Stoneheart: Sammelband der mystisch-rauen Fantasy-Buchserie »Stoneheart« - Asuka Lionera - E-Book
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Stoneheart: Sammelband der mystisch-rauen Fantasy-Buchserie »Stoneheart« E-Book

Asuka Lionera

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Beschreibung

Erfolgsautorin Asuka Lionera erobert erneut die Herzen ihrer Leser*innen im Sturm    **Ein Kuss aus Flammen und Granit**  In Ezlains Welt hat das Wort einer Frau kein Gewicht und ihr Wert wird am Stand ihres Gatten bemessen. Um diesen gesellschaftlichen Zwängen zu entfliehen, beschließt sie ihrer wohlhabenden Familie den Rücken zu kehren. Dabei wird sie vom Meer an den einsamen Strand einer geheimnisvollen Insel getragen und begegnet einem Fremden, der ebenso rätselhaft ist, wie Ezlain sich ihr ganzes Leben lang gefühlt hat. Mit seiner Hilfe will sie den einzigen Menschen retten, der ihr je etwas bedeutet hat – ihre Sklavin Cressa. Doch der Blutschwur, den Ezlain mit dem Fremden eingeht, weckt ungekannte Gefühle in ihr. Nie zuvor hat ein Mann ihr Herz aus Stein so zum Pochen zu gebracht … Mystisch-raue Atmosphäre trifft auf magisch-romantischen Fluch: ein Fantasy-Liebesroman, der unter die Haut geht.  //Dies ist ein Sammelband der magisch-gefühlvollen Buchreihe »Stoneheart«. Er enthält alle Romane der Fantasy-Liebesgeschichte:  -- Stoneheart 1: Geraubte Flamme   -- Stoneheart 2: Befreites Feuer// Diese Reihe ist abgeschlossen.

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Seitenzahl: 1161

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Impress Ein Imprint der CARLSEN Verlag GmbH © der Originalausgabe by CARLSEN Verlag GmbH, Hamburg 2020 Text © Asuka Lionera, 2020 Lektorat: Nina Schnackenbeck Coverbild: shutterstock.com / © Ortis / © Kanea / © Irina Alexandrovna / © Chansom Pantip / © pixelparticle / © Jade ThaiCatwalk / © Olga Nikonova / © herryfaizal / © Ironika / © Selenit Covergestaltung: Fuchsias Weltenecho - Anna Hein Gestaltung E-Book-Template: Gunta Lauck / Derya Yildirim Satz und E-Book-Umsetzung: readbox publishing, Dortmund ISBN 978-3-646-60600-3www.carlsen.de

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Asuka Lionera

Stoneheart 1: Geraubte Flamme

**Ein Herz aus Stein und Glut**Ezlain lebt in einer Welt, in der Männer das Sagen haben. Doch das hält sie nicht davon ab, gegen alle Regeln aufzubegehren. Als Strafe für ihren Ungehorsam soll sie den einzigen Menschen verlieren, der ihr jemals nahestand – ihre Sklavin Cressa. Um dem zu entgehen, beschließen die zwei Frauen ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Als Männer getarnt heuern sie auf einem Schiff an und fliehen vor den Zwängen ihrer alten Heimat. Doch das Meer trennt die beiden und trägt Ezlain an den einsamen Strand einer geheimnisvollen Insel. Hier begegnet sie einem Fremden, der ebenso rätselhaft ist, wie sie sich ihr ganzes Leben lang gefühlt hat …

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Vita

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© rini

Asuka Lionera wurde 1987 in einer thüringischen Kleinstadt geboren und begann als Jugendliche nicht nur Fan-Fiction zu ihren Lieblingsserien zu schreiben, sondern entwickelte auch kleine RPG-Spiele für den PC. Ihre Leidenschaft machte sie nach ein paar Umwegen zu ihrem Beruf und ist heute eine erfolgreiche Autorin, die mit ihrem Mann und ihren vierbeinigen Kindern in einem kleinen Dorf in Hessen wohnt, das mehr Kühe als Einwohner hat.

Prolog

Ezlain

»Was ist nun?«, frage ich mit verstellter Stimme.

Bei dem Lärm in der Schenke verstehe ich kaum mein eigenes Wort, doch ich wage nicht, lauter zu sprechen. Zu groß ist meine Angst, dass jemandem meine – für einen Mann – zu hohe Stimme auffallen könnte.

Ich gebe mir die größte Mühe, das ängstliche Zittern des Körpers hinter mir auszublenden. Stur recke ich das Kinn vor und verbiete mir, den Blick zu senken. Wenn ich jetzt einen Funken Schwäche zeige, werde ich nicht nur mein Schicksal besiegeln.

»Sind wir uns einig?«

Wie auch beim letzten Mal, als ich diese Frage gestellt habe, streicht sich mein Gegenüber über den ungepflegten Bart, wobei sein Blick zu dem ausgebreiteten, verblichenen Stück Papier zwischen uns huscht. Ich sehe deutlich das gierige Glimmen in seinen Augen – ein Ausdruck, den ich oft genug in meinem Leben gesehen habe, um zu wissen, dass ich so gut wie gewonnen habe. Ich werde das bekommen, was ich will. Ich muss es bekommen, sonst ist mein Leben verwirkt.

»Ich weiß nicht so recht«, brummt der abgerissene Seemann. »Du scheinst zupacken zu können.« Sein Blick gleitet über meine Schulter hinweg zu meiner besten Freundin.

»Aber der Junge, der sich so verbissen an dich klammert, kommt mir nicht so vor, als könne er etwas beisteuern.«

Ich bin immer noch überrascht darüber, dass unsere Verkleidung funktioniert. Dabei wäre ich jede Wette eingegangen, dass wir sofort durchschaut werden. Doch bisher hat uns niemand auch nur zweifelnde Blicke zugeworfen. Für die Männer, die sich in dieser heruntergekommenen Schenke befinden, sind meine beste Freundin Cressa und ich zwei junge Burschen, die Arbeit auf einem Schiff suchen.

»Das Risiko, zwei junge Männer, die ihren Kriegsdienst noch nicht abgeleistet haben, außer Landes zu bringen, ist ein schwerwiegendes Vergehen in diesem Teil der Welt«, wirft der Seemann ein.

Ein Muskel zuckt unter meinem rechten Auge. Wären die Gesetze unseres Landes Ilgaron nicht derart streng, wären wir vermutlich schon längst weg und müssten uns nicht weiter mit dem Kerl herumschlagen.

Ein fieses Grinsen zupft an seinen Mundwinkeln, als er Cressa von oben bis unten mustert. »Der Kleine würde es im Krieg vermutlich nur in einem Leichensack nach Hause schaffen. Wenn überhaupt.«

Seine Aussage veranlasst Cressa dazu, noch stärker zu zittern. So unauffällig wie möglich trete ich ihr auf den Fuß und verstärke den Druck, bis sie sich zusammenreißt.

Zähneknirschend greife ich in die Hosentasche und fische zwei glänzende Goldmünzen heraus, die ich auf das vergilbte Papier lege.

»Ich bin sicher, dass dich diese Münzen für das Risiko entschädigen«, sage ich. »Ebenso wie die Karte.«

Wieder glimmt unverhohlene Gier in seinem Blick auf, als ich die Karte erwähne. Bis vor ein paar Stunden wusste ich selbst nicht, dass es sich bei dem Stück Papier um eine Karte handelt. Die Schriftzeichen darauf ergaben für mich nie einen Sinn und sind durch den Zahn der Zeit stark verblichen, sodass ich sie nicht entziffern könnte, selbst wenn ich die Sprache beherrschen würde.

Doch mein Gegenüber ist sich sicher, dass es sich dabei nicht bloß um ein Kunstwerk, sondern um eine echte Schatzkarte handelt.

Mir ist es egal. Solange er mich und Cressa mit auf sein Schiff nimmt und außer Landes schafft, kann er die Karte und den angeblichen Schatz behalten. Uns geht es nur darum, zu verschwinden – sofort!

»Du bist ein harter Verhandlungspartner«, raunt der Seemann, während er weiterhin auf die Karte starrt.

Ich lehne mich ein Stück über dem klebrigen Tisch nach vorne und versperre ihm so die Sicht. »Also haben wir eine Abmachung?«

Uns bleibt keine Zeit mehr. Cressa und ich haben bereits den halben Tag damit verschwendet, auf einem der zahlreichen Schiffe anzuheuern, die im Hafen der Hauptstadt Ilgaron, die genauso heißt wie ihr Land, liegen. Ein paar der Kapitäne hätten mich vielleicht genommen, aber ein Blick auf Cressas zierliche Gestalt reichte aus, um sie allesamt die Köpfe schütteln zu lassen. Auch dieser Seemann hätte uns wahrscheinlich abblitzen lassen, wenn er nicht zufällig die Karte entdeckt hätte, die mir aus der Tasche fiel, als ich das spärliche Mittagessen bezahlen wollte. Glücklicherweise ist er nicht nur irgendein dahergelaufener Matrose, sondern der Erste Maat eines Schiffes namens Meereswind. Ich habe vergessen, wohin das Schiff segeln wird. Es kümmert mich auch nicht. Je eher ich dieses Land und die Schrecken der letzten Tage hinter mir lasse, desto besser.

