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Ein Stoiker zu sein bedeutet, die Fähigkeit zu besitzen, die Ungewissheit von Ereignissen zu akzeptieren und Positivität und Selbstbeherrschung zu verinnerlichen. Mit diesem besonderen Stoizismus-Leitfaden lernt der Anfänger, wie er seine Zufriedenheit und sein Wohlbefinden steigern, gleichzeitig Hindernisse überwinden und damit den Weg zu unerschütterlicher innerer Ruhe finden kann. Der Autor gibt dem Leser genau die Werkzeuge an die Hand, die er braucht, um Dinge loszulassen, die er nicht kontrollieren kann, und Freude an dem zu finden, was er bereits hat. Die ethischen Fragen, Prinzipien und Übungen regen zum Nachdenken an und machen es leicht, sie auf das eigene Leben anzuwenden, um den Weg zu dauerhaftem Glück und Zufriedenheit mit Leichtigkeit zu beschreiten.
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Seitenzahl: 150
Veröffentlichungsjahr: 2021
Matthew J. Van Natta
Stoizismus
Das besondere Buch für den angehenden Stoiker
MATTHEW J. VAN NATTA
Stoizismus
DAS BESONDERE BUCH FÜR DEN ANGEHENDEN STOIKER
Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek
Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie. Detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.d-nb.de abrufbar.
Für Fragen und Anregungen
1. Auflage 2021
© 2021 by Finanzbuch Verlag, ein Imprint der Münchner Verlagsgruppe GmbH
Türkenstraße 89
80799 München
Tel.: 089 651285-0
Fax: 089 652096
Copyright der Originalausgabe © 2019 Callisto Media, Inc. First published in English by Althea Press, an Imprint of Callisto Media, Inc. Die englische Originalausgabe erschien 2019 unter dem Titel The Beginner‘s Guide to Stoicism: Tools for Emotional Resilience & Positivity bei Althea Press, Emeryville, California.
Alle Rechte, insbesondere das Recht der Vervielfältigung und Verbreitung sowie der Übersetzung, vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf in irgendeiner Form (durch Fotokopie, Mikrofilm oder ein anderes Verfahren) ohne schriftliche Genehmigung des Verlages reproduziert oder unter Verwendung elektronischer Systeme gespeichert, verarbeitet, vervielfältigt oder verbreitet werden.
Übersetzung: Cornelia Stoll
Redaktion: Silke Panten
Korrektorat: Karla Seedorf
Umschlaggestaltung: Marc-Torben Fischer in Anlehnung an das Cover der Originalausgabe
Umschlagabbildung: © iStock/vectortatu
Foto Autor S. 158: © Christy Radonich Van Natta
Satz: ZeroSoft, Timisoara
eBook: ePUBoo.com
ISBN Print 978-3-95972-479-1
ISBN E-Book (PDF) 978-3-96092-946-8
ISBN E-Book (EPUB, Mobi) 978-3-96092-911-6
Weitere Informationen zum Verlag finden Sie unter
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Einführung
Teil I: Grundlagen
Kapitel 1: Eine Philosophie der Praxis
Kapitel 2: Eine kurze Reise durch die Geschichte
Teil II: Das emotionale Handwerkszeug
Kapitel 3: Denken wie ein Stoiker
Kapitel 4: Handeln wie ein Stoiker
Teil III: Stoizismus leben
Kapitel 5: Das Positive gestalten
Kapitel 6: Emotionale Resilienz in der Praxis
Kapitel 7: Dienen
Kapitel 8: Die Fortsetzung Ihrer Reise
Lösungen der Übungen
Zum Weiterlesen
Quellen
Danksagung
Über den Autor
Danke, Christy, für deine Liebe, deine Ermunterung und deine unendliche Geduld. Danke, Freyja, für deine Umarmungen, deine Lieder und dein Staunen. Und ein Dank an die stoische Community für all die Jahre der Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Vor etwa zehn Jahren entdeckte ich für mich den Stoizismus. Seither habe ich ihn immer praktiziert. Die stoische Denkweise hat mein Leben grundlegend verändert und mir emotionale Resilienz und eine positive Grundeinstellung verliehen. Und sie hat in mir den Wunsch geweckt, die Gemeinschaft, in der ich lebe, positiv zu verändern. Dies ist ein Gewinn, den ich meiner langjährigen stoischen Praxis verdanke. Ich habe meine stoische Kompetenz mithilfe vieler Bücher, einer Onlinecommunity und durch ständiges praktisches Ausprobieren entwickelt. Ich hoffe, dass Ihnen dieser Leitfaden einen klaren Weg vorgibt und Sie mit seiner Hilfe schneller Fortschritte machen werden als ich seinerzeit.
