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ber 70% der gekauften Optionen verfallen wertlos. Das bedeutet: In über 70% der Fälle verdient der Stillhalter. Das Buch befasst sich mit dem Thema Optionen, und hier mit dem speziellen Bereich der Stillhaltergeschäfte, also den Geschäften, bei denen der Investor als Verkäufer der Option auftritt. Das Besondere an Stillhaltergeschäften liegt in der Tatsache, dass der Investor auch dann verdient, wenn sich die Aktie nicht bewegt. Bis vor einigen Jahren war dieses Geschäft nur den Profis vorenthalten. Mit dem Aufstieg der EUREX, konnte jedoch auch der Privatanleger diese Geschäfte zu vernünftigen Kursen und Kosten tätigen. Neben der Erklärung der möglichen Geschäftsarten, inklusive der Optionskombinationen, geht das Buch vor allem auf viele Aspekte ein, die in der praktischen Anwendung wesentlich und wichtig sind. Dem Bereich Risikoüberwachung, Moneymanagement und Tradingtipps wird ein breiter Raum geschenkt.
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Seitenzahl: 156
Veröffentlichungsjahr: 2013
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen:
2. Auflage 2013
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Gesamtbearbeitung und Gestaltung: Stephanie Villiger
Lektorat: Dr. Renate Oettinger
Druck: Books on Demand GmbH, Norderstedt
ISBN Print 978-3-89879-757-3
ISBN E-Book (PDF) 978-3-86248-383-9
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-86248-817-9
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Einleitung
Teil 1 – Grundlagen
1 Grundbegriffe
1.1 Definition der Option
1.2 Arten von Optionen
1.3 Schließen von Optionen
Glattstellen
Ausüben
Verfall
1.4 Weitere Begriffe
Optionspreis
Basispreis
Verfalldatum
1.5 Optionsvarianten
1.6 Optionen sinnvoll ausüben
1.7 „Im Geld“, „am Geld“, „aus dem Geld“
1.8 Zusammensetzung der Optionspreise
1.9 Zusammenfassung
2 Einflussfaktoren der Optionspreise
2.1 Kurs des Basiswertes (Underlying)
2.2 Basispreis
2.3 Volatilität
2.4 Restlaufzeit
2.5 Kurzfristige Zinsen
2.6 Dividenden
2.7 Zusammenfassung
3 Kennzahlen einer Option – „die Griechen“
3.1 Delta
3.2 Gamma
3.3 Theta
3.4 Vega
3.5 Zusammenfassung
4 Optionskombinationen
4.1 Spread
Bull Spread mit Calls
Bull Spread mit Puts
Bear Spread mit Calls
Bear Spread mit Puts
4.2 Straddle
Long Straddle
Short Straddle
4.3 Zusammenfassung
5 Visuelle Darstellung von Optionsstrategien
5.1 Kauf eines Call
5.2 Verkauf eines Call (Stillhalter)
5.3 Kauf eines Put
5.4 Verkauf eines Put (Stillhalter)
5.5 Covered Call Writing
5.6 Spread
Bull Spread mit Calls
Bull Spread mit Puts
Bear Spread mit Calls
Bear Spread mit Puts
5.7 Straddle
Long Straddle
Short Straddle
5.8 Strangle
Long Strangle
Short Strangle
5.9 Zusammenfassung
6 Put-Call-Parität
6.1 Varianten
6.2 Zusammenfassung
7 Margining
7.1 Varianten
7.2 Risk Based Margining
7.3 Zusammenfassung
8 Die Eurex
8.1 Organisation
8.2 Produkte
Aktienoptionen auf deutsche Basistitel
Aktienoptionen auf Basistitel des TecDAX
Aktienoptionen auf schweizerische Basistitel
Aktienoptionen auf finnische Basistitel
Aktienoptionen auf niederländische Basistitel
Aktienoptionen auf italienische Basistitel
Aktienoptionen auf französische Basistitel
Aktienoptionen auf US-Basistitel
Optionen auf den DAX-Index
Optionen auf den TecDAX
Optionen auf den SMI (Swiss Market Index)
