Suna Valo - Andi Bottlinger - E-Book

Suna Valo E-Book

Andi Bottlinger

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Beschreibung

Suna Valo – Ein Solarpunk-Roman aus der Welt von »Overgrown«

In einer Zukunft, in der die Erde sich von den Wunden erholt, die ihr einst von der Menschheit zugefügt wurden, haben sich kleine Gemeinschaften in abgelegene Täler zurückgezogen, um im Einklang mit der Natur zu leben. Lassia gehört zu den Bewohnern von Suna Valo, einem paradiesischen Ort, der sich durch seine üppige Vegetation und friedliche Atmosphäre auszeichnet. Unterstützt durch fortschrittliche Feldbots, die die Gemeinschaft bei der Arbeit auf den Feldern entlasten, scheint das Leben hier harmonisch und sicher.

Doch diese Harmonie wird plötzlich bedroht, als die Maschinen, auf die sich die Gemeinschaft so sehr verlässt, unberechenbar werden. Die Feldbots, die einst als Helfer in der Not galten, beginnen zu versagen und werden zur Gefahr für die Menschen. Die Ernte, die das Überleben der Gemeinschaft sichern soll, steht auf dem Spiel, und mit ihr die Zukunft von Suna Valo.

Lassia sieht sich mit einer doppelten Herausforderung konfrontiert: Einerseits muss sie die technischen Probleme der Maschinen lösen, andererseits die Spannungen in der Gemeinschaft bewältigen, die durch die Krise verstärkt werden. Während sie versucht, das Rätsel um die Fehlfunktionen der Bots zu lösen, wird sie mit tiefgreifenden Fragen nach der Rolle der Technologie, der Verantwortung des Menschen gegenüber der Natur und der Möglichkeit einer nachhaltigen Zukunft konfrontiert.

Suna Valo ist nicht nur eine fesselnde Geschichte über das Überleben in einer sich regenerierenden Welt, sondern auch eine Reflexion über die Grenzen des menschlichen Fortschritts und die Bedeutung des Zusammenhalts in schwierigen Zeiten. Der Roman lädt die Leser:innen ein, über die Möglichkeiten und Gefahren nachzudenken, die mit einer technologisch fortschrittlichen, aber zugleich ökologisch ausgerichteten Lebensweise einhergehen.

Erlebe die die spannende Geschichte von Lassia und ihrer Gemeinschaft, die sich den Herausforderungen einer neuen Welt stellen müssen.

Suna Valo - Das Brettpiel
In »Suna Valo«, einem komplexen Spiel für 2 Personen von »ode.«, übernehmen zwei Personen die Aufgabe, in der Solarpunk-Welt von »Overgrown« ihre eigene Farm zu gründen. Im idyllischen Tal von Suna Valo, am Fuße eines Berges und durchzogen von einem breiten Fluss, befindet sich das Dorf Foriro – ein Ort für neue Anfänge. Die Spielenden kultivieren Felder, sammeln Ressourcen und liefern Waren ins Dorf, um ihre Farm zu erweitern. Durch einen innovativen Kaufmechanismus sichern sich die Spieler Karten, die ihre Farm wachsen lassen, während sie ihre Flotte an Transportdrohnen ausbauen. Nach drei Spielrunden gewinnt derjenige, der am meisten zur Entwicklung von Foriro beigetragen hat.

Das E-Book können Sie in Legimi-Apps oder einer beliebigen App lesen, die das folgende Format unterstützen:

EPUB
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Seitenzahl: 252

Veröffentlichungsjahr: 2024

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SUNA VALO

EIN SOLARPUNK-ROMAN IN DER WELT VON »OVERGROWN«

LAURA DÜMPELFELD

CLAUDIA HORNUNG

ANDI BOTTLINGER

Impressum

Suna Valo – Ein Solarpunk-Roman in der Welt von »Overgrown«

Laura Dümpelfeld, Claudia Hornung, Andi Bottlinger

1. Auflage 2024

© 2024 Calderan

Ein Imprint der Kraterleuchten GmbH,

Gartenstraße 3, 54550 Daun

Verlagsleitung: Sven Nieder

Alle Rechte vorbehalten.

Lektorat: Andi Bottlinger, Wibke Sawatzki

Korrektorat: Tim Becker

Illustrationen: Lukas Siegmon

Gestaltung: Björn Pollmeyer

ISBN E-Book 978-3-98600-029-5

ISBN Print 978-3-98600-028-8

www.calderan.de

Bericht der Forschungs­expedition

VON CHRISTIAN VON ASTER

Ich kann es kaum glauben.

Wir haben gesucht. So lange.

In der Hoffnung darauf, dass die Natur uns irgendwann vergeben würde. So viel Zeit ist vergangen, seit sie uns unsere Grenzen aufzeigte, uns ihren Zorn spüren ließ und uns ihren fruchtbaren Boden entzog. Seit wir uns mit dem, was uns geblieben ist, dort oben ein neues Leben aufgebaut haben. Versucht haben, uns mit ihr auszusöhnen. Und während viele von uns nicht mehr hinab in den Abgrund zu sehen wagten, wo eine Welt, die wir so lange als unsere erachtet hatten, für uns unbewohnbar geworden war, hofften andere doch immer, irgendwann einmal dorthin zurückkehren zu können. Wenn wir gelernt hatten. Und sie uns verziehen hatte.

