Sumaya - Martin Attar - E-Book

Sumaya E-Book

Martin Attar

0,0
11,99 €

-100%
Sammeln Sie Punkte in unserem Gutscheinprogramm und kaufen Sie E-Books und Hörbücher mit bis zu 100% Rabatt.

Mehr erfahren.
Beschreibung

Sumaya war eine Frau, die häufig vergessen wird. Nicht viel ist über sie bekannt. Zu früh musste sie sterben. Zu früh hatte sie angeeckt. Deshalb ist wenig bis kaum Historisches über sie überliefert. Umso inspirierender ist es, was wir über sie wissen. Beispielsweise ist da der Fakt, dass sie nicht nur die erste Frau, sondern die erste Person überhaupt war, die getötet wurde, weil sie sich Muhammads Botschaft anschloss. Die Frage ist aber: Warum gerade sie? Warum gerade eine Frau? In Überlieferungen lesen wir, dass Sumaya zu den sieben ersten Personen zählte, die sich in Mekka öffentlich zur Sendung Muhammads bekannten. Unter diesen Sieben war sie die einzige Frau. Das ist ein bedeutsamer Punkt. Sumaya hat also unweigerlich eine besondere Stellung unter den ersten Gefährten des Propheten Muhammad. Zuvor eine hilflose Sklavin, avancierte sie zu einem Vorbild für alle Menschen. Doch über sie und über die Perspektive einer Frau auf die Sendung Muhammads, wird, meiner Ansicht nach, immer noch zu wenig gesprochen. Mit diesem Werk möchte ich das ändern.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
MOBI

Seitenzahl: 151

Veröffentlichungsjahr: 2023

Bewertungen
0,0
0
0
0
0
0
Mehr Informationen
Mehr Informationen
Legimi prüft nicht, ob Rezensionen von Nutzern stammen, die den betreffenden Titel tatsächlich gekauft oder gelesen/gehört haben. Wir entfernen aber gefälschte Rezensionen.



Zum Autor

Martin Attar ist Politik- und Islamwissenschaftler. Er ist tätig als Referent, Berater und Blogger. Mit „Sumaya“ veröffentlicht der Schwabe sein erstes Buch.

Seine Arbeit zeichnet sich vor allem durch die Betonung eines ursprünglichen und menschennahen Verständnisses von Befriedung (Islam) aus.

Martin Attar

Sumaya

Die Zeit der Frauen ist gekommen

Mit dem Namen des Förderers aller Weltbewohner!

Inhalt

Cover

Titelblatt

Widmung

Was du vorab wissen solltest

1. „Der Mensch überschreitet jedwede Grenze.“

2. „Er nimmt ihnen ihre Last weg und die Fesseln, die auf ihnen lagen.“

3. „Tu Gutes, so wie Gott dir Gutes tut.“

4. „Ein aufwertenderUmgang.“

5. „Der umfassend Liebende.“

6. „Das ist eine zur Reife verhelfende Mitteilung an die Menschen.”

7. „Vielmehr sind sie bereits von einer neuen Schöpfung umgeben.”

8. „Haben die Menschen etwa damit gerechnet, dass sie gelassen werden, wenn sie sagen: »Wir bekennen uns«, ohne dabei geprüft zu werden?“

9. „Wer sich bemüht, der bemüht sich ausschließlich für sich selbst.“

10. „Niemals würde ich die Handlung einer handelnden Person verloren gehen lassen.“

