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Nachhaltigkeit ist eine Verantwortung, der sich weltweit alle Unternehmen stellen müssen. Der zunehmend steigende Druck eröffnet jedoch auch Spielräume für Innovationen. Doch wie müssen Innovationen der Zukunft gestaltet werden, um langfristigen Geschäftserfolg und gleichzeitig Nachhaltigkeit zu fördern? Helena Most zeigt, wie Organisationen diese Herausforderungen meistern können. Anhand einer Roadmap zur Entwicklung nachhaltiger und zirkulärer Geschäftsmodellinnovationen erläutert sie, wie dies gelingt. Dabei spannt sie einen Bogen von der notwendigen Innovationskultur über Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft bis hin zum Impact Management, mit dem Unternehmen ihre ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele definieren und deren Wirkung und Erfolg messbar machen können. Inhalte: - Warum wir jetzt nachhaltige Innovationen brauchen - Circular Economy für Dekarbonisierung - Verantwortungsbewusste Geschäftsmodellinnovation – ein holistischer Ansatz - Mit den richtigen Menschen an Bord zu neuen Geschäftsmodellen - Von Produktinnovationen hin zum kollaborativen Ökosystem - Transformation linearer Geschäftsprozesse zu durchgängig stabilen Kreisläufen - Die Dos and Don'ts nachhaltiger Kommunikation Die digitale und kostenfreie Ergänzung zu Ihrem Buch auf myBook+: - E-Book direkt online lesen im Browser - Persönliche Fachbibliothek mit Ihren Büchern Jetzt nutzen auf mybookplus.de.
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Veröffentlichungsjahr: 2024
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Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de abrufbar.
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ISBN 978-3-648-17409-8
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ISBN 978-3-648-17410-4
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ePDF:
ISBN 978-3-648-17411-1
Bestell-Nr. 10981-0150
Helena Most
Sustainability als Innovationstreiber
1. Auflage, April 2024
© 2024 Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg
www.haufe.de
Bildnachweis (Cover): © LeoPatrizi, iStock
Produktmanagement: Dipl.-Kfm. Kathrin Menzel-Salpietro
Lektorat: Helmut Haunreiter
Dieses Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, insbesondere die der Vervielfältigung, des auszugsweisen Nachdrucks, der Übersetzung und der Einspeicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen, vorbehalten. Alle Angaben/Daten nach bestem Wissen, jedoch ohne Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
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Abb. 1: Emissionen nach Sektoren (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Ritchie et al., 2020)
Abb. 2: Planetare Grenzen (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Planetary boundaries, o. D.)
Abb. 3: Kondratjew-WellenKondratjew-Wellen bzw. lange Wellen der InnovationInnovation, Kondratjew-Wellen (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Neufeld, 2022)
Abb. 4: Trends (Quelle: TrendOne)
Abb. 5: UN Sustainable Development Goals (SDG) (Quelle: Bundesregierung)
Abb. 6: SDG-Transformationen (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Sachs, J.D., Schmidt-Traub, G., Mazzucato, M. et al.)
Abb. 7: UN SDGs und ESG Mapping
Abb. 8: Übersicht Regularien (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2021)
Abb. 9: Ausgewählte ESG-Kriterien (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an roedl.de, 2020, und Wirtschaftslexikon Gabler)
Abb. 10: Systematisches Diagramm der KreislaufwirtschaftKreislaufwirtschaft, Diagramm (Quelle: Circular Economy Diagram, 2019)
Abb. 11: Zehn R-Strategien als Framework der Kreislaufwirtschaft (Quelle: eigene Darstellung, vgl. Modell der R-Strategien, o. D.)
Abb. 12: Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Fischer-Kowalski & Swilling, 2011, S. xiii)
Abb. 13: Business Model Navigator (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Gassmann et al., 2014)
Abb. 14: Business Model Canvas (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Strategyzer, o. D.)
Abb. 15: Social Business Model Canvas (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Social Innovation Lab, 2013)
Abb. 16: Sustainable Business Model Canvas (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an CASE Knowledge Alliance, o. D.)
Abb. 17: Innovation FrameworkInnovation Framework (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Loetscher & Kreis, 2018)
Abb. 18: Responsible Business Model Innovation (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Most, 2023)
Abb. 19: Goldener Kreis (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Sinek, 2011)
Abb. 20: PeoplePeople (Quelle: eigene Darstellung)
Abb. 21: Kenne deine Stakeholder (Quelle: eigene Darstellung)
Abb. 22: Warum die EU bestimmte Regularien zu nachhaltigen Produkten fokussiert (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an About sustainable products, o. D.)
Abb. 23: Natürliche Ressourcen (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Richtlinie VDI 4800 Blatt 1)
Abb. 24: Life Cycle ManagementLife Cycle Management (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Remmen et al., 2007)
Abb. 25: LebenszyklusanalyseLebenszyklusanalyse (Quelle: eigene Darstellung der Phasen einer Ökobilanz, wie in ISO 14040 beschrieben)
Abb. 26: LCA (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Penn State, 2023)
Abb. 27: Nanotechnologische Innovationen im Energiesektor (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Mayer & Krätschmer, 2022, S. 4–14).
Abb. 28: Open Innovation (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Chesbrough, 2007)
Abb. 29: Umsatz-Kosten-Struktur des offenen vs. geschlossenen Geschäftsmodells (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Chesbrough, 2007)
Abb. 30: Circular HubCircular Hub im Sinne von Open Innovation (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Kering, 2023)
Abb. 31: Sitzschale aus wiederverwertetem Kunststoff
Abb. 32: Treibhausgasemissionen entlang der WertschöpfungsketteWertschöpfungskette (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2021)
Abb. 33: Linear vs. Circular Supply Chain (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2021)
Abb. 34: Reverse Supply and Value Chain konfigurierte Produkte (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2021)
Abb. 35: 5 Dimensionen von Impact (Quelle eigene Darstellung, in Anlehnung an Firdaus, 2023c)
Abb. 36: Impact Management für nachhaltige Geschäftsmodelle (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2020)
Abb. 37: Ziele für Wachstum in Balance mit Gesellschaft und Natur (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2020)
Abb. 38: Performance: How to capture value (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Holocene, 2020)
Abb. 39: Neue Technologien (Quelle: eigene Darstellung, basierend auf 10xTechnologien, Frank Thelen and Material Ecology Neri Oxman)
BMC
Business Model Canvas
BMI
Business Model Innovation
CSO
Chief Sustainability Officer
CSRD
Corporate Sustainability Reporting Directive
ESG
Environmental, Social, Governance
LCA
Ökobilanz/Life Cycle Assessment
LCM
Life Cycle Management
NbS
Naturbasierte Lösungen/Nature Based Solutions
PRI
Purpose Readiness Index
ROSI
Return on Sustainability Investment
SDG
Sustainable Development Goal
SFDR
Sustainable Finance Disclosure Regulation
Meine tiefste Dankbarkeit möchte ich an dieser Stelle Ian aussprechen, der mich bereits seit über 11 Jahren darin bestärkt, »meinen« Weg zu gehen, mir täglich neue Perspektiven aufzeigt und mir stets den Rücken freihält, damit meine Träume zu Zielen und meine Ziele Wirklichkeit werden.
Meiner Familie möchte ich von Herzen danken, insbesondere meinen Eltern, Andrea und Werner, da sie mir früh beigebracht haben, was es heißt, für Werte einzustehen und für Ziele hart zu arbeiten. Eure bedingungslose Unterstützung hat mir immer wieder gezeigt, wie wichtig es ist, die »richtigen« Menschen um mich herum zu haben.
Sabrina, ohne dich würde es das Buch so nicht geben. Deine Unterstützung ist unbeschreiblich. Ich bin dir zutiefst dankbar für unsere Freundschaft und für die unzähligen Stunden, die du mich unterstützt hast.