Optionen auf den Dow Jones Euro STOXXSM 50
8.3 Handel
8.4 Clearing und Abwicklung
8.5 Zusammenfassung
9 Rechtliche Grundlagen
Teil 2 – Praktische Anwendung
10 Welche Strategie passt zu mir?
10.1 Allgemeine und besondere Fragen
10.2 Zusammenfassung
11 Covered Call Writing
11.1 Voraussetzungen
11.2 Strategien
Die konservative Strategie
Die aggressive Strategie
11.3 Berechnung der Rendite
11.4 Nachteile
11.5 Schutz vor fallenden Aktienkursen
Schließen der gesamten Position
Absicherung über den Kauf eines Puts
Herunterrollen des verkauften Calls
11.6 Covered Call Writing mit Exchange Traded Funds (EXTF)
11.7 Praxistipps
11.8 Zusammenfassung
12 Money Management
12.1 Die richtige Positionsgröße finden
12.2 Zusammenfassung
13 Die Bedeutung eines Handelssystems
13.1 Definition
13.2 Beispiele
13.3 Zusammenfassung
14 Fehler, die man vermeiden sollte
15 Stillhaltergeschäfte und Steuern
15.1 Steuern aus Sicht des Käufers einer Option
Die Option verfällt wertlos
Die Option wird glattgestellt
Die Option wird ausgeübt
15.2 Steuern aus Sicht des Verkäufers einer Option
Die Option verfällt wertlos
Die Option wird glattgestellt
Die Option wird vom Käufer der Option ausgeübt
15.3 Steuern bei Kombinationsgeschäften
15.4 Zusammenfassung
Teil 3 – Tests und Tipps
Verständnisfragen
Anhang 1: Informationen aus dem Internet
Anhang 2: Literaturhinweise
Optionen stellen eine der interessantesten Möglichkeiten dar, Geld an den Kapitalmärkten zu investieren. Sie bieten einerseits vortreffliche Möglichkeiten, aggressiv zu spekulieren. Andererseits können Optionen aber auch zur Absicherung bestehender Anlagen (beispielsweise von Aktienbeständen) eingesetzt werden und dürfen dann eher als konservative Anlageform bezeichnet werden. Die Bandbreite der Möglichkeiten ist sehr groß.
Doch unabhängig davon, welche Variante der Investor wählt – der Einsatz von Optionen bedarf detaillierter Kenntnisse der Materie und einer gewissen Erfahrung an den Kapitalmärkten. Sind diese „Einstiegshürden“ genommen, bieten Optionen für den fortgeschrittenen Investor faszinierende Möglichkeiten, überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.
Gerade bei institutionellen Anlegern und vermögenden Privatkunden gehört das Stillhaltergeschäft mit Optionen zu einer beliebten Investmentstrategie. Wieso diese Strategie gerade bei Profis so beliebt ist, soll Ihnen folgender Sachverhalt verdeutlichen:
In Deutschland boomt das Geschäft mit Optionsscheinen. Tausende von Optionsscheinen – sowohl Optionsscheine, mit denen Investoren auf steigende Kurse (Calls) setzen, als auch solche, mit denen sie auf fallende Kurse (Puts) des Basiswertes spekulieren – sind von den Banken begeben worden. Doch keiner dieser Optionsscheine bietet die Möglichkeit des Stillhaltergeschäftes, denn diese Position nehmen bei Optionsscheinen die Banken ein. Dies läuft wie folgt ab: Der Kunde kauft den Optionsschein und zahlt damit die Prämie, welche die Bank vereinnahmt. Die Bank spielt somit Stillhalter und bietet ihre Aktienbestände während der Laufzeit des Optionsscheines zu dem festgesetzten Basispreis an (bei Call-Optionsscheinen) bzw. ist bereit, den Basiswert innerhalb der Laufzeit zu dem in den Optionsscheinbedingungen festgelegten Basispreis zu übernehmen (bei Put-Optionsscheinen).
Berücksichtigt man nun die in den vergangenen Jahren stetig steigende Anzahl von emittierten Optionsscheinen, so scheint dieses Geschäft für die Banken sehr attraktiv zu sein. Langjährige Erfahrungen im Bereich Portfoliomanagement zeigen, dass insbesondere diejenigen Kunden eine überdurchschnittliche Performance erzielten, die Stillhaltergeschäfte mit Optionen als Teil ihrer Investmentstrategie gewählt haben.
