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In "Stunden der Andacht" präsentiert Fanny Neuda eine Sammlung von Gebeten und Meditationen, die die Leserschaft in eine tiefere spirituelle Reflexion einführt. Mit einem klaren, lyrischen Stil, der sowohl emotional als auch nachdenklich ist, gelingt es Neuda, die innere Stimme des Menschen im Gebet zu ergründen. Die Texte sind in einen literarischen Kontext eingebettet, der geprägt ist von der religiösen und kulturellen Sphäre des 19. Jahrhunderts, und bieten sowohl Trost als auch Inspiration für eine von Zweifeln geplagte Seele. Fanny Neuda, eine bemerkenswerte jüdische Autorin und Gebetsverfasserin, war in einer Zeit aktiv, in der Frauen in literarischen und religiösen Kreisen oft marginalisiert waren. Durch ihre persönlichen Erfahrungen und die Herausforderungen, denen sie begegnete, hat Neuda einen einzigartigen Zugang zu den Bedürfnissen der Gläubigen entwickelt. Ihre Biografie, geprägt von der Suche nach Identität und Spiritualität, spiegelt sich in jeder Seite ihrer Texte wider und offenbart die menschlichen Emotionen und die Sehnsucht nach göttlicher Verbindung. "Stunden der Andacht" ist nicht nur ein Leitfaden für das Gebet, sondern auch eine Einladung zur persönlichen Auseinandersetzung mit dem Glauben. Die Leser sind eingeladen, die zeitlosen Botschaften und die tiefgründige Seelenpflege zu erleben, die in Neudas lyrischen Worten verwoben sind. Dieses Werk ist sowohl für spirituelle Suchende als auch für Literaturinteressierte von unschätzbarem Wert, da es eine Brücke zwischen Herz und Geist schlägt. In dieser bereicherten Ausgabe haben wir mit großer Sorgfalt zusätzlichen Mehrwert für Ihr Leseerlebnis geschaffen: - Eine prägnante Einführung verortet die zeitlose Anziehungskraft und Themen des Werkes. - Die Synopsis skizziert die Haupthandlung und hebt wichtige Entwicklungen hervor, ohne entscheidende Wendungen zu verraten. - Ein ausführlicher historischer Kontext versetzt Sie in die Ereignisse und Einflüsse der Epoche, die das Schreiben geprägt haben. - Eine gründliche Analyse seziert Symbole, Motive und Charakterentwicklungen, um tiefere Bedeutungen offenzulegen. - Reflexionsfragen laden Sie dazu ein, sich persönlich mit den Botschaften des Werkes auseinanderzusetzen und sie mit dem modernen Leben in Verbindung zu bringen. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
Diese Werksammlung legt Fanny Neudas Stunden der Andacht in ihrer ganzen Anlage vor: ein im 19. Jahrhundert weithin verbreitetes, deutschsprachiges Gebet- und Erbauungsbuch, das jüdische Frauen und Mädchen in Synagoge und Hausandacht begleitet. Ziel der Zusammenstellung ist es, den inneren Zusammenhang des Werkes sichtbar zu machen und den Weg durch Kalender, Lebenslauf und Alltag zu erschließen. Den Auftakt bilden Vorwort und Vorwort des Verlegers, die die geistige Ausrichtung begründen und den Leserinnen einen Rahmen geben. Im Zentrum stehen nicht fiktionale Dichtungen, sondern Andachtsprosa, Gebete und Betrachtungen, die Orientierung, Trost und religiöse Vertiefung bieten.
Die Sammlung führt zunächst durch den persönlichen Tageslauf: Beim Eintritt in das Gotteshaus, Am Morgen, Am Abend und Der Schlaf (Eine Betrachtung) ordnen das Beginnen, das Innehalten und das Ruhen. Es folgen Wochentexte von Am Sonntag bis Am Freitag sowie die Schwelle zum Ruhetag: Beim Eingange des Sabbath nach dem Lichtzünden, Am Sabbath und die synagogalen Momente Beim Ausheben der Thora am Sabbath. Der Monatsrhythmus wird mit Betrachtung, wenn der Neumond eingesegnet wird und Am Neumonde aufgenommen. So verbindet das Buch die wiederkehrenden Zeiten des Alltags mit dem liturgischen Takt des jüdischen Lebens.