Danken möchte ich meinen engsten Freunden, die mich mit Kehrpaketen, Remote-Unterstützung und Motivations-Anrufen gepusht habt. Unzählige dieser Momente haben mich sehr berührt und mich mit tiefster Dankbarkeit erfüllt.
Ein besonderer Dank gilt ebenso meinen Kunden und Gesprächspartner:innen. Das Vertrauen, die Offenheit und Zeit, die mir entgegengebracht wurde, schätze ich ganz besonders.
Weiterhin möchte ich meinem Lektor sowie dem gesamten Haufe-Team herzlich für die großartige Zusammenarbeit danken.
Danke – an all die Personen darüber hinaus, die mich auf meinem Weg bereits geprägt haben, deren Erfahrung und Wissen mit mir teilen und mich weiter prägen werden.
Es sind die Menschen, die einen wahren Unterschied machen.
Wir haben 10 Jahre, die Zukunft der Menschheit zu transformieren. Inkrementelle Veränderung ist keine Option. Was wir brauchen, ist Innovation.
Johan Rockström
Es gibt keinen PLANeten B.
55 und 100 Milliarden Tonnen – diese beiden Zahlen müssen wir heute kennen. 55 Milliarden Tonnen ist die Zahl der TreibhausgasemissionenTreibhausgasemissionen, inklusive Kohlenstoffdioxid, Methan und Lachgas, die jährlich in die Atmosphäre gelangen. Tendenz steigend. Ziel sollte es sein, dass keine Treibhausgase in die Atmosphäre gelangen (vgl. Ritchie et al., 2020). 100 Milliarden Tonnen ist die Zahl der Rohstoffe, die von unserer globalen, linearen Wirtschaft jährlich genutzt werden. Gerade einmal 8,6 Prozent werden laut dem Circularity Gap Report 2022 zurückgewonnen. Tendenz sinkend (vgl. What is the circular economy?, o. D.).
Über einen Zeitraum von über 10.000 Jahren schwankte die globale Durchschnittstemperatur der Erde gerade einmal zwischen +/- 1 Grad Celsius. Während dieser Epoche, die als Holozän und Zeitalter der Stabilität benannt wurde, entstand die moderne Welt, wie wir sie kennen. Die stabilen Temperaturen bescherten uns einen ausgewogenen Planeten, der die menschliche Zivilisation ermöglichte und das Leben vieler Menschen und damit unserer Gesellschaft verbesserte.
Spätestens seit der industriellen Revolutionindustrielle Revolution wird die Welt von Manufacturing- und MassenproduktionMassenproduktion dominiert. Weltweit ist die Industrie für circa 32 Prozent der Emissionen verantwortlich (vgl. Pachauri & Meyer, 2015, S. 47), vorwiegend durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung (Elektrizität und Wärme) und die industrielle Produktion von Materialien wie Zement (vgl. Ritchie et al., 2020). Gewöhnlich werden 11 Prozent der von der Industrie zu verantwortenden Emissionen durch die Energieerzeugung verursacht. Sie werden daher als indirekte Emissionen dem Energiesektor zugeordnet. Abbildung 1 zeigt die Emissionen nach Branchen.
Abb. 1:
Emissionen nach Sektoren (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Ritchie et al., 2020)
Spätestens seit dem Bericht des International Panel on Climate ChangeInternational Panel on Climate Change (IPCCIPCC) wissen wir, dass menschliche Aktivitäten zunehmend das Klima der Erde und die Ökosysteme beeinflussen (vgl. Rockström et al., 2009). Während alle Organismen ihre Umwelt bis zu einem gewissen Grad beeinflussen, haben wir Menschen in gerade einmal 50 Jahren mit unseren Denk- und Verhaltensmustern unseren Planeten ins Ungleichgewicht gebracht und einen Zustand verlassen, in dem sich die Erde seit über 10.000 Jahren befand. Der exponentielle Anstieg des menschlichen Drucks auf die Erde hat ein Niveau erreicht, auf dem wir eine neue geologische Epoche geschaffen haben, das »AnthropozänAnthropozän«, oder auch das »Zeitalter des Menschen«, weil die Menschheit Treiber dieser dramatischen Veränderung im Erdsystem ist (vgl. Rockström et al., 2009). Das exponentielle Wachstum menschlicher Aktivitäten gibt Anlass zur Sorge, dass weiterer Druck auf das Erdsystem wichtige biophysikalische Systeme destabilisieren und abrupte oder sogar irreversible Umweltveränderungen auslösen könnte, die schädlich oder sogar katastrophal für das menschliche Wohlergehen wären (vgl. Rockström et al., 2009).
Die planetaren Grenzenplanetare Grenzen sind die nicht verhandelbaren Voraussetzungen unseres Planeten, welche die Menschheit respektieren muss, um das Risiko schädlicher oder sogar katastrophaler Umweltveränderungen auf kontinentaler bis globaler Ebene zu vermeiden (s. Abbildung 2). Mehrere dieser Grenzen wurden aufgrund menschlicher Verhaltensmuster bereits überschritten (vgl. Rockström et al., 2009).
In der Europäischen Union (EU) leben weniger als 10 Prozent der Weltbevölkerung, doch ihre verbrauchsbedingten Auswirkungen in Bezug auf Klimawandel, Feinstaub, Landnutzung und Bodenschätze liegen nahe an den planetaren Grenzen oder überschreiten diese. Im April 2022 ergab eine Neubewertung der planetaren Grenze für Süßwasser, dass diese inzwischen überschritten wurde. Diese Schlussfolgerung ist auf die erstmalige Einbeziehung von »grünem Wasser« – dem den Pflanzen zur Verfügung stehenden Wasser – in die Grenzbewertung zurückzuführen.
Abb. 2:
Planetare Grenzen (Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Planetary boundaries, o. D.)
Veränderung des Klimas sind gepaart mit Herausforderungen für die Menschheit
Zum ersten Mal hat ein Team von mehr als fünfzig Wissenschaftlern aus der ganzen Welt nicht nur bewertet und quantifiziert, was ein sicherer, sondern auch festgelegt, was ein gerechter Handlungsraum für die Menschheit ist. Sie definieren Gerechtigkeit als die Vermeidung erheblichen Schadens für Menschen auf der ganzen Welt, jetzt und in der Zukunft, beziehen aber auch andere Bereiche, wie KlimaKlima, ArtenvielfaltArtenvielfalt, Süßwasser und verschiedene Arten der Verschmutzung von Luft, Boden und Wasser in ihre Analyse ein. »Innerhalb der fünf analysierten Bereiche werden bereits mehrere Grenzen auf globaler und lokaler Ebene überschritten. Das bedeutet, dass irreversible Wendepunkte und weitreichende Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen höchstwahrscheinlich unvermeidbar sein werden, wenn es nicht zu einer rechtzeitigen Transformation kommt. Die Vermeidung dieses Szenarios ist von entscheidender Bedeutung, wenn wir eine sichere und gerechte Zukunft für heutige und künftige Generationen gewährleisten wollen«, sagt Johan Rockström, einer der Hauptautoren der Studie »Safe and just Earth system boundaries«. Rockström ist Klimaforscher, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, Co-Vorsitzender der Earth Commission und Mitbegründer des Stockholm Resilience Center. Er wurde vom Time Magazin 2023 zu den 100 einflussreichsten Menschen ernannt.