Der Seemann steht auf und zupft sich das fleckige Hemd glatt. Dann streckt er mir die Hand entgegen. »Ich bin übrigens Feodor. Wir werden eine Menge Zeit haben, uns näher kennenzulernen. Und ihr zwei seid …?«

Ich ergreife seine Hand. »Ich bin Ez.« Mit einem Kopfnicken deute ich auf Cressa. »Und sein Name ist Cress.«

Feodor kratzt sich am Stoppelbart. »Seltsame Namen. Sind das Abkürzungen für irgendwas?«

Ich lasse seine Hand los. »Ja. Das sind Abkürzungen für ›Das-geht-dich-nichts-an‹. Ich habe dir unsere Namen genannt. Können wir dann los?«

»Ihr zwei habt es ja mächtig eilig.«

Ich zucke betont gelangweilt mit den Schultern. »Wie du schon sagtest: Wir müssten längst in der Armee und damit in einem der zahlreichen Kriege dienen. Ausgeschlossen, dass wir beide lebend zurückkommen würden. Ich kann Cress nicht seinem Schicksal überlassen. Deshalb müssen wir fliehen.«

Feodor zieht die Augenbrauen zusammen und macht einen Schritt zurück. »Habt ihr zwei etwa was miteinander? Ich meine, mir ist so was egal, aber auf einem Schiff voll anderer Männer … Das könnte zu einem Problem werden und …«

»Wir sind kein Paar«, knurre ich schnell. »Wir kennen uns, seit wir Kinder sind, und sind zusammen aufgewachsen. Er ist wie ein Bruder für mich.«

Feodor nickt. »Wie gesagt, das ist nicht mein Problem. Ich habe nur schon von einigen Fällen gehört, in denen … manche nicht teilen wollten. Die Seeluft kann einem Mann schnell zu Kopf steigen, vor allem, wenn er monatelang keine Frau zu sehen bekommt. Da sind die meisten nicht wählerisch und nehmen statt einer Muschi auch mal einen Hintern.«

Cressa scheint neben mir zu erstarren und auch ich brauche einen Moment, um die derbe Sprache des Seemannes zu verarbeiten. Mein Leben lang habe ich mich in gehobenen Kreisen bewegt und mir mühevoll die dort geläufige Konversation eingebläut.

Ich räuspere mich. »Was die anderen machen, ist mir egal. Aber weder Cress noch ich werden unseren Hintern für irgendwas hinhalten und ich hoffe, dass die anderen uns in Ruhe lassen. Wir wollen nur von hier weg.«

»Ihr werdet Aufgaben haben«, sagt Feodor und schiebt die Hände in die Hosentaschen. »Du kannst an Deck arbeiten und den Kleinen stecke ich am besten in die Kombüse. Vielleicht setzt er ein paar Muskeln an, wenn er jeden Tag große Töpfe und mehrere Zentner Kartoffeln herumschleppen muss. Aber ich warne euch: Wenn ihr eure Aufgaben nicht zur Zufriedenheit der Crew erfüllt, werdet ihr schneller über Bord geworfen, als euch lieb ist.«

»W…Was meinst du mit ›über Bord geworfen‹?«, fragt Cressa zögerlich. Es ist das erste Mal, dass sie den Mund aufmacht, seit ich mit Feodor verhandele.

»Genau das, was ich gesagt habe«, entgegnet er ungerührt. »Wer seinen Beitrag nicht leistet, hat auf der Meereswind nichts zu suchen.«

Cressa klammert sich an meine Hand und ich erwidere den Druck.

»Wir werden unsere Aufgaben zur Zufriedenheit aller erfüllen«, sage ich mit mehr Zuversicht, als ich tatsächlich empfinde. »Können wir jetzt aufbrechen?«

Feodor deutet eine spöttische Verbeugung an. »Es ist mir eine Freude, euch beide in der Crew der Meereswind begrüßen zu dürfen. Sobald wir abgelegt haben, werde ich dem Kapitän die Karte zum Schatz zeigen, damit wir direkt Kurs darauf nehmen können.«

»Von mir aus«, sage ich.

Mir ist alles recht, solange wir endlich aus dieser verdammten Stadt verschwinden. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir jemandem über den Weg laufen, der Cressa oder mich erkennt, oder bis unsere Flucht bemerkt wird. Wahrscheinlich sind uns bereits Wachen auf der Spur mit dem ausdrücklichen Befehl, uns zurück zum Anwesen zu bringen. Eher sterbe ich, als wieder einen Fuß in Tante Beatrices Haus zu setzen!

Feodor grinst. »Dann wäre ja alles geklärt. Wenn mir die Herren bitte folgen würden?«

Kapitel 1

Ezlain

Am Abend zuvor …

Ich wippe mit dem Fuß, während ich Cressas Bemühungen, mein zerzaustes Haar zu bändigen, mehr oder weniger geduldig über mich ergehen lasse. Zwischendurch stößt sie einen Fluch aus, über den ich beinahe grinsen muss, doch ich bleibe ernst und nicke hin und wieder, während sie mir eine Standpauke hält.

»Wie oft muss ich dir noch sagen, dass du dich mit deiner hellen Haut nicht in der Mittagssonne draußen herumtreiben sollst, Ezlain?«, schilt sie mich. »Dadurch treten deine Sommersprossen noch mehr hervor und ich weiß so schon kaum, wie ich sie überschminken soll.«

Ich würde ihr gern sagen, dass sie das nicht tun muss. Mich stören sie zwar auch – vor allem die auf dem Nasenrücken –, doch ich käme von selbst nie auf die Idee, sie zu kaschieren. Es ist meine Tante Beatrice, die der Ansicht ist, dass ich mit ihnen wie ein gewöhnliches Bauernmädchen aussehe.

Ein Umstand, der von ihr keineswegs geduldet wird.

In den letzten Jahren hat sie sämtliche Hebel in Bewegung gesetzt, um mich zu einer der begehrtesten jungen Frauen des Landes zu machen. Neben einer grundlegenden Schulbildung habe ich unzählige Stunden Unterricht in Tanz und Konversation bekommen, um mich auf mein Leben in den höchsten Kreisen Ilgarons vorzubereiten.

Ich hasste jede einzelne davon.

Der bloße Gedanke, dass ich mich heute Abend wieder zu einem Lächeln zwingen muss, während ich mit wildfremden Leuten reden und so tun soll, als bereite es mir Freude, lässt mich beinahe würgen.

Seit ich denken kann, wurde ich von meiner Tante aufgezogen. Nachdem meine Eltern verstorben waren. Ich kann mich nicht einmal mehr an ihre Gesichter erinnern, da ich viel zu klein war. Nicht einen Tag ließ Tante Beatrice bisher Zweifel daran, dass ich eine Belastung für sie bin, die sie von ihrer rebellischen und verhassten Schwester aufs Auge gedrückt bekommen hat. Doch da ihre eigene Ehe kinderlos geblieben ist, bin ich ihre einzige Chance, in der strengen ilgaronischen Hierarchie einige Sprossen nach oben zu klettern. Ihr Mann, Onkel Alexander, ist der Befehlshaber einer kleineren Kriegseinheit und fast das ganze Jahr über in fremden Ländern unterwegs. In dieser Zeit gibt Tante Beatrice einen rauschenden Empfang nach dem nächsten, auf denen ich herumgezeigt werde wie ein seltenes Tier im Käfig.

»Ich war vorsichtig«, sage ich, als Cressa aufhört zu schimpfen. »Ich habe einen Hut getragen. Siehst du?« Ich ziehe mir das Hemd von der Schulter und zeige ihr die vornehm weiße Haut. »Kein Sonnenbrand.«

Im Spiegel sehe ich, dass Cressa die Augen verdreht. »Wenn deine Tante dich dabei erwischt, wie du dich auf dem Feld mit den Sklaven herumtreibst …«

»Ich weiß«, unterbreche ich sie schnell. Allein die Vorstellung, welche Strafe mir dann blüht, bereitet mir eine Gänsehaut.

Ein kleines Lächeln huscht über ihren Mund, während sie mir weiter das rötlich schimmernde Haar bürstet. »Aber wenigstens konnte ich dank deines Ungehorsams Tiro wiedersehen.«

Ich schenke ihr im Spiegel ebenfalls ein Lächeln. Seit einiger Zeit weiß ich, dass sie etwas für den muskulösen, hochgewachsenen Tiro empfindet, der mir hin und wieder zeigt, wie ich mich mit einfachen Waffen verteidigen kann. Natürlich haben wir keine echten Waffen zur Verfügung, sondern nehmen für unsere Übungen alles, was wir finden können: Stöcke, Äste oder die Stiele der Harken und Rechen, mit denen die Sklaven die Feldarbeit verrichten. Es gibt keinen Grund für mich, derlei Dinge zu trainieren, aber die Bewegung tut mir gut. Alles ist besser, als den ganzen Tag im Anwesen zu hocken und Löcher in die Luft zu starren. Ich bin nicht sonderlich gut, trotzdem macht es mir Spaß. Und Spaß ist etwas, was ich viel zu wenig habe. Manchmal glaube ich, dass ich mich nur hinaus aufs Feld schleiche, um gegen die strikten Regeln meiner Tante zu rebellieren. Und um mir zu beweisen, dass ich innerlich noch nicht so abgestumpft bin, wie sie mich gern hätte.

