Sternschnuppen über dem Heimweg - Monika Nemetschek - E-Book

Sternschnuppen über dem Heimweg E-Book

Monika Nemetschek

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Beschreibung

Mit den Geschenken und Belastungen des Lebens umgehen Das wertvolle Glaubensvermächtnis einer Frau mit Charisma Die bekannte Religionspädagogin Monika Nemetschek hat in ihrer langjährigen Unterrichtstätigkeit (1953 bis 2003) und in zahlreichen Seminaren und Vorträgen einen engagierten Zugang zu Religion und Glauben vermittelt. Ihr lebendiger Vortragsstil und ihr christliches Engagement haben Generationen von Lehrerinnen und Lehrern sowie viele Seminarbesucher geprägt. Mit diesem Buch hinterlässt die Erfolgsautorin ihr Vermächtnis und macht Mut, auch in widrigsten Umständen die Freude am Glauben nicht zu verlieren. Obwohl ihr "Erdenkleid ausgefranst und löchrig ist", erfährt die Autorin Zuspruch und Trost von einem liebenden Gott, dessen Botschaften sie mit Sternschnuppen vergleicht: faszinierende kurze Lichtereignisse wie Funken aus einer größeren Lichtfülle, die Trost spenden für alle Lebenslagen. Ergänzt werden ihre Texte durch farbintensive Kunstbilder von Christian Kondler, die diesem Buch eine sinnlich-edle Komponente verleihen.

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Seitenzahl: 94

Veröffentlichungsjahr: 2020

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Monika Nemetschek

STERNSCHNUPPEN

ÜBER DEM HEIMWEG

Mit Kunstwerken vonChristian Kondler

Mitglied der Verlagsgruppe „engagement“

2020

© Verlagsanstalt Tyrolia, Innsbruck

Layout und digitale Gestaltung: Tyrolia-Verlag

nach Entwürfen von Christian Kondler

ISBN 978-3-7022-3867-4

eISBN 978-3-7022-3901-5

E-Mail: [email protected]

Internet: www.tyrolia-verlag.at

Themenfelder

1Biografische Mosaiksteine

2Gott ist größer als unser Herz

3Auferstanden bin ich und allezeit bei dir

4Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen

5Brief an den „Gott mit uns“

6Schlusswort

Dank

Bildnachweis

Biografische Mosaiksteine

Mit diesem unüblichen biografischen Vorwort lasse ich Sie, liebe Leserin, lieber Leser, ein wenig hineinblicken in mein Leben. Dieser Einblick macht die Texte der nachfolgenden Seiten ob ihrer Wortwahl und Herkunft verstehbarer und erleichtert Ihnen den Zugang zum Geschriebenen. Sich aufdrängende Fragen – die Verfasserin und ihr Leben betreffend – finden eine Beantwortung:

Wer ist die Frau, die solche Texte schreibt?

Woher schöpft sie die Zusagen?

Ist solches überhaupt glaubhaft?

Die Antwort ist einfacher, als man denkt:

Jeder Mensch, der zu beten beginnt, erfährt mehr und mehr

ein Geführtwerden durch den Geist der Liebe, durch Gott.

Im Laufe des Lebens wird das, was als Monolog beginnt,

zum Dialog, zum „Dialog zwischen Liebenden“.

So beschreibt Papst Franziskus das Beten.

Aus diesem Lebensdialog heraus entstehen Frage und Antwort, Rede und Gegenrede, Ausspruch und Zuspruch. Nunmehr lade ich Sie ein, mich lesend ein Stück weit durch mein Leben zu begleiten. Weiterblätternd werden Sie entdecken, wie ich zunehmend in dialogisches Beten hineinwachsen konnte.

Vorab jedoch mag es mir noch erlaubt sein, einige Zeilen an euch, meine ehemaligen Schüler/-innen und Student/-innen zu richten. Ihr habt mir zugehört und geglaubt und ich habe euch in mein Herz geschlossen. Deshalb widme ich euch dieses, mein letztes Buch. Ihr sollt wissen: Meine Abschiedszusage damals, nach Abschluss eurer Ausbildung, „Ich werde euch nicht allein lassen auf eurem Lebensweg“, besitzt noch immer ihre Gültigkeit. Immer noch und immer wieder bette ich euch betend in die „Sonne seiner Liebe“.