Die Folgen der Veränderung des Klimas und die damit zusammenhängenden Herausforderungen für die Menschheit sind bereits heute weltweit spürbar. Flächen, die von extremen Hitzeereignissen betroffen sind, haben sich seit 1950 verzehnfacht (vgl. Komarnicki et al., 2021). Extreme Starkregenereignisse treten 30 Prozent häufiger auf (vgl. Luca et al., 2020, S. 127 ff.). Weltweit sterben Menschen bereits frühzeitig an den Folgen des Klimawandels, wie zum Beispiel an Unterernährung und an Wetterextremen (vgl. Van Wesemael et al., 2019). Der KlimawandelKlimawandel bedroht jedoch nicht nur die Lebensgrundlage vieler Menschen. Der jährliche Global Supply Chain ReportGlobal Supply Chain Report 2020 des Carbon Disclosure Project (CDP) kommt zu dem Schluss, dass Umweltrisiken für die Lieferketten von Unternehmen innerhalb der nächsten fünf Jahre bis zu 120 Milliarden US-Dollar kosten werden (vgl. Transparency to Transformation, o. D.). Einer neuen Studie zufolge, beauftragt durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, zeigt, dass je nach Ausmaß der Erderwärmung bis zur Mitte des Jahrhunderts mit kumulierten volkswirtschaftlichen Schäden in Höhe von 280 bis 900 Milliarden Euro gerechnet werden muss (vgl. Klimaschutz, 2023).
Hoffnungsträger Mensch, Technologie und Wissenschaft
Wie schnell sich jedoch eine Verhaltensänderung auf den Emissionsausstoß auswirken kann, haben wir gesehen: Im Jahr 2020 reduzierten sich die CO2-EmissionenCO₂-Emissionen aufgrund der geringen wirtschaftlichen Aktivitäten durch COVID-19 um 5,4 Prozent. Leider mussten Forscher im Zuge einer Studie unter der Leitung des California Institute of Technology jedoch anhand von Satellitenbildern der NASA feststellen, dass die CO2-Menge in der Atmosphäre trotz des geringeren Ausstoßes weiterhin in etwa dem gleichen Tempo anstieg wie in den Vorjahren (https://www.jpl.nasa.gov/, o. D.).
Die Satellitenbilder der NASA zeigen, dass Treibhausgase viel länger in der Atmosphäre gespeichert werden und eine kurzfristige, reaktive Reduzierung des Ausstoßes nicht ausreicht, um Emissionen in der Atmosphäre zu senken. Weiterhin zeigt diese Reduktion von gerade einmal 5,4 Prozent, dass es nicht einfach ist, 55 Milliarden Tonnen Treibhausgase einzusparen. Um Treibhausgasmissionen dauerhaft in der Atmosphäre zu reduzieren, ist der Übergang zu Geschäftsmodellen und Technologien, die langfristig für geringen oder gar keinen CO2-AusstoßCO₂-Ausstoß sorgen, erforderlich.
Können wir den Planeten also noch retten?
Ja. Wissenschaftler und Pioniere weltweit arbeiten bereits an Lösungen zur Dekarbonisierung und Aufrechterhaltung der Biodiversität. Je deutlicher das Ausmaß der weltweiten systemischen Herausforderungen wird – die Themen reichen von Klimawandel über Armut und Einkommensungleichheit, Wasser- und Ernährungssicherheit bis hin zur Gesundheitsversorgung, Bildung und darüber hinaus –, desto stärker wächst das Bedürfnis von Innovatoren und Unternehmer: innen, die drängendsten sozialen und ökologischen Probleme der Welt zu lösen und die Zukunft aktiv mitzugestalten (vgl. Christensen et al., 2019, S. 4).
Wir können die Probleme lösen, mit denen wir jetzt konfrontiert sind, indem wir diese Realität ernst nehmen. Wenn wir uns um die Natur kümmern, kümmert sich die Natur auch um uns. Wir haben das Klima schon einmal verändert, und zwar im Hinblick auf das Ozonloch. In den frühen 1980er-Jahren zeigten sich erstmals Ozonlöcher, die durch Chemikalien, wie sie beispielsweise in Klimaanlagen oder Shampoos verwendet wurden, verursacht wurden. Die Wissenschaft erkannte das Loch. Die Antwort darauf war das multilaterale Abkommen des Montrealer-Protokolls und die Industrie konzentrierte sich darauf, Innovationen zu kreieren, die skalierbar waren. Das Ergebnis: Die Ozonschicht ist derzeit auf gutem Weg, sich innerhalb der kommenden Jahrzehnte zu erholen (vgl. TIME, 2023).
Warum ist also jetzt der richtige Zeitpunkt, Geschäftsmodelle zu innovieren?
Weil uns angesichts der beschriebenen Entwicklungen keine Zeit mehr bleibt. Weil wir in einer besonderen Zeit der Geschichte der Menschheit leben. Das Gute daran ist: Wir leben in einer Zeit, in der wir Zugriff auf vorher nicht dagewesenes Wissen, Werkzeuge und Technologien haben (vgl. Oxman, 2015). Computerdesign ermöglicht Designern das Entwerfen komplexer Formen mit einfachem Code. Künstliche Intelligenz ermöglicht visuelle Geräusch-, Sprach-, Objekt- und Zustandserkennung. Additive Fertigungsverfahren (3-D-Druck) lassen uns Komponenten in Echtzeit fertigen, an dem Ort, an dem sie benötigt werden, indem Materialien hinzugefügt werden, anstatt sie auszuschneiden, wodurch keine Abfälle entstehen. Fortschritte im Bereich der Werkstofftechnik ermöglichen, das Verhalten von Materialien in hoher Auflösung für Materialeinsparungen zu erforschen und synthetische Biologie ermöglicht den Entwurf neuer biologischer Funktionen durch die Bearbeitung von DNA und Substitution von kritischen und knappen Ressourcen.
Im Jahr 2019 sagte Johan Rockström, dass wir noch 10 Jahre haben, um die Zukunft der Menschheit zu transformieren. Inkrementelle Veränderung sei keine Option. Was wir benötigen, sind Innovationen. Diese Aussage stammt aus Rockströms Ted Talk 2019. Im Jahr 2024 haben wir nur noch 5 Jahre. In den nächsten Jahren müssen wir also alles dafür tun, CO2-EmissionenCO₂-Emissionen einzusparen sowie für Biodiversität und eine sichere sowie gerechte Welt sorgen.
Wir leben in einer Zeit, in der wir durch Wissenschaft, Technologie und neue Geschäftsmodelle neue Innovationen kreieren können, die die Welt positiv verändern und gleichzeitig für Wohlstand sorgen. Wie Larry Fink, Gründer, CEO und Chairman von BlackRock, dem weltweit größte Vermögenverwalter 2021, in seinem Brief an CEOs schrieb: »Ich glaube, dass die nächsten 1.000 Einhörner – Unternehmen mit einer Marktbewertung von über einer Milliarde Dollar – keine Suchmaschine, kein Medienunternehmen sein werden, sondern Unternehmen, die grünen Wasserstoff, grüne Landwirtschaft und grünen Stahl sowie grünen Zement entwickeln werden.«
Erneuerbare Energie
Die wohl dringendste Veränderung ist die EnergiewendeEnergiewende zum Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und damit einhergehend die Reduzierung der Emissionen um die Hälfte alle zehn Jahre sowie das Erreichen einer Netto-Null-Weltwirtschaft bis 2050 (vgl. Gates, 2021). Erneuerbare Energiequellenerneuerbare Energie wie Solar, Wind und Wasserkraft sorgen für regenerative Energieregenerative Energie und weniger CO2-AusstoßCO₂-Ausstoß. Wärmepumpen und Eisspeicher sorgen für regenerative Wärmeenergie und Batterie- bzw. Energiespeicher sorgen dafür, die Energienachfrage und -versorgung zu balancieren. Hier sind Unternehmen aufgefordert. auf alternative Energie- und Wärmequellen umzusteigen.
Nahrungsmittelindustrie
Weiterhin ist es essenziell, das Nahrungsmittelsystem umzustellen, ohne es aber auf die 50 Prozent der verbleibenden und intakten Landflächen auszuweiten. NahrungsmittelNahrungsmittelindustrie müssen produziert werden, ohne Luft und Umwelt zu verschmutzen, ohne Wasser zu verunreinigen oder zu verknappen und ohne weiter CO2 aufzubauen.