Mit all den Jahren, die jenes Unten uns eine unwirtliche lebensfeindliche Welt war und diese, sich selbst und dem Wildwuchs überlassen, zu heilen begann, schwand nach und nach der Glaube, einmal dorthin zurückkehren zu können. Zusammen mit der Erinnerung, wie es einst gewesen war. Bevor wir begonnen hatten, ihr unseren Willen aufzuzwingen.

Meine Mutter war immer eine von denen, die gehofft hatten, dass wir einst wieder hinabsteigen, uns mit der Welt aussöhnen würden, um mit ihr und in ihr zu leben. Bis zum Ende glaubte sie daran. Und rang mir, bevor sie ging, das Versprechen ab, diese Hoffnung zu bewahren, den Glauben nicht aufzugeben.

Es ist ein seltsames Gefühl, dass ich, hätte ich das nicht versprochen, wohl niemals für diese Expedition gekämpft hätte, nie aufgebrochen wäre und jetzt nicht hier säße. Dass es am Ende der Glaube ist, der uns, die einst alles dem Fortschritt und der Gier opferten, zurück in jenes Paradies führt, das wir vor so langer Zeit selbst zerstört haben.

Ein halbes Jahr haben wir nun gesucht, haben Messungen ausgewertet, sind nach und nach ins wuchernde Dunkel der alten Welt vorgedrungen, zwischen den Wurzeln umhergeirrt und haben über das gestaunt, was dort im Lauf der Zeit gewachsen und entstanden ist: Pflanzen, Tiere und Unglaubliches. Leben, das nur entstehen konnte, weil die Welt uns aus dem Spiel genommen hatte.

Während dieser Zeit spürten wir alle, dass diese Welt uns nicht braucht. Dass wir ihr, solange wir uns nicht als Teil von ihr begriffen haben, nur im Wege standen.

Und eben darum hatte sie uns verstoßen. Uns die Möglichkeit gegeben, dort oben uns, unser Leben und unser Verhältnis zu ihr zu überdenken. Denn das ist es, was sie tut. Immer schon. Den Keim der Veränderung pflanzen und ihm die Chance geben, zu wachsen.

Vielleicht hat meine Mutter das sogar irgendwie gewusst. Vielleicht war es doch nicht allein der Glaube. Ich weiß es nicht. Und es spielt vermutlich auch keine Rolle.

Weil ich nun hier sitze. Nach einem halben Jahr des Abenteuers, der Entbehrung und der Erkenntnis. Einem halben Jahr, in dem zwei von uns ums Leben kamen, vier weitere umkehrten und wir alle beinahe den Glauben verloren. Ich allein bin übrig geblieben. Eines Versprechens wegen.

Und nun sitze ich hier. Mit aufgebrauchten Vorräten, erschöpft, verschwitzt und zerstochen. Aber mehr als alles andere dankbar. Und demütig. Weil ich hier sitze. Am Rande eines Tales, das so anders scheint, als all die anderen, die wir fanden. Nicht nur des klaren Flusses wegen, der an mir vorbei hinab ins Tal rauscht oder der üppigen Vegetation wegen, die sich wild, wundervoll, vielfältig und farbenfroh über den Grund des Tales erstreckt, wie ich es noch nie gesehen habe.

Während um mich herum längst ausgestorben geglaubte Insekten summen, kreisen über mir Vögel, im Dickicht knistert es lebhaft und aus dem Unterholz beobachten mich die neugierigen Augen fremdartiger Tiere.

Der Boden scheint ungewöhnlich fruchtbar, die Artenvielfalt überdurchschnittlich.

Als wollte sie uns einladen. Als hätte sie uns nach all den Jahren doch vergeben.

Dieser Ort scheint nicht weniger als ein Wunder.

Eine zweite Chance.

Zukunft.

TeilEins

VON LAURA DÜMPELFELD

Lassia

Nebel hing in silbrigen Schlieren über dem Tal und hielt die Luft angenehm kühl. Im Osten war bereits das warme Rot des Sonnenaufgangs zu sehen, doch noch hatten die Strahlen es nicht bis über die Hügelkuppen geschafft.

Lassia liebte diese frühen Stunden, wenn der Tag jung und die Nacht gerade erst vorüber war. Die meisten anderen hier im Tal schliefen zu dieser Zeit noch, doch Lassia zog es stets mit den ersten Vogelgesängen aus dem Bett und hinaus auf die kleine Veranda vor ihrem Haus. Zwischen ihren Händen dampfte ein Tonbecher mit frisch aufgebrühtem Kamillentee und sie hatte sich einen dünnen Häkelschal um die Schultern gelegt. Während sie vorsichtig über den heißen Tee blies, ließ sie den Blick über das schlafende Tal wandern, wo sich der Nebel allmählich über den goldgelben Getreidefeldern lichtete. In wenigen Stunden würde hier geschäftiges Treiben herrschen – ein gutes Dutzend Leute hatten sich bisher bei Lassia gemeldet, um bei der Ernte zu helfen, und sie hoffte darauf, dass in den nächsten Tagen weitere Personen dazu kommen würden.

Leise knarzend öffnete sich die Tür hinter ihr und Thom trat mit einem Gähnen neben sie. Er streckte sich ausgiebig und legte dann die Arme um Lassia.