Und wenn ich auf dem Feld bin, muss mir Cressa, als meine persönliche Sklavin, wohl oder übel folgen – und läuft zufällig Tiro über den Weg, den sie sonst gar nicht zu sehen bekäme.

Cressa beißt sich auf die volle Unterlippe, während eine zarte Röte ihre olivfarbenen Wangen noch dunkler werden lässt. »Als ich … zu euch kam, wart ihr …« Sie wirft mir einen unsicheren Blick zu.

Ich ziehe eine Augenbraue nach oben und bedeute ihr so, weiterzusprechen.

»Nun ja, er … Tiro war dir ziemlich nah.«

Beinahe hätte ich laut losgeprustet. Vom Standpunkt eines außenstehenden Betrachters muss es durchaus verdächtig ausgesehen haben, wie Tiro mich mit seinem massigen Körper gegen einen Baumstamm drückte, während ich verbissen versuchte, ihn mit dem Stock in meinen Händen auf Abstand zu bringen. Natürlich hatte ich keine Chance gegen ihn, weshalb ich einige der Tricks anwenden musste, die er mir beigebracht hat. Mit voller Kraft trat ich ihm also auf die Zehen, schubste ihn dann zurück und wollte ihm den Stock gegen die Nase rammen. Nur wenige Zentimeter vor meinem Ziel hielt ich inne, lange genug, um Überraschung in seinem Blick aufblitzen zu sehen. Ihn zu überrumpeln ist ein Kunststück, das mir noch nicht oft gelungen ist.

Cressa sind meine Fortschritte in Selbstverteidigung egal. In ihren Augen ist das sowieso nur Zeitverschwendung, schließlich werde ich als junge Frau aus gehobenem Hause niemals in eine Situation geraten, in der ich auf diese Art von Wissen zurückgreifen müsste. Was Cressa nicht egal ist, ist, dass Tiro mir nahe war. Sehr nahe. Ich konnte die Hitze seines Körpers durch die Kleidung spüren, roch die Mischung aus Schweiß und Erde, die ihm stets anhaftet, und fühlte seinen warmen Atem auf meinem Gesicht, als er mich immer weiter zurückdrängte.

Doch in mir regte sich nichts.

»Bist du etwa eifersüchtig?«, ziehe ich sie auf.

Cressa rümpft die Nase, wie sie es immer tut, wenn sie sich über mich ärgert – was ziemlich oft vorkommt.

»Um eifersüchtig zu werden, müsste ich erst verliebt sein. Hast du davon gehört?«

»Von Liebe? Klar«, erwidere ich. »In etwa so, wie ich von Drachen und Einhörnern und allerlei anderen Gestalten gehört habe, über die die Krieger berichten, wenn sie aus einem fernen Land heimkehren.«

Seufzend schüttelt Cressa den Kopf. »Darüber macht man keine Witze, Ezlain.«

Ich verziehe den Mund, verkneife mir aber den nächsten bissigen Kommentar. »Du weißt, dass ich nichts empfinden kann.«

Während die anderen jungen Frauen aus gutem Hause, mit denen ich mich hin und wieder treffen muss, bereits vor etwa fünf Jahren damit begonnen haben, für die jungen Männer, die Sklaven oder Kämpfer in der Armee sind, zu schwärmen, stand ich nur daneben und runzelte die Stirn. Auch ich bewunderte ihre Stärke und ihr Können, aber da war nie … mehr. Keine Spur des aufgeregten Flatterns im Bauch oder des wild klopfenden Herzens, wovon ich so oft in Büchern las oder die anderen Mädchen mir berichteten.

Bisher rede ich mich damit heraus, dass der Richtige noch nicht dabei war, aber angesichts der Masse an Männern, die mir meine Tante als potenzielle Heiratskandidaten vorsetzt, ist das schier unmöglich. Ich wurde bestimmt schon jedem freien Mann im heiratsfähigen Alter vorgestellt. Ich reagiere einfach nicht auf sie – auch nicht auf Frauen. Daran kann es also auch nicht liegen.

Mein Blick fällt auf ein kleines Kästchen, das rechts von mir auf dem Frisiertisch steht. Ich weiß: Darin liegt ein zerschlissenes Buch über die große Liebe, das einmal meiner Mutter gehörte und in dem sie einige Briefe und ein paar zarte, getrocknete Blumen aufbewahrte, die eine besondere Bedeutung für sie gehabt haben mussten. Außerdem liegen in dem Kästchen eine alte, angelaufene Münze und ein vergilbtes Stück Papier, das entfernt an eine Karte erinnert. Jedoch ist es mir nie gelungen, die Schrift darauf zu entziffern. Das Buch und die Münze sind alles, was ich noch von meiner Mutter habe, deshalb hüte ich beides wie einen Schatz, obwohl es von keinerlei Wert ist.

Als Jugendliche habe ich das Buch so oft gelesen, dass ich es fast auswendig konnte. Ich fieberte mit bei der Geschichte um das reiche Mädchen, das von zu Hause wegläuft, um mit ihrem Geliebten, einem berüchtigten Piratenkapitän, zusammen sein zu können. Doch in der Wirklichkeit suche ich vergebens nach diesen Gefühlen, die mein Herz schneller schlagen lassen würden.

Mit Zeige- und Mittelfinger fahre ich gedankenverloren über die wulstige Narbe, die knapp unter meinem Schlüsselbein verläuft.

»Ich habe ein Herz aus Stein«, erinnere ich Cressa. »Du brauchst dir keine Sorgen zu machen: Tiro ist vor mir genauso sicher wie jeder andere Mann in diesem Land.«

Ich kann mich nicht daran erinnern, wann und wie ich mir die Verletzung zugezogen habe, doch die Größe der Narbe lässt mich darauf schließen, dass es eine schlimme Wunde gewesen sein muss. Vor vielen Jahren habe ich einige Sklaven dabei belauscht, die meinten, eine Hexe hätte mir einst das Herz herausgeschnitten und es durch einen Stein ersetzt. Das sei der Grund, warum ich jeden jungen Mann abwies und – mit Ausnahme meiner besten Freundin Cressa – niemanden an mich heranließe.

Ich schnaube und schüttele auf Cressas fragenden Blick hin den Kopf. Dann habe ich eben ein Herz aus Stein und weiß nicht, was Liebe ist. Na und? Ich komme auch ohne diesen Kram klar!

»Ich wollte dir nicht vorwerfen, dass du und Tiro …« Schnell widmet sich Cressa wieder meinem Haar und steckt es kunstvoll auf. »Es ist nur … Manchmal frage ich mich, warum du dich so sehr gegen dieses Leben sträubst. Die Gesetze des Landes Ilgaron sind streng, das weißt du, Ezlain. Du wirst bis zu deinem 21. Geburtstag einen Mann wählen müssen. Dieses Land ist der bedeutendste Kriegsstaat der Welt! Es ist wohlhabend und seine Truppen sind siegreich. An der Seite des richtigen Mannes könntest du ein unbeschwertes Leben führen. Wenn es nicht die fehlende Zuneigung ist, gegen die du aufbegehrst, was ist es dann?«

Ich weiß, worauf sie hinauswill, denn ich habe mir dieselbe Frage bereits unzählige Male gestellt. Alles wäre einfacher, wenn ich mich fügen und einfach einen Mann auswählen würde. Ich könnte aus diesem Haus ausziehen und aus Tante Beatrices Einflussbereich verschwinden. Sie könnte nicht mehr jeden meiner Schritte missbilligend beobachten und mich dadurch ständig daran erinnern, dass ich nichts weiter als ein Ärgernis für sie bin.

Doch die Wahrheit ist, dass ich den Käfig, in dem ich lebe, nur gegen einen anderen eintauschen würde. Selbst wenn ich meinen zukünftigen Ehemann sehr gewissenhaft auswählen und darauf achten würde, dass er mir sämtliche Freiheiten, die ich auch jetzt genieße, zugesteht, heißt das nicht, dass ich keine Gefangene wäre.

»Ich wähle keinen von ihnen, weil ich es hasse, eingesperrt zu sein«, antworte ich auf Cressas Frage. »Es mag sein, dass einige der Anwärter tatsächlich an mir und nicht nur an der Verbindung zu dieser Familie interessiert sind, aber du weißt ebenso gut wie ich, worauf das Heiratsgesetz abzielt. Du hast es vorhin selbst gesagt: Das Land Ilgaron zählt zu den bedeutendsten Kriegsstaaten, die es gibt, und wir leben mittendrin, in der Hauptstadt. Nahezu jedes andere Land wendet sich an uns, um Söldner und Armeen für die unterschiedlichsten Aufgaben anzuheuern. Unsere Krieger sind berüchtigt, denn wir beherrschen nichts so gut wie das Kriegshandwerk.« Ich schaue Cressa fest in die Augen. »Und nun sag mir: Was braucht eine Armee, abgesehen von Waffen?«

Cressa weicht meinem Blick aus. »Männer«, murmelt sie. »Die Armee benötigt ständig neue Rekruten, um die Ausgesandten oder Gefallenen zu ersetzen.«

»Und wie bekommen sie neue Rekruten?«, will ich wissen.

»Indem jede Familie mindestens einen Sohn der Armee überantwortet«, antwortet Cressa leise.

