Störtebeker Weg - Anita Behrens-Liesen - E-Book

Störtebeker Weg E-Book

Anita Behrens-Liesen

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Beschreibung

Wind, Wasser und Wellen sowie Altes und Modernes begleiten mich auf dem Störtebeker Weg. Wie sein Namensgeber, der Seeräuber Klaus Störtebeker, zeigt er sich rauh und wild. Selten sind die dennoch vorhandenen sanften Momente. Dieser Wanderweg im norddeutschen Raum ist noch wenig bekannt. Es lohnt sich jedoch, ihn zu erwandern, ob nun in seiner Gesamtlänge von ca. 185 km oder in Teiletappen. Wer lieber mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann den Störtebeker Weg auch auf diese Art und Weise erleben.

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Seitenzahl: 53

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Inhaltsverzeichnis

Der Störtebeker Weg – eine 187 km lange Deichwanderung in Norddeutschland

17.04.2016 – 1. Etappe von Leer nach Oldersum

18.04.2016 – 2. Etappe von Oldersum nach Emden

19.04.2016 – 3. Etappe von Emden nach Campen (Dyksterhus )

20.04.2016 – 4. Etappe von Campen (Dyksterhus) bis Norddeich

21.04.2016 – 5. Etappe von Norddeich nach Dornumersiel

23.04.2016 – 7. Etappe von Altharlingersiel nach Schillig

24.04.2016 – 8. Etappe von Schillig nach Wilhelmshaven

14. Juli 2016 – Störtebeker Weg in Wilhelmshaven

Der Störtebeker Weg – eine 187 km lange Deichwanderung in Norddeutschland

Im Herbst 2015 hatte ich mich nach meiner Wanderung auf dem Hexenstieg entschieden, einen Fernwanderweg im norddeutschen Raum zu gehen. Der Hexenstieg hatte bei mir die Wanderleidenschaft geweckt und ich wollte unbedingt wieder los. Die Wahl fiel nach einigen Recherchen im Internet auf den Störtebeker Weg von Leer nach Wilhelmshaven. Die Hauptinformationen zur Wegeführung, Unterkunftsmöglichkeiten am Weg und Beschreibung desselben, erhielt ich über die Internetseite des Wiehengebirgs-Verbandes (www.wiehengebirgsverband-weser-ems.de ), der für die Ausschilderung des Weges zuständig ist.

Nach Abschluss der Planung und Vorbereitung der einzelnen Etappen geht es im April 2016, nachdem der Frühling endlich Einzug gehalten hat, voller Erwartung los.

Störtebeker Weg: von Leer bis Wilhelmshaven ( Karte: Wiehengebirgs-Verband )

17.04.2016 – 1. Etappe von Leer nach Oldersum

Bei herrlichem Frühlingswetter, viel Sonne und wenig Wolken, starte ich meine Bahnfahrt nach Leer in Ostfriesland. Ich erreiche den Bahnhof nach einer relativ kurzen, entspannten Fahrt gegen 11.00 Uhr am Sonntagvormittag. Doch schon bei der Einfahrt in den Bahnhof hat sich das Wetter komplett verändert: es regnet. Als ich in der Bahnhofshalle stehe, zum Start meiner Wanderung bereit, gießt es in Strömen. Nur nicht entmutigen lassen. Dann werde ich halt mit Regenhose und Regencape losgehen. Einige Minuten später lässt der Regen etwas nach und ich gehe als schwarz- grünes Monster (schwarze Regenhose und langes grünes Cape mit Kapuze über Mensch und großem Rucksack ) aus dem Bahnhofsgebäude hinaus. Die Menschen in meiner Umgebung betrachten mich eher skeptisch.

Der Störtebeker Weg beginnt direkt am Bahnhof. Relativ schnell ist die erste Wegmarkierung gefunden: großen S (entweder schwarz auf weißem Untergrund oder weiß auf schwarzem Untergrund). Der Weg führt zunächst ein Stück durch die Fußgängerzone von Leer, um dann Richtung Hafen nach links abzubiegen.

In der Fußgängerzone wird zurzeit gebaut und ein nicht unerheblicher Teil ist abgesperrt. So entdecke ich nicht alle Hinweisschilder und gehe entlang der Hafenanlage bis zur Leda und weiter Richtung Ems, allerdings durch einen bebauten Ortsteil von Leer. Hier begleitet mich ein Passant, den ich nach dem rechten Weg gefragt habe. Im Grunde genommen wandern wir parallel zum Störtebeker Weg, wie mir nachher ein Blick auf die Karte verrät. Dann stehen wir vor dem Emsdeich und unsere Wege trennen sich.