Referenzen

Urheberrechte

Die Zeit der Frauen ist gekommen

Cover

Titelblatt

Widmung

Was du vorab wissen solltest

Urheberrechte

Referenzen

Die Zeit der Frauen ist gekommen

Cover

1

2

3

4

5

6

7

8

9

10

11

12

13

14

15

16

17

18

19

20

21

22

23

24

25

26

27

28

29

30

31

32

33

34

35

36

37

38

39

40

41

42

43

44

45

46

47

48

49

50

51

52

53

54

55

56

57

58

59

60

61

62

63

64

65

66

67

68

69

70

71

72

73

74

75

76

77

78

79

80

81

82

83

84

85

86

87

88

89

90

91

92

93

94

95

96

97

98

99

100

101

102

103

104

105

106

107

108

109

110

111

112

113

114

115

116

117

118

119

120

121

122

123

124

125

126

127

128

129

130

131

132

133

134

135

136

137

138

139

140

141

142

143

144

145

146

147

148

149

150

151

152

153

154

155

156

157

158

159

160

161

162

163

164

165

166

167

168

169

170

171

172

173

174

175

176

177

178

179

180

181

182

183

184

185

186

187

188

189

190

191

192

193

194

195

196

197

198

199

200

201

202

203

Für alle Frauen in meinem Leben

Esma

Meine Mutter

Claudia

Ayse, Leyla, Hafsa und Halime

Was du vorab wissen solltest

Sumaya. Warum nur Sumaya? Warum gerade sie? Nun, fangen wir an. Frauenrechte - und damit Menschenrechte - waren schon immer ein heikles Thema; Misogynie eine Realität, auch zur Zeit des Propheten Muhammad.

Alle Boten und Propheten Gottes brachten der Welt revolutionäre und weltverbesserende Prinzipien. Ihre Botschaften endeten allerdings nicht mit dem Abschluss ihrer Sendung, sondern sollten durch uns weitergeführt werden. Oft geschieht es, dass die Impulse der Propheten in Vergessenheit geraten. Der Wandel, den sie in ihrer Zeit auslösten, wird häufig unzureichend oder gar nicht transferiert. Der Prophet Muhammad setzte sich seinerzeit nämlich für die Rechte von Frauen ein. Auch wir sollten dies tun. Sumaya war eine Frau, die häufig vergessen wird. Nicht viel ist über sie bekannt. Zu früh musste sie sterben. Zu früh hatte sie angeeckt. Deshalb ist wenig bis kaum Historisches über sie überliefert. Umso inspirierender ist es, was wir über sie wissen. Beispielsweise ist da der Fakt, dass sie nicht nur die erste Frau, sondern die erste Person überhaupt war, die getötet wurde, weil sie sich Muhammads Botschaft anschloss. Die Frage ist aber: Warum gerade sie? Warum ausgerechnet eine Frau? In Überlieferungen lesen wir, dass Sumaya zu den sieben ersten Personen zählte, die sich in Mekka öffentlich zur Sendung Muhammads bekannten. Unter diesen Sieben war sie die einzige Frau. Das ist ein bedeutsamer Punkt. Sumaya hat also unweigerlich eine besondere Stellung unter den ersten Gefährten1 des Propheten Muhammad. Die Frage sollte demnach viel eher lauten:

Warum gerade nicht sie? Warum nicht eine Frau? Zuvor eine hilflose Sklavin, avancierte sie zu einem Vorbild für alle Menschen. Doch über sie und über die Perspektive einer Frau auf die Sendung Muhammads, wird, meiner Ansicht nach, immer noch zu wenig gesprochen. Mit diesem Werk möchte ich das ändern.