Ich nicke knapp. »Die Regierung ist der Ansicht, dass eine möglichst frühe Ehe viele Nachkommen garantiert, und erließ deshalb schon vor Urzeiten das Heiratsgesetz. Ich hatte eine Zeit lang die Hoffnung, dass mich meine Ansichten über Politik und mein Unvermögen, den Mund zu halten, uninteressant für die Männer machen würden, doch leider scheint das Gegenteil der Fall zu sein.« Ich reibe mir über die Stirn.

Cressa zuckt mit den Schultern. »Du bist anders als die langweiligen und sittsamen Gören, die in diesem Land leben. Ob du es glaubst oder nicht, aber durch deine Art hast du die Herzen der hiesigen Männer im Sturm erobert.«

Ich gebe ein Schnauben von mir. »Der schnellste Weg zum Herzen eines Mannes führt immer noch seitlich zwischen seiner vierten und fünften Rippe hindurch.«

Das hat mir Tiro beigebracht, als wir eines Mittags mit kurzen Stöcken trainierten und so taten, als seien es Dolche. Nicht, dass ich je eine echte Waffe in der Hand gehalten hätte.

Cressa verdreht die Augen und schüttelt dann den Kopf. »Spotte nur, so viel du willst. Fakt ist, dass du Glück hast. Anders als die meisten jungen Frauen aus der Stadt hast du die Wahl zwischen mehreren Männern. Du musst nicht den Erstbesten nehmen, den deine Tante dir vorsetzt.«

Ehe ich es verhindern kann, huscht mein Blick wehmütig zu dem ledernen Halsband, das Cressa trägt und an dem zwei Marken hängen – eine aus Gold, auf der mein Name als ihre Herrin eingeprägt ist, die andere aus billigem Blech, auf der ihr eigener Name steht. Als Sklavin ist Cressa nicht den strengen Heiratsgesetzen Ilgarons unterworfen. Wenn sie sich zu Tiro hingezogen fühlt, kann sie zu ihm gehen, wann immer sie will. Es kommt mir vor, als wäre sie als Sklavin freier als ich. Jeder meiner Schritte wird von goldenen Gitterstäben begrenzt.

Willenlos lasse ich mich von Cressa in ein fließendes, dunkelblaues Kleid stecken, dessen Saum bis zum Boden reicht. Wie eine zweite Haut umspielt der seidene Stoff meinen Körper und schmiegt sich kühl an meine warme Haut. Das Gewand ist hoch geschlossen und reich mit filigranen, goldenen Stickereien verziert. An die unbedeckten Arme legt Cressa mir goldene Reife an, sodass es klimpert, wenn ich die Hand bewege.

Mein hüftlanges, leicht gelocktes Haar, das in Rot- und Kupferschattierungen schimmert und das ich meist zu einem geflochtenen Zopf trage, hat Cressa fertig aufgesteckt, sodass wie zufällig einige Strähnen herausfallen, die mein Gesicht und meinen Nacken umspielen.

Als sie auch jede Sommersprosse mit Schminke überdeckt hat, kann ich mich nicht länger davor drücken, in einigem Abstand begleitet von Cressa in die große Halle im Erdgeschoss zu gehen, wo es bereits vor Gästen wimmelt. Nur kurz lasse ich den Blick über die Anwesenden schweifen, während ich mich am Eingang zum Saal herumdrücke, als könnte ich so das Unvermeidliche bis in alle Ewigkeit hinauszögern. Doch das ist Wunschdenken … Also bringe ich es lieber hinter mich.

Noch ehe ich die Halle betreten kann, höre ich eine laute, männliche Stimme und das halb unterdrückte Schluchzen einer Frau. Sofort schlage ich die Richtung ein, aus der die Geräusche kommen, und erblicke einen männlichen Gast, der eine Sklavin verprügelt. Den Grund für die Strafe kenne ich nicht und er interessiert mich auch nicht im Geringsten. So schnell ich kann, haste ich zu ihnen. Als der Mann erneut mit der Gerte ausholt, um sie auf die wimmernde Sklavin niedergehen zu lassen, umklammere ich sein Handgelenk und stoppe ihn mitten in der Bewegung. Er wirbelt zu mir herum, öffnet den Mund – zweifellos, um mich anzuschreien –, schließt ihn jedoch sogleich wieder, als er mich erkennt.

»Das genügt«, sage ich kühl.

Nur kurz huscht mein Blick zur Sklavin, die langsam die Arme sinken lässt, auf denen ich rote Striemen und aufgeplatzte Haut erkenne. Die Augen hat sie trotz der Tränen, die darin schwimmen, weit aufgerissen und starrt mich an, als sähe sie einen Geist.

Ich widme mich wieder dem Gast und verstärke den Klammergriff um sein Handgelenk. Ein Muskel zuckt unter seinem Auge – eine stumme Warnung und ein Zeichen unterdrückter Wut, doch ich weiche keinen Schritt zurück.

»Was auch immer der Grund für die Strafe ist«, sage ich, »sie hat es verstanden, Ihr habt Euren Standpunkt klargemacht. Es gibt keine Veranlassung, sie weiter zu züchtigen.«

»Sie hat ein Glas Wein verschüttet!«, begehrt der Gast auf.

Erst jetzt bemerke ich den Rotweinfleck auf seiner ansonsten blütenweißen Tunika.

»Ich bin mir sicher, dass meine Tante Euch etwas zum Wechseln geben kann«, entgegne ich. »Ich werde sogleich einen Sklaven zu Euch schicken, der Euch eine passende Tunika heraussucht. Wartet so lange am Eingang zur großen Halle.«

Erneut will er widersprechen, doch ich bohre meine Finger fester in die kleine Vertiefung seines Handgelenks. Mit einem unwirschen Grunzen steckt er die Gerte zurück in den Gürtel, befreit mit einem Ruck seinen Arm und stolziert davon, ohne die Sklavin noch eines Blickes zu würdigen.

Männer wie er widern mich an. Am liebsten hätte ich ihm die Gerte entrissen und ihn damit verprügelt. Mein Leben lang schon habe ich Sklaven um mich. Wir brauchen sie, um die Aufgaben zu erledigen, die nichts mit dem Kriegshandwerk zu tun haben. Aber das bedeutet nicht, dass wir als ihre Herren mit ihnen tun und lassen können, was wir wollen. Sie sind Menschen und haben Gefühle, wie jedes andere Lebewesen auch. Ich versuche stets, ihnen mit Respekt und Wohlwollen zu begegnen und die Sklaven unseres Haushalts erwidern diese Geste.

»Cressa«, sage ich. Bis eben hat sie sich im Hintergrund gehalten, doch nun ist sie sofort zur Stelle. »Bring die Sklavin in die Küche. Agnes soll sich die Wunden ansehen und ihr etwas zu essen geben.«

Bevor Cressa die fremde, am ganzen Leib zitternde Sklavin davonführt, rutscht diese auf Knien näher, greift mit beiden Händen nach meiner Hand und lehnt ihre Stirn dagegen.

»Habt Dank, Herrin«, haucht sie. »Ich werde Eure Güte nicht vergessen.«

Nach kurzem Zögern lege ich ihr die freie Hand auf den Kopf. »Es gibt nichts, wofür du dich bedanken müsstest. Dein Herr hat überreagiert. Am besten ist es, wenn du dich den restlichen Abend in der Küche aufhältst und ihm erst morgen wieder unter die Augen trittst, wenn er den Vorfall dank reichlich Wein vergessen hat.«

Sanft entwindet Cressa die Hände der Sklavin von meiner, legt ihr einen Arm um die Schulter und murmelt ihr beruhigend zu, während sie sie in die Küche hinabführt.

Ohne Cressa, die sich stets einen Schritt hinter mir hält, spüre ich einen Anflug von Nervosität, die mir für einen Augenblick die Kehle zuschnürt. Am liebsten würde ich auf der Stelle umdrehen und hinauf in mein Zimmer flüchten, bis mir wieder einfällt, was mich erwartet, wenn ich mich nicht füge – eine dunkle Kammer im Keller, bevölkert von Spinnen und allerlei anderem Getier, die in der Finsternis über meinen Körper huschen, während ich mit beiden Händen gegen die verschlossene Tür hämmere …

Schnell schüttele ich den Kopf, um die aufkeimende Angst und Erinnerung zu vertreiben, und straffe den Rücken.

Auch diesen Abend werde ich irgendwie überstehen, so wie schon unzählige davor.

***

Als ich einen Fuß in die Halle setze, verstummen die Gespräche derer, die sich in der Nähe der geöffneten Tür aufhalten und mich kommen sehen. Automatisch halte ich die Luft an, ziehe den Bauch ein und hebe das Kinn. Tante Beatrice hat viele Jahre und unzählige Trainingsstunden darauf verwendet, mir das würdevolle – und in ihren Augen einzig richtige – Gehen beizubringen. Ich nicke den Anwesenden zu, die mich ebenfalls grüßen, und durchschreite die Halle auf der Suche nach meiner Tante.

Auf Empfängen wie diesem werden wichtige Vereinbarungen getroffen, Allianzen geschmiedet und Ehen arrangiert. Spaß steht dabei nicht im Vordergrund, zumal Ilgaroner nicht dazu neigen, sich besonders viel daraus zu machen. Die Soldaten feiern einen Sieg zwar ausgelassen mit erbeuteten Sklavinnen und viel Alkohol, aber Musik und Tanz kommen in ihrer Definition von Spaß nicht vor.