Seit meinen späten Teenagerjahren leide ich unter einer Angststörung. Sie blieb viel zu lang unbehandelt und ruinierte nicht nur meine Beziehungen, sondern auch mein Berufsleben. Mit Anfang dreißig suchte ich professionelle Hilfe auf und lernte viele nützliche Übungen aus der kognitiven Verhaltenstherapie kennen, die für mich zum ständigen Handwerkszeug meines mentalen Lebens wurden. Anfangs waren es die vielen Ähnlichkeiten zwischen der stoischen Weltsicht und meinen therapeutischen Übungen, die mich zum Stoizismus hinzogen. Erst später erfuhr ich, dass beides historisch tatsächlich miteinander verbunden ist. Die Verhaltenstherapie beruhigte meine Gedanken, während der Stoizismus ihnen eine Richtung vorgab. Mithilfe des Stoizismus konnte ich endlich entscheiden, wer ich sein wollte, und mir die Techniken aneignen, um ebendiese Person zu werden. Es ist ein Prozess, der einen auf ewig begleitet, doch er lohnt sich und ist es wert, andere daran teilhaben zu lassen.
Der Stoizismus sagt, dass Sie – unabhängig von Ihren Lebensumständen – ein erfolgreiches Leben führen können. Mit diesem Leitfaden lernen Sie, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Sie kontrollieren können, damit Ihr Handeln wirksam ist und Sie Ihre Zeit nicht mit Dingen verschwenden, die Sie nicht ändern können. Sie werden anderen gegenüber offener und toleranter und haben gleichzeitig den Mut, für sich und Ihre Überzeugungen einzustehen. Ihr Gefühlsleben wird davon profitieren, Sie werden eine positive Lebenshaltung entwickeln und negatives Denken überwinden. Sie werden Ihr bestes Selbst entwickeln und lernen, ein Leben in Harmonie zu führen.
Ich bin bereits fast mein ganzes Erwachsenenleben lang im Ausbildungsbereich tätig. Als ich mit dem Stoizismus begann, war es deshalb für mich selbstverständlich, mein neues Wissen auch anderen mitzuteilen. Ich begann mit meinem Blog, Immoderate Stoic. Später startete ich den Podcast Good Fortune als Hommage an eines meiner Lieblingszitate von Mark Aurel, das das große Glück beschreibt: »Denke also daran, bei allem, was dir Traurigkeit verursachen könnte, bei dieser Wahrheit Zuflucht zu suchen: Die Sache an sich ist kein Unglück. Sie zu ertragen und zu überstehen, ist sogar ein großes Glück.« (Mark Aurel, Selbstbetrachtungen 4.49) Beide Formate wurden von der stoischen Community gut aufgenommen und unterstützen bis heute Menschen, die ein Leben im Sinne der stoischen Philosophie führen wollen. Meine Inhalte konzentrieren sich auf die praktische Umsetzung des Stoizismus. Wie kann Ihnen diese Philosophie genau hier und jetzt helfen? Dieser Leitfaden ist genauso aufgebaut. Sie brauchen keine philosophischen Vorkenntnisse, um von den stoischen Lehren zu profitieren. In der Entstehungszeit des Stoizismus half die Philosophie den Menschen, ein sinnhaftes Leben zu führen. Die stoischen Lehrer lieferten eine ethische Grundlage für das Handeln in einer oft verwirrenden und herausfordernden Welt. Der Stoizismus hilft Ihnen, Dinge anzupacken. Sie lernen, die Kontrolle über Ihr geistiges und emotionales Leben zu übernehmen. Sie entwickeln oder vervollkommnen die Fähigkeiten, die notwendig sind, um Ihre Handlungen in eine positive Richtung zu lenken. Dies hilft sowohl Ihnen als auch all jenen Menschen, mit denen Sie interagieren. Wenn Sie wissen wollen, wie Sie Ihr Glück über alle Höhen und Tiefen des Lebens bewahren können, dann sind Sie hier richtig.
