Tagebücher aus dem Feldzug 1809 (I) -  - E-Book

Tagebücher aus dem Feldzug 1809 (I) E-Book

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Beschreibung

Im Hauptstaatsarchiv Dresden befindet sich im Bestand 11 339 (Generalstab) eine Akte mit dem Titel: *Tagebuch über den Feldzug 1809, geführt bei der Infanterie-Brigade von Lecoq*, welche in diesem Heft wiedergegeben wird. Das Tagebuch umfasst die Aufzeichnungen vom 30.03. bis 13.09.1809 sowie die Stärkemeldungen und Verluste vom 15.04.1809 bis zum 21.01.1810.

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Seitenzahl: 72

Veröffentlichungsjahr: 2018

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Beiträge zur sächsischen Militärgeschichte zwischen 1793 und 1815

Heft 50

Abb. 01 Faksimile der Seite mit den Eintragungen vom 31.05.1809

Vorwort

Im Hauptstaatsarchiv Dresden befindet sich im Bestand 11 339 (Generalstab) eine Akte mit den Titel:

„Tagebuch über den Feldzug 1809, geführt bei der Infanterie-Brigade von Lecoq“

welche – aller Wahrscheinlichkeit nach – von einem oder beiden Adjutanten1 der Brigade2 geführt wurde und im Heft wiedergegeben ist.

Zahlreiche Streichungen und Ergänzungen lassen vermuten, dass es sich hierbei um das original geführte Tagebuch handelt.

Das Tagebuch umfasst die Zeit vom 30.03. – 13.09.1809, die enthaltenen Stärkemeldungen gehen dagegen bis zum 21.01.1810. Mit dieser Akte scheint daher nur ein Teil der Aufzeichnungen vorzuliegen. Auch wird im Text auf Ansprachen des General von Lecoq (z.B. am 15. und 29.04. sowie 07.05.) verwiesen, die nur mit ein paar Worten Eingang gefunden haben, so dass wohl der volle Wortlaut an anderer Stelle abgelegt war.

Bedanken möchte ich mich bei den Damen und Herren des Hauptstaatsarchives in Dresden für die wie immer problemlose Bereitstellung der Akten.

Natürlich möchte ich mich auch bei Ihnen, verehrter Leser, dafür bedanken, dass Sie sich zum Kauf dieses Buches entschlossen haben. Insofern Sie Anregungen und Kritiken haben oder mir einfach nur mitteilen wollen, ob Ihnen das Buch gefallen hat, so können Sie mich via email unter [email protected].

Ihr

Jörg Titze

1 Im Text des Tagebuches wird an verschiedenen Stellen von zwei Adjutanten gesprochen. Exner gibt in seinem Werk über den Feldzug 1809 nur einen Adjutanten (Premierleutnant Friedrich Heinrich von Koppenfells vom IR von Low; Patent vom 10.09.1808) und einen Ordonnanz-Offizier (Sousleutnant Carl Anton von Oebschelwitz vom IR Burgsdorff; Patent vom 01.11.1807).

2 Exner gibt den Bestand der Brigade mit Stand 10.06.1809 mit: 2 Bne IR Prinz Clemens, OSL v.Mellentin; 33 Offz., 1.126 Mann 2 Bne IR v.Low, Oberst v.Zichlinsky; 36 Offz., 1.096 Mann 2 Bne IR v.Cerrini, Oberst v.Metzsch; 38 Offz., 1.016 Mann

Das unter dem Ober-Kommando des Französischen Reichsmarschalls Fürsten von Ponte Corvo stehende, in marschfertigen Stand gesetzte Königl. Sächs. Truppenkorps von 14.000 Mann stehet im Detail unter den unmittelbaren Befehlen des kommandierenden Herrn Generalleutnants v. Zezschwitz und wurde nach dem Tagesbefehl vom 30n März 1809 in 4 Infanterie-Brigaden eingeteilt, welche nach einer Ordre vom 10n April wie folget sich regulierten:

Iste DivisionDivisonär Generalleutnant von Zezschwitz

1ste Brigade Generalmajor von Hartitzsch

1 Bataillon Leib-Grenadier-Garde

1 Bataillon Grenadiere von Bose

1 Bataillon Grenadier von Hacke

2 Bataillone König

1 Bataillon von Dyherrn

2te Brigade Generalmajor von Boxberg

2 Bataillone Prinz Maximilian

2 Bataillone Prinz Friedrich August

2 Bataillone Prinz Anton

IIte DivisionGeneralleutnant von Gablenz

1ste Brigade Generalmajor von Lecoq

2 Bataillone Prinz Clemens

2 Bataillone von Low

2 Bataillone von Cerrini

1 Batterie schwere 8-Pfünder Kapitän Coudray

2te Brigade Generalmajor von Zeschau

1 Bataillon von Oebschelwitz

2 Bataillone von Niesemeuschel

1 Bataillon Grenadiere von Winckelmann

1 Bataillon Grenadiere von Radeloff

Bis mit den 14n April kantonierte das Korps in und bei Dresden, auch hatten einige Bataillone am 12n April ein Lager bei Reichenberg bezogen. Die Vorposten standen auf dem rechten Elbufer unter den Befehlen des Hrn. Generalmajors von Lecoq, hatten sich auf dieser Seite von der Elbe längs der Grenze bis Seidenberg, ausgedehnt und zum Replie die Regimenter von Niesemeuchel und von Cerrini, sowie ein Teil des Regiments Prinz Johann rückwärts Stolpen stehen; das Quartier des Hrn. Generalmajors von Lecoq war vom 1n April an Weissig. Die Vorposten auf dem linken Ufer der Elbe standen unter den Befehlen des Generalmajors von Goldacker.

Durch den Tagesbefehl vom 12n April war es dem Korps bekannt gemacht, das am 9n April die Feindseligkeiten ihren Anfang genommen hätten. Am 10n April passierte die Österreichische Armee den Inn.

Am 15n April setzte sich das ganze Korps in Marsch und erreichte an diesem Tage die Gegend Meißen. Der Herr General von Lecoq erließ heute folgenden Aufruf schriftlich an die Soldaten seiner Brigade: „Der Krieg gegen Österreich pp.“

Am 16n April bis in die Gegend Lohthayn

17

n

Waldheim b. Döbeln

18

n

Geithain b. Rochlitz

19

n

Altenburg

20

n

Gera

21

n

Roda

22

n

Jena

23

n

Weimar

24

n

Rasttag

Nach einer Order vom 24n April sollte von hier aus der Hr. Generalmajor von Lecoq mit der unterhabenden Brigade – jedoch ohne Artillerie – über Arnstadt, Bennshausen und Themar gehen, und sich bei Römhild am 29n mit dem Korps wieder vereinen. Der übrige Teil des Korps sollte die Straße über Erfurt, Ohrdruff, Schmalkalden und Meiningen einschlagen, so wie die Equipage, die Pontons, die maroden Leute und entkräfteten Pferde der Artillerie auf der Straße über Erfurt, Gotha, Tambach, Wasungen und Melrichstadt dirigiert sind. Zu dem Marsch übers Thüringerwald-Gebirge fasste die ganze Division am 25n auf 2 Tage Brot in Erfurt.

Zufolge dieser Anordnungen marschierte der Hr. General von Lecoq am 25n April bis in die Gegend von Ichtershausen.

An diesem Tag erhielt Sr. Durchlaucht der Fürst von Ponte Corvo die Nachricht von der am 20n April gewonnenen Schlacht bei Neustadt an der Donau, welche zur Folge hatte, dass der Fürst die bereits angeordnete Marschdirektion veränderte, und das ganze Korps durch nachfolgende Märsche eine Linksschwenkung machen ließ:

Am 26n April bis in die Gegend Kranichfeld

27

n

Rudolstadt

28

n

Saalfeld

29

n

Schleiz

Auf dem heutigen Rendezvous redete der Hr. Generalmajor von Lecoq seine Brigade mit folgenden Worten an: „ Soldaten! Ich habe den Auftrag erhalten pp.“

30

n

Plauen

1

n

Mai

Hof

An diesem Tag marschierte die 2te Division zum ersten Mal zusammen. Bei Pirck war das Rendezvous der Division; rechts abmarschiert, die Parole: à la tête. Die Division erreichte gegen 4 Uhr nachmittags Hof.

Es wurden während des Marsches in der linken Flanke Seitenpatrouillen gemacht.

Der General Gutschmidt stand heute in der Gegend von Asch. Das Delogement war folgendes:

Die ganze Infanterie, ausgenommen 1 Bataillon der Brigade Zeschau lag in Hof, 3 Eskadrons Prinz Johann nebst beiden Batterien ebenfalls sowie das Hauptquartier des Prinzen und der Division auch zu Hof war.

Die Leib-Kürassier-Garde lag in Dauberlitz, Dohlau, Kauerndorf.

Das einzelne Bataillon von der Brigade Zeschau in Cotza, Hafeneck, Poseir.

Um 6 Uhr abends wurden Feldwachen auf die Straßen von Wunsiedel, Kronach, Kulmbach pp. gesetzt, die Brigade Lecoq gab hierzu 1 Offizier, 6 Unteroffiziere und 50 Gemeine.

Am 2n Mai bis Wunsiedel am Fuße des Fichtelgebirges.

Die Division hatte ihr Rendezvous vor Hof auf der Straße nach Wunsiedel. Die Division war links abmarschiert, die Brigaden in sich aber rechts. In dieser Marschordnung erreichte die Infanterie das Dorf Rausteg, wo sie nachfolgenden Befehl und Delogement erhielt. Die Kavallerie wurde während des Marsches vorwärts genommen, weil man eine östreichische Patrouille entdeckt haben wollte.

Delogement der 2

ten

Division

Grenadier-Bat: Winkelmann 2 Piecen Battr: Großmann

Rausteg

General Zeschau 1

stes

Bat: Niesemeuschel 2 Piecen Battr: Großmann

Göbfersgrün

2

tes

Bat: Niesemeuschel 2 Piecen Battr: Großmann

Singentengrün

Bat: Oebschelwitz

Biberbach

Grenadier-Bat: Radelof 1

tes

Bat: Low

Holenbrunn

Das 1te Bataillon Low ist für heute an die Befehle des Generalmaj. v.Zeschau gewiesen.

Die Brigade Lecoq nebst der Batterie Coudray in Wunsiedel.

General v.Feilitzsch mit 3 Eskadr: nach Bernstein, 1 Eskadr: nach Diersheim.

Der General v.Gutschmidt besetzt heute Schirnding und Arzberg.

General v.Feilitzsch erhält die Kommunikation mit dem General v.Gutschmidt; General v.Zeschau die mit dem General v.Feilitzsch.

Par Bataill: bleibt eine Kompanie vor den Delogements auf der Seite nach dem Feind zu au Bivouac. Im Falle eines Alarms versammelt sich alles vor Wunsiedel.

Es wird auf den Straßen nach dem Feinde zu unaufhörlich patrouilliert.

Die übrigen Regimenter der Brigade Lecoq liegen in Wunsiedel. Von dieser Brigade biwakieren ebenfalls 3 Kompanien auf der Straße nach dem Feinde zu.

Den 3n Mai bis Kemnath

Die Equipage brach heute früh 3 Uhr auf eben diesem Wegen auf. Sie wurde jedoch ferner hin auf die Straße nach Amberg zu dirigiert und blieb von der Division getrennt. Der Maj: v.Egidy wurde zu deren Führung bestimmt. Die Division hatte früh um ½ 8 Uhr vor Wunsiedel das Rendezvous und vereinigte sich bei Kulmey mit der 1sten Division. General Feilitzsch machte die Arriergarde und setzte sich während des Marsches durch kleine Kommandos mit dem General Gutschmidt, der heute nach Falkenberg kommt, in Verbindung.

Das Hauptquartier war heute in Kemnath, woselbst auch die ganze Brigade Lecoq lag. Es mussten 3 Kompanien biwakieren, welche nach der Spitze des Feindes zu Feldwachen aussetzten.

Auf diesem Marsch wurde ein Zweig des Fichtelgebirges überstiegen, unter dem Namen der Ide Wald bekannt.

Den 4n Mai bis Weiden an der Nabe

Die Equipage, deren erste Bestimmung nach Gräfenwarth war, brach heute früh um 3 Uhr auf und vereinigte sich bei Kulmay und marschierte unter Anführung eines Majors von der Brigade Hartitzsch auf der Straße nach Amberg zu. Sie blieb heute von dem Korps getrennt.

Das ganze Korps marschierte heute früh um 6 Uhr ab und vereinigte sich bei Pressat. Auf dem Marsch dahin ging jedoch der Befehl ein, nach Weiden zu marschieren und unten verzeichnete Quartiere zu beziehen. Durch diese neue Marschdirektion nahmen die Kolonnen ihre rechte Schulter vor und näherten sich der Grenze Böhmens.