Die Festzeiten entfalten ein dichtes Panorama religiöser Formen. An den ersten und letzten Tagen des Pessachfestes, beim Wochenfeste und am Laubhüttenfest begleiten eigenständige Gebete den Verlauf der Feier; Thora-Freudenfest, Lichtfest und Fest der Loose markieren weitere Höhepunkte. Das neue Jahr und der Versöhnungstag erscheinen in vielfacher Gliederung: Am Morgen des neuen Jahres, Zu Mussaf des Versöhnungstages, Seelengebet, Zu Mincha und Zum Schlusse des Versöhnungstages; ein Rückblick auf den Zug des Oberpriesters nach und aus dem Tempel vertieft die Erinnerung. Tisha beAw und allgemeine Fasttage, ebenso Nach dem Priestersegen, binden Trauer, Buße und Segen in den Jahreskreis ein.
Neben dem Kalender spricht das Werk die Lebenslagen von Frauen in eindringlicher Breite an. Von Gebet eines jungen Mädchens und Gebet einer Waise über Gebet einer Braut und Gebet einer Braut am Hochzeitstage bis zu den Stimmen der Mütter am Hochzeitstage ihrer Kinder wird der Familienkreis bedacht. Schwangerschaft und Geburt finden Raum in Gebet einer Frau, die sich Mutter fühlt, Vor der Entbindung, Nach derselben, bei Beschneidung und Namensgebung sowie beim ersten Gang der Wöchnerin ins Gotteshaus. Themen wie In kinderloser Ehe, das Wohlgeraten der Kinder, Confirmation, Kind in der Fremde oder Sohn in Militairdiensten spiegeln Sorge, Hoffnung und Verantwortung.
Sozialer Ernst und existenzielle Belastungen werden nicht ausgespart. Es finden sich Gebete für Pflegeeltern, bei Erkrankung des Vaters oder der Mutter, für den kranken Gatten, für kranke Kinder und nach der Genesung; daneben Stücke für kränkelnde Personen, Kuren und das Gebet auf der Reise. Seewege, Seesturm und überstandene Gefahr, ebenso Dürre und Regennoth, werden eigens bedacht. Wirtschaftliche Lagen von Um Lebensunterhalt über Im Wohlstand bis zu Gebet einer Unbemittelten und einer Dienenden, ehelicher Schmerz und Witwenschaft werden ausgesprochen. Der civic-religiöse Horizont zeigt sich im Gebet für den Landesfürsten; Challa-Gebet, Hagbaha, eine Legende und ein abschließendes Wort runden das Spektrum.
Verbindend wirkt ein Ton der Nähe und Verantwortung: eine klare, gehobene deutsche Prosa, die Gott in der zweiten Person anredet, biblische Bilder anklingen lässt und Gefühle ordnet, ohne Sentimentalität zu befördern. Die Texte wechseln zwischen festgefügten Gebeten und freien Betrachtungen; sie rahmen den liturgischen Vollzug ebenso wie das stille, persönliche Sprechen. Wiederkehrende Formeln, Reihungen und die zyklische Gliederung über Tag, Woche, Monat und Jahr vermitteln Halt. Zugleich öffnet die weibliche Perspektive Räume des häuslichen und familiären Lebens und verbindet sie mit der Gemeinschaft der Synagoge, mit Ethos, Buße, Dankbarkeit und dem Vertrauen auf Bewahrung.
Als historisches Dokument weiblicher Frömmigkeit und als Begleiterin gelebter Praxis hat Stunden der Andacht anhaltende Bedeutung. Es macht die Erfahrung jüdischer Frauen in Mitteleuropa sichtbar und erschließt zugleich den Reichtum einer deutschsprachigen Andachtssprache, die zwischen Haus und Synagoge vermittelt. Wer liturgische Traditionen verstehen, biographische Übergänge rituell begleiten oder seelsorgliche Worte finden will, entdeckt hier einen verlässlichen Fundus. Die vorliegende Zusammenstellung bewahrt den Umfang des Werkes, ordnet seine Teile und erleichtert den Zugang zu den unterschiedlichen Textsorten. So bleibt Neudas Stimme hörbar: tröstend, ermahnend und zuversichtlich im Blick auf den Rhythmus des Jahres und des Lebens.
Fanny Neuda (1819–1894), in Loštice/Mähren geboren, verfasste Stunden der Andacht in den 1850er Jahren als deutschsprachiges Andachts- und Gebetbuch für jüdische Frauen. Als Tochter und Ehefrau von Rabbinern kannte sie sowohl die häusliche Frömmigkeit als auch den Synagogenalltag der Habsmonarchie. Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1854 gewann ihr Werk eine tröstende, zugleich erzieherische Tonlage. Erstmals in Prag gedruckt, verband die Sammlung individuelle Lebenslagen – von Morgen- und Abendgebeten bis zu Muttersorgen, Krankheit, Reisen und Trauer – mit dem Jahreslauf der Feste. Damit übertrug Neuda ältere, meist jiddische Frauenandachten ins kultivierte Deutsch einer sich modernisierenden, bürgerlichen Öffentlichkeit.
Die Sammlung entstand im Spannungsfeld der jüdischen Emanzipation in den österreichischen Ländern. Seit Joseph II.s Toleranzpatenten von 1781/82, den Revolutionen von 1848 und den Gleichberechtigungsbestimmungen der Dezemberverfassung 1867 formierte sich ein jüdisches Bürgertum, das Loyalität und religiöse Bindung zugleich artikulierte. Darauf verweisen Gebete für den Landesfürsten und für das Gemeinwesen. Neudas Sprecherin sucht Versöhnung zwischen Staatsbürgerin und frommer Jüdin: Sie bittet für Frieden, Wohlfahrt und die Obrigkeit, ohne auf die Besonderheit jüdischer Zeiten und Riten zu verzichten. Die Habsburgermonarchie – von Prag bis Wien, von Mähren bis Galizien – bildete den sozialen Resonanzraum dieser doppelten Zugehörigkeit.
Die Haskala und die liturgischen Reformdebatten prägten Sprache und Form. Deutsch wurde zum Bildungsmedium der Zentral- und Westjuden; Predigten, Erbauungsliteratur und viele Gebetsbücher erschienen in der Nationalsprache. Neuda schließt an die Tradition der Tkhines an, die seit dem 17. Jahrhundert Frauen in jiddischer Sprache anleitete, und transformiert sie in eine klare, moralpädagogische Diktion. Parallel erstarkten Mädchenschulen und Lehrerinnen-Seminare, die religiöse Lektüre im weiblichen Publikum verbreiteten. In dieser Atmosphäre finden Texte wie Am Morgen, Am Abend oder Gebet einer Mutter ebenso Anklang wie Anleitungen zum Verhalten in der Synagoge, etwa Beim Eintritt in das Gotteshaus.
Vor dem Hintergrund bürgerlicher Geschlechterideale des Biedermeier und der folgenden Jahrzehnte zeichnet die Sammlung das religiöse Selbstbild der Hausfrau und Mutter. Sie verbindet Sittlichkeit, Gefühl und Verantwortungsbewusstsein: Gebete vor der Entbindung, nach derselben, für das Wohlgerathen der Kinder oder für Pflegeeltern ordnen häusliche Sorge in einen religiösen Rahmen. Zugleich spiegelt die Auswahl gesellschaftliche Verpflichtungen, die familiäre Rollen durchkreuzen: Militärdienst des Sohnes, Reisen des Gatten, Erwerbssorgen. Nach der Heeresreform und allgemeiner Wehrpflicht in den 1860er Jahren gewann die Bitte um Bewahrung besondere Dringlichkeit. Neudas Sprache vermittelt Halt, ohne Konflikte zwischen Pflicht und Fürsorge zu beschönigen.
Technischer Fortschritt und neue Mobilität bilden einen weiteren Hintergrund. Seit den 1830er Jahren vernetzten Eisenbahnen Mähren, Böhmen und Wien; Dampfschiffe verbanden die Donau mit der Schwarzmeerküste. Reisen, Kuren und Seefahrten rückten in die Reichweite eines breiteren Publikums – zugleich stiegen Empfindungen von Risiko und Kontingenz. Darauf reagieren Gebete auf der Reise, während einer Seefahrt, im Seesturm oder auf einem Kurplatz. Wiederkehrende Cholera- und Typhuswellen der Jahre 1831 und 1854/55 sowie die Entstehung moderner Krankenfürsorge rahmen Bitten um Genesung, Geduld im Leiden und Dank nach überstandener Gefahr. Krankheit und Technik erscheinen als Prüfsteine moderner Frömmigkeit.
Neuda verwebt die individuelle Andacht mit dem liturgischen Kalender, der in den Gemeinden der Habsmonarchie gelebt wurde. Texte zu Neumond, den ersten und letzten Tagen von Pessach, Wochenfest, Laubhütten und Thora-Freudenfest begleiten den Jahreslauf; Chanukka erscheint als Lichtfeste, Purim als Fest der Loose – ältere deutsch-jüdische Benennungen. Rituale wie Hagbaha und das Ausheben der Thora werden im Blick der Frauen beschrieben, die von der Empore aus teilnehmen. Tiefe historische Erinnerung – etwa am 9. Aw, dem Zerstörungstage Jerusalems – wird mit Gegenwartssorgen verschränkt. So entsteht ein Kontinuum aus kollektiver Geschichte und persönlicher Gefühlsarbeit.
Die Druckorte und Vertriebswege – vor allem Prag, später auch Wien und deutsche Städte – förderten die breite Rezeption. Jüdische Verleger spezialisierten sich auf preisgünstige Erbauungsliteratur, Kalender und Gebetbücher; Neudas Werk erschien in zahlreichen Auflagen und wanderte in Haushalte, Mädchenschulen und die Frauenempore der Synagogen. Zeitgenössisch lobte man die klare Sprache und sittliche Unterweisung; aus traditioneller Sicht gab es Vorbehalte gegen deutschsprachige Privatandacht. Gleichwohl überschnitt sich ihr Publikum konfessionell, von moderaten Orthodoxen bis zu Reformnahen. Die Sammlung fungierte als Brücke: Sie stärkte weibliche Religiosität, ohne den liturgischen Kern der Gemeinden zu sprengen.
Nach 1867 weiteten staatsbürgerliche Rechte Bildungs- und Berufswege; zugleich beschleunigten Migration und Urbanisierung die Verbreitung des Buches bis in deutsche Länder und Übersee. Bis ins frühe 20. Jahrhundert blieb es ein Begleiter für Lebenskrisen und Festzeiten, bevor Vertreibung, Shoah und der Sprachverlust des deutsch-jüdischen Milieus diese Lesekultur zerrissen. In der Rückschau erscheinen die Stunden der Andacht als Dokument einer Übergangszeit: deutsch geprägte Judenheit, weibliche Selbstermächtigung im Medium der Andacht, Loyalität zum Staat und Bindung an Tradition. Diese Konstellation erklärt, weshalb die Sammlung zugleich zeittypisch und dauerhaft anschlussfähig blieb und bis heute kulturhistorisch bedeutsam ist.
Einleitende Texte eröffnen den Band mit der Ausrichtung auf persönliche Frömmigkeit und häusliche Andacht.
Der Ton ist ermutigend und einladend; im Mittelpunkt steht die innere Vorbereitung auf ein bewusstes Gebetsleben.
Diese Stücke rahmen den Alltag vom Aufstehen bis zur Nacht, verbinden Dank, Bitte und Selbstprüfung.
Die Sprache ist ruhig und gesammelt; Themen sind Vertrauen, Schutzsuche und das Loslassen am Ende des Tages.
Gebete für Sonntag bis Freitag strukturieren die Arbeitswoche geistlich und verknüpfen Pflichten mit Besinnung.
Der Ton ist nüchtern und zugewandt; Leitmotive sind Maßhalten, Gewissenserforschung und Alltagstugend.
Texte zum Lichterzünden und zum Sabbattag leiten vom Werktag in heilige Ruhe und Gemeinschaft über.
Der Ton ist feierlich und tröstend; Schwerpunkte sind Heiligung der Zeit, häuslicher Friede und Dankbarkeit.
Gebete beim Eintritt in das Gotteshaus, beim Ausheben der Tora an Sabbat, Festtagen und nach dem Priestersegen begleiten zentrale liturgische Akte.
Der Ton ist ehrfürchtig und gemeinschaftsbezogen; im Mittelpunkt stehen Ehrung der Schrift, Demut und Empfangsbereitschaft.
Betrachtungen und Gebete zum Neumond sowie zum Monat Elul markieren den Neubeginn und die Vorbereitung auf Umkehr.
Die Haltung ist introspektiv; Themen sind Erneuerung, Rechenschaft und Hoffnung.
Texte für die ersten und letzten Tage des Festes betonen Befreiung, Dank und Verantwortung.
Der Ton ist erinnernd und solidarisch; Fokus ist das Weitertragen von Erlösungserfahrung in Gegenwart und Alltag.
Ein Festgebet stellt Gabe und Verpflichtung der Lehre ins Zentrum.
Der Ton ist bittend und lernbereit; Thema ist die innere Aneignung von Weisung.
Gebete zu den ersten und letzten Tagen des Festes, zum Kreisgang mit Lulaw und Etrog sowie zum Torafreudenfest feiern Freude, Vergänglichkeit und Bindung an die Tora.
Der Ton ist heiter und dennoch nachdenklich; Leitmotive sind Schutz, Gemeinschaft und Erneuerung der Freude an der Lehre.
Texte für den 9. Aw und allgemeine Fasttage bündeln Klage, Selbstprüfung und Bitte um Erbarmen.
Die Sprache ist gedämpft und solidarisch; Thema ist das Erinnern von Verlust und die Hoffnung auf Aufbau.
Gebete zum Licht- und Losfest würdigen Bewahrung, Mut und das verborgene Wirken des Heiligen.
Der Ton ist festlich und dankbar; Fokus liegt auf Treue im Alltag und öffentlicher Bekräftigung des Glaubens.
Gebete und Betrachtungen von der Jahresschlusszeit über Neujahr bis zum Versöhnungstag begleiten den Weg der Reue, des Gedenkens und der Erneuerung, einschließlich spezieller Teile wie Mussaf, Mincha, Schlussgebet, Seelengebet und der Erinnerung an den Oberpriester.
Der Ton ist eindringlich und hoffnungsvoll; Themen sind Gericht und Gnade, Sterblichkeit und Neuanfang, sowie die Verbindung von persönlicher und gemeinschaftlicher Verantwortung.
Gebete für den Landesfürsten und bei Dürre oder Regennot verorten Frömmigkeit im öffentlichen Wohl und der Abhängigkeit von der Natur.
Der Ton ist loyal und bittend; im Mittelpunkt stehen Frieden, Gerechtigkeit und Fürsorge für das Gemeinwohl.
Gebete eines jungen Mädchens und einer Waise verleihen jugendlicher Suche und verletzlicher Selbstbehauptung eine Stimme.
Der Ton ist zart und zuversichtlich; Themen sind Schutz, Orientierung und Selbstwerdung.
Texte für Braut, den Hochzeitstag und die Mütter an den Hochzeitstagen ihrer Kinder umrahmen den Übergang in neue Lebensbünde.
Der Ton ist feierlich und segnend; Fokus liegt auf Vertrauen, Verantwortung und gegenseitigem Beistand.
Gebete vom ersten Ahnen der Mutterschaft über Entbindung, Wiedereintritt ins Gotteshaus bis zu Beschneidung und Namensgebung begleiten die Schwellen des Lebens.
Der Ton ist innig und dankbar; Themen sind Schutz des Kindes, Heilung und Einwurzelung in Gemeinschaft.
Gebete in kinderloser Ehe, für eine unglückliche Ehegattin, bei Abwesenheit des Mannes und für den kranken Gatten benennen Spannungen und Bewährungen des Bundes.
Der Ton ist ehrlich und tröstend; im Zentrum stehen Treue, Geduld und Bitte um Wandlung.
Texte für das Gedeihen der Kinder, zur Confirmation, für in der Fremde Lebende, für Söhne im Militär und für Pflegeeltern begleiten Sorge und Verantwortung.
Der Ton ist sorgsam und hoffnungsvoll; Themen sind Reifung, Bewahrung und erzieherische Weisheit.
Gebete für kranke Kinder und Eltern, in schwerer Krankheit, für Kränkelnde, auf dem Kurplatz sowie Dank für Genesung fassen Leiden und Trost in Worte.
Der Ton ist geduldig und bittend; Fokus ist Standhaftigkeit, Sinnsuche und das Erfahren von Genesung als Gnade.
Texte für eine Wittwe mit unmündigen Kindern, für eine Mutter, die von ihren Kindern ernährt wird, und für das höhere Alter spiegeln Verletzlichkeit und Würde der späten Lebensphasen.
Der Ton ist demütig und fest; Themen sind Fürsorge, Selbstachtung und die Weitergabe von Erfahrung.
Gebete um Erwerb, im Wohlstand, für Unbemittelte und für Dienende thematisieren materielle Sicherheit und soziale Rollen.
Der Ton ist nüchtern und solidarisch; Leitmotive sind Genügsamkeit, Dank und Gerechtigkeit.
Texte für Reise, überstandene Gefahr, Seefahrt, Sturm und Heimkehr bitten um Bewahrung in Bewegung und Ungewissheit.
Der Ton ist wachsam und dankbar; Fokus liegt auf Schutz, Heimkehr und dem Erkennen der eigenen Grenzen.
Gebete am Sterbetag der Eltern und an Gräbern von Vater, Mutter, Gatten, Kind und Verwandten geben Trauer und Liebe Ausdruck.
Der Ton ist still und treu; Themen sind Erinnerung, Verbundenheit über den Tod hinaus und Trostsuche.
Ein Gebet zur Abnahme der Challa verknüpft häusliche Arbeit mit Heiligung.
Der Ton ist schlicht und dankbar; im Mittelpunkt stehen Gabe, Nahrung und Segnung.
Eine Legende und ein Wort an die edlen Mütter und Frauen bieten narrative Veranschaulichung und direkte Ermutigung.
Der Ton ist lehrhaft und aufrichtend; Fokus ist Vorbild, Mitgefühl und Selbstbewusstsein im Glauben.
Wiederkehrend sind Heiligung der Zeit, Verantwortung in Beziehungen, Demut vor Gott und die Verbindung von Haus, Synagoge und Gemeinschaft.
Stilistisch überwiegen klare, meditative Sätze mit sanftem didaktischem Zug, die individuelle Stimme und kollektive Tradition in Balance halten.
Vorliegende Gebete sind ursprünglich nicht für die Veröffentlichung verfaßt worden. – In meinem von den mannigfachsten Ereignissen reich durchwirkten Leben ward es mir gar oft zum unentbehrlichen, mächtigen Bedürfnisse, mit dem erhabenen Weltgeist, der so hoch thront und so tief niederschaut, Zwiesprache zu pflegen, um bei ihm die Einsicht und die Kraft zu finden, auf dem Pfad meiner oft gar schwere Opfer heischenden Pflichten nicht zu wanken und nicht zu weichen. Derart entstanden die meisten der vorliegenden Gebete. In ihnen fand ich den Moses-Stab, der aus dem dürren Fels eines traurigen Geschickes den Born erhebender Gefühle und himmlischer Tröstung mir hervorrief, die Jakobsleiter, auf der die Engel der Geduld, der Hoffnung und der Gottergebenheit mir vom Himmel niederstiegen.
Ich ward schon früher von mehreren kompetenten Seiten aufgefordert, diese Gebete der Oeffentlichkeit zu übergeben; aber es widerstrebte mir stets, die Gefühle und Gedanken, die in meinen einsamsten und heiligsten Stunden mein Herz bewegten, vor die richtende Kritik hinzustellen.
Doch jetzt drängt mich mein eigenes Herz aus besonderen Rücksichten hierzu. Ich möchte nämlich den Manen meines theuern, mir unvergeßlichen Gatten Abraham Neuda, der als Rabbiner zu Loschitz in Mähren nach schwerem Krankenlager in der Mitte seines an edlen und gesegneten Thaten so reichen Lebens, in seinem 42. Lebensjahre, am 22. Februar 1854, durch den Tod mir genommen ward, durch die Herausgabe dieser Blätter ein Denkmal liebender Erinnerung nach meinen schwachen Kräften setzen. Die meisten dieser Gebete sind ohnehin Herzensergüsse, die sich an Ereignisse knüpfen, welche ich an seiner Seite, mit ihm und durch ihn erlebt habe. Möge seine verklärte Seele im Jenseits darin jene Treue und Liebe erkennen, womit ich sein Leben hienieden zu beglücken strebte.
Wir besitzen bereits wohl manche vorzügliche Schriften dieser Art, Andachtsbücher für Frauen, männlicher Feder entflossen, und die meinigen dürften wohl schwerlich der nüchternen Prüfung ebenso Stand halten, als jene. Doch der Probirstein für den Werth derartiger Arbeiten ist wohl der: welche Gefühle sie in der Seele des Betenden erregen und zurücklassen. Ich weiß, daß den Meinigen Vieles zu ihrer Vollendung abgeht; jedoch hoffe ich, daß sie als das Ergebniß eines weiblichen Herzens um so eher im Herzen der Frauen ihr Echo finden dürften. Ein Mann, wenn er noch so gelehrt und groß sein mag, kann sich doch nicht in alle Lagen und Verhältnisse der Frauen versetzen, kann doch nicht so leicht in die verborgensten Windungen des weiblichen Gemüthes dringen, um auf die Töne seiner zartesten Saiten zu lauschen und ihnen dann durch das lebendige Wort einen Ausdruck zu geben: während die Frau nur in ihr eigenes Herz zu blicken braucht, um in den Herzen ihrer Schwestern zu lesen, nur ihre eigenen Erlebnisse sich vergegenwärtigt, um all deren Leiden und Freuden mit zu empfinden.
So mögen denn Sie, meine freundlichen Leserinnen, dieses Buch wohlwollend und nachsichtig aufnehmen, und möge Gott, der Allweise, es segnen mit der Kraft, in den Herzen der Betenden die Gefühle der Andacht zu wecken, ihnen Trost zu spenden, wenn sie des Trostes bedürfen, und Erhebung und Ausdauer in allen Perioden und Ereignissen ihres Lebens.
Loschitz, den 21. Elul 5614.
Seit einer Reihe von Jahren erschienen in meinem Verlage sowohl Gebet- als Lehrbücher für Israeliten, welche nicht nur beim geehrten Publikum freundliche Aufnahme fanden, wie es wiederholte starke Auflagen beweisen, sondern auch von den größten Gelehrten und den geachtetsten Blättern und in neuester Zeit auch manche von dem hohen k. k. Unterrichtsministerium zu Wien empfohlen wurden.
Im Jahre 1846 habe ich ein Gebetbuch für israelitische Frauenzimmer, verfaßt von dem rühmlichst bekannten Gelehrten Dr. M. Letteris, in Verlag genommen,[1] das für immer mein Eigenthum bleibt, wovon ich bereits fünf Auflagen veranstaltete.
In meinem unablässigen Bestreben, dem geehrten Publikum stets Zeitgemäßes und Ausgezeichnetes zu bieten, gebe ich wieder ein Gebetbuch heraus, das hoffentlich als etwas Neues und Gelungenes anerkannt werden wird. Es ist das erste Mal, daß eine hochgebildete Frau als Verfasserin eines Andachtsbuches für Wochen-, Fest- und Fasttage in allen Verhältnissen des weiblichen Lebens auftritt. Ihr Werk hat schon im Manuscripte die beifälligste Beurtheilung der angesehensten Gelehrten gefunden, welche es mit dem Bemerken empfahlen, daß ein so vollständiges Gebetbuch für öffentliche und häusliche Andacht, so glücklich ausgeführt, noch nicht erschienen, daß dessen gemüthliche, Geist und Herz ansprechende Gebete, so wie die religiösen Betrachtungen über sich selbst, über Gott und die Ewigkeit, die es bringt, unübertrefflich seien. Die Verfasserin dieses Andachtsbuches hat den Beweis geliefert, daß eine Frau die beste Dolmetscherin des weiblichen Herzens ist, daß eigene reiche Erfahrung, Selbstempfundenes, die ganze weibliche Eigenthümlichkeit dazu gehören, das weibliche Herz zu verstehen und seinen frommen Bedürfnissen ganz zu genügen. Die andächtigen Herzensergießungen dieses Gebetbuches tragen das Gepräge der Ursprünglichkeit, sie sind in den Lagen niedergeschrieben, für welche sie bezeichnet sind; sie lehren, wie man bei freudigen, wie bei trüben Erlebnissen zu dem allmächtigen Schöpfer des Weltalls, dem Lenker des Schicksals, dem allgütigen Anordner unseres Wohles emporzublicken und auf ihn zu vertrauen habe; sie flößen Trost und Muth, Hoffnung und Ausdauer ein; sie lehren die wechselvollen Geschicke und Begebenheiten des weiblichen Lebens mit Geduld und Würde zu ertragen, und die wahre Bestimmung dieses Lebens zu erkennen und zu erfüllen; sie beweisen ferner, daß keine Stunde im Leben heilsamer ist, als die stille Ruhestunde der Andacht, wo im treuen Nachhalle des bewegten Herzens wahre Worte den Lippen entströmen, um sie treu und wahr dem heiligen, liebenden Allvater im Himmel anzuvertrauen. Aber auch noch einem längst gefühlten Bedürfnisse hat die begabte Verfasserin dieses höchst gelungenen Werkes damit abgeholfen, daß sie demselben einen Anhang über Hauspädagogik der Mütter und Frauen hinzufügte, der seiner Nützlichkeit und Trefflichkeit wegen gewiß allgemein willkommen sein wird.
Da dieses einzig in seiner Art dastehende Andachtsbuch in der neuen Auflage auch eine prachtvolle typographische Ausstattung erhalten hat, so erscheint es auch als eines der schönsten Geschenke für Israels Frauen und Mädchen.
Daß diese zweite Auflage eben so freundliche Aufnahme finde, ist der sehnlichste Wunsch
Prag, im Monat Elul 5617.
