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Josef Hueber, geboren in Nürnberg, studierte in München und Exeter (England) Germanistik und Anglistik für das Lehramt an Gymnasien. Die an der Schule verbreiteten Lehrbücher in den weltanschaulich stark bestimmten Fächern durchschaute er lange nicht als das, was sie waren: Transportmittel für linke und grüne Ideologien. Seine Erkenntnis: Better late than never! Das öffentliche Bewusstsein sieht er heute geprägt von Anti-Amerikanismus, Israel-Bashing, Antisemitismus, Umweltalarmismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und Selbstverleugnung in Fragen der kulturellen Identität, sowie von zunehmenden Angriffen auf die persönliche Freiheit durch den Nannystaat. In zunehmendem Maße pulverisiert man, was als Errungenschaft der Aufklärung gelten darf und deswegen den Alleinanspruch auf Modernität erheben kann. Seine Begegnung mit Blogs, für die er auch Übersetzungen aus dem Englischen lieferte, stellte den Beginn seiner Tätigkeit als freier Autor dar. Blogs sind für ihn unverzichtbare "eye-opener" in nahezu allen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Fragen. Er sieht sie als verlässliche Garanten für kontroversen Wettbewerb der Meinungen in einer von den Mainstream-Medien beherrschten Diskurshoheit.
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Seitenzahl: 369
Veröffentlichungsjahr: 2020
Vorwort
Generation M wie Mainstreamer
A Graitz mit dem Graitz
Die Allzweckwaffe „Nazi“ immunisiert gegen Erkenntnis
Angela Merkel als Kunstkritikerin
Die Angst der ewiggestrigen Systemjournalisten vor den „sozialen Medien“
Der antisemitische Mops
Antisemitismus nie wieder – eine Maske (nur) der SPD?
Das Attentat – eine literarische Degustation
Außer lesen nix gewesen
Babbel-Deutsch reicht für die Schule von morgen
Baldrian-Journalismus zur Beruhigung der Gemüter
Blick über die Grenze des Tellerrands
Brüllaffen–Kultur im Bundestag
Bundespräsident Steinmeiers Rede anlässlich der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz vor 75 Jahren
Bundesverdienstkreuz für eine Lachnummer
Datenschutz und Exhibitionismus im Doppelpack
Deutsche wollen sich gegenseitig alles verbieten
Die drei Unheiligen aus dem Abendland
Dummsprech für den mündigen Bürger
„Eine Schande für die Demokratie“
„Ergometer-Klasse“ Eine neue Sau radelt durchs pädagogische Dorf
Erntedank – Jesus wählt trotzdem nicht die Grünen
Die falsche Demut des Gedemütigten Zur Rede Saul Friedländers im Deutschen Bundestag
Die FAZ und Donald Trump – grauer Star im linken Auge
Der Feind heißt Christentum
Fernseh-Abend: Im Narrenkäfig der gleichgeschalteten Meinungen
Fischers Fritz will nicht im Trüben fischen
Fragen ohne Fragezeichen
Friday(s) for Future: High-Noon-Panik contra tragende Hoffnung
Freiheitssehnsucht
Fröhliche Weihnacht (nicht) überall
Fußballfan Kardinal Woelki aus Kuckucksheim
Generation „N“ für „Nicht von dieser Welt“
Geschichtsklitterung
Greta ist ohne Schuld
Grillfeste mit Kinderspiel: Ene, mene, A-f-D. Und raus bist du!
Grünsprech im Klassenzimmer
Hexen, Glauben, Misanthropen
Identitätsverzicht als Verbrechensprävention
Israel: Seismograph für Antisemitismus
Ist links gleich antifaschistisch?
Jäger und Gejagte / Treiber und Getriebene
Jüdische Identität und Zuwanderung
Juden in Deutschland geht es immer besser
Kindersoldaten an die Klimafront!
Das Kuckucksei im (Oster-)Nest
Lehrer: Augeeen – rechts!
Linke Pädagogik im Umgang mit dem Souverän
Links, 2, 3, 4, Links 2, 3, 4
„Messerstiche spürt man gar nicht so“
Migrationswahn und gleichgeschaltete Kirchen: Vom dreifaltigen Gott zu Allah
Die Missachtung des Wählerwillens
Der Mythos vom Rechtsradikalismus als primäre Bedrohung von Juden
Narrenschiff Deutschland – lange prognostiziert
Nationalbewusstsein – Brutstätte reaktionärer Gesinnung?
Die Nazikeule – politisch opportuner Gebrauch einer Abwegigkeit
Der neue Mutti-Journalismus
Novomanie: Pädagogik im Rausch des Neuen
Null-Toleranz-Diät für Dicke
Patriotismus – ein Feind der linksgrünen Elite
Placebos gegen Antisemitismus
Politisch korrekter Antisemitismus
Quickie-Bildung macht Schule sexy
Die rätselhafte Berufswahl des deutschen Außenministers Maas
Die Rechten sind Nazis? Rechts-Sein heute und in den 30er Jahren
„Sag‘ die Wahrheit“ mit Quizmaster Heiko
Schluss mit tierischem Rassismus!
Schulunterricht: Geistesübung macht Platz für Betroffenheit
Shakespeare als Politikversteher
Shakespeare appelliert an Dunkeldeutschland
Slowfood-Hostien – oder: „Fleischesser sind Nazis“
Solidarität mit Israel?
Spaltung – Garant der Demokratie
Stauffenberg – Joker gegen Rechts?
Studieren? Ja, aber easy & kostenlos
Die Toten schweigen - ein Nachruf zum Nachruf auf Imre Kertèsz
Universität heute – konform statt kontrovers
Die Verbannung von Freiheit und Verantwortung zugunsten der Gesinnung unter dem Vorwand des Gemeinwohls
Die Verunglimpfung von Volk und Nation - Zeichen modernen europäischen Denkens?
„Vogelschiss“: Wie Gaulands umstrittene Äußerung in Israel aufgenommen wurde
Vorwarnungen hatte es gegeben
Waldorfschule – oder: „Wir spielen nicht mit einem Juden“
Warum wir in Deutschland keine Lügenpresse haben
Was ist schlimmer? Bitte ankreuzen!
Was Hänschen lernt …
Weihnachten 2.0 – Mülltrennung als Rettung der (Um)Welt
Weihnachtsgedudel aus Bellevue
Die weiße Weste des linken Antisemitismus
Wie den Kindern das Kindsein geraubt wird
Wie Schule Greta Thunbergs am Fließband produziert
Wo bleibt das kritische Denken?
Zur Rede Angela Merkels am Tag der Deutschen Einheit 2019
Begegnungen mit Büchern prägen Menschen. Viele öffnen unsere Augen. Im besten Fall ändern sie unsere Blickrichtung.
Ohne diese Augenöffner- Bücher wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, mich an die Tastatur zu setzen. Ihren Verfassern möchte ich an dieser Stelle danken. Namentlich sind dies Vera Lengsfeld, Dirk Maxeiner, Heinz Hug, Josef H. Reichholf, Dr. Gunter Frank, Udo Pollmer.
Zu Dank verpflichtet bin ich auch der jüdischen Journalistin Sarah Honig, ehemals leitende politische Korrespondentin der Jerusalem Post.
Meine hier vorgelegten Kolumnen sind auf den Tag bezogene Beobachtungen. Dennoch wollen sie den Tag Übergreifendes sagen. Wieweit dies gelungen ist, mag der Leser für sich entscheiden.