Laut Dr. Clemens Scheer vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) lassen sich die Emissionen verringern, indem die Überschüsse an Stickstoff in der Produktion von Nahrungsmitteln abgebaut werden (vgl. Deutschlandfunk, 2021, 8. Dezember). Hauptsächlich geht es dabei darum, die Emissionen von Lachgas aus den Böden zu vermeiden. Lachgas ist laut Dr. Scheer 300-mal so klimaschädlich wie CO2 und wird vorwiegend bei mikrobiellen Umsetzungen von Stickstoffdünger im Boden generiert und in die Atmosphäre ausgestoßen. Weiterhin müssten laut Dr. Scheer die Böden verbessert werden, damit sie u. a. CO2 aus der Luft speichern können. Erreicht werden kann das u. a. durch organische Düngung, indem man z. B. wieder mit Mist düngt oder Ernterückstände erneut in den Boden einbringt. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Renaturierung von Moorböden. Gerade in Deutschland ist dies derzeit mit einem enormen Einsparungspotenzial von Treibhausgasen verbunden (vgl. Deutschlandfunk, 2021, 8. Dezember).
Als Verbraucher können wir durch eine fleischarme Ernährungfleischarme ErnährungErnährung, fleischarme ebenso unseren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Die Politik greift an dieser Stelle bislang kaum ein. Tatsächlich ist jedoch der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch 2020 so tief gesunken wie noch nie. Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung führt ebenso zu einer Reduktion der Treibhausgase. Zwischen 25 und 30 Prozent der für Lebensmittel verwendeten Ernte wird nämlich gar nicht erst gegessen (vgl. Deutschlandfunk, 2021, 8. Dezember).
Doch auch in der LandwirtschaftLandwirtschaft spielen neue Technologien eine Rolle. Manche dieser Technologien, wie die Gentechnik beispielsweise, werden in Deutschland jedoch noch immer sehr kritisch gesehen. Die Technologie hat große Potenziale, da sie eine Resistenz gegen Schädlinge und Krankheiten bewirkt, den Anbau unter schwierigen Bedingungen erleichtert und die Haltbarkeit erhöht (vgl. Deutschlandfunk, 2021, 8. Dezember), was in Bezug auf die Nahrungsmittelknappheit positiv ist. Der Einsatz von Gentechnik kann jedoch auch negative Auswirkungen haben, etwa die Gefährdung der Artenvielfalt bei übermäßigem Einsatz. Außerdem ist es immens wichtig, die Gesundheitsbedenken zu adressieren.
Gebäude
Ob Hochhaus, Stadion, Fabrik oder Wohngebäude, überall wo Menschen sind, stößt man auf GebäudeGebäude. Die Nutzung ist divers und der Ressourcenbedarf gigantisch. Dies führt zu enormen, direkten CO2-EmissionenCO₂-Emissionen durch Materialien und Baustoffe wie Zement und Stahl. Zum anderen werden indirekte Emissionen durch den Verbrauch von Elektrizität und Wärme in den Gebäuden freigesetzt. Erneuerbare Energien, Verbesserung der Energieeffizienz, Verwendung klimaneutraler Rohstoffe und Maßnahmen zur Suffizienz sind der Schlüssel, um den genannten Problemen zu begegnen (vgl. Nelles & Serrer, 2021, S. 49). Suffizienzmaßnahmen eröffnen die Möglichkeit, den Rohstoff- und Energieverbrauch zu minimieren z. B. durch verändertes Verbraucherverhalten, wie u. a. die Reduktion der Wohnfläche oder ein Umbau statt Neubau.
Transport und Verkehr
SeitVerkehr 1990 ist der Treibhausgasausstoß im TransportsektorTransport um fast 80 Prozent gestiegen (vgl. Nelles & Serrer, 2021, S. 53). Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, den Treibhausgasausstoß zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. So können etwa Geschäftsreisen durch Videokonferenzen ersetzt werden. Auch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle kann diesbezügliche Möglichkeiten eröffnen. MobilitätMobilität anstatt Fahrzeuge zu verkaufen ist nur eines der Beispiele hierfür. Generell ist es essenziell, Technologien wie grünen Wasserstoff und E-Mobilität sowie alternative Antriebe und Kraftstoffe zu fördern.
Industrie
Industrieunternehmen benötigen Rohstoffe. Diese werden meist mit hohem Energie- und Ressourcenverbrauch extrahiert. Die IndustrieIndustrie extrahiert jedoch nicht nur RohstoffeRohstoffe und bearbeitet diese zu Produkten oder Maschinen, sondern nutzt auch selbst Maschinen und Anlagen für die Produktion. Für das produzierende Gewerbe liegt der größte Hebel tatsächlich in den indirekten Emissionen, die aus dem Bezug fossiler Elektrizität und Wärme entstehen. Das macht insgesamt ca. 30 Prozent der gesamten Emissionen des verarbeitenden Gewerbes aus. In Bezug auf direkte Emissionen, sind die IndustriezweigeIndustriezweige Zellstoff- und Papierproduktion, Nahrungsmittel- und Tabak-, Glas- und Keramikindustrie gemeinsam für ca. 23 Prozent der Emissionen im Bereich der Industrie verantwortlich, die Metallindustrie, v. a. die Herstellung von Stahl, ist für 15 Prozent, die chemische Industrie für 14 Prozent, die Abfallindustrie (Verbrennung und Entsorgung von Abfällen an Land sowie Entsorgung von häuslichen und industriellen Abwässern) für 11 Prozent sowie die Zementindustrie für 7 Prozent der Emissionen verantwortlich.
Wir kennen nun die Hebel und sind in der Lage, Innovationen zu entwickeln. Lassen Sie uns nun gemeinsam starten, um die Welt zu verändern, den Planeten zu regenerieren und gesellschaftlichen Wohlstand zu vollbringen.
Im Gespräch mit von Riegen, ClausClaus von Riegen (SAP)
Claus von RiegenRiegen, Claus von ist Head of Strategy, New Ventures & Technologies bei SAP SE. In dieser Rolle verantwortet er mit seinem Team die Innovationsstrategie, das Projektportfolio und den Innovationsprozess für die Plattform der Zukunft. Zuvor hatte Claus verschiedene Managementpositionen inne, zuletzt als Head of Business Model Innovation. Er hat sein Studium zum Diplom-Informatiker an der Technischen Universität Braunschweig absolviert und verfügt über einen Executive MBA, den er an der Mannheim Business School und der ESSEC Frankreich erworben hat.
Was bedeutet für dich Nachhaltigkeit als Innovationstreiber?
NachhaltigkeitNachhaltigkeit ist eine Verantwortung, der sich alle Unternehmen weltweit stellen müssen. Auch wenn sich der Umfang und die Geschwindigkeit der nachhaltigen Transformation in den verschiedenen Branchen und Ländern unterscheidet, gibt es eine ganze Reihe von Gemeinsamkeiten. Konsumenten fragen nach dem CO2-FußabdruckCO₂-Fußabdruck von Konsumgütern, was bedeutet, dass alle Unternehmen entlang ihrer Lieferketten zusammenarbeiten müssen, um Transparenz zu schaffen und Optimierungspotenziale zu schöpfen. Einkaufsabteilungen von Unternehmen wollen sicherstellen, dass soziale Mindeststandards (z. B. Mindestlöhne und Verbot von Kinderarbeit) eingehalten werden. Und Mitarbeitende wollen verstehen, was Ihre Arbeitgeber insgesamt tun, um Nachhaltigkeitsziele zu erreichen.