Es geht in den nächsten Tagen fast immer am Wasser entlang. Bis zum Ende des Weges in Wilhelmshaven wird das Wasser, neben den Deichen, der allgegenwärtige Wegbegleiter bleiben.

Zu Beginn laufe ich unten am Deich auf einem Fahrradweg. Doch das erscheint mir nach einiger Zeit zu eintönig und ich klettere auf die Deichkrone. Hier wird es schon interessanter. Begeistert schaue ich, bei zwischenzeitlich wieder trockenem Wetter, auf die Ems. Ich verlasse den Raum Leer und eine fast 20 km lange Wanderung, hauptsächlich auf dem Deich, von Leer nach Oldersum, hat ihren Anfang genommen.

Jetzt tauchen auch die ersten Schafherden auf, durch die ich hindurch gehen muss. Bis zum ersten Etappenziel, Oldersum, werde ich Hunderte von Schafen mit ihren Lämmern begegnet sein. Die zweite Tierart, der ich zu dieser Jahreszeit häufig begegne, sind die großen Nordgänse. Lautes Geschnatter kündigt die großen Schwärme an.

Schafherde auf dem Emsdeich

Auf meinem Wanderweg werden mir noch viele andere Vogelarten begegnen, so dass sich auf einer solchen Wanderung ein Fernglas lohnen würde. Leider habe ich keines dabei. Das ist zugleich auch immer eine Frage des Gewichts. Jedes Gramm muss ich in meinem Rucksack tragen.

Da die Schafweiden auf dem Deich zum Schutz der Tiere eingezäunt sein müssen, ist die Sportlichkeit des Wanderers hin und wieder gefragt. Entweder befinden sich zwischen den Weiden kleine oder größere Tore, die man öffnen kann. Nach dem Passieren sind sie unbedingt wieder ordentlich zu verschließen. Oder man gelangt an Kletterhilfen, die dem Wanderer das Überwinden der Zäune ermöglichen. Irgendwann habe ich aufgehört zu zählen, über wie viele solcher Kletterhilfen ich steigen musste.

Kletterhilfe zwischen den Weiden

Es ziehen noch einige kleine Schauer über mich hinweg, dann bleibt es trocken. Allerdings weht mir ein kräftiger Wind ins Gesicht. Zum Schutz vor dem kalten Wind behalte ich meine Regenkleidung an. Die Schafe auf dem Weg schauen sehr verdutzt über das schwarz-grüne Monster, das da über ihre Weideflächen geht. Einige scheinen überrascht zu sein und bleiben abwartend stehen, andere fliehen eilig davon. Das Monster könnte ja angreifen.

Ich bemerke schon jetzt, dass sich diese Wanderung völlig anders gestalten wird als diejenige auf dem Harzer Hexenstieg, welche ich im Sommer letzten Jahres gemacht habe. Miteinander vergleichen kann man diese Wege nicht. Sie sind völlig verschieden. Beim Störtebeker Weg muss man den Wind, die weite Sicht und das Wasser mögen. Für denjenigen, der sich darauf einlässt, ist es ein unbeschreibliches Naturerlebnis.

Ich überquere den Emstunnel, durch den ich ansonsten immer nur hindurch fahre.

Nach einer zweistündigen Wanderung entdecke ich am Fahrradweg neben dem Deich eine Schutzhütte und gönne mir die erste Pause. Die Zeit ist so schnell vergangen, dass ich gar nicht bemerkt habe, dass ich bereits zwei Stunden gegangen bin.

Gegenüber meinem Rastplatz befindet sich ein Schöpfwerk. In dessen Mauerwerk wurde eine Steinplatte mit ostfriesischem Wappen eingefügt. Die Ostfriesen gehören zu der Volksgruppe der Friesen. Das von vielen Ostfriesen noch gesprochene Ostfriesische Platt ist eine niederdeutsche Mundart. Ich habe die Ostfriesen als stolze, aber sehr freundliche Volksgruppe erlebt.

Bald drängt es mich, meine Wanderung auf dem Deich fortzusetzen. Ich begegne einem Schäfer mit seinem Sohn. Beide wollen eine zusammen getriebene kleine Schafherde mit dem Viehanhänger abholen. Sie begrüßen mich sehr freundlich. Ich hatte schon Bedenken, dass ihnen meine Wanderung auf dem Deich durch die Schafherden hindurch nicht gefallen könnte. Schließlich werden die Tiere ja doch gestört. Andererseits ist der Störtebeker Weg nicht allzu bekannt und daher auch nicht überlaufen.

Mir fällt auf, dass heute sehr wenig Schiffsverkehr auf der Ems zu verzeichnen ist. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Sonntag ist. Aber sicher bin ich mir nicht.