Das vorliegende Werk ist eine Art Roman. Man könnte dieses Buch als historischen Roman oder Romanbiografie begreifen, da ich alle Informationen, die mir aus authentisch klassifizierten Überlieferungen über Sumaya vorlagen, mit einfließen ließ. Auch einige Werke der prophetischen Biografie berichteten über Sumaya. Auch hier habe ich alles Auffindbare mit eingebaut. Der Roman ist also angelehnt an all die verfügbaren Referenzen. Wie jedoch die Kategorisierung als Roman deutlich macht, sind bestimmte Elemente fiktiv gewählt. Das trifft auf den Wortlaut der meisten im Buch vorkommenden Dialoge zu und auch auf den genauen Ablauf der einzelnen Handlungen. Aufgrund der raren Informationen über Sumaya blieb mir keine andere Wahl, als ihre Geschichte in Romanform darzustellen. Alles, was sich in der vorliegenden Erzählung Sumayas abspielt, kann durchaus so passiert sein. Ich habe also versucht, historisch akkurat und authentisch zu schreiben. Nichts steht im klaren Widerspruch zu historischen Überlieferungen. Alle im Roman vorkommenden Figuren werden in historischen Quellen und Überlieferungen genannt. Diese sind nicht fiktiv. In der Erzählung werden einige Stellen aus dem Rezital2 aufgegriffen und in den Verlauf der Handlung eingebettet. Die Eingebung des Rezitals an Muhammad war zu Lebzeiten Sumayas noch in ihren Anfängen, weshalb vorrangig Verse Erwähnung finden, die in Mekka „hinabkamen“3. Allerdings kann historisch betrachtet nicht immer rekonstruiert werden, ob alle im Buch erwähnten Verse aus dem Rezital zur Zeit Sumayas bereits im Umlauf waren und dementsprechend genau so verstanden wurden, wie im Roman angedeutet. Bei Vorhandensein einer solchen historischen Referenz, befindet sich die Angabe in der Fußnote. Das Aufgreifen bestimmter Wortlaute aus dem Rezital dient vor allem aber auch dazu, die besagten Botschaften aus dem damaligen Kontext für heute lebendig zu machen.

Die deutsche Übersetzung der Verse habe ich unter Einbeziehung mehrerer vorhandener Übersetzungen und Erläuterungen vorgenommen. Die zugehörigen Zitationsangaben befinden sich in den Fußnoten und werden mit Zahlen wiedergegeben (z.B. 33:10), wobei die erste Zahl für den Abschnitt (Sure) und die zweite Zahl für die Versnummer steht.

Der folgende Roman illustriert in erster Linie Sumayas Leben und Blickwinkel. Ferner soll er aber auch einen Einblick darüber gewähren, wie die ersten Anhänger des Propheten die „Befriedung“4 verstanden und kennenlernten. Was bedeuteten also die Lehren des Propheten in einer Stadt wie Mekka für seine ersten Anhänger, die zumeist aus Sklaven oder anderen damals benachteiligten Personen bestanden? Die Figur Sumaya wird in diesem Roman somit auch als ein wichtiges Sprachrohr fungieren, das die Befriedung und die Lehren Muhammads vermittelt. Beim Verfassen des Romans war ich bemüht, die damaligen arabischen Sprachgebräuche zu berücksichtigen. Mir war es wichtig, abzubilden, welche Emotionen bestimmte Begriffe zur damaligen Zeit in der arabischen Sprache auslösten. Damit der deutschsprachige Leser in den Genuss eines ähnlichen Erlebnisses kommen kann, musste ich diese typischen Sprachgebräuche ins Deutsche übertragen. Ein Beispiel wäre das (ursprünglich) arabische Wort „Islam ”. Das Wort „Islam ” stellte für die Zuhörer des Propheten nicht bloß der Inbegriff einer Religion oder einer Gruppe dar, sowie es für viele Menschen heute sein mag. Vielmehr hat „Islam“ im Arabischen eine wichtige sprachliche Konnotation. „Islam“ weckt eine Assoziation. Deshalb wird der Begriff „Islam ” im Roman immer auf Deutsch5 wiedergegeben, um eben die Erfahrung der Mekkaner mit diesem Begriff lebendig zu machen. In diesem Roman habe ich mich dafür entschieden, das arabische Wort „islam ” mit „Befriedung” zu übersetzen. Der Grund ist, dass das Verbalsubstantiv „Islam” zur arabischen Wortstammfamilie „s-l-m ”6 gehört, woher auch das Wort „Salam” (Frieden) oder „Salamah” (Wohlbefinden, Sicherheit) abzuleiten ist. „Islam“ ist demnach der Prozess der Befriedung des Menschen mit Gott und folglich auch mit sich selbst und der Welt. Befriedung deckt hierbei auch eine andere Übersetzungsmöglichkeit von „Islam” ab, nämlich die der „Hingabe”. Die freiwillige Hingabe des Menschen gegenüber Gott ist gewiss nichts anderes als die Befriedung, das Frieden schlie-ßen. Die Erfahrung der damaligen Araber in die deutsche Sprache zu transportieren, gelang mir womöglich nicht immer, aber ich habe es versucht. Gleiches gilt für andere Begriffe. Das Einzige, das ich belassen habe, sind arabische Namen der damaligen Zeit, bei denen es keine Einbuße gab, diese unübersetzt zu lassen. Vielmehr dient die Belassung dieser Namen dem Lesefluss. Dennoch habe ich die Namen in vereinfachter Schreibweise dargestellt. So wäre eine detailgetreue und wissenschaftliche Übertragung des Namens „Sumaya“, eher „Sumayyah”7, doch um der Simplizität willen habe ich darauf verzichtet. Auch die Angabe von (arabischen) Quellennachweisen ist vereinfacht dargestellt.