Manches von dem, was ich euch noch unbedingt sagen möchte, verbirgt sich in den „Sternschnuppen“-Texten, die euch im nächsten Kapitel erwarten. Es würde mich glücklich machen, könnten diese Texte zu euch finden.

Sie sind ein lieber Gruß von mir, der euch zwischen den Zeilen andeutet, wie sich mein Leben zurzeit gestaltet und zu meistern ist, zumal lang Vertrautes wegbricht, Beglückendes nicht mehr realisierbar ist und zudem das Erdenkleid ausgefranst und löchrig mehr Probleme schafft, als der Trägerin lieb ist.

Dabei möchte ich euch ahnen lassen, wie es dennoch gelingen kann, in der Enge die Weite, in der Leere die Fülle zu entdecken.

Immer wieder bitte ich den großen Liebenden, der mein und euer Leben trägt, euch durch alle Dunkelheiten in sein nie verlöschendes Licht zu führen und jedwede Bedrückung in bleibende Beglückung zu wandeln.

Mit den nunmehr folgenden Zeilen nehme ich euch ein Stück weit hinein in einige Stationen meines Lebens.

WAS SOLL AUS DIESEM KINDE WERDEN?

Noch sind die Schatten, die sich über meiner kleinen und unserer großen Welt ausbreiten, nicht zu mir vorgedrungen.

Aber es ist eine zerfallende Welt, in die ich hineingeboren werde, an der Schwelle von 1933 zu 1934 – alles ist im Auseinanderbrechen: unsere Familie, unser Heimatland Österreich, die Welt …

Wache Zeitgenossen stellen die Fragen: Wie soll das alles nur weitergehen? Eine Kindheit ohne Zukunft? In Angst und Not, zwischen Fanatismus und Verblendung, in Armut und Hunger? …

„PAPA-BEGEGNUNG“ AUF „1-2-3“!

Ich war drei, meine Eltern zum damaligen Zeitpunkt schon länger geschieden. Dann sollte eine sogenannte Papa-Begegnung stattfinden. Um meinen Vater kennenzulernen, sollte ich ihm für einige Stunden übergeben werden. Am Platz vor der Familienkirche in Linz findet zunächst ein kurzer Wortaustausch zwischen meinen Eltern statt, wobei mir erklärt wird, ich solle jetzt mit meinem Vater spazieren gehen. Offenbar verstehe ich dieses Ansinnen überhaupt nicht, zumal der Mann, der da vor mir steht, für mich fremd ist. Er erklärt mir, mein Zögern feststellend, mit fester Stimme: „Ich zähle jetzt bis drei und bei drei kommst du zu mir her und wir gehen zusammen spazieren.“

Er zählt: „Eins, zwei und eins ist drei.“ Kaum hat er die Zahl ausgesprochen, beginne ich zu brüllen, um meine Verzweiflung lautstark kundzutun. Beide Elternteile suchen das Weite, zumal mein Geschrei Vorübergehende anlockt.

In der Folge geht jeder in eine andere Richtung: der ‚fremde‘ Mann ohne mich, die Mutter mit mir.

Überrascht stelle ich fest, Mutter ist ob meiner Weigerung gar nicht böse auf mich, sie scheint sogar zufrieden zu sein.

EIN KINDERARZT MIT HAUSVERSTAND

Ich bin vier Jahre alt und eine Nahrungsverweigerin. Warum? War mir der normale Hunger vielleicht vergangen? Hatte ich etwa die Probleme und Ängste, die rundherum in der Luft lagen, in mich hineingegessen und war davon satt geworden?