Der Stoizismus schult Sie in einer neuen Denkweise. Ich werde Sie Schritt für Schritt durch diesen Prozess führen. Jedes Kapitel baut auf dem vorhergehenden auf. Sie erhalten eine solide Grundlage, bevor Sie weiter ins Detail gehen. Zudem sind in jedem Kapitel praktische Übungen enthalten. So bekommen Sie von Anfang an nützliche mentale Werkzeuge, deren Anwendung im Laufe der Zeit immer klarer und überzeugender werden wird.
Teil I dieses Buches gibt Ihnen einen Überblick über die Philosophie des Stoizismus und seine Geschichte. Sie erfahren das Wichtigste über den notwendigen Kontext, um die Ziele der stoischen Lehre zu verstehen. Anders ausgedrückt: Das Gerüst des Stoizismus wird verdeutlicht.
In Teil II werden die Grundlagen des stoischen Denkens und der stoischen Praxis gelegt. Sie lernen die drei stoischen Disziplinen und ihre Anwendung kennen. Sie beschäftigen sich mit der Tugend, jener stoischen Vorstellung von persönlicher Exzellenz, die Ihrer Vorgehensweise einen klaren Fokus gibt. Sie lernen, die Dinge, die Sie kontrollieren können, von denen zu trennen, die Sie nicht kontrollieren können – eine der wichtigsten Einsichten, die Ihnen die wahre Kraft des Stoizismus offenbaren wird.
Teil III überträgt Ihr neues philosophisches Fundament auf den Alltag. Hier lernen Sie, positive Emotionen zu entwickeln und negative hinter sich zu lassen. Der Stoizismus macht Sie autarker und motiviert Sie gleichzeitig, gesunde Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen. Sie gewinnen den Mut, die Welt zum Besseren zu verändern.
Nun ist es Zeit, mit dem Lernen zu beginnen! Zuerst erfahren Sie, was Stoizismus eigentlich ist – und was er definitiv nicht ist. Sie erfahren etwas über seine Wurzeln und wie er sich im Laufe der Geschichte verändert hat. Sie werden auch in die grundlegenden Werkzeuge der Philosophie eingeführt, mit deren Hilfe Sie einen gesünderen Geist entwickeln und ein erfüllteres Leben führen können.
Aufhören, darüber zu reden, wie ein guter Mensch ist, sondern einfach so sein.
MARK AUREL, SELBSTBETRACHTUNGEN, 10.16
Wie können wir uns im Leben weiterentwickeln? Mit dieser Frage beschäftigt sich dieses Buch. Hier finden Sie unter anderem eine Reihe von mentalen Werkzeugen, täglichen Mindsets und angeleiteten Übungen, die Ihnen helfen, in jedem Moment und in jeder Situation die beste Version Ihres Selbst zu sein, sowohl zu Ihrem eigenen Wohl als auch zum Wohl aller in Ihrem Umfeld. Die Philosophie hinter diesen Praktiken, der Stoizismus, hilft immer mehr Menschen, mentale Hürden zu überwinden, im Hinblick auf die Herausforderungen des Lebens Mut zu fassen und dauerhafte Zufriedenheit zu finden. Mir selbst hat der Stoizismus im Großen und im Kleinen geholfen, sei es eine lebenslange Angststörung zu überwinden oder bei der täglichen langen Fahrt zur Arbeit einfach die Ruhe zu bewahren. Ich habe auch miterlebt, wie diese Philosophie das Leben vieler anderer zum Besseren verändert hat. Ich bin davon überzeugt, dass Sie mithilfe des Stoizismus in dieser Welt wachsen und gedeihen werden, und ich freue mich darauf, Ihnen zu vermitteln, worum es dabei geht.
Der Stoizismus ist eine praxisorientierte Philosophie, die auf dem Glauben aufbaut, dass alle Menschen ein erfolgreiches Leben führen können, und zwar unabhängig von allen äußeren Umständen. Allerdings müssen Sie bereit sein, an der Entwicklung einer positiven Geisteshaltung zu arbeiten. Der Stoizismus lehrt Sie, Ihre Gedanken und Handlungen auf das zu lenken, was Ihrer eigenen Kontrolle unterliegt. Auf diese Weise entwickeln Sie eine positive Grundeinstellung. Indem Sie lernen, sowohl das zu bewerten, was Sie wollen, als auch das, was Sie lieber meiden würden, lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf gesunde Wünsche. Und wenn Sie dies tun, werden Sie feststellen, dass Sie immer häufiger positive Emotionen entwickeln. Sie gewinnen emotionale Resilienz, mit deren Hilfe Sie Schwierigkeiten überwinden, die Ihrem Glück im Wege stehen.
Der Stoizismus zielt vor allem darauf ab, Sie zu einer klugen Lebensführung zu ermuntern. Wir bezeichnen diese Lebenskompetenz als Tugend. Die stoische Philosophie schult Sie in der Tugendhaftigkeit: Sie formt Ihren moralischen Charakter zu einem Menschen, der zufrieden, voller Freude und belastbar ist und dem es gelingt, so zu handeln, dass die Welt zu einem besseren Ort wird.
Auch wenn Sie noch nie von der Philosophie des Stoizismus gehört haben, haben Sie vielleicht schon das Wort stoisch gehört. Dieser Begriff bezeichnet Menschen, die angesichts von Widrigkeiten ihre Selbstbeherrschung bewahren. Obwohl eine »stoische« Haltung oft bewundert wird, kann sie durchaus schädlich sein. Wenn Sie Gefühle lediglich unterdrücken und innere Unruhe herunterspielen, sich aber nie wirklich mit diesen inneren Problemen auseinandersetzen, kann das Ergebnis verheerend sein. Dies ist jedoch nicht der Stoizismus, von dem ich spreche. Schon die antiken Stoiker hatten mit dieser unrichtigen Beschreibung ihrer Philosophie zu kämpfen. Ihre Kritiker sahen darin eine Gefühlskälte, doch es war den Stoikern wichtig, dass niemand darauf abzielte, gefühlskalt wie eine Statue zu werden. Die Entwicklung eines tugendhaften Lebens führt im Gegenteil zu einem reichen Gefühlsleben, einem Leben, in dem Sie mit Ihren Gefühlen klug umgehen und das Positive fördern, während Sie das Negative rasch überwinden.
Ein weiteres Missverständnis ist die Passivität. Der Stoizismus sagt, dass man sich in jeder Situation weiterentwickeln kann; er lehrt, die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist. Dies kann als Apathie missverstanden werden. »Warum sich verändern«, sagen manche, »wenn man auch in den schlimmsten Stürmen des Lebens glücklich sein kann?« Es mag paradox erscheinen, aber gerade die stoische Akzeptanz gibt Ihnen die Kraft, sich Herausforderungen zu stellen und sie zu meistern. Passivität dagegen ist häufiger eine Folge von Angst als von Akzeptanz. Wenn eine unhöfliche Person Ihnen Vorwürfe macht, wie oft geben Sie dann einfach nach, weil Sie befürchten, dass es noch schlimmer wird, wenn Sie sich wehren? Der Stoiker akzeptiert, dass die Person vor ihm feindselig ist, aber er entscheidet frei, wie er darauf reagiert. Wenn die Vorwürfe der angriffslustigen Person unrecht sind, setzt sich der Stoiker für Gerechtigkeit ein. Der Stoizismus lehrt Sie, einen klaren Blick zu behalten, um bestmögliche Entscheidungen treffen zu können. Wenn Sie darauf vertrauen, dass Sie Probleme bewältigen können, werden Sie ihnen nicht mehr untätig oder unentschlossen gegenüberstehen. Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das, was Sie kontrollieren können, dann werden Ihre Handlungen zielgerichtet und effizient.
Bevor wir uns eingehend mit dem Handwerkszeug des Stoizismus befassen, schauen wir uns kurz an, wo diese Methoden ihre Wurzeln haben.
Der Stoizismus begann 300 v. Chr. im antiken Griechenland, entwickelte sich 500 Jahre lang weiter, verlor dann aber an Bedeutung und fand viele Jahre lang nur noch sporadisch Beachtung, bis er jüngst, in unserer Zeit, wiedererwachte. Der Begründer der Philosophie war Zenon von Kition, ein Kaufmann, der bei einem Schiffsunglück alles verloren hatte. Nach diesem Verlust wollte er sein Leben neu ausrichten und wandte sich der Philosophie zu. Zenon kam zu der Überzeugung, dass alle Menschen für einen »guten Fluss des Lebens« bestimmt sind, der aus persönlicher Gelassenheit und gleichzeitig aus freudvoller Harmonie mit der Gemeinschaft besteht. Um den Menschen seine Botschaft nahezubringen, hielt Zenon öffentliche Lehrstunden im Freien ab. Er und seine Schüler trafen sich in einer Stoa, einer der damals üblichen überdachten Arkaden. Seine Schule wurde als die Stoa bekannt, daher auch der Name Stoizismus.
Im Laufe der Zeit fand der Stoizismus seinen Weg ins Römische Reich, oder besser gesagt, das Römische Reich fand seinen Weg nach Griechenland. Wir werden uns vor allem mit den römischen Stoikern beschäftigen, da die Werke der griechischen Stoiker fast vollständig verloren gegangen sind. Wir wissen, dass sie Tausende von Büchern geschrieben haben, aber es sind nur wenige Seiten erhalten. Von den römischen Stoikern sind vor allem die Werke dreier Männer relativ vollständig überliefert, dank derer die Weisheit ihrer Philosophie vor dem Aussterben bewahrt wurde:
Epiktet (50-135 n. Chr.), ein stoischer Lehrer, der sein Leben als Sklave begann und uns die Lehren dieser Philosophie am umfassendsten vermittelt
der römische Senator Seneca (4 v. Chr.-65 n. Chr.), der uns erhellende Einsichten liefert
Mark Aurel (121-180 n. Chr.) steht uns, obgleich er Kaiser von Rom war, auf unserer Erkundungsreise am nächsten. Wir haben Zugang zu seinem persönlichen philosophischen Tagebuch und damit auch Zugang zur inneren Gedankenwelt eines praktizierenden Stoikers.
Ich binde mich nicht an einen bestimmten Lehrer des Stoizismus; auch ich habe das Recht auf eine eigene Meinung.
SENECA, VOM GLÜCKLICHEN LEBEN
Der moderne Stoizismus stellt hauptsächlich die Ethik in den Mittelpunkt. Die antiken Stoiker teilten ihre Lehre in drei große Themenbereiche ein: Physik, Logik und Ethik. Es mag intellektuell durchaus befriedigend sein, stoische Gedanken über Physik und Logik zu lesen, doch die meisten Stoiker widmen sich eher den Gebieten, die ihnen zu einem erfolgreichen Leben verhelfen. Die stoische Lebenseinstellung übt eine starke Anziehungskraft auf uns aus. Auch die heutige kognitive Verhaltenstherapie (KVT) ist von den Schriften der Stoiker beeinflusst. Ihre Herangehensweise an das Gefühlsleben und viele ihrer Praktiken sind mit dem Stoizismus vergleichbar. Die KVT zeigt Menschen eine gesündere Art des Denkens auf, bietet aber keinen Fahrplan für ein erfolgreiches Leben. Die stoische Philosophie verwendet ähnliche mentale Praktiken, kombiniert sie aber mit einem Wertekanon, der die beste Version Ihres Selbst zum Vorschein bringen kann. Es ist genau diese Verbindung aus geistiger Klarheit und Zielorientierung, die den Stoizismus für viele so anziehend macht.
Der moderne Stoizismus hat auch eine andere Sichtweise auf unsere Beziehung zum Universum. Viele antike Stoiker waren gläubige Pantheisten, für die das Universum vom gütigen Göttervater Zeus beherrscht war. Der heutige Stoizismus vertritt eine eher säkulare Sichtweise. Er behält auch seine Sinnhaftigkeit, wenn Sie nicht religiös sind. Wenn Sie religiös sind und sich für den Stoizismus entscheiden, haben Sie mehr davon, wenn Sie sich nicht an Glaubensfragen klammern.
Über die Pantheisten
Die Stoiker der Antike werden oft als Pantheisten bezeichnet. Dies ist eigentlich ein Anachronismus, da der Pantheismus ein moderner Begriff ist, der erst 1697 n. Chr. entstand. Gleichwohl entspricht die stoische Theologie der pantheistischen Definition, dass Gott das Universum ist – oder das Universum eine Manifestation von Gott ist.
Die meisten der frühen Stoiker glaubten, dass das gesamte Universum ein einziges, zusammenhängendes Wesen sei, ein einziger Organismus, den sie Zeus nannten und der gleichbedeutend mit Natur und Vernunft war. Der römische Geschichtsschreiber Diogenes Laertius berichtet: »Die Stoiker sagen auch, dass Gott ein Tier sei, unsterblich, vernunftbegabt, vollkommen im Glück, immun gegen alles Böse, und für alles sorgend, was in der Welt ist, aber er sei nicht von menschlicher Gestalt. Er sei der Schöpfer des Universums und gleichsam der Vater aller Dinge, und ein Teil von ihm durchdringe alles, und er habe je nach seinen Kräften verschiedene Namen inne …«
Heutzutage ist die stoische Praxis stärker individualisiert als in der Vergangenheit. Heute werden Sie kaum in einer stoischen Schule leben wie seinerzeit die Schüler von Epiktet. Das bedeutet nicht, dass Sie sich dem Stoizismus ganz allein widmen müssen. Es gibt Onlinecommunitys, die sich mit dem Stoizismus beschäftigen, und es vernetzen sich immer mehr Menschen auf der ganzen Welt, um die Philosophie in persönlichen Treffen diskutieren. Es gibt sogar Konferenzen für angewandten Stoizismus. Wenn Sie auf die Seite Modernstoicism.com gehen, erfahren Sie etwas über Stoicon, ein jährliches Treffen für Praktiker und philosophisch Interessierte (es findet weltweit an wechselnden Orten statt). Stoicon fällt mit der Stoic Week zusammen, eine Veranstaltung, die sich der Förderung des menschlichen Wohlbefindens durch die stoische Philosophie widmet. Ich möchte Ihnen eine solide Grundlage vermitteln, damit Sie allein zurechtkommen, aber wie gesagt, es gibt da draußen eine immer größer werdende Community, an der Sie teilhaben können.
Der Stoizismus ist für jeden da: Er besagt, dass alle Menschen eine Familie sind und wir alle einen liebevollen, respektvollen Umgang verdienen. Der Stoizismus sagt zudem, dass jeder Mensch die Fähigkeit besitzt, ein Leben in Weisheit zu leben. Bereits in der Antike erreichte die Philosophie ganz unterschiedliche Menschen. Wie schon erwähnt, war der stoische Lehrer Epiktet ursprünglich ein Sklave, während der Praktiker Mark Aurel ein Imperium führte. Hieran sehen wir: Der Stoizismus war schon immer für jeden offen. Obwohl der Stoizismus in ausgesprochen patriarchalischen Gesellschaften entstand, kommt in den stoischen Schriften deutlich zum Ausdruck, dass Frauen moralisch gleichwertig sind und ebenfalls in der Philosophie ausgebildet werden sollten. Dennoch finden wir bei den alten Stoikern vor allem Männer – oft wohlhabende Männer –, die durchaus dem Denken ihrer Zeit verhaftet waren. Zum Glück sind wir nicht an die griechischen und römischen Bräuche gebunden. Unsere moderne Community, eine vielfältige, lebendige und ständig größer werdende Gemeinschaft, setzt das Beste aus den stoischen Lehren um.
Zum Nachdenken