Zusätzlich möchte ich darauf hinweisen, dass durch die Rede Sumayas auch sprachliche Mittel und Redewendungen der heutigen Zeit geäußert werden, da, wie bereits erwähnt, der Roman auch erklären soll, was „Befriedung“ grundsätzlich bedeutet, und zwar in aktueller Sprache. Sumaya lebte in einer Zeit, als die Botschaft des Propheten noch ganz neu aufkeimte. Es gab kaum Regulationen oder Gebote. Das bedeutet, dass Sumaya vermutlich ein sehr klares und lebensnahes Bild von „Befriedung” hatte. Nicht, dass Regulationen oder Gebote dieses Bild aushebeln würden, doch ist es heute manchmal so, dass man Befriedung zunächst sehr häufig mit einem Komplex an Geboten assoziiert und dadurch das Konzept in seiner Essenz verkennt. Insgesamt kann der Leser also davon ausgehen, dass die historische Sumaya nicht genau so sprach, wie in der folgenden Erzählung. Ich habe, als ein Mensch, der im Europa des 21. Jahrhunderts aufgewachsen ist, auch meine eigenen Gedanken einfließen lassen und Sumayas Sprache des 7. Jahrhunderts (in Arabien) in eine Sprache8 des 21. Jahrhunderts (in Deutschland) übertragen. Der Roman wird von Fußnoten begleitet, in denen ich - neben den historische Quellen (falls vorhanden) - auch kontext- oder wortbezogene Erläuterungen angebe.

Bei der Erwähnung von Gottesboten und Propheten leiten sowohl das Rezital als auch die Prophetenworte dazu an, einen Segensgruß9 auf diese zu sprechen. Die Verschriftlichung dieser Segensgrüße erfolgt in diesem Werk nicht, um die Übersichtlichkeit des Textes zu bewahren. Diese Segensgrüße können beim Lesen der Prophetennamen also eigenständig gesprochen werden und erhalten dadurch auch ihre natürliche Wirkung.

Ebenfalls aus Gründen der besseren Lesbarkeit habe ich auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet. Personenbezeichnungen, die im Verlauf des Romans Erwähnung finden, gelten gleichermaßen für Mann und Frau.

Ein weiteres Anliegen war es mir, die Menschlichkeit der Prophetengefährten hervorzuheben. Dabei spielte vor allem die Thematisierung von Emotionen wie Angst eine Rolle. Viele Anhänger Muhammads hatten in Zeiten von Verfolgung Angst, denn sie waren Menschen. Doch diese Angst hielt sie nicht davon ab, zu sich selbst zu stehen. Sie stellten sich ihrer Angst. Oft wurde ihre Furcht von gleichzeitigem Mut begleitet. All das wird im vorliegenden Roman auffallen. Nur dann, wenn wir begreifen, dass die Anhänger eines Gottesboten ebenfalls Menschen wie wir waren, können sie uns als Vorbilder dienen.

Der Roman soll ferner hervorheben, dass diese Anhänger die Botschaften der Gottesboten nicht nur als jenseitig relevant verstanden. Vielmehr hatten sie entscheidende irdische Bedeutung. Nicht umsonst zählten zu den ersten Anhängern aller Boten auch Menschen, die eine Verbesserung für sich und ihre Umwelt wünschten.