Zum alltäglichen Punktesieg des zweifelsresistenten Siegertyps Mainstreamer über den ungläubigen Nachfrager
Das Profil des Mainstreamers
Sein intellektuelles Gesicht ist das einer Schaufensterpuppe : glatt, ohne Individualität, identisch wie alle anderen gegossen. Er ist, nach den Generationen X,Y und Z, Teil der neuen Generation M, der Generation Mainstreamer. Er ist der in-Typ, der dir täglich begegnet. Wenn es um zweifelndes Nachfragen geht, merkst du an seinen uniformen, gestanzten Anworten, dass er dazugehört. Ungewöhnlich ist der Gegensatz zu den Vorläufer-Generationen. Die Generation M ist altersübergreifend. Jung und Alt kommen sich näher wie nie zuvor. Alte Narren und Grünschnäbel mit Eierschalen hinter den Ohren sind einer Meinung. Ignoranz hat eben keine Altersbeschränkung
Das unerschütterliche Bewusstsein
Grundsätzlich geht er im sozialen Kontakt davon aus, dass sein Gegenüber dasselbe Denkprofil zeigt wie er. Sein zweifel- und erschütterungsresistentes Ego nährt sich von der Erfahrung, dass Meinungen über Fakten die Oberhand behalten, wenn sie nur von der Mehrheit vertreten und notfalls auch mit Empörung gegen Zweifler verteidigt werden. Seine soziale Freundlichkeit endet, wo die Zustimmung zu seinen Überzeugungen endet. Dann kann er unwillig bis aggressiv werden. Man sollte ihm nicht mit dem offenen Visier einer abweichenden Meinung begegnen, andernfalls ist man bald ohne Freunde.
Den Blick in die Gegenrichtung gibt es nicht
Outed sich der Mainstream-”Denker mit seinen „richtigen“ Ansichten, gibt es kein Nachfragen. Jeder Nachplapperer in dieser Truppe labt sich an seiner Überzeugung, von der Sache, über die er gerade schwadroniert, etwas zu verstehen. Widersprichst du, fragt der Mainstreamer sofort: „Woher weißt du das?“ Dass er selbst eine Untermauerung für sein „Wissen“ liefert, darauf sollte man nicht hoffen. Ist auch nicht nötig. Er weiß nichts und alles, und alle, die er kennt, wissen es mit ihm.
Beim Thema Umwelt, Energiewende, Individualverkehr, Fleischverzehr, Gentechnik, Müll, Massentierhaltung und nahezu alle, was grün leuchtet, ist klar: Es ist High Noon, 5 vor 12, wenn nicht 5 Minuten danach. Alles geht seinem Ende zu, aus einem einzigen Grund: Die CO2-Bedrohung nuklearen Ausmaßes, das Verenden der Natur und wir mit ihr – all das ist radikal und total. „Gigantische Transformationen“ (Merkel) müssen umgesetzt werden. Wir müssen loskommen von CO2, vom Massen-Ei, von der Kohle, von Atomkraft, von Individualverkehr (allenfalls ausnahmsweise noch als E-Mobilität zu denken), vom Fleischverzehr, vom Flugverkehr.
Kompetenz im Liliput-Format
Das Faktenwissen des Mainstreamers hat Platz im Liliput-Format von Wörterbüchern, wie sie Schüler zum „Spicken“ bei Prüfungen benutzen. Das genügt, weil der Mainstreamer im Kopf keinen Raum für Contra-Argumente benötigt.
Kompetenz schreibt er sich selbst zu. Sie outet sich aber als evident abwesend, wenn man sie mit Nachfragen anzweifelt, weil der Mainstreamer nur repetieren kann, was er von Gleichgesinnten in Zeitung und Radio und Fernsehen gelesen und gehört hat. Zeigt er die Gelbe Karte in Diskussionen gegen falsche Meinungen, weiß er, dass er als Experte seine Wahrheit von der Unkenntnis anderer zu unterscheiden weiß.
Wie jungfräulich und von Wissen unberührt sein Protest gegen die Errungenschaften der ihm Freiheit und Wohlstand gewährenden Zivilisation ist, zeigen auf Youtube dokumentierte, spontane Kurzinterviews während einer Fridays-For-Future- Demonstration gegen den Klimawandel. Sie haben Modellcharakter für Diskussionen mit Mainstreamern. Einfachste, grundlegende Fragen zu CO2 können von den aufrechten Weltrettern nicht beantwortet werden.
Qu : Auf welche Menge von CO2 müssten wir kommen, um das Klima noch zu retten?
A : Da hab' ich jetzt keine konkrete Zahl im Kopf.
Qu : Bei welcher Durchschnittstemperatur würden wir landen, um eine Zielgröße anzugeben?
A : Dazu kann ich jetzt nichts Konkretes sagen. So genau kenn' ich mich da nicht aus.
Meinung siegt qua Masse, ohne Fakten, ohne Wissen. Die Reihen sind dicht geschlossen, die intellektuelle Freitagsfront marschiert.
Selbst- und Fremdwahrnehmung im Faktencheck
In John Boynes Roman „Der Junge im gestreiften Pyjama“ sagt ein jüdischer Arzt, der in Auschwitz zum Dienstboten des Lagerkommandanten degradiert wurde, in einem vertraulichen Gespräch mit dessen Sohn, dem kindlichen Protagonisten: „Nicht jeder, der nachts in den Himmel schaut, ist deswegen ein Astronom“.
Der Mainstreamer sieht sich selbst ganz anders.
„Es is’ hoit a Graitz“ (Es ist halt ein Kreuz, d.h. ein lästiges Problem) sagen die Bayern, wenn etwas schwierig ist. Auch ein Franke, wie der Markus Söder, kennt diesen Spruch. Und er überlegt schon lange und heftig-kurzfristig, weil unter Zeitdruck wegen der Landtagswahlen im Herbst, wie er die absolute Mehrheit im Maximilianeum in „Minger“ (=München) wieder erringen kann.
Super-Einfall: Die Kruzifix-Debatte im Rückwärtsgang neu auflegen und das Verbot der Öffentlichmachung christlichen Glaubens, wieder aufzuheben (Hat nichts mit dem „Kruzifix-Fluch“ des Urbayern zu tun, den dieser ausstößt, wenn etwas nicht funktioniert). Kruzifix noamoi- das Kreuz muss wieder in die Amts-Stuum (=Stube)! Also hat man beschlossen, es ab 1. Juni wieder in jede staatliche Behörde zu hängen – sicherlich in der light-Version, d.h. ohne Corpus, damit nicht wieder ein Sensibelchen von Lehrer wegen seelischer Belastung angesichts einer angenagelten Leiche den Psychiater aufsuchen muss. Also nur als angeschraubtes „X“ mit ungleich langen Seiten und um 45 Grad gedreht.
Mich als bekennenden Katholiken sollte die Re-Installation von Kreuzen in der Öffentlichkeit freuen. Wenn, ja wenn, ich das dem Ministerpräsidenten als etwas Katholisches im Wahlkampf abnehmen könnte. „No, I cannot!“ muss ich leider sagen. Das ist schließlich wieder einer der CSU-Taschenspieler-Tricks, perfekt inszeniert von dem Markus. Der listige Franke weiß: Es kommt jetzt drauf an, den abtrünnigen CSU-Wählern, die mehr auf das „C“ schauten als auf das „S“, das „C“ zurückzugeben. Und das „C“ steht halt nun mal, ob einem das passt oder nicht, für das christliche Kreuz. Dass man das so christlich meint, nimmt man dem Hoffnungsträger leider nicht wirklich ab.
Deswegen kommentierte der Kabarettist Django Asül (mit „ü“) die Wiederaufhängung christlicher Kreuze in den Amtsstuben beim traditionellen Maibock-Anstich in München (=Bayerisches Spezialbier, stark alkoholisch, in Klöstern besonders gepflegt) mit folgenden Worten:
„Damit man weiß, wo man am 14. Oktober sein Kreuz zu machen hat.“
Der Django hörte die Nachtigall trapsen. Und die Zuhörer auch. Deswegen hat auch niemand, Faktencheck bitteschön, gelacht, obwohl man sich sonst durchwegs höchst amüsiert beim „Derblecken“ (= Lächerlich machen) gab.
Ja,ja, das Christliche. Natürlich hat es so schöne Bräuche, gerade in Bayern, hervorgebracht, die man nicht vermissen möchte: Umzüge mit der Geistlichkeit auf stattlichen, rausgeputzten Kaltblütern, Kirchweih, Fronleichnamsprozession, Christkindlesmarkt, Osterbrunnen und und und. Kein Zweifel: Das Christentum gehört zu Deutschland, zumindest zu Bayern.