Wenn Mutter und ich auf der Straße gingen und wir Bekannte trafen, die ihren Blick auch auf mich warfen, wurde zu meiner Mutter oft gesagt: „Haben Sie da ein ‚Zarterl‘!“

Das „Zarterl“ war offenbar ich. Bald sollte ich noch einen Namen bekommen. Auf allgemeines Drängen aller mehr oder weniger Klugen in- und außerhalb der Familie kam ein Arztbesuch zustande. Der Arzt, ein väterlich wirkender alter Herr mit Bart, er kitzelte, als er sich untersuchend über mich beugte, gefiel mir. Er schaute mich geraume Zeit an und befühlte dabei meinen Bauch, der eher einer Grube glich als einer Erhebung. Dann sagte er zu meiner Mutter gewandt: „Lass’n Sie’s geh’n, die Kloane. Die is und bleibt a ‚Zezerl‘. Aber ‚Zezerln‘ san zach. Zwingan Sie’s zu nix, da Körper hoit si scho’, was er braucht.“

Diese Worte blieben in mir hängen und entspannten offensichtlich die Atmosphäre in der Familie, wobei der drohende Kochlöffel(!) – bislang neben meinem Suppenteller platziert – seiner eigentlichen Funktion des Umrührens wieder zugeführt wurde.

Übrigens: Zum missbräuchlichen Einsatz an meiner Hinterseite kam er nie. Vielleicht deshalb, weil mein geliebter Großvater – ein fröhlicher, humorvoller Geschichtenerzähler und besorgter Familienmensch – fast feierlich erklärt hatte: „Solange ich lebe, wird in diesen vier Wänden kein Kind geschlagen!“ Gab es dennoch Essprobleme, zitierte ich kühn die Worte des Arztes. Das aber erübrigte sich in den folgenden Jahren, zumal die Nahrungsbeschaffung durch den Krieg immer mühsamer wurde und die Teller immer leerer. Und damit blieb das „Zezerl“ ein „Zarterl“ und das „Zarterl“ ein „Zezerl“.

UNRUHIGE ZEITEN UND DÜSTERE TAGE

Knapp vor meinem siebten Geburtstag stirbt meine Mutter. Ich bekomme ein Gespräch mit. Jemand fragt nach der Todesursache (meine Mutter war erst 30, als sie starb).

Meine Oma antwortet leise: „An gebrochenem Herzen“.

Ich erschrecke, es gibt „zerbrochene Herzen“? Ich finde das zum Weinen traurig.

Ob Opa auch an zerbrochenem Herzen gestorben ist?

Er starb zwei Jahre vor meiner Mutter. Er hatte sich den Empfang Hitlers in Linz noch angehört. Sein Kommentar: „Jetzt hört Österreich auf zu existieren. Wir gehen einer Katastrophe entgegen.“ Zwei Tage später stirbt er. Bis dahin war er es gewesen, der wesentlich zum Erhalt unserer Familie beitrug und uns mit seiner Heiterkeit und Herzlichkeit – letztlich auch mit seiner Pension – am Leben hielt. Sein Weggang war für uns alle sehr traurig.

Die nächste Tragödie war das Sterben meiner kleinen Kusine Rotraud; zwei Jahre alt, starb sie an Leukämie.

1940 schließlich stirbt meine Mutter. Seit ihrem Tod blieb ich im Haushalt meiner geliebten „Omi“ und Tante. Ihr hat mich meine sterbende Mutter übergeben. Sie war ihre jüngste Schwester und gerade 19 Jahre alt, als ich ihr anvertraut wurde. Als diplomierte Krankenpflegerin mit großer Sachkenntnis und sicherem Gespür – vom Konvent der Elisabethinen geschätzt und gefördert – war sie drauf und dran, sich ihrem Berufsziel – Ärztin – zu nähern. Da purzelte ich plötzlich mitten hinein in ihre Pläne und Träume.

Gleichzeitig verschlechterte sich die allgemeine Lebenssituation durch das sich ausweitende Kriegsgeschehen.

Die vielfältigen Belastungen schweißen meine Tante und mich zusammen. Sie wird mir nach und nach zur Mutter, kämpft für mich um meinen Zukunftsweg, wie eine Löwin für ihr Junges.

HOHER BESUCH UND EIN KLEBRIGES GESCHENK

Ich besuche die zweite Klasse Volksschule – und habe noch einmal eine Begegnung mit einem sympathischen Herrn mit Bart. Es ist der Nikolaus, der zu mir kommt. Die Begegnung hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck unterschiedlicher Art.