Außerdem möchte ich hier verdeutlichen, dass Gott und die Beziehung zu ihm eine Quelle des Guten sein sollte. Wir Menschen brauchen Gott als eine von uns unabhängige Inspiration für das Gute, denn Er ist es, der das Gute in unsere Natur legte. Nur Recht und Gerechtigkeit können und dürfen aus einer gesunden Beziehung zu Gott resultieren. Das verkörpert Sumaya.

Zu den zentralen Herausforderungen, bei der Abbildung der mekkanischen Welt des 7. Jahrhunderts, gehört die Betitelung und Einordnung bestimmter gesellschaftlicher Merkmale. Oftmals wird die Gemeinschaft der Kuraischiten10

heute als eine von Rassismus geprägte Umwelt bezeichnet. Da das Konzept „Rassismus“ und die damit verbundene Rassentheorie Produkte der Neuzeit und des Kolonialismus - und damit historisch gewachsen - sind, ist es schwierig, derartige Termini auf vergangene Gesellschaften überzustülpen. Mit Sicherheit lässt sich allerdings sagen, dass die mekkanische Gesellschaft, wie viele anderen Gesellschaften des 7. Jahrhunderts, die Idee einer Vormachtstellung und Klassengesellschaft11 vertrat. Die Vormachtstellung in Mekka wurde durch die Kuraischiten ausgefüllt. Diese hatte auch eine strukturelle Diskriminierung zufolge und war unterschiedlich gegenüber Nicht-Ara-

bern12 oder Nicht-Kuraischiten13 ausgeprägt. Bei einer genaueren Betrachtung wird deutlich, dass es selbst unter den kuraischitischen Clans eine Form des Klassenkampfes um die höchste Stellung in Mekka gab. Diese Vormachtstellung wurde durch die Botschaft des Propheten Muhammad als nichtig erklärt.14 Dies bedeutete jedoch nicht, dass die Menschen der damaligen Zeit diese Idee deshalb gänzlich überwunden hatten. Die Idee der Vormachtstellung der Kuraischiten (und später der Araber) zog sich später bis in die Herrschaft der Umayyaden und Abbassiden und ihre Folgen reichen - je nach Betrachtung - möglicherweise bis heute.

Sumaya wird im Roman von ihren Widersachern abschätzig als „schwarze Frau“ bezeichnet. Hierbei ist es wichtig zu berücksichtigen, was diese Abwertung in der mekkanischen Gesellschaft des 7. Jahrhunderts bedeutete.

Wurde eine Person auf arabischer Sprache mit den Adjektiven „weiß“ oder „schwarz“ bezeichnet,15 dann war dies kein Hinweis auf die Farbe oder den Melaningehalt der Haut.16 Vielmehr konnten diese Bezeichnungen als Hinweis verstanden werden, ob das Wesen oder die Ausstrahlung der betreffenden Person nach Wahrnehmung des Betrachters Makel aufwies.17 Wurden Nicht-Kuraischiten aus dem Jemen oder Äthiopien abwertend als „Schwarze“ beleidigt und diskriminiert, dann war dies in erster Linie ein Affront gegen ihre nicht-kuraischitische Abstammung. In diesem Kontext ist zu beachten, dass viele Araber (und Kuraischiten)

der arabischen Halbinsel in historischen Quellen mit „schwarzer Hautfarbe“ beschrieben werden, so z. B. auch der Cousin des Propheten, Ali, der Sohn Abu Talibs18. Die Hautfarbe hatte im alten Arabien also nicht den selben Beiklang wie im kolonialen und post-kolonialen Zeitalter.19

Häufig wurde die vermeintliche Überlegenheit der Kuraischiten auch göttlich legitimiert, indem die Verwaltung des Kubus20 als göttlicher Auftrag und die Abstammung von Abraham betont wurden.21

Betrachtet man Sumaya in Beziehung zur mekkanischen Elite, dann könnte auch der Begriff der Intersektionalität fallen. Allerdings wurde auch dieser Begriff erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geprägt.

Tatsächlich wurde Sumaya jedoch nicht nur als Frau benachteiligt, sondern eben auch als (ehemalige) Sklavin und Nicht-Kuraischitin. Es gilt zu beachten, dass Sumaya mehrere Eigenschaften auf ihre Person vereinigte, die ihr das Leben - im Kontext der kuraischitischen Machtstruktur - erschwerten. Umso bedeutsamer ist es, über eine Figur wie Sumaya zu reden, die sich trotz dieser Umstände der Botschaft Muhammads anschloss und somit für ihre Rechte einstand.

Auch wenn Sumaya im 7. Jahrhundert lebte, kann ihr Leben also eine Inspiration für heute sein, vor allem im Kampf gegen Misogynie und Rassismus.

Da Sumayas Frausein wohl das Charakteristikum war, das ihr unter den ersten öffentlich auftretenden Anhängern des Propheten ein Alleinstellungsmerkmal gab, wird vor allem dieser Aspekt Sumayas im Roman vertieft, nämlich ihr Kampf als Frau.

Das 21. Jahrhundert ist - wie viele Epochen - ein Zeitalter der Ideologisierung. Der Einsatz für Frauenrechte mündet deshalb nicht selten darin, dass ihre Fürsprecher in verschiedenste Schubladen gesteckt werden. Dabei werden sie häufig Bewegungen und Ideologien zugeordnet, die dann meist als monolithischer Block verstanden werden, ohne jegliche Differenzierung. Genannt wäre hier z. B. der Feminismus oder der (Neo)-Liberalismus. Auf der anderen Seite wird der „Islam” dann häufig als eine Gegenidee zum Feminismus und Liberalismus begriffen. Auch dies ist aus meiner Sicht eine Ideologisierung. In diesem Roman wird das Konzept der Befriedung nicht ideologisiert aufgegriffen. Befriedung ist ein natürlicher und menschennaher Umgang (arab. „din ”) und so wird Sumaya ihn auch vorstellen und vorleben.

1 Als „Gefährten“ werden die Anhänger Muhammads bezeichnet, die ihn zu Lebzeiten sahen und ihm folgten, ähnlich wie die „Jünger“ Jesu.

2 Die hier gewählte Übertragung des eingedeutschten Wortes „Koran“. Rezital (arab. „qur’an“) ist dabei angelehnt an „Rezitation“ (arab. „qira’ah“).

3 „Hinabkommen“ oder „hinabsenden“ sind Verben, die u. a. beschreiben, dass die Botschaft Gottes von einer höheren Ebene und Macht (Gott) hinunter zum Menschen kam.

4 Die in diesem Buch gewählte deutsche Übersetzung von arab. „islam“.

5 Gleichwohl „Islam“ natürlich auch ein eingedeutschtes Wort darstellt. Dennoch wird im Roman die tiefergehende Übertragung des arabischen Wortes dargestellt.

6 Arabisch:

7 Im Arabischen liegt z.B. bei dem Buchstaben „y“ in „Sumayyah“ eine sogenannte Dopplung (arab. „schaddah“) vor. Je nach (wissenschaftlicher) Transkriptionsvariante kann sich die Übertragung eines arabischen Wortes unterscheiden.

8 An einigen Stellen auch Umgangssprache.

9 Z.B: „Muhammad, möge Gottes Wohl und Frieden mit ihm sein.“

10 Von Arabisch „quraisch“, der in Mekka vorherrschende Verbund verwandter Clans.

11 Beispielsweise wurden Menschen in Mekka entweder als „Freie“, „Freigelassene“ oder als „Sklaven“ begriffen und dementsprechend unterschiedlich behandelt. Vgl. Crone, Patricia. 2002. Roman, Provincial and Islamic Law: The Origins of the Islamic Patronate.

12 Die Kuraischiten benutzten den Begriff ,„’ adscham“, um Nicht-Arabisch oder Nicht-Araber zu bezeichnen. Dies wird auch im Rezital aufgegriffen (41:44).

13