Mit einer kleinen Einschränkung des erwachten politischen Bekenntnisses dazu. Die offizielle Ministerpräsidenten-Verkündigung zur Re-Kruzifizierung von Amtsgebäuden lässt das bunte Bayern auch wissen, dass die Installation der Kruzifixe keine religiöse, sondern eine kulturelle Demonstration ist. Also nix mit dem religiösen Background von Kreuzigung und Blut und dem ganzen unbequemen Theologen-Kram!
Das Kreuz im öffentlichen Raum, bei ausdrücklicher Absage an den impliziten religiösen Anspruch, nämlich die dazugehörige Kreuzes-Theologie – dies reduziert das christliche Symbol zu einem zweidimensionalen, abendländischen Kultur-Logo.
Wären Muslime damit einverstanden, die Moschee als lediglich soziale Einrichtung, als Begegnungs-Zentrum mit Einkaufsmöglichkeit zu definieren?
Charlotte Knobloch ist das jüngste Beispiel für wirr anmutende Verwendung des Nazi-Begriffs durch eine Frau, die, selbst Überlebende des Holocausts, es besser wissen müsste. Nämlich, dass eine inflationäre Verwendung des Hau-drauf-Etiketts „Nazi“ zur Verharmlosung des Millionenmordes an Juden beiträgt und außerdem Unsinn ist.
Sprachliche Wurfgeschosse, Essenz aus der Überflugbetrachtung des Dritten Reiches, fliegen seit langem durch die politischen Lüfte, wenn es darum geht, konservatives Denken zu diskreditieren. Sie sind leicht zu bedienen und weisen den Benutzer, der damit seine Kenntnis deutscher Vergangenheit vorgibt, scheinbar als Kämpfer für Demokratie und Weltoffenheit aus. Seine angemaßte Courage verdient indes keine Achtung, weil mit Gegenwehr nicht zu rechnen ist.
Die Allzweckwaffe NAZI immunisiert gegen Erkenntnis
Wo präzise Begriffe zur Beurteilung von politisch Andersdenkenden fehlen, kommen in Merkel-Deutschland der Allzweck-Begriff NAZI und seine Geschwister RASSISMUS, POPULISMUS und RECHTSEXTREMISMUS zum Einsatz. Wie der weiße Bär auf einer Eisscholle beweist, dass der Klimawandel menschengemacht ist und Venedig bald Atlantis heißen wird, beweist die Etikettierung als „Nazi“, dass man es beim politischen Gegner AfD mit der „Inkarnation des Bösen“ (von Haeften über Hitler vor dem Volksgerichtshof) zu tun hat. Die Beweispflicht am Detail hat sich damit erledigt.
Jüngstes Beispiel ist die besonders wirr anmutende Verwendung des besagten Ungeheuer-Begriffs durch eine Frau, die, selbst Überlebende des Holocausts, es besser wissen müsste, dass eine inflationäre Verwendung des Hau-drauf-Etiketts Nazi zur Verharmlosung des Millionenmordes an Juden beiträgt und außerdem Unsinn ist: Charlotte Knobloch.
Sie ist bekannt als immer noch verbal rege Denkerin gegen jüdische Interessen in Deutschland. Ihre spektakuläre Äußerung zur AfD lässt jedoch darauf schließen, dass sie das Programm dieser Partei so gründlich gelesen hat wie Frau Bundeskanzlerin den ersten Bestseller Sarrazins, als sie eine öffentliche Rezension noch vor ihrer (vermutlich nie vollzogenen) Lektüre in aller Kürze gab: „Nicht hilfreich“.
Leider ist diese Formulierung zu harmlos, um damit auch die Äußerung Knoblochs, die AfD sei eine Nazipartei, zu bewerten. In ihrem Fall muss man schon wenigstens von „ignorant-abwegig“ sprechen.
Nazi-Vergleiche entgegen historischer Fakten
Leonid Luks, Prof. em. für Mittel- und Osteuropäische Zeitgeschichte, beschäftigt nicht zum ersten Mal die Frage nach der Wiederholung von Geschichte bzw. der Übertragbarkeit von geschichtlichen Konstellationen auf die Gegenwart. „Kehren die 1930er Jahre zurück?“ und „Über den Sinn der Vergleiche mit der Hitlerzeit.“ sind zwei in ihrer Aktualität empfehlenswerte Kolumnen.*
Besonders aktuell ist diese Fragestellung wegen der öffentlich immer wieder in talkshowhafter Leichtigkeit wiederholten These von der gegenwärtig wahrnehmbaren Wiederkehr der 30er Jahre. Knobloch darf dafür ein prominentes Beispiel sein.
In seiner Kolumne „Über den Sinn der Vergleiche mit der Hitlerzeit. Eine Replik“ geht Luks der Frage nach, inwiefern NS-Zeit und politische Wirklichkeit der Gegenwart Parallelen aufweisen.
Den Historiker Lewis. B. Namier zitierend, verweist er auf die weit verbreitete Parallelisierung von historischen Zeiträumen und der Gegenwart. Patrick Bahners von der FAZ, so erfahren wir, kritisierte in diesem Zusammenhang die Tabuisierung von Vergleichen der NS-Zeit mit heutigen Erscheinungen. Bahners gehe sogar soweit, „keinen qualitativen Unterschied zwischen der Shoah und manchen anderen Formen der radikalen Fremdenfeindlichkeit“ zu konstatieren. (Ob er sich dabei auf Europa oder etwa arabische Länder bezieht, wird hier nicht klar.)
Luks verweist auf fundamentale Fakten, die gegen eine Übertragung von Inhalten der NS-Ideologie auf die Jetzt-Zeit sprechen. Der Soziologe Gunnar Heinsohn etwa sieht die NS-Ideologie als Kampf gegen die „Ethik des Judentums“ und deren „Idee eines universellen Rechts auf Leben“. Das eigentliche Ziel der von Hitler betriebenen Judenvernichtung war eine „neue Ordnung ohne Ethik“, die „ohne die Beseitigung der Juden nicht möglich“ war.
Zurecht konstatiert Luks zu einem Vergleich der NS-Zeit mit den heutigen politischen Gegebenheiten: „Ich halte solche Analogien für wenig begründet.“ Er erkennt dies in den „grundlegenden Unterschieden“.
Die Verortung antisemitischer Vernichtungsphantasien
In der Auseinandersetzung mit Knoblochs Vorwurf, die Bundesrepublik Deutschland sei von einer Juden-raus-Ideologie bedroht, stellt sich die Frage: Wo kann in unserem Land antisemitisches Gedankengut verortet werden, die Ideologie einer anzustrebenden „Ordnung“, die „ohne die Beseitigung der Juden nicht möglich“ sei?
Es gibt ausreichend Material, diese Frage zu beantworten.
Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt war, wie auch Condoleezza Rice, die ehemalige Außenministerin Amerikas, dafür bekannt, ausgezeichnet Klavier zu spielen. Churchill konnte hervorragend schreiben.
Buchkritik ohne vorherige Lektüre
Was kann Angela Merkel? Da fällt einem nur ein, dass sie vor nicht allzu langer Zeit von ihrer Gabe Gebrauch machte, Bücher zu rezensieren, die sie nur vom Titel her kennt. Sarrazins Deutschland schafft sich ab gab ihr die Gelegenheit, als Rezensentin zu reüssieren, wenngleich ihr Urteil, entgegen der beabsichtigten Wirkung, ein Schuss nach hinten war. Die von ihr geprägte, ungewöhnliche Formel „nicht hilfreich“, eigentlich ein Werturteil, das man über ein Do-it-yourself-Buch für Heimwerker erwarten würde, konnte nicht verhindern, dass Sarrazins Buch auf die Bestsellerliste kam. Vielleicht hatte ihr Sachurteil sogar eine den Verkauf steigernde Wirkung?