»Du kratzt«, meinte sie, als er sie in den Nacken küsste.

»Mmmh, bin ja morgens auch eine Kratzbürste«, murmelte er und rieb sein bärtiges Kinn in ihrer Halsbeuge, was ihr ein leises Lachen entlockte. Sie drehte sich in seiner Umarmung, sodass sie ihm ihr Gesicht zuwenden konnte, und gab ihm einen Kuss.

»Wieso bist du überhaupt schon wach?«

»Frag mich nicht.« Erneut gähnte er ausgiebig. »Vielleicht hab ich mich von deiner Aufregung anstecken lassen.«

Sie seufzte und lehnte sich rücklings an ihn.

»Ist es so offensichtlich?«

»Du könntest noch die Arme in die Luft werfen und schreiend im Kreis rennen, dann wäre jeglicher Zweifel ausgeschlossen.«

»Spinner.«

Aber er hatte recht. Sie war aufgeregt. Wie auch nicht? Für Leute wie Thom, die mit Landwirtschaft so viel am Hut hatten, wie ein Gartenbot mit Malerei, waren Pflanzen halt Pflanzen – ob man jetzt Gemüse auf den Arboren anbaute oder Getreide auf dem Boden, sie sahen darin keinen Unterschied. Lassia jedoch wusste es besser. Sie hatte die vergangenen Monate damit zugebracht, alles zu lesen, was sie an alten Aufzeichnungen über den Anbau und die Ernte von Getreide in die Finger kriegen konnte, in der Hoffnung, dass es hilfreich sein würde. Dass die Ähren auf ihren Feldern nun prall und gelb strahlten, war immerhin ein Teilerfolg – doch der schwierigste Part stand ihnen erst bevor.

»Ich schau mal, wie schnell ich mit Miris Hühnerstall drüben in Foriro fertig werde. Vielleicht kann ich dann ab morgen oder übermorgen auch hier mit anpacken – vorausgesetzt, es muss nicht noch was anderes repariert werden.«

»Das wäre super. Ich kann wirklich überhaupt nicht abschätzen, wie lange die Ernte dauern wird oder wie viele Leute wir brauchen. Die Texte waren dazu mehr als widersprüchlich.«

Da war es wieder, das unbestimmte Gefühl der Sorge, das sie seit Wochen umtrieb. Es hing so viel davon ab, dass sie die Ernte ohne Schwierigkeiten einbrachten – in den letzten Monaten war Foriro beachtlich gewachsen, und eine Menge Münder würden über den Winter zu füttern sein.

»Das wird schon«, versuchte Thom sie zu beruhigen. »Du hast doch deine Bots, die werden das schon wuppen.«

Lassia runzelte die Stirn.

»Wollen wir’s hoffen«, murmelte sie.

Als die Morgensonne schließlich ihr hellgoldenes Licht ins Tal ergoss, war der Becher in Lassias Händen leer und Thom schlüpfte gerade in seine Schuhe. Er gab ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange und machte sich dann leise vor sich hin pfeifend auf den Weg in Richtung Dorf. Lassia sah ihm einen Moment hinterher, dann trat sie zurück ins Haus. Sie wusch sich rasch über der Blechschüssel in der Kochecke, dann spülte sie den Becher aus und stellte ihn kopfüber zum Trocknen hin. Mit flinken Bewegungen flocht sie ihre von einzelnen grauen Strähnen durchzogenen braunen Locken zu einem kurzen Zopf, dann band sie ein bunt gemustertes Kopftuch um, das Olli ihr vergangenen Sommer geschenkt hatte. Noch waren die Temperaturen angenehm, aber je höher die Sonne stieg, desto wärmer würde es werden. Nachdem sie sich zwei Scheiben Haselnussbrot abgeschnitten und mit Honig bestrichen hatte, trat sie wieder nach draußen und ging hinüber zum Schuppen, um nach den Feldbots zu sehen.

Als sie die Tür aufzog, huschte die kleine gefleckte Katze zwischen ihren Beinen hindurch, die sich seit ein paar Tagen auf ihrem Hof herumtrieb. Ihr sollte es recht sein – das Letzte, was sie brauchen konnte, waren Mäuse oder andere Kleintiere, die die gesamte Ernte in den nächsten Wochen wegfraßen. Wenn die Katze sich hier wohlfühlte, würde sich hoffentlich erst gar kein Mäuseproblem einstellen. Vielleicht sollte sie ihr einen Namen geben.

Im Schuppen war es schummerig wie immer. Lassia ließ ihren Blick über die fünf Feldbots wandern, die reglos nebeneinanderstanden und auf ihren Einsatz warteten. Auf ihren metallenen Körpern, insbesondere in den schmalen Ritzen zwischen den einzelnen Teilen, wucherten kleine Pflanzen und Blumen. Die grüne Energie, mit der die Bots betrieben wurden, ließ heranfliegende Samen, die sich in den Kanten verfingen, gedeihen wie auf fruchtbarem Mutterboden. Auch wenn die Pflanzen auf ihren Bots eher mickrig waren im Vergleich zu jenen, die sie von Flava kannte, dem Arboren, auf dem sie jahrelang gelebt hatte, ehe sie nach Suna Valo gekommen war. Möglicherweise lag es am Klima im Tal oder daran, dass es hier andere Samen gab als auf dem Arboren. Lassia fand sie trotzdem hübsch.