5. Dezember 1941, es klopft, die Tür wird geöffnet, ein großer Nikolaus in beeindruckender Aufmachung betritt unsere kleine Küche. Staunend erstarre ich, während auch einige Nachbarn hereinwuseln. Irgendwer schiebt dem hohen Herrn einen Sessel unter, somit schrumpft er etwas und ich bin mit ihm auf Augenhöhe, fast. Er lässt mich nicht etwas beten, sondern fragt, ob ich ein Lied singen könne. Ich nicke, falte die Hände und singe die vier Strophen von „Lobt froh den Herrn“. Alle im Raum sind still und wie mir scheint andächtig.

Dann kommt, was kommen muss, der Nikolaus spricht: „Ich weiß, du bist ein gutes Kind, aber du willst nicht essen. Das ist nicht gut. Schau her, Monika (er kennt meinen Namen), ich hab dir etwas Gutes mitgebracht.“ Er holt aus seinem Sack eine Dose, hält sie mir entgegen und sagt: „Versprichst du mir, dass du das einnehmen wirst!“ Überwältigt von der himmlischen Erscheinung, hätte ich wohl alles versprochen. So stammle ich mein Ja.

Der raumfüllende Gast verlässt mit guten Wünschen unsere kleine Wohnung. Sogleich wird das hinterlassene Dosengeschenk angebohrt. Ein Suppenlöffel muss her. Träge tropft der Doseninhalt, eine bräunlich-dicke Flüssigkeit, auf den Löffel.

Dieser nähert sich zielgerichtet meinem Mund, den ich notgedrungen aufmache. Der klebrig braune Brei tröpfelt langsam auf meine Zunge. Auf die kurze Schrecksekunde meinerseits folgt ein nicht enden wollendes Würgen und Husten. Schließlich sprüht mit einem Ruck das klebrige Stärkungsmittel in hohem Bogen aus mir heraus. Eine Nachbarin bemerkt: „Na, also, zum Essen und Beten, soll ma neamd nett’n.“ Sonderbarerweise rügt niemand mein Verhalten. Eher ist es ein Hauch von Mitfühlen und Verstehen, der da zu mir herüberschwappt. Vielleicht auch denkt jemand: „Hätte er ihr doch ein Stück Schokolade geschenkt!“

Damit schien die Angelegenheit beendet, aber das Problem war nicht beseitigt, nicht für mich. Hatte ich doch ein dem Nikolaus gegebenes Versprechen gebrochen. Ein ungutes Empfinden blieb nach dem hohen Besuch zurück.

Doch ganz tief in mir keimte nach und nach ein Ahnen auf: Der Nikolaus ist ein Vertreter des lieben Gottes. Der liebe Gott selber, der versteht gewiss, dass ich den „Pickgummi“ nicht schlucken kann, und er hat mich trotzdem lieb.

„Danke, lieber Gott“, betet es in mir. „Ich hab dich auch lieb.“

MEINE OMA UND EIN TORTENSTÜCK

Meine Omi kann zaubern, ich bin überzeugt davon. Immer wieder schafft sie es, etwas Essbares aufzutreiben. Einmal war es etwas ganz Besonderes, ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen!

„Monika“, sagte Omi, „heute gibt’s vorne am Hessenplatz, beim Niemetz, ein Stück Torte für ein Brotmarkerl und eine Mark.“ Sie drückte mir beides in die Hand und sagte: „Geh schnell und iss es gleich auf!“ Ich ging nicht, ich „flog“.

Ein ganzes Tortenstück für mich allein! Die Konditorei schon in Blickweite, erschrak ich. Eine lange Menschenschlange stand da, still und geduldig wartend. Ich reihte mich ein mit großer Angst, wegen der vielen Wartenden leer auszugehen. Solches war oft der Fall, wenn ich einkaufen geschickt wurde. Anstellen musste man sich immer, um alles und jedes, wenn man schließlich an der Reihe war, konnte es sein, dass alles ausverkauft war.