2. Akt – Kunstkritik aus moralischer Perspektive
Jetzt hat sich die deutsche Bundeskanzlerin zum zweiten Mal als Expertin außerhalb der Politik geoutet: als Kunstkritikerin. Sie hat ein treffsicheres Urteil gefällt: Nolde geht gar nicht! Die politische Einstellung eines Künstlers entscheidet darüber, ob man sich mit seinen Werken umgeben darf. Nolde hat es schlimm getroffen: Seine Identifikation mit nationalsozialistischer Weltinterpretation muss aus moralischen Gründen die Konsequenz nach sich ziehen, dass seine Bilder als unerträglicher Anblick gelten und deswegen in der unmittelbaren Arbeitsumgebung der Kanzlerin nichts mehr zu suchen haben.
Der Wind weht, wo sie will
Zweifler an der Kompetenz ihres Kunstverständnisses vermuten, dass sie, in der Witterung politischer Stimmungen bestens geschult und erfahren, ganz anderes im Sinne hatte, als ihre moralische Abscheu angesichts des Künstlertäters zum Ausdruck zu bringen.
Hat sie vielleicht beabsichtigt, so muss man fragen, dass ihre Distanzierung von Noldes Antisemitismus assoziativ auch als Ausdruck ihrer vorgeblich gegen Fremdenfeindlichkeit gerichteten Politik verstanden wird? Und dass sie damit allen politischen Gegnern ihrer nicht mehr kontrollierten Grenzen, denen man bei jeder Gelegenheit den Geruch des politisch Rechtsextremen andichtet, einen Schlag mit der (kunstverbrämten) Nazikeule verpasst hat? Wie glaubwürdig ist das angesichts des von ihr ermöglichten, unkontrollierten Imports von islamischem Antisemtismus?
Juden sehen das offensichtlich anders
Diese Zweifel an der Glaubwürdigkeit ihrer moralischen Entrüstung wurde von jüdischer Seite aus deutlich. Michael Wolffsohn sprach in einem Interview mit dem Deutschlandfunk über den Vorgang der Bildentfernung von „Tugendhysterie“. Nachdem er Grundsätzliches zur Gebrochenheit und Widersprüchlichkeit der menschlichen Natur erläuterte, blieb nichts mehr davon übrig, was man zur Rechtfertigung für den deutlich gewordenen Rigorismus hinter Merkels Pseudomoral sagen könnte. Leider: So sehr alles stimmig war, was Wolffsohn zum Verhältnis Künstler und Kunst sagte, so sehr ist es bedauerlich, dass er nicht zur Sprache brachte, was wohl die eigentliche Absicht hinter der Entscheidung der Kanzlerin, das Bild nicht mehr aufzuhängen, steckt: die Instrumentalisierung einer kulturpolitischen Steilvorlage zur Disqualifizierung des politischen Gegners.
Wagner ist der Härteteste
Man darf gespannt sein, ob sich Merkel noch einmal in Bayreuth bei den Wagner-Festspielen zeigen wird. Richard Wagner, das muss sie schon einmal gehört haben, war ohne jeden Zweifel Antisemit. Hitler hat ihn bekanntermaßen sehr geschätzt.
Darf Wagners Musik noch Eingang finden in ihre Ohren, wo sie doch ihre Augen aus Abscheu vor Nolde verschließt?
Aber lassen wir ihr Zeit, erst einmal Witterung aufzunehmen, ob die politische Stimmung eine Distanzierung davon verlangt.
Impressionen aus dem Meinungsbunker
Den Bürgern sei allen gefällig, willst du in der Stadt bleiben. Das bringt den meisten Dank. Eigensinniges Wesen zündet oft schädliches Unheil an.
(Bias von Priene,* um 590 v. Chr.; † um 530 v. Chr.)
Der Abgas-Skandal, der bei Kenntnis unvoreingenommener medizinischer und physikalischer Gegebenheiten nichts als eine aufgeblasene Abgas-Hysterie ist, hat das Ziel, Verbrennungsmotoren, Individualverkehr und die Autoindustrie langfristig aus ideologischen Gründen zu zerstören.
Es war nicht der letzte Skandal seiner Gattung. Er wurde gefolgt von dem im Gegensatz dazu – politisch leider gar nicht erwünschten, aber realen – Spiegel-Skandal um Claas Relotius, der einem arroganten und aggressiven Meinungsmacher- Journalismus einen Schlag verpasst hat, von dem sich deren Vertreter nicht so schnell erholen werden.
Nimmt es Wunder, dass die Öffentlich-Rechtlichen, ideologische Komplizen der medialen Mitläufer, schon nach Erhöhung der Zwangsgebühren jammern, um die „Qualität“ sauberen, ungefaketen Journalismus weiterhin gewährleisten zu können? Die Putzkolonne, die ich-orientiert selbst Schmutz verbreitet, ruft nach verstärktem Einsatz von Putzkolonnen.
Der Elite-Stammtisch ballt die Fäuste
Das Gespenst schießt wie Pilze aus dem Boden, oder sollte man es lieber mit der mythologischen Hydra vergleichen, der man erfolglos den Kopf abschlägt und der stets ein neuer nachwächst? Es lässt sich anscheinend nicht unter Kontrolle bringen. Diffamierung, verbales Beschmieren mit brauner Farbe, Vorwürfe der Dumpfbackigkeit und des Stammtischgebrülls erweisen sich als stumpfe Waffe.
Die Warnungen vor diesem Gespenst schlagen ins Gegenteil um, es wächst in den Himmel mainstreamiger politischer Harmonie und mischt dort auf – wohltuend oder beunruhigend, je nach Perspektive. Das Gespenst heißt Abweichler, abweichlerisches Denken, wie es sich in den alternativen, nicht-öffentlichen Systemmedien breit macht.
Die Stühle von Claus Kleber, Jan Hofer und Konsort*INNen spüren schon das Vibrieren vor dem unmittelbaren Beben in ihren Tempeln der Meinungsmache. Die Einschaltquoten zeigen, dass das Durchschnittsalter von Fernsehzuschauern über 60 liegt und die jungen davonlaufen. Die nachwachsende Generation interessiert sich mehrheitlich nicht für Bedenkenträger-Blicke der von uns topfinanzierten Halbdenker mit irreversiblem Linksdrall in den gesicherten Meinungsbunkern.
Zwischen 18 und 24 Jahren, so die FAZ, holen sich, laut einer Umfrage in 36 Ländern, nur noch 5% die Informationen aus Zeitungen. Stattdessen sind Facebook und Twitter die Informanten der kommenden Generation(en).
Man trifft sich unter Gleichgesinnten
Anlass genug, ein Symposion zu veranstalten, um den neuen Meinungsmachern im Wildlife – Journalismus der Krieg zu erklären. Es galt, Think-different-Anhänger im intellektuellen Biotop uniformen Meinens und Kommentierens im Rahmen erforderlicher juristischer Maßnahmen zur Sicherung demokratischer Gesinnung zu exekutieren.
„Debatten ohne Grenzen? Soziale Medien als Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat“ war der Titel einer Veranstaltung in der Stadt Triberg, worüber die FAZ am 17.12.2018 berichtete. Eine anders formulierte Thematik hätte den Teilnehmern besser getan. Warum nicht „Soziale Medien als CHANCE für den demokratischen Rechtsstaat“?
Damit hätte man der Tagung freilich einen Drift gegeben, den es ja zu vermeiden galt. Soziale Medien mussten als Gefahr herhalten, denn man wollte den Angriff gegen die freie Meinung, nicht um deren Verteidigung. Die Reihe von Thesen, die dort geäußert wurden, lässt erkennen, dass es eine Sich-Wohlfühl-Veranstaltung unter Gleichgesinnten sein sollte.
