Tango familial - Ute Steinheber - E-Book

Tango familial E-Book

Ute Steinheber

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Beschreibung

Emotional, sinnlich, dramatisch wie ein Tango argentino. Kritisch die Reflexionen, fantastisch die Satiren: was für ein leidenschaftliches Plädoyer für ein Familienleben, das glücklich, das Spaß macht. Die lebenserfahrene Lehrerin, Mutter und Kommunalpolitikerin zieht alle Register in ihrer Bilanz. Ob Prosa, Lyrik, Satire oder Fabel – sie packt in dieses Buch ihre geballten Lebenserfahrungen, die sie auch mit Freundinnen aus Europa teilt und mitteilt, ohne die wissenschaftliche Bodenhaftung der Humanwissenschaften zu verlieren. Denn alle, die auch nur eine Ahnung von Pädagogik, Psychologie, Physiologie oder Biologie haben, wissen, dass nicht Naturgesetze, sondern die moderne Genderideologie reine Konstruktion, ja Unsinn ist. Jede Handlung, jede Entscheidung hat Folgen. Alles hängt mit allem zusammen und hat seinen Preis. Der Preis der widernatürlichen modernen Lebens-und Arbeitsbedingungen für die Familien wird hier unbarmherzig aufgezeigt. Authentische Fallbeispiele von gestern und heute erzählen ungeschminkt mitten aus dem Leben von Frauen, Männern und Kindern, von Tradition und Moderne. Reflexionen beleuchten die tieferliegenden Zusammenhänge. Visionen zeigen schonungslos in die Zukunft einer unerfreulichen kinderlosen Gesellschaft, wenn Politik und Wirtschaft nicht umschwenken und, statt neomarxistisch und kapitalistisch Karriere und Konsum zu propagieren, endlich den gesellschaftlichen Wert von Mutterschaft und Familienarbeit anerkennen und als gleichwertig honorieren. Die Autorin und Frankreichkennerin weiß zahlreiche renommierte Wissenschaftler und Familienverbände hinter sich und ist nebenbei eine außergewöhnliche Simone de Beauvoir-Expertin.

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Seitenzahl: 304

Veröffentlichungsjahr: 2016

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Zu diesem Buch

Die Autorin, Realschullehrerin, Kommunalpolitikerin (CDU) und zweifache Mutter Ute Steinheber zieht alle Register in der Bilanz internationaler Familienerfahrungen. Ob Prosa, Lyrik, Satire oder Fabel– sie packt authentische Familiengeschichten in dieses Buch, ohne die wissenschaftliche Bodenhaftung der Humanwissenschaften zu verlieren. Denn alle, die auch nur eine Ahnung von Pädagogik, Psychologie, Biologie und Medizin haben, wissen, dass die moderne Genderideologie reine Konstruktion und ein Irrweg ist.

Der moderne Karriere- und Geschlechterkampf fordert Tribut. Den Preis zahlen überforderte Eltern und vernachlässigte, ja misshandelte Kinder. Die Folgen belasten zukünftige Generationen in ganz Europa. Auch der deutsche Sozialstaat droht unterzugehen und ächzt unter der Last seiner Aufgaben, die nicht alle mit Geld zu bezahlen sind.

Authentische Fallbeispiele von gestern und heute erzählen mitten aus dem Leben von Frauen, Männern und Kindern, zwischen Tradition und Moderne. Reflexionen beleuchten die tieferliegenden Zusammenhänge. Visionen zeigen in die Zukunft einer Gesellschaft ohne ausreichenden Nachwuchs und die Ohnmacht der Pflegenden und der Pflegebedürftigen. Geld pflegt nicht. Dies können nur Menschen tun – oder Roboter. Wollen wir das?

Zur Autorin

Ute Steinheber (geb. 1956) studierte an der PH Freiburg i.Br. und in Paris. Sie arbeitete insgesamt 28 Jahre im Schuldienst von Baden-Württemberg, unterbrochen vor einer 9-jährigen Erziehungszeit während der sie u.a. drei internationale Sprachdiplome erwarb. Sie war als Handicap-Schwimmerin erfolgreich und ist bis heute als Funktionärin und Fachübungsleiterin, Referentin und Fortbildnerin in Sport, Sprachkursen und im kulturellen Leben aktiv. Sie ist Mitglied des Bundesvorstandes des Familienverbandes Familienarbeit e. V. und dessen Europadelegierte..

Widmung

Meiner Mutter,

die mir das Leben,

Zeit und unendliche Liebe schenkte.

Meinem Mann und meinen Töchtern

und all jenen,

deren unverzichtbare

Familienarbeit

unbezahlt und unterschätzt wird.

Erlkönigin

(Petra Levator 2012)

Wer eilt so spät durch Nacht und Wind?

Es ist eine Mutter ohne ihr Kind.

Sie hält ein Bündel Akten im Arm,

sie hält es sicher, sie hält es warm.

„O Mutter, meine Mutter, hörst du mich nicht? Kennst

du überhaupt noch mein Gesicht?“

„O Tochter, ich wär’ ja so gerne bei dir, aber sieh

nur, die Arbeit, sie ist so schwer.“

„Du liebe Mutter, warum bist du fort,

warum leben wir nicht an einem Ort?“

„Du Liebes, ich bin heute in Berlin, schon

morgen warten Termine in Wien. So schlaf

doch, mach’ die Äuglein zu;

So komme auch ich nun endlich zur Ruh’.“

„O Mutter, Mutter, hörst du denn nicht, was

böses Medium mir ständig verspricht? Schöne

Kleider, Geld, Spiele und Chat,

ein Casting, Liebe all you can get?“

„O Mutter, ich brauch’ dich so sehr hier und jetzt!

Mein Herz, meine Seele sind so verletzt!“

„Du Kleines, mein Baby, halte noch aus! In

wenigen Wochen bin ich zu Haus’.

Wir fahren ans Meer und liegen am Strand, dann

sind aller Spuk, böse Träume verbannt.“

„O Mutter, komm gleich, mir geht es schlecht! Wer

ist mein Vater, sag’s, es ist mein Recht!“

„Du dummes Kind, das geht dich nichts an, geh in

die Schule, halte dich ran.“

Der Mutter graust’s,

denn sie will modernes Vorbild sein,

nicht Schatten, nein, strahlen im Sonnenschein.

Doch da atmet das Mädchen schon nicht mehr;

zerbrochen, zerstochen, verzweifelt ... allein.