Rippleh, Pikar, Kosh, Zoe und Skalli waren alle nach ihren Lieblingsfiguren aus den Gute-Nacht-Geschichten ihrer Kindheit benannt. Sie hatte alle fünf Bots gestern noch einmal an der Ladestation neben dem Feld aufgeladen, nachdem sie in den letzten Tagen gelegentlich ausgefallen waren. Nun aber schien alles in bester Ordnung zu sein; die kleinen Dioden neben den Ladebuchsen leuchteten in einem beruhigenden Grün. Die Feldbots waren bereit für den Tag. Zufrieden biss sie in ihr Honigbrot und überließ die Fünf vorerst wieder sich selbst.

Als die ersten helfenden Hände eintrafen, hatte Lassia beide Brote verputzt und die fünf Bots aus dem Schuppen geholt. Regungslos verharrten sie am Rand des großen Weizenfeldes, wie stumme Wächter aus einer anderen Zeit.

»Heeey, Lassia!« Die fröhliche Stimme gehörte Lita, der Schusterin aus Foriro, die ihr schon von Weitem begeistert zuwinkte. Bei ihr erkannte Lassia den roten Lockenkopf von Pip, der ihr gelegentlich auf dem Hof half, sowie Fynn und Alex; die Zwillinge waren genau wie Lassia und Olli letztes Jahr im Frühling ins Tal gekommen und halfen seither immer dort, wo sie am dringendsten gebraucht wurden. Außerdem besaß Alex ein ausgemachtes Talent im Geschichtenerzählen, was besonders an den langen dunklen Winterabenden bei allen im Dorf und auf den umliegenden Höfen großen Anklang gefunden hatte.

Lassia hob ebenfalls die Hand zum Gruß und lächelte den Vieren entgegen.

»Schön, dass ihr da seid. Ich hoffe, ihr habt gut gefrühstückt?«

Fynn klopfte sich zur Bestätigung auf den Bauch.

»Eine große Schüssel Obstsalat mit Nüssen, das sollte genug Energie für ein paar Stunden geben.«

»Sehr gut. Getränke und kleine Snacks für zwischendurch haben wir ausreichend da, und zu Mittag gibt es Caras Gemüseeintopf für alle.«

»Das klingt doch prima«, stellte Lita zufrieden fest und rieb sich die Hände. »Wann legen wir los?«

Lassia schmunzelte.

»Von mir aus sofort. Habt ihr schon mit den Sensen geübt vorher? Oder wollt ihr euch erstmal aufs Einsammeln und Bündeln der Weizenhalme konzentrieren und ich schick die Bots vor?«

»Wahrscheinlich besser Letzteres.« Alex lachte. »Vielleicht können wir uns von den Blechbüchsen ein paar Tricks abschauen.«

Es ging schleppend voran. Die Feldbots waren recht effizient, doch auch sie gerieten gelegentlich ins Stocken, wenn die Sense nicht sauber durch den Weizen fuhr, weil sich ein Knoten oder dergleichen an einem der Halme befand. Manchmal musste Lassia mit einem kurzen Sprachbefehl einen der Bots in seinem Kurs korrigieren, aber immerhin gab es keine Ausfälle, wie es in den vergangenen Tagen schon ein paarmal vorgekommen war. Die Menschen hingegen taten sich anfangs schwer, mit der Geschwindigkeit der Bots mitzuhalten, und so lag bald jede Menge geernteter Weizen auf dem Boden. Sie bemühten sich, den Instruktionen aus Lassias gesammelten Aufzeichnungen so gut es ging zu folgen, aber es war eine Sache, darüber zu lesen, wie die Getreidehalme zu Garben zusammengebunden wurden, und eine andere, es dann selbst zu tun.

Nach und nach trudelten auch die anderen ein, die sich bei Lassia zum Helfen gemeldet hatten, und als Olli schließlich am Rand des Feldes auftauchte, hatten sie schon die ersten zwei Hocken aus den Garben errichtet.

»Ihr scheint ja gut voranzukommen.«

»Geht so.« Lassia wischte sich mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn und gab Olli einen Kuss. »Aber wir kämpfen uns schon durch.«

»Ich hab noch ein paar Sicheln aus der Schmiede mitgebracht.« Olli zog vier der gekrümmten metallenen Klingen aus der groben Umhängetasche. »Falls ihr nicht genug Sensen habt. Aber Vorsicht! Sie sind scharf.«

»Das sollten sie ja auch sein.« Lassia strich prüfend mit der Daumenkuppe über die Klinge.

Suchend ließ Olli den Blick über die arbeitenden Leute auf dem Feld wandern und fuhr sich mit der Hand durch das kinnlange flachsblonde Haar, das von zahlreichen Zöpfen durchwirkt war.

»Ist Thom nicht hier? Ich dachte, er war die Nacht bei dir und wollte heute mit anpacken.«

Lassia seufzte.

»Ja, eigentlich. Aber irgendwie hat Miri es gestern Abend geschafft, die Wand ihres Hühnerstalls aus Versehen einzureißen. Also ist er heute früh zurück ins Dorf, um den Schaden zu reparieren.«

Olli lachte leise.