Als Tante Beatrice mich entdeckt, winkt sie mich zu sich. Ich neige den Kopf vor dem Mann, der bei ihr steht, obwohl ich ihn nicht persönlich kenne. Doch die zahlreichen Abzeichen an seiner Tunika verraten mir, dass er einen hohen Posten im Militär innehaben muss. Seine Haut ist wettergegerbt und um Augen und Mund haben sich einige Falten gebildet, die ihm trotz seiner hoheitsvollen Miene etwas Verkniffenes verleihen. Ich begegne seinem taxierenden Blick möglichst emotionslos und versuche, mein Gegenüber einzuschätzen. Selbst beim Alter scheitere ich. Er könnte so alt sein wie ich, aber auch zehn Jahre älter, worauf die Ordern schließen lassen. Ein Jungspund hätte sich noch nicht in zahlreichen Schlachten einen Namen gemacht. Sein eiskalter, durchdringender Blick jagt mir einen Schauer nach dem anderen über den Rücken und ich möchte mich lieber schnell anderen Gästen widmen.

Wer immer er ist – er macht mir Angst und ich will nichts mit ihm zu tun haben. Dennoch scheinen meine Füße mit dem Boden verwachsen zu sein.

»Kommandant Marik, Ihr kennt meine Nichte Ezlain, nehme ich an?«, fragt Tante Beatrice mit einer solch falschen, aber süßlichen Stimme, dass sich mir zusätzlich die Härchen im Nacken aufstellen. Sofort weiß ich, um welche Art der Vorstellung es sich handelt und kann mir erst in letzter Sekunde ein Augenrollen verkneifen. Diesen Tonfall schlägt sie immer an, wenn sie mich an den Mann bringen will.

Der Kommandant lässt den Blick auf eine Artan mir entlangwandern, die mir ganz und gar nicht gefällt. Er sieht mich an, als mustere er eine nicht perfekte Waffe, deren Preis er drücken will. Genau der gleiche Blick, den ich von Tante Beatrice jeden Tag ertragen muss. Mehr als diesen Blick brauche ich nicht, um mich klein und unbedeutend und minderwertig zu fühlen. Meine Lippen zucken bereits, weil ich ihn anknurren will, er solle mich nicht derart anstarren, doch ich stelle weiter das unverbindliche Lächeln zur Schau, das ich mir mühevoll antrainiert habe.

»Ich habe bereits von ihr gehört«, sagt Kommandant Marik nickend, als sei ich gar nicht anwesend, »und dank Eurer Einladungen durfte ich ihr schon das ein oder andere Mal begegnen. Doch erst heute Abend werden wir uns offiziell vorgestellt.«

Die Art, wie er mich ansieht und gleichzeitig dabei redet, als sei ich nichts weiter als ein unbedeutender Gegenstand, der nur kurz seine Aufmerksamkeit erregt, lässt das falsche Lächeln auf meinen Lippen mehr und mehr ins Wanken geraten. Ich wurde schon sehr vielen Männern vorgestellt, aber keinem von ihnen brachte ich nach so kurzer Zeit bereits derart viel Abscheu entgegen wie diesem Kommandanten. Dabei weiß ich nichts weiter von ihm als seinen Namen. Doch mehr muss – und will! – ich auch nicht wissen.

»Wie gehen die Arbeiten an Eurer neuesten Errungenschaft voran?«, fragt Tante Beatrice interessiert. »Wie nanntet Ihr es noch?«

»Ein Luftschiff, Lady«, antwortet der Kommandant, während sein Blick unverwandt auf mir ruht.

»Damit gedenkt Ihr, durch die Lüfte zu fliegen, nicht wahr?« Tante Beatrice klatscht in die Hände. Ich zucke bei dem unerwarteten Geräusch zusammen. »Wie aufregend! Wann wird es fertig sein?«

»Schon sehr bald.« Für einen kurzen Moment schaut Kommandant Marik zu meiner Tante. »Wenn Ihr erlaubt, werde ich noch ein paar andere Gäste begrüßen.«

Unaufgefordert greift er nach meiner Hand. Seine Finger sind eiskalt, als sei jedwedes Leben aus ihnen geflohen, was ich ihm nicht verdenken kann, und die Berührung schickt einen Schauer meinen Arm hinauf, der sich in rasender Geschwindigkeit in meinem ganzen Körper ausbreitet. Ich muss stark an mich halten, ihm nicht sofort die Hand zu entziehen, als er sie an seinen Mund führt und einen Kuss auf den Handrücken haucht.

»Ich freue mich darauf, den heutigen Abend mit Euch zu verbringen, Lady Ezlain.«

Ich spüre, wie mir das Lächeln beinahe aus dem Gesicht fällt, doch irgendwie gelingt es mir, dem Kommandanten höflich zuzunicken. Daraufhin lässt er endlich von mir ab, als habe ich seine kostbare Zeit nun lange genug in Anspruch genommen, und ich wische schnell die Hand unauffällig am Kleid ab.

Tante Beatrice packt mich grob am Arm und zieht mich ein Stück zur Seite. »Hättest du nicht freundlicher zu ihm sein können? Kommandant Marik denkt bestimmt, dass du stumm und zurückgeblieben obendrein bist.«

Ich verziehe den Mund. »Es kümmert mich nicht, was er über mich denkt. Wer ist er überhaupt?«

»Er ist der Sohn des jetzigen Oberkommandanten und wird in absehbarer Zeit alle Streitkräfte Ilgarons unter sich haben«, antwortet sie. »Er wird der mächtigste Mann des Landes sein. Er ist ein Schützling meines Mannes, deshalb habe ich die Ehre, ihn zu meinen Gästen zählen zu dürfen.« Sie umfasst mein Kinn. Ihre zu langen Fingernägel bohren sich dabei in meine Wangen. »Und ich erwarte, dass du dich heute Abend nicht gebärdest wie eine widerspenstige Wilde.«

»Das tue ich nie!«, entgegne ich. »Ich kann nichts dafür, dass ich nicht so bin wie …«

»Ich will deine Ausreden nicht hören, Ezlain!«, unterbricht mich Tante Beatrice barsch. »Jetzt geh und begrüße die restlichen Anwesenden! Denk daran, zu lächeln und vor allem mit den jungen Männern ein wenig mehr zu reden. Aber unterlass es auf jeden Fall, wieder über Politik oder die Rechte von Sklaven zu philosophieren.«

Nun gelingt es mir beim besten Willen nicht mehr, das erlernte Lächeln aufrechtzuerhalten. Wortlos wende ich mich schnell von Tante Beatrice ab, bahne mir einen Weg durch die Gäste hindurch und begrüße wie geheißen die, an deren Namen ich mich vage erinnern kann. Ich zwinge mich dazu, mit ihnen über Belanglosigkeiten zu reden, die mich nicht im Entferntesten interessieren.

So gehe ich von einem zum anderen – wie ein Tier, das seine immer gleichen Runden in einem tristen und viel zu kleinen Käfig dreht, um nicht vor Langeweile zu sterben.

Ich will nicht hier sein, doch es gibt keinen Ausweg für mich. Ich muss das antrainierte Lächeln zur Schau stellen und so tun, als freute ich mich, mit wildfremden Menschen unbedeutende Konversation zu betreiben, während vor allem die jungen, unverheirateten Männer mich ganz genau mustern und überlegen, welchen Preis sie für mich bezahlen würden. Die Mütter an ihrer Seite begutachten meine Hüften und das Becken und beurteilen wahrscheinlich gerade, wie viele Kinder ich in kürzester Zeit gebären kann. Die Väter wiederum kalkulieren, welche Vorteile es ihnen verschafft, ihren Sohn in diese Familie einheiraten zu lassen.

Keiner der Gäste hier im Saal sieht mich. Sie alle sind blind für die Person, die sich hinter dem gespielten Lächeln verbirgt.

Kapitel 2

Ezlain

Nach gefühlten Stunden, die wahrscheinlich nur wenige Minuten waren, gelingt es mir, mich zu einem der Tische mit Getränken zu schmuggeln. Endlich kann ich durchatmen und muss mich für einen Moment nicht verstellen. Die Mundwinkel sacken herunter und ich stütze mich an der Tischkante ab, um tief die stickige Luft einzusaugen.

Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft ich heute Abend die gleichen Fragen beantworten musste – eine intimer als die andere. Ob ich mit dem Führen eines großen Haushalts vertraut sei. Ob ich noch Jungfrau sei. Ob meine Blutung regelmäßig sei.

Bei jeder Frage musste ich mich sehr darauf konzentrieren, weiterhin unverbindlich zu lächeln und möglichst präzise zu antworten, während ich eigentlich nichts lieber getan hätte, als die Gäste anzuschreien, dass sie das verdammt noch mal nichts anginge. Aber ich spielte die Rolle des sittsamen, wohlerzogenen Mädchens aus gutem Hause, das auf der Suche nach einem geeigneten Ehemann ist, und biss die Zähne zusammen – so wie auf jedem Empfang. Ich kann gar nicht mehr zählen, an wie vielen ich bereits teilgenommen habe. Auf jeden Fall, seitdem ich sechzehn Jahre alt bin, also mittlerweile seit mehr als vier Jahren, und immer dann, wenn Onkel Alexander nicht zu Hause ist. Ihm sind die ausschweifenden und kostspieligen Feste seiner Frau ein Dorn im Auge. Da er aber die meiste Zeit über auf See ist, besitzt Tante Beatrice eine Vollmacht in seinem Namen – und darf damit schalten und walten, wie sie will.