Der Populismus ist wieder mal der Täter
Populistischen Parteien, so R. Brinkhaus, die offensichtlich als größte Bedrohung beim ungefaketen Stanzen gemeinverträglicher Meinungen gelten müssen, könne man nicht vertrauen, selbst wenn sie „erklären sollten, dass sie in Wahlkämpfen auf den Einsatz von sogenannten Bots verzichten würden.“
Bots, welche die Gefahr bergen, „Meinung massenhaft [zu] beeinflussen“, würden vermutlich der „Versuchung“ unterliegen, die anstehenden Europa- und Landtagswahlen zu manipulieren (Nachfrage, Euer Ehren: Ist es einem Teilnehmer aufgefallen, dass die Definition „massenhaft beeinflussen“ und „manipulieren“ genauso gut auf die merkelwilligen Systemmedien passt?).
Man sang das einstimmige Klagelied mit dem Vertreter der Grünen, K.v. Notz. Für ihn stellt die „Manipulation öffentlicher Willensbildung“ eine Bedrohung dar, die, so die Übereinstimmung der „kontrovers“ Diskutierenden, in eine „Herausforderung für den demokratischen Rechtsstaat“ münde.
Unisono, so berichten die FAZ-Schreiber, sei man zu dem Schluss gekommen, dass „die neuen Medien die bislang üblichen, von großen Verlagshäusern und den öffentlich-rechtlichen Sendern dominierten Meinungsbildungsprozesse stark bedrohen, wenn nicht schon zum Einsturz gebracht haben.“
Warum gab es früher keine Reißleine bei öffentlichem, nicht-korrektem Denken? Ch. Neuberger von der LMU München weiß es. Er charakterisiert die Konsumenten in der Zeit vor den sozialen Medien als „Massenpublikum“, das nahezu exklusiv über den klassischen Journalismus Informationen erhielt. Was heute, mit Hilfe von Facebook und Google, gefährlich dräut, sei der Umstand, dass jeder „Rezipient auch Sender und Amateurpublizist sein kann.“
Die Selbstherrlichkeit der Journaille ist am Ende
Anders gesagt: Konnten früher unerwünschte Informationen sowie missliebige Reaktionen der „Rezipienten“ durch selbstherrliche Redakteure der Meinungsmacher vom öffentlichen Meinungsraum ferngehalten werden, so haben die sozialen Medien mit dieser bisherigen Anmaßung Schluss gemacht und dem systemwilligen Journalismus ein für allemal ein Ende bereitet.
Dass sie dafür von den zurecht Blamierten als „Amateurpublizisten“ bezeichnet werden, lassen sie sich gerne gefallen. Denn für die Demokratie sind sie allemal ein Gewinn.
Der schottische Experte für Komisches, Markus Meechan, Künstlername Count Dankula , hatte einen – von ihm unterstellt – witzigen Einfall. Er trainierte den Hund seiner Freundin, einen gelehrigen Mops, nach dem Muster von Pawlow, so dass er auf einen Impuls hin eine höchst ungewöhnliche Bewegung ausführte.
Schaun wir uns den Gag an!
Der gelehrige Mops wird vor einen Bildschirm gesetzt, auf dem Hitler eine seiner fulminanten Reden hält. Wann immer nun Herrchen dem lernwilligen Mops Juden ins Gas („Gas the Jews“) zuruft, hebt die Knuddelwurst die Pfote zum Hitlergruß.
Damit Herrchen den Riesenspaß nicht alleine genießen musste, sondern weltweit ein Kicherpublikum hinter sich weiß, stellte er den Witz mit dem Slogan Juden ins Gas auf Youtube.
Der Kolumnist Andrew Doyle von Spiked sieht es so: Ob dieses Video lustig ist, ist Ansichtssache. (“Whether the video is funny or not is a matter of opinion“).
Um mir eine bloß subjektive „Ansicht“ über diesen eigenartigen Joke, ohne Relevanz für einen weiteren Gesichtskreis als den meinigen, bilden zu können, hole ich aus meinem Bücherregal den Band Yad Vashem, Zeugnisse des Holocaust.
Ich blättere in Leichen, die auf einem Scheiterhaufen auf die Verbrennung ihrer stinkenden Körper warten. Ich sehe Kinder, die vor Orientierungslosigkeit ins Nichts starren, nackte Frauen, die kurz nach dem Erinnerungs-Schnappschuss wie Säcke zusammenfallen werden, Juden-Fratzen von tötungsgeilen Karikaturisten auf Plakate gekonnt gebrannt, lachende Soldaten vor ruinierten Judengestalten, einen zielsicheren Schuss auf eine ihr Kind schützende Mutter, einen Hinterkopfschuss auf einen in die Todesgrube fallenden Mann.
Der Spiked- Kolumnist verteidigt den Videokünstler.
Witze über Antisemitismus, so kommentiert er, seien das beste Mittel, um die NS-Ideologie lächerlich und unschädlich zu machen und gegen Antisemitismus vorzugehen.
Und außerdem hätte sich der Künstler-Spaßvogel, wäre er Antisemit, ein effektiveres Mittel als einen Mops ausdenken können, um NS Ideologie zu verbreiten.
Und zu guter Letzt eine zu überdenkende Handlungsempfehlung vom Verfechter des Mops-Videos. Wer immer, so der Autor, besorgt sei um das Erstarken von NS Gedankengut, solle das Video zur Bekämpfung von Antisemitismus weiter verbreiten.
Sollte derlei abwegige Logik funktionieren, müsste man dieses Video in Yad Vashem, dem Jerusalemer Museum der Meere von Tränen als neues Objekt im Kampf für das „Nie Wieder“ installieren.
„Die Welt schreit nach Lüge.“
(Thomas Mann)
Die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung sieht, gemäß Selbstdarstellung, ihre Aufgabe darin, „Arbeit an den Grundwerten der Sozialen Demokratie: Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität“ zu leisten. Sie veranstaltete am 14. Mai 2019 eine Tagung zum Thema „Europa und Iran“. Eingeladen war Saeid Khatibzadeh, laut FES ein „Experte zum Thema Atomabkommen“ mit dem Iran. Es gab heftige Kritik von israelischer Seite, da er ein iranisches “Institute for Political and International Studies” repräsentiert, das 2006 eine Holocaust-Leugnungs-Konferenz in Teheran organisierte.
Der Anlass, Politiker zu werden
Auschwitz als überzeugender Grund für Außenminister Maas, in die Politik zu gehen? Dieses Bekenntnis, eine Überhöhung der eigenen politischen Tätigkeit in geradezu schicksalhafter Dimension, muss man in Israel für einen Fake halten. Die korrekt denkenden Deutschen mögen ihm das abnehmen, weil die systemfreundlichen Medien nicht daran interessiert sind, das israelfeindliche deutsche Abstimmungsverhalten in den Vereinten Nationen auf den Prüfstand zu stellen. Sie berichten lieber von händeschüttelnden Treffen der Bundeskanzlerin mit Netanyahu und von Merkels großmundiger, Israel integrierender Staatsräson. Berichte über die deutsche Positionierung in der UN gegenüber Israel würden nämlich den Beweis liefern, dass Reden und Handeln von Regierungsseite soweit voneinander entfernt sind wie Morgensonne und Abendsonne.
Ist Maas ein Widerständler in der Regierung?
Die Recherche dazu verwirrt. Die BILD berichtet aktuell, dass Maas die „Ausgrenzung Israels bei den UN“ kritisiert. Gleichzeitig erfahren wir, dass 2018 Deutschland 16 mal bei 21 Resolutionen gegen Israel gestimmt hat.
Dazu noch die Information, dass die FDP-Fraktion „das deutsche Abstimmungsverhalten im März mit einem Antrag im Bundestag ändern“ wollte, was jedoch abgelehnt wurde. Die Neue Zürcher Zeitung titelt: “Der Bundestag hält Resolutionen gegen Israel für unbedenklich. Kein anderes Land wird von den Vereinten Nationen so häufig verurteilt wie Israel. Oft geschieht dies mit deutscher Unterstützung.“
Der angemaßte Friedensrichter Deutschland
Als Begründung für die antiisraelische Haltung hinter deutschem Abstimmungsverhalten darf man als Beobachter der Vorgänge wohl die ehrsame Absicht unterstellen, dass damit ein wichtiger Beitrag zur Demokratisierung Israels und zum Frieden im Nahen Osten geleistet werden will. Offensichtlich muss man Israel dabei helfen, the road to peace , den Weg zum Frieden zu finden. Der Beitrag Deutschlands bei Abstimmungen in den UN ist also gewissermaßen Hilfe zur Selbsthilfe für Israel und hat nichts mit Antisemitismus zu tun.