»Das klingt nach Miri. Na komm, sag mir, wo ich mit anpacken soll, das Mittagessen soll sich ja lohnen.«

»Du kannst mir hier zur Hand gehen; da drüben stehen noch zwei Ernterechen.«

»Schon unterwegs.«

Aus Litas Richtung wehte Gelächter herüber und Lassia sah, dass die Schusterin sich zwei Ähren an die Schläfen hielt, als seien es Fühler, und dabei eine fürchterlich alberne Grimasse schnitt. Schmunzelnd machte sie sich wieder daran, mit dem Ernterechen die restlichen Halme zusammenzutragen.

Sie und Olli arbeiteten schweigend nebeneinander. Das war etwas, was Lassia von Anfang ihrer Beziehung an geliebt hatte, dass man mit Olli wunderbar gemeinsam schweigen konnte und sich dennoch verbunden fühlte. Gelegentlich trafen ihre Blicke sich und ein Lächeln huschte über Ollis Lippen.

Als sie gerade das nächste Bündel Halme, das sie vom Boden gesammelt hatte, zusammenband, hörte sie Fynn von weiter vorne rufen. Lassia hob den Kopf.

»Ich glaub, der Blechkopf hier macht langsam schlapp!« Fynn deutete auf den überwiegend mit Gänseblümchen bewachsenen Bot – Kosh – dessen Bewegungen in der Tat langsam und behäbig wirkten. Seufzend legte Lassia die frisch zusammengebundene Garbe auf dem Boden ab und fuhr sich über die Stirn. Dann stakste sie über das Stoppelfeld hinüber zu den anderen.

»Kosh, anhalten«, sagte sie und der Bot rührte sich nicht mehr. Sie warf einen Blick auf die kleine Diode, die den Ladestand anzeigte. Sie leuchtete orange.

»Das gibt’s doch nicht«, murmelte Lassia und runzelte die Stirn. »Ich hab ihn gestern Abend frisch aufgeladen, eigentlich sollte die Ladung locker den ganzen Tag reichen.«

»Vielleicht ist ihm die Feldarbeit zu anstrengend«, schlug Lita vor. Lassia schüttelte den Kopf.

»Das sind Feldbots, die sind ja extra auf so was hier ausgelegt. Nein, ich hab das Gefühl, der verbraucht deutlich mehr Energie, als er sollte. Keine Ahnung, eventuell stimmt irgendwas mit der Verkabelung nicht oder so, ich kenn mich mit der Technik leider nicht wirklich aus.«

»Und was machen wir jetzt?« Alex sah sie fragend an. Lassia hob die Schultern.

»Hilft ja nichts, ich schick ihn zum Aufladen.«

Besorgt sah Lassia Kosh hinterher, der auf ihren Sprachbefehl hin schwerfällig und langsam über das abgeerntete Feld hinüber zur Ladestation stapfte, als wate er durch knietiefen Schlamm. Sie hoffte inständig, dass dies heute die einzige Bot-Panne bleiben würde.

Blieb es natürlich nicht. Bis Cara mit dem großen Topf voll frischem Gemüseeintopf auftauchte und sie sich alle im Schatten unter der Kastanie neben Lassias Haus zum Mittagessen niederließen, hatten auch Zoe und Skalli schlappgemacht. Mit gerunzelter Stirn blickte Lassia hinüber zur Ladestation, wo die beiden Bots reglos standen und warteten, bis sie wieder vollständig mit grüner Energie aufgefüllt waren. Sie konnte sich beim besten Willen nicht erklären, was das Problem war. In den vergangenen Monaten, seit sie den Hof aufgebaut hatte, waren sie eigentlich immer verlässlich gewesen, aber seit einigen Tagen schien der Wurm drin zu sein. Und das ausgerechnet zur Erntezeit, wenn die Bots am dringendsten gebraucht wurden!

»Komm, iss was.« Ollis Stimme riss sie aus ihren Grübeleien. »Dich können wir nicht mit grüner Energie aufladen.«

Sie lächelte matt und griff nach der Schale mit dem Gemüseeintopf. Olli hatte recht. Sie hatte seit Sonnenaufgang nichts mehr gegessen. Wenn sie den restlichen Tag durchhalten wollte, sollte sie ihrem Magen dringend etwas zu tun geben.

Die Sonne stand noch immer hoch am Himmel, als alle fertig waren mit Essen. Während die anderen das benutzte Geschirr zusammenräumten und abspülten, ging Lassia hinüber zur Ladestation, um zu überprüfen, wie es um Zoe und Skalli stand. Zu ihrer Erleichterung leuchteten die Dioden mittlerweile grün; allerdings fragte sie sich, für wie lange.

»Und? Wieder aufgeladen?« Olli war neben sie getreten.

»Sieht so aus. Warten wir mal ab, wie lange es hält.«

Sie machten sich wieder an die Arbeit, beschwingt durch die Pause und Caras leckeren Eintopf, und bald schon stand die nächste Hocke auf dem Stoppelfeld. Auch Zoe und Skalli liefen wieder zuverlässig und arbeiteten sich zusammen mit den anderen drei Bots stetig durch den goldgelben Weizen. Dennoch erwischte Lassia sich dabei, dass sie häufiger stehen blieb, und besorgt hinüber zu den Maschinen blickte, als warte sie nur auf die nächsten Probleme.