Inhalt

Vorbemerkungen:

Mütter und Väter, auf die Barrikaden

Fallgeschichten und Reflexionen

Elisabeth (Fallgeschichte 1)

Sechs oder sieben auf einen Streich (Fallgeschichte 2)

Dr. K. (Fallgeschichte 3)

Bindung ist, was uns glücklich macht (Reflexion)

Katrin (Fallgeschichte 4)

Aus der Arbeit des Elternbeirats (Elternbrief)

Die Bedeutung der Muttersprache (Reflexion)

Briefe aus Spanien (Fallgeschichte 5)

Argentinien: Kinder aus der verborgenen Stadt (Fallg. 6)

Impressionen aus Tübingen

Brief einer jungen Maschinenbauingenieurin (Fallg. 7)

Brief einer alleinerziehenden Mutter (Fallgeschichte 8)

Wüstenblume (Fallgeschichte 9)

Gut gemacht, Alphamädchen (Fallgeschichte 10)

Bindung statt vorzeitige Trennung (Reflexion)

Tango Argentino (Fallgeschichte 11)

Damensauna (Fallgeschichte 12)

Marlene (Fallgeschichte 13)

Zur Meinungsfreiheit in Deutschland (Reflexion)

Zum Werteverfall (Reflexion)

Stoßgebet (Gedicht)

Ist der Feminismus ein Humanismus? (Reflexion)

Grit von der Mühlen: Lost generation (Fallgeschichte 14)

Gegen den GENDERWAHNSINN

Demo für alle am 21.6.2015

Der Mythos der französischen Frau und Mutter

Wer oder was ist MMM

Christiane Collange: Ich will ins Haus zurück

Brief einer Französin aus Amerika (Fallgeschichte 15)

Inklusion: Ponyhof statt Pausenhof (Fallgeschichte 16)

Misshandelt Deutschland seine Kinder?

Ein Erziehungsspiegel über 25 Jahre (Chronik)

Was ist Familienarbeit wert?

Visionen

Gedicht: Der Sturm des Fortschritts

Brief einer Mutter aus dem Jenseits (Satire)

Schulfeindinnen oder das Ende von BMP 08071954 (eine bitterböse Satire)

Die Fabel vom kleinen Nilpferd und der Antilope

Sozialstaatsdämmerung (Jürgen Borchert)

Epilog

Nachwort von Dr. Michael Harder

Gedanken zum Feminismus aus Sicht eines Familienmannes

Dank

Buchrezensionen

Die alternde Republik (Herwig Birg)

Alice im Niemandsland (Miriam Gebhard)

Die globale sexuelle Revolution (Gabriele Kuby)

Wild Life (Esther Perel)

Unsere Kinder brauchen uns (Gordon Neufeld u. Gabor Maté)

Mit mehr Selbst zum stabilen ICH (Albert Wunsch)

Weitere Buchtipps

Vorbemerkungen: Mütter und Väter, auf die Barrikaden!

Seit Jahrzehnten, so der weltweit anerkannte Bevölkerungswissenschaftler Prof. Dr. Herwig Birg, werden Familien in Deutschland systematisch ausgebeutet und benachteiligt. Die Geburtenrate ist hier bereits weit unter das Niveau gefallen, das eine nachhaltige Gesellschaft zum Erhalt seiner Bevölkerung inklusive seiner Werte und Wirtschaftskraft braucht. Die Entwicklung ist irreversibel und wird durch den ideologischen Zeitgeist sowie fehlerhaftes politisches Handeln verstärkt. Der Autor, ein renommierter Wissenschaftler und Mitglied zahlreicher nationaler und internationaler Beiräte, stellt bis ins Detail genau erklärend seine demographische Prognose. Der emeritierte Professor der Universität Bielefeld schont dabei weder Wirtschaftsbosse noch Politiker, noch durch die Genderideologie geblendete Studentinnen und Akademikerinnen.

Nicht die steigende Lebenserwartung ist Hauptursache der Überalterung Deutschlands, sondern die immer größer werdende Zahl der lebenslang Kinderlosen, die Verweigerung der Elternschaft, insbesondere der gut ausgebildeten Frauen, die Karriere, persönliche Freiheit und Partnerschaft losgelöst von den Bürden der Mutterrolle leben wollen. Daneben bleiben Hunderttausende von Paaren ungewollt kinderlos. Ein großer persönlicher Schmerz für die Betroffenen, ein großer Verlust für die Gesellschaft an potentiellem Nachwuchs. Auch Millionen von Einwanderern werden die zukünftigen Probleme einer alternden Gesellschaft ohne eine stringente Familien- und Einwanderungspolitik nicht kompensieren können.

Der Bevölkerungsforscher klagt aber nicht nur Missstände an, er nennt auch Lösungsansätze, Instrumente und Maßnahmen einer nachhaltigen Demographie Politik. So zum Beispiel die Umsetzung des Familienschutzes (Trümmerfrauenurteil vom 7.7.1992 Art.6, Abs.1 GG) sowie der Familiengerechtigkeit dienende Reformen bei der Beitragsfestsetzung der Sozialversicherungssysteme und einer gerechten Besteuerung. Außerdem schlägt er eine Konzentration staatlicher Förderung auf Ehe und Familie mit Kindern, eine neue Erwerbspolitik unter Vorrang auf Arbeitsplätze für Eltern und, neben einer Frauenquote, auch eine Mütterquote, die die Doppelbelastung durch Familien- und Erwerbsarbeit in den ersten, so wichtigen Lebensjahren der Kinder vermeiden hilft und den späteren Wiedereinstieg erleichtert, ja garantiert.

Endlich, endlich wagen sich immer mehr Frauen und Männer, Jahre nach der mutigen, aber brutal kalt gestellten und völlig zu Unrecht in die braune Ecke gestellten Eva Herman, eine Gegenoffensive einzuläuten: Zum Beispiel die Journalistin Birgit Kelle. Eine kluge, erfolgreiche Frau, verheiratete Mutter von vier Kindern. Ihre Bücher „Mach doch die Bluse zu“ und ihr zweites Buch vom März 2015, GenderGAGA, sind sachlich, unterhaltsam, auch ein wenig polemisch und zeigen u.a. deutlich auf, wie unsere Steuergelder für Genderforschung und entsprechende Lehrstühle an unseren Universitäten verschleudert werden, statt Familien gezielt zu fördern. Frau Kelle ist Dauergast in Talkshows wie “Hart aber fair”, sie wird von Frau Maischberger in ihre Sendung eingeladen. Leider steht sie oft auf verlorenem Posten und wird von den “politisch Korrekten“ kaltgestellt. Trotzdem teilt sie unerschrocken aus in Richtung Wirtschaft und Politik, der Sexismus Debatte, dem Gendermainstream in Medien und Gesellschaft. Dazu braucht es Mut, Unterstützung, Solidarität.