Doch Vorsicht: Das Investieren durch den Verkauf von Optionen erschließt sich dem Investor nicht ohne weiteres. An der Börse wird kein Geld verschenkt, schon gar nicht an der Optionsbörse. Hier tummeln sich viele Profis, die nur darauf warten, Ihnen Ihr Geld abzuluchsen. Wie so häufig im Leben, so ist es auch beim Thema Optionen: Je tiefer man in die Geheimnisse einer Sache eindringt, umso faszinierender wird sie.
Sie werden feststellen: Je mehr Sie sich mit Optionen beschäftigen, umso interessanter wird die Materie für Sie.
Doch theoretisches Wissen ist das eine, die praktische Anwendung das andere. Dies merken wenig informierte Anleger rasch, nachdem sie erstmals Geld in Optionen investiert haben.
Sehr schnell wird ihnen bewusst, welche Auswirkungen der Zeitwertverfall auf die Optionspreise hat und was es bedeutet, wenn die Volatilitäten zurückgehen.
Gerade die Beschäftigung mit Stillhaltergeschäften kann sich jedoch als sehr lukrativ und spannend erweisen. Eine der Gründe, warum Stillhaltergeschäfte sehr lukrativ sein können, liegt in der Überlegung, dass der Kurs einer Aktie drei Möglichkeiten hat, sich zu entwickeln:
1. Der Kurs steigt.
2. Der Kurs fällt.
3. Der Kurs bewegt sich kaum.
(Gerade die dritte Möglichkeit wird häufig vernachlässigt, kann aber für den Käufer einer Option verheerende Folgen haben.)
Von diesen drei Möglichkeiten sind in der Regel zwei vorteilhaft für den Stillhalter: Möglichkeit eins und drei für den Verkäufer eines Put (= Verkaufsoption) und Möglichkeit zwei und drei für den Verkäufer eines Call (= Kaufoption). Gerade dieser letzte Satz enthält eine wichtige Botschaft:
Mit Optionen hat man die Möglichkeit, auch in lustlosen Märkten zu verdienen, also dann, wenn die meisten Anleger einen fehlenden Trend beklagen.
Nach der Lektüre dieses Buches und der Beherzigung der vermittelten Ratschläge sollte der Leser das notwendige Rüstzeug besitzen, um an der Optionsbörse eine attraktive Rendite zu erzielen.
Das vorliegende Buch ist aus Sicht eines Praktikers geschrieben. Es werden alle wesentlichen Aspekte besprochen, die für das erfolgreiche Investieren durch den Verkauf von Optionen wichtig sind, um eine ansehnliche Rendite zu erzielen. Auf sehr komplexe Optionsstrategien und theoretische Berechnungsmodelle wird in diesem Buch nicht eingegangen, da sie für die Praxis eines Privatanlegers nicht von großer Bedeutung sind.
Optionen werden nicht an der „normalen“ Börse gehandelt, sondern an einer speziellen Optionsbörse. In Deutschland heißt diese Optionsbörse Eurex. Die Eurex ist die größte Optionsbörse der Welt. An ihr werden Optionen auf die größten europäischen und amerikanischen Aktien und Indizes gehandelt. Die Eurex garantiert die faire und reibungslose Abwicklung Ihrer Optionsgeschäfte.
In diesem Buch werden die Usancen und Bestimmungen der Eurex erklärt.
Das Buch ist in drei Teile gegliedert:
Teil 1
vermittelt die theoretischen Grundlagen. Diese Grundlagen sind notwendig, um Optionsgeschäfte verstehen zu können.
Teil 2
ist das „Herzstück“ des Buches. Hier werden Erfahrungen vermittelt, die ich in den vergangenen 20 Jahren gesammelt habe. Alle Aspekte werden beschrieben, die unabdingbar sind, um an der Optionsbörse erfolgreich zu sein.
Teil 3
beinhaltet eine Sammlung von Verständnisfragen. Hier kann der Leser seinen eigenen Kenntnisstand testen.
Abgerundet wird dieser Teil durch Literaturhinweise und eine Auswahl hilfreicher Internetseiten. Das Internet bietet Ihnen interessante Informationen im Umgang mit Optionen. Hier findet man aktuelle Kurse, Programme zur Berechnung von theoretischen Optionspreisen, viele wissenschaftliche Beiträge und Möglichkeiten, sich mit anderen Interessenten über Optionen auszutauschen.