»Es lässt dich nicht los, was?« Olli war ihre Unruhe nicht entgangen.

»Wie auch«, erwiderte sie. »Die Ernte ist so schon eine Mammutaufgabe, ohne dass wir uns mit technischen Problemen herumschlagen. Wenn ich etwas nicht gebrauchen kann, dann ausfallende Bots.«

Wie aufs Stichwort sah sie in diesem Moment, wie Pikar die Arme mit der Sense langsam sinken ließ und den Kopf nach vorne neigte.

»Das darf doch nicht wahr sein!« Ärgerlich warf sie den Ernterechen zu Boden und stapfte hinüber zu dem Bot, der sich nicht mehr rührte, ganz so, als habe er spontan beschlossen, ein Nickerchen einzulegen. Die kleine Diode leuchtete dunkelorange zwischen dem blühenden Löwenzahn hervor. Mit einem entnervten Seufzer gab sie Pikar den Befehl, zur Ladestation zu gehen.

»Ich glaub, ich lass ihn mal einen Selbsttest durchführen«, sagte sie mit gerunzelter Stirn zu Olli. »Irgendwas stimmt da nicht. Die verbrauchen die Energie viel zu schnell, so viel kann die Erntearbeit gar nicht ziehen.«

»Selbsttest erfolgreich durchgeführt. Ladestand: elf Prozent. Aktueller durchschnittlicher Energieverbrauch: sechsundzwanzig Einheiten pro Stunde. Keine Schäden festgestellt. Keine Fehlfunktionen festgestellt. Derzeitige Aufgabe: Laden.« Die automatisierte Stimme drang ruhig und emotionslos aus dem kleinen Lautsprecher an Pikars Vorderseite.

»Das begreife ich nicht.« Stirnrunzelnd ließ Lassia den Bot das Ergebnis des Tests wiederholen, doch die Worte blieben dieselben. Sechsundzwanzig bewegte sich absolut im Rahmen dessen, was normal war – je nach Aufgabe, die den Bots zugeteilt war, schwankte der Energieverbrauch gewöhnlich zwischen zwanzig und dreißig Einheiten pro Stunde. Das erklärte auf keinen Fall, warum sie nach so kurzer Zeit schon schlapp machten.

»Wenn der Energieverbrauch normal ist«, sprach Olli aus, was Lassia dachte, »und es kein Energieleck gibt, dann muss etwas mit den Ladungen nicht stimmen. Dann sind die nicht so effizient wie normal.«

Nachdenklich ließ Lassia den Blick über die kümmerlichen Pflanzen wandern, die auf Pikars metallenem Körper wuchsen. Er war ihr erster Bot gewesen und hatte schon im vergangenen Sommer beim Anlegen der Felder geholfen. Täuschte sie sich, oder waren die Blüten im vergangenen Jahr deutlich mehr und üppiger gewesen?

»Vielleicht haben die am Konverter im Dorf irgendwelche Probleme. Ich schick jemanden hin, die sollen mal das Verfahren überprüfen.«

Durch die vielen Ladepausen kamen die Bots bei der Ernte deutlich langsamer voran. Hatten Lassia und die anderen am Vormittag noch Mühe gehabt, mit dem Einsammeln und Bündeln der Weizenhalme hinterherzukommen, holten sie die Bots am Nachmittag langsam aber sicher ein. Schließlich verteilte Lassia die Sicheln, die Olli aus der Schmiede mitgebracht hatte, an einige der Helfenden, damit sie den Bots beim Ernten des Weizens zur Hand gehen konnten. Und wenn gerade einer der Bots zur Ladestation musste, übernahm einer der Menschen die Sense, die er verwendete.

»Siehst du, irgendwie schaffen wir das schon«, meinte Olli aufmunternd. »Und vielleicht haben die am Konverter bis morgen ja das Problem gelöst und alles läuft wieder, wie es sollte.«

»Ich frag mich, ob Gereo auch solche Probleme mit seinen Feldbots hat«, murmelte Lassia und ließ ihren Blick nach Süden wandern, wo in einigen Kilometern Entfernung der Hof ihres Nachbarn lag. »Vielleicht kann ich mir sonst morgen einen von seinen ausborgen.«

»Wir können ja heute Abend mal zu ihm rübergehen und fragen«, schlug Olli vor.