Israel misstraut Lippenbekenntnissen
Aber es gibt Zweifler an dieser hehren Absicht. Die mit historischer Erfahrung Informierten und Betroffenen weltweit ansteigender Judenfeindlichkeit haben ein Gespür für das Doppelgesicht des deutschen, altparteilichen Pseudo-Einsatzes gegen Antisemitismus. Sie halten das medienwirksame Engagement im Heimspiel eher für eine perpetuierte, opportune Selbstentladung von Schuldgefühlen.
Die glaubhafte Berechtigung zu dieser unrühmlichen Annahme liegt vielleicht darin, dass man in Israel den wohlwollenden Umgang der SPD-nahen Stiftung mit dem Vertreter eines Landes, das sich als Epizentrum von Holocaust 2.0 und den damit verbundenen Auslöschungsfantasien darstellt, missbilligt. Geschah das Malheur der Einladung vielleicht, weil der SPD-Bundespräsident ebenfalls keine Scham darüber empfinden konnte, seine Gratulation zum 40. Jahrestag der erfolgreichen Revolution dem Iran zu übermitteln?
Der Vorwurf
In der Ausgabe der Jerusalem Post vom 16. Mai schreibt Dr. Efraim Zuroff, Chef-Nazijäger des Wiesenthal Centre, Klartext: „German Social Democrats appeased Iranian Holocaust deniers“ („Deutsche Sozialdemokraten beschwichtigen iranische Holocaust-Leugner”)
Dr. Zuroffs Kommentar in der Jerusalem Post: „Die deutsche Geschichte hätte die Menschen an der FES lehren sollen, dass Versuche, Fanatiker zu besänftigen, nie zu den gewünschten Ergebnissen führen.“
Christoph Heubner, Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, beurteilte die Veranstaltung als „Skandal“ .
Die NGO „Stoppt die Bombe“ forderte die Absage der Veranstaltung. Ihre Sprecherin, Ulrike Becker: „Wenige Tage, nachdem die vom Iran unterstützten Terrorgruppen Islamischer Dschihad und Hamas Israel mit mehr als 700 Raketen angegriffen haben, hofiert die FES das iranische Regime, das […] Israel mit der Zerstörung bedroht“.
Die alten und die neue SPD schweigen
Die Generalsekretärin der SPD, Andrea Nahles, verweigerte die Antwort auf die Anfrage der Jerusalem Post, ob sie „die falschen Lehren aus dem Holocaust gezogen“ habe. Auch Kurt Beck, SPD Ministerpräsident a. D., der Vorsitzende der FES, blieb eine Antwort schuldig.
Und wie steht’s mit der Nachwuchs-SPD? Arne Zillmer von den Berliner Jusos weigerte sich ebenfalls, einen Kommentar abzugeben. Leonard von Galen, internationaler Sekretär der Jusos, reiht sich ebenfalls in die Sprachlosen ein.
FES: Links blinken, rechts abbiegen
„Die Friedrich-Ebert-Stiftung will […] in Zeiten der politischen Krise und des Säbelrasselns [Trump? Netanyahu?] einen Ort des Dialogs anbieten. Unsere Haltung zu Israel ist geprägt von Solidarität und einer besonderen Verantwortung vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte.“
Einspruch euer Ehren!
Der israelische Autor Chaim Noll erhielt eine Absage für einen geplanten Auftritt bei der FES wegen „heftiger Kritik an der deutschen Zusammenarbeit mit der Islamischen Republik.”
Schade, dass für Kritiker der sog. deutschen Friedenspolitik, wie Chaim Noll, kein Platz in der an „Dialog“ ausgerichteten Friedrich-Ebert-Stiftung ist.
Den Kriminalroman „Das Attentat“ von Frank Jordan muss man nicht ganz gelesen haben, um von seiner Qualität überzeugt zu sein. Die ersten 100 Seiten lassen erkennen, dass man ihn ganz lesen muss. Auch wenn es Zeit kostet. Freilich: 560 Seiten sind kein Pappenstil. Dennoch: Die Zeit, die man zur Lektüre des Gesamten braucht, ist sicher nicht verplempert. Das zeigt das Resümee nach den ersten 100 Seiten.
Wer Wein nicht nur deswegen kauft, weil Alkohol drin ist, legt Wert darauf, vor dem Kauf zu erahnen, was sich unter dem Korken an Genuss bereithält. Wer ein Buch mit Verstand kauft, liest nicht nur den Klappentext. Warum? Er wäre vergleichbar mit einem Weinliebhaber, der beim Weinkauf nur die schmeichelnde Form der Flasche oder das ansprechende Etikett entscheiden lässt.
Eine Vorwarnung trotzdem: Wer im Roman „Das Attentat“ von Frank Jordan den Raum des Gaunertums betritt, wird gefordert, bis er bisweilen das Gefühl hat, überfordert zu sein. Namen, Orte, Zeiten – alles protokollarisch festgehalten, aber mächtig füllig. Man kann sich in einen Richter versetzen, der mit einem Berg von Akten konfrontiert wird, mit der Vorgabe, bald ein Urteil zu sprechen.
Greifen wir dennoch an. Öffnen wir die Flasche. Anders gesagt: Gehen wir hinein in ein Haus des Unmoralischen, nehmen wir einen ersten Blick in das Haus. Kennt sich jemand sofort aus, wenn er ein unbekanntes Gebäude betritt?
Kleine Vorwegnahme in der Sprache der Literaturwissenschaft. Das hat man am schönsten in Shakespeares Dramen gelernt. Garant zu erwartender Qualität ist die Exposition. Dort sind alle relevanten Themen angedeutet und grundgelegt, sie werden sich im Fortgang der Handlung entfalten. Wer Exposition kann, kann den Rest. Beim Barden aus England sind die Themen immer Gültige, in Das Attentat von Jordan kommen dazu noch aktuelle.
Immer Gültiges: Liebe, Tod, Vertrauen, Enttäuschung, Unmoral. Alles auch im Attentat.
Aktuelles dazu: Gesellschaftskritik, EU, Datenschutz, Politik, Macht, Brüssel.
Bitte nicht nachfragen, wie sich diese Welten im Fortgang öffnen. Hier nur ein paar Beispiele zur Degustation. Weiterlesen empfohlen.
Liebe: im Anfang der Flug in der Luxusklasse einer Privatmaschine. Der „Bankier des Kremls“ und seine Frau: Evgenija Iwanowna Laritskaja, Gemahlin des Aleksei Wladimirowitsch Laritski. (Zugegeben: Mit den russischen Namen tut man sich schwer, auch wenn man Dostojewski gelesen hat.)
„Es gab kein Wort für solch atemraubendes Sehnen nach dem anderen, für den zerrenden Schmerz – als wär sie ein Stück von ihm, als hätte man sie mit scharfer Klinge aus ihm herausgeschnitten. Er stieß das Namenlose weg von sich. Für den Mann, den sie geheiratet hatte, hatte es solches nicht zu geben.“
Viel später der Tod: „Was dort die Laken nur geringfügig zu heben vermochte, konnte kaum als Mensch durchgehen. Lautlos schritt sie über den hohen Flor des Teppichs, kam neben dem Bett zu stehen. Mit dem Schaft des Schalldämpfers berührte sie die gelbgespannte Haut von Kolkos Wange. Auch diese Bezeichung war irreführend: Da war nur die Haut über dem Schädel. …Das hier war schlimmer als der Tod.“
Datenschutz: „Denn glaub‘ mir: Abseits des Geschreis der Tagespolitik schlummern in den Tiefen unseres Grundgesetzes die wahren Leckerbissen in puncto Vertraulichkeit im Umgang mit anderer Leute Daten. Ich sage nur: Weißgeldstrategie, Sozialgesetzgebung. Da werden die wahren Tragödien des Datenschutzes geschrieben.“
Das Sowjetsystem: „Ein paranoides, geschlossenes Regierungs- und Machtsystem, das darauf ausgerichtet war, alles zu kontrollieren und alles zu vernichten, was nicht kontrollierbar war.“
Brüssel und die EU: „Sie, die Vorsteherin des Amts für Auswärtige Angelegenheiten, …war es gewesen, die der per Abstimmung geforderten Einschränkung der Personenfreizügigkeit gegen jeden Widerstand aus dem politischen Apparat zum Durchbruch verholfen und den selbsternannten Götzen in Brüssel die Stirn geboten hatte.“
Kulturkritik: „Was sagt er zur Lage der Nation mitten in einem Europa, das in einem albtraumhaften Sumpf von Dekadenz, Staatshörigkeit und islamischer Immigration feststeckt? … Freiheit sichern. Und damit Wohlstand. Das Verrückte daran: Damit gewann man heutzutage keine Wahlen oder Abstimmungen mehr. Freiheit interessierte nur noch als Parole. Rohe, ungekochte, harte Freiheit, damit einhergehende Verantwortung und die stets drohende Möglichkeit der Schuld schreckten ab. Die Leute wollten bequeme Sicherheit. Dazu Politik mit Unterhaltungswert. Demokratie die moderne Version von Brot und Spielen.“
Ein paar Worte zur Erzähltechnik: Sie ist protokollarisch. Ort (meist auch Zeit) werden mitgeteilt, was dem Erzählten den Eindruck des Fiktiven wegnimmt. Anklänge an Brechts Episches Theater drängen sich auf: Szenen, welche die Problematik erhellen, ohne ständig nur chronologisch und sequentiell zu wirken. Der Leser muss, bis er im Geschehen uneingeschränkt verstehender Zuschauer ist, zunächst die Leistung erbringen, Puzzleteile auf ihre Umrisse zu untersuchen, bevor er sie zusammenzusetzen kann. Der auktoriale, also allwissende, Erzähler gibt zwar Hinweise als Hilfestellung, man wird aber nicht mit der Nase auf die Zusammenhänge gestoßen.
So what? Kaufempfehlung?
Wer nur im Liegestuhl am Strand entspannen, endlich seine Probleme und die der Welt hinter sich lassen will, soll sich diesem Thriller nicht stellen. Das Attentat ist zu bedrängend, weil absolut aktuell, und der Text braucht die volle Konzentration des Lesers. Mal so vor-sich-hinlesen geht gar nicht. Auch zur Überwindung von nächtlichen Schlafunterbrechungen eignet er sich nicht.
Wer Sprache schätzt, die phraseologisch nicht aus dem Baukasten der Trivialliteratur entnommen ist, die mit ungewohnten Vergleichen überrascht, wer gekonnte Bilder liebt, und wer Banalität nicht als den Inbegriff des Chillens sieht- er geht mit dieser Lektüre in ein intellektuelles und literarisches Fitness-Studio.
„Es ist leichter, einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil.“
(Albert Einstein)
Niemand, der in der Realität des 21. Jahrhunderts angekommen ist, kann das bezweifeln: Wissen verdirbt wie Frischware. Das Haltbarkeitsdatum von angeeignetem „Stoff“ ist übermorgen bereits abgelaufen. Wen wundert es da, dass Bildungspolitik galoppiert, weil sie den Anschluss an frisch geerntete Aktualität nicht verpassen will.
Freilich, mit Büchern, pfundweise, mit bedrucktem Papier zwischen Kartondeckeln als Transporteur von permanent schon Überholtem wird man in der Hetzjagd nach noch nicht verdorbenem Wissen keine PISA-Siege erringen können. Zum Glück pixelt die Lösung des Problems schon vor der Nase. Traditionelle Bücher sind schwer und schwerfällig, das moderne Buch, das der Lernende mit sich führt, ist leichtgewichtig und stets aktuell. Es ist digital und universal. Platz für ein paar Tausend Bücher in wenigen hundert Gramm Hardware.
Die Rede ist vom digitalen Lesebuch, auch Tablet, oder in der kleineren Ausgabe, Smartphone genannt. Dessen unverzichtbarer Einsatz in der Schulung von Heranwachsenden scheint unwiderlegbar. Überhaupt: Digitalisierung ist das Buzz-Wort, mit dem sich sogar Sitzplätze im Bundestag zurückerobern lassen, wenn man es als zentrales Anliegen seiner Partei im Wahlkampf instrumentalisiert. Es verbreitet nämlich den Geruch von Überlegenheit und gelungener Zukunft .
Nimmt es Wunder, dass Lisa Becker in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung behauptet, es sei höchste Zeit, die Einführung von Smartphones im Schulunterricht voranzutreiben? Die Schule, wo Kinder „ohne Elektronik“ lernen, hält sie für eine „romantische Vorstellung“ von einer heilen Pädagogik jenseits der „mächtigen digitalen Revolution“, aus der die Erwachsenen schnell in die „Realität“ zurückfinden sollten. Garniert mit üblicher Lehrerschelte erfahren wir, dass es dazu auf Lehrerseite natürlich nötig ist, sich „einzulassen“ auf diese neue Technik. Den Schülern im Umgang mit ihr auf „Augenhöhe“ zu begegnen. Denn „Lehrer sind selbst wenig geschult.“
Das ist der Pferdefuß. Wird er beseitigt, garantiert die Journalistin „Medienkompetenz“ sowie einen „reflektierten Umgang“ mit dem Internet. Der Gebrauch des Internets im Unterricht, so die Autorin, führe die Schüler aus der „passiven Rolle“ im Unterricht heraus und fördere „selbständiges und kooperatives Lernen“. Wenn’s wahr ist! (Offensichtlich hat die Autorin ihre Erfahrungen mit Lehrmethoden an ihrem Schreibtisch gesammelt.)
Doch des Digitalen Kern liegt woanders. Im Digitalisierungstaumel ignoriert Wissenschaft nicht selten Wissenschaft, wenn sie ihr nicht in den ideologischen Kram passt. Dies machte die Konferenz zur „Zukunft des Lesens“ deutlich, zu der sich die Internationale Buchwissenschaftliche Gesellschaft in München einfand. Henning Lobin, Sprachwissenschaftler und offensichtlich Verfechter digitaler Ubiquität im Ausbildungswesen, versteht nicht, wie man einen Begriff wie „Tiefenlesen“ als Argument gegen Pixel-Texte anführen kann. Er sieht in diesem Argument bei den Digitalskeptikern eine „quasireligiöse Überhöhung“ am Werk. Also raus aus den Büchern und rein in die Pixelwelt!
Wo Ideologien herrschen, helfen keine Studien, die beweisen, dass man, vermeintlich vorwärts- und zukunftsorientiert, in Wirklichkeit Rückschritte macht. Der spanische Psychologe Ladislao Salmeron zeigte in über 40 Untersuchungen die Mängel digitalen Lesens gegenüber dem gedruckten Wort: Die „mentale Anstrengung“ sowie das „Verständnis“ des Gelesenen sind bei bildschirmgefütterterten Rezipienten weitaus geringer als beim Lesen von analogem Druck (Vom haptischen Erlebnis einer betasteten Buchseite, vom schnelleren und gezielteren Umblättern, vom Anstreichen und Hervorheben mit Randbemerkungen ist dabei noch gar nicht die Rede).
Erhärtet wird die Erfahrung sinnvolleren Einsatzes von gedruckten Texten durch eine weitere Studie aus Israel. Das dortige Institute of Technology beauftragte fast ein Dutzend Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen damit, eine Beurteilung des Leseerfolgs im Vergleichs digitaler und analoger Bücher abzugeben. Das Ergebnis war eindeutig: Es gab keine Befürwortung digitaler Bücher.
Wie hilflos Wissenschaft ist, wenn sie dem Mainstream nicht folgt, zeigte die Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums. Man bestand, allen empirisch belegbaren Argumenten zum Trotz, auf der Einführung digitaler Schulbücher. Ein Sieg der Realität über die romantische Träumerei von Pädagogik.
Frage: Was ist typisch für Lehrer?
Antwort: Sie haben vormittags recht, und nachmittags frei.
Der Politik mangelt es nicht an Einfällen, Wege aus den Sackgassen, in die sie uns geführt hat, anzubieten. So provoziert die „Mutter aller Probleme“ (Seehofer), d.h. die außer Kontrolle geratene Zuwanderung in Deutschland, wieder einmal einen Lösungsvorschlag, der sich um seine Auswirkungen wenig kümmert. Der aktuelle Einfall ist eine amtlich verordnete Sturzgeburt: die Rekrutierung von Zugewanderten als pädagogische Quereinsteiger in den Schulen.
Lehrer werden ist nicht schwer…
Eine aktuelle Schnapsidee, die offensichtlich von bildungspolitisch unbeleckten Politikern lanciert wurde, erstaunt heftig. Dazu eine Zahl vorneweg: 5800 Lehrerstellen sind in NRW nicht besetzt.
Die Zeitungsmeldung: „NRW will Lehrermangel mit Flüchtlingen bekämpfen - Um dem Lehrermangel entgegen zu wirken, sollen in Nordrhein-Westfalen geflüchtete Menschen für den Unterricht qualifiziert und eingesetzt werden. Etwa 400 Lehrer aus Drittstaaten haben sich bereits beworben.“
Das klingt irgendwie easy: An den Universitäten Bielefeld und Bochum, so der Artikel, gibt es bereits ein Programm namens „Lehrkräfte Plus“, das für „Geflüchtete“ angeboten wird.
Lehrer aus dem schnellen Brüter
Wie sieht dieses „Plus“ aus? Ein Qualifizierungsprogramm für die Bewerber, Dauer 1 (!) Jahr, enthält einen Intensivkurs Deutsch und „vor allem pädagogisch-interkulturelle Schulungen“. Gelernt wird dabei durch „Hospitationen und ein integriertes Mentoringprogramm“. Dazu gibt es die „Anerkennung von Lehramtsabschlüssen“ [des Herkunftslandes, Anm.Verf.]. Ein Einsatzgebiet [für die frisch gebackenen Experten in Sachen Unterricht, Anm.Verf.] ist etwa der „Vertretungsunterricht“ . Damit, so lesen wir, wurde reagiert auf Kritik der SPD-Opposition, die bemängelte, dass die „kostbare Ressource“ , welche die geflüchteten Lehrkräfte darstellen, „nicht genutzt“ werde. Das könne man nicht länger akzeptieren. Sagt die Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion.
Was bisher galt: Um Kinder in Deutschland beschulen zu dürfen, musste das „lehrende Personal“ einwandfreies Deutsch sprechen. Das wird nun anscheinend Vergangenheit. Das 1-Jahresdeutsch, vermutlich vergleichbar mit dem Niveau, das man bei der Internet-Plattform Babbel.com im gleichen Zeitraum lernen kann, soll dann in Zukunft die Kommunikationskompetenz garantieren, um den pädagogischen Ansprüchen im Schulalltag gerecht zu werden. Ein Argument gegen die Skeptiker: Das genügt, weil der Lehrer von morgen nicht mehr der frontale Einpeitscher ist, der er bisher war.
Der Lehrer von Morgen ist Konfliktmanager
Der Lehrer von morgen, das ist nur noch der Lernbegleiter, der Kommunikationsmanager, der Trouble-Shooter, wenn lernmäßig gar nichts mehr geht oder wenn Disziplinprobleme in Schlägereien ausarten. Dann kann er nämlich den aufsässigen Schüler, den Trouble-Maker, in einen Raum begleiten, wo ein Psychologe sich der Ursachen und Therapiemöglichkeiten für das abweichende, sprich „erlebnisorientierte“, Verhalten annimmt. Immer individuell, versteht sich. Ein hinzugezogener Psychotherapeut mag im Einzelfall angesagt sein.
Unterrichten geht ab morgen anders
Der Lehrer von morgen vermittelt, wie sich das heute in modernen Unterrichtstheorien allenthalben und in der Praxis immer häufiger schon abzeichnet, den Stoff nicht mehr selbst. Die traditionell jahrelange wissenschaftliche und pädagogische Ausbildung und Erfahrung in Sachen Unterrichten, unabdingbare Voraussetzungen für die „altersgemäße“ – vorrangig sprachliche – Vermittlung von Wissen und Erkenntnis, Problemdenken und effizienten Arbeitstechniken, sind passé wie die Schallplatte als Tonträger. Das Digitale hat hier wie dort die Herrschaft angetreten. Auf Schülerseite: Der Gebrauch der artikulierenden Zunge und der schreibenden Hand weicht dem Gebrauch des Wisch- und Tippfingers auf dem Tablet. Auf Lehrerseite: Das Pop-up Fenster verdrängt das schrittweise Erstellen eines Tafelbildes, das einen zeitflexiblen (und damit an unterschiedlichen Lerntypen orientierten) Verstehensprozess erst ermöglicht. Stattdessen wird die PowerPoint-Präsentation als Königsweg des „kompetenzorientierten“ Lernens nur noch von Steinzeit-Pädagogen hinterfragt.
Mach dich selber schlau!
Der modern gecoachte Schüler erarbeitet das zu Lernende selbst anhand von Arbeitsvorgaben und Material, das ihm der Lehrer zur Verfügung stellt. Dies kann auch schon mal lediglich eine URL oder ein Link sein, anhand dessen er sich selbstständig im Internet Informationen beschafft, sie aufgrund seiner dabei erworbenen Kompetenz eigenverantwortlich auf Relevanz hin überprüft und nur im Zweifelsfall die „lehrende Kraft“ zu Rate zieht.
Barrierefreies Deutsch genügt
Diese veränderten Rahmenbedingungen erfordern generell keinen essentiell differenzierten Spracheinsatz und legen kein ausdrückliches Augenmerk auf Sprachpflege. Es genügt, auch mit Blick auf die von der Politik erwünschten pädagogischen Seiteneinsteiger mit fremdsprachlichem Hintergrund, barrierefreies Babbel-Deutsch. Die Einwände von Skeptikern gegen diese „Innovationen“ werden kein großes Gewicht haben. Das Aufkommen der Subsprache Leichtes Deutsch ermöglicht es allen am Lernprozess Beteiligten, ob Muttersprachler oder nicht, mit einfachen Worten jedes Problem irgendwie darzustellen, sollte es im Einzelfall nicht sowieso ohne Verbalisierung zu bewältigen sein. Was hilft es da zu klagen, dass die allmähliche Rücknahme eines gehobenen Anspruchs an Sprache durch Deutsch Light zu Denken Light führen wird, zum Verlust differenzierter Wirklichkeitserfassung und -bewältigung?
Potemkinsche Statistiken als Beruhigungspille
Denkt man vom Ende her, was der von der Politik begonnene Umbau des Systems Schule, personell und didaktisch, für Deutschland, das vor allem auf intellektuelle Ressourcen angewiesen ist, bedeutet?
Dann sind wir endlich angekommen in der Welt der pädagogischen Tragikomödie: Die Quote der „Durchfaller“ wird drastisch sinken, die Quote der Abiturienten – besonders derer mit Durchschnittsnote 1,0 – wird deutlich steigen. Der Wert von schulischen Bildungsabschlüssen befindet sich aber fortan im freien Fall.
Zur Psychologie der Manipulation in den öffentlich-rechtlichen Nachrichtensendungen
Journalisten haben Macht – und sie haben sie nicht durch ihre Kommentierung, sondern durch die Selektion, den Scheinwerfer-Effekt, das Setzen von Prioritäten. (Wolf Schneider: Unsere tägliche Desinformation)
„Der Kampf um den Platz im Bewusstsein der Menschen wird mit Nachrichten geführt.“ (M. Buchwald, Chefredakteur TAGESTHEMEN, 1978-81)
