. Sein Assistent kämpfte hingegen mit den ihm eigenen Problemen. Er konnte nämlich keine Leichen und erst recht kein Blut sehen. Anfangs hatte man sogar für ihn einen Krankenwagen anfordern müssen, der daraufhin scherzhaft der Kirchfinklaster genannt wurde.

Wie um Entschuldigung bittend sah er seinen Chef an. »Ist schon gut, Kirchfink«, beruhigte ihn der Kommissar. »Alles halb so schlimm, der Tote sieht aus, als würde er schlafen und Blut gibt es keins. Mit Sicherheit ist der weder erdolcht, noch erschlagen worden. Er wurde höchstwahrscheinlich durch eine Injektion seitlich in den Hals getötet. Dr. Münster hat also wieder einen Gast auf seinem Seziertisch und wird uns auf dem Laufenden halten. Ach übrigens, er hat uns gelobt, weil wir die Spurensicherung sofort angerufen haben. Dass ich das noch erleben darf.« Steffens schüttelte fast schon theatralisch den Kopf, als von hinten die Stimme des Pathologen ertönte: »Das habe ich gehört!«

»Jetzt kommen Sie mal mit, wir trinken bei Huberta einen Kaffee, der wird Ihnen guttun.«, wandte sich Steffens an seinen Assistenten und ließ die letzte Bemerkung des Pathologen unkommentiert.

An die Kollegen und Kolleginnen der Spurensicherung appellierte er angesichts dessen, dass es sich wohl offensichtlich doch um einen Mord handelte, besonders gründlich die Umgebung zu durchkämmen. »Wir arbeiten immer gründlich!«, maulte die junge Frau von vorhin.

KAPITEL FÜNF

Bei Huberta im Konsum von Mützenich war die Hölle los. Die fünf Freundinnen waren völlig fassungslos dem Weg in den Ort gefolgt und hatten sich dort vor dem Ladenlokal in die Sonne gesetzt.

»Ihr seht ja aus, als hättet ihr den Leibhaftigen in Person getroffen«, begrüßte Huberta die Frauen. »Braucht ihr eine Cola mit Els oder doch lieber einen extra starken Kaffee?«

»Beides!«, antwortete Marita. Steffi und Maria waren auffallend schweigsam, als Marita die Ereignisse schilderte »… und dann hat Maria den Mann mit dem Stock gegen die Schulter gestupst, und anstatt aufzuwachen und Platz zu machen, fällt der Kerl einfach nach vorne und ist tot!« Ihre Stimme wurde immer schriller, ihr Gesichtsausdruck war an Entsetzen kaum zu übertreffen.

In dem Moment betraten Steffens und Kirchfink die Terrasse vor dem kleinen Laden, und sofort war es mucksmäuschenstill. Der Kommissar sah in die Runde und fragte, ob denn eine von den Damen den Toten dort oben erkannt habe. Steffi und Maria sahen zu Boden. Marita, Ria und Monika verneinten vehement. Sofort blickten auch Maria und Steffi dem Kommissar ins Gesicht: »Nein, ich habe den nicht erkannt«, antwortete Maria mit fester Stimme. Etwas leiser ergänzte Steffi: »Ich auch nicht.«

Steffens gab sich mit diesen Verneinungen nicht wirklich zufrieden. Und weil mittlerweile auch noch andere Kundinnen den Freisitz bevölkerten, griff er nach seinem Handy. »Ich habe oben ein paar Fotos von der Leiche gemacht. Sie alle brauchen keine Angst vor einem grausam zugerichteten Körper zu haben, der Tote sieht aus, als ob er schlafe.« Mit diesen Worten ließ er sein Smartphone kreisen. Als Huberta einen neugierigen Blick auf das Bild warf, schrie sie auf: »Der Klaus, Schreibers Klaus. Der Sohn von Wilma und Hermann. Wir nannten ihn alle Dä Kloos, Schrievers Kloos. Maria und Steffi, habt ihr den denn nicht an seinem Muttermal auf der Stirn erkannt?«

»Ja jetzt, wo du’s sachst«, antwortete Maria leicht gestelzt. »Tatsächlich kam mir das Muttermal bekannt vor, aber ich konnte mich nicht mehr erinnern, woher auch. Und du, Steffi?«, versuchte Maria von sich abzulenken.

»Schreibers Klaus?«, antwortete Marias alte Schulfreundin. »Mein Gott, wie lange ist das schon her! Das war in meinem früheren Leben. Glaubt ihr wirklich, ich könnte mich an alle Typen von früher erinnern?«

»Ja so viele waren es hier in Mützenich ja nun auch nicht!«, giftete Maria weiter.

»Ich weiß gar nicht, was du willst, du hast ihn doch auch nicht erkannt«, schmollte Steffi. Heute ging ihr Marias Dominanz furchtbar auf die Nerven, und sie fragte sich zum wiederholten Mal, warum sie eigentlich noch befreundet waren. Wahrscheinlich mangels Masse. In diesem kleinen Mützenich war die Auswahl eben nicht so groß, und die Beiden waren ja schon zusammen zur Schule gegangen, gemeinsam aufgewachsen.

»Warum schütteln Sie mit dem Kopf?« Steffens entging nichts.

»Ich habe an etwas gedacht.«

»Dürfen wir daran teilhaben?«, stocherte der Kommissar weiter.

»Tatsächlich nicht, es gehört nicht hierher«, konterte Steffi leicht genervt. »Obwohl … wer Schreibers Klaus gekannt hat, weiß ja auch, dass der schlau genug war, diesem Kaff den Rücken zu kehren und in den Süden auszuwandern. Hatte der nicht sogar eine eigene Finka auf Mallorca?«, fragte sie mit Blick auf Maria.

»Na, du bist ja bestens informiert!« Maria gab einfach keine Ruhe.

»Das tu ich mir hier jetzt nicht länger an!«, schimpfte Steffi und verließ stinksauer die Terrasse des kleinen Ladens, ohne den konsumierten Kaffee zu bezahlen.