Je weiter der Nachmittag voranschritt, desto drückender wurde die Hitze und brachte langsam eine unangenehme Schwüle mit sich. Immer häufiger legten sie nun kurze Pausen ein, um zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen. Insbesondere die Fruchtriegel, die Thom gestern aus dem Dorf mitgebracht hatte, erfreuten sich großer Beliebtheit. Einige der Helfenden hatten sich mittlerweile verabschiedet, versprachen aber, am nächsten Tag wieder zur Stelle zu sein. Lassia lehnte den Ernterechen an eine der Hocken, die auf dem bereits abgeernteten Feld verteilt standen, und streckte sich. Ein leises Knirschen und Knacken in ihrer Wirbelsäule antwortete ihr. Für einen Moment ließ sie ihren Blick über das in der Nachmittagssonne liegende Tal gleiten. Ein leichter Wind war aufgekommen und ließ die reifen Ähren auf den Feldern wiegen wie die Wellen eines goldenen Meeres. Dahinter ragten die Häuser und Hütten von Foriro auf, klein wie Spielzeug. Noch weiter hinten glitzerte der Fluss, der Suna Valo in weiten Schleifen durchfloss. Lassia seufzte und genoss die sanfte Brise auf ihrem Gesicht. Von vorne wehten die Stimmen der anderen zu ihr hinüber, ohne dass sie einzelne Worte verstehen konnte. Und es dauerte einen Moment, ehe ihr klar wurde, dass der Tonfall angespannt und dringlich wurde. Sie wandte den Kopf und erblickte die löwenzahnbewachsene Gestalt von Pikar, der sich Sense schwingend langsam von den anderen Bots entfernte. Dass die Bots von Zeit zu Zeit ihren Kurs verloren und korrigiert werden mussten, war nichts Neues – aber nun hörte Lassia aus den Rufen der anderen heraus, dass sie gerade genau das versuchten, jedoch ohne Erfolg. Und Pikar hielt geradewegs auf ein paar der Helfenden zu, die damit beschäftigt waren, die Weizenhalme zusammenzubinden.

Lassia stieß einen Fluch aus und eilte schnellen Schrittes hinüber zu den Anderen.

»Pikar, anhalten!«, rief sie, doch der Bot zeigte keine Reaktion. Er arbeitete sich mittlerweile nicht einmal mehr durch den noch stehenden Weizen, sondern schwang die Sense in immer gleichen mechanischen Bewegungen über dem bereits abgeernteten Stoppelfeld.

»Ich sagte, anhalten!«, wiederholte sie lauter. »Pikar, stopp!«

Nichts.

Nur die Sense schwang weiter auf Knöchelhöhe über das Stoppelfeld.

»Macht, dass ihr da wegkommt!«, schrie Lassia den Leuten zu, die die Halme zu Garben banden und gerade mit ungläubigem Staunen auf den Feldbot starrten, der auf sie zuhielt. »Irgendwas stimmt mit der Sprachsteuerung nicht, er reagiert nicht mehr, ich kann ihn nicht aufhalten!«

Ihre Worte schienen die Menschen aus ihrer Schockstarre zu reißen. Hastig stolperten sie zur Seite weg, nur wenige Augenblicke, ehe die Sense auf ihrem unaufhaltsamen Pfad über die Stelle hinwegfegte, an der sie eben noch gestanden hatten.

»Verdammte Fakke!«, fluchte Lassia und umrundete Pikar in weitem Bogen, bis sie einige Meter hinter dem Bot stand. Was war nur los mit ihm? Mit zusammengepressten Lippen beobachtete sie die Bewegungen des Feldbots. Änderte er seinen Kurs? Sie musste irgendwie an den Notausschalter kommen; der war zum Glück auf der Rückseite des Bots angebracht, aber sie fürchtete, dass Pikar sich für einen Richtungswechsel entscheiden könnte, sobald sie sich ihm näherte. Und der Bogen, in dem er die Sense schwang, deckte einen verdammt großen Bereich ab.

»Was brauchst du?« Olli war neben sie getreten.

»Siehst du die kleine Klappe hinten auf seinem Rücken?«

Olli nickte.

»Da drunter ist der Notausschalter. Da müssen wir irgendwie rankommen.«

»Na los, das schaffen wir.«

Lassia spürte, wie das Blut in ihren Ohren pochte, während sie sich Pikar rasch von hinten näherten. Jede Sekunde rechnete sie damit, dass der Bot sich umdrehen und auf sie zu marschieren würde, doch nichts dergleichen geschah. Er stapfte weiter stur geradeaus über das Stoppelfeld und schwang die Sense über den Boden. Als sie näher kam, hörte sie das vertraute leise Surren, das von den Dutzenden kleinen, mit grüner Energie angetriebenen Motoren im Inneren des Bots ausging.

Pikars Oberkörper, wenn man es so nennen wollte, rotierte im Schwung der Sense von rechts nach links und wieder zurück. Lassia sah die kleine Klappe, unter der sich der Notausknopf befand, und die mit der Bewegung des Bots vor ihren Augen hin und her schwang. Sie versuchte, den Rand des Metalls zu fassen zu kriegen, doch die stetige Bewegung machte es nahezu unmöglich. Jedes Mal, wenn sie es schaffte, mit den Fingerkuppen unter die Kante zu kommen, drehte der Bot sich wieder in die andere Richtung weg oder machte einen Schritt nach vorne, sodass das Metall unter ihren Händen wegrutschte. Erneut stieß sie einen Fluch aus.

»Das klappt so nicht«, stellte sie fest und trat einen Schritt zurück. »Ich krieg sie nicht gepackt, solange er sich bewegt.«

»Versuchen wir, ob wir ihn zu Boden kriegen – im Liegen wird er weniger beweglich sein«, schlug Olli vor.

Sie stemmten sich gegen den Rücken des Feldbots und versuchten, ihn zu Fall zu bringen, doch die Gleichgewichtssensoren schienen im Gegensatz zur Sprachsteuerung einwandfrei zu funktionieren, und Pikar fing sich mit einem Schritt nach vorne mühelos ab.