Überall dort, wo solcher Druck entsteht und Unternehmen noch keine guten Antworten haben, ergeben sich Spielräume für Innovation. Insofern ist Nachhaltigkeit ein Treiber für Innovation. Das wird insbesondere deutlich beim Blick auf Unternehmensgründungen. Laut Statista waren im Jahr 2022 bereits 35 Prozent aller Start-ups in Deutschland grüne Start-ups, d. h. junge »Unternehmen, die […] einen Beitrag zu den ökologischen Zielen einer Green Economy leisten.«
Wie wirkt sich Nachhaltigkeit auf das Geschäftsmodell, die Strategie und die Führung in deinem Bereich/bei SAP aus?
AuchGeschäftsmodell wenn finanzielles Wachstum und ProfitabilitätProfitabilität weiterhin zu den wichtigsten Unternehmenskennzahlen gehören, verfolgt SAP seit über 10 Jahren ein integriertes Modell, in dem auch Nachhaltigkeitsziele gesetzt werden und über sie berichtet wird. Wir verfolgen hier insbesondere eine duale Strategie. Zum einen wollen wir selbst Vorbild sein, was nachhaltiges Wirtschaften betrifft. Beispielsweise wollen wir bis Ende 2023 CO2-neutral sein. Für dieses Ziel hat sich unser Vorstand verpflichtet und es wurde in alle relevanten Unternehmensteile kaskadiert. Zudem ist Nachhaltigkeit in unserer gesamten Produktstrategie verankert. Wir haben 2022 eine eigene Growth Unit zu diesem Thema aufgebaut, die unsere Kompetenzen dazu bündelt und insbesondere Lösungen entwickelt, die unseren Kunden helfen, nachhaltiger zu wirtschaften. Letzen Endes denken wir, dass das unser größter Hebel ist, um unsere Vision »Help the world run better and improve peoples’ lives« zu verwirklichen.
Was bedeutet der zunehmende Fokus auf Nachhaltigkeit für Stakeholder – Partner, Kunden und Mitarbeiter?
Ganz einfach – der Druck von allen Seiten nimmt zu.
CEOs bestätigen diesen Druck, insbesondere auch ökonomisch: Verharren wir im jetzigen Zustand, kostet uns der Klimawandel 1 Billion $ (1.000 Milliarden) innerhalb der kommenden fünf Jahre. So treibt z. B. der Versicherer Allianz seine Agenda voran, keine Unternehmen mehr zu versichern, deren Geschäftstätigkeit auf Energiegewinnung durch Kohle basiert.
Investoren setzen vermehrt auf nachhaltige Investments. Der Anteil an gesellschaftlich verantwortlichen Investoren die SAP-Aktien halten wuchs von 5,6 Prozent im Jahr 2011 auf 35 Prozent im Jahr 2020. Der Finanzdienstleister BlackRock bestätigt, dass nachhaltig agierende Unternehmen resilienter sind gegenüber Rezessionen.
Regulierungsbehörden sorgen dafür, dass weniger nachhaltiges Wirtschaften teurer wird.
Mitarbeitende stimmen mit den Füßen ab – weniger als ein Drittel ist zufrieden mit den Aktivitäten ihrer Arbeitgeber hinsichtlich der Umweltfolgen ihres Unternehmens.
Über 90 Prozent der SAP-Mitarbeiter sehen Nachhaltigkeit als ernstzunehmendes Anliegen und stimmen unserer Vision »Help the world run better and improve people’s lives« zu.
Zum nunmehr größten Einflussfaktor hat sich allerdings das Verhalten der Konsumenten entwickelt. Das Umsatzwachstum mit nachhaltigen Produkten ist über 7-mal größer als beim Rest des Markts.
Welche Bedeutung hat für dich das »richtige« Team und welche Fähigkeiten sind aus deiner Sicht essenziell, um immer wieder Bestehendes zu hinterfragen und neue Wege zu gehen?
Wenn es darum geht, Innovationen – insbesondere auch in Richtung Nachhaltigkeit – voranzutreiben, spielt das Team natürlich die entscheidende Rolle. Und das fängt mit dem Management an. Die Führung des Teams muss vor allem psychologische Sicherheit gewährleisten. Viele Ideen und Experimente werden nicht erfolgreich sein, und dann ist es wichtig, die Mitarbeitenden nicht für das Scheitern zu bestrafen, sondern für das Lernen zu belohnen. Außerdem muss Erfolg in frühen Phasen von Innovation anders verstanden und gemessen werden. Hier geht es nicht um Umsätze, sondern erst mal um die Frage, ob zum Beispiel User das Produktdesign überhaupt akzeptieren.
Vom Team muss ich natürlich in erster Linie Neugier, Dinge zu überdenken und Neues auszuprobieren, erwarten. Vieles kann man auch von Kunden, Nutzern, Zulieferern oder Universitäten lernen. Einfach mal nachfragen, wie andere Herausforderungen angehen – da gibt es häufig Überraschungen. Ich wundere mich zum Beispiel immer, wie ähnlich die Herausforderungen sind, die Innovationsmanager in anderen Branchen anpacken. Ein offener Erfahrungsaustausch kann hier sehr lehrreich sein. Was ich noch wichtig finde? Ehrgeiz, Ideen falls nötig auch über längere Zeit zu verfolgen und gegen Widerstände zu verteidigen. Es gibt fast immer jemanden im Unternehmen, der – und sei es nur wegen seines/ihres Amtes –, Innovation verhindert, da keine Änderungsbereitschaft existiert. Und gleichzeitig muss ich aber auch einsehen, wenn Projekte im Markt nicht zum Fliegen kommen, und diese dann konsequent beenden, anstatt nur aus Überzeugung daran festzuhalten.
Welche Rolle spielen neue Märkte und Technologien in diesem Zusammenhang?
Man könnte ja meinen, dass Nachhaltigkeit einfach nur optimaleres Wirtschaften in bekannten Bahnen erfordert. Weit gefehlt – hier tun sich tatsächlich ganz neue Geschäftsfelder auf und durch den Einsatz neuer Technologien ergeben sich ganz neue Möglichkeiten.
Beispiel Markt: Über kurz oder lang müssen Unternehmen den Anforderungen an die Berichterstattung über die Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens gerecht werden. Schwierig wird das natürlich, wenn sie das zum ersten Mal tun müssen, und sich gar nicht sicher sind, wie sie an die notwendigen Daten für die Berichte kommen. Hier ist mittlerweile ein Markt an Beratungsunternehmen entstanden, die sich auf die konforme Nachhaltigkeitsberichterstattung spezialisiert haben. Einige bieten das sogar schon als Dienstleistung an – sozusagen Sustainability Reporting as a Service.
Beispiel Technologie: Oft wurde über die Entwicklung von 3-D-Druckern geschmunzelt. Wofür braucht man das überhaupt? Ist das was für Künstler oder bietet das auch Möglichkeiten für die Wirtschaft? Die technologischen Fortschritte über die vergangenen 10–15 Jahre haben tatsächlich dazu geführt, dass mit 3-D-Druckern3-D-Druck Bauteile gefertigt werden können, die sogar strengen Qualitätsanforderungen genügen. Und insofern muss sich natürlich jedes produzierende Unternehmen fragen, welche Ersatzteile noch zentral gefertigt, weltweit ausgeliefert und regional in Lagern vorgehalten werden müssen. Für verschiedenste Bauteile ist es nicht nur wirtschaftlich sinnvoller, sie vor Ort zu drucken (da anteilig günstiger und sofort verfügbar), sondern auch deutlich nachhaltiger, da eben insbesondere die weltweit notwendige Logistik wegfällt. Ein Unternehmen wie Airbus hat hier schon vor über 10 Jahren gezeigt, was sogar in der Luftfahrtindustrie möglich ist und selbst ein Unternehmen für den 3-D-Druck ausgegründet.
Gibt es Beispiele für Innovationen in eurem Unternehmen, in denen Nachhaltigkeit oder Kreislaufwirtschaft der klare Treiber war/ist?
Die SAP hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von neuen Software-Lösungen eingeführt: SAP Sustainability Control Tower für Nachhaltigkeitsreporting, SAP Sustainability Footprint Management zur Bestimmung und Optimierung der Nachhaltigkeit von Produkten, SAP Responsible Design and Production, um Produkte vom initialen Design an adäquat für die Kreislaufwirtschaft zu optimieren. Wie schon beschrieben glauben wir, dass wir durch unser Portfolio an Lösungen für nachhaltiges Wirtschaften Unternehmen weltweit in die Lage versetzen können, ihre Produktion, ihren Einkauf, ihre Logistik bis zum Endkunden und nicht zuletzt ihr Personalwesen deutlich nachhaltiger zu managen.
Welche Prinzipien aus der Innovation sind wichtig für die erfolgreiche nachhaltige und zirkuläre Transformation?
WieInnovation ganz allgemein im Innovationsmanagement, kann nachhaltige Transformation nur funktionieren, wenn man
Teams die Möglichkeit gibt, neue Dinge auszuprobieren und die Sicherheit, scheitern zu dürfen,
offen ist für Ideen von außen – die meiste Innovation (und eben auch im Kontext Nachhaltigkeit) passiert außerhalb der Unternehmensgrenzen, man muss nur Mittel und Wege finden, sie für sich nutzbar zu machen,
alle Aspekte in der Transformation mit einschließt – Produkte, Dienstleistungen, interne Prozesse, Interaktion mit Lieferanten, Partnern und Kunden,
sie zur Chefsache macht – die Geschäftsführung muss die Transformation als klares Ziel kommunizieren und bereit sein, Hindernisse auf dem Weg dahin aus dem Weg zu räumen.
Wie müssen Innovationen der Zukunft gestaltet werden, um langfristigen Geschäftserfolg und gleichzeitig Nachhaltigkeit zu fördern?
IchInnovation, Geschäftserfolg glaube nicht daran, dass geschäftlicher Erfolg unabhängig von Nachhaltigkeitszielen ist. Kunden, Investoren und vor allem auch Mitarbeitende schauen zunehmend genauer darauf, wie nachhaltig ein Unternehmen wirtschaftet. Und sobald Zweifel aufkommen, stimmen Menschen mit ihrem Geld und ihren Füßen ab. Wir sehen ja auch eine Beschleunigung in der Regulierung. Viele politische Rahmenbedingungen in Dutzenden Ländern weltweit sorgen z. B. dafür, dass CO2-AusstoßCO₂-Ausstoß zunehmend stark besteuert wird. Letztlich wird nicht nachhaltiges Verhalten immer teurer und dadurch entsteht eine zunehmende Kongruenz von mehr Nachhaltigkeit und mehr wirtschaftlichem Erfolg.
Welche Rolle spielt Innovation in diesem Zusammenhang und welche Herausforderungen müssen angegangen werden?
Es fehlt immer noch an diversen Standards für die Messung, Berichterstattung und Steuerung von Nachhaltigkeit. Und das, obwohl die Zahl an regulatorischen Vorgaben weiterhin stark zunimmt. Hier müssen sich alle Beteiligten, insbesondere auch konkurrierende Unternehmen, zusammenschließen im Sinne des offenen Innovations- und Co-Creation-Ansatzes und Standards schaffen. Beispielsweise auch für das nachhaltige Lieferkettenmanagement wie es u. a. durch Catena-X in der Automobilindustrie gefordert und gefördert wird.
Diverse neue Technologien wie beispielsweise Blockchain und Generative AI können einen großen Nutzen stiften. Allerdings dürfen wir auch keine Wunder erwarten und gleichzeitig haben wir oft wenig Erfahrungen im praktischen Einsatz. Folglich macht es Sinn, mehr in Exploration und Validierung solcher Technologien zu investieren, um Kosten und Nutzen ins Verhältnis setzen zu können.
Unternehmensbeschreibung
Als Marktführer für Unternehmenssoftware unterstützt SAP Unternehmen jeder Größe und Branche dabei, ihre Abläufe zu verbessern, indem sie ERP neu definieren und Netzwerke mit intelligenten Unternehmen aufbauen, die für Transparenz, Resilienz und Nachhaltigkeit in allen Lieferketten sorgen. Die End-to-end-Suite mit Anwendungen und Services ermöglicht es Kunden, rentabel zu arbeiten, sich kontinuierlich anzupassen und sich weltweit vom Wettbewerb abzuheben.
Zusammenfassung
Über einen Zeitraum von über 10.000 Jahren schwankte die globale Durchschnittstemperatur der Erde gerade einmal zwischen +/- 1 Grad Celsius. In nur etwa 50 Jahren hat es die Menschheit geschafft, diese Stabilität ins Ungleichgewicht zu bringen und die planetaren Grenzen zu überschreiten.
Können wir den Planeten also noch retten? Ja! Aber es gilt, 100 Milliarden Tonnen Abfälle zu vermeiden und kreislauffähig zu machen. Gleichzeitig müssen Treibhausgasemissionen dauerhaft in der Atmosphäre reduziert werden. Um die Kreislauffähigkeit zu steigern und Treibhausgasemissionen dauerhaft in der Atmosphäre zu reduzieren, ist der Übergang zu nachhaltigen und zirkulären Geschäftsmodellen ebenso erforderlich wie Technologien, die langfristig für geringen oder gar keinen CO2-AusstoßCO₂-Ausstoß sowie geschlossene Kreisläufe sorgen.
Warum ist also jetzt der richtige Zeitpunkt, Geschäftsmodelle zu innovieren? Je deutlicher das Ausmaß der weltweiten systemischen Herausforderungen wird – von KlimawandelKlimawandel über Armut und Einkommensungleichheit, Wasser- und Ernährungssicherheit bis hin zur Gesundheitsversorgung, Bildung und darüber hinaus –, desto stärker wächst das Bedürfnis von Innovatoren und Entrepreneuren, die dringendsten sozialen und ökologischen Probleme der Welt zu lösen und die Zukunft aktiv mitzugestalten. Außerdem leben wir in einer besonderen Zeit der Geschichte der Menschheit. In einer Zeit, in der wir Zugriff auf vorher nicht dagewesenes Wissen, Werkzeuge und Technologien haben, die wir nun nutzen können, um die Zukunft in Balance mit Natur und Gesellschaft zu gestalten.
Wenn wir Menschen in Unternehmen nach Beispielen für Nachhaltigkeit in deren Organisationen fragen, kommen meist direkt Antworten in Bezug auf Recycling, nachhaltige Verpackungsmaterialien und das Pflanzen von Bäumen. Das sind tatsächlich bereits veraltete und unvollständige Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Denn SustainabilitySustainability ist viel mehr als das. SustainabilitySustainability, Innovationstreiber basiert auf einer komplexen und technischen Kompetenz, die bald für jede Organisation unverzichtbar sein wird. Tatsächlich geht es darum, wie wir Naturressourcen nutzen und regenerieren. Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Ingenieure bereits mit Hochdruck daran, neue Technologien, Systeme und Ansätze zu entwickeln, um Zement, Stahl und Kunststoffe, Schifffahrt, LKW-Transport und Luftfahrt sowie Landwirtschaft, Energie und Bauwesen zu dekarbonisieren.
Die DekarbonisierungDekarbonisierung der Weltwirtschaft ist nach Aussage von Larry Fink die größte Investitionsmöglichkeit unserer Zeit. Es werden diejenigen Unternehmen auf der Strecke bleiben, die sich nicht anpassen, unabhängig davon, in welcher Branche sie tätig sind. Sie laufen Gefahr, Arbeitsplätze zu verlieren, während andere Arbeitsplätze gewinnen. Im Zuge der Dekarbonisierung der Wirtschaft werden diejenigen enorm viele Arbeitsplätze schaffen, die sich um die notwendige langfristige Planung kümmern. Jede Branche, jedes Unternehmen und jedes Geschäftsmodell wird durch den Übergang zu einer Netto-Null-Welt verändert. Die Frage an Unternehmer und Führungskräfte lautet: Werden Sie führen oder werden Sie geführt?
Wir haben in nur wenigen Jahren miterlebt, wie Innovatoren die Automobilindustrie neu gestalteten. Und heute strebt jeder Automobilhersteller in Richtung einer elektrischen Zukunft. Die Automobilindustrie ist jedoch lediglich Vorreiter – jeder Sektor wird durch neue, nachhaltige Technologien verändert (vgl. Fink, 2022).
»Schöpferische Zerstörung« spielt bereits seit Jahrzehnten eine Schlüsselrolle im Unternehmertum und in der wirtschaftlichen Entwicklung. Während einer Rezession redet man gern vom nächsten Aufschwung und/oder hofft auf diesen. Dabei denkt man meist an kurzfristige Konjunkturzyklen. Der Ökonom Joseph Schumpeter untersuchte die Rolle von Innovation im Zusammenhang mit Konjunkturzyklen und prägte bereits 1942 die Theorie der »schöpferischen Zerstörung«. Diese Theorie deutet darauf hin, dass KonjunkturzyklenKonjunkturzyklen unter langen Innovationswellen ablaufen. Langfristige Zyklen wurden erstmals von Wissenschaftler und Ökonom Nikolai D. Kondratjew (1892–1938) beschrieben. Schumpeter sah jedoch als erster den Zusammenhang zwischen langen Konjunkturzyklen auf der einen Seite und bedeutenden technischen Innovationen auf der anderen Seite. Aus dieser Einsicht leitet Paulo Rodrigues Pereira die Aussage ab, dass Entwicklungsländer ihre technologischen Fähigkeiten stärken sollten, um Wohlstand zu erreichen (vgl. von Weizsäcker et al., 2010, S. 24). Dies ergänzt Clayton M. Christensen, weltweit führende Autorität für disruptive Innovation sowie ehemaliger Harvard Business School Professor, in seinem Buch »Das Wohlstandsparadox« mit der Aussage, dass dann, wenn sich der Wohlstand eines Landes trotz scheinbar vieler Aktivitäten innerhalb seiner Grenzen nicht verbessert, das Land möglicherweise kein Wachstumsproblem hat, sondern ein Innovationsproblem vorliegen könnte (vgl. Christensen et al., 2019, S. 17).
Alle Regierungen, Unternehmen und Produkte unterliegen InnovationswellenInnovationswellen. Bezogen auf Unternehmen finden solche Wellen dann statt, wenn im Hinblick auf das Geschäftsmodell oder Produkt verglichen mit der Vorgängerversion erhebliche Veränderungen vorliegen und ein deutlicher Fortschritt gemacht wird, meist getrieben durch technologischen Fortschritt (Utterback, 1996). Diese Diskontinuitäten machen es für Unternehmen erforderlich, nach Innovationen zu suchen, die Wettbewerbssprünge ermöglichen (Tushman & O’Reilly, 1996), und erfordern von Unternehmen, ihre Produkte und Prozesse sowie die Auswirkungen der Technologie in ihrem Tätigkeitsbereich zu überdenken (Utterback, 1996). Ein Beispiel hierfür ist das Internet, das ganze Branchen, von der Medienbranche bis zum Einzelhandel, revolutioniert hat (vgl. von Weizsäcker et al., 2010, S. 24).
Im Laufe der neueren Geschichte wurden fünf bekannte historische Zyklen beobachtet, die von technologischen und sozialen Veränderungen begleitet wurden (s. Abbildung 3). Die erste Innovationswelle war die frühe industrielle Revolution bzw. Früh-Mechanisierung, die Wasserkraft, Eisen, Handel und Textilien hervorbrachte; die zweite repräsentiert das Zeitalter der Dampfmaschinen, der Eisenbahn, von Stahl und Baumwolle; die dritte Welle war das Zeitalter der Elektrizität, Chemie und Verbrennungsmotoren; die vierte das Zeitalter der Petrochemie, Elektronik, Flugzeuge, Raumfahrt und die fünfte Welle war der Aufstieg der Informations- und Kommunikationstechnologie und der Netzwerke. Wichtig zu wissen ist, dass sich auf Basis historischer Erfahrungen der große Hype um eine technologische Innovation 20–30 Jahre nach dessen Beginn abschwächt (vgl. von Weizsäcker et al., 2010, S. 24). Nun gibt es seit einigen Jahren Anzeichen einer neuen, sechsten Welle – die der Nachhaltigkeit (Silva & Di Serio, 2016).
Abb. 3:
Kondratjew-Wellen
Kondratjew-Wellen
bzw. lange Wellen der Innovation
Innovation, Kondratjew-Wellen
(Quelle: eigene Darstellung, in Anlehnung an Neufeld, 2022)
Die Bedeutung innovativer Produkte, Dienstleistungen oder Produktionsverfahren, die charakteristisch für die jeweiligen Wellen sind, muss nicht immer gleich sein. Grundlegende technische Neuerungen werden als sog. Basisinnovationen oder marktschaffende Innovationen bezeichnet. Wie der Name bereits sagt, können so neue Märkte entstehen und bestehende Wirtschaftszweige tiefgreifend verändert werden. Marktschaffende Innovationen treten nach heute herrschender Meinung in zyklischen Abständen gehäuft (»in Schwärmen«) auf und können lange Wachstumsschübe (»lange Wellen« oder »Kondratjew-Wellen«) auslösen (vgl. Schätzl, 2001, S. 149–154).
Die in Abbildung 3 abgebildeten Zyklen, unterscheiden sich leicht von anderen Abbildungen der InnovationszyklenInnovationszyklen nach Kondratjew bzw. Schumpeter. Das Grundphänomen sowie die grundlegenden Themen sind jedoch die gleichen. In seinem Buch mit dem Titel »Faktor Fünf: Die Formel für nachhaltiges Wachstum« schreibt Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker, Träger des deutschen Umweltpreises 2008, ehemaliger Direktor des Instituts für Europäische Umweltpolitik in Bonn, Präsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt und Energie und Leiter des International Panel for Sustainable Resource Management gemeinsam mit Co-Autor Karlson »Charlie« Hargroves:
»Wir behaupten nun, dass ein ökologischer Umbau von Technik und Wirtschaft, der zugleich die treffende Antwort auf die ökonomischen Herausforderungen ist, jenen kräftigen und belastbaren Orientierungssinn mit sich bringen wird, der uns aus der Rezession führen könnte. Wir müssen uns alle wünschen, dass dies geschieht. Und wenn sich die Überzeugung durchsetzt, dass der Trend zu »grüner Technik« unumkehrbar ist, können wir mit einem neuen Kondratjew-Zyklus rechnen.«
Deutschland, Frühjahr 2023. Zwei Quartale in Folge mit sinkender Wirtschaftsleistung. Viele sprechen von einer Rezession. Aus vorherigen Rezessionen lassen sich drei Aspekte in Bezug auf die Innovationszyklen ableiten (vgl. von Weizsäcker et al., 2010, S. 24–28), die uns an den derzeitigen Zyklus erinnern:
Der Magnetismus der Technologien, die den vorausgegangenen Zyklus ausgelöst haben, bzw. der Hype um sie hat abgenommen.
Die Entdeckung der Elektrizität und die damit verbundenen Innovationen, der Verbrennungsmotor und die industrielle Chemie, zogen wesentlich mehr Begeisterung auf sich als ein weiterer Ausbau des Eisenbahnnetzes. Die Attraktivität der nächsten Welle, die mit Petrochemie, Luftfahrt und früher Elektronik verbunden war, schwand durch die Zunahme von digitalen Technologien, Software, Netzwerken und neuen Medien. Informationstechnologie ist allgegenwertig und neue Technologien wie künstliche Intelligenz oder Quantencomputer sind auch auf dem Vormarsch. Nun gibt es seit einigen Jahren jedoch eine neue Welle – die der Nachhaltigkeit (Silva & Di Serio, 2016).
Das Angebot an Erfindungen und die Entwicklungen neuer, bahnbrechender Technologien wächst.
Für die Erfindung und Entwicklung neuer, bahnbrechender Technologien ist Forschung und Entwicklung maßgeblich. Obwohl wir bisher bereits einige kostenattraktive Lösungen mit wenig Kohlenstoff haben, sind es lange nicht genügend, um global die Netto-Null-Ziele zu erreichen. Wichtig ist, dass neue Technologien günstig genug für Länder mit mittlerem Einkommen werden. An dieser Stelle liegt es an öffentlichen Institutionen und Unternehmen, Investitionen in saubere Energie und klimabezogene Forschung und Entwicklung massiv zu maximieren, auf Forschungs- und Entwicklungsprojekte mit hohem Risiko und hohem Ertrag zu setzen und diese Investitionen mit den größten Bedürfnissen des Planeten und der Menschheit zusammenzubringen. Partnerschaften zwischen Regierungen, Start-ups und der Industrie zu einem frühen Zeitpunkt sind essenziell, um Herausforderungen zu meistern und Innovationszyklen zu beschleunigen. Etablierte Unternehmen können dabei helfen, neue Technologien zu prototypisieren, Einblicke in den Markt zu verschaffen und in Projekte gemeinschaftlich zu investieren, mit dem Ziel der Kommerzialisierung (vgl. Gates, 2021, S. 200–205).
Die Nachfrage nach innovativen Gütern und Dienstleistungen steigt.
Zu Beginn eines Zyklus ist die Nachfrage meist gering. Nachdem eine neue Vorgehensweise, ein neues Produkt oder eine neue Technologie im Labor getestet wurden, müssen sie im Markt erfolgreich implementiert und skaliert werden. Es dauert nicht lange, zu demonstrieren, dass eine neue Software funktioniert und Kunden anspricht. Im Bereich der grünen und sauberen Technologien, wie zum Beispiel bei erneuerbaren Energien, grünem Zement, Kohlenstoffabscheidung und -bindung u. v. m. ist das sehr viel schwieriger und mit hohen Kosten verbunden. Regierungen und große Unternehmen können hier durch ihre massive Einkaufskraft unterstützen und die Nachfrage steigern. Wenn Unternehmen grüne Technologien und Produkte kaufen, hilft dies, mehr Produkte auf den Markt zu bringen, Sicherheit zu schaffen und Kosten zu reduzieren. Gleichzeitig liegt es an Organisationen, Anreize zu schaffen, Kosten zu reduzieren und Risiken zu reduzieren. Steuererleichterungen und Bezahlmodelle wie Langzeitfinanzierung und Leasing sind nur ein paar Beispiele, wie der hohe Anfangsinvest neuer Technologien reduziert und die Nachfrage nach neuen Technologien beschleunigt werden kann. Gleichzeitig muss die Infrastruktur geschaffen werden, um die neuen Technologien im Markt einzusetzen und Regularien müssen angepasst werden, sodass neue Technologien wettbewerbsfähig sind. Ein wichtiger Hebel ist die Festlegung eines Preises für CO2. Kurzfristig führt dies dazu, dass Produkte mit hohem Treibhausgasausstoß teuer und damit unattraktiv für den Markt werden. Langfristig könnte man dieses Geld auch für weitere Investitionen in grüne und saubere Technologien sowie für die Gesellschaft nutzen. Zu guter Letzt stellen Standards, zum Beispiel für sauberen Kraftstoff, saubere Energie und saubere Produkte die Weichen dafür, Altes gegen Neues auszutauschen und die Nachfrage zu erhöhen (vgl. Gates, 2021, S. 200–205).
Die Nachfrage nach Innovation und deren Bereitstellung erfolgt analog dem ökonomischen Grundprinzip der Nachfrage und des Angebots. Ohne die Nachfrage für Innovationen, ohne ihre Erfinder und ohne politische Entscheidungsträger wird es keine Anreize geben, neue Ideen zu generieren. Ohne eine stetige Versorgung mit Innovationen, werden Käufer nicht die »grünen« Produkte kaufen, die notwendig sind, um die Netto-Null-Ziele zu erreichen. Wir müssen also Innovationen vorantreiben und gleichzeitig die Nachfrage danach steigern. Die Nachfrage ist dabei einer der größten Treiber (vgl. Gates, 2021, S. 199). Einkaufsorganisationen in Unternehmen tragen die enorme Verantwortung, nachhaltige und zirkuläre Produkte, Lösungen und Dienstleistungen bevorzugt einzukaufen und bei der Lieferantenauswahl auf verantwortungsvolle Partner zu setzen.
LautTrends Weizsäcker müssen alle drei Komponenten – der abnehmende Hype bzw. Magnetismus, das wachsende Angebot und die steigende Nachfrage – vorhanden sein, um eine neue, sehr kräftige Innovationswelle ins Leben zu rufen und Trends zu setzen: die »grüne Kondratjew-Welle«, zu deren Eigenschaften eine Reihe technologischer sowie systematischer Ansätze gehören, die bedeutend für die grüne Innovationswelle sind und die Dekarbonisierung vorantreiben. Sie umfassen neben sauberen und grünen Energiekonzepten auch die radikale Erhöhung der Ressourcenproduktivität, ein Systemdesign als ganzheitlichen Ansatz, die Ressourcenproduktivität des ganzen Systems zu optimieren und von der Natur inspiriertes Design – auch Biomimetik bzw. Biomimikry genannt (vgl. von Weizsäcker et al., 2010, S. 29 f.). Auf die einzelnen Ansätze wird im Verlaufe dieses Buches eingegangen.
Unternehmen müssen sich aktuell vielen Herausforderungen wie beispielsweise der RessourcenknappheitRessourcenknappheit und LieferkettendisruptionLieferkettendisruption stellen. Daraus resultieren Innovationen. Innovation entsteht oftmals durch Grenzen – seien es ein begrenztes Budget, wenig Zeit oder begrenzte Ressourcen. Diese Einschränkungen schaffen Rahmenbedingungen für Wandel. Die Natur schafft in diesem Kontext ihre eigenen Parameter. Wie viele Ressourcen können wir entnehmen, wie viel Kohlenstoff können wir emittieren, welche Probleme schaffen anorganische Stoffe wie Abfall, der in den Ozeanen landet? Diese Parameter müssen genutzt werden, um neue Wege zu finden, Produkte zu entwickeln, Geschäftsmodelle zu entwickeln und Werte zu schaffen (vgl. Acaroglu, 2023).
Aus diesem Grund stelle ich Ihnen im Folgenden drei miteinander verwobene Trends vor, weil ich davon überzeugt bin, dass sie die Entwicklung neuer GeschäftsmodelleGeschäftsmodell, Innovationen und notwendiger nachhaltiger und zirkulärer Geschäftsmodellinnovationen vorantreiben:
Erstens stehen wir vor einem massiven Nachhaltigkeitsproblem (z. B. Rockström et al. 2009), insbesondere im Hinblick auf das Emissions- und Ressourcenproblem und die damit verbundenen gesellschaftlichen und klimaspezifischen Richtlinien sowie die umfassenderen Energie-, Industrie-, Infrastruktur- und Landnutzungsrichtlinien. Die großen sozialen und ökologischen Fragen der Nachhaltigkeitsproblematik sind für Unternehmen Bedrohung und Chance zugleich. In beiden Fällen sind Nachhaltigkeitsthemen Treiber von Innovationen (vgl. Nidumolu et al. 2009).
Zweitens hat die technologische Revolutiontechnologische Revolution