Auch Männer melden sich vermehrt zu Wort: Zum Beispiel die ZEIT-Journalisten Marc Brost und Heinrich Wefing mit ihrem Buch „Geht alles gar nicht“ (April 2015): Jetzt reden auch die Väter. Sie fordern mehr Ehrlichkeit und Abschied von der Illusion, Mütter und Väter könnten locker Karriere und Familie gleichzeitig vereinbaren. Freundschaften, Sport, Kino, Ausgehen? Die schöne Leichtigkeit des Seins, die Kraft und Freude für Kinder und Job gehen verloren! Und genau deshalb ist die Hausfrau wieder da! In der Spiegelausgabe Nr.11 vom 3. März 2016 feiert sie ein öffentlich beachtetes Comeback unter dem Stichwort Gleichberechtigung. Das Hausfrauendasein als Lebensmodell junger Akademikerinnen, von der promovierten Mathematikerin, über eine Steuerberaterin, Chefsekretärin, bis zur Diplom-Kulturwirtin: Alle diese mehrfachen Mütter pochen in diesem Artikel auf ihr Recht auf Selbstbestimmung, das Recht für einige Jahre Vollzeitmutterschaft, was Spiegel-Autorin Anna Clauß herablassend bissig kommentiert. Kittelschürze statt Karriere?

Nach jahrzehntelangen Beobachtungen und Erfahrungen als Frau und Mutter, als Lehrerin, Sportlerin und in vielen Ehrenämtern hake ich hier ein und führe in authentischen Fallgeschichten und einigen Reflexionen aus, was Wissenschaftler, Juristen, Psychologen, Lehrer, Erzieher und Familienverbände angestoßen haben, denn:

„Wir erleben in Westeuropa derzeit eine Frauenbewegung mit aggressiver Grundhaltung und umfassenden Machtansprüchen. Allmachtsfeminismus. Diese Bewegung geht davon aus, dass Männer und Frauen grundsätzlich gleich sind und daher genau die gleichen Aufgaben übernehmen können und sollen. Diese feministische Ideologie tut so, als gäbe es keine biologisch vorgegebenen, typisch männlichen oder weiblichen Verhaltensweisen und Neigungen, sondern wir würden nur durch Erziehung geprägt.“ So die Journalistin Frau Bauer-Jelinek in einem Interview der FAZ vom 4.11.2012.

Dieses, im Grunde patriarchalische Denken übernehmen immer mehr Frauen, denn in Politik und Wirtschaft wird die unabhängige berufstätige Frau hofiert und gefördert. Frauenquoten sollen Karrieristinnen Führungspositionen sichern. Eine rasante Aufholjagd hat begonnen, in der unsere Männer und Familienväter von Frauen abgehängt werden, von der Grundschule zielstrebig zum Abitur und Studium, immer die Karriere im Blick oder doch nicht? Zu welchem Preis? Auf der anderen Seite vernachlässigte junge Menschen ohne Schulabschluss, seelisch behindert, psychisch krank, drogen-süchtig, arbeitslos, nicht alltagsfähig. Junge Menschen auf der Verliererspur, um die sich keine Mutter, kein Vater kümmerte, junge Menschen ohne Anschluss an ein bürgerliches Leben. Sozialer Sprengsatz pur. Mitten unter uns.

Auf der anderen Seite allerdings: Einflussreiche Frauen am Hebel der Macht. Allen voran Angela Merkel. Frauen und Mütter sitzen an der Spitze von Ministerien wie Ursula von der Leyen, Manuela Schwesig, Andrea Nahles. Und immer mehr kinderlose Politiker und Richterinnen nehmen ohne mütterliche Empathie Einfluss auf politische und höchstrichterliche Entscheidungen.

Ebenfalls kinderlos, aber im Blickpunkt der Medien: Bascha Mika, ehemalige Chefredakteurin der taz und aktuelle Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau online, schreibt unverfroren über Feigheit und Faulheit ihres eigenen Geschlechts, über Geiselmentalität, von Selbstbetrug und Rollenfallen. Sie und Prominente aus Film und Fernsehen wie z.B. Katja Riemann sprechen vom Gefängnis der Ehe und dem Ballast der Familie. Das wollen sie sich nicht antun. Brauchen sie auch nicht. Sie dürfen ihren Weg gehen und wir werden unseren Weg gehen. Alles hat seinen Preis. Für ihren Erfolg vergessen sie die Sehnsüchte ihrer Weiblichkeit, sie verleugnen ihre Mütterlichkeit. Sie schuften, kämpfen und verdienen wie Männer. Sie sind in der Folge oft alleinstehend, geschieden, bewusst kinderlos.

Die moderne Gesellschaft fordert ihre Opfer. Psychische Erkrankungen sind inzwischen Hauptursache von Frühverrentungen, verursachen Millionen von Fehltagen am Arbeitsplatz. Täglich liest man in der Zeitung von Familiendramen, erweiterten Suiziden, Amokläufen, Misshandlungen, Mord und Totschlag. Immer häufiger sind Kinder unter den Opfern und werden später selbst zu Tätern. Deutschland zerstört seine Familien. Zerstörte Familien zerstören die Gesellschaft. Der Staat gerät in Schieflage, denn die Leistungsträger und später auch Milliarden von Steuergeldern werden uns früher oder später wegbrechen. Totalitäre Strukturen gewinnen an Bedeutung. Haben wir bald Krippenzwang, Erwerbstätigkeitspflicht, Soziale Pflichtjahre, Wehrpflicht, wie im Sozialismus? Was ist mit der freien Wahl unseres Lebensentwurfs, ja sogar einer freien Meinungsäußerung, wenn sie wertkonservativ sind?

Enorme Flüchtlingswellen strömen in unser Land auf der Flucht vor Krieg, Hunger, Armut und Perspektivlosigkeit. Der Terror des IS reicht bis zu uns nach Europa. Die Lage ist bedrohlich und ernst. Und wir reiben uns auf im Geschlechterkampf? Wie lächerlich ist doch die ganze Debatte um den Gender-Mainstream, überflüssig wie ein Kropf sind Genderstudien und hoch dotierte Lehrstühle zu dieser Scheinwissenschaft, die davon ablenkt, was wir wirklich neu konstruieren müssen. Nicht die Geschlechter und ihre Rollen, sondern gerechtere Gesellschaften weltweit!

„Friedvolle, ausgeglichene Gesellschaften sind die Voraussetzung für geordnete und zivilisierte Staaten und letztlich auch des Weltfriedens“, schreibt der hessische Jurist und Sozialexperte Dr. Jürgen Borchert in seinem 2013 erschienenen Buch „Sozialstaatsdämmerung“. Man muss den Sozialstaat nicht neu erfinden, aber neu konstruieren.“ (ebenda S.243 ).