»Du nimmst die Beine, ich den Oberkörper«, rief Lassia Olli zu und warf sich erneut mit ihrem ganzen Gewicht gegen den Rücken des Bots, während Olli die kräftigen Arme um Pikars Beine schlang und nach hinten riss. Mit einem metallischen Kreischen und einem Chor aus protestierendem Surren der Servos, die vergeblich versuchten, gegenzusteuern, kippte der Feldbot langsam nach vorne weg. Lassia hörte das Splittern von Holz, als der Griff der Sense unter dem schweren Körper begraben wurde. Dann lag sie auf Pikars Rücken, Pusteblumen im Gesicht, während der Bot unter ihr surrte und zuckte. Ihre zitternden Finger fanden den Weg zwischen die Kanten der Klappe und da war er, der große rote Knopf. Mit einem mechanischen Klacken rastete er unter ihren Fingern ein; sofort erstarb das Surren der Servos und Pikar regte sich nicht mehr.

Für ein paar Sekunden blieb Lassia, wo sie war, die Wange auf der sonnenwarmen Metalloberfläche, und lauschte in die plötzliche Stille. Dann wälzte sie sich mit einem Ächzen zur Seite weg und blieb mit dem Rücken auf dem Boden liegen. Die Stoppeln des Weizenfeldes stachen sie durch den dünnen Stoff ihres Oberteils hindurch und sie blinzelte in die goldene Abendsonne.

»Ich bin zu alt für so nen Scheiß«, seufzte sie.

Dani

Im Sommer liebte er Rûga besonders. Die Abende waren lang und die Nächte kurz und man konnte bis spät in die Nacht in den weitläufigen Baumkronen sitzen und den Zikaden bei ihrem allabendlichen Konzert lauschen. Das üppige rote Blätterdach des Arboren, das ihm seinen Namen eingebracht hatte, spendete auch während der heißen Nachmittagsstunden angenehme Kühle und Schatten, und es regnete selten. Letzteres hatte natürlich auch zur Folge, dass die Pflanzen, die hier oben angebaut wurden, auf anderem Wege mit Wasser versorgt werden mussten. Aber dafür hatten sie hier auf Rûga schließlich ausgeklügelte Bewässerungsanlagen – auch wenn die nicht immer so funktionierten, wie sie sollten, wie Dani mit einem Seufzen feststellte, während er kopfüber in einem Wust aus Kabeln und Schaltkreisen steckte. Mit einer kleinen Solartaschenlampe zwischen den Zähnen versuchte er, den Ursprung des Problems ausfindig zu machen.

»Ich weiß wirklich nicht, was ich falsch gemacht habe, gestern hat alles noch einwandfrei funktioniert, und jetzt das!« Nur mit halbem Ohr hörte er Dodos erneuten Versicherungen und Klagen zu. Sein Blick wanderte routiniert über das, was für die meisten anderen Leute bloßes Chaos gewesen wäre. »Erst dachte ich, die Rohre sind verstopft, aber die haben wir vor zwei Wochen erst entkalkt, daran kann es ja also auch nicht liegen, das dachte ich mir ja schon, und ich hatte ja auch recht.«

Na bitte, da haben wir doch den Übeltäter. Zufrieden kroch Dani aus dem großen Schaltkasten heraus und kramte aus seiner Werkzeugtasche einen Lötkolben, eine Zange und etwas Lötzinn hervor.

»Und dann meinte Ira, frag doch mal Dani, der ist doch so ein Technik-Ass, der kriegt alles wieder hin. Also du bist jetzt quasi meine letzte Hoffnung, sonst muss ich meine Zucchini mit der Gießkanne bewässern und du kannst dir ja denken, was das für einen Zeitaufwand bedeuten würde, da komm ich ja zu nichts anderem mehr!«

Ein wenig umständlich krabbelte Dani zurück in den kompakten Kasten, der die komplette Verkabelung und Steuerung der Bewässerungsanlage enthielt. In Situationen wie diesen verfluchte er seine Körpergröße – wer auch immer diese Anlage gebaut hatte, hatte dabei augenscheinlich nicht an Menschen gedacht, die größer als ein Meter achtzig waren. Mit einiger Mühe gelang es ihm, seine schmalen Gliedmaßen irgendwie so zu platzieren, dass er in einer halbwegs bequemen Position verharren konnte, während er den Kontakt, der sich gelöst hatte, neu verlötete.

»Ich meine, ich könnte natürlich ein paar Leute fragen, ob sie mir beim Gießen zur Hand gehen, aber wo jetzt doch die Getreideernte unten im Tal begonnen hat, sind so viele dort beschäftigt, dass ich vermutlich gar nicht genug Leute zusammen bekommen würde«, spann Dodo den Gedanken weiter. »Und ich weiß auch gar nicht, ob wir ausreichend Gießkannen auftreiben könnten.«

Ein letztes Mal kroch Dani aus dem Schaltkasten heraus und betätigte probeweise den Schalter, der die Bewässerungsanlage steuerte – sofort erklang das vertraute leise Rauschen und Tröpfeln des Wassers.

Dodo brach mitten im Satz ab, den Mund noch halb offen, und ließ den Blick mit mildem Staunen über die Zucchini-Plantage wandern, die nun wieder Tropfen für Tropfen mit frischem Wasser versorgt wurde.

»Das gibt’s doch nicht! So schnell hast du’s wieder hinbekommen? Ich hab mir schon die schlimmsten Horrorszenarien ausgemalt!«