Im Bankwesen im Allgemeinen und im Optionsbereich im Besonderen werden sehr häufig englische Begriffe verwandt. Das vorliegende Buch benutzt weitestgehend deutsche Begriffe und Bezeichnungen. Englische Begriffe werden dann verwendet, wenn sich diese im Deutschen „eingebürgert“ haben. Denn in den Medien und im Internet tauchen meist die englischen Begriffe auf. Es ist also sehr wichtig, die englischen Bezeichnungen zu kennen.
Nun viel Spaß beim Lesen dieses Buches.
Johannes Magar, Juli 2003
Teil 1
Grundlagen
Eine Option ist ein Vertrag zwischen zwei Parteien: dem Käufer und dem Verkäufer einer Option.
Dabei bezeichnet man den Käufer auch als Inhaber der Option und den Verkäufer als Stillhalter.
Käufer
Der Käufer (Inhaber) erwirbt das Recht, nicht aber die Verpflichtung, zum Kauf bzw. Verkauf
Verkäufer
Der Verkäufer (Stillhalter) nimmt die Gegenposition ein. Er hat gegenüber dem Käufer die Verpflichtung,
– einer bestimmten Anzahl von Aktien
– zu einem im Voraus festgelegten Preis.
– die festgelegte Anzahl von Aktien
– innerhalb der Vertragszeit
– zu kaufen oder zu verkaufen.
Das Recht kann bis zu einem bestimmten Datum, nämlich der Fälligkeit der Option, ausgeübt werden.
Der Verkäufer muss die dem Vertrag zugrunde liegenden Aktien zum festgelegten Preis kaufen oder verkaufen, wenn der Käufer sein Recht ausübt.
Inhaber der Option
Recht auf Erfüllung
Stillhalter der Option
Verpflichtung zur Erfüllung
Man unterscheidet zwei Arten von Optionen:
– die Kaufoption, auch Call genannt,
– und die Verkaufsoption, auch Put genannt.
Der Inhaber eines Call (= Käufer) hat das Recht, nicht aber die Verpflichtung, den Basiswert zum festgelegten Preis zu kaufen.
Der Stillhalter eines Call (= Verkäufer) hat die Verpflichtung, den Basiswert zum festgelegten Preis zu verkaufen, falls der Call ausgeübt wird.
Der Inhaber eines Put (= Käufer) hat das Recht, nicht aber die Verpflichtung, den Basiswert zum festgelegten Preis zu verkaufen.
Der Stillhalter eines Put (= Verkäufer) hat die Verpflichtung, den Basiswert zum festgelegten Preis zu kaufen, falls der Put ausgeübt wird.
Das Interessante an Optionen ist unter anderem die Tatsache, dass Sie eine Position nicht bis zur Fälligkeit der Option halten müssen, sondern diese jederzeit durch ein Gegengeschäft schließen können.
Beispiel:
Frau B. kauft heute eine Call-Option auf die Nokia-Aktie mit dem Basispreis 14 € und einer Laufzeit bis Dezember 2003. Für diese Option zahlt Frau B. einen Preis von 2 €. Damit erwirbt sie das Recht, die Nokia-Aktie während der Laufzeit der Option bis Dezember 2003 von dem Kontrahenten (in unserem Beispiel dem Stillhalter der Option, also dem Verkäufer dieses Call) zum festgelegten Preis von 14 € zu beziehen.
Aufgrund positiver Unternehmensnachrichten steigt die Nokia-Aktie nun relativ schnell, und der Wert ihrer gekauften Option steigt von 2 € auf 3 €. Frau B. möchte nun gerne ihren Gewinn (immerhin 50 % vor Spesen) mitnehmen. Dies kann sie sehr schnell durch das Schließen ihres Call, indem sie diesen verkauft. Man bezeichnet diese Transaktion als Closing. Frau B. muss also nicht bis zur Fälligkeit der Option warten, sondern kann ihre Position jederzeit schließen.
Ist es zu einem Abschluss eines Optionsgeschäftes zwischen Optionskäufer und Stillhalter gekommen, so haben die Vertragspartner drei Möglichkeiten, die Position aufzulösen:
Das Glattstellen einer Position kommt mit Abstand am häufigsten vor. Es erfolgt dadurch, dass der Inhaber einer Position die Gegenposition einnimmt, also das Gegengeschäft tätigt.
Man bezeichnet diese Geschäfte als Closings.
Wie kann eine bestehende Position geschlossen werden?