Die Grundzüge einer effektiven Sozialreform sieht er in der Bürger-FAIRsicherung, in der die Sozialabgaben quer durch alle Gruppen transparent und fair nach Leistungsfähigkeit berechnet werden, so wie es die Schweizer Alters- und Hinterlassenen Versicherung AHV vormacht. Die Umverteilung von oben nach unten sowie Familiengerechtigkeit sind die Hauptkriterien. Kein Berufsstand kann sich in eigene Versicherungssysteme zurückziehen. Beamte, Selbständige, Angestellte und Arbeiter – alle zahlen in die einheitliche Bürger-FAIRsicherung ein und übernehmen Verantwortung für das ganze System (ebenda S.235 ff) ohne Bemessungsgrenzen bis in die Einkommensspitzen und unter Schonung der Existenzminima, was kinderreiche Familien, die die nächsten einzahlenden Generationen aufziehen, stützt und stärkt, statt ihnen die Luft abzudrehen.

Auch gibt es ca. 1,2 Millionen ungewollt kinderlose Paare in Deutschland, so berichtet Millay Hyatt in ihrem Buch „Ungestillte Sehnsucht“ – Wenn der Kinderwunsch uns umtreibt“. Die 1973 in Dallas/ USA geborene promovierte Philosophin, Autorin, Literaturwissenschaftlerin und Übersetzerin erfuhr mit 32 Jahren, dass sie bereits in den Wechseljahren sei und unfruchtbar bleiben werde. Ein Schock für die kämpferische Feministin, die bisher ihre Freiheit, ihre Ausbildung, ihre Karrierechancen weit über eine mögliche Mutterschaft gestellt hatte und erst Anfang dreißig von einem urgewaltigen Kinderwunsch überrascht, ja überwältigt wurde.

Was auch immer die Ursache ungewollter Kinderlosigkeit ist, diesen Menschen fehlt eine Plattform, sie werden als Egoisten an den Pranger gestellt, dabei leiden sie oft jahrzehntelang unter den Torturen der medizinischen Fertilisation, den überaus hohen Hürden des Deutschen Adoptionsrechts, unter dem für andere unverständlichen Schmerz, ein Leben ohne leibliches Kind zu leben. Angesichts sich erschreckend häufender Gewalt, Krankheit, Versagen und Überforderung junger leiblicher Eltern, Alleinerziehender und Stiefelternschaft muss man sich die Frage stellen, ob nicht ein weit großzügigeres Adoptionsrecht nötig ist, um Kindern ein neues Zuhause, Liebe und Geborgenheit zu schenken.

Bereits Mitte der achtziger Jahre hatte ich das, wovon viele Frauen träumen. Ich arbeitete als Lehrerin in einem angesehenen, gut bezahlten Beruf. Ich hatte ein gesundes Kind, einen fleißigen Hausmann und begeisterten Vater für unsere wunderbare kleine Tochter. Aber ich war nicht glücklich. Seltsam oder? Wenn die Kleine nachts aufwachte, fieberte, spuckte, in Bett gepinkelt hatte oder einfach nur schlecht träumte, der Papa stand auf, tröstete, half, beruhigte. Dann legte er sich wieder hin und schlief wie Gott in Frankreich. Ich, die Mutter, lag wach, grübelte, konnte nicht schlafen. Das ist Biologie. Das heißt genauer: physiologischer Ammenschlaf. Ich hörte die Flöhe husten und mein Kind weinen, laut träumen oder meinen Mann schnarchen. Ich hörte sie und wachte. Ja, das ist Steinzeitbiologie, nur dass mein Mann nicht mehr auf die Jagd ging, sondern ich, die moderne, emanzipierte, gut ausgebildete und ehrgeizige Frau. Am Morgen also ging ich übernächtigt in die Schule und begeisterte Pubertierende mehr oder weniger mit meinem Unterricht. Eltern und Schulleitung überzeugte ich mit meinen pädagogischen Fähigkeiten, meiner natürlichen Autorität und Ausstrahlung, meinem enormen, auch außerunterrichtlichem Engagement. Sie ahnen schon wohin das führte. In den BURNOUT. Dazwischen lagen allerdings noch knapp zwanzig Jahre. Ich wünschte, ich wäre schon weitaus früher K.O. gegangen und aufgewacht.

Gehören Sie auch zu den modernen Personen, die kaum essen und schlafen, die rund um die Uhr funktionieren, die immer erreichbar sind, die nie NEIN sagen, wenn der Chef Sie zum Projektleiter, respektive zur Projektleiterin, ernennt, in den Aufsichtsrat beruft und in der Schule, im Sportverein oder der Gemeinde noch ein Ehrenamt zu besetzen ist?

Super, Sie sind ein Leistungsträger, ein Erfolgstyp. Sie werden Anerkennung sammeln, eine tolle Karriere machen und Verantwortung übernehmen, bald einen Porsche fahren und Urlaub auf den Seychellen machen. Sie brauchen weder einen festen Lebenspartner, geschweige denn einen Ehemann, noch Kinder, das stört nur die Abläufe, die Verfügbarkeit, die persönliche Freiheit, den beruflichen Aufstieg. Wow, was für ein Leben. Wollen Sie das wirklich? Ich wollte es nicht.

Deshalb stellte ich schon früh die Weichen. Weg von Karriereplänen, die ich durchaus und ganz real hatte. Weg von Arbeitszwängen, der hohen Erwartungshaltung anderer an mich, NEIN zur Verleugnung meiner wahren Wünsche. Ich entschied mich für das Familienleben, für weitere Kinder, für eine lange Beurlaubung aus dem Schuldienst. Und das war gut so. Egal wie reaktionär, wie traditionell, wie altmodisch und rückständig Sie das auch immer finden.

In den folgenden Fallgeschichten, die mich bewegen, die mich beeindrucken, die so oder so ähnlich millionenfach in Deutschland ablaufen, können Sie nun verschiedenste Familienwege verfolgen. (Um die Privatsphäre Einzelner zu schützen habe ich z.T. Namen, Orte oder Berufe verfremdet oder die Schicksale zweier Familien in eine gebündelt.)