Ich greife nach einem Glas Punsch und stürze es hinunter. Hoffentlich ist genügend Alkohol darin, damit ich den Abend überstehe … Normalerweise trinke ich nicht, weil ich den bitteren Geschmack von Alkohol nicht mag, aber heute Abend ist mir alles recht, um ein wenig Erleichterung zu verspüren.

»Ihr scheint sehr gefragt zu sein, Lady Ezlain«, höre ich Kommandant Mariks Stimme hinter mir.

Verdammt! Ich reiße die Augen auf und wirbele zu ihm herum. Wie konnte er sich so leise an mich heranschleichen? Und warum ausgerechnet er? Als er einen Schritt auf mich zumacht, weiche ich unwillkürlich einen zurück und stoße dabei gegen den Tisch. Die Gläser klirren und prompt drehen sich einige andere Gäste zu uns um.

»Ihr müsst Euch vor mir nicht fürchten.« Die Überheblichkeit in seiner Stimme bringt mich wieder ins Hier und Jetzt zurück.

»Ich habe keine Angst«, entgegne ich sofort und mit mehr Überzeugung, als ich eigentlich verspüre. »Wenn Ihr mich entschuldigen würdet …«

Würdevoll, ohne dass es nach Flucht aussieht, versuche ich, mich an ihm vorbeizudrängen, doch es gelingt mir nicht. Stattdessen macht er einen weiteren Schritt auf mich zu und dringt in meinen persönlichen Raum ein, nimmt ihn mit seiner schieren Existenz in Beschlag – mit einer Selbstverständlichkeit, als würde ich ihm gehören. Seine Nähe lässt mir das Blut in den Adern gefrieren.

Er beugt sich so weit zu mir vor, dass ich ihm mit dem Tisch im Rücken nicht mehr ausweichen kann. Hektisch huscht mein Blick hin und her, während ich mir innerlich einschärfe, dass ich mich auf der Stelle beruhigen muss. Es gibt nichts, wovor ich Angst haben müsste. Was kann er mir hier, inmitten unzähliger anderer Gäste, schon tun? Dennoch krallen sich meine Finger an den Marmortisch, als fände ich so den dringend benötigten Halt, um Kommandant Marik weiterhin die Stirn zu bieten.

Beiläufig, als hätte er jedwedes Recht dazu, packt er mich am Arm. Das Gefühl seiner Haut auf meiner ist so widerlich, dass sich mir der Hals zuschnürt.

»Ich habe etwas mit Euch zu besprechen, Lady. Lasst uns doch irgendwohin gehen, wo es ruhiger ist.«

Alles in mir schreit danach, ihm rundheraus zu sagen, dass er mich loslassen und verschwinden solle, doch ehe ich den Mund öffnen kann, fällt mein Blick über seine Schulter hinweg auf Tante Beatrice. Sie beobachtet uns vom anderen Ende des Saals aus und trotz der Entfernung nehme ich in ihrer Miene deutlich die stumme Warnung wahr, dass ich mich zu fügen habe, wenn ich Konsequenzen vermeiden will.

Tante Beatrice hat schon früh herausgefunden, wie sie das wilde, ungezähmte Kind ihrer verstorbenen Schwester, das sie dummerweise aufs Auge gedrückt bekommen hat, bändigen konnte. Für mich gab es nichts Schlimmeres, als eingesperrt zu sein. Haus- oder gar Stubenarrest brachen meinen Willen innerhalb weniger Stunden. Wenn ich etwas – in ihren Augen besonders Perfides – ausgefressen hatte, sperrte sie mich in den Keller, in dem es kein Fenster und kein Licht, dafür aber eine Menge Spinnen gab, die mich in meinen Albträumen heimsuchten. Oft spürte ich noch Stunden später die winzigen Beinchen, die über mich huschten, bis ich mir am liebsten die Haut vom Leib gekratzt hätte.

Allein die Vorstellung, wieder in den dunklen Keller gesperrt zu werden, lässt meinen Stolz jetzt in sich zusammenfallen.

Ich schlucke den aufkeimenden Widerstand hinunter und straffe den Rücken. »Ein wenig meiner Zeit kann ich für Euch erübrigen, Kommandant Marik. Aber dann muss ich zurück zu den anderen Gästen.«

Sein rechter Mundwinkel zuckt belustigt – eine Geste, die für ihn wohl einem Lächeln gleichkommt –, ehe er mich galant hinaus aus dem Saal und zu einem der abgetrennten Nebenräume führt, die vom Saal aus nicht einsehbar sind und für genügend Privatsphäre bei vertraulichen Unterhaltungen dienen sollen. Als ich sehe, wohin er mich führen will, möchte ich am liebsten beide Füße in den Boden rammen und keinen Schritt mehr tun. Hier, abseits der anderen Gäste … Ich will nicht mit ihm allein sein.

Letztlich setze ich nur einen Fuß vor den anderen, weil ich weiterhin Tante Beatrices Blick im Nacken spüre, zusammen mit ihrer stummen Warnung: Wenn du den Kommandanten verärgerst, wirst du die Konsequenzen zu spüren bekommen. Wenn sie etwas hasst, dann empörte Gäste. Und leider ist Kommandant Marik nicht bloß ein neureicher Landadliger.

Ich gebe mir Mühe, mir nichts anmerken zu lassen, dennoch geht meine Atmung abgehackt und viel zu schnell, als ich mich zusammen mit dem Kommandanten an den kleinen, runden Tisch im Raum setze. Ich wähle den Stuhl, der der Tür am nächstem ist. Seine bloße Nähe verursacht mir ein solches Unbehagen, dass ich die Beine in die Hand nehmen und mich in meinem Zimmer verkriechen möchte. Ich gehe jede Wette ein, dass der Kommandant auch bei seinen Truppen gefürchtet ist … Allein die eiskalte Ausstrahlung, die ihn umgibt, und die präzise und prägnante Art, wie er sich bewegt – nie zu viel, nie ausschweifend – verraten mir, dass er ein durch und durch erbarmungsloser Krieger sein muss, der keine Schwäche duldet; weder bei sich noch bei seinen Untergebenen.

Krampfhaft setze ich ein halbwegs interessiertes Lächeln auf, während ich den Mann mir gegenüber ansehe. Nichts, was ich sehe, weckt auch nur im Geringsten mein Interesse. Weder sein Aussehen noch seine Bewegungen noch die unzähligen Auszeichnungen, die an seiner Uniform funkeln.

Der rationale Teil in mir, der hin und wieder die Oberhand gewinnt, flüstert mir zu, dass er eine gute Partie wäre. Er ist nicht nur einflussreich, sondern mit Sicherheit auch sehr vermögend. Wenn ich ihn heiratete, würde es mir an nichts mangeln.

Der dunkle Teil in mir wirft außerdem ein, dass er ein Soldat ist. Und Soldaten kehren des Öfteren nicht aus Kriegen zurück. Allerdings sieht der Kommandant nicht so aus, als ließe er sich leicht töten …

»Ihr seid vorhin mit einem meiner Offiziere aneinandergeraten, habe ich gehört«, sagt er nach einer Weile und lässt mich dabei nicht aus den Augen.

Ich runzele die Stirn, weil ich im ersten Moment nicht weiß, worauf er anspielt. Dann kommt mir der Vorfall draußen auf dem Korridor wieder in den Sinn. Sofort bildet sich ein eisiger Knoten in meinem Bauch. Dennoch sage ich so beiläufig wie möglich: »Ich würde es nicht als ›aneinandergeraten‹ bezeichnen.«

Kommandant Marik beugt sich ein Stück über den Tisch zu mir vor. Ich halte den Atem an und verbiete mir, erneut vor ihm zurückzuweichen, obwohl mich ein Zittern erfasst. Ihn noch näher zu wissen, lässt meinen Fluchtinstinkt ohrenbetäubend laut um Beachtung schreien. Doch wenn ich jetzt fliehe … Abgesehen davon, dass ich mich selbst nicht mehr im Spiegel ansehen könnte, fürchte ich Tante Beatrices Reaktion.

»Als was würdet Ihr es denn bezeichnen?«, fragt er. Als ich den Mund öffne, hebt er die Hand und schneidet mir das Wort ab. »Ihr seid nicht wie andere Frauen. Ihr seid kühl, lasst Euch nicht von einem vorgetäuschten Lächeln blenden – und das schätze ich sehr. Man könnte fast denken, dass Ihr emotionslos seid, vor allem in Bezug auf Männer Eures Alters. Zumindest ist mir nie eine Schwärmerei Eurerseits zugetragen worden, während sich über manch andere junge Frauen schier das Maul zerrissen wird.«

Er verzieht den Mund zu einem Lächeln, das mir fast das Blut in den Adern gefrieren lässt. Wenn ich schon meinte, dass mein antrainiertes Lächeln unecht und aufgesetzt wirkt, so kannte ich Mariks noch nicht. Genau wie mir, dient es ihm als Maske. Wo es bei mir aber Widerwillen kaschiert, verschleiert es bei ihm eine dunkle Bosheit, die für einen Moment in seinen Augen aufglimmt und über die ich nichts Näheres erfahren will. Ich kann mir lebhaft vorstellen, dass allein dieses herablassende und eiskalte Grinsen ausreicht, um so manchen Gegner kapitulieren zu lassen.

»Ich selbst kann mit Gefühlsduselei nichts anfangen. Einer der Hauptgründe, warum ich noch immer ledig bin.«

Ich hoffe, mich verhört zu haben und blinzele ein paar Mal hintereinander. Als es mir auffällt, senke ich schnell den Kopf, um meine Unsicherheit zu überspielen. Jede Schwäche, die ich ihm gegenüber zeige, wird er gnadenlos ausnutzen – so schätze ich ihn zumindest ein.

Als er die Sprache auf den Untergebenen brachte, der seine Sklavin auf dem Korridor verprügelt hatte, dachte ich, er wolle mir für mein Eingreifen Konsequenzen androhen. Aber … mit dem Verlauf, den die Unterhaltung auf einmal nimmt, bin ich völlig überfordert. Noch nie war ich allein, wenn ein Mann mir den Hof machte. Stets waren entweder Cressa oder eine andere Sklavin oder gar meine Tante zugegen. Doch nun sitze ich mit dem wohl einschüchterndsten Mann, der mir je begegnet ist, abgeschottet in einem Nebenraum und habe keine Ahnung, wie ich mich verhalten soll.

Unvermittelt greift Marik über den Tisch, legt mir zwei Finger unters Kinn und drückt meinen Kopf grob nach oben, sodass ich ihn wieder ansehen muss. Selbst seine Fingerspitzen sind so eisig, dass ich eine Gänsehaut bekomme.

»Aber in Euch, Lady Ezlain, könnte ich eine Vertraute und vielleicht sogar mehr als das gefunden haben. Wäre da nicht Eure zu große Sympathie für Schwächere, wie Ihr vorhin eindrucksvoll unter Beweis gestellt habt. Das müsst Ihr dringend ablegen!«

Mein Mund steht einen Moment offen. Als ich es bemerke, schließe ich ihn schnell wieder. »Wie meinen?«

Er lässt endlich die Hand sinken. Trotzdem spüre ich noch die Kälte auf der Haut, da, wo er mich berührt hat, die sich jetzt in mir ausbreitet.

»Ihr habt einer unwichtigen Sklavin geholfen und Euch gegen einen freien Bürger Ilgarons gestellt. Ein solches Verhalten kann und werde ich nicht dulden.«

»Er hat sie wegen einer Lapalie blutig geschlagen«, halte ich dagegen. »Wäre ich nicht dazwischengegangen, wäre sie …«

»Das ist nicht Euer Problem«, widerspricht Marik und unterbricht mich erneut. »Wenn er der Meinung ist, dass sie, als sein Eigentum, für ihren Fehltritt gezüchtigt werden muss, dann kann er mit ihr verfahren, wie er will. Ihr kennt die Gesetze genauso gut wie ich.«

Ich schüttele den Kopf. »Gesetz hin oder her. Ich kann nicht danebenstehen und nichts tun, wenn sich ein Stärkerer aus Spaß an Schwächeren vergreift. Ich suche mir im Train…« Schnell beiße ich mir auf die Zunge und räuspere mich. »Wenn ich einen Kampf bestreiten müsste, würde ich mir nicht den wehrlosesten Gegner aussuchen, nur damit ich leichtes Spiel habe. Ein solcher Sieg würde bitter schmecken und rein gar nichts bedeuten.«

»Vielleicht solltet Ihr das aber tun«, sagt der Kommandant leichthin. »Schließlich ist ein Sieg ein Sieg. Eure Aufmüpfigkeit und der ständige Drang, Ranghöheren zu widersprechen, ist übrigens der nächste Punkt auf der Liste.«

Liste?, schießt es mir durch den Kopf. Die lähmende Kälte in mir wird augenblicklich von einem dumpfen Zorn abgelöst, der mich sprechen lässt, bevor ich nachdenken kann.

»Ich bezweifele, dass ich den Inhalt Eurer Liste näher vertiefen will«, knurre ich, erhebe mich und wende mich zum Gehen.

Noch ehe ich einen Schritt von ihm wegmachen kann, greift Marik nach meinem Arm und hält mich zurück. Seine Hand umklammert mich wie ein Schraubstock. Und wieder ist da dieser eisige Knoten der Angst, der in meinem Inneren rumort.

»Das solltet Ihr aber, Lady Ezlain. Schließlich betrifft jeder einzelne Punkt auf der Liste nur Euch. Und wir werden sie in voller Länge durchgehen, bevor ich bei Eurer Tante um Eure Hand anhalte.«

Mit einem Ruck zieht er mich näher zu sich. Ich stolpere, verliere beinahe das Gleichgewicht, kann mich aber mit der freien Hand am Tisch abfangen. Allein beim Gedanken, ich wäre gegen ihn gefallen, schüttelt es mich.

»An meiner Seite werdet Ihr zu einer der mächtigsten Frauen des Reiches. Nur die Ehefrauen der Senatsmitglieder stünden im Rang über Euch. Aber wir wissen beide, dass die Streitmacht das Land regiert und nicht irgendwelche Politiker. Und der Befehlshaber der Streitmacht bin ich. Oder werde es in Kürze sein, sobald mein Vater abdankt.«

Noch immer bohrt er die Finger so in meinen Arm, dass es wehtut und ich das Gesicht vor Schmerz verziehe. Doch entweder bemerkt er es nicht oder es ist ihm egal. Langsam steht er auf, überragt mich fast um eine Kopfeslänge und steht mir schon wieder so nah, dass ich nichts lieber täte, als mich in Sicherheit zu bringen.

Ich beiße die Zähne zusammen, schärfe mir ein, dass ich niemals davonlaufen werde, aber dieser Kerl lässt meine Alarmglocken dermaßen laut schrillen, dass mein Körper beinahe ein Eigenleben entwickelt. Ich schnappe viel zu schnell nach Luft, während mir das Herz fast aus der Brust zu springen scheint. Blickkontakt halten!, sage ich mir immer wieder. Zeig ihm nicht, dass du Angst hast. Dann wird es nur noch schlimmer!

In aller Seelenruhe beugt Marik sich vor und fährt mit der Nase an meiner Wange entlang. Ich zucke nun doch vor der widerlichen Berührung und der unerträglichen Nähe zurück, aber davon lässt er sich gar nicht stören.

»Ihr wärt eine Königin«, flüstert er mir ins Ohr, während mir sein eisiger Atem über Wange und Nacken streicht und einen unangenehmen Schauer nach dem anderen auslöst. »Nicht dem Titel nach, doch niemand würde es wagen, die Stimme gegen Euch zu erheben.«

Ein sorgenfreies Leben an der Spitze der Gesellschaft. Mehr Gold, als ich je würde ausgeben können. Er hat recht: An seiner Seite wäre ich eine Königin, denn niemand wagt es, sich dem Oberkommandanten der Truppen entgegenzustellen. Niemand würde es wagen, mich je wieder zu kritisieren oder an mir herumzunörgeln. Niemand – bis auf einen. Und ich bin mir sicher, dass Tante Beatrice im Gegensatz zu Marik eine Heilige ist.

»Bis auf Euch, meint Ihr«, zische ich und versuche, mich seinem Griff zu entwinden, scheitere jedoch.

Er stößt ein belustigtes Schnauben aus, während er mich nun so fest umklammert, dass ich vor Schmerz ein Keuchen nicht mehr unterdrücken kann.

»Natürlich! Ich dulde keine Fehltritte. Schon seit Langem suche ich nach der perfekten Frau, die sich nicht durch dumme Gefühle leiten lässt. Und mit Euch scheine ich diese Frau gefunden zu haben.«

»Diese Frau interessiert sich aber nicht für Euch!«, schnappe ich. »Ich habe nicht vor, zu heiraten. Weder Euch noch sonst wen.«

»Das sieht Eure Tante anders«, gibt er ungerührt zurück. »Ich bin sicher, dass sie sich darüber freuen wird, wenn ich um Eure Hand anhalte. Lady Beatrice weiß, dass Ihr bei mir gut aufgehoben seid und ich Euch nichts durchgehen lassen werde.«

Er streckt die freie Hand nach mir aus, ohne mich aus der Umklammerung freizugeben, und wickelt sich eine lose Haarsträhne von mir um den Zeigefinger. Dabei streift er mehrmals wie zufällig meine Wange und mein Ohr. Ich zucke jedes Mal zusammen und die Enge im Hals lässt mich beinahe würgen. Meine flache Atmung steigert die aufkommende Panik nur noch weiter. Ich will fliehen – ungeachtet der Konsequenzen –, doch Marik steht mit dem Rücken zur Tür. Selbst wenn es mir gelänge, mich aus seinem Griff zu befreien, käme ich unmöglich an ihm vorbei, ohne dass er mich wieder zu fassen kriegte.

»Wie ich schon sagte …«, raunt er und zieht leicht an der Haarsträhne, sodass mir keine andere Wahl bleibt, als den Kopf noch näher zu ihm zu neigen. »Ich bin gewillt, über kleinere Fehler hinwegzusehen. Ihr hättet ein angenehmes Leben an meiner Seite.«

Ich verziehe den Mund und kann mich erst im letzten Moment davon abhalten, ihm ins Gesicht zu spucken. »Ihr würdet mich einsperren. Wenn ich Euren Ansprüchen nicht genüge oder mich nicht so verhalte, wie Ihr es erwartet, würdet Ihr mich in einer dunklen Kammer einschließen und mich erst wieder herauslassen, wenn ich genauso bin, wie Ihr mich haben wollt.«

Nein, ein Leben als Kommandant Mariks Frau wäre für mich nicht einfacher, als weiterhin unter Tante Beatrices Fuchtel zu stehen. Im Gegenteil. Mit jeder Minute, die ich in Gegenwart dieses Widerlings verbringen muss, wird mir mehr und mehr bewusst, was mich erwartet, wenn ich in diese Hochzeit einwillige. Und der Käfig, in den er mich stecken würde, wäre noch kleiner und trister als der, in dem ich bereits dahinsieche.

Er grinst mich an. »Schön und scharfsinnig. Aber leider auch vorlaut. Doch ich bin sicher, dass ich diesen Makel in den Griff bekomme. Schließlich habe ich schon ganz andere Bestien gezähmt. Verglichen damit seid Ihr nichts weiter als eine launische Hauskatze, die sich für eine Löwin hält. Es wird mir eine besondere Freude sein, Euch die Krallen zu stutzen und Euch Euren Platz zu zeigen.«

Marik lässt endlich von der Haarsträhne ab, legt die Hand um meinen Hals und drückt zu. So fest, dass ich Mühe habe, zu atmen. Um mir unmissverständlich klarzumachen, was mir blüht, wenn ich mich nicht so verhalte, wie er es von mir erwartet. Der manische Glanz in seinen Augen, während er wie gebannt auf die Hand starrt, die sich fester und fester um meinen Hals schließt, lässt mich endlich aus der Starre erwachen. Ich kralle beide Händen in sein Handgelenk und kratze ihn so sehr ich kann. Doch das scheint ihn nur weiter anzustacheln. Fester und fester drückt er zu, bis ich nur noch röchelnd nach Luft schnappen kann. Ich werde ersticken …! Dunkle Punkte tanzen bereits am Rand meines Sichtfelds und ich verliere zusehends die Kontrolle über meinen Körper.

Erst als ich kurz davor bin, ohnmächtig zu werden, lässt er von mir ab. Während ich meine letzten Kräfte mobilisiere und einen Schritt zurückmache – nur weg von ihm! –, streicht er sich in aller Seelenruhe das Jackett glatt. Würde mein Hals nicht brennen wie Feuer, würde ich mich beim Anblick der Beule in seinem Schritt am liebsten übergeben. Schnell wende ich den Blick ab.

Das Blut rauscht mir in den Ohren, während ich ihm ins Gesicht starre, in der Hoffnung, dort irgendwo einen Funken Reue oder Scham entdecken zu können. Doch das Gegenteil ist der Fall: Er strahlt förmlich, als hätte ihm das, was er mir eben angetan hat, mehr als nur gefallen – es hat ihn auf eine Art angemacht, die ich unter keinen Umständen weiter erforschen will.

»Ich weiß nicht, ob Ihr normalerweise auf diese Weise bei Frauen ankommt, Kommandant«, presse ich mühevoll hervor, »aber bei mir ist das nicht der Fall. Euch wird es niemals gelingen, mein Herz zu erobern. Erst recht nicht mit derartigen Mitteln.«

»Lady Ezlain«, säuselt er.

Er macht einen Schritt auf mich zu, will wieder nach mir greifen, doch ich reagiere instinktiv. Wie Tiro es mir ein paar Mal gezeigt hat, wehre ich seine Hand mit dem Arm ab und fege sie beiseite. Scheinbar überrascht von meiner Gegenwehr versucht Marik nicht erneut, mich zu packen.

»Ihr missversteht«, fährt er stattdessen mit einem kalten Grinsen fort. »Es ist mir völlig gleichgültig, was Ihr für mich empfindet. In Eurer Brust schlägt sowieso nichts weiter als ein verkümmertes Herz aus Stein. Aber selbst wenn dem nicht so wäre, interessierte es mich nicht. Sobald Ihr meine Frau seid, untersteht Ihr mir. Ich werde Euch formen, wie es mir beliebt. Ich werde mit Euch tun und lassen können, was ich will. Es wird keinen Ausweg für Euch geben und Ihr werdet euch fügen – früher oder später. Denn es gibt niemanden, der Euch helfen wird. Niemanden, dem Ihr etwas bedeutet. Eure Tante wird darüber jubeln, Euch endlich los zu sein.«

Für einen kurzen Moment erstarre ich; jeder Muskel in meinem Körper scheint sich bei Mariks Worten zu verkrampfen, während ich nichts weiter tun kann, als ihn anzustarren. Beinahe kann ich mein zukünftiges Leben vor mir sehen: Ich wäre nichts anderes als seine persönliche Sklavin, eingesperrt in Luxus und gekleidet in feine Seide. Wenn er es von mir verlangte, müsste ich auf den Knien vor ihm rutschen und ihm zu Willen sein. Müsste jedwede widerliche Obsession über mich ergehen lassen. Denn wenn ich mich wehrte … Wenn ich gegen ihn aufbegehrte, würde er ganz andere Wege als Tante Beatrice finden, um mich gefügig zu machen. Innerhalb kürzester Zeit wäre ich nichts weiter als ein Schatten meiner selbst.

Ein Blick in seine vor Lust glänzenden Augen lässt mich wissen, dass es ihm in rasender Geschwindigkeit gelänge, mich zu brechen. Und dass es ihm Freude bereiten würde.

Trotz der Panik, die in mir tobt und droht, mich völlig zu übermannen, zwinge ich mich zur Ruhe und suche nach einem anderen Gefühl, das mir in dieser Situation größeren Nutzen bringt.

Im Grunde habe ich zwei Möglichkeiten: mich zu ergeben und ihn dadurch erst gar nicht anzustacheln oder mich gegen Marik aufzulehnen und ihm die Stirn zu bieten.

Tief in mir, beinahe vollständig überlagert von der klirrenden Angst, finde ich das Gefühl, nach dem ich verzweifelt gesucht habe. Ohne weiter zu zögern, zwinge ich die brennende Wut über Mariks unerwünschte Annäherung und Berührungen und die Selbstverständlichkeit, mit der er über mich verfügt, als sei ich nichts weiter als ein Gegenstand, den er nett ausstaffiert herumzeigen kann, sich bis in meine Fingerspitzen auszubreiten.

Ich blecke die Zähne. Ich bin kein Gegenstand. Und ich werde mich nicht von ihm benutzen lassen, wie es ihm beliebt!

Schnell vergewissere ich mich, dass die Tür weiterhin verschlossen ist und wir unter uns sind. Vor ein paar Sekunden hätte mich dieser Umstand noch geängstigt, jetzt begrüße ich ihn. In Gedanken rufe ich die spärlichen Kenntnisse im Nahkampf ab, die ich von Tiro gelernt habe, und als Marik sich erneut zu mir beugt, hebe ich ruckartig das Knie an und ramme es ihm mit voller Wucht zwischen die Beine. Er gibt einen erstickten, in meinen Ohren wundervoll klingenden Laut von sich, ehe er wie ein nasser Sack in sich zusammensinkt. Einen Moment sehe ich mit Genugtuung dabei zu, wie er sich auf dem Boden krümmt und sich mit beiden Händen das schmerzende Gemächt hält, während ich über ihm aufrage.

»Selbst wenn ich Euch tatsächlich heiraten müsste«, presse ich schließlich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, »habt Ihr unrecht. Es gäbe durchaus einen Ausweg für mich. Als Witwe stünde es mir frei, in einen der zahlreichen Tempel einzutreten. Und glaubt mir, ich würde alles dafür tun, um möglichst schnell zur Witwe zu werden. Wenn Euch also etwas an Eurem erbärmlichen Leben liegt, dann kommt mir nie wieder zu nahe! Nächstes Mal gebe ich mich vielleicht nicht mit einem Tritt zufrieden, sondern werde Euch die Eier abschneiden und sie Euch anschließend ins Maul stopfen, um dann dabei zuzusehen, wie Ihr daran erstickt.«

Seine Augen weiten sich für einen kurzen Moment vor blankem Entsetzen, als er zu mir aufschaut. Ein bisher unbekanntes, aber belebendes Gefühl von Macht durchströmt mich, und wenn ich könnte, würde ich es noch länger auskosten.

Doch der Augenblick währt nur kurz und ich darf nicht länger zögern. Schon bald wird jemand bemerken, dass wir nicht mehr auf dem Empfang sind, und nach uns suchen. Fürs Erste geht von ihm selbst keine Gefahr aus, aber ich sollte so viel Raum wie möglich zwischen mich und Marik bringen, ehe er sich von meinem Angriff erholt hat. Hoffentlich ist es unter seiner Würde, zu erwähnen, was ich mit ihm angestellt und zu ihm gesagt habe …

Ich wende mich von Marik ab, öffne die Tür, schärfe mir ein, möglichst langsam zu gehen und den Kopf gesenkt zu halten, und durchquere den Saal, ohne dass mich jemand anspricht.

Kapitel 3

Ezlain