– als Käufer eines Call
durch Verkauf des Call
– als Verkäufer eines Call
durch Kauf des Call
– als Käufer eines Put
durch Verkauf des Put
– als Verkäufer eines Put
durch Kauf des Put
Das Recht auf Ausüben einer Position hat ausschließlich der Käufer der Option. Der Verkäufer muss stillhalten – daher der Begriff Stillhalter. Wird beispielsweise ein Call durch den Käufer ausgeübt, hat der Verkäufer (Stillhalter) des Call die Verpflichtung, den Basiswert zum fest vereinbarten Kurs zu liefern. Der Käufer zahlt den Basispreis an den Stillhalter, der Stillhalter liefert die Aktien.
Da das Glattstellen der Position kostengünstiger ist als das Ausüben, wird in der Regel eine Position wie oben beschrieben glattgestellt.
Optionen, die am Verfalltag wertlos sind, werden einfach ausgebucht. Der Käufer verliert seinen Optionspreis, der Stillhalter darf diesen behalten. Diese Ausbuchung geschieht automatisch durch die Bank bzw. den Broker.
Was ist bei der Vertragsgestaltung zwischen den beiden Interessenten zu beachten? Folgende fünf Parameter müssen bekannt sein, wenn ein Investor eine Option kaufen bzw. verkaufen möchte:
1. die zugrunde liegende Aktie,
2. die Art des Optionsgeschäftes,
3. das Verfalldatum,
4. der Basispreis und
5. der Optionspreis.
Beispiel:
Frau B. möchte nachfolgendes Optionsgeschäft tätigen und ruft ihren Bankberater an. Sie erteilt folgenden telefonischen Auftrag:
Verkauf 10 Nokia-Call, 14 Dec03, zu 2 €
(In dieser Kurzform werden Optionen häufig dargestellt.)
Dies bedeutet:
zugrunde liegende Aktie:
Nokia
Art des Optionsgeschäftes:
Call
Verfalldatum der Option:
Dezember 2003
Basispreis:
14 €
Optionspreis:
2 €
Nachfolgend sollen die Begriffe Optionspreis, Basispreis und Verfalldatum genauer erklärt werden.
Der Optionspreis (die Optionsprämie) ist der Betrag, den der Käufer (Inhaber) dem Verkäufer (Stillhalter) für das Recht bezahlen muss, die Lieferung des Basiswertes zu verlangen (bei Calls) oder den Basiswert andienen zu können (bei Puts).
– Der Optionspreis ist die Prämie dafür, dass der Stillhalter bereit ist, „stillzuhalten“ und während der vereinbarten Zeit (der Laufzeit der Option) die Verpflichtung zum Kauf oder Verkauf des Basiswertes einzugehen.
– Der Verkäufer der Option darf diese Prämie (=Optionspreis) behalten, unabhängig davon, ob der Käufer sein Recht ausübt oder nicht.
– Der Optionspreis ist von verschiedenen Faktoren abhängig und Schwankungen unterworfen.
Der Basispreis ist der Preis, der bei Vertragsabschluss als Kauf- bzw. Verkaufspreis zwischen den Vertragsparteien vereinbart ist. Dies bedeutet, dass der Verkäufer eines Call zu diesem Preis den Basiswert liefern und der Verkäufer des Put zu diesem Preis den Basiswert übernehmen muss. Er orientiert sich in der Regel am aktuellen Aktienkurs. Bei den Eurex-Optionen sind die Basispreise standardisiert.
Beispiel:
Die Nokia-Aktie notiert bei 15 €. Es gibt Optionen mit den Basispreisen 13, 14, 15, 16, 17 und 18 €. Der Investor möchte einen Call verkaufen und sucht sich die Option mit dem für ihn interessantesten Basispreis aus. Er entscheidet sich für den Basispreis 16. Damit erklärt er seine Bereitschaft, die Nokia-Aktie dem Käufer der Option zu 16 € zu liefern.
Das Verfalldatum ist der Tag, an dem die Option ausläuft, wenn sie nicht vorzeitig ausgeübt wird. Zum Verfalldatum wird die Option wertlos:
– Der Käufer verliert an diesem Tag sein Recht zur Ausübung.
– Der Stillhalter ist nicht länger verpflichtet, die zugrunde liegende Aktie zu kaufen oder zu verkaufen.
Ebenso wie die Basispreise sind auch die Laufzeiten der Eurex-Optionen standardisiert.
Alle oben beschriebenen Parameter sind maßgeblich für die Höhe des Optionspreises. Diese Einflussfaktoren auf den Optionspreis werden im nächsten Kapitel detailliert erklärt.
Man unterscheidet zwischen amerikanischen (american style) und europäischen (european style) Optionen. Diese Unterscheidung bezieht sich auf den Zeitpunkt einer möglichen Optionsausübung.
Europäische Optionen
Amerikanische Optionen
Können nur am Verfalltag ausgeübt werden.
Können zu jedem beliebigen Zeitpunkt während der Laufzeit der Option ausgeübt werden.
Dabei gilt folgende Faustformel:
Optionen auf Aktienindizes sind europäische Optionen, können also nur am Fälligkeitstag ausgeübt werden (Beispiel: Optionen auf den DAX).
Optionen auf Aktien sind amerikanische Optionen, können also während der gesamten Laufzeit jederzeit ausgeübt werden (Beispiel: Optionen auf die Nokia-Aktie).
Wie in Kapitel 1.3 dargelegt, müssen Optionen jedoch nicht zwangsläufig ausgeübt werden, sondern können jederzeit durch ein Gegengeschäft geschlossen werden. Man bezeichnet diese Geschäfte dann als Glattstellungsgeschäfte (Closings).
In der Regel ist es sinnvoll, Optionen nicht auszuüben, denn das Ausüben verursacht hohe Spesen. Es gibt allerdings drei Situationen, in denen das Ausüben von Optionen sinnvoll sein kann.
• Die erste Situation tritt dann ein, wenn eine Option einen sehr hohen inneren Wert hat. Der Zeitwert ist dann relativ gering. Bei einer solchen Option kann es bei sehr geringer Nachfrage dazu kommen, dass sie unter dem inneren Wert notiert. Ist dies der Fall, sollte die Option ausgeübt werden.
• Die zweite Möglichkeit kann eintreten, wenn der Basiswert kurz vor der Dividendenzahlung steht. Die gezahlte Dividende wird nämlich vom Aktienkurs abgeschlagen. Dadurch verringert sich der Wert eines Call, und es kann passieren, dass der Zeitwert der Option kleiner ist als der Kursrückgang der Aktie. (Da der Zeitpunkt und die Höhe der Dividende vorher bekannt sind, reagieren die Optionspreise schon deutlich vor dem Tag der Dividendenzahlung.) In diesem Fall kann sich das Ausüben der Option für den Käufer des Call lohnen, denn er wird nach der Ausübung Aktienbesitzer und hat dann das Recht auf die Dividende.
Insbesondere in Europa spielt die zweite Möglichkeit durchaus eine Rolle, denn im Gegensatz zu der vierteljährlichen Dividendenzahlung der Amerikaner werden die Dividenden in Europa meist jährlich gezahlt. Damit kommen dann höhere Summen zur Ausschüttung.
• Die dritte Möglichkeit spielt insbesondere für institutionelle Anleger eine Rolle. Denn wenn diese größere Aktienpositionen einsammeln wollen, ohne den Markt zu stark zu beeinflussen, ist das Ausüben dem Abwarten bis zum Verfall vorzuziehen.
Diese Begriffe sind sehr wichtig und werden im Weiteren häufig benutzt.
Eine Option ist „im Geld“ (in the money), wenn der Ausübungskurs (Basispreis) einer Kaufoption niedriger ist als der aktuelle Aktienkurs bzw. wenn der Ausübungskurs (Basispreis) einer Verkaufsoption höher ist als der aktuelle Aktienkurs. Die Differenz zwischen dem Basispreis und dem Aktienkurs bezeichnet man als „inneren Wert“.
Eine Option ist „am Geld“ (at the money), wenn der Basispreis dem aktuellen Aktienkurs entspricht.
Eine Option ist „aus dem Geld“ (out of the money), wenn der Basispreis einer Kaufoption höher ist als der Aktienkurs bzw. wenn der Basispreis einer Verkaufsoption niedriger ist als der Aktienkurs. Die Optionen haben dann keinen inneren Wert.
Der Preis einer Option setzt sich grundsätzlich aus zwei Komponenten zusammen: dem Zeitwert und dem inneren Wert.
Der innere Wert einer Option ist bei einer Kaufoption gleich dem Aktienkurs abzüglich dem Basispreis, bei einer Verkaufsoption gleich dem Basispreis abzüglich dem Aktienkurs.
Beispiel:
