Stellen Sie sich vor, Sie sind ... - Roger Schaller - E-Book

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Roger Schaller

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Beschreibung

Das Rollenspiel ist auch im Einzelsetting ein wirksames Instrument für die Praxis - sei es in der Therapie, in der Beratung oder im Coaching. Ausgehend von aktuellen theoretischen Ansätzen beschreibt dieses Buch die Rahmenbedingungen, Grundregeln, Instrumente und Techniken von Ein-Personen-Rollenspielen. Es wird gezeigt, wie einige zentrale Rollenspiel-Techniken des Psychodramas (z.B. Leerer Stuhl, Rollenwechsel, Spiegeln, Skulptur, Rollenhaushalt) wirksam für Diagnostik, Problemklärung, Ressourcenaktivierung, Problembewältigung, Verhaltenstraining eingesetzt werden können. Wichtig sind vor allem entscheidende Grundregeln und Anleitungen, die aus einem mittelmäßigen Rollenspiel eine nachhaltige Lernerfahrung machen. Daher wird in diesem Buch ein besonderes Gewicht auf die Rahmenbedingungen gelegt: Wie führe ich ein Rollenspiel ein? Wie wird eine Rolle übernommen? Welche Rolle spiele ich als Therapeut? Welches sind die schlimmsten Fehler? Und wie wird ein Rollenspiel in den Beratungsprozess integriert und ausgewertet? In zahlreichen Fallbeispielen werden neben dem eigentlichen Rollenspiel - bei dem eine Person körperlich eine Rolle übernimmt, - auch imaginative - «Schliessen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, Sie sind...», - und figurative Techniken - mit Figuren, Zeichnungen, Stühlen, Knöpfen etc. - vorgestellt. Die zweite Auflage wurde überarbeitet und mit diversen Aspekten ergänzt - wie mit einem Text zum Rollenspiel, der Beschreibung der Rollenübernahme oder einer Einführung in die Computerspiele als Bühne der Imagination.

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Seitenzahl: 391

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Stellen Sie sich vor, Sie sind …

Roger Schaller

Wissenschaftlicher Beirat Programmbereich Psychologie:

Prof. Dr. Guy Bodenmann, Zürich; Prof. Dr. Dieter Frey, München; Prof. Dr. Lutz Jäncke, Zürich; Prof. Dr. Franz Petermann, Bremen; Prof. Dr. Astrid Schütz, Bamberg; Prof. Dr. Markus Wirtz, Freiburg i.Br.

Roger Schaller

Stellen Sie sich vor, Sie sind …

Das Ein-Personen-Rollenspiel in Beratung, Coaching und Therapie

2., überarbeitete und ergänzte Auflage

Roger Schaller

Burgerweg 7

2532 Magglingen

Schweiz

[email protected]

www.ipda.ch

Geschützte Warennamen (Warenzeichen) werden nicht besonders kenntlich gemacht. Aus dem Fehlen eines solchen Hinweises kann also nicht geschlossen werden, dass es sich um einen freien Warennamen handelt.

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://www.dnb.de abrufbar.

Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtes ist ohne Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Kopien und Vervielfältigungen zu Lehr- und Unterrichtszwecken, Übersetzungen, Mikroverfilmungen sowie die Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Anregungen und Zuschriften bitte an:

Hogrefe AG

Lektorat Psychologie

Länggass-Strasse 76

CH-3000 Bern 9

Tel: +41 31 300 45 00

E-Mail: [email protected]

Internet: http://www.hogrefe.ch

Lektorat: Dr. Susanne Lauri

Herstellung: Daniel Berger

Druckvorstufe: Claudia Wild, Konstanz

Umschlagabbildung: DragonImages by iStock

Umschlag: Claude Borer, Riehen

Druck und buchbinderische Verarbeitung: Finidr s.r.o., Český Těšín

Printed in Czech Republic

2., überarbeitete und ergänzte Auflage 2016

© 2009 Verlag Hans Huber, Hogrefe AG, Bern

© 2016 Hogrefe Verlag, Bern

(E-Book-ISBN_PDF 978-3-456-95593-3)

(E-Book-ISBN_EPUB 978-3-456-75593-9)

ISBN 978-3-456-85593-6

Inhaltsverzeichnis
Titel
Impressum
Vorwort zur 2. Auflage
Stellen Sie sich vor … – ein (fiktives) Vorwort von J.L. Moreno
A Theorie
Über Wolken, Uhren und Rollenspiel
Drei Welten des Rollenspiels
Das Netzwerk der Spiegelneuronen
Das «Ich» und seine Rollen
Der Rahmen fürs Rollenspiel
Vier Anwendungsformen des Rollenspiels
Warum Rollen spielen?
B Instrumente und Rahmenbedingungen
Szenisches Denken und Handeln
Die Bühne
Die innere Bühne
Blattbühne
Leinwandbühne
Tischbühne
Raumbühne
Alltagsbühne
Der Szenenaufbau
So tun, als ob
Rollenübernahme
Variation der Rollenübernahme
Umsetzung der Rollenübernahme in szenische Handlung
Spezielle Rollenübernahme im Hier-und-jetzt-Rollenspiel
Szenenwechsel
Entrollen
Auswertung von Rollenspielen
1. Rollenfeedback
2. Sharing
3. Selbstbeurteilung
4. Rückmeldung der Leitung
Die Rolle der Leitung
C Techniken
Aufstellung und Skulptur
Rollenwechsel
Regiegespräch
Rollentausch
Rollendialog
Zur-Seite-Sprechen
Comicgeschichten
Textblasen für Denken, Fühlen und Sprechen
Doppeln
Spiegeln
Arbeit mit dem leeren Stuhl
Stuhldialog
Mit Symbolen Gefühle darstellen
Regietechniken: Einfrieren, Rückwärts- und Vorwärtsspulen, Zeitlupe und Stummfilm, Maximierung
Einfrieren
Rückwärts- und Vorwärtsspulen
Zeitlupe und Stummfilm
Maximierung
D Praxis 1: Diagnostik mit Rollenspiel
Selbst- und Fremdbeobachtung
Diagnostik sozialer Kompetenzen
Soziales Netzwerk-Inventar
Rollenhaushalt
Rollenanalyse
Der leere Stuhl als diagnostisches Instrument
Expertengespräche
Der letzte Tag im Leben
Die letzte Therapiestunde
Figurative Anamnese
Scenotest, Sandspiel und ADOS
Figuratives Geschichten-Ergänzen
Familiensystemtest
Videodiagnostik
Diagnostische Rollenspiele im Alltag
Beantworten Sie bitte folgende Fragen:
E Praxis 2: Exploratives Rollenspiel
Achtsamkeit und Verständigung
Szenische Darstellung eines belastenden Erlebnisses
Selbstbilder explorieren
Meta-Rolle
Innere Anteile
Ego-States
Das virtuelle Team
Das Tribunal
Zauberladen
Die dritte Person
Die konfrontative dritte Person
Die dritte Person als Held
Der Klient als Co-Therapeut
Der Klient als Therapeut
Der Narr, der Weise und der Gerechte
Eine starke Rolle
F Praxis 3: Rituale mit Rollenspiel
Symbole und symbolische Handlungen
In neue Lebensabschnitte bewusst eintreten
Verabschiedung
Psychische Integration von neuen Rollen
Zugehörigkeit zu Personen und Gruppen festigen
Schuld ablegen
Ausgleichsrituale
Sitzungsexterne Rituale
G Praxis 4: Rollentraining
Rollenkonserven
Phasenmodell des Rollentrainings
Vorlage für Vorbereitung und Protokoll des Rollentrainings
Modelllernen
Reskription von belastenden Erinnerungen
Rollentraining in der deliktorientierten Therapie
Symptomverschreibung
Rollentraining mit Audio- und Video-Feedback
Comicgeschichten
Kapitän-Nemo-Geschichten
Rollenspiel-Hausaufgaben
Serious Games
Homo ludens: Das Computerspiel
H Basics
Die 10 schlimmsten Fehler
Fehler Nr. 1: Viel Technik, keine Strategie
Fehler Nr. 2: «Wir machen jetzt ein Rollenspiel»
Fehler Nr. 3: Keine Bühne
Fehler Nr. 4: Eine lange (An-) Leitung
Fehler Nr. 5: Keine eigentliche Rollenübernahme
Fehler Nr. 6: Rollen-Namen
Fehler Nr. 7: Der fehlende Notausgang
Fehler Nr. 8: (K)ein Schauspiel
Fehler Nr. 9: Warten, bis etwas passiert
Fehler Nr. 10: Meine Begeisterung
Zusammenfassung der Rahmenbedingungen und Instrumente
Funktion des Rollenspiels
Zeit-Dimension
Spielbühne
Drei Methoden der Inszenierung
Drei Varianten der Rollenübernahme
Leitlinien für den Rollenspiel-Prozess
Wirksamkeitsnachweise fürs Rollenspiel in der Psychotherapie
Literatur
Der Autor
Index

Vorwort zur 2. Auflage

Vor kurzem, bei einer Ausstellung des Malers Gerhard Richter, stehe ich vor dessen grauen Bildern. Nichts anderes als graue Leinwände. Etwas ratlos schiele ich hinüber zu meiner Frau, die in andächtiger Begeisterung vor einem Bild steht. Ich stehe da und frage mich, was dieses Grau in Grau zu bedeuten hat. Und wie ich so dastehe, an der Seite meiner begeisterten Frau, fast geduldig wartend, da fange ich langsam an, etwas zu sehen in diesem Grau.

Ich nehme an, Sie, liebe Leserin und lieber Leser, haben diesen magischen Moment in der Kunst auch schon erlebt: Sie wurden durch irgendetwas berührt – ein Bild, eine Melodie, eine Szene, ein Geruch, ein Tanz.

Auch im Rollenspiel habe ich diese Berührung schon erfahren. Nicht oft. Wann wird ein gutes Rollenspiel zu einer berührenden Lernerfahrung? Diese Frage hat mich bei der Erweiterung zur zweiten Auflage geleitet.

Im Teil A (Theorie) wurde ein Text zum Rollenspiel als Werkstätte des Bewusstseins hinzugefügt. In dieser Werkstätte können die Rollenspielenden ihre Erinnerungen, Fantasien, Erlebnisse, Ideen, Theorien und Wünsche in Szene setzen und in der Simulation des Rollenspiels verändern.

In Teil B (Instrumente und Rahmenbedingungen) wird die Kunst der Rollenübernahme ausführlich beschrieben. Erst in den letzten Jahren habe ich begriffen, wie entscheidend es ist, dass die Rollenspielenden verschiedene Formen der Rollenübernahme erfahren können. Dieses Spielen mit den drei Varianten der Rollenübernahme ist die Kunst des Rollenspielens und wird in Fallbeispielen eingehend beschrieben.

In Teil C (Techniken) werden die Varianten der Rollenübernahme im Abschnitt Rollenwechsel an weiteren Beispielen erklärt. Rollenspiel ist keine One-Man-Show, sondern ein intensiver Interaktionsprozess zwischen Klient oder Klientin und der Leitungsperson. Dies wird im Abschnitt Regiegespräche dargestellt. In meinen Augen ist das Regiegespräch die wichtigste Rollenspiel-Technik: Die während des Rollenspieles auftauchenden Gedanken, Gefühle und körperlichen Zustände werden besprochen, damit ein Bezug zwischen innerer und äußerer Welt der rollenspielenden Person hergestellt werden kann.

Von großer Bedeutung für Kinder, Jugendliche und Erwachsene von heute sind die Rollenspiele in den elektronischen Games. Da ich doch eher «von gestern» bin, habe ich zu diesem Thema einen Gastautor eingeladen: Thomas Weibel gibt eine spannende Einführung in die Computerspiele als Bühne der Imagination.

Magglingen, im Herbst 2015

Roger Schaller

Stellen Sie sich vor … – ein (fiktives) Vorwort von J.L. Moreno

Liebe Leserin,

darf ich mich kurz vorstellen? Mein Name ist Jacob L. Moreno. Ich habe von 1889 bis 1974 gelebt und bin die «Mutter» (oder der «Vater») des Rollenspiels. Mein Kollege Sigmund Freud wurde berühmt, weil er die Leute auf die Couch legte und sich mit ihrer Vergangenheit und ihren Träumen beschäftigte. Ich bin einen anderen Weg gegangen: Ich ließ meine Klienten aktuelle Probleme szenisch darstellen und auf der Bühne auch gleich eine Probe davon ablegen, wie sie in der Zukunft damit umgehen könnten. Im Rollenspiel lernten die Klienten, ihre bisherige Einstellung und ihr Verhalten aus einer anderen Perspektive zu betrachten und neues Verhalten auszuprobieren und einzuüben. Es bringt doch nichts, ständig über die Vergangenheit zu grübeln; vielmehr sollten wir uns mit der Zukunft beschäftigen und dabei auch Spaß haben. Mein größtes Verdienst: Ich habe den Humor in die Psychotherapie eingeführt. Über sich selber lachen zu können ist eine der größten Errungenschaften der Menschheit!

Ich gab dieser Methode den Namen Psychodrama, abgeleitet aus den griechischen Wörtern psyche (= Seele) und drama (= Handlung); damit wollte ich ausdrücken, dass die Wahrheit der Seele durch Handeln ergründet werden kann und soll.

Ich wurde nicht so berühmt wie mein Kollege Freud, was mich doch recht wurmt. Ich kann aber rückblickend, mit etwas Distanz, aus einer anderen Perspektive schauend, mit meinem Lebenswerk zufrieden sein: Das Rollenspiel wird heute in Beratung, Psychotherapie, Forschung, Aus- und Weiterbildung, Coaching und Supervision oft und vielseitig eingesetzt. Und darauf bin ich stolz und ich freue mich darüber wie ein Kind!

Aber nun habe ich genug über mich erzählt, kommen wir zu diesem Buch.

Ich stelle mir vor, Sie sind eine kompetente Fachfrau in Beratung, Coaching oder Therapie. Sie haben bereits Erfahrung mit dem Rollenspiel – aber im Einzelsetting haben Sie diese Aktionsmethode bisher nur wenig eingesetzt. Angenommen, Sie möchten dies verändern, und Sie suchen nach einem Rollenspiel-Buch für die Praxis. Dann kann ich Ihnen dieses Buch von Roger Schaller empfehlen: Es vermittelt Instrumente und Methoden des Rollenspiels, die Sie – unabhängig von Ihrer Grundrichtung als Therapeutin, Beraterin oder Coach – in die Tätigkeit mit Einzelpersonen einfließen lassen können. Zahlreiche Fallbeispiele in diesem Buch kommen aus der psychotherapeutischen Praxis. Sie werden aber so beschrieben, dass diese Methoden auch in Beratung, Coaching und Supervision umgesetzt werden können.

Für den ersten Teil seines Buchs (A) hat der Autor einige psychologische und philosophische Theorien über Denken, Handeln und Fühlen beim Menschen ausgewählt. Er will Ihnen damit die Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der Methode Rollenspiel erklären. Dies gelingt ihm vortrefflich: Sie werden sehen, dass wir nicht nur ein vernetztes Gehirn, sondern auch ein «rollenspielendes» Gehirn haben.

Im zweiten Teil (B) dokumentiert er die notwendigen Rahmenbedingungen, die Grundregeln und die wichtigsten Werkzeuge für das Rollenspiel. Oft sind es nur kleine, aber entscheidende Anleitungen und Veränderungen, die aus einem mittelmäßigen Rollenspiel eine nachhaltige Lernerfahrung machen.

Der Autor unterscheidet und beschreibt dabei drei Möglichkeiten der Rollenübernahme:

das imaginative Rollenspiel, nur in Ihrer Vorstellung, ohne eine Rolle körperlich zu übernehmen. Versuchen Sie es: «Schließen Sie die Augen und stellen sich vor, Sie sind jetzt …»Im figurativen Rollenspiel können Sie Ihre eigene und andere Rollen mit Spielfiguren, Handpuppen, Steinen, Klötzen, Stühlen, Kissen, Knöpfen usw. szenisch darstellen.das körperliche Rollenspiel: Sie übernehmen körperlich die Rolle einer anderen Person, stellen sich so hin wie diese andere Person – dieses Verfahren kennen Sie sicher aus der beruflichen Weiterbildung oder der Gruppentherapie.

Der Autor gibt klare Handlungsanleitungen für diese drei Rollenspiel-Verfahren im Einzelsetting.

Der dritte Teil (C) beschreibt Techniken des Rollenspiels, und in den Teilen zur Praxis (D–G) unterscheidet der Autor zwischen vier Funktionen von Rollenspiel: Diagnostik, Exploration, Ritual und Training. Er beschreibt in zahlreichen anschaulichen Beispielen die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von Ein-Personen-Rollenspielen. Der fünfte Teil (H) gibt dann eine Art Zusammenfassung dessen, was beim Rollenspiel zu beachten ist. Auch die schlimmsten Fehler werden nicht ausgelassen, damit Sie schnell nachlesen können, welche davon Sie regelmäßig machen.

Der Autor ist Psychodramatiker und Verhaltenstherapeut. Er zeigt nicht nur Fallbeispiele aus dem psychodramatischen Rollenspiel und dem angeleiteten Verhaltenstraining, sondern schöpft auch aus dem Methodenrepertoire des systemischen Ansatzes, der Gestalttherapie, der Psychoanalyse, der Hypnose und der Methode des Katathymen Bilderlebens. Die beschriebenen Methoden können von gut ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten, Beratern und Coaches aus anderen «Schulen» in deren eigene Praxis übernommen werden – auch ohne Kenntnisse über Psychodrama oder Verhaltenstherapie.

Etwas enttäuscht hat mich, dass ich selber im Buch nur wenig zitiert werde. Erfreut hat mich aber zu sehen, dass die von mir begründete Methode, das szenische Handeln in Therapie, Beratung, Coaching und Supervision, mit viel Fantasie eingesetzt wird.

Und noch eine kritische Bemerkung: Der Autor schreibt meistens nur in der männlichen Form. Er entschuldigt seine Schreibweise mit bekannten Schwierigkeiten in der deutschen Sprache bezüglich der weiblichen und männlichen Form bzw. mit der Umständlichkeit, immer beide Formen zu nennen. An meinem jetzigen Aufenthaltsort sind wir sehr sensibel für Gender-Fragen und ich finde diese Ausrede etwas einfach. Daher spreche ich in meinem Vorwort die sehr geehrten Leserinnen an … – als Leser dürfen Sie sich aber auch angesprochen fühlen.

Ich bin mir sicher, dass Sie beim Lesen dieses Rollenspiel-Buches neue Arbeitsmöglichkeiten entdecken und Ihre Fähigkeit zu spontanen und kreativen Interventionen erweitern werden. Für mich war dieses Buch auch eine Entdeckung, denn ich musste meine alte Psychodrama-Theorie und meine bewährten Rollenspiel-Techniken aus neuen Perspektiven heraus hinterfragen und mit anderen Ansätzen vergleichen. Und ich habe dabei gemerkt, welches die wichtigste Stärke des Rollenspiels ist: Man kann sich aus einer anderen Rolle heraus hemmungslos loben. Das tut richtig gut!

Ich wünsche auch Ihnen, liebe Leserin, viel Verunsicherung, freudige Neugier und spannende Entdeckungen.

Ihr Jacob L. Moreno selig

A Theorie

Über Wolken, Uhren und Rollenspiel

Was unterscheidet Wolken von Uhren? Wolken sind ungleichmäßig, ungeordnet, und ihre Entwicklung ist nur schwer berechenbar. Das Kommen und Gehen der Wolken ist schwer voraussagbar: Wir sprechen von den «Launen des Wetters». Uhren hingegen sind regelhafte, geordnete und in ihrem Verhalten in hohem Maße voraussagbare Systeme. Wir sprechen von der «Genauigkeit eines Uhrwerks», wenn wir ein höchst regelmäßiges und voraussagbares Phänomen beschreiben möchten.

Stellen wir uns ein Schema vor, in dem links eine Wolke steht und rechts eine Uhr. Es gibt viele Dinge, Naturvorgänge und Lebewesen, die man zwischen diesen beiden Polen anordnen kann: Der Wechsel der Jahreszeiten ist eine nicht ganz zuverlässige Uhr und könnte daher irgendwo auf der rechten Seite angeordnet werden. Tiere gehören nicht weit von den Wolken auf die linke Seite, Pflanzen etwas näher zu den Uhren. Unter den Tieren wird ein junger Hund weiter links stehen als ein alter.

Wo würden Sie in diesem Schema des Philosophen Karl Popper (1973) den Menschen einreihen, der als Klient zu Ihnen in die Beratung, die Therapie oder ins Coaching kommt? Wie ist Ihre Arbeitsweise? Sind Sie eher «Meteorologe» oder gleicht Ihre Arbeitsweise einem Uhrmacher?

Ich reihe mich, je nach Klient und Zielsetzung, einmal rechts und ein andermal links ein. Im explorativen Rollenspiel mit einem Klienten, der unter einer Angststörung leidet, bin ich als «Wolkenbeobachter» tätig: Ich beobachte, stelle Fragen und inszeniere eventuell eine problematische Situation. Ich versuche szenisch zu verstehen, wie die Struktur und Dynamik dieser «Wolke» ist. Im Sozialkompetenz-Training mit einem verhaltensauffälligen Jugendlichen bin ich eher der Uhrmacher: Ich zeige ein Modell eines sozial erwünschten Verhaltens und fordere den Jugendlichen auf, dies in einem Rollenspiel nachzumachen.

Lesen Sie weiter in der vollständigen Ausgabe!

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