Ich schaute mich um in meiner eigenen Großfamilie, in der bürgerlichen Nachbarschaft meines kleinen Wohnortes im Großraum Stuttgart, wo bäuerliche Nachfahren der protestantischen und tief gläubigen Waldenser friedlich mit Handwerker- und Arbeiterfamilien neben Ingenieuren und Managern der Automobilbranche und High-Tech-Industrie leben: Hier ist der Hauptsitz von Daimler-Benz, von Porsche und Bosch & CO. Genauso wie das im Großraum München, Frankfurt oder Hamburg sein könnte, denn Deutschland besteht nicht nur aus sozialen Brennpunkten, ist nicht nur Berlin-Kreuzberg. Viele Menschen mit Migrationshintergrund wohnen seit Langem in unserem Land und haben sich bestens integriert. Als Realschullehrerin habe ich viele sprachbegabte und sehr fleißige Kinder aus diesen Kreisen kennen und schätzen gelernt. Sie legen Wert auf ihre Bildung, dolmetschen und übersetzen für ihre Eltern, wo es denn nötig ist, sie sind Schlüssel der Verständigung, auch ganz ohne frühkindliche Krippenerziehung.

Mein Blick schweift auch ins benachbarte Ausland, in die Schweiz, nach Belgien, nach Frankreich, wo ich zeitweise gelebt und gearbeitet habe. Ich habe Freundinnen in Spanien und den USA, mit denen ich regelmäßig korrespondiere und deren Erfahrungen als Mütter mit einem anderen Erziehungs- und Bildungssystem mir bekannt sind. Eine Zufallsbekanntschaft bereichert dieses Buch mit Fallgeschichten aus Argentinien. Wir drehen uns nicht nur um uns selbst. Lebenserfahrungen dieser Frauen und Männer, sie alle fließen hier mit ein. Erfahrungen aus über drei Jahrzehnten!

Ich erinnere mich an die Gedanken und Begegnungen meiner Studienzeit in Freiburg i. Br. und in Paris. Ich erinnere mich an die anfängliche Faszination und spätere Ernüchterung in der Auseinandersetzung mit dem Feminismus, insbesondere mit den Gedanken Simone de Beauvoirs. Aber ich ließ mich nicht blenden. Es war die französische Sprache, Literatur und Kultur, die mich als junge Lehramtsstudentin derartig begeisterten, dass ich auf Simones Spuren wandelte, ihre Reisen kreuz und quer durch Europa verfolgte, ihr unstetes, ungewöhnliches Leben an der Seite eines großen kleinen Mannes, dessen Biographie und Werk mich ebenfalls in den Bann zogen. Ihre anarchistisch-nihilistische Verachtung für alles Bürgerliche, „Normale“, teilte ich nie. Meine literarische und auch ganz persönliche Auseinandersetzung mit der Philosophin, Schriftstellerin und Feministin Simone de Beauvoir schildere ich in einem weiteren Buch „Simone und Ich“. Das Manuskript mit exklusiven, bisher unveröffentlichten Interviews mit Zeitzeugen ist bereits in Arbeit und hat das Interesse eines Verlags gefunden.

Für die Revolte der 68er war ich zu jung und zu wenig politisch. Ich schwärmte für Sophia Loren und Romy Schneider, für Marilyn Monroe und Grace Kelly, für Gary Cooper und Jean-Paul Belmondo. Ich bewunderte sie und las über kluge Frauen wie Hildegard von Bingen, Maria Montessori, Marie und Irène Curie. Ich wollte Ärztin werden. Ich interessierte mich nicht nur für Sprachen und Literatur, sondern auch für Sport und Medizin. Mein Leben als Heranwachsende war geprägt von einem sportlichen Vater und einer Mutter, die mir intuitiv genau das richtige Maß an Liebe und Fürsorge schenkte, wie sie mir Freiheiten, Pflichten und Verantwortung anvertraute. Sie schenkte mir das Fundament meines Lebens, die psychische Widerstandskraft, die Bindungs- und Liebesfähigkeit, ohne die ich die späteren Krisen nicht überlebt hätte. Nichts aber zerriss mich als junge Mutter mehr als die Doppelbelastung zwischen Beruf und Familie, aus der aus gesundheitlichen Gründen eine Dreifachbelastung wurde. Nichts bedrückte mich mehr als die Trauer um meine geliebte, viel zu früh verstorbene Mutter und später das Fehlen der Großmütter, denn auch meine Schwiegermutter starb im Alter von nur 45 Jahren an Krebs. Ich habe sie nie kennen gelernt.

Mein Buch spricht auch von Randgruppen, die ohne Hoffnung sind. Unbelehrbar die einen, bereits von fehlender Liebe, Familie und Fürsorge psychisch angeschlagen oder gar krank und antriebslos die anderen. Sie werden es nicht lesen, sie würden es nicht verstehen. Ich wende mich dahin, wo noch Hoffnung ist, wo es noch echte Liebe gibt, das heißt Hingabe und Verantwortung für andere. Ich widme es der Mehrheit der Frauen, die in den Medien entweder gar nicht vorkommen oder mit Worten getreten werden. Für sie schreibe ich diese Würdigung, eine Hommage, damit nicht vergessen wird, was sie leisten, was sie geleistet haben.

Sie heißen Elisabeth, Gudrun, Inès und Julia. Sie sind Vorbilder und Beispiele erfüllten weiblichen Lebens. Die letzten Evas im Paradies? Sie halten keine bedeutenden Reden und sitzen nicht in internationalen Konferenzen. Ihr außerhäusliches Betätigungsfeld beschränkt sich neben einer eventuellen Teilzeitarbeit auf die Leitung des Elternbeirats oder des ökumenischen Frauenkreises. Sie organisieren den örtlichen Seniorenkreis, betreuen die Fußballmannschaft oder backen Brote und Kuchen für das nächste Stadtfest. Es sind Mütter, Großmütter, Frauen, die ihr Leben der Familie widmen und nicht der Karriere. Die Frauen, die ich meine, sind zufrieden, ja glücklich mit ihrem Leben als Mittelpunkt ihrer Familien. Es ist mit ca. 65 % die Mehrheit, eine schweigende Mehrheit der Frauen. Ihr Dasein war und ist wichtig und unentbehrlich für jeden Einzelnen und die Gesellschaft. Sie sind das Fundament, auf dem die Wirtschaft bauen kann, denn sie haben für den belastbaren Nachwuchs gesorgt, der heute und morgen in Forschung und Produktion die Industriebänder am Laufen hält, der die Altersversorgung erwirtschaftet.

Denn es sind unsere Kinder, die in Kliniken, Schulen und Behörden unverzichtbare Dienste leisten. Es sind unsere Kinder, die noch psychisch gesund und natürlich mit Geschwistern und in vollständigen Familien aufwachsen durften. Die Leistungen und Erziehungsarbeit von uns Frauen und Mütter waren und sind unentbehrlich! Würde man alle in der Familie geleisteten Arbeitsstunden in das Bruttosozialprodukt miteinrechnen, so würde es sich mehr als verdoppeln. Aber, da diese Arbeit unbezahlt und „unsichtbar“ ist, wird sie nicht genug Wert geschätzt. Schluss damit!

Worte wie Betreuungsgeld, diffamierend auch Herdprämie genannt, Haus- oder Familienfrau, Erziehungszeit lösen in manchen Kreisen geradezu Allergien aus. Der Anspruch auf einen Krippenplatz, schnellstmöglicher Wiedereinstieg in den Beruf, Vollzeit arbeiten, Erfolg, Unabhängigkeit, eigene Altersvorsorge, das sind die Schlagwörter der modernen Frau. Will sie neben einem anspruchsvollen Berufsleben auch noch gleichzeitig verständnisvolle Ehefrau, liebende Mutter und eventuell sogar noch pflegende Tochter oder Schwiegertochter sein, überfordert dies die Leistungsfähigkeit der menschlichen Natur. Können dann die elementaren Bedürfnisse der Kinder und des eigenen ICHS noch wahrgenommen werden?

Und wo bleiben die Bedürfnisse der Männer und Väter? Immer häufiger werden sie zum Störfaktor, schon als Jungen, als Jugendliche: der Mann im Abseits. Die Folgen sind schon heute so offensichtlich, so verheerend, so krank machend, dass es nicht reicht, sich zu empören oder zu schweigen. Es ist ein „schleichender Genozid”, der sich hier ausbreitet, auf den die belgische Psychoanalytikerin Dr. Luce Irigarey bereits vor Jahrzehnten hingewiesen hat. Von Alice Schwarzer belächelt und verspottet als die „beleidigte große Schwester von Simone de Beauvoir“, hat die Wissenschaftlerin nicht nur Recht, sondern, im Gegensatz zu kinderlosen oder jungen Ein-Kind-Journalistinnen, Germanistinnen, Polit-Talkerinnen auch eine echte Qualifikation, diese Thematik zu beurteilen.

Dieses Buch ist nicht nur für Elisabeth, Katrin, Mirjam, Marlene und Dr. K., deren Schicksal und Lebenswege uns erfreuen oder auch nachdenklich machen. Es ist für all diejenigen, die sich tapfer durchs Leben schlagen, für all die verunsicherten jungen Frauen und Männer, die noch nicht im Sog des Gender Mainstreams mitgerissen wurden, die noch natürlich gebliebene Menschen mit Kinderwunsch sind. Die vielen jungen und gut ausgebildeten Frauen, die noch nicht wissen, wie sie sich entscheiden wollen. Für die Familie? Für die Karriere? Für beides? Die noch nicht ahnen, auf welche zerstörerische Zerreißprobe sie sich einlassen, wenn sie alles gleichzeitig wollen. Ein Buch auch für Männer, für die das Wohl der Familie an erster Stelle steht. Männer, die in Erziehung und Haushalt mitwirken, diese Arbeit wertschätzen, egal, ob im Rollentausch oder ganz traditionell. Männer und Väter, die ihre Familie lieben und denen wir eine Familienquote wünschen, damit sie ihre Familien weiterhin ernähren können und nicht von einer politisch gewollten, künstlichen Frauenquote ausgebremst werden.

Es ist ein Buch mitten aus dem Leben, aus überraschenden Perspektiven. Zwischen Himmel und Hölle. Wir in Europa, in Deutschland, wir haben die Wahl, unser Leben, unsere Zukunft selbst zu gestalten. Das haben die in diesem Buch auch erwähnten Slumkinder aus Buenos Aires nicht. Wer Kinder haben möchte, warum denn nicht im natürlichen, traditionellen Rollenverständnis? Warum auch nicht mit einem Hausmann und einer gut verdienenden Frau, die im Berufsleben ihre Erfüllung findet? Aber funktioniert das auch auf längere Sicht? In meinem Fall jedenfalls nicht.

Familienleben muss Spaß machen. Dazu braucht es außer viel Liebe, Geduld und Zeit gute Rahmenbedingungen für Eltern am Arbeitsplatz und zuverlässige, verantwortungsvolle Bezugspersonen zuhause, deren Erziehungsarbeit in den ersten Lebensjahren der Kinder durch ein ernst zu nehmendes Erziehungsgehalt unterstützt und alle Erziehungsjahre im Alter auf die Altersvorsorge angerechnet werden. Die Familien müssen auf sichere finanzielle und faire steuerliche Bedingungen zählen können und dürfen nicht – wie seit der Rentenreform von 1957 unter Konrad Adenauer - durch die Sozialversicherungssysteme ausgebeutet werden! Das ist verfassungswidrig, wie zahlreiche juristische Fachleute es aufzeigen und anklagen. (Lesen Sie mehr dazu im Anhang)

Einen Haushalt und das Familienleben erfolgreich zu managen ist nicht selbstverständlich. Es ist Arbeit: Hausarbeit, Erziehungsarbeit, soziale Arbeit, von der das Gelingen oder der Untergang unserer Gesellschaft abhängt. Die gefährliche Schieflage ist bereits heute nicht zu übersehen. Unsere Kinder werden es sich nicht gefallen lassen, hohe Summen in Versicherungen und Rentenkassen einzuzahlen, um ein Heer Rentner und Pensionäre, Flüchtlinge, Gestrauchelter, Kranker im Alter zu alimentieren, um später selbst mit einem Almosen knapp über der Grundsicherung abgespeist zu werden. Deshalb gehen zahlreiche Familienverbände an die Öffentlichkeit, auf die Straßen, auf die Barrikaden! Die Starken können und sollen die Last der Schwächeren tragen. Bürdet man ihnen zu viel auf, brechen auch die Starken weg. Werden sie emigrieren, aussteigen, Deutschland den Rücken kehren? Was für ein unersetzlicher Verlust würde das für Deutschland bedeuten!

Deshalb: Der Aufstand der Familien muss kommen und wird kommen, je früher, desto besser für Deutschland. Doch im Angesicht des Ansturms an unseren Grenzen, angesichts dramatisch zunehmender Flüchtlingsströme werden die Familien wieder enger zusammenrücken und Aufstände ganz anderer Art werden unser Leben zukünftig beeinflussen und bedrohen. So lesen sich die ersten Geschichten inzwischen wie Erzählungen aus dem Paradies.

I. Fallgeschichten und Reflexionen

(1) Elisabeth

An warmen Tagen und lauen Abenden, wenn Fenster und Türen weit geöffnet sind, hört man sie bis in die weite Nachbarschaft: Gesang, Flöte oder Klavierspiel. Immer wunderschön, trotz zahlreicher Repetitionen, dann wieder Lachen, Stille.

Meine Nachbarin Elisabeth war erst einundzwanzig Jahre alt, als sie ihr erstes Kind bekam. Heute ist diese erste Tochter Ärztin. Es folgte zwei Jahre später ein Sohn. Dieser ist heute Diplomingenieur und bereits selbst zweifacher Vater. Elisabeth bekam noch mal zwei Kinder, die im Jahr 2011 das duo mosaique gründeten, ein musikalisch hoch begabtes Schwesternpaar. Beide studieren bzw. studierten Musik an einer Musikhochschule. Die eine Querflöte, die andere Klavier und Orgel. Als Gymnasiasten fuhren alle vier täglich mit dem Fahrrad über zehn hügelige Kilometer in die Schule, zu Proben, bei jedem Wetter, auch im Winter. Diese Kinder waren fleißig, höflich, freundlich. Kein Anlass zur Klage.

Ich fragte Elisabeth, ob sie es denn nicht bedaure, keinen Beruf erlernt zu haben, niemals berufstätig gewesen zu sein? Welchen Berufswunsch hatte sie damals gehabt, nach dem Abitur 1974? Grund- und Hauptschullehrerin wollte sie werden mit den Schwerpunkten Sport und Biologie. Als sie von ihrer frühen Schwangerschaft wusste, wollte sie nicht mehr wegziehen aus ihrer Heimatstadt Konstanz am Bodensee, wo der Freund und Vater lebte und studierte, der sie selbstverständlich heiraten und bei sich haben wollte. So wie auch sie bei ihm sein wollte. Weingarten, Freiburg, Heidelberg, Ludwigsburg, Esslingen am Neckar, die Pädagogischen Hochschulen saugten im Bildungsrausch der 70er Jahre die Lehramtsstudenten geradezu an. Fünf Zusagen auf einen Studienplatz, Elisabeth hatte die Qual der Wahl. Was tun? Sie bemühte sich um einen Studienplatz für Diplombiologie an der Universität Konstanz, das schien ihr die einzig realisierbare Alternative. Doch leider, eine Absage, kurz vor der problemlosen Geburt. Jetzt wollte sie nur noch eins, bei ihrem Kind sein.

Eine Mutter gehört zu ihrem Kind, das war ihre Devise. Sie hatte gar keine Zeit, der verpassten Ausbildung hinterher zu trauern. Das Leben war so voll und erfüllt, so interessant und machte sie so glücklich. Erst viel später, als die vier Kinder erwachsen wurden und aus dem Haus strebten, fühlte sie kurz ein Bedauern, aber keinen Stachel in ihrem Herz. Denn sie war und ist so vielseitig interessiert und begabt, dass sie nun manches von dem nachholte, was sie neben Haushalt, Kindererziehung, Schulengagements, Garten und Kirchenchor versäumt hatte. Jetzt frischt sie wieder ihr Französisch auf, plant Radtouren mit ihrem Mann: Zu zweit durch die Provence, in die Alpen oder quer durch die Pyrenäen. Daneben töpfert sie und stellt ihre Kunstwerke in Ausstellungen und auf Weihnachtsmärkten aus. Manch eine Schale, diverse Krüge und Kunstgegenstände zieren inzwischen die Haushalte der Umgebung.

Duo mosaique, Juni 2011: Gastkonzert in der Heimatstadt. Ein schweres Programm für Flöte und Klavier. Carl Reineckes „Undine“ op. 167. Die 29-jährige stellvertretende Soloflötistin an der Staatsoper Hannover brilliert mit großem technischem Können, langem Atem, mit ausdrucksstarker Interpretation. Es folgen Franz Schuberts Variationen über das Lied „Trockene Blumen“, wobei das virtuose Schwesternduo das Leitmotiv immer wieder hervorhebt und vom Klavier in das zweite Instrument hinüber fließen lässt. Bei der abschließend gespielten Sonate für Flöte und Klavier A-Dur von César Franck bestechen die eleganten Schwestern durch die Leichtigkeit des Spiels im Allegretto ben moderato, im tänzerischen Allegro, dem ruhigen Recitativo. Die abschließende Fantasia wieder leidenschaftlich, stark, wundervoll. Das Publikum begeistert. Rauschender Applaus für zwei großartige junge Musikerinnen.

Unten, auf der großen Steintreppe des „Georgenäums“, dem stadteigenen Konzert- und Kulturhaus, wartet Elisabeth mit dem zehnmonatigen Enkelsohn, dem Jüngsten von Bernadette, der Flötistin. Er verschlief das Konzert fast vollständig, beim letzten Allegrette poco mosso fing er an zu weinen. Elisabeth nimmt ihn hoch aus seinem Kinderwagen, legt ihn in ihre Arme. Sie strahlt und lacht mich an. „Bereut? Niemals – diese Kinder und Enkelkinder, sie sind mein Leben, mein Glück, mein Halt!“ Eine Journalistin der Lokalredaktion kommt auf sie zu und stellt ein paar Fragen zur Entwicklung und Ausbildung der Töchter. Elisabeth erzählt auch von den Mühen und Kosten, den Durchhängern und Neustarts, denen viele, überwiegend erste Preise, bei Wettbewerben wie “Jugend musiziert” folgten. Vor dem Preis fließt der Übungsschweiß. Das war hier nicht anders als bei Sportlern oder kleinen Forschern.

Oben packt ihr Mann Kamera und Stativ zusammen, hilft beim Aufräumen, nimmt Glückwünsche und Komplimente entgegen, zwinkert seinen Töchtern zu, schüttelt zahlreiche Hände von Musikfreunden und Bekannten. Er plaudert gelassen und ohne großes Gehabe, denn er weiß: Unten wartet Elisabeth. Sie werden zusammen heimfahren, gemeinsam essen, das Konzert und vieles Weitere diskutieren. Sie werden mit ihren Kindern und Enkeln auf der Terrasse zusammensitzen und morgen wird ein neuer schöner Tag beginnen. Wenn wir Glück haben, ist es ein warmer Sommertag oder ein lauer Abend.

(2) Sechs oder sieben auf einen Streich. Aus dem Alltag kinderreicher Familien.

Anne:

Nicht sofort erkenne ich sie wieder, so sportlich und schlank, mit Fahrradhelm und Sonnenbrille, in Begleitung ihres Mannes, ein selbständiger Schreiner, und zwei ihrer mittleren Kinder. Wir halten im nächsten Biergarten, setzen uns in die Sonne und plaudern los.

„Hi Anne, wie viele Kinder habt ihr jetzt“?

„Sieben“!

„Und wie alt ist eurer Jüngstes?“

„Drei“

„Und wo ist das jetzt? Bei Oma und Opa?“

„Nein, zuhause bei den Großen, die Dorothee schmeißt den Laden.“

„Wie alt ist die Dorothee inzwischen?“

„Siebzehn. Die kocht und backt wie ein Weltmeister und es macht ihr total Spaß. Wir können uns hundertprozentig auf sie verlassen“.

„Jonas, den ältesten Sohn kenne ich noch aus der Kindergartenzeit und später als meinen Schüler. In bester Erinnerung, ein super Junge. Heute 24 Jahre alt wie meine Celina. Was macht er jetzt?“

„Er ist Zimmermann und arbeitet in der Schweiz, in Davos. Dort wird das ganze Jahr über gearbeitet, hier haben sie ihn im Winter rausgeschmissen, um den Lohn zu sparen. So ist das halt in Deutschland. Heute am Personal sparen und morgen über Fachpersonalmangel jammern.“

„Anne, mal ganz ehrlich, wenn du könntest, wolltest du mit Frau von der Leyen tauschen?“

„O Gott, nein, NEIN, NIEMALS!“

„Anne, überlege genau: Ministerinnengehalt, Dienstwagen, Chauffeur, wichtige Konferenzen, politische Macht, Einfluss. Du kannst dir Haushälterin, Kindermädchen, Gärtner leisten, eine schicke Villa.“

„Ute, hör’ auf, was soll das, warum fragst du das? Ich will nicht tauschen, mit niemand. Ich bin glücklich und zufrieden, so wie es ist, auch wenn es manchmal sehr anstrengend war. Ich denke nicht einmal an einen Einsatz in meinem Beruf, der häuslichen Krankenpflege, bei unserer Sozialstation. Nicht einmal stundenweise. Das kommt vielleicht später, die haben immer Bedarf. Da mach’ ich mir doch heute noch keinen Kopf.“

Gudrun:

Gudrun ist Jahrgang 1954 und hat auch sieben Kinder. Vier Töchter und drei Söhne. Es ist eine reine Musikerfamilie. Gudrun hat Kirchenmusik studiert in Rottenburg am Neckar so wie ihr Mann Volker. Als das erste Kind kam, machten sie gerade Examen. Gudrun spielte weiterhin Klavier und Orgel, gab Privatstunden, komponierte und verschwendete nie einen Gedanken an die Karriere. Es kamen weitere Kinder wie die Orgelpfeifen. Volker arbeitete als Kantor einer großen evangelischen Kirchengemeinde, leitete den Chor, seine Frau war ihm immer eine wertvolle Partnerin und Beraterin. Ohne sie keine Planungen, kein Konzert, keine Freizeit, kein Urlaub. Es ging alles immer glatt über die Bühne mit ihr, durch sie. Gudrun ist unglaublich kreativ, gelassen, humorvoll. Sie beobachtete und kannte ihre Kinder genau. Sie wusste um ihre Bedürfnisse, sie wusste das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden. Faszinierend und bewundernswert ist ihre Art, sich sanft durchzusetzen, etwas anzuschieben oder abzubremsen. In dieser Großfamilie gab es so gut wie keine störenden Fremdeinflüsse.

Neben den unausweichlichen Tränen immer wieder Lachen, Geborgenheit, Halt; es gab auch die kleinen Freiheiten und Freiräume unter all den vielen Geschwistern, wo der Einzelne sich nicht so überbetüttelt, so kontrolliert, so im Mittelpunkt stehend fühlte. Virtuelle Welten spielten damals wie heute keine Rolle, dafür die Musik. Jeder singt und spielt ein Instrument. Die Familie machte nicht nur Hausmusik, sondern bildet auch ein anerkanntes Familienorchester. Die erwachsenen Kinder, heute zwischen 31 und 19 Jahre alt, studieren alle etwas mit Musik: Lehramt, Solistenlaufbahn, ebenfalls Kirchenmusik. Die jüngeren gehen noch zur Schule. Es ist kein einziges Problemkind dabei. Kein einziges. Ich frage auch Gudrun:

„Hast du je bereut, keine Karriere gemacht zu haben? Würdest du nicht doch gerne mit Frau von der Leyen tauschen? Oder doch Generalmusikdirektorin sein?“

„Nichts war mir je wichtiger als die Familie. Ich bin Herr meiner Zeit und meine eigene Chefin. Ich führe ein erfolgreiches, prosperierendes Unternehmen. Ich bin Ministerin im Inneren, mein Mann, nicht irgendein Mann oder Vorsitzender oder Aufsichtsrat, mein Mann ist mein gleichberechtigter Partner und sozusagen der Außenminister. Wir teilen Leid und Freud, Arbeit und Freizeit. Uns verbindet die Liebe in Treue, die Kinder und alle zukünftigen Mitglieder unserer Familie, die Musik, unsere Kirchengemeinde und die Gemeinschaft aller Christen. Wir brauchen nur uns selbst, kein Ministergehalt, kein Dienstwagen mit Chauffeur. Wir sind trotzdem reich. Uns fehlt es an nichts. Wir können sogar von unserem inneren Reichtum abgeben an die Gesellschaft“.

Denise:

Ist es Zufall, dass auch die nächste kinderreiche Familie in meinem direkten Umfeld eine Musikerfamilie ist? Denise ist von Beruf Krankenschwester, ihr Mann ein Kleinunternehmer. Vier ihrer sechs Kinder gingen und gehen immer noch auf die Schule, an der ich fünfzehn Jahre lang arbeitete. Zwei ihrer Töchter hatte ich in Französisch, es war ein Traum, diese Mädchen zu unterrichten. Ruhig, fleißig und intelligent, anständig im Ausdruck und Kleidung. Da sind wir Lehrkräfte ganz anderen Dinge ausgesetzt, die uns belasten, zermürben, unsere Kräfte verbrennen. Hier nicht. Das ist reine Freude, solchen Jugendlichen zu begegnen. Die vier Brüder spielen Posaune, Trompete, Klavier auf hohem Musikschulniveau, sie bereichern jedes Schulfest, sie heimsen erste und zweite Preise bei „Jugend musiziert“ ein auf Landes- und sogar Bundesebene. Die Mutter gertenschlank und gepflegt, immer ansprechbar, wenn Hilfe und Unterstützung gefragt ist von der Elternseite: Chauffeurdienste, Kuchen, Salatbuffet, Elternbeirat.

Auch sie frage ich, ob sie sich mit all den Kindern, den unbezahlten und manchmal auch undankbaren Ehrenämtern nicht ausgebeutet fühlt, ob sie nicht doch lieber Familien- oder Arbeitsministerin sein wolle mit all den Vorteilen an Bezahlung, an gesellschaftlicher Anerkennung, der Altersvorsorge, der Gleichstellung? Oder zumindest in ihrem Beruf wieder